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Thema: nesselherz

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    nesselherz

    lasst mich
    am saum der nacht
    mit harzduft im haar
    aus nächtlichen zisternen
    das lächeln des tages schöpfen.

    lasst mich
    am saum der nacht
    mit akazientau auf dem leib
    aus archaischen krügen
    den wein der könige trinken.

    lasst mich
    am saum der nacht
    mit lorbeer im arm
    im schatten der sterne
    das nesselherz begraben.

  2. #2
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: nesselherz

    hi, allerleirau,
    die metaphern peitschen sich gegenseitig! natürlich gibts leut, die das für schön halten, sind ja auch schöne bilder. aber sie sind allzu leer und verbraucht. was ist eigentlich das besondere an einer "nächtlichen zisterne"? da fehlt nur noch die singende zikade und mein glück wär' vollständig!

    bigvogel

  3. #3
    confusius
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    AW: nesselherz

    In solcher Stimmung würde ich auch nesselherzen begraben. Richtig schön klebrig süß. Mir gefällt es. Und besser aus nächtlichen Zisternen schöpfen als aus Nachttöpfen.

    [Diese Nachricht wurde von confusius am 14. August 2000 editiert.]

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: nesselherz

    Oberon, Dir gefällt das nicht?

    Klebrig ist es nicht. Da steht der Met im Weg. Nieder damit! Rein ins Kröpfchen!

    Drei Mal fünf, dazu verlittne Nacht in der Negation der Eins. Die Nacht wird so nicht gelassen, losgelassen. Sie treibt sich ins Wort hinein, will also dem Unhinterfragten den Garaus machen. Das wird schwarz und düstrig werden in dieser Nacht. Klebrig ist mein naßgeschwitztes Bein, aber nicht dieser Text.

    Muß duschen gehen.

    Die Zisternen sind schwach. Tatsächlich. Sie erzeugen im Leser ein Wortfeld, das Du nicht mehr beherrschst. Du fängst es auch nicht auf mit dem Tag. Das ist das Dilemma des Textes. Du hast es Dir so gedacht, daß Du etwas schöpfen kannst, etwas Produktives machst, etwas aus dieser vermaledeiten Nacht machst, die sich im Tage in labender Nichtmühsal Kraft ordinieret. Und aus gesammeltem Wasser wird Wein, dann Lorbeer dazu, zu majestätisch. Dann bitte eine adelnde Form, nicht so ein fünf weniger zwei gleich drei mal drei.

    Im Hexeneinmaleins geübt, verlaß ich jetzt dieses flauschige Gemälde.


  5. #5
    Kurzvormabschussiger
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    AW: nesselherz

    einfach nur mal ne frage: saum der nacht ... was ist damit gemeint? doch sicher keine zeit der echten dunkelheit.... der saum befindet sich zumindestens bei kleidungsstücken am rande.... bei der nacht wäre es meinem verständnis nach die abend- oder morgendämmerung... und mit der abenddämmerung würde zumindestens für die nächtliche zisterne und das lächeln des tages ein sehr passender übergang entstehen.
    und ansonsten mag ich die stimmung des gedichtes. so!

    [Diese Nachricht wurde von sturmhexe am 16. August 2000 editiert.]

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: nesselherz

    stampf nich so mit den füßen auf, sturmhexe!
    ich gebs ja zu, an stimmung mangelt es dem gedicht sicher nicht und wenn solche bilder sie nicht vermitteln könnten - bleib stad und laß uns den wein der könige trinken und begrab dein nesselherz, wenn du weißt was meine! es sind schon um wenig mehr mit lorbeer im arm aufgewacht!
    bigvogel

  7. #7
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: nesselherz

    Bei Gedichten hat's zumeist die Form übernommen, Inhalte zu transportieren. Das steht hier, weil's auffällt. Drei gleiche Teile. Die Teile gehören zusammen, denkt ein jeder. Die Teile stehen in Beziehung, denkt ein anderer. Sie beziehen sich und treiben einen Gedanken oder einen anderen vor sich her, um ihm den Garaus zu machen, ihn in die Nesseln zu setzen.
    Hier ist's der Gedanke der Unbotmäßigkeit des Ichs, einen dadurch schwächer gewordnen Ichs, der dieser Hatz erliegt. Die Hatz macht das Motiv lebendig, die Hatz ist etwas, was über den Türmen des Gesagten steht, die Hatz ist das Wesen des Gedichts.
    Was mich an diesem Gedicht enttäuscht, hei?t Reflexivität. Ich dreh mich gern, spiralenförmig, ich dreh mich in das Ding gern hinein, brauch' das Gefühl von Weite in der Nähe, das Gefühl des Erhabnen strömt von oben quasi in mein Dasein im Text. Dann will ich auch gestoßen werden, dann will ich fallen, aufgehoben werden und gehe mit etwas neu Gedachtem aus dem Text hinaus.
    Hier aber plätschert's. Das geht den Menschen wie den Leuten, doch hatte ich anfangs das Gefühl, daß ich ein wenig schwimmen würd lernen können. Und darum ward ich enttäuscht.

  8. #8
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    AW: nesselherz

    Wein der Könige = Malvasier. Manchmal recht kläbrisch süßes Zeugs; na ja, warum auch sollte sterbende Gattung König mit einem besseren Gaumen gesegnet sein.
    Lass mich...nu lass mich schon...oder, meine Gute, verschone mich von weiteren Übeln gedankenloser Spinnereien.

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