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Thema: Aufzeichnungen aus der Mansarde

  1. #1
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    Aufzeichnungen aus der Mansarde

    Notizen - aus dem Leben gegriffen, heißt nicht begriffen, beschrieben nur... - Fragmente - völlig ungeordnet -
    dahingeknallt...:

    ---------------------------------------------

    1)
    "Nichts"-ahnend
    folgte er dem Prinzip
    des Erwachens,
    tapste blindlings in die Falle,
    ohne sich zu verletzen,
    Erfahrung heischend
    liebäugelte er mit dem Licht -

    die Nacht war sein Element,
    Feuer seine Geburt...-

    er liebte es,
    nackt ins Meer zu staksen,
    wenn die Mond lächelte,
    winkte er zurück...-
    mit den Fischen hatte er
    einen Komplott geschlossen und
    die Liebe war ihm heilig -

    was den Tod anbelangte schwieg er,
    weil Feuer seine Geburt...-

    über dem See tanzte die Morgenr?te,
    er wu?te seit langem:
    der schwarze Schwan verschwand...-
    Bilder ihm sein Sinnen,
    Schönheit sein Gebot,
    sein Bauch ein Gipfel,
    sein Geist ein Schwert -

    wohlan, es galt die Leidenschaft zu leben,
    weil Feuer seine Geburt...!

    [dem erkrankten Künstler]

    ---------------------------------------------

    2)
    im See
    spiegelt sich
    das Licht,
    bricht und
    gibt an
    zu sein... -
    im See
    spiegelt sich
    das Sein,
    bricht und
    gibt an
    Licht...

    ---------------------------------------------

    3)
    Schwäne schwanken,
    taumeln gewillt
    auf lauen Gewässern,
    schweigen sanft
    an Sommertagen -
    gib acht,
    sie fauchen,
    wenn Du sie liebkosen willst -
    Schwäne schwanken,
    taumeln gewillt und
    sind.

    ---------------------------------------------

    4)
    mag sein,
    daß an solchen Sonntagen
    7 fette Fliegen
    um eine Nase kreisen -
    mag sein,
    daß Solchertags
    ein Storch mit Fröschen
    um die Wette hüpft -
    mag sein,
    daß dann die Laus sich
    einen Hering um die
    Vielfalt der Arten kümmert -
    gewiß ist jedenfalls,
    daß gewiß ist,
    daß Gewisses sein könnte -
    alles weitere erfahren Sie nächsten Sonntag...

    ---------------------------------------------

    5)
    blauer Saphir,
    blaue Blume,
    die Dich blendet
    nur im Erahnen -
    heilger Kral,
    Gefäß der Weisen,
    berauschend dein Inhalt,
    blutigrot und süß -
    Liebe, schöne,
    ein Meer in deinem Augenblick,
    darin zu tauchen
    alles und immer...

    (hedonistisch-dionysisch...)

    ---------------------------------------------

    6)
    und wenn ich es wage,
    mich über die Klippen hinauszuhängen,
    dann erwarte ich nicht (und nichts...),
    Deinen Halt an meinen Beinen -
    ich falle nicht,
    ich fliege mit Dir...

    (aus dem hohen Lied der Ur-Amsel)

    ---------------------------------------------

    7)
    ich harke Kies.
    wieder und wieder harke ich Kies.
    und harke es immer wieder.
    ohn Unterlaß harke ich das Kies.
    harke um des Harkens Willens.
    das Kies knirscht schön!

    ---------------------------------------------

    8)
    abends legte sich
    der Baum
    ins Gebüsch,
    Schlafenszeit -
    am nächsten Morgen
    glühten Kastanienblüten
    im Himmel -
    es muß an den Wurzeln gelegen haben,
    oder am Licht...

    ---------------------------------------------

    9)
    vielleicht sollte ich das Schreiben lassen,
    vielleicht sollte ich Blues-Gitarrist werden,
    vielleicht sollte ich mich mehr um das Kies kümmern...

    (der arme Poet)

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Aufzeichnungen aus der Mansarde

    Lieber Paul,
    eine erste Reaktion:
    auf keinen Fall solltest Du das Schreiben lassen, solltest Dir im Gegenteil eine Gitarre greifen und bluesmäßig diese Zeilen zu einer wild-melancholisch-launigen Musik intonieren und Dir jemanden engagieren, der dazu Kies harkt. Bizarr, bizarr, aber ein Publikum würde verwöhnt... diese Zeilen verlangen nach einer musikalischen Aufführung.
    Ich schreib Dir das auch, weil Dein Text an sich wenig mit durchdachter und stringenter Lyrik zu tun hat und insofern immer ein expressives Wagnis impliziert ist. Ich frage mich allerdings nachhaltig, wie Du daraus etwas Stringentes machen könntest.
    herzlichst uis

  3. #3
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    AW: Aufzeichnungen aus der Mansarde

    nun denn,
    es klingt mir sehr von herzen
    (hab dank, oh edler zeitgenosse!),
    wo ist nur gleich das notebook
    von jimi hendrix,
    wohlan, eingestöpselt und
    wawaahbahouuu...

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Aufzeichnungen aus der Mansarde

    *27.11.1942 +18.9.1970

  5. #5
    rodbertus
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    AW: Aufzeichnungen aus der Mansarde

    ja, ist eine wilde romantik, die sich aber brachial anträgt; insofern freu ich mich immer über Paulchens Lautung.
    Paulchen, solle wir hier ein bissel textarbeiten wollen tut?

  6. #6
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    AW: Aufzeichnungen aus der Mansarde

    hm, hm, kratz, kratz, tja ich weiß nicht, also nicht so gern und überhaupt -
    aber wohlan, Dir zu liebe... -
    letztendlich laß ich mir ja nicht so gern ins Handwerk pfuschen- und das soll mitnichten jetzt erhaben oder überheblich klingen - mais non, natürlich freue ich mich über jedwelche Kritik, über jeden Tip bin, bin da offen und neugierig wie ein Kind, das zum ersten Mal den Schnee sieht... -
    aber ein wenig will ich mir dieses Erfahren auch behalten, bin insofern weniger auf die "Form", als viel mehr auf den Inhalt, gar auf das erste Empfinden des Lesers erpicht -
    will sagen, wenn jemand sagt, dies Gedicht finde ich schön, aber es stört mich ein Partizip - so ist mein Ziel erreicht... -
    unsere Ziele müßten schon in etwa übereinstimmen, wenn wir sinnvolle Textarbeit leisten wollen - und als bekennender Proletarier hab ich nun gar nichts gegen Arbeit... - vielleicht sollten wir einen 5-Jahresplan erstellen... -
    ums ein büschn verständlicher zu machen:
    letztendlich lieb ich es ja die Grenzen zu übertreten, dada spielt ein Hauch von Provokation mit, aber hauptsächlich geht es mir um die Freiheit der und in der Kust an sich, sie ist doch wie ein Spiegel, oder besser wie das Spiegelbild des Flusses - ein Spiegel unserer fließenden Zeit - heute das Sonett,
    morgen DaDa,
    übermorgen das totale Tohuwabohu,
    das wiederum am Anfang war... -
    ich bin ein großer Fan des Absurden, schwer also da eine Form zu finden, wenn nicht die eigene einfach entstehen zu lassen... -
    soweit dazu.
    itzo laß uns schaffen

  7. #7
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Aufzeichnungen aus der Mansarde

    Ich sage, ich finde deine Gedichte schön, und es stört mich auch nicht, das Du nicht an Bob Marley gedacht, der dieser Tage...

  8. #8
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    Post Aufzeichnungen aus der Höhle

    Aufzeichnungen aus der Höhle

    "ich lass mich ausgehen,
    bis ich ausgelassen bin,
    ausgelaufen aus dem Hafen und
    volllaufen auf hoher See,
    bis ich dann untergeh` " -

    so das trunkne Lied
    des Abtrünnigen,
    dessen Heimat
    das Nirgendwo,
    ein Flug nur, ein Fluch -

    hämisch Schnarren
    garnt sein Singen,
    ein Poltern, Klopfen,
    Getöse,
    ach -

    seht, dort auf
    dem Abstellgleis,
    leer und nutzlos,
    wenn nicht
    Rost und Farn und Moos... -

    doch wenn der Zug
    ins Rollen kommt,
    so rattern die Räder und
    ungestüm rauscht
    der Wind -

    ein Kind
    nicht mehr, weil
    das Schwert in der Hand,
    darin spiegelt sich
    das Feuer -

    nichts was ihn hält,
    nicht der Schein nur,
    Nebel, Hauch -
    weg nur, voran,
    zurück ein lodernd Wrack -

    zur Freiheit verbannt
    ist Leid und Los,
    weil wie ein
    Feuerball bei Nacht -
    Asche!


    Ach, Meer,
    ewigliches,
    nimm mich auf,
    in deinen Tiefen
    will ich ruhn.

    --------------------------------------------


    die Worte
    so leer,
    vermodert -
    Gerippe-

    der Wahn
    dicht auf den Fersen,
    ich öffne die Arme,
    ha, da schrickt der Wahn... -

    wer ihn geküsst,
    der bleibt vernarrt,
    wer ich vermisst,
    der ist es selbst!

    --------------------------------------------

    Gevatter Tod
    wetzt die Sense,
    halt ein -
    so weit ist der
    Weg auf der Grenze und
    ich bin doch schon so nah...

    --------------------------------------------

    Erkenntnis kommt vor dem Fall,
    war das letzte, was den fallenden Engel weilte -
    wie ein Feuerschweif raste er zur Erde!

    --------------------------------------------

    Ruhe, Ruhe, Ruhe -
    der Wind singt sein altes Lied!

    --------------------------------------------

    die Erde lieben heißt nicht die Menschen lieben -
    unter freiem Himmel schlafen ist nicht in einem Haus schlafen...

    --------------------------------------------

    es gibt Dichter der Höhe und
    Dichter der Tiefe,
    Dichter der Liebe und
    Dichter des Todes -
    und es gibt Dichter des Unterwegs!

    --------------------------------------------

    Spaß bedeutet,
    keine Angst zu haben
    vor der Nicht-Existenz -
    das Absurde ist eine Weg dahin,
    die Schönheit flimmert!

    --------------------------------------------

    Neulich in der 5.Dimension traf ich Einstein -
    mit ihm war leider kein vernünftiges Wort zu wechseln,
    er lachte nur in einem fort...

    --------------------------------------------

    unermesslich der Durst,
    der Drang, der Trieb,
    unfassbar -
    ungestillt zu harren und
    ahnen doch das Licht
    ist Leiden fürwahr ist
    Last -
    flieg in selg'ge Nacht, mein Vogel,
    schwarzer Vogel, flieg voran!

    --------------------------------------------

    die Erkenntnis,
    der höhere Sinn,
    selbst das Ziel -
    WURSCHT!
    im Sein des Kiesels ruht Erhabenheit,
    im Sein des Seins!
    und er grub und grub und grub,
    drang vor zu den Wurzeln,
    wurde Wurzel,
    ist Wurzel -
    zum Grund,
    zum Abgrund... -
    alles kehrt wieder und wieder und wieder und
    wird doch nicht eins -
    mir ist kalt!

  9. #9
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Aufzeichnungen aus der Mansarde

    Irgendwo hast Du konkrete Sandsteine im Gewirsch, aber es sind Konkretationen, nichts Ungemachtes liegt in Deinem Bett. Gut wird's, Paulchen. Aber wir wollen es noch besser. Stange halten und Konzentrate schaffen.
    Der erste Text ist gut, verliert sich mitteils, kommt dann aber wieder. Den Rest vergessen wir. Halt, Einsteins Antreffe ist ein guter Gedanke, wert, näher und ausführlicher behandelt zu werden. Wie ist's denn so in der fünften Dimension?

  10. #10
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    5. Dimension

    ungemein zugig da draußen, zieht dir mächtig um die Ohren - aber wenn man sich's einrichted, ganz flauschig - und überaus lustig natürlich...

  11. #11
    rodbertus
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    AW: 5. Dimension

    Jetzt hast Du mich neugierig gemacht. Es ist zugig und flauschig gleichermaßen? Nach der Einrichte? Wie bewege ich mich? Ist es kalt oder heiß, regnet's wenigstens ab und zu? Ich möchte Kieselsteine in den Fenstern und dreiradfahrende Kinder. Außerdem darf mein Eis nicht zu schnell schmelzen, die Saaltochter sollte einen ordentlichen Gin Tonic machen können (einen, bei dem der Gin noch spritzig ist) und die Frauen sollten Kopftücher tragen (sich aber sonst nicht verhüllen). So stell ich mir die fünfte Dimension vor.

  12. #12
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    AW: 5. Dimension

    ...ein Stück weiter gings ernster zu,
    Hölderlin klopfte mit Nietzschen und van Gogh einen Skat -
    und woher dies Gejammer?
    ach, da hinten hing Jesus am Kreuz -
    mitten auf einem sonnig Plätzchen ein Faß:
    "Moin, Dichter!"
    "Moin, Diogenes!" -
    tja, ein Kessel Buntes da draußen und
    wenn's gar zu arg zieht
    gehen wir einfachn rein,
    rein in Phantasias Schloß...

  13. #13
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: 5. Dimension

    WOHER DIESES GEJAMMER?
    Aber, geh! Der Mann ist auferstanden, nix mehr mit Jammern. Was tut Der überhaupt dort? Ein Traum, eine Erinnerung an Letztbegründung schwingt in Ihm mit. Ja, ich würd' Ihn gern neben mir sitzen haben, meine Repulsionen und Attractionen im Grase schmauchen und einen Hammer hüten, der nix kurz und klein schlägt, sondern die Noth ins Geratene. Das ist die Macht, die mit mir wär. Da würd' ich's glattweg aushalten. Ein Gespräch sein! Paul, Du weißt, was himmelshöllennothhochpeinliche Vollstreckung meiner Sehnsüchte bedeutet. Sei umschlungen, Priester! Verkünde und worte weiter meinen Platz, vielleicht ist dort auch ein Fleckchen für Dich? Wo sitzest Du?

    Diese Skatspiel-Etüde kenn ich irgendwo her. Es dämmert. Du Schelm, kennst mein Buch. Nietzsche spielte übrigens beschissen, sah hinter jedem Daus einen Teufel sitzen und griente dann immer. Da ward er leicht auszurechnen.

  14. #14
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    AW: 5. Dimension

    ich sitze nicht,
    ich gehe umher -
    nicht das spiel ist mir im sinn,
    obwohl das vielleicht besser... -
    noch latsche ich diese verfluchte grenze
    auf und ab und auf und
    suche schlüssel, schätze, lichter -
    doch schon liebäugel ich mit dem sonnigen plätzchen, stell vielleicht ein faß dazu -
    hoffe dio hat nix dagegen... -
    natürlich nicht, bevor ich mich nicht um den leibhaftigen gekümmert habe,
    wird schon eine zange zu finden sein... -
    hm, dein buch kenn ich nicht - leider -
    es geht um skat?
    grüße von dem,
    der ordentlich sandstein im gewirsch
    p.s.: gogols aufzeichnungen eines wahnsinnigen stehen ein büschn pate...

  15. #15
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post AW: Aufzeichnungen aus der Mansarde

    Ich schicke Dir das Buch, in dem sie Skat spielen, den Skat dreschen und den armen Hölderlin ganz schön fertig machen. (Schiller war manchmal ein schöner Schweinehund.) Die Hölle. Malen wir sie uns aus! Es gibt da ein Buch aus dem 12. Jahrhundert, ein englischer Bauer namens Thurkill beschreibt seinen Höllengang. Ich lege Dir eine von mir adaptierte Teilübersetzung, ein Stück aus den LEIDEN, bei:

    Edgar trat nach längerem Warten hinter dem Vorhang hervor. Er fragte sich, ob nicht Schwefelgestank oder wenigstens Brandflecken auf dem getäfelten Boden seine Hirngespinste bestätigen müßten, doch da er nichts fand, verwarf er diese Möglichkeit und öffnete die Tür. Aber statt auf dem Flur seiner Wohnung stand Edgar auf einem unbekannten Feld, das nicht sehr groß war, vielleicht ein Morgen. Darauf Pferd und Pflug. Das Pferd wieherte freudig erregt. Edgar streichelte die feuchten Nüstern, heißer Atem streifte seinen Nacken, weckte Lebensgeister, und er athmete tief durch. Sein Blick suchte vergebens nach einer Begrenzung des unbekannten Raumes, Feld an Feld reihte sich, dazwischen Obstbäume mit prallen Früchten. Wald grünte in der Ferne und Berge, kahl und glatt, standen bedrohlich rings um; zuletzt stockte sein suchender Blick auf dem jungfräulichen Stückchen triefender Schwarzerde. - Edgar säte wenig später Salz, das eine Satteltasche enthielt. Am Feldrand lag ein verwitterter Spaten, der sorgte für den Graben am Rain, in den hinein das salzige Wasser fließen konnte. Edgar sah und handelte, hantierte, daß man hätte meinen können, er hätte sein Lebtag lang nichts anderes getan. Als er mit der Arbeit fertig war, kniete er auf dem Felde nieder und betete. Auch das tat er, als ob es zu einer alltäglichen Gepflogenheit gehörte.
    Eine dunkle, völlig verhüllte Gestalt kam des Wegs und blieb stehen, aber Edgar grüßte erst, nachdem er das begonnene Gebet beendet hatte. Die sinistre Gestalt beugte den Oberkörper zum Gruß und murmelte etwas Unverständliches. Die Geste war freundlich, abwartend, aber freundlich, und der einsame Bauer freute sich. Gemeinsamkeit. Stumm war die Gesellschaft, stumm zwar, doch Edgars Einsamkeit war beendet.
    Sie zogen nach Osten, durchschritten schweigend die rotblühende Ebene und kamen am Fuß eines kahlen Berges zu einer Basilika staunenswerter staunenswerter Bauart. Das Dach ruhte auf drei Säulen, die Nordseite war begrenzt von einer hohen schmutziggrauen Mauer, für die übrigen Seiten fehlten Wände. In der Mitte loderten aus einem Becken hohe Flammen. Aus den Flammen trat eine schlanke Gestalt im weißen Gewand mit unverhülltem Gesicht. Die gesetzten Bewegungen strahlten Ruhe, Kraft und Würde aus. Das weiße Gesicht blickte kalt und starr auf einen Punkt in unbestimmter Ferne. Die Gestalt reichte Edgar die Hände zum Gruß, der sie zaghaft nahm und küßte. Er sah einen Rubin, schmuckvoll eingefaßt von schwarzem Gold.
    „Mein Herz war verblendet, weil es erkaltet war. Mein Glaube...“, stammelte er hilflos, ohne Wissen um die Herkunft der aus ihm sprudelnden Worte. Die weiche beringte Hand des graziösen Geschöpfs legte sich über Edgars Mund. Sie standen vor der Nordwand und sahen weiße, rote und schwarze Flecken, die das graue Gemäuer zum Großteil bedeckten. Aus dem Boden stiegen fauchend Dämpfe. Edgar glaubte zu erkennen, daß dieses Schnauben durch ein gräßliches feuchtes Husten hervorgerufen wurde, das die Mauer an einzelnen Stellen blutrot sprenkelte. Nach und nach quollen apathische Gestalten aus den verschiedenfarbigen Flecken hervor, schauten sich scheu und verschreckt um und stellten sich um das Feuer des Beckens. Alle trugen ähnliche Mäntel, die ihre Körper bedeckten und nicht erkennen ließen, ob es sich um Mann, Frau, Kind oder Greis handelte. Als die Zahl der Versammelten den Raum ausfüllte, daß nur in unmittelbarer Nähe des Beckens sowie um Edgar und seinen Begleiter Platz blieb, schritt eine dieser Gestalten nach dem stummen Kommando der unverhüllten Gestalt solenn zum Becken und redete gebeugt in unverständlichen Ausdrücken zu den anderen. Ab und an hob...

  16. #16
    Kurzvormabschussiger
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    Post AW: Aufzeichnungen aus der Mansarde

    Zitat:
    Und? geit?
    pauli

    Jetzt hat ers gecheckt. Das dauert halt, aber einmal pro Woche muss er schon mal reinschaun zu den Lite-Ratten (äh, nach langem überlegen stelle ich fest: Wo genau der Gegensatz zu den Heavy-Ratten liegt, kann man sich nur herbeikalauern...)
    Nach Lektüre der "Aufzeichnungen a.d.H." dachte ich, auweh, jetzt holt ihn der Teufel, der im Detail des allzu scharfen Gewürzes steckt. Alle Jungfräulichkeit vergewaltigt... (kannst du das verdichtende Wort "ein Kind nicht mehr, weil das Schwert in der Hand" nicht grammatikalischer fassen? Ne. Nei-en! Nur keine Textarbeit, du meine Güte. Deine Deinung steck dir an die Hüte! Zu spät zu früh für sowas, die Sommerzeituhr zeigt Zwei Zwei Sechs, Samstagmorgen...)

    Im mittleren Abschnitt singt ein Tenor "todessehnsüchtiger Wahnsinn". Verzeih mir den folgenden Kommentar, den sich die Heavy-Ratte nicht verkneifen kann: Ein heissa auf den Alkohol-Abusus, der uns in poetische Abgründe treibt, ach, so tief? Schlechtes Gewissen, hä?
    Sieh: Ich folge dir, Dichter:
    Deine Aneinanderreihung von Gedichtbuch-Gedanken macht am Ende einen läuternden Sinn. Vielleicht interpretiere ich zuviel hinein, aber neulich vor zwanzig Jahren bin ich auch mal aufgewacht... "alles kehrt wieder und wieder und wieder und wird doch nicht eins - mir ist kalt!". Damals lag ich nach kurzem Schlaf rotz-besoffen und traurig im Tiefschnee und hab den Heimweg gerade noch geschafft.
    Kühl und einsam ist der Tod. Katharsis ist der Himmel dagegen.

    Ei, du Arsch: Es ist zwar wundervoll, aber bitte übertreibe nicht Nichts! Bleib aufrecht über dem Boden. Nur hier berühren sich Gedanken, an der Oberfläche deines Sarges jedoch nur trockene Erde und kondensierte Tropfen. Auf dein Grab würde der virtuelle hootch nur würdelos draufpinkeln, wenn er wieder einen über den überschwenglichen Lebensdurst getrunken hat. - Könntest du den Abusus bitte genauso end-gültig gefälligst bleiben lassen? Hör auf, so extrem herum zu schwanken, das macht mir Angst.

    Robert: Entschuldige, bisher wars privat. Aber wenn du so weitermachst, wird es ein Politicum. Zwei Fünf Neun, oje. Nachher Theaterprobe...bsp;
    h.

  17. #17
    Kurzvormabschussiger
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    Post AW: Aufzeichnungen aus der Mansarde

    Nachsatz für den vielleicht interessierten Robert:
    Der erste Satz "Jetzt hat ers gecheckt" bezieht sich auf hootch in Beziehung zu Paul.
    Der Nachsatz "wenn du so weitermachst" geschah schmunzelnd, denn wann haben wir in der naheliegenden Vergangenheit ähnlich umfangreiche Antworten überlesen müssen?
    Ich verspreche: Ich werde sie lesen, und mich bessern. Da steht es, schwarz auf weiss... was bleibt uns übrig?
    ähnlich geduldig,
    h.

  18. #18
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Aufzeichnungen aus der Mansarde

    Dieser Textausschnitt aus dem Leiden..

    Ich mag ihn, er weckt meine Neugier auf mehr!

  19. #19
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Aufzeichnungen aus der Mansarde

    Sind das Höllenerlebnisse, hootch?

    Gestern sah ich in das Gesicht einer Hexe. Ich wußte um sie, denn mir wurde kalt. Ihre Blicke sind saugend. Aber, mal ehrlich. Gibt es Hexen in der Hölle? Kaum. Die sind alle hier oben. In der Hölle schwirren nur kleine Teufel herum, die die Seelen aus den Verstorbenen pressen, die sie rollen und knebeln, die ihnen Beine machen, um sie abzuschneiden, um SPASZ mit ihnen zu veranstalten. SPASZ ist Hölle, Erinnerung auf Erden Vorbereitung darauf.

    PZ, das Lesen dürftest Du nicht aushalten, spätestens auf Seite 20 bist Du verschüchtert und schmeißt das Buch in die Ecke. Keiner hält das aus.

  20. #20
    Mitgestalter
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    CONTRA!
    so eißts beim skat,
    wenn dreie einen dreschen... -
    dann ist ergo spasz die ölle und
    leiden der immel? -
    hm, scheint ganz einfach zu sein
    zu sein,
    cogito... -
    und hootchi, laß mich doch an der tiefe lecken, so lange ich noch an das licht glaube - das wissen schon die kinder... -
    ich schäme mich deswegen nicht, manchmal bleibt mir da das grinsen im gesicht kleben... -
    was noch?
    ach ja, "sinister" gefällt mir nicht, "staunenswerte bauart" sehr. "Dann stille". gefällt mir auch. ein stummer engel flog vorbei... -
    so, werde jetzt in die ecke gehen, da soll zuweilen lesestoff reingepfeffert werden - bin ich gespannt.
    gute nacht, ihr lieben.

    weitere Höhlenmalerei:

    zwischen
    tiefster- und
    mitternacht bleibt nicht viel
    zeit,
    nicht fürs grübeln meer,
    nur noch für gedichte -
    inter-esse,
    zwischen-sein... -
    ballungszentren im dunklen,
    nachtfalter,
    motten, die um licht schwirren -
    schwirren macht kein gedicht,
    aber vielleicht das licht? -
    lichtbringer,
    höllenhafter luzifer... -
    der wecker klingelt:
    aus der traum!
    moin...

  21. #21
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    Post Aufzeichnungen aus der Höhle II

    Aufzeichnungen aus der Höhle II

    im Versenken
    in sich
    taucht wie
    Blei er zu
    loten -
    Blasen steigen
    auf und
    lösen sich
    auf und
    blubb -
    Blei fällt
    weiter und
    weiter und
    bleibt nie -
    sinkt in
    tiefen Abendgrund,
    singt
    vom Schlamm
    vergessener Tage...

    ---------------------------------------------

    langsam stieg die Kälte
    die Füße erst,
    dann Beine hoch
    ins Herz und
    gefangen im ewgen Eis
    der Nacht
    gefriert
    der Augenblick und
    Traum wird
    wahr -
    Gefrierpunkt.

    --------------------------------------------

    die Raupe zog sich
    zum Entpuppen
    zurück, weil
    sie im Sommer
    schmetterlingen
    wollt.

    ---------------------------------------------


    psychoanalyse:

    der Korken.
    der Korken baumelte,
    taumelte auf
    offener See.
    da ging er unter,
    plötzlich
    ging er
    unterbewußtsein.

    ---------------------------------------------

    Nachtgebet für Kinder

    ein Schiff
    schwimmt nächtens
    übern See,
    übern See
    nächtens
    ein Schiff
    ganz still und leis -

    uns sieh,
    im Schiff
    ein Träumelein,
    ein Träumelein
    im Schiff
    für Dich
    vom lieben Gott -

    jetzt schlafe schön,
    mein liebes Kind,
    mein liebes Kind,
    schlaf schön,
    die Äuglein zu und
    träume süß in
    selger Himmelsruh.

    --------------------------------------------


    Motte beim Erreichen der Flamme

    oh, alles verändert
    sich und mich
    im wandel,
    im begriff
    zu werden -

    wechselt farben,
    lieder, wurzelt
    ur im einen
    klang und
    explodiert -

    spannung stete,
    energie, die ewig
    sich gebiert im
    neuen
    feuertod.

    --------------------------------------------

    Kies.
    Kies , wohin das Auge blicket.
    Wehe dem, der keine Harke... [Konfusius]

  22. #22
    rodbertus
    Laufkundschaft

    Aufzeichnungen aus der Höhle II

    [..] Wie lange willst Du das durchhalten, um nicht selbst zu einer dieser Momentaufnahmen zu werden?

  23. #23
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    Aufzeichnungen aus der Höhle II

    Hasi, der Weg ist das Ziel [..] Spannend finde ich den Gärprozess der Hefe - warum immer Endprodukte, Fertiggerichte? Das Kneten des Teiges, eine Blase, blubb, weg - ich finde das erwähnenswert. Und ich nenn das auch nicht Gericht oder Gedicht - Aufzeichnung, schlicht und ergreifend - Notizen, Fragmente, Tagebuchskizzen, Scherben, Splitter, Blasen -
    da bleib ich durchaus gerne mal hängen... - das zusammenzufügen ist ein anderes, hab Geduld, Schwerenöter!

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