Es ist dies einer der Königswege in der Geschichte, wirtschaftliche und soziale Aspekte als Gründe für politische Veränderungen anzunehmen.
Das Reformationszeitalter ist gekennzeichnet vom Wechsel der Natural- zur Geldwirtschaft, vom Feudalismus zum Kapitalismus. In diesem Zeitalter wurde das europazentrierte Denken durch eine geopolitische Komponente erweitert, vornehmlich in Spanien und Portugal [1], dann in Holland [2], England und Frankreich. Die Deutschen blieben europazentriert, aber sie erfanden das, was die Expansion im Denken und in der Kriegsführung erst ermöglichte: Buchdruck und Schwarzpulver. Sie schufen das neue Weltbild. Die innere Revolution vollzog Luther mit seiner Reformation, die die Menschen aus der Unmündigkeit und Obrigkeitsgläubigkeit zum freien und verantwortungsvollen Handeln befähigte; die äußere Revolution machte Kopernikus möglich, der das enge mittelalterliche Weltbild aufbrach und einen Raum schuf, in den viele Abenteurer stießen, um Tore zu öffnen, neue Wege zu gehen, neue Märkte und neue Kulturen kennenzulernen.

Protestantische Theologie von dem Sinn der Geschichte: „Das durch den Schöpfer in die Menschheit gelegte Sittengesetz [Was du willst, das man dir nicht tu, das füg auch keinem anderen zu.] ist verdunkelt durch die Sünde [die Erbsünde Adams, der sich nicht an Gottes Wort hielt und von der Schlange resp. dem Teufel verführen ließ]. […] Als Evangelium [Jesu Leben und Lehre] ist die Offenbarung [Apokalypse] nicht Vorschrift, nicht richterlicher Spruch, sondern Kraft. Und schließlich führt doch diese Kraft die ethisch-religiöse Vollendung des in der Menschennatur Angelegten herbei. Nur daß diese Vollendung unserer religiös-sittlichen Natur durch das Evangelium nicht logisch aus dieser Natur abgeleitet werden kann, sondern als geschichtliche Tat Gottes dem ableitenden Denken unfaßbar [denn der Mensch besitzt keinen freien Willen, sondern bloß die Möglichkeit, sich Gott einzuergeben, also zu glauben und so die Gnade zu empfangen] ist.“ (Wilhelm Dilthey: Aufsätze zur Philosophie. Berlin 1986. S. 235/236.)
Die Entwicklung der Geldwirtschaft ging von Italien aus. Goldmünzen wurden in Florenz geprägt, Florentiner, Florin, Gulden, die europaweit in Zahlung genommen wurden. Die Silberfunde im Erzgebirge schufen Voraussetzungen für industriell gefertigte Silbermünzen, große Silbermünzen, Taler, benannt nach einer nordböhmischen Stadt namens Joachimsthal, in der diese Silbermünzen gepreßt wurden. Die Amerikaner machten aus diesem Taler später das Wort „Dollar“.
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts brachten die Spanier große Mengen Silber aus Amerika auf den europäischen Markt und kurbelten die Geldwirtschaft entscheidend an. Quantität schlug hier also in Qualität um. Aber das reicht nicht aus zur Erklärung dieser Entwicklung. Der mittelalterliche Staat lebte nicht durch Steuern, sondern durch Leistungen, durch Gehorsam und Gefolgschaft. So etwas wie eine Steuererklärung kannte man nicht, Steuern waren selten und dann zeitlich begrenzt. [3] Aber es gab einen Tag, meistens war es der Johannistag, an dem die Lehnsabhängigen ihre Naturalleistungen dem Lehnsherrn abgeben mußten. Naturalleistungen waren das einzig mögliche Zahlungsmittel für die meisten Bauern, die auf diese Weise für den Schutz bezahlten, den sie von ihrem Herrn erhielten, ein Schutz, der militärische, richterliche und soziale Arbeit des Adels gleichermaßen umfaßte und im Reich immerhin so gut ausgeübt wurde, daß es bis 1525 zu keiner nennenswerten Erhebung gegen die Herrschaft gekommen war und nach 1525 bis 1918 auch nicht wieder kam. Der Verwalter des Herrn saß auf dem höchsten Punkt der Umgebung, entweder einer Burg oder einem Fronhof, und kassierte Eier, Heuballen, Schafe oder das Getreide: je nach Bemessungsgrundlage etwa 10% des Jahreseinkommens. Wer dieses Entgelt nicht leisten konnte, mußte dies durch körperliche Leistung (Schuldfron) oder eben dadurch ableisten, daß er in den Schuldturm kam. Die Entwicklung ging hin zur Abstraktion dieser Leistungen, das bedeutet zum Geld.

Gerechtigkeit ist der von jedem Christen zu erstrebende Zustand der Gnade, in dem der Mensch von Gott angenommen und erlöst wird. Luthers reformatorische Entdeckung bestand in der Einsicht, daß dieser Zustand nicht durch menschliche Anstrengungen ('Werke') zu erreichen ist, sondern nur das Geschenk Gottes sein kann. Dem Menschen ist es aufgegeben, sich Gott vorbehaltlos zu überantworten, d.h. an ihn zu glauben. In diesem Sinn kann der Mensch nur durch den Glauben 'gerecht' werden und Befreiung von seiner Sündhaftigkeit erlangen.“ (J. Rohlfes: Das Werden einer neuen Zeit. Stuttgart 1972. S. 12.)

Dieser Prozeß vollzog sich parallel zu politischen Ereignissen wie Kriegen oder der Reformation. Es ist allerdings nicht von der Hand zu weisen, daß es Wechselwirkungen, unterstützender wie verhindernder Intention, gab. Der Fund einer Silbermine und die darauf folgende Gründung einer Prägestätte wird der Neuansiedlung von Industrie sicher nicht im Wege gestanden haben. Auf der anderen Seite werden religiöse Eiferer oder Unglücksfälle wie das Aussterben einer innovativen Familie sicherlich nicht zur Förderung des Wohlstandes in einer Gegend beigetragen haben. Der Normalfall ist der Kampf der einander widerstrebenden Bewegungen: alt gegen neu. Nicht immer aber ist das Neue auch das Fortschrittlichere.
Die revolutionären, die Gesellschaft in ihrem Aufbau bedrohenden Ausbrüche ereigneten sich auf dem Lande oder in den kleineren Städten. Die reichen und großen Städte Augsburg, Leipzig, Magdeburg oder Köln kannten in dieser Zeit keine bäuerlichen Aufstände, die kleineren Hamburg, München, Rostock oder Braunschweig dagegen schon, von Erhebungen auf dem Lande muß hier ganz entschieden gesprochen werden; es gärte nicht nur in Thüringen oder Südwestdeutschland, sondern überall, wo die ländliche Bevölkerung den Großteil der wirtschaftlichen Leistung erbrachte, mithin beinahe allerorten. Wenn in den Städten Unruhe entstand, dann durch Nepotismus oder Partizipationswünsche der unterprivilegierten Bevölkerung. Das Muster von Erhebungen ist dabei immer das gleiche: in Robin Hood-Manier den Reichen etwas wegnehmen und den Armen geben. Manchmal in Verschwörungsszenarien, meistens in der Art spontaner Bluträusche, die mit Plünderungen, Lynchakten oder Pogromen einhergingen.
Unruhen entstehen auf vielerlei Weise: Mißernten, Veränderungen im Abgabensystem, Ausgrenzung von Waldrechten, harte Winter, ungerechte Herrschaft, tölplige Bauernwirtschaft und dergleichen mehr. Das klingt so, als ob das Reich eine einzige Krisengesellschaft gewesen wäre. Das war nicht der Fall. Die Form der Politik und Wirtschaft hatten sich mehr oder weniger seit Jahrhunderten bewährt, auch stand es nicht wirklich zur Disposition. Wir Heutigen machen hier viel zu oft den Fehler der Interpolation, wir messen diese Zeitalter mit unseren heutigen Vorstellungen über Glück, Gerechtigkeit und Fortschritt und müssen zwangsläufig zu einem negativen Urteil über diese Zeiten kommen. Aber so ist es falsch, denn wir müssen uns bemühen, die Zeit aufgrund ihrer Gegenwart und Vergangenheit und den Zukunftserwartungen aus IHR heraus zu begreifen.
Im Zeitalter der Reformation tastete niemand die Herrschaftsverhältnisse an. Es gab zu allen Zeiten (vorher) Beschwerden über Wildrecht der Herrschaft, beschnittenes Waldrecht, das die Herrschaft aussprach, wenn der Wald zu sehr geforstet wurde. Allerdings hatte im 15. Jahrhundert der Steueranteil zugenommen, auch wuchs der Wunsch, den Dorfpfarrer selber bestimmen zu können, kommunale Einrichtungen sollten kommunal verwaltet und besoldet sein, eine Umgestaltung in Richtung autarker Wirtschaftsräume schwang mit. Utopische Ideen korrelierten mit anarchischen Vorstellungen, das alles religiös unterminiert. Aber eine Theorie der Revolution gab es nicht, nur Unmut, Empörung oder ein gestörtes Gerechtigkeitsempfinden, was meist damit zu tun hatte, daß Bauern eher konservativ ausgerichtet sind und der neuen landesherrschaftlichen Gewalt weniger trauten als der losen Kaisergewalt aus vergangenen Tagen. Eines aber will der Bauer immer haben: Recht und Ordnung.

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Das sind alles Bewegungen, wie sie nicht nur im Reich vor sich gingen, sondern auch in allen anderen Ländern der Welt. Unzufriedenheit gab es immer; es kam immer nur darauf an, ob die Mächtigen das Zeug dazu hatten, die Auflehnung zu unterdrücken oder ob die Gründe der Auflehnung beseitigt wurden.
Im Reich gab es wegen der politischen Grundsätze der deutschen Libertät ein hohes Maß an Freizügigkeit in bezug auf die politische Verfaßtheit der Gemeinden. So gab es kommunistisch organisierte Bezirke, die wohl einige Generationen fortdauerten, früher oder später aber abstarben, da die ideelle Grundierung ihrer Mitglieder nicht mehr gegeben war. Modeerscheinungen, wie wir sie heute auch beobachten können. Letztlich erwirkten und bewirkten die sozialen Erhebungen der Bauern keine wesentlichen Änderungen, die nicht sowieso schon auf dem Wege waren, meist waren diese sozialen Forderungen religiös begründet, sollten aber immer auf eine Nivellierung von Standesgegensätzen hinauslaufen. Dabei war der gemeinschaftliche Aspekt in der Frühneuzeit stärker ausgeprägt als vergleichbare sozialrevolutionäre Bewegungen im 20./21. Jahrhundert, die vor allem die Gegensätze und Unversöhnlichkeit betonten und sich über Besitzverhältnisse definierten: arm gegen reich.
Anders in der Frühneuzeit: Es gab einen Ständekampf, sicherlich, aber es gab nicht wenige sehr reiche Bauern und etliche arme Adlige. Mancher Bauer schaute stolz auf seine Reichtümer und belächelte den Standesstolz des armen Grafen in der Nachbarschaft. Im umgekehrten Falle gab es nicht wenige Adlige, die ihre Vorrechte immer dann betonten, wenn ihre wirtschaftliche Not am größten war. Kompensationshandlung. Der wesentliche Unterschied zwischen den Verhältnissen im Reich und in anderen Teilen Europas war genau der, daß die Reichsadligen mit ihren Bauern zusammenlebten, Not und Drangsal teilten, Religion, Recht und Krieg miteinander ausfochten und auch die Feste zusammen feierten. Es gab keinen zentralen Königshof, der die Adligen rief und dort festhielt, sie blieben vor Ort und in Kenntnis der Verhältnisse, waren Teil dieser Verhältnisse, meist nicht als Kropf, sondern als antreibende und auf Lösungen orientierte Minderheit, geachtet, gefürchtet und geliebt, in jedem Fall aber als notwendiger Bestandteil des Ganzen respektiert. Und vergessen wir auch nicht, daß diese Adligen, die etwa 3% der Bevölkerung ausmachten, ihrerseits selbst in einem Untertanenverhältnis zu anderen Adligen standen. – Deshalb gab es in Deutschland keine Revolutionen. [4]

„Mit der 'Heiligung der Welt' erfahren alle Berufe eine Aufwertung. Für die Christlichkeit der Lebensführung ist nicht der soziale Rang des Menschen von Bedeutung, sondern allein die Gesinnung, mit der er ausgefüllt wird. Der lutherische Protestantismus hat zu einer höheren Einschätzung der menschlichen Arbeit (im Vergleich zur vita contemplativa, d.i. das innere Erleben Gottes durch mystische Versenkung in Gott) beigetragen, dabei allerdings die Frage der sozialen Gerechtigkeit ausgeklammert. Wenn allein die innere Einstellung zur Arbeits- und Berufswelt von Belang ist, dann wird die Frage des gerechten Arbeitsentgelts und überhaupt der sozialen Gerechtigkeit vergleichsweise unwichtig. Da der Christ zum Leiden bestimmt ist, wie Luther in seiner theologia crucis betont, hat er sich notfalls auch mit einer ungerechten Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung abzufinden. ((J. Rohlfes: Das Werden einer neuen Zeit. Stuttgart 1972. S. 13.)

Der Soziologe Max Weber forschte zu dem Mentalitätsumschwung im Zeitalter der Reformation und kam zu dem Ergebnis, daß dieses Zeitalter einen neuen Geist hervorbrachte, der sich gegen die Verteufelung des Erwerbsstrebens, wie es das Mittelalter kannte, wendete. Waren im Mittelalter nur zwei Stände anerkanntermaßen bedeutsam, Adel und Geistlichkeit, so nivellierte die Reformation die Geistlichkeit, stieg gleichsam der Nährstand auf und forderte eine aktive Gleichberechtigung. Damit wurden auch die das Bürgertum tragenden Aspekte stärker respektiert. Das Nützliche gewann neben der Ehre und dem Ruhm an Bedeutung. Die Calvinisten, d.s. die Anhänger des vor allem in Holland und der Schweiz wirkenden protestantischen Reformators Calvin, definierten eine neue Werkheiligkeit, indem sie denjenigen als gottgefällig titulierten, der es vermochte, sich Reichtümer zu erwerben. Das richtete sich gegen das Armutsideal der Bettelmönche, die Jahrhunderte lang die Religion bestimmt hatten. Andererseits verboten die Calvinisten unnützen Luxus und Vergnügungen, lobten den sparsam Lebenden und heiligten die Arbeit.
Wir können bis in unsere heutige Zeit Auswirkungen erkennen, nicht wenige Menschen glauben den Sinn des Lebens verloren zu haben, wenn sie ihren Arbeitsplatz verlieren. Das ist eine unmittelbare Folge dieses protestantischen Arbeitsethos, der bis weit ins 20. Jahrhundert wirksam war und die Menschen antrieb. Hatte der mittelalterliche Katholizismus das Feiern nicht verboten, so gab es in calvinistischen Gegenden sehr starke Beschränkungen, denn der Lohn Gottes sollte dem Feiernden nicht zufallen. Gemeinwohl und Nächstenliebe, Dienst und Mission standen im Mittelpunkt des öffentlichen Lebens. Den Ursprung für diesen Umschwung sah Weber nicht in wirtschaftlichen oder sozialen Ursachen, sondern in religiösen. Die Religionspraxis des 15. Jahrhunderts entsprach nicht den Bedürfnissen der Gläubigen, nach der Reformation und Gegenreformation entsprach sie diesen. Damit verbunden waren Änderungen in allen anderen Verhältnissen. [5] Bis zur Reformation lebte man nebeneinander, berührte sich kaum, es galt das Recht des Stärkeren, der dann die Regeln aufstellte, an die sich der Unterworfene halten mußte. In der Neuzeit ist das anders: zwar gibt es auch in ihr das Recht des Stärkeren, sehr viel entschiedener jedoch weiß der Unterlegene seine Anliegen geltend zu machen. Die Neuzeit will gegenseitiges Befruchten und Miteinanderarbeiten: eine Wirkung des Humanismus, der eben Grenzen ausmaß und überschritt, das Enge war seine Sache nicht.

Die Reformation kann dem Mittelalter zugeordnet werden, insofern sie am alten theo- und anthropozentrischen Weltbild festhielt, der transzendenten Orientierung des Menschen den Vorrang vor der Bewältigung des diesseitigen Lebens gab, Mündigkeit und Autonomie entschieden leugnete, alles kulturelle und geistige Leben nach kirchlichen Maßstäben zu gestalten suchte.
In anderer Hinsicht begünstigte die Reformation den Anbruch der Neuzeit: sie stellte die Autorität der alten Kirche im Namen des individuellen Gewissens in Frage, löste die enge Verbindung von geistlicher und weltlicher Herrschaftsgewalt, nahm dem Klerus den geistigen und gesellschaftlichen Vorrang, erhöhte die Geltung der profanen Arbeit und Berufsausübung, indem sie ihr die Weihe des göttlichen Auftrags verlieh. (A. Moser: Staat und Staatensystem im Zeitalter des Absolutismus. Stuttgart 1972. S. 21.)

Militärischer Aspekt: Markgraf Albrecht Alkibiades von Brandenburg (um 1550) nahm seinen Rittern die Lanzen weg und gab ihnen Pistolen, stellte sie zu viert in die Linie, siebzehn Pferde tief. Daher stammt der Name Eskadron. Die erste Reihe ritt auf den Feind zu, schoß und schwenkte zur Seite, um dabei nachzuladen, schloß hinten wieder an und weiter ging es. So wurde aus dem mittelalterlichen Rittertum frühneuzeitliche Kavallerie. Diese Technik bedurfte hoher Disziplin, war aber auch sehr erfolgreich, denn diese neuen Gevierte waren nur schwer aufzuhalten. Der Adel aus den weitläufigen ostelbischen Gebieten mit ihrem hohen Anteil an Großgütern nahm diese neue Kampftechnik besonders gern an, was den Erfolg und Aufstieg Brandenburg-Preußens zum Gutteil ausmachte.


Aufgaben:


  1. Gib die Kampftaktik der Eskadron in einem Schaubild wieder! (I)
  2. Stelle einen Zusammenhang zwischen Wirtschafts- und Geistesentwicklung für das Reformationszeitalter her! (II)
  3. Arbeite zu der These: „Die Reformation war Deutschlands frühbürgerliche Revolution.“ Vergleiche hierzu die Auffassung der DDR-Akademie (Luther-These von 1981) mit den Ausführungen Max Webers zum Protestantismus! (III)




[1] Portugals politisches und wirtschaftliches Streben jener Zeit war von drei Momenten geprägt: Selbstbehauptung gegenüber dem mächtigeren Spanien; Bekämpfung des Islam und Expansion in die entdeckten Weltgegenden von Afrika bis Indien. Christlicher Glaubenseifer und ritterlicher Tatendurst verbanden sich mit der frühneuzeitlichen Gier. Sie wollten im Rücken der Mauren Bundesgenossen gewinnen, zugleich den in arabischer Hand befindlichen Indienhandel in eigene Hände bringen.

[2] Hollands Weltbedeutung in der Frühneuzeit (1500 bis 1789) baute sich parallel zu seinem seit 1581 dauernden Befreiungskampf gegen die katholischen Habsburger auf und endete 1648 mit der Unabhängigkeit vom Reich. Während in politischer Hinsicht calvinistisch-bürgerliche Kräfte im Inneren um Selbständigkeit kämpfen, eroberten sie mit den seinerzeit besten Schiffen der Welt (Hoorn-Schiffe) um 1600 Ostindien und Australien. Hollands Bedeutung sank erst auf den Status einer Mittelmacht zurück, nachdem es gegen die Briten zwei von vier Kriegen verloren hatte, den ersten 1654 und den letzten und entscheidenden 1780.

[3] Eine kurze Steuergeschichte fürs Reich gab der Reichstagsabgeordnete Karl Braun 1867 bei seiner Antrittsrede im Norddeutschen Reichstag. Steuern waren danach eine von allen Reichsbürgern zu zahlende Abgabe von einem Pfennig, das simplum, in Notzeiten auch zwei oder drei Pfennige. Ein Kennzeichen der Lutherzeit war die nachlassende Zentralgewalt, die u.a. dazu führte, daß das Reich nicht mehr die Kraft besaß, diese Steuer seiner Reichsbürger einzusammeln, sondern die Fürsten sich zwischenschalteten und die Steuern als sogenannte Römermonate in Verhandlungen mit dem Kaiser vor dessen Kapitulation zur Sprache brachten.

[4] Martin Luthers Reformation übte eine nachhaltige Wirkung auf die europäischen Länder aus. Sie trieb die Lösung grundlegender Widersprüche der Feudalgesellschaft voran und wurde deshalb sehr rasch zu einer europäischen Erscheinung, die den Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus beschleunigte. Europa trat damit in die Epoche der bürgerlichen Revolutionen ein, in denen sich das Bürgertum im Laufe der nächsten Jahrhunderte schrittweise zur ökonomischen auch die politische Macht erkämpfte. (aus: Luther-Thesen der Akademie der Wissenschaften der DDR. Berlin 1981.)

[5] Das Mittelalter bestach mit dem Nebeneinander, die Neuzeit mit dem Ineinander, die Postmoderne mit dem Miteinander, die Postpostmoderne kehrte zurück zum Nebeneinander.