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Thema: vollmondnacht

  1. #1
    schreibt hier hin und wieder
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    vollmondnacht

    vollmondnacht

    vor mir
    bewegung,
    zwei schatten.
    über mir
    der mond
    in den wipfeln der bäume,
    die sich,
    vom wind gestreichelt
    hin und her wiegen.

    ich kann die bäume
    im licht
    und
    die schatten
    nicht gleichzeitig sehen.

    um mich
    geräusche
    doch nichts
    dringt zu mir

    nur die schwere der nacht

  2. #2
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    AW: vollmondnacht

    Hallo traumtänzer!
    Das ist beschreibend und doch schwingt Gefühl einer Stimmung mit, wenn auch nicht ganz zu verstehen. Eindeutig als lästig störend empfinde ich die zweite Strophe. Musst Du das haarklein so beschreiben, wäre hier nicht eher ein Vergleich angebracht. Weißt Du, der Vergleich haucht lyrischen Texten nachvollziehbares Leben ein, es besteht allerdings die Gefahr, dass er manchmal als zu kitschig empfunden werden kann. Kümmere Dich darum zunächst jedoch nicht. Wenn Du einen Sprecher eine solche Stimmung beschreiben lässt, dann darfst Du ihn sie auch mit etwas Anderem vergleichen lassen. Das wirkt allemale besser in kurzen Texten als eine Erklärung für etwas, das der Leser auch so gut nachfühlen könnte.
    Soviel zur zweiten Strophe, nun zur dritten:
    Das "um mich" stört, erscheint doppelt gemoppelt, wo sollen Geräusche denn sonst sein, als um Dich herum, oder hast Du Tinitus oder hörst Stimmen in Dir?
    "Die Schwere der Nacht" ist an sich gut angedacht. Wie verträgt es sich aber hier mit dem Vollmond, versuche das mal näher aufzulösen, denk an fliegende Seelen in solchen Nächten, die haben es leichter.
    Alles in allem lohnte sich hier eine Überarbeitung.
    herzlichst uis

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: vollmondnacht

    hallo uisgeovid,

    eine kurze antwort, nicht, daß du denkst, ich antworte nicht. hab nur wenig zeit im moment.

    2. strophe: mit vergleichen hab ichs nicht so (weiß auch nicht warum, hab komischerweise noch nie welche benutzt, aber das kann sich ja ändern). diese strophe ist eigentlich nicht nur beschreibung, sondern auch, na ja, sone art philosophische betrachtung. werd aber drüber nachdenken, ob ich das besser hinkrieg.

    3. strophe: d'accor. "um mich" ist doof.

    über "die schwere der nacht" muß ich nachdenken.

    bye
    tt

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: vollmondnacht

    ...bin ein wenig uneins mir dir, uis. mir scheint, Traumtänzer ist gar kein Traumtänzer, eher ein guter Beobachter. Mir gefällt besonders die 2. Strophe, das fällt nicht jedem auf; aber auch die anderen beiden Strophen sind Naturbeschreibungen - alle eher unlyrischer Art. Allein die letzte Zeile gehört zum anderen Ufer, nur ist diese Metapher leider nicht neu und stößt dem Vielleser auf. Vielleicht sollte T. Prosa schreiben, das könnte was werden..

    So ist das: Kunst beginnt mit dem genauen Hinsehen (oder wie Robert kürzlich anmerkte: mit "Hören". Ja hör hin: dann wirst du merken, dass die Geräusche nicht um dich herum sind - siehe 3. Strophe -, sondern in dir. Das ist dann aber nicht mehr Lyrik, sondern Philosophie..)

    Mit Gruß und Verbeugung

    Lester.

  5. #5
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    AW: vollmondnacht

    Ihr Lieben!
    Das ist eben die Frage, wo hört die Lyrik auf und wo beginnt die Philosophie (zu der auch das genaue Beobachten gehört)?
    Ist es nicht immer eine Gratwanderung am Rande der didaktischen Metaphorik, wenn wir Beobachtetes mitteilen? In der Regel geht immer die eigene Beobachtung, und zwar die genaue und scharfe, dem lyrischen Sprechen voraus, lyrisch wird das Sprechen aber erst, wenn wir aus den eigenen Gefühlen und Beobachtungen universell verwend- und erkennbare Bilder abzuleiten vermögen.
    Ist mal ein Ansatz.
    herzlichst uis

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: vollmondnacht

    Original erstellt von uisgeovid:
    In der Regel geht immer die eigene Beobachtung, und zwar die genaue und scharfe, dem lyrischen Sprechen voraus,...
    Ich frag mal nach, muß eine Beobachtung unbedingt scharf + genau sein, kann nicht das Lyrische auch aus dem unscharfen Blick entstehen? Und antworte mit Wittgenstein: "Dieses despotische Fordern" (Die Härte des logischen Muß)

    Ich dachte an meine frühen, bewußt unscharfen Fotos und ihre geheimnisvolle, sehr malerische Wirkung.
    Schärfe MUSS heut jeder Apparat, es bedarf jetzt der gekonnten Manipulation, eine Unschärfe zu erzeugen...

    Nochmal L.W. "Ist eine unscharfe Photographie überhaupt das Bild eines Menschen? Ja, kann man ein unscharfes Bild immer mit Vorteil durch ein scharfes ersetzen? Ist das unscharfe nicht oft gerade das, was wir brauchen?"
    Gruß M

  7. #7
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    AW: vollmondnacht

    Dazu zunächst nur wenig, Marina, als Antwort, denn sonst wird es zu philosophisch. Manchmal wünschte ich, ich könnte "unscharf" gucken, klar tu ich ja auch, aber egal wie, Beobachtungen, Apperzeptionen, brennen sich in aller Schärfe und Deutlichkeit in die Seele ein. Wenn ich sie da heraus hole, kann ich das sehr wohl scharf oder unscharf, kommt nur darauf an, was ich mitteilen will.
    Ist ein wenig verklausuliert, ich gebe es ja zu.
    wie immer
    uis

  8. #8
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Prelude. Jetzt streichen wir das alles und beschreiben, was dann geschieht/geschah! Was gescheiht, wenn der Mond sein bleiches Licht ausschüttete, in Dir sich wiederfand und weiter dringt und wühlt und faulem Pfuhle Nahrung sucht und wühlt und ewig weiter ausdörrt härenes Verlangen? Was geschieht Dir dann, tt?

    Original erstellt von traumtänzer:
    vollmondnacht

    vor mir
    bewegung,
    Perspektivenproblem: Wie läutet sich ein text ein? Du und Du und Du? Vor mir steht etwas, etwas steht vor mir. Was für Welten in dieser Permutation?! Ich stelle Dir fünf Fragen:
    1. Das Ich steht, sitzt, liegt..
    2. Das Mir ist ungebeten oder aktiv? Transitivität ist schlechtes Karma.
    3. Das Wagen und Wegen, auf dem Wege sein.., es bedarf eines Kontextes, eines Bezugspunktes: Wo ist er?
    4. Sag niemals, es kömmt noch! Es kömmt nie, wann es soll!
    5. Ich schaue auf etwas, auf eine Veränderung, bin selbst aber umschlungen von MIR, ich bin MIR gram, ich will heraus, ich will und will nicht.

    Willst Du umstellen?

  9. #9
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    AW: vollmondnacht

    2. text:

    es brennt ein feuer der sehnsucht in meiner brust. ich möchte einer der bäume sein, die vom wind getrieben, sich streicheln lassen und sich streicheln, im licht des mondes, gemeinsam tanzen. ein liebespaar. dieses liebespaar, von dem ich ausgeschlossen, wirft vor mich einen schatten und ich sehne mich danach, im licht zu tanzen. dies ist unerreichbar, so daß mir nur bleibt, die nacht, die dunkelheit, allein zu ertragen, die mich umgibt.

    ich hoffe, das zählt nicht als eigeninterpretation.

    ich schreibe im zweiten text dem leser praktisch vor, was er zu f?hlen hat. das will ich eigentlich vermeiden, obwohl ich natürlich gefühl vermitteln will. aber ob der leser nun sehnsucht oder melancholie oder einfach nur das bild usw. fühlt, sollte ihm überlassen sein. das habe ich im gedicht versucht.

    ich beantworte die fragen und überarbeite die erste strophe, in der hoffnung weiterer verklausulierter frage - antwortspielchen

    Zu1: es sitzt, könnte aber auch liegen.

    Zu2: passt ein bissel zu 1. es ist ungebeten, passiv. ist das ich und das MIR bei dir unterschiedlich?

    Zu3: ist das schwierig! im irgendwo ist das lyrische ich, irgendwo in der nacht bei vollmond unter bäumen. der bezugspunkt ist im irgendwo. oh je, raff ich das nicht? bin ich schon zu weit?

    Zu4: nee, et kömmt nicht. wat denn? ah so, wollen wir zuerst von den bäumen reden, die dann schatten werfen?

    Zu5: so ist es. und nu?

    versuche umzustellen. ist das überhaupt ein gedicht?

    ich sitze im gras.
    der mond
    scheint in die wipfel der bäume,
    die sich,
    vom wind gestreichelt,
    hin und her wiegen.
    sie werfen schatten.

    irgendwie aber doof. das ICH muß nicht im gras sitzen, kann auch auf ner bank oder am fenster. aber ich hab die hoffnung hier den bezugspunkt zu setzen. das MIR ist jetzt raus, dafür ein ich

    auf das sich die grübelei lohnet. mal sehn was bei rauskommt, is eh schon die tausendste version.

    bye
    tt

  10. #10
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    AW: vollmondnacht

    einen hab ich noch! mit bezug auf die vorherige diskussion:

    ich sitze im gras.
    der mond
    scheint in die wipfel der bäume,
    die sich,
    vom wind gestreichelt,
    hin und her wiegen.
    sie werfen schatten,
    die wie ein liebespaar,
    vor mir tanzen.

    ha! ein vergleich, gibs ja gar nicht

    ist es jetzt kitschig?

    bye
    tt

  11. #11
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: vollmondnacht

    jetzt werd ich nervig, ich weiß, aber mach son spaß

    wieso lassen wir das ich nicht einfach ganz raus. außerdem hat sich kaum merklich der inhalt geändert. das geht so nicht. also:

    der mond
    scheint in die wipfel der bäume,
    die sich,
    wie ein liebespaar,
    vom wind gestreichelt,
    hin und her wiegen.
    sie werfen schatten.

    für MICH ises das. außerdem ist dieses blöde wort bewegung raus. ist doch klar, daß die schatten sich bewegen, oder?

    was findet ihr am besten?

    bye
    tt

  12. #12
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Anja
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    Bildantwort

    Zitat Zitat von traumtänzer
    vollmondnacht

    vor mir
    bewegung,
    zwei schatten.
    über mir
    der mond
    in den wipfeln der bäume,
    die sich,
    vom wind gestreichelt
    hin und her wiegen.

    ich kann die bäume
    im licht
    und
    die schatten
    nicht gleichzeitig sehen.

    um mich
    geräusche
    doch nichts
    dringt zu mir

    nur die schwere der nacht

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