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Thema: An der Schwelle

  1. #1

    An der Schwelle

    Entwurzelt treibt ein Baum im Fluss
    bis an den Rand der Zeit

    Der Mond rückt einen Stuhl heran
    setzt sich zur Dunkelheit

    An nackten Zweigen schwitzt die Nacht
    aus allen Poren Sand

    Von steilen Kehren rieselt er
    hinab in meine Hand

    Gedanken reisen mit dem Wind
    bis an den Rand der Zeit

    Schon bald bin ich bei dir mein Kind
    der Weg ist nicht mehr weit

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: An der Schwelle

    Knittelverse mit Kreuzreim! Also sind es keine Knittelverse, sondern Stanzen? Nö, dann hättest du Dich um einen verzählt. Jedenfalls sind es alternierende jambische Vierheber. Ich vermute, weil der Knittelvers in den letzten Jahren eine depravierende und deprimierende Entwicklung nahm, hast Du statt des erforderlichen Paar- einen eher angeseheneren Kreuzreim benutzt. Ich bleibe also dabei, es ist ein Knittelvers, wenngleich...

    Zum Inhalt: Raum und Zeit verwirbeln hier. Das Baumtreiben erfolgt im Raum, wenngleich der Fluß symbolisch die Zeit repräsenteirt. Der Mond rückt heran und bringt wohl das Licht mit, das er nicht selber entwickelt, wohl aber reflektiert. Das Schwitzen der Nacht AN den Zweigen gefällt mir nicht, zumal der Fluß für äußere Nässe gesorgt haben dürfte. Bedeutungsvoller klänge es, wenn aus den Zweigen etwas schwösse. (Dieses Wort wollte ich schon immer mal schreiben.)

    Tod. Wiedersehen. Der uralte Glaube, daß mit dem Tod kein Ende, sondern nur eine Etappe beendet sei, läßt mich glauben, daß Du nicht der Atheist bist, der Du vorgibst zu sein.

    Guter Text.

  3. #3

    AW: An der Schwelle

    Schön. Gefällt mir ebenso.

    Kann mir beim jambischen Vierheber mal jemand den fünffüßigen Jambus erklären? Angeblich soll der Kurs im fünffüßigen Jambus geschrieben worden sein, was, wenn ich es richtig einsortiere, eine Hommage vom eigentlichen Autor (das KIND in allen) an Skakespare abbildet. Quasi als ein nachtragliches Lob für einen weiterhin untoten Dichter, aber was zeichnet das in Texten aus, die eigentlich keine Lyrik sind, sondern einfach der Kurs? Daneben fürchte ich, mir diese fünfteiligen Satzaufbauten unbewusst ebenso angeeignet zu haben, auch wenn ich dieses eher nicht bemerke...

    Irgendwann schreibe ich vielleicht doch mal etwas Poetisches. So als schwösse das Wort aus dem schweigendem Mond in die Reste der Dunkelheit....

    Wenn die Gedanken mit dem Wind reisen, spricht meist das himmlische Kind.

    Ich hab mal gelesen, das Atheismus nur die Abwehr gegen etwas ist, dass mensch ganz tief in sich spürt. Und nur deshalb scheint eine Verteidigung gegen die Wahrheit benötigt zu werden. Einer Wahrheit, die ist, was sie ist, wenn ihr zugestanden wird. so zu sein, wie sie nun einmal ist. Gedanken reisen mit der Zeit bis in die Unendlichkeit, dabei verlassen sie weder ihre Quelle noch jemals den Geist, in dem sie geboren wurden.

    Und ich glaube aus Erfahrung, dass neue Worte gar nicht so leicht aus dem Speer geschüttelt werden können, wie mensch gemeinhin glaubt. Ein neues Wort sollte zuerst mit den einzelnen Buchstaben abgesprochen werden, die es später bilden und dem Wort eine Bedeutung verleihen sollen. Ein Wort kann ja nix anderes bedeuten als die Buchstaben, aus denen es besteht. Meine Erfahrung mit Wortneuschöpfungen ist die, dass die Bedeutung wächst, wenn sie geteilt wird.

    Ob schwösse schon eine geteilte Bedeutung besitzt?

    Dann könnte durchaus gesagt werden:

    An nackten Zweigen schwoss die Nacht
    aus allen Poren Sand.

    Das Präsenz von schwösse fehlte mir noch, schwiss die Nacht. Schwösse müsste ja eine Möglichkeitsform sein, oder etwas ein Imperativ?

    Es schwösse mir ins Hirn, was steht mir auf der Stirn? Oder ne Aufforderung?

    Ist mit Wortneuschöpfungen nicht so einfach. Erst müssen wi,r glaube ich, glaubhaft zum Ausdruck bringen, dass am Anfang des Wortes die Buchstaben schon gewesen sein mussten. Um also:" Es werde Licht vom Anfang bis zum Ende aller Gedanken", sagen zu können,.mussten die Buchstaben ihre Bedeutung schon besessen haben.

    Selbst Kinder, die Sprache noch nicht kennen, deuten ein SCH als Aufruf zur Stille. Selbst in der Schule wird diese grundlegende Bedeutung des SCH gleich doppelt angewendet...

    Das W steht für das Element Wasser und damit Liebe, gleichsam für kosmische Bewusstseinsvereinigung und kosmische Allliebe. Schwösse könnte also bedeuten:

    SCH für das URLICHT, W für kosmische Intuition, Ö als bisher unerklärter Schwingungszustand, S für ALLKRAFT, SS könnte als potenzierte ALLKRAFT gesehen werden und das E steht für ALLGEGENWÄRTIGKEIT und ALLBEWUSSTSEIN. Alles gilt für das Akasha, in der Physis wird vieles davon etwas "dichter" aufgefasst....

    Das Ö sollte überdacht werden: Ich sag mal, was ich gehört hab, was ein Ö in einem Wort so macht. Beim ÄÄÄÄ von Boris ist uns die Bedeutung klar, das Ä ist völlig klar die tiefste physische denkbare Denkschwingung, enthält jedoch im Akasha das Geheimnis des Lebens und damit die höchste DENKSCHWINGUNG.

    Das A und O sind Liebe und Gerechtigkeit. Das Ö wird so beschrieben:

    Im Akashaprinzip soll die Ö-Schwingung tiefste Erkenntnis hervorrufen, welche nur durch göttliche Liebe erfahren werden kann. Das Ö wird mit den Umwandlungskräften des Geistes in Verbindung gebracht. Das scharfe S mit der Lebenskraft oder ALLKRAFT verbunden, das SCH wird mit dem Urfeuer assoziiert.

    Was als Mutterbuchstaben bezeichnet wird, sind SCH, M und A. Was auf eine Trinität auch in der Geburt von Worten schließen lässt.. Im Anfang waren also drei Mutterbuchstaben und das war vor dem WORT.

    Das Gedicht ist schön, weil es die Grenzen der Zeit überwindet und den Gedanken Flügel verleiht... Daher dankeschön!

    Wie wollen Worte verstanden werden, wenn nicht mehr gewusst wird, wie und woraus Worte entstehen?

    Insgesamt könnte "schwösse" daher ein sehr mächtiges WORT sein. ÄÄÄH, aber ich weiß ja nix...

    Was eigentlich gemeint war: Es ist beileibe keine Zufall, dass die unentdecke Schwarze Sonne nicht nur daher umbenannt wurde, wobei das potenzierte Leben nun mit einer anderen Bedeutung versehen wurde. Es beweist eigentlich, dass angewandte Geheimlehren durchaus von den Nazis verwendet wurden. Und das V von Victory-Zeichen wurde von einem ausgewiesenen Magier quasi als "Gegenzauber" zum "Budenzauber" verwendet.

    Was Crowley damit "ansprach", war die Gesetzmäßigkeit und Harmonie aller sichtbaren Welten. Dabei stand meine Quelle mit Crowley in erbindung. Ich hab es mal wieder Franz Bardon entlehnt, wie wohl Crowley auch auf diese Quelle zurückgriff. Beide standen im Austausch miteinander und Franz Bardon hat auch Crowleys Werke gelesen. Sie ergänzten sich darin, die faustische NAZI-Manipulation nicht zu unterstützen.

    Bardon´s wichtigstes und letztes Werk wurde vom tschechischen Geheimdienst beschlagnahmt, die NAZIS hatten ihn vorher inhaftiert, wobei er zu Kriegsende fliehen konnte. Gewehrt hat sich Franz Bardon niemals auf geistigem Wege, nur einmal regte er sich so auf, dass ihm kurz ein Schadenszauber entfuhr. Den er aber wieder ausglich. Wenn wir nicht erkennen, was hier getan wurde, ist die Aufhebung und UMWANDLUNG unmöglich. Worte wie schwösse zu verstehen könnte daher nützlich sein....

    Nützlich könnte eventuell auch diese Verknüpfung sein:

    Wegen der Mutterbuchstaben SCH - A: - M: Wenn zwei eines Geistes sind, und die SCH A M zertreten wurde...

    Muss die betretene Bedeutung der Scham zertreten werden? Ist die Scham der Kopf der Schlange?

    Die Scham ist das, was in das Dunkel gezerrt wurde; dem in das Dunkel Gezerrte auf den Kopf treten, zertritt den Kopf der alten Schlange.

    Wobei auch sie ihre eigene Aufgabe hatte. wenn wir es einmal rückblickend betrachten werden...
    Geändert von Michael (05.10.17 um 16:41 Uhr)

  4. #4

    AW: An der Schwelle

    Danke!

    Wortschöpfungen...dafür bin ich zu haben...nur darf das kein erklärtes Ziel sein...und auch nicht auf Teufel komm raus...
    Nur dann, wenn die Neuschöpfung alternativlos scheint...es noch keinen für mich passenden Begriff an dieser Stelle gibt.
    Die Sprache, da bin ich auf deiner Seite, ist ein dynamisches Gebilde - Grenzen sind der Tod jeder Kreativität...das gilt auch für die Sprache. Vielleicht bin ich ja gerade deshalb Lyriker geworden.

    Ich konnte schon im Alter von 10 Jahren nahezu perfekte Potraits anfertigen - aber gerade dieser Perfektionismus führte dazu...dass ich heute ein eher unterdurchschnittlicher Zeichner bin. Niemand will eine 1:1 Abbildung sehen...weder in der Malerei...noch in der Fotografie. In der Lyrik konnte ich mir eine gewisse "Unschuld" und Naivität bewahren....m.E. die Grundvoraussetzung für einen stetige Entwicklung. Dies als Vorspann zu deiner Frage zur Form. Mit Formen hatte ich mich nie wirklich aufgehalten...ich habe sie "studiert"..ja...aber bewusst nicht verinnerlicht. Hin und wieder nutze ich dieses Wissen zur Gegenprüfung...das gebe ich gerne zu. Wenn mir etwas nicht rund erscheint....das ich zuvor nur aus dem Bauch schrieb...dann lege ich auch mal eine Schablone drüber - nur darf diese nicht schon von Anfang an im Spiel sein. Wenn sich der Kopf einschaltet, dann verstummt der Bauch. Wenn ich Musik höre...´dann niemals nur so nebenbei. Wenn, dann will ich sie fühlen...soll sie mich ergreifen...berauschen...und wenn es sein muss auch zerstören. Ich kann also mit Knittelverse mit Kreuzreim gut leben...aber auch mit allen anderen möglichen Zuschreibungen. Was bleibt? Das ist die eigentliche Frage - und zugleich der höchste Anspruch an sich selbst.

    Zitat Michael

    Das Gedicht ist schön, weil es die Grenzen der Zeit überwindet und den Gedanken Flügel verleiht... Daher dankeschön!
    Auch wenn mir das schmeichelt...will ich Dir da weder zustimmen noch widersprechen....denn egal wie...ich würde dich dadurch bestehlen...denn dein spontanes Gefühl ist auch immer das einzig wahre...wahr im Sinne von authentisch.

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