+ Antworten
Ergebnis 1 bis 5 von 5

Thema: Die Lichtung (Teil V)

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
    Registriert seit
    27.April 2001
    Ort
    Diedorf
    Beiträge
    535
    Renommee-Modifikator
    19

    Die Lichtung (Teil V)

    Die Lichtung - 5. Teil


    Der Weckdienst des Hotels holte Pendell aus dem Schlaf. Das Telefon musste hartnäckig mehrere Minuten läuten, bis sich der Autor schlaftrunken meldete. Pendell hatte heftig geträumt, vergaß jedoch alles im Moment des Erwachens. Nur eine ihm nicht erklärliche Lust auf Rote Grütze, die er seit seiner Kindheit nicht mehr gegessen hatte, blieb von seinen Traumgesichtern. Er murmelte ein paar unfreundliche, zusammenhanglose Wörter in die Muschel, dann sank er zurück ins Bett.
    Erinnerungsfetzen an die Nacht kamen ihm in den Sinn. Der Autor sah sich um. Er war allein; das Bild lag auf dem Boden und zeigte ihm seinen rohen Rücken, auf dem "Lichtung bei Marienhaupt" stand. Er zwinkerte der Kehrseite des Gemäldes zu. Es hatte ihm gute Dienste erwiesen. Diese Nacht hatte ihn einen Triumph der wiedergewonnenen Jugend erleben lassen. Er hatte die Frau stundenlang wie ein liebestoller Kater ohne nennenswerte Unterbrechungen geliebt und erst dann notgedrungen aufgehört, als sie erschöpft und wund die Segel strich. Er lächelte überheblich.
    "Nun, so schnell wird sie mich wohl nicht vergessen." dachte er eitel und stand endlich auf.
    An ihren Namen konnte er sich momentan nicht erinnern. Wo war sie überhaupt? Besorgt sah er unter das Bett, unter dem jedoch nur die Schlampereien des Zimmerservice zu entdecken waren. Auch im Bad war sie nicht, Pendell suchte vergebens nach einer Nachricht von ihr. Die Frau war verschwunden, als hätte sie nie existiert. Nicht einmal der Geruch ihres Deodorants hing noch in der Luft. Nur das zerwühlte, fleckige Bettzeug verriet, dass er diese Nacht wirklich erlebt hatte.
    Gedankenverloren wusch er sich, zog sich an und ging hinab zum Frühstücksbuffet. Beim Anblick der dargebotenen Lebensmittel bemerkte Pendell, wie ausgehungert er war. Er aß gierig und ohne Kontrolle.
    Der Autor schrieb zwar ausschließlich über parapsychologische Phänomene und metaphysische Erscheinungen, hatte ungezählte Berichte von Augenzeugen oder Opfern gelesen, war vielen selbst zu Interviews begegnet, doch bislang war ihm nie etwas am eigenen Leib oder Geist wider die Naturgesetze begegnet, auch wenn er es sich manchmal eingebildet hatte. Natürlich war er mit Hamlet der Meinung, dass da mehr zwischen Himmel und Erde war. Wenn Pendell ehrlich mit sich war, musste er allerdings die meisten Berichte, die er gehört und untersucht hatte, anzweifeln. Pendell schrieb also über Dinge, an die er in letzter Konsequenz nicht glauben konnte, so sehr er sich auch nach Glauben sehnte. Das war ihm kein Grund zur Beunruhigung: Er betrachtete sich in seinem Inneren weiterhin mehr als SF-Schriftsteller als als Sachbuchautor und sein Verdienst war dabei ordentlich.
    Nun war alles anders: Sein Bild hatte eine Macht über ihn, die er nicht aus der Psychologie heraus erklären konnte. Doch war es wirklich das Gemälde eines zweitklassigen Malers, das diese Kraft in sich trug? Er musste es bezweifeln. Viel wahrscheinlicher war ihm, er würde jene Kraft an dem Ort selbst finden, den der Maler, ob nun zufällig oder vom Unbewussten geführt, als Motiv gewählt hatte, dort, in der Waldlichtung bei Marienhaupt. Ein Teil des Kraftfeldes, das sich dort befand, musste während des künstlerischen Aktes des Malens auf die Leinwand übergegangen sein. Künstler besitzen ja einen sechsten Sinn. Und wenn schon ein dilettantisches Abbild der Lichtung die Macht hatte, ihn in ein brünftiges Tier zu verwandeln, was war dann an dem Ort selbst möglich?
    Pendell war bisher der Einzige, der diese Macht spürte. Aber das störte den Autor nicht. Er betrachtete sich als wesentlich feinfühliger als die anderen Menschen und beanspruchte deswegen ein Recht auf sein Privatwunder. jetzt musste er nurmehr nach Marienhaupt gelangen.
    Jemand legte dem Autor eine Hand auf die Schulter. Pendell sah überrascht auf und in ein überlegen lächelndes Gesicht.
    " Einen wunderschönen Morgen, Herr Dr. Haben Sie gut geschlafen?" wurde er mit einem anzüglichen Augenzwinkern gefragt. Für einen kurzen Moment wusste der Autor mit der Person neben sich nichts anzufangen; dann lächelte er breit. Der glatzköpfige Mann erschien im richtigen Moment.
    "Guten Morgen,...Herr Parma, nicht wahr? Setzen Sie sich doch. Was führt Sie so früh am Morgen hierher?"
    Der Vertreter der VHS folgte leicht verwirrt der Aufforderung und nahm neben Pendell am Frühstückstisch Platz.
    "Wir waren doch um diese Zeit verabredet. Ich wollte Sie zum Bahnhof fahren. Sie erinnern sich bestimmt."
    Pendell konnte sich in der Tat dunkel erinnern, aber er winkte ab.
    "Richtig. Ich habe mich jedoch entschlossen, noch ein, zwei Tage zu bleiben. Möchten Sie auch ein Frühstück?" Parma schüttelte den Kopf.
    "Hatten Sie eine gute Nacht?" fragte er nochmal, eine Romanze vermutend. Pendell ging wieder nicht auf ihn ein.
    "Kennen Sie zufällig die Ortschaft Marienhaupt?" Parma hegte ersthafte Zweifel an der geistigen Verfassung des Autors, als er verneinte.
    "Nein? Aber es muss ein Ort in der Umgegend sein, vermute ich. Haben Sie eine Straßenkarte in ihrem Auto?"
    "Ich dachte..." zögerte Parma, mit seinen Blicken im Raum nach Hilfe suchend.
    "Sie haben doch ein wenig Zeit?" unterbrach ihn Pendell eilig. Parma war nur zu überreden, wenn er ihn nicht zu Wort kommen ließ.
    "Sie können mir einen wirklich großen Gefallen tun und mich ein wenig herumfahren. Frühstücken Sie doch etwas, bitte, ich lade Sie ein. Trinken Sie wenigstens eine Tasse Kaffee."
    "Ich stehe Ihnen gerne zur Verfügung, aber..."
    "Das ist wirklich nett von Ihnen, Herr Parma. Wenn Sie mich dann einen Augenblick entschuldigen wollen, ich ziehe mich nur schnell an. Ich bin gleich wieder da."
    Pendell schob für den überrumpelten VHS-Vertreter eine volle Tasse Kaffee über den Tisch. Dann eilte er hinauf in sein Zimmer. Parma sah ihm kopfschüttelnd hinterher. Dann kam ihm die Idee, dass Pendells Eroberung vom Vorabend wohl in Marienhaupt wohnte. Das konnte interessant werden.
    Der Autor konnte sich nicht mehr erinnern, wie der Maler seines Bildes hieß, sein Gedächtnis für Namen und Gesichter war denkbar schlecht. nach kurzem Suchen fand er jedoch in der Verpackung, die er am Vortag achtlos in eine Ecke des Zimmers geknüllt hatte, eine Quittung, die mit 'Georg Hauser' unterschrieben war. Bei dieser Gelegenheit stellte er sein Gemälde auch wieder auf den Platz auf dem Stuhl. Pendell warf zum ersten Mal an diesem Tag einen Blick auf sein Bild. In der hellen Morgensonne, die durch die hohen Fenster hereindrang, glänzte es wie feucht. Er sah nur kurz und vorsichtig hin, denn vor einer neuerlichen Erregung fürchtete er sich. Seine Vorsorge war unnötig. Der Spuk der Nacht war verflogen, das Gemälde nur mehr ein beliebiges, wenngleich harmonisch buntes Bild.
    Für einen kurzen Moment kamen ihm Zweifel, aber er verwarf sie sofort. In seiner augenblicklichen Hochstimmung, viel zu sehr mit sich und seinem Plan, den magischen Ort zu finden, beschäftigt, war er nicht das geeignete Objekt für den Zauber des Bildes. Parapsychologische Phänomene konnten sich nur durch ein Medium offenbaren, das für ihre Emanationen Affinität zeigte. Das hatte er immer wieder in seinen Büchern erläutert; es war ein wunderbares Argument gegen kritische Stimmen.
    Der Autor zuckte mit den Schultern.
    "Georg Hauser", memorierte er, als er Jackett und Straßenschuhe anzog.
    Parma saß noch so, wie ihn der Autor verlassen hatte, sprang aber sofort auf, als er Pendell den Frühstücksraum betreten sah.
    "Ich stehe Ihnen zur Verfügung, Herr Dr.," sagte er mit einer angedeuteten Verbeugung, "möchte Sie aber gleichzeitig um den Gefallen eines Interviews bitten; ich bin unter anderem auch Mitarbeiter in einem Stadtmagazin."
    Pendell war ernsthaft versucht, abzulehnen und seine Fahrten mit dem Taxi zu machen. Er verabscheute es, Interviews zu geben; sie glichen ihm zu sehr den Disputen nach Lesungen, dem ewig gleichen Fragen- und Antwortenspiel. Zudem nahm er an, dass Interviews kaum gelesen wurden, weil er es selbst nie tat. Doch dann nickte er ergeben, nicht nur, weil er ein sparsamer Mensch war, sondern Lust auf Gesellschaft hatte. Vielleicht würde er ja einen Zeugen benötigen.
    "Sie sind ja ein richtiger Hans-Dampf-in-allen-Gassen." spöttelte er. Parma lächelte gequält.
    "Aber gut, ich bin einverstanden. Würden Sie mich bitte zuerst in eine Buchhandlung fahren? Ich will nachsehen, ob es Literatur über Marienhaupt gibt."
    "Was interessiert Sie denn an diesem Ort, wenn ich die Frage stellen darf?"
    "Sie dürfen, aber das kann ich Ihnen jetzt noch nicht sagen, weil ich es selbst nicht weiß. Kommen Sie, fahren wir."
    Parma hatte nur einen kleinen Wagen und er war ortskundig, aber die Suche nach einem Parkplatz in der City zog sich hin. Ohne daß die beiden es bemerkten, folgte ihnen die ganze Zeit über ein blauer VW-Golf.
    "Das Verkehrschaos ist völlig normal für einen Samstagvormittag, die Planung der Stadt ist ein Skandal", erläuterte Parma und legte ein kleines Diktaphon auf das Armaturenbrett vor dem Autor.
    "Sind Sie bereit? Erste Frage: Herr Dr. Pendell, Sie sind einer der erfolgreichsten Sachbuchautoren Deutschlands. Bücher wie 'Am Anfang war das Chaos' oder 'Gott würfelt doch' hielten sich monatelang in der Spiegel-Sachbuchliste. Nun ist Ihr neues Werk 'Netze kosmischer Energien' erschienen. Können Sie unseren Lesern eine kurze Einführung in das Buch geben?"
    Pendell sah dankbar zu seinem Chauffeur. Das war genau die Art von Fragen, die er bereitwillig beantwortete. Er hob zu einer prägnanten Zusammenfassung an, dem auswendig gelernten Klappentext seines Buches. Parma machte nicht den Eindruck, als würde er zuhören, er war mit dem Straßenverkehr beschäftigt.
    "Wieviel Zeit benötigen Sie in der Buchhandlung?" unterbrach er den Autor nach einer Weile.
    "Ich weiß nicht. Vielleicht eine Viertelstunde, kaum länger."
    "Ich frage, weil die Suche nach einem Parkplatz aussichtslos ist. Ich lasse Sie an der nächsten Ampel raus und fahre so lange langsam um den Block, bis Sie fertig sind. Sehen Sie, die Buchhandlung ist gleich an der Ecke."
    "Ja, ich kenne sie, dort habe ich gestern Bücher signiert."
    'Vierhunderteinundzwanzig,' fügte er in Gedanken bedauernd hinzu.
    In der Buchhandlung fand Pendell im Regal für Heimatbücher schnell, was er suchte. In dem Band 'Kunst und Kultur im Landkreis' entdeckte er einen kurzen Artikel über das gesuchte Dorf:

    MARIENHAUPT
    Der heutige Marienwallfahrtsort wird erstmals urkundlich unter dem Namen 'Sante Marien Haubt' im Jahre 1037 als eine Klostergründung von Benediktinermönchen erwähnt. Das Kloster, von dem heute nur mehr das sehenswerte barocke Wallfahrtskirchlein 'Zu unserer lieben Frau' und ein Teil des Kreuzganges stehen, fiel 1803 der Säkularisation zum Opfer.
    Zahlreiche Funde von Grabstädten aus der Urnenfelderzeit (1299-750 v. Chr.) weisen allerdings auf eine wesentlich frühere Besiedelung des sich weit über das Umland erhebenden Marienhaupter Hügels (720 m) hin. Archäologen haben erst kürzlich Reste einer keltischen Kultstätte aus der Zeitenwende entdeckt. Der bekannte Mystiker David vom Haupte (um 1200-1272) war Mönch des Klosters. Seine berühmte Handschrift "Von Santo Marien botschaft und wie ein tugent der andern volget, und wie mein sele ein iubilus der drivaltekeit war gemachot und wie sante Maria alle heligen gesäget unde noch säget" ist in der Kirche ausgestellt.
    Seit dem 16. Jhd. ist Marienhaupt der bedeutendste Marienwallfahrtsort im Landkreis. Das in einer künstlichen Grotte aufbewahrte Gnadenbild wurde für vielerlei Wunderheilungen verantwortlich gemacht. Auf einer Votivtafel aus dem 18. Jhd. heißt es: "Unserer liben Jungfrouw zum Danke. Sie hat gesegnet den troken Leib meines Weibes, die nach der Wallfart in hohn Vierzigern zweier gesunder Knaben genaß."
    Diese wertvolle, frühbarocke Schnitzfigur wurde leider 1972 gestohlen und ist seitdem nicht wieder aufgetaucht. Dennoch wird der Grotte, die nun ein Abbild der Madonna von Lourdes birgt, noch immer Heilkraft für vielerlei Gebrechen zugeschrieben. Der Marienhaupter Kirchtag am l. Mai ist ein vielbesuchtes Volksfest.

    Die letzten Absätze quittierte der Autor mit einem zufriedenen Nicken: Einen Wallfahrtsort keltischen Ursprungs mit Wunderheilungen hatte er beinahe erwartet. Er schob den Band zurück ins Regal und beeilte sich, die Buchhandlung zu verlassen, bevor ihn der junge Angestellte von gestern ent-deckte und ihn vielleicht in ein Gespräch zu verwickeln suchte. Pendell hätte zwar gern noch nach weiteren Informationen über Marienhaupt gesucht, aber er wollte Parmas Geduld nicht über Gebühr strapazieren. Schließlich wollte er ja, dass ihn der VHS-Mitarbeiter zu diesem Ort fuhr, der, wie er einer Karte im Buch entnommen hatte, etwa dreißig Kilometer außerhalb der Stadt in Richtung Südwesten lag.
    Pendell verließ die Buchhandlung und sah sich um. Parmas Auto war nicht zu entdecken. Der Autor kratzte sich am unrasierten Kinn. Er überlegte, in welche Richtung er am gestrigen Nachmittag spazierengegangen war. Es würde schwierig werden, die Galerie wiederzufinden, denn den größten Teil seines Weges war er unbewusst gegangen, in einen seiner philosophischen Höhenflüge versunken.
    Es hupte. Parma stoppte neben ihm.
    "Nun, haben Sie gefunden, was Sie suchten?" fragte er neugierig, als der Autor wieder neben ihm saß. Die Angelegenheit begann, ihm Spaß zu machen. Pendell nickte abgelenkt.
    "Wohin jetzt?"
    "Das wird schwierig. Ich habe gestern in einer kleinen Galerie ein Bild erworben, habe allerdings vergessen, wo das war; irgendwo in der Nähe, denke ich, denn ich bin zu Fuß gegangen."
    "Können Sie sich an den Namen der Galerie erinnern?"
    "Nein, aber der Maler hieß Georg Hauser."
    "Hauser?" Parma lachte auf.
    "Da kann ich Ihnen helfen, Herr Dr. Er hat seine Ausstellung ein paar Kreuzungen weiter. Ich war bei der Vernissage."
    "Sie kennen sich gut aus in dieser Stadt."
    "Ich bin die Stadt. Glauben Sie mir, Herr Pendell, hier geht nichts ohne mich."
    Parma lachte erneut, zufrieden und stolz. Der Autor beschloss, dazu zu schweigen. Schon nach kurzer Fahrt hielt Parma vor der Galerie. Diesmal setzte er sich einfach über das Halteverbot hinweg und stieg ebenfalls aus dem Wagen.
    Pendells Bild aus dem Schaufenster war durch eine Parodie auf da Vincis Abendmahl ersetzt worden. Eilig betrat Pendell den Laden, Parma folgte einen Schritt hinter ihm. Sofort dienerte Hauser heran. Er warf durch seine dicken Brillengläser einen verwunderten Blick auf das Gespann.
    "Hallo Schorsch." sagte Parma nüchtern.
    "Emilio." Hauser senkte einmal den Kopf.
    Pendell sah von einem zum anderen. Zwischen den beiden herrschte eine spürbare Spannung.
    "Sie sind befreundet?" fragte er interessiert.
    "Befreundet ist zuviel gesagt." antwortete der Maler zögernd. "Was kann ich für Sie tun? Ist etwas mit dem Bild?"
    "Nein..., oder doch, ja. Wissen Sie noch, wo Sie es gemalt haben? Ich meine, kennen Sie die genaue Stelle?"
    Hauser kratzte sich erstaunt am Kopf.
    "Ich denke schon. Es ist zwar zwei Jahre her, aber ja, ich denke schon. Warum? Ist das wichtig?" Pendell nickte nachdrücklich. Jetzt kam ein kritischer Moment.
    "Ich wünsche, dass Sie mich dorthin bringen. Herr Parma hat sich dankenswerterweise bereit erklärt, uns zu fahren; nicht wahr?"
    Parma hatte nichts dergleichen getan und er öffnete den Mund mit einem Einwand, aber der Autor ließ ihn nicht zu Wort kommen. Er wand sich an den Maler.
    "Haben Sie hier eine Sitzgelegenheit? Ich will Ihnen erklären, worum es geht. Es handelt sich um eine Recherche für ein neues Buch. Und ich werde für Ihre Auslagen aufkommen."
    Beide sahen ihn zweifelnd an. Es war für Pendell an der Zeit, sein schwerstes Geschütz aufzufahren.
    "Sie werden selbstverständlich beide namentlich in dem Buch erwähnt."


    ------------------
    hks
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    5.October 2000
    Ort
    Bad Füssing
    Beiträge
    935
    Renommee-Modifikator
    20

    AW: Die Lichtung - Teil 5

    Ich habe die Zeilen verschlungen, könnte 421 Meineide darauf schwören, dass jenes Bild die Austerndame gefressen hat.
    Ja ja, die Kelten, Kraftlinien...gibt es übrigens auch in Bad Füssing. Vielleicht bilden wir einen magischen Kreis um Mitternacht, wer weiß...
    Kritik am Text überlasse ich Kompetenteren - wenn es denn welche gibt - ich, Anhänger der Dinge zwischen Himmel und Erde, habe mich jedenfalls sauwohl gefühlt!

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    13.May 2000
    Ort
    Köln
    Beiträge
    671
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: Die Lichtung - Teil 5

    Hallo Klammer,

    ich habe mir mal die 5 Teile ausgedruckt und am Stück gelesen. Von mir kann Du natürlich keine stilistischen Kommentare erwarten, so also etwas Inhaltliches.
    Ich meine Du müsstest Deine Hauptfigur genauer darstellen, damit meine ich ihr etwas konträrere Eigenschaften geben. Gott ich bin kein guter Kritiker aber ich will es mal darstellen:
    mir fehlen persönlicher Eigenarten, wie z.B. dass er im Hotelzimmer nur mit Schuhen rumläuft, weil er Angst vor Fusspilz hat. Dass er vielleicht irgenwelche Angewohnheiten hat, z.B. nicht gerne telefoniert, eine Allergie gegen Schalentiere hat, vor dem Einschlafen gerne Schlager der 50er hört, oder Hyden. Sehr pingelig mit seinen Zähnen ist, ungerne Leuten die Hand gibt. Sich Gedanken darüber macht wie seine Beerdigung ablaufen soll, keinen Führerschein machen will.

    Ich hatte beim Lesen das Gefühl, als würdest Du ihn nicht wirklich liebhaben. Damit meine ich nicht dass er sympathisch sein muss, aber auch bei einer negativen Figur will ich fühlen, dass der Autor in sie hineingekrochen ist.
    Dies ist sicher keine sehr qualifizierte Kritik, aber vielleicht verstehst Du trotzdem was ich meine. Diese Situation, der Held und die Geschichte sind gradezu dafür gemacht. Die Idee mit dem Viagra Bild ist Klasse.

    Viele Grüße

    Kyra

  4. #4
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
    Registriert seit
    27.April 2001
    Ort
    Diedorf
    Beiträge
    535
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: Die Lichtung - Teil 5

    Liebe Kyra,

    ich danke Dir für Deine Meinungsäußerung.
    Wenn ich Dich recht verstehe, möchtest Du die Figur des Pendell ausgeschmückter. Mit ein paar Arabesken und Schnörkeln wird er dir lebendiger. Daraus folgere ich, dass er dir so, wie er beschrieben ist, zu undeutlich und unfassbar bleibt, dich kalt lässt und damit Desinteresse erweckt.
    Diese Kritik muss ich sicherlich ernst nehmen, denn ich will ja, dass sich der Leser mit der Figur beschäftigt und die Geschichte nicht nach ein paar Seiten gelangweilt zur Seite legt.

    Du hast sicher schon bei meinen anderen Texten festgestellt, dass ich durchaus ein Freund des ausführlichen, oftmals zu ausführlichen Erzählens bin und mich häufig in der Beschreibung kleinster Kleinigkeiten verzettele. Bei dieser Geschichte habe ich jedoch aus mehreren Gründen darauf verzichtet. Zum einen würde es die Handlung unnötig in die Länge dehnen und aus einem für dieses Medium eh schon zu langen Text einen Roman machen. Für einen Roman jedoch ist die Idee nicht geeignet. Da bräuchte ich noch mehr Ebenen in meiner Geschichte. Pendell als Figur trägt auch keinen Roman, denke ich. Und die Geschichte selbst wird, denke ich, durch Schnörksel nicht besser. Übrigens müssten dann ja auch Parma, Hauser, Mia, die alte Frau und Holger intensiver dargestellt werden; sie haben das gleiche Recht wie Pendell, ausgemalt zu werden und nicht nur aus hingeworfenen Strichen zu bestehen.

    Du hast aber recht, Pendell ist undurchsichtig. Es wird nicht einmal beschrieben, wie er aussieht, wo er herkommt, wie alt er ist oder wie er wirklich heißt. Er selbst arbeitet an dieser unnahbaren Aura, er versteckt sich hinter dieser aalglatten, nicht greif- und damit auch nicht angreifbaren Kunstfigur E. S. Pendell. Natürlich ist diese Maske lückenhaft und in meiner Geschichte bricht ein ganzer Brocken heraus. Dennoch will ich ihm ein paar seiner Geheimnisse lassen. Auch eine erfundene Figur hat ihr Privatleben. Der Leser füllt die Lücken und kann sich die Figur so vorstellen, wie sie ihm passt (Diese Lücken hast du für dich übrigens mit herrlichen Einzelheiten gefüllt). Jeder von uns ist im Laufe seiner Jahre solch einem Menschen wie Pendell begegnet.
    Aber wie sehen das die anderen, die die Lichtung lesen (Ich hoffe, es gibt noch ein paar)? Sollen die Figuren mehr Farbe und Individualität, mehr Macken bekommen?

    Gruß, Klammer

    [Diese Nachricht wurde von Klammer am 07. September 2001 editiert.]
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  5. #5
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    10.July 2000
    Ort
    Duisburg
    Beiträge
    670
    Renommee-Modifikator
    20

    AW: Die Lichtung - Teil 5

    Lieber Klammer,
    hier auch meine Stellungnahme. Du hast die Sache jetzt ordentlich in Schwung gebracht, verknüpfst mal eben Pendells aalglatte Haltung mit einer Bettszene, die Unvorhergesehenes zum Vorschein bringt, um das die Novelle ja wohl kreisen soll. Nun wäre es wichtig, am Ball zu bleiben, die Handlung einerseits nicht durch Nebensächlichkeiten entgleiten zu lassen, andererseits stellt sich die Frage, wie viel muss ich als Leser über den Autor noch wissen, um einen wie auch immer gearteten Wendepunkt in seinem Leben zu verstehen. Denn um einen Wendepunkt wird es ja wohl gehen, spätestens dann, wenn er auf die Lichtung tritt. Oder auch nicht, und Du lässt es in einem Schleier des Mysteriösen enden. Pendell nun gottweißwie genau physiognomisch ausgestalten zu müssen, abstehende Ohren, dunkle und buschige Augenbrauen oder so in der Art, halte ich nicht mehr in diesem Stadium für nötig, der Leser ist schon zu weit hineingezogen in eine verbindliche Unverbindlichkeit, die Auflösung, die Frage nach der Mystik des Bildes und der Lichtung beginnt nun zu tragen. Es ist allerdings die Frage, wie weit dies trägt, das heißt, was Du Pendell danach erleben lässt. Es macht jedenfalls Spaß, ihm und Dir zu folgen. Sprachlich sind es immer Kleinigkeiten, die auffallen, das ist klar, ich halte sie hier und jetzt für nicht der Rede wert. Ich nehme aber zur Kenntnis, dass sich Dein Stil hier unterscheidet von anderen Texten, in denen Du durchaus manieristischer mit der Sprache umgehst. Ich glaube, dass dies eine Geschichte ist, die mit ihrer Idee, dem Bild, der Lichtung, der Wirkung insgesamt steht und fällt. Und das hast Du bisher gut gemacht. Weiter so, jetzt will ich mehr wissen.
    herzlichst uis

+ Antworten

Ähnliche Themen

  1. Die Lichtung (Schluß)
    Von Klammer im Forum Forum für das geschriebene Wort
    Antworten: 16
    Letzter Beitrag: 31.12.17, 11:03
  2. Die Lichtung (Teil III)
    Von Klammer im Forum Forum für das geschriebene Wort
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 30.10.17, 10:53
  3. Die Lichtung (Teil IV)
    Von Klammer im Forum Forum für das geschriebene Wort
    Antworten: 11
    Letzter Beitrag: 28.10.01, 18:56
  4. Die Lichtung (Teil II)
    Von Klammer im Forum Forum für das geschriebene Wort
    Antworten: 13
    Letzter Beitrag: 26.09.01, 09:35
  5. Die Lichtung (Teil I)
    Von Klammer im Forum Forum für das geschriebene Wort
    Antworten: 10
    Letzter Beitrag: 05.09.01, 19:46

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Ja
  • Themen beantworten: Ja
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •