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Thema: Die Lichtung (Teil II)

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    Die Lichtung (Teil II)

    Bei seinem ersten Vorbeigehen war ihm ein Bild ins Auge gefallen, das etwas im Hintergrund des Schaufensters stand und ihn nun sofort wieder in Bann nahm. Pendell verstand nicht viel von Malerei und hatte deshalb einen unverbildeten, konventionellen Geschmack, der mit dem dicken, expressionistischen Farbauftrag des Ölgemäldes nichts anzufangen wusste. Sein Maßstab für Kunst waren die Maler des 19. Jahrhunderts, deren Bilder er manchmal aus Anlagegründen auf Anraten seines Vermögensberaters erwarb. Was also war an diesem Bild anders? Warum hypnotisierte es ihn auf eine Weise, die es ihm schwermachte, seinen Blick abzuwenden?
    Nachdem sich seine ungeübten Augen an die Strukturen des Gemäldes gewöhnt hatten, erkannte er einen Blick auf eine Waldlichtung, die an der linken Seite von hohen Kiefern, rechts und zum Horizont hin von Fichtenbewuchs begrenzt war. Die Bäume wirkten herbstlich, krank und abgenadelt. Die Lichtung selbst war von strohigen, dürren Gräsern überwachsen. Weiter im Bildvordergrund erschien der Boden schlammig, wie von heftigem Regen aufgeschwemmt. Der Himmel darüber, von fönigen, transparenten Wolkenfasern überzogen, wirkte, als sei er für ein ganz anderes Bild gemalt worden. Das Gemälde gefiel dem Autor nicht, es war wahrscheinlich auch keine große Kunst. Dennoch spielte er sofort mit dem Gedanken, es käuflich zu erwerben, da es sein Gespür für Übersinnliches ansprach. Gleichzeitig kam ihm eine noch vage Idee zu einem neuen Buchprojekt, das sein Lektor bereits seit Monaten anmahnte.
    Pendell zwang sich, weg vom Bild zu Boden zu sehen. Dann betrat er kurzentschlossen die Galerie. Obwohl er dabei keine Türglocke auslöste, eilte sofort aus einem Hinterzimmer ein geschäftiger, junger Mann herbei, der den Kunden grüßte, sich dann aber im Hintergrund hielt, bereit, bei der kleinsten fragenden Bewegung seine Dienste anzubieten.
    Der Autor sah sich aufmerksam um. Die Galerie war klein und auch nicht sehr sauber, die Wände fleckig; es hingen vielleicht fünfzehn größere Bilder im Rund, die Pendell sogleich abschreckten. Er fühlte in sich und spürte nichts mehr von der Magie, die ihn dazu gebracht hatte, die Galerie zu betreten. Verächtlich warf er einen oberflächlichen Blick auf die Exponate, die alle farbenfrohe Landschaften zeigten. Alle Bilder stammten augenfällig aus der Hand des selben Malers, wie auch die Bilder im Schaufenster; aber nirgendwo fand Pendell das erschütternde Gefühl des Übersinnlichen wieder, das ihn eben gepackt hatte.
    Er wand sich ungeduldig an den jungen Mann, der sich beflissen näherte.
    "Ich habe im Nebenzimmer Radierungen und Aquarelle, falls sie noch die Zeit hätten..." sagte er mit einer angedeuteten Verbeugung.
    Der Autor runzelte die Stirn. Er mochte es zwar, wenn er mit einer gewissen Ehrfurcht behandelt wurde, aber zuviel Servilität war ihm suspekt. Pendell betrachtete sein Gegenüber zum ersten Mal aufmerksam und rümpfte verächtlich die Nase. Der junge Mann trug schulterlange, fettige Haare, Ohrringe, eine billige, kreisrunde Brille, einen verfilzten Bart, die Kleidung erschien vergammelt und war ölfleckig. Er wurde unter dem prüfenden Blick kleiner. Pendell schüttelte in einem abschließenden Urteil den Kopf.
    "Ich interessiere mich für ein spezielles Bild, es steht im Schaufenster und zeigt eine Waldlichtung. Ist es möglich, es näher zu betrachten?"
    Im Gesicht seines Gegenübers ging die Sonne auf. Die neuerliche Verbeugung war nicht nur angedeutet. Flink wand er sich ab und holte eine Leinwand aus dem Schaufenster, stellte sie auf eine leere Staffelei in der Ecke.
    "Ist es das?"
    Der Autor nickte und trat näher. Er tat es atemlos, denn die Ausstrahlung des Bildes hatte ihn erneut wie ein Schlag ins Gesicht getroffen. Er war jetzt sicher, es war nicht der Ort, sondern nur das Gemälde, das das metaphysische, auf eine seltsame Weise erotische Energiefeld abstrahlte, das er fühlte. Sein Mund wurde trocken. Er räusperte sich.
    Seine Idee von eben kam ihm wieder in den Sinn: Er wollte ein Buch über Gemälde, die in irgendeiner Form mit dem Unheimlichen in Verbindung standen, schreiben. Die apokalyptischen Visionen von Bosch fielen ihm ein, blutende Altarbilder, Rubens Nachtwache, das ein Geisteskranker, die ja eine besondere Affinität für PSI-Phänomene haben, zerstören wollte, das Bildnis des Dorian Gray, todbringende, altägyptische Grabmalereien...
    Allein dieses kurze Brainstorming gab ihm Ideen, die Kapitel eines Buches füllen konnten. Er jubelte innerlich. Und da hatte er geglaubt, ihm gingen langsam die Themen aus. Was für Möglichkeiten taten sich ihm auf! Er betrachtete dankbar das seltsame Gemälde, das ihm den Einfall beschert hatte.
    "Ich denke, ich nehme dieses Bild." sagte der Autor. Er wollte sich sobald wie möglich an seine neue Arbeit machen. Die schmerzhafte Leere, die er immer in sich spürte, wenn ein Buch beendet war und ein neues noch nicht begonnen, hatte sich auf einmal verflogen.
    Er musste, solange er mit Feuer dabei war, möglichst viel schaffen. Denn in wenigen Wochen bereits, in ein oder zwei Monaten, wenn seine Begeisterung nachließ, weil neue Ideen ihr Recht forderten, blieb, das wusste er, nur mehr eine zähe, quälende Arbeit an dem bis dann entstandenen Rumpf des Buches, ein nervenzermürbendes Recherchieren in Archiven und Bibliotheken. Es war eine Arbeit, die ihm wie die Qualen einer schweren Geburt war. Gern verglich Pendell sein Schaffen mit einer Schwangerschaft: Am Anfang, das war die schönste Zeit, wusste er noch nicht, dass eine Idee in ihm keimte, er hatte nur eine unbestimmte Ahnung, eine angenehme Hoffnung, die sich dann bei den ersten Sätzen, die er zu Papier brachte, in Freude und Begeisterung auflöste.
    Aller Welt will er es nun mitteilen: Er hat etwas Neues zu berichten. Alle sollen teilnehmen an seiner Freude und der Verlag einen Vorvertrag machen. Dann geht es gut voran, das Kind entwickelt sich praktisch von allein, außer einem leichten morgendlichen Unwohlsein ist die Schöpfung mit keinerlei Beschwerden verbunden. Doch bald dehnt sich die Zeit, die Unbequemlichkeiten und die Arbeit nehmen zu. Jetzt sind die wohlmeinenden Fragen der Freunde und die hartnäckigen des Lektors nach dem Fortschritt des Werkes lästig und peinlich. Er ärgert sich, weil er seinen Mund nicht halten kann.
    "Frauen haben es gut," denkt er dann immer weinerlich, "die wissen, nach neun Monaten ist alles vorbei und hat sich in Wohlgefallen aufgelöst. Meine Schwangerschaften können Jahre dauern und die Geburtswehen Monate."
    Wer sich dann allerdings mehr freute, die Frauen über ihr hübsches Neugeborenes oder der Autor über das fertige Buch, vermochte er nicht zu beurteilen. Er wagte in seiner Selbstüberschätzung allerdings, diese Ereignisse zu vergleichen.
    Er war liebevoll zu seinem Neugeborenen, bewachte seine ersten Schritte eifersüchtig und zärtlich, erzog es sorgfältig, bevor er es aus den Händen gab und der Welt überließ. Es machte ihn trauig, wenn das Kind trotz aller Mühe missglückt war oder von der Kritik als missraten bezeichnet wurde.
    "Dreitausendsechshundert." sagte der junge Mann, dem die Gesprächspause zu lang wurde, neben ihm leise und fügte, um die Wirkung seiner Forderung abzuschwächen, hinzu:
    "Ich habe lang daran gearbeitet. Es ist nach der Natur, eine Waldlichtung bei Marienhaupt."
    Der Autor nickte abgelenkt und der Maler kehrte in sein ehrfürchtiges Schweigen zurück. Er nahm an, sein Kunde müsse diese Preisvorstellung erst einmal verdauen. Hoffentlich wollte er nicht feilschen.
    Doch Pendell hatte ihm kaum zugehört. Es geschah häufig, dass er wie ein Tagträumer stand und nachdachte, manchmal eine halbe Stunde lang, dort, wo ihn seine Gedanken überfielen, mitten auf dem Gehweg zum Beispiel, ohne der kopfschüttelnden Reaktionen der Passanten zu achten. Bekannte, die daran gewöhnt waren, versuchten nicht, ihn aus seiner Erstarrung zu wecken, denn dann war er für den Rest des Tages unausstehlich. Sie ließen ihn seinen Ideen hinterherschwimmen und warteten geduldig auf ein selbsttätiges Auftauchen. Diese Eigenart war nicht angeboren, sondern bei Sokrates gestohlen, dem von Platon im Gastmahl ähnliches nachgesagt wird. Er hatte seine dominante Abwesenheit mühsam eingeübt, bis sie sich verselbständigte. Der Maler, der diesen Tik natürlich nicht kannte, wurde bald mürbe.
    "Ich kann noch auf Dreitausend heruntergehen."
    Pendell nickte wieder und wurde wach. Innerlich schmunzelte er über die Vorteile seiner häufigen Geistesabwesenheit. Der Maler hatte diesen Preisnachlass allerdings grundsätzlich in die Rechnung einkalkuliert, aber das wusste der Autor nicht.
    "Das Bild ist von Ihnen?" fragte er ein wenig von oben herab. Der Maler blinzelte ihm durch seine dicke runde Brille zu und deutete vage auf ein Plakat, das in der Tür hing.
    "Georg Hauser; das ist meine Ausstellung." sagte er stolz. Pendell machte sich die Mühe, Hauser ein zweitesmal aufmerksam zu mustern. Das Ergebnis fiel für den Maler nicht günstiger aus. Pendell konnte sich kaum vorstellen, dass der verlotterte Maler der Künstler war, der jenes außergewöhnliche Gemälde geschaffen hatte, vor dem sie standen.
    "Wenn es Ihnen zu teuer ist, dann machen Sie doch bitte einen Vorschlag."
    Das klang kleinlaut. Mit dem sorgfältig gekleideten, schweigsamen und hoheitsvollen älteren Mann kam Hauser nicht zurecht. Er schüchterte ihn ein. Pendell, genau auf diese Wirkung bedacht, neigte erhaben, wie abschätzend, den Kopf zur Seite.
    Er betrachtete noch einmal aufmerksam das Bild. Es gefiel ihm immer besser. Es stellte zwar, wie er gehört hatte, nur eine nach der Natur gemalte Waldlichtung bei Marienhaupt dar, aber es war entschieden weniger prosaisch als sein Titel. Durch die ungewöhnliche Farbgebung der hohen, regenkranken Kiefern, der verfilzten, bleichen Gräser der Lichtung, hatte das Gemälde etwas Unruhiges, Unbequemes; es gab ihm das unbehagliche Gefühl, dass in der Lichtung etwas nicht so war, wie es sein sollte, als wären dort einige Naturgesetze aufgehoben. In der Ecke links entdeckte Pendell nun eine undeutliche, verwaschene, in eine blaue Mönchskutte gekleidete Person mit einem spitzen Vogelschnabel, die etwas Außerordentliches, aber nicht näher Definierbares in den Händen trug. Der Autor deutete auf den blauen Fleck:
    "Was ist das für eine seltsame Gestalt?" fragte er neugierig. Der Maler stutzte und rückte seine Brille zurecht und starrte auf die Stelle, auf die Pendell zeigte.
    "Das... soll ein Waldweg sein." erwiderte Hauser schüchtern und zerstörte einige Illusionen. Eine Pause entstand.
    "Das Bild gefällt mir. Ich nehme es." Pendell suchte sein Scheckheft hervor. "Dreitausend, sagten Sie?"
    Der Maler lächelte breit und verbeugte sich ein drittes Mal. Pendell hätte ihn ohne Probleme niedriger handeln können, doch ein langwieriges Verkaufsgespräch hätte seine gute Laune gefährdet. Zudem spielte ihm das Geld keine Rolle. Er gehörte zu den fünf bestverdienenden Sachbuchautoren in Deutschland und die Esoterikwelle der letzten Jahre hatte ihn zu einem reichen Mann gemacht. Er war der Auffassung, er habe nicht nötig, Signierstunden und Lesungen in der Provinz zu halten. Da er aber eine Verpflichtung seinem Publikum gegenüber und sanften Druck seines Verlages spürte, reiste er doch drei Monate im Jahr herum und, biederte sich, wie er es nannte, an.
    "Können Sie mir ein Taxi rufen? Ich nehme das Bild gleich mit."
    [...]


    ------------------
    hks
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  2. #2
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    AW: Die Lichtung (Teil II)

    Hallo Klammer!
    Die Schwangerschaft des Autors. Und ich dachte, ich allein hätte diese zerstreute Position besetzt, die passive Erwartungshaltung, ohne eigenes Bemühen aufnahmebereit für willkürlich funkende Reize höherer Mächte zu sein.
    Obwohl das Werden einer Idee im Kopf des Pendell - der heißt doch nicht zufällig so?- gut nachvollzogen geschrieben, ist es für meinen Geschmack etwas zu langatmig. Ich fliege darüber, will endlich wissen, was auf dieser Lichtung. Gewichtung!
    Nebenbei, so wie Du den Maler schilderst, ist seine Preisvorstellung viel zu hoch angesetzt. Unsichere Hungertypen verkaufen nicht für stolze Preise. Der Kunstmarkt ist zusammengebrochen. Frag Kyra. Ein makrobiotischer Apfel und ein paar Eier von frei auf Blumenwiesen laufenden Hühnern tun es meistens auch. Das ist so. Leider.
    Dennoch auf Fortsetzung sehr gespannt, Hannemann

  3. #3
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    AW: Die Lichtung (Teil II)

    Ja, natürlich bin ich auch auf eine Fortsetzung gespannt, lieber Klammer, jetzt mehr denn je. Ein wenig mag ich Hannemanns Ansicht teilen. Es wird schon an manchen Stellen arg poetologisch hinsichtlich der Beschwerden bei der Geburt eines neuen Buchstoffes. Ich hoffe nicht, dass das das Epizentrum dieser Erzählung ist, denn dann würde nicht mehr viel wackeln. Was Du gut kannst, Klammer, ist das Ausbreiten interessanter Inhalte (Eismann nur mal als Stichwort). Hier erwartet man jetzt eher mehr über die wahre esoterische Identität dieses Däniken-Verschnitts. Vielleicht hat er ja doch noch ein Geheimnis, vielleicht eins, von dem er selbst gar nichts weiß... Also eines steht außer Frage, erzählen kannst Du gut!
    herzlichst uis

    P.S.: bei dieser Hitze in Freiburg, Wahnsinn

  4. #4
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    AW: Die Lichtung (Teil II)

    Original erstellt von Hannemann:
    Nebenbei, so wie Du den Maler schilderst, ist seine Preisvorstellung viel zu hoch angesetzt. Unsichere Hungertypen verkaufen nicht für stolze Preise. Der Kunstmarkt ist zusammengebrochen. Frag Kyra.
    Du kannst auch mich fragen und ich sage dir, der Preis ist durchaus realistisch, und nicht abhängig von der Gestalt des Malers. Es ist nichts gesagt über Rahmung, Format, Qualität des Materials. Nichts über altmeisterliche Ölmalerei + Lasuren-Technik, wenn jede Schicht mehrere Wochen trocknet. Noch länger im Winter, im gewiß unbeheizten Atelier des "Hungertypen". Da sitzt ein Maler schon mal 1 knappes Jahr an einem Bild und erzeugt eine fast räumlich wirkende Farbtiefe und könnte eine Erklärung sein für die besondere Ausstrahlung des Bildes .

    Der Kunstmarkt ist nicht zusammengebrochen. Es war noch nie leicht. Allerdings ist er von seinem ungesunden Höhenrausch vor ca. 15 Jahren längst wieder auf dem harten Boden der künstlerischen Realität gelandet. Was verdient ein Koch, Hannemann, als Vergleich zum Maler?

    Der Preis ist für die Story und ihre Sogwirkung aber nicht wirklich von tragender Bedeutung, vermute ich mal..
    Ja, man denkt an das Bildnis des D. G., oder eine schrumpfende Wunschhaut...
    M

  5. #5
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    AW: Die Lichtung (Teil II)

    Geliebte Marina, Klammer ist in Freiburg, bleibt uns also die Zeit über Preise und Verdienst zu reden. Verdienst, der nichts damit zu tun hat, was ein Koch oder Maler verdient.
    Laut Stern müßte ein simples Rumpsteak, an die allgemeine Preisentwicklung seit 1975 angepaßt, zirka 80.- DM kosten. Wer bezahlt das? Keine Sau. Bei uns, im Saurüssel, kann man für ein vorzügliches Steak nicht mehr als 24.- DM verlangen. Guten Appetit im Paradies! Folglich muß der Wirt einsparen... beim Koch. Tariflohn, wenn er, der Koch, Glück hat. Sonst weniger... oder Branche wechseln. Viele Müllfahrer sind ehemalige Köche, bekommen jedoch den doppelten Salär.
    Ein Maler, der in der von Dir beschriebenen Weise vorgeht, ist allein vom Handwerklichen her mehr als berechtigt, den von Klammer genannten Preis zu verlangen. Verlangen und erzielen ist zweierlei. Was bleibt übrig für die Kunst... oder Raumausschmückung, wie es manche sehen, wenn die Kosten, sich sein bißchen Leben zu erhalten, schon die meisten Schmerzgrenzen überschritten haben. Und die wenigen, die sich Kunst noch leisten können, handeln brutal. Kaum eine Handvoll Künstler, die Preise erzielen, bei denen die Öffentlichkeit wache Augen bekommt. Nebenbei, auch berechtigt? Malt eine Elvira Bach an einem Bild mehr als ein Jahr herum?? Wert ab 75000.- DM. Gut, die Zeit ihrer Ausbildung und und und.
    Koch und Maler, hätten beide was G'scheids gelernt... ach hätte ich doch nur auf meine Eltern gehört und wäre Lektor geworden.

  6. #6
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    AW: Die Lichtung (Teil II)

    Hannemann,
    sag nichts gegen meine für die Freiheit der Frau i.d. Kunst + im Leben kämpfende Lieblingsvorzeigemalerin. Naturgemäß liegt hier zufällig 1 Buch a.d. Tisch mit 3 E.B. - Abb :Sitzt 'ne Frau auf der Waschmaschine........Die Preisangabe werde ich prüfen, alle Zahlen glaub ich dir noch nicht. In meinem Keller steht Kunst in dreistelligem Wert. Für 1 Bild brauch ich 2 Kerle. Wie sagte mein polnischer Großvater, bevor er in der Spezialdachkammer zündelte: Wer nichts wird, wird virtuell. Majellchen!

  7. #7
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    AW: Die Lichtung (Teil II)

    So um meinen Senf auch noch hinzuzugeben, ein Maler der professionell arbeitet, sprich von einer Galerie vertreten wird, dessen Preis wird nach einem Schlüssel errechnet, d.h. Länge plus Breite mal x. Dieses x ist abhängig davon wieviele Ausstellungen ein Künstelt hatte, welche wichtigen Veröffentlichungen, Kataloge etc es gibt. Es gibt natürlich Künstler, die Phantasiepreise für ihre Arbeiten wollen, eben mit dem Argument, dass eine Arbeit so lange braucht. Die haben es immer schwer einen Galeristen zu finden. Weil der Wert der Kunst sich heute nicht aus der handwerklichen Schwierigkeit erklärt oder berechnet wird. Diese Künstler gehen oft unter. Zum einen weil sie nicht genug Arbeiten haben um eine anständige Ausstellung zusammen zu bekommen, zum anderen weil sie kaum eine junge Galerie finde, d.h. eine Galerie die sich für junge beteutet unbekannte K?nstler einsetzt. Also macht es für einen Künstler wenig Sinn sich ausschließlich in solchen altmeisterlichen Techniken zu üben. Genialität oder auch nur Qualität hat wenig damit zu tun, wie lange man für eine Arbeit braucht. Polke ist ein gutes Beispiel, er ist sicher sehr kreativ, versucht immer wieder alte und neue Techniken, aber hat sich von Beginn an immer im Rahmen seiner Preisklasse bewegt, die heute sehr hoch, aber nicht überhöht ist.
    Dies mag alles sehr marktwirtschaftlich klingen, aber grade die guten Künstler sehen den Markt durchaus bewusst und haben keine Berührungsängste (vor allem weil der Galerist diesen teil übernimmt) Es gibt allerdings noch eine kleine Gruppe von Außenseitern, die häufig nur regional bekannt sind und nur an ihre Stammkunden verkaufen. Die werden nie berühmt, werden die Kunstgeschichte auch nicht beeinflussen, haben aber vielleicht ein angenehmes Leben. Dies sind vor allem Künstler die nicht zu innovativ, eher traditionell sind und einfach schöne Bilder malen, die aber nichts mit Kunst zu tun haben, die immer auch schwierig ist und deren Schönheit meist erst 100 Jahre später erkannt wird.

    Kyra

  8. #8
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    AW: Die Lichtung (Teil II)

    Hey, Ihr Lieben, Ihr macht ja aus Klammers Text beinahe schon einen Hypertext!

  9. #9
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    AW: Die Lichtung (Teil II)

    Ewig die alte Frage; Wer beurteilt, was Kunst, was Kosten-bar? Deinen Faktor x, Kyra. Wächst der Schaffende in einer Seilschaft - Ausbilder fördert Ausgebildeten -, dann ist es relativ einfach. Doch wer traut sich schon Genialität außerhalb der Seilreihe zu erkennen? Es sei denn, er wäre es selbst, würde sich und seinen Verkaufserfolgen nicht schaden... wie Klammers Pendell.
    Es ist wie im wahren Leben: Die erste Million ist die schwerste.

    Marina, ist das Dein Ernst? Bach? Zigarette in der Schnauze beim Kartoffelschälen, kürzlich gesehen. Emanzipation, junge Wilde-Kunst? Oder die begründete Einsicht, dass hingerotzte Provokation in Erdbeerfarben bei Unverständigen durchaus gute Kohle bringt...mit entsprechender action. Gut zu trommeln gehört zum Handwerk, aber wer hilft den Schüchternen..........außer mir?



    Anhang 351

  10. #10
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Die Lichtung (Teil II)

    wenn ich ein fremder,
    hätte ich gesagt, du wärest gegangen.
    wäre ich ein fremder,
    du wärest da.
    wärest du ein fremder, es wäre vorbei.
    wären sie fremde, es wäre ein traum;
    und du nicht dabei!

  11. #11
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Die Lichtung (Teil II)

    Einen schönen Tag wünsche ich.

    Na, da hat sich ja Einiges während meiner Freiburger Auszeit getan. (Keine Sorge, uis, ich bin in kein Bächle gefallen und muss nun ein Bobbele heiraten; auch die Hitze habe ich als 'Mittelmeerjunkie' mehr genossen als erlitten.)
    Es freut mich, dass ihr weiterhin bei meiner Geschichte am Ball bleibt. Deshalb gibts heute gleich zwei weitere Fortsetzungen.
    Ein paar Worte zu eurer Preisdiskussion: Ich habe die 3000 M nicht einfach aus der Luft gegriffen. Es ist der Preis des Gemäldes, das dieser Geschichte zugrunde liegt. Er mag zwar etwas hoch wirken, ist aber der Versuch des Malers und mit ihm des BBK, die Preise auf einem annehmbaren Niveau zu halten. (Die Geschichte spielt übrigens Ende der achziger Jahre und ist zeitlich die erste im Zyklus "Jahrmarkt in der Stadt". Danach folgt "Die Wahrheit über Jürgen", ein Roman, der auszugsweise auf meiner Homepage gelesen werden kann und das weitere Schicksal des Malers Georg Hauser erzählt.)
    Dass die Reflexionen von Dr. E. S. Pendell (Ja, Hannemann, der heißt nicht ohne Grund so.) von euch als etwas langgezogen empfunden werden, liegt wohl an den Fortsetzungen und dem Medium Bildschirm. Wenn man die Geschichte in einem Atemzug liest, dienen sie dazu, die Person besser kennenzulernen und ihre Handlungen zu motivieren. Ich gehe aber auf jeden Fall noch einmal über diese Textstellen, da ich nicht zuletzt durch eure Kritiken glaube, dass in meinen Geschichten allgemein zu viel Reflexion erscheint.

    Gruß, Klammer
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  12. #12
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Die Lichtung (Teil II)

    erstellt von Klammer:Bei seinem ersten Vorbeigehen war ihm ein Bild ins Auge gefallen, das etwas im Hintergrund des Schaufensters stand und ihn nun sofort wieder in Bann nahm.
    Die Zeitformen sind uneinheitlich.
    Pendell verstand nicht viel von Malerei und hatte deshalb einen unverbildeten, konventionellen Geschmack, der mit dem dicken, expressionistischen Farbauftrag des Ölgemäldes nichts anzufangen wusste.
    Diese Konklusion geh ich nicht mit. Das DESHALB ist hier zu stark. Außerdem muß sich ein DESHALB auf einen Genetiv rückbeziehen, nicht auf eine Kausalität, die objektbezogen im Sinne von nicht personenbezogen. DIESES GRUNDES WEGEN, der Grund aber war ein Ding, also warum DES?
    Sein Maßstab für Kunst waren die Maler des 19. Jahrhunderts, deren Bilder er manchmal aus Anlagegründen auf Anraten seines Vermögensberaters erwarb.
    Auch hier wieder: Umkehrung nötig. WAREN ist schlecht, die Apposition vorziehen und Vollverb bilden, sonst entsteht eine semantische Schieflage.
    Pendell zwang sich, weg vom Bild
    überflüssig
    zu Boden zu sehen. Dann betrat er kurzentschlossen die Galerie.
    Mit dem Bodenblick?
    Obwohl er dabei keine Türglocke auslöste, eilte sofort aus einem Hinterzimmer ein geschäftiger junger Mann herbei, der den Kunden grüßte, sich dann aber im Hintergrund hielt, bereit, bei der kleinsten fragenden Bewegung seine Dienste anzubieten.
    Deine Kommasetzung läßt Wünschen Platz. Was ist der Unterschied zwischen einem geschäftigen, jungen Menschen und einem geschäftigen jungen Menschen?
    Der Autor sah sich aufmerksam um. Die Galerie war klein und auch nicht sehr sauber, die Wände fleckig; es hingen vielleicht fünfzehn größere Bilder im Rund, die Pendell sogleich abschreckten.
    Als Gefühlsbeschreibung zu wenig, als Motiv fürs weitere Lesermeinung vorwegnehmend. Warum?

  13. #13
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Die Lichtung (Teil II)

    Er betrachtete noch einmal aufmerksam das Bild. Es gefiel ihm immer besser. Es
    Würde hier Satzanfangswiederholungen (Anaphern) vermeiden, die Bezüge sind deutlich genug bei einmaligem Nennen.
    stellte zwar, wie er gehört hatte, nur eine nach der Natur gemalte Waldlichtung bei Marienhaupt dar, aber es war entschieden weniger prosaisch als sein Titel.
    Merkst Du hier, wie Du mit diesem ES und diesem HATTE stlistisch ins Schlingern kömmst?
    Durch die ungewöhnliche Farbgebung der hohen, regenkranken Kiefern, der verfilzten, bleichen Gräser der Lichtung,
    Das muß aufeinander aufbaun, da mußt Du auseinander reißen und neu setzen; soviel Zeit muß sein! Hier gefiele mir etwas mehr Verweildauer und Ausgestoßenheit des Wortes. Da liegt ein Punkt im Schreiben, der gefunden werden sollte.
    hatte
    wird zu oft benutzt
    das Gemälde etwas Unruhiges, Unbequemes; es gab ihm das unbehagliche Gefühl, dass in der Lichtung etwas nicht so war, wie es sein sollte, als wären dort einige Naturgesetze aufgehoben.
    Das ist zu platt und beinahe unkünstlerisch... siehe oben Mehr Saft ins Glas!
    In der Ecke links entdeckte Pendell nun eine undeutliche, verwaschene, in eine blaue Mönchskutte gekleidete Person mit einem spitzen Vogelschnabel, die etwas Außerordentliches, aber nicht näher Definierbares in den Händen trug. Der Autor deutete auf den blauen Fleck:
    "Was ist das für eine seltsame Gestalt?" fragte er neugierig. Der Maler stutzte und rückte seine Brille zurecht und starrte auf die Stelle, auf die Pendell zeigte.
    Wenigstens ein UND streichen, außerdem konkreter sein; Du benutzt zu viele Vagheiten, wodurch der Text beinahe beliebig und austauschbar wird. Hast Du Deinen Bapppbpel-Text verinnerlicht?

  14. #14
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    AW: Die Lichtung (Teil II)

    Lieber Robert,

    ich danke Dir für die Arbeit, die Du Dir mit meinem überlangen Text machst. Dies insbesondere, da ich den Eindruck nicht loswerde, dass Du das nicht allzu gerne machst und auch den Text eigentlich nicht schätzt.
    Falls ich mit dieser Einschätzung richtig liege:
    Hiermit erteile ich Dir offiziell für den Rest der Lichtung Dispens. Fühle Dich nicht verpflichtet, weiter zu lektorieren.
    Falls ich mich irre:
    Mach weiter. Deine Anmerkungen helfen mir sehr.

    Danke, Klammer
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