+ Antworten
Seite 2 von 2 ErsteErste 12
Ergebnis 26 bis 31 von 31

Thema: Die Stadt am Fluß - Rattenzauber

  1. #26
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    19.April 2000
    Ort
    Waldsachsen
    Beiträge
    239
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: Die Stadt am Fluß - endlich fertig

    Huch, der Meister hat gesprochen. *zitter*

    So sind alte Krähen nun einmal, blaß, blutleer und langatmig. Es macht ihnen aber nichts aus.

    Ich bin mit der Geschichte zufrieden, jedenfalls im Grundsatz. Klar, könnte man noch etwas hineinkonstruieren, z. B. daß der gute Robert besagte Sandra damals aus enttäuschter Liebe umgebracht hat. Das würde dann ein wenig Blut in die Handlung bringen, sie aber auf der anderen Seite unlogisch machen, denn warum wären dann die anderen Bewohner der Stadt verschwunden?

    Es ist eine etwas behäbige, melancholische und leicht infantile Geschichte (Der Protagonist weigert sich wie der Autor, erwachsen zu werden), wenn sie Dir, O Meister des geschriebenen Wortes, nicht gefällt, kann ich damit leben.

    Freundliche Grüße
    K.

  2. #27
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Die Stadt am Fluß - Rattenzauber

    ratten haben was, wie dieses mädchen sicherlich bestens weiß:

  3. #28
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    19.April 2000
    Ort
    Waldsachsen
    Beiträge
    239
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: Die Stadt am Fluß - Rattenzauber

    Danke fürs Hochholen des Textes. Da die Geschichte nie fertig geworden ist, hatte ich sie in der finstersten Festplattenecke abgelegt und wäre vermutlich nie wieder darauf gestoßen.

    Hier noch eine nette Szene:

    ...
    Von einem Augenblick auf den anderen verschwanden das Mädchen, die Insel und der See, während Roberts Blick verständnislos an einem riesigen Leopardenkopf hängenblieb, der mit grünen Glasaugen auf ihn herabstierte.
    Als die Erinnerung zurückkehrte, biß er sich auf die Lippen, um nicht aufzuschreien.
    Robert befand sich noch immer in der Wohnung des alten Mannes. Er lag auf dem Fußboden und konnte sich nicht bewegen. Seine Hoden schmerzten und in seinem Schritt spürte er warme, klebrige Feuchtigkeit. Allmählich löste sich die Erstarrung, und Robert spürte, wie das Gefühl allmählich in seine Glieder zurückkehrte. Gefühl hieß in diesem Falle: Schmerz. Roberts Knie schmerzten, seine Ellenbogen schmerzten, und die Schmerzen in seinem Unterleib schienen eher noch heftiger zu werden.
    „Coole Nummer, Kumpel“, höhnte die Bruce-Willis-Stimme, „so was geht echt auf die Eier, oder?“
    Der Gedanke, daß ihn das Rattenwesen die ganze Zeit über beobachtet hatte, traf ihn wie ein Schlag in den Magen. Seine Eingeweide verkrampften sich zu einem schmerzhaften Knäuel. Saure Flüssigkeit sammelte sich in seiner Kehle und verursachte Brechreiz. Mühsam rollte sich Robert zur Seite und preßte die Arme gegen seinen Unterleib. Der Schmerz verging, aber das Gefühl der Erniedrigung blieb.
    Robert schloß die Augen und versuchte, seine Gedanken zu ordnen.
    Vielleicht gab es doch eine Möglichkeit ...
    Stöhnend richtete er sich auf und taumelte auf einen Stuhl zu - seinem Peiniger entgegen.
    Die weiße Ratte lachte. Sie schnappte pfeifend nach Luft und entblößte dabei gelbe, fleckige Zähne. Ihr Körper erbebte unter immer neuen Anfällen konvulsivischen, lautlosen Gelächters, und ihre Albinoaugen fixierten den dunklen Fleck auf Roberts Hose.
    Roberts Haß auf das übermenschlich-monströse Wesen löschte in diesem Augenblick alle anderen Emotionen aus. Er würde es töten, nein, nicht nur töten, er würde es in Stücke reißen, es vernichten. Das Bewußtsein der Unterlegenheit verstärkte die Intensität seines Hasses bis an die Grenze des Erträglichen.
    Halb benommen stolperte er gegen einen der Wandschränke und verlor beinahe das Gleichgewicht.. Ungeschickt versuchte er, sich irgendwo festzuhalten und fegte dabei eine Gruppe Plastiken von der nächsten Vitrine.
    Erst im letzten Augenblick konnte Robert den Sturz abfangen, aber da befand sich sein Gegner schon in Reichweite. Die Ratte starrte noch immer über ihre Brillengläser hinweg auf den verräterischen Fleck in seinem Schritt und grinste anzüglich. Sie grinste auch noch, als Roberts rechter Arm nach vorn schnellte und ihr mit einem einzigen Schlag den Schädel zerschmetterte. Ihre Hirnschale brach mit dem dumpfen Geräusch einer platzenden Melone, dann glitt die schwere Messingfigur aus Roberts Hand und fiel zu Boden.
    Schwer atmend starrte er auf den blutigen Kadaver und konnte noch immer nicht begreifen, daß er Erfolg gehabt hatte.
    Aber es war kein Zweifel möglich: Er hatte das Monstrum zur Strecke gebracht.
    Was auch immer das Rattenwesen im Schilde geführt hatte, am Ende hatte es ihn unterschätzt.
    Robert lächelte, als er nach der Flasche griff und einen kräftigen Schluck nahm. Auf dem Glas klebten winzige Blutstropfen. Der Schnaps brannte in der Kehle, aber sein Körper nahm die Wärme dankbar auf. Noch immer konnte Robert den Blick nicht von seinem besiegten Gegner abwenden. Tot wirkte die Monsterratte alles andere als beeindruckend - ein formloser Haufen aus weißem Fell, kaum gefährlicher als ein Bettverleger.

    „Toller Auftritt, Kumpel“ Bruce Willis‘ Stimme wischte das Lächeln aus Roberts Gesicht. „Auch wenn‘s ´ne komische Art ist, sich für einen Gratisfick zu bedanken. Möchte nicht wissen, was die Mädels von „Animal Welfare“ zu der Sauerei hier sagen würden.“
    Schlagartig wich alle Kraft aus Roberts Gliedern. Die Flasche rollte über den Tisch und zerschellte am Boden. Er bemerkte es nicht einmal. Unbewußt hatte Robert die einzig mögliche Konsequenz gezogen: Seine Sinne nahmen die Umgebung nicht mehr wahr. Mit dem Verlust der Körperlichkeit verschwanden auch die Schmerzen. Dennoch blieb Robert bei Bewußtsein, verlor aber jegliches Gefühl für Zeit und Raum. Seine Gedanken bewegten sich ausschließlich in vertrauten Gefilden, weit entfernt von sprechenden Monsterratten und Ausflügen in eine Vergangenheit, die so nie stattgefunden hatte. Orientierungslos verharrte er in jenem halb schwebenden Zustand zwischen Traum und Wirklichkeit, der normalerweise dem Erwachen vorangeht.

  4. #29
    Kurzvormabschussiger
    Registriert seit
    22.September 2008
    Ort
    Regensburg
    Beiträge
    31
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: Die Stadt am Fluß - Rattenzauber

    im ersten teil die neunte zeile ist sehr überholungsbedürftig. im rest guter stil, keine verblastigkeit, die zu viel wäre.

    hat das was mit der grass'schen rättin zu tun? ich ahnte beiläufig immer, dass von dieser nichts angenehmes kommen könne...

    gestaltwandler mit stimmmodul sind ein dankbares sujet. das bisschen religionskritik kann da auch darinnen sein, warum nicht.

  5. #30
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    19.April 2000
    Ort
    Waldsachsen
    Beiträge
    239
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: Die Stadt am Fluß - Rattenzauber

    Ja, eventuell könnte man "der Gedanke" durch "die Vorstellung" ersetzen, ist auch nicht 100%ig, aber etwas Besseres fällt mir momentan nicht ein.

    Nein, mit der Titelfigur des rotbraunen 68er-Idols hat meine Ratte nichts zu tun. Sie würde Herrn G. vermutlich nicht einmal zur Kenntnis nehmen ...

    Ich mag nur einfach surreale Szenen.

    Gruß
    K.

  6. #31
    Kurzvormabschussiger
    Registriert seit
    22.September 2008
    Ort
    Regensburg
    Beiträge
    31
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: Die Stadt am Fluß - Rattenzauber

    surreal ist es zweifellos.

    der bettverleger.

+ Antworten

Ähnliche Themen

  1. Die gläserne Stadt
    Von kassandra im Forum Forum für das geschriebene Wort
    Antworten: 12
    Letzter Beitrag: 10.04.18, 07:46
  2. Die Stadt am Fluß - Sex & Crime
    Von kassandra im Forum Forum für das geschriebene Wort
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 22.10.17, 08:06
  3. Stadt der Engel
    Von Hannemann im Forum Forum für das geschriebene Wort
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 19.12.01, 00:01
  4. Die Stadt am Fluß - auf den Hund gekommen
    Von kassandra im Forum Forum für das geschriebene Wort
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 06.10.01, 18:28
  5. Die Stadt am Fluß - Intro
    Von kassandra im Forum Forum für das geschriebene Wort
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 30.09.01, 17:35

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Ja
  • Themen beantworten: Ja
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •