Die Schweden hatten sich unter dem Führer ihres nationalen Freiheitskampfes, Gustav Wasa, gegen die ihr Land beherrschenden Dänen eine absolutistische Herrschaft gegeben, ihr Land reformiert und schritten jetzt aus, umliegende Länder zu erobern. Auch bei ihnen fand ein Blutbad ganz im Stil der Bartholomäusnacht statt, 1520, als der Dänenkönig Christian II. viele schwedische Adlige hinrichten ließ, die seine Oberherrschaft nicht anerkennen wollen, aber das konnte den schwedischen Freiheitswillen nicht lange aufhalten.
Zwischen den Schweden und den deutschen Protestanten gab es viele Verbindungen. Karl IX., der Schweden im Ostseeraum zum Hegemon formte, heiratete eine holsteinische Prinzessin. Dieser Ehe entstammte Gustav Adolf, der 1611 als Siebzehnjähriger schwedischer König wurde. Gustav Adolf schuf ein Volksheer von ca. 60000 Mann (10% der damaligen Bevölkerung Schwedens), indem er eine Dienstpflicht für alle 15- bis 30jährigen männlichen Schweden einführte, gleichzeitig Aufstiegschancen im Heer garantierte, indem er das Leistungs- statt das Geburtsprinzip stärkte und von Infanterie auf Kavallerie umstellte, statt Pikenträgern Musketiere einsetzte. Außerdem ließ er an der Bewaffnung arbeiten, um sie leichter und sicherer zu machen. Streit um Besitzungen in Livland (nördliches Lettland) und Polen ließen die Schweden Erfahrungen mit Kriegen auf dem zentraleuropäischen Festland machen. Sein Ziel ist nicht formuliert zu finden, dürfte aber in dem Ausbau der schwedischen Macht im Ostseeraum und der Stärkung des Protestantismus gelegen haben, entweder im Verbund mit protestantischen Reichsteilen oder nach Überwindung gegebener Widerstände. Dabei war Gustav Wasa kein religiöser Eiferer, wie seine Verhandlungen mit den katholischen Franzosen beweisen. Ein Pragmatiker auf dem Thron!
Nachdem Wallensteins Belagerung von Stralsund gescheitert war, ergriff Gustav Wasa die Initiative. Er landete mit ca. 15000 Mann auf Usedom. 1630. Die Absetzung Wallensteins hatte die Kaiserseite geschwächt, obwohl die das noch nicht wahrnahm. Weiterhin arbeitete Richelieu gegen den Kaiser, denn Frankreich war immer daran gelegen, die deutsche Kaisermacht zu schwächen. Also verbündeten sich die katholischen Franzosen mit den protestantischen Schweden gegen den Kaiser. Kardinal Richelieu sorgte im Auftrag des französischen Königs Ludwig XIII. dafür, daß Gustav Adolf der Rücken freigehalten wurde, indem er einen sechsjährigen Waffenstillstand mit dem katholischen Polen vermittelte. Gleichzeitig versprach er eine Million Livres per annum (ca. 183 Millionen €) zur Anwerbung von Soldaten. Richelieu heiligte der Zweck die Mittel; Zweck seiner Politik war die Schaffung einer französischen Hegemonie in Europa. Dagegen stand die Macht der Habsburger, aber auch England. Richelieu, der federführend in der französischen Innen- und Außenpolitik war und der von aufgeklärten und humanistischen Zielen so weit entfernt war, wie man es sich nur vorstellen mag, verbündete sich mit allen und jedem, um seine Ziele zu erreichen: Mord, Intrigen und Revolution, alles war ihm recht. Der Glauben der Protestanten war ihm egal, ihre politischen Ziele auch, solange er sie für sich nutzen konnte. Sie nützten ihm in dieser Situation, wenn es ihm gelänge, sie gegen die wachsende kaiserliche Macht zu führen. Dazu benötigte er einen Anführer. Gustav Adolf war das. Ihn galt es zu stärken.
Die Protestanten ihrerseits atmeten auf und strömten zu Hauf ins schwedische Heerlager. In kurzer Zeit verfügte Gustav Adolf über eine Streitmacht von über 40000 Mann, die sich wie eine Heuschreckenplage nach Süden bewegte und mecklenburgische und brandenburgische Landstriche kahlfraß, aber diese auch dem Protestantismus zurückgewann. Die Churfürsten von Sachsen und Brandenburg drängten den Kaiser zur Nivellierung des Restitutionsediktes, verweigerten den Schweden aber offizielle Hilfe. Zugleich stromerten kaiserliche Verbände durch Norddeutschland. 25000 kaiserliche Söldner zogen nach Magdeburg, um die mächtigste und reichste protestantische Stadt zu plündern. Am 20. Mai 1631 war es soweit; mehr als zwei Drittel der Magdeburger wurden erschlagen (ca. 20000). Die Stadt stand unter Reichsacht, und damit waren ihre Bürger vogelfrei und die Stadt ohne Rechte. Gustav Adolf befand sich in einer Ruhephase und wollte seine Heeresmacht nicht aufteilen. Eine versprochene Entsetzung der Stadt blieb somit aus. Manche Historiker behaupten, daß der in den Diensten Schwedens stehende Kommandant der Stadt, Falkenberg, die Stadt opferte, um den kaiserlichen Truppen Versorgungswege abzuschneiden. Andererseits soll Tilly seinen Truppen eine dreitägige Plünderung versprochen haben, da die kaiserlichen Truppen lange keinen Sold mehr erhalten hatten. Was ist richtig? Die Folge dieser Magdeburger Hochzeit (die Magdeburger Jungfrau muß den Kaiser heiraten und eine Mitgift mitbringen) bestand darin, daß die beiden norddeutschen protestantischen Churfürsten nun auf die Seite des Schwedenkönigs übergingen und der Leumund des Kaisers Schaden nahm und viele dato Unentschlossene sich der protestantischen Seite anschlossen.
Bei Breitenfeld/Leipzig kam es am 17. September 1631 zur großen Schlacht gegen Tilly. Gustav Adolf siegte wegen einer überlegenen Taktik und der besseren Aufstellung seines Heeres. Er hatte seine Truppen beweglicher gehalten, zudem die Zahl der Musketiere ständig erhöht, die mit ihren haltbaren Waffen den kaiserlichen schweren Kürassieren überlegen waren, denn die mußten ihre schweren Musketen aufstellen, während die Schweden ihre Waffen ohne Stützhilfe handhaben konnten. Auch besaß Gustav Adolf die dreifache Menge an schweren Kanonen (75:26) und ließ seine Truppen zusammenwirken. Tilly hatte jeweils erprobte Haufen, aber keine zusammenwirkende Armee. So war zwar die kaiserliche Kavallerie der schwedischen bei weitem überlegen, doch nur in puncto Einzelkampf. Es lag an der schwedischen Heeresleitung, diese zu unterbinden. Zudem hatte Tilly mit den neuen sächsischen Truppen auf seiner Seite keine Erfahrungen machen können. Diese stoben beim ersten schwedischen Angriff auseinander und zerrissen die Aufstellung des kaiserlichen Heeres. Gustav Adolf nutzte die Situation, ließ seine überlegene Artillerie in die Infanteriehaufen Tillys schießen und setzte mit der leichten Reiterei nach. Der Sieg war vollständig. Tilly konnte Reste nach Halle retten. Gustav Adolf bekam nun unter den Protestanten den Ruf des Retters, zudem traten nach der Schlacht viele Sachsen in sein Heer ein.

„Er [Gustav Adolf von Schweden] danke Gott für solche herrliche Victoria [Breitenfelder Sieg 1631] und wünschte, dass sie dem Evangelischen Wesen möchte zum besten gereichen, weil er keinen anderen Vorteil noch einige Ambitionen hierin hegte, als die Ehre Gottes, die Erhaltung der Evangelischen Religion, die Beförderung des Friedens im Reich und die Erhaltung der deutschen Freiheit, unser aller Libertät und Wohlstand unserer Lande, wenn wir uns nur selber helfen und ihm die Sache übergeben wollten. Er begehre nicht einer Hand breit Landes darvon und wollte, dass es der Teufel (Gott behüte uns!) holen müsste, wo das Geringste davon ihm an seinem Wamms ankleben sollte. Pectus percutiebat! [Er schlug sich auf die Brust]. Er hätte Lande und Leute genug, könnte darin ein vierhundert Meilen Weges reisen aneinander. So wäre er auch ein König, den Gott genugsam mit Vermögen gesegnet, bedürfte keiner mehrere Königreiche und liesse sich gar wohl genügen. Wollte gern sterben, wenn er nur seine Intention zu Gottes Ehre erhalten.“ (Christian II. von Anhalt-Bernburg in seinem Tagebuch)

Die Rekatholisierung des Reiches war damit vorerst beendet. Im kaiserlichen Lager setzte großes Wehklagen ein. Gustav Adolf teilte sein Heer (nun ging es also doch!). Ein Teil zog nach Osten, um Prag und Schlesien zu erobern, ein Teil nach Westen, um die Rheingegend zu erobern. Dann schwenkte er nach Südosten, eroberte München und wendete sich weiter nach Osten: Die Zange drohte der Reichshauptstadt Wien, von Norden die schlesischen Verbände, von Westen die Hauptmacht unter dem schwedischen König. Tilly war in der Nähe Augsburgs bei dem Versuch, Gustav Adolf den Übergang über den Lech zu wehren, gefallen. Das kaiserliche Heer stand ohne Führung da. Der Kaiser mußte sich an Wallenstein wenden. Von dem war bekannt, daß er ein Feind des Restitutionsediktes war. Wallenstein setzte auf Rechtszustände, nicht auf Konfession. Er war somit ein natürlicher Feind der Gegenreformation, dabei selbst Konvertit, das aber aus äußerer Berechnung, nicht aus innerer Überzeugung. Nun schlug seine Stunde. Der Kaiser brauchte ihn, denn Wallenstein hatte alles, war reich, militärisch erfahren, besaß einen guten Ruf bei den Soldaten. Wallenstein hatte aus seinem ersten Kommando gelernt und ließ sich vom Kaiser den Oberbefehl über die kaiserliche Armee bestätigen, außerdem verlangte er freie Hand in politischen Entscheidungen, sofern sie seine Kriegspolitik betrafen. Letztlich mußte Wallenstein wissen, daß der Kaiser diesem dann zustimmte, sofern er Wallensteins bedurfte: Kein Monarch läßt sich von seinem General die Kriegspolitik bestimmen. Wallensteins Hybris begann schon mit der Annahme des Kommandos. Der neue kaiserliche Generalissimus verfolgte nicht den entgegengesetzten Plan seiner schwedisch-französischen Gegner, er wollte keine Entscheidungsschlacht, denn er wußte, daß nur Frankreich profitieren würde. Siegte Wallenstein, so würden französisches und englisches Geld neue Truppen ausheben, dann vielleicht unter holländischem oder englischem Kommando, vielleicht würde er seine Position auch gleich wieder verlieren, denn dann wäre er dem Kaiser nicht mehr unabding-, sondern ersetzbar. Bei einer Niederlage wären alle Pläne hinfällig. Wallenstein drängte also die sächsischen Truppen aus Böhmen, zog nach Westen und igelte sich bei Nürnberg ein. Die Schweden suchten eine Entscheidung und griffen ihn an. Das paßte Wallenstein weniger, also hielt er die Schweden in Rückzugsgefechten und vermied jede Feldschlacht. Nach einigen Monaten ließen die Schweden ab, was Wallenstein bezweckt hatte, und zogen sich nach Norden zurück. Wallenstein bezog in Nordostbayern Winterquartiere. Er plante eine Aussöhnung der deutschen Fürsten mit dem Kaiser und wollte die böhmische Königskrone, dann entweder zuerst Frankreich niederzwingen oder die Türken verjagen. Den Anfang mußte das wankelmütige Sachsen machen, dieses galt es aus dem protestantischen Verbund zu lösen. Gustav Adolf erkannte Wallensteins Pläne und mußte handeln. Er wollte die strategische Offensive behalten, dazu war ein eindeutiger Sieg nötig. Bei Lützen/Leipzig konnte er seinen kaiserlichen Widersacher stellen und zur Schlacht zwingen. Am 16. November 1632 fiel Gustav Adolf in der Schlacht bei Lützen, die unentschieden ausging. Wallenstein zog sich Richtung Böhmen zurück. Er war seinem strategischen Ziel wieder einen Schritt nähergekommen. Das Unentschieden und der Tod des Schwedenkönigs nützte seinen Plänen.

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Die Protestanten hatten zwar ihren Feldherrn verloren, aber ihre Mission nicht aufgegeben, sie war nicht personengebunden. Gustav Adolfs Kanzler Axel Oxenstierna übernahm die Führung des Heeres, brachte den Heilbronner Bund zusammen, der Schweden die Führung der protestantischen Kräfte des Reiches sicherte und vier Reichskreise (Franken, Schwaben, Oberrhein, Unterrhein) zur Unterstützung des Kampfes verpflichtete.
Auf der anderen Seite verfiel Wallenstein nach Lützen in eine Depression, denn er erkannte die geringen Chancen zur Erringung seiner persönlichen Ziele und sann auf neue Mittel: Intrigen und Verschwörungen. Einigungsgespräche. Zeitgleich verhandelte er mit den Sachsen, mit Schweden, protestantischen Exilanten aus Böhmen und den Franzosen.
Während der Verhandlungen kam es zu Scharmützeln. So zog Bernhard von Weimar, ein protestantischer Fürst, mit einer größeren Schar nach Bayern, um Wallenstein zu beschäftigen. Der aber ließ sich nicht aus seinem böhmischen Winterquartier locken; so fiel Regensburg. Der Kaiser tobte und konnte doch nichts tun. Aber die Verhandlungen mit den Feinden stockten, die Protestanten trauten Wallenstein nicht. Der bot den Schweden nicht gerade viel, schon gar nicht Reichsland, wie es von schwedischer Seite erwartet wurde. Wallenstein verlor jeden Tag auf beiden Seiten an Einfluß, konnte nichts zugestehen, rückte nichts heraus, wollte alles nach seinem (wechselnden) Willen modeln, wartete eine günstige Situation ab, um dann vollendete Tatsachen zu schaffen. So erhielt er den Beinamen „der Zauderer“. Der wahre Grund seines Zaudern lag, wie wir bereits wissen, in dem Dilemma, daß ihn ein entscheidender Sieg über die Protestanten dem Kaiser entbehrlich gemacht hätte, eine Niederlage dagegen hätte ihn den Kopf und das Reich Reichsland gekostet. Er mußte die Dinge also in der Schwebe halten, nur dieser (vom Kaiser nicht erwünschte) Schwebezustand schuf die Möglichkeit, für sich selbst die Königskrone Böhmens zu schaffen und dem Reich den Verlust von Reichsland zu ersparen.
Im Winter 1633/34 versammelte Wallenstein in Pilsen seine Generale und ließ mitteilen, daß er den kaiserlichen Wünschen nicht nachkommen könne und darum das Kommando niederzulegen gewillt sei. Die Generale standen meist in der Schuld Wallensteins und hätten mehr verloren als gewonnen, wenn Wallenstein ein zweites Mal seines Amtes verlustig gegangen wäre. Das dürfte Wallenstein so berechnet haben. Also verpflichtete man sich gegenseitig der Treue. Das war hart am Rande des Verrats, denn es setzte den Kaiser außen vor und ließ die tatsächliche Macht, über die Wallenstein verfügte, auch in eine fixierte umschlagen.
In Wien erhielt man Kenntnis dieser Pilsener Vorgänge und setzte, wie dies deutsche Sitte ist, eine Kommission ein, die prüfen sollte, ob Wallenstein als Verräter zu behandeln sei. Fürst Eggenberg, der Wiener Bischof und Graf Trautmannsdorf kamen zu dem einhelligen Ergebnis, Wallenstein sei seines Amtes zu entsetzen. Man bestimmte Graf Gallas zu seinem Nachfolger, dem befohlen wurde, Wallenstein und seine engsten Vertrauten gefangenzusetzen. So fiel Wallenstein durch die Hand derer, die dem Kaiser mehr gehorchten als ihrem eigenen Wort: der Spanier Gallas wurde Generalissimus des Heeres, ihm zur Seite standen der Ire Butler, der Italiener Piccolomini und der Schotte Gordon, die Verschwörer gegen Wallenstein, der am 25. Februar 1534 in Eger auf einem Bankett ermordet wurde. Das war etwas mehr, als der Kaiser befohlen hatte, letztlich aber in der Intention eines Befehls, der das Schicksal eines Verräters beschrieb.
War Wallenstein ein Verräter?


Aufgaben:


  1. Nenne Gründe des schwedischen Engagements in Deutschland! (I)
  2. Diskutiere die Möglichkeit und Folgen eines Ausgleiches zwischen Wallenstein und den Schweden! (III)



letzter Abschnitt des Dreißigjährigen Krieges hier