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Thema: Englands Aufstieg zur Großmacht

  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Holes in Blackburn

    Elisabeth I. war zahlreichen Mordkomplotten ausgesetzt, die meist von katholischer Seite (Papst) geplant und bezahlt wurden. Der Papst heuerte 4000 Spanier an, die auf der englischen Insel landeten, in der Grafschaft Lancashire. Die Guisen starteten ihrerseits einen Angriff auf Sussex. Die Invasionsängste der Engländer wurden real.

    Aber Elisabeth konnte alle Angriffe zurückschlagen. Jeder englische Lord wollte sich dadurch hervortun, um den Thron DANACH für sich reklamieren zu können. Wer es zu derb forderte, landete auf dem Schafott. Elisabeth wußte ihre Jungfräulichkeit (die nicht sexuell, sondern in Hinsicht auf ihre Ehegattenlosigkeit zu verstehen ist) energisch zu verteidigen.

    P.S. Die Textzeile aus dem Beatles-Lied von den 4000 Löchern in den Straßen von Blackburn, Lancashire, bekommt hierdurch jedenfalls eine süffisante Nebenbedeutung.


  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    England ist verfassungslos

    bizarre Sachlage:

    Jahrzehnte galt England auch bei zahlreichen (liberalen) deutschen Parlamentariern als Vorbildland des Parlamentarismus. Hauptargument war immer die Verfassung, die Konstitution, die Liberale als Argument brachten, daß also Deutschland ebenso wie England eine Verfassung brauche, damit die Rechtsverhältnisse stabil würden, der König nicht in Gefahr käme, absolutistisch zu herrschen, also recht- und verfassungslos die verfassungsmäßig garantierten Grundrechte auszusetzen...

    Dumm an der Sache ist allerdings folgendes: England hat bis heute keine Verfassung. Es hat auch keine Grundrechtecharta für alle Inselaffen, es besitzt lediglich die magna charta, die aber nur für die Adligen Rechte gegenüber dem König fixierte, nicht aber fürs Volk.

  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post Englands Aufstieg zur Großmacht

    Der Aufstieg Englands zur europäischen Großmacht vollzog sich unter Heinrich VIII. und Elisabeth I. im 16. Jahrhundert. Heinrich VIII. schuf um 1550 eine englische Nationalkirche, deren Haupt er selbst war. Elisabeth I. verschaffte den Engländern die ozeanische Perspektive. Während Heinrich seinen Willen in Herrschermanier gegen alle Widerstände durchsetzte, war seine Tochter Elisabeth nicht weniger geschickt im Umgang mit ihren Untertanen, stabilisierte den Absolutismus in England und wehrte die Angriffe der Spanier ab. Elisabeth I. besaß die Fähigkeit, sich mit geeigneten Männern zu umgeben, die der unverheirateten Königin stets zu beweisen gewillt waren, welch geeigneten König sie wohl abgäben. Allerdings blieb Elisabeth unverheiratet. Betätigungsfelder gab es für aufstrebende Insulaner genug: Irland, Piraterie, Frankreich, Spanien, Schottland, Jesuitenangriffe, Amerika und Asien... Die Liste ist lang. Überall mußte sich bewiesen werden. Elisabeth wußte die geeigneten Männer so zu motivieren, daß sie zu den Brennpunkten gingen und auch meist erfolgreich zurückkehrten. Wenn dann doch einer sich besonders hervortat und das Königtum für sich reklamierte, dann wußte sie den auf Distanz zu halten, wie sie es bei Lord Essex zeigte, den sie enthaupten ließ. Die stets schwelende Angst vor der Okkupation durch Festlandmächte, deren Heere größer als das englische waren, stärkte zudem Elisabeths Position, da sie sich in Krisensituationen als fähige Herrscherin erwiesen hatte. Die Angst der Briten vor einer Invasion war seinerzeit nicht unberechtigt. In Lancashire und Sussex landeten ein paar Tausend Spanier, konnten aber besiegt werden. Elisabeth I. mußte stets zwischen den Mächtigen lavieren, sich als Zünglein an der Waage darstellen. Es gelang und England wurde reich. Das Geld erwirtschaftete keine Industrie, es wurde gestohlen. Elisabeth I. ließ Piraterie betreiben und verlangte den Löwenanteil, d.i. Korsarentum. Dieser Staatsterrorismus gegen ausländische Kaufleute füllte Englands Staatssäckel im 16./17. Jahrhundert. Aber Elisabeth I. vermochte es auch, die widerstreitenden religiösen Eiferer zu deckeln. Unter ihr kam deren Konfliktpotential nicht zum Ausbruch. Während sich auf dem Kontinent Fanatiker stritten, was schließlich zum Dreißigjährigen Krieg führte, formulierten die britischen Insulaner 39 Artikel, die Glaube und Gnade fixierten und auf den britischen Inseln vorerst eine Art Burgfrieden ermöglichten. Englands Feind kam von außen, Jesuiten und Guisen, gegen die sich die englische Nationalkirche wehrte. Und schließlich lebte in Elisabeths Ägide (Regierungszeit) der größte Dichter der Welt, Wilhelm Schüttelspeer. Sie ließ Entwicklungen in Kunst und Literatur zu; es widersprach nicht ihren Auffassungen von Moral, Religion oder Politik, was in London auf den Bühnen gegeben wurde. Das ist ihr hoch anzurechnen.

    Spanien
    England
    176 Schiffe älterer Bauart → 44 verloren, einige wegen schlechten Zustands
    196 Schiffe neuerer Bauart, davon 140 vor Ort → höchstens 10 verloren
    19000 Soldaten, 8000 Matrosen, 2000 Ruderer
    15 335 Soldaten

    „Am 22. Juli 1588 lichteten die Spanier in La Coruna die Anker, und am 31. Juli kam es am Eingang zum Ärmelkanal zum ersten Gefecht. Aber nicht nur zwei Flotten, sondern zwei Flottenzeitalter zogen gegeneinander zur See. Die Spanier verkörperten die alte und schwerfällige Enterflotte, die den Seekampf auf den Wellen selbst zu einem Landkampf umzugestalten vermag [...] Die Engländer waren bereits die Vertreter des Artilleriefernkampfes zur See, den sie auf flinken Seglern dem Feinde nach Belieben aufzuzwingen vermochten. Im Nahkampf wären sie verloren gewesen, weil ihnen die Erfahrung der Entertechnik und die geschulte Schiffsinfanterie fehlten [...] Die Überlegenheit der englischen Artillerie war um diese Zeit schon so eindeutig, daß sie allein schon einen vollen Sieg zu verbürgen schien. […] Nach drei- bis vierstündigem Artilleriegefecht erkannte der spanische Oberbefehlshaber die Unmöglichkeit, den Feind auf Enterkampfnähe heranzubringen und so die Entscheidung in einer regelrechten Seeschlacht alter Methode zu erzwingen.“ (Ludwig Pfandl: Philipp II. München 1938. S. 448-53.)
    Nach ihrem Tode kam 1603 mit Jakob I. ein Stuart auf den englischen Thron. Jakob I. galt als Katholik, ließ aber in dieser Frage in England alles beim alten. Das muß überhaupt über seine ersten Jahre ausgesagt werden, er begann nichts Neues. Das löste bei den Spaniern und Jesuiten eine große Enttäuschung aus. Sie planten durch ein Attentat die Vernichtung der englischen Oberschicht, während die bei einer Thronrede des Königs im Parlamentshaus versammelt war. In dessen Keller wurden stapelweise Pulverfässer präpariert... Doch man entdeckte die Verschwörung. Der König beeilte sich, die Wogen zu glätten und neue Verschwörungen von katholischer Seite aus unmöglich zu machen, indem er seinen Sohn Karl mit einer spanischen Prinzessin vermählen wollte. Doch dieser Plan scheiterte. Ein anderer glückte: Jakob konnte seine Tochter mit dem protestantischen Friedrich von der Pfalz verheiraten. Das erwies sich beinahe als Fehler, denn nun wäre England beinahe in den kurze Zeit später ausbrechenden Krieg auf dem europäischen Festland geraten und konnte das nur durch Treuebruch verhindern. Als der Krieg auf dem europäischen Festland begann, half er seinem Schwiegersohn trotz dessen Hilferuf nur halbherzig und ließ die Protestanten im Reich weitgehend allein.

    Nun darf man die Kraft Englands in dieser Zeit auch nicht überbewerten. Mehr als fünf Millionen Menschen bewohnten nicht die britischen Inseln, bestenfalls ein Viertel der Bevölkerung Frankreichs oder des Reiches dieser Zeit. Eine Industrie gab es nicht, die Unterschiede zwischen arm und reich waren stark ausgeprägt, ein wirkmächtiges Bürgertum gab es in Ansätzen und wenn, dann in einigen dreckigen Städten, die kaum mit kontinentalen Städten zu vergleichen waren. Der hohe Adel bezog seine Einkünfte aus der feudalen Ausbeutung der Landbevölkerung und einträglicher Piraterie – berühmt wurden Drake oder Raleigh. Jakob I. wirkte unangefochten in seiner Politik. Seine größte politische Leistung war die Bildung eines vereinigten Königreiches von England, Schottland und Irland zu Großbritannien. 1605. Andere Leistungen Jakobs: eine Streitschrift gegen das Tabakrauchen und ein Essay über das göttliche Recht des Königtums.
    Sein Sohn Karl I. war weniger gelitten. Schon im ersten Jahr seiner Herrschaft, 1622, gab es Streit mit dem Parlament, als Karl I. zu seiner Bestallung als König das lebenslange Privileg des Pfund- und Tonnengeldes beanspruchte, das Parlament ihm dieses aber nur über ein Jahr geben wollte.

    „Nach der Eröffnung des Parlaments 1605 vereinte er E. u. Schottland zu einem Reiche (Großbritannien) u. nahm zuerst den Titel König von Großbritannien u. Irland an, konnte jedoch auf keine Weise die Zustimmung des Parlaments zu dieser Vereinigung erhalten. 10 Tage vor Eröffnung desselben erhielt Lord Mounteagle einen anonymen Brief, worin. derselbe gewarnt wurde, an der Eröffnung des Parlaments Teil zu nehmen. Der Brief kam zur Kenntnis der Regierung u. des Königs u. leitete in seinen geheimnisvollen Andeutungen auf die Vermutung, daß eine Pulverexplosion beabsichtigt sei. Die Nacht vor der Eröffnung des Parlaments, den 5. Novbr. 1605, wurden daher die Souterrains unter dem Oberhaus untersucht, u. man fand wirklich einen Stollen von einem Kohlenmagazin aus unter das Haus vorgetrieben u. dort 36 Pulverfässer unter Reisholz versteckt. Ein verabschiedeter Offizier, Guy Fawkes, wurde bei der Mine angetroffen, bereit, das Pulver auf das erste Signal in Brand zu stecken. Auf der Folter um Mitschuldige befragt, gab er zwei Edelleute, Catesby u. Percy, als Anstifter der Verschwörung an. Diese flohen nach der Grafschaft Warwick, fanden hier einen dritten Verschwornen, Digby, trafen Anstalten zum Aufruhr, wurden aber von königlichen Truppen überrascht, zum Teil im Kampfe niedergemacht, zum Teil gefangen u. hingerichtet. Gleiches Schicksal hatten zwei Jesuiten, Garnet u. Hall, welche den Verschworenen Absolution für diese Tat im Voraus erteilt hatten. Zweck dieser sogenannten Pulververschwörung war die Ermordung des Königs u. seiner Ratgeber u. die Erhebung seines unmündigen Sohnes Karl unter einer von Katholiken geleiteten Regentschaft. Eine Folge der Pulververschwörung war die Verbannung der Jesuiten aus dem Reiche u. das jedem Katholiken geltende Verbot, sich dem Ort, wo sich der Hof aufhält, auf mehr als 10 Meilen zu nähern. Seitdem werden jährlich, vor Eröffnung des Parlaments, die Keller des Parlamentshauses von dem Stabträger des Hauses u. einigen Polizeileuten untersucht.“ (Quelle)
    Dieses Parlament war keine englische Besonderheit, sondern eine urgermanische Angelegenheit, die Versammlung der beratenden Männer in einer Runde, die auf die magna charta Johanns ohne Land zurückgeht, der dem Adel Rechte gewährte, die dafür dem König Steuern entrichteten. Aber es gab eine englische Besonderheit, nämlich die Unterteilung des Parlaments in ein Unter- und ein Oberhaus. Das Oberhaus bildete die Versammlung der Lords und Bischöfe, die die Absolutheit des königlichen Machtanspruchs eindämmten.

    Das englische Unterhaus dieser Zeit ist mit dem Reichstag nicht zu vergleichen. Der Reichstag besaß sehr viel mehr Differenzierung und politische Mitsprache; das Unterhaus dieser Zeit war eine Schwatzbude von Krämern, der zu Elisabeths Zeiten vom Großsiegelbewahrer attestiert wurde, daß sie sich nicht in politische Dinge einzumischen habe, sondern nur ja oder nein sagen dürfe. [1] Elisabeth I. ließ nicht wenige Parlamentarier hinrichten. Das war usus in England; sie kannte das von ihrem Vater, Heinrich VIII., der mit seinen Gegnern so verfuhr. Im Reich wäre das unvorstellbar gewesen, daß der Kaiser politische Gegner hinrichten ließe!

    Doch das englische Bürgertum war mutiger geworden, reicher und mutiger. Es begnügte sich unter Karl I. nicht mehr mit dieser bloßen Statistenrolle. Die von Jakob I. noch apostrophierte Unteilbarkeit der staatlichen Gewalt, die von Gott herrühre, wurde kritisiert. Die Bürger führten zur Illustrierung ihrer Auffassung Beispiele aus Englands Geschichte an. Der König ließ erwidern: England werde nicht durch den König regiert, sondern durch ernannte Beamte, die Lords, die ihrerseits die örtliche Polizei kommandierten, also Sheriffs einsetzten, die ihrerseits das Gerichtswesen leiteten. Die Legislative nähmen Friedensrichter wahr, die entweder allein und mit Hilfe von Geschworenen das Recht sprächen.
    Die Stadt London muß Bruno enttäuschen. Nicht größer als ein mittlerer italienischer Marktflecken, die Häuser niedrig und von einer schlechten Fachwerkarchitektur. Selbst die wenigen Paläste des Hofadels – unvergleichbar mit den Palazzos von Mailand oder Venedig. Die Straßen schmal mit nur einer Ausnahme, der Prozessionsallee Cheapside. Überall Schmutz und Kot und eine stinkende Lauge, die in der Mitte des selten gepflasterten Weges dahinfließt, ehe sie sich in die Themse ergießt. (H.J. Ulbrich: Giordano Bruno. Würzburg 1994. S. 114.)

    Gewaltenteilung im 17. Jahrhundert? Mitnichten. Die wichtigsten Amtsträger wurden nicht bestallt, sondern mußten von Hause aus vermögend sein, um ihren Dienst ausüben zu können. Wir haben in England also eine starke adlige Oberschicht, die herrschte, aber sich nicht durch das Herrschen bereicherte, sondern sehr wohl in der Ordnung ihre Herrschaft besaß. Das Volk resp. das Bürgertum partizipierte an der politischen Macht und stellte Teile der Geschworenen, zuweilen sogar Sheriffs; manchmal auch stieg einer der vormals Unterprivilegierten in den Adel auf, sofern er zuvor reich geworden war. Es gab nicht wenige Fälle, vor allem in den Zeiten, in denen die Piraterie ein einträgliches Geschäft war. Der Adel erneuerte sich durch Titelvergaben des Königs, verringerte seine Zahl aber auch dadurch, daß nur der Erstgeborene den Titel und die Privilegien erhielt, die anderen Söhne des Hauses mußten ihr Glück anderswo versuchen. So blieb der Adelstitel den Tatkräftigen vorbehalten.

    Das Unterhaus wurde vom besitzenden Volk gewählt, d.s. diejenigen, die eigenen Grund und Boden besaßen und mehr als 40 Schilling per annum (365 €) als eigenen Besitz angaben. Die meisten Vollbürger wählten allerdings, was ihnen ihre Lords sagten. Doch die Zahl derer, die durch die Entdeckung neuer Länder welterfahrener wurde, stieg. Der Siegeszug des Protestantismus hatte auch in England dazu geführt, daß die Bibel in der Sprache des Volkes vorgelesen wurde. Gewissensfragen drangen ins öffentliche Bewußtsein und damit die Frage nach der Partizipation des Einzelbürgers. Eiferer besorgten das Ihrige, so daß es auch in England wie in anderen europäischen Ländern zu ungezählten Ausprägungen des Kultus kam. Dagegen traten die Puritaner [2] auf, die die reine Lehre mit reinem Kult wollten und alles bekämpften, was ihnen nicht bibelkonform erschien. So waren sie auch Feinde Shakespeares, dessen Theater sie als unmoralisch empfanden. Der Kampf zog sich quer durch alle Bevölkerungsschichten: es gab adlige Puritaner, bürgerliche Katholiken, arme Königsanhänger, reiche Presbyter... Ein weiterer Konfliktherd: Die schottischen Presbyter erkannten den (englischen) König nicht als Oberhaupt ihrer Kirche an, sondern nur als deren Mitglied.

    In der Auseinandersetzung zwischen Parlament und Monarchie prallten zwei Rechtsprinzipien aufeinander: das common law als die Gesamtheit der vorstaatlichen, auf Herkommen wie auf angeborenen Rechten basierenden Rechtsordnung und das statute law, das auf der rechtsetzenden Gewalt des im Monarchen verkörperten Staates beruhte. (J. Rohlfes, S. 36.)
    Die Grundstimmung war gegen Karl I., dem Katholizismus unterstellt wurde. 1628 reichte das Unterhaus vor der Erlaubnis der königlichen Steuerprivilegien eine petition of rights ein, in der bürgerliche Grundrechte gefordert wurden:


    • keine willkürlichen Verhaftungen;
    • Durchführung des Rechts bei allen;
    • Steuerbewilligungsrecht des Unterhauses.


    Karl I. stimmte dem zu und ließ sich zugleich zusichern, daß seine Vorrechte dadurch nicht angetastet würden. Das geschah. Aber eine Verstimmung blieb, die Machtverhältnisse waren nicht ganz geklärt: der König tendierte zum Absolutismus, das Parlament zum parlamentarischen Konstitutionalismus. Nach der petition of rights-Auseinandersetzung war der König vergrätzt, anders ist es nicht zu erklären, daß er elf Jahre lang regierte, ohne das Parlament einzuberufen. Er trickste, verkaufte Adelstitel, erhob Schiffsgelder... und stellte sich nicht der machtpolitischen Auseinandersetzung mit dem Parlament, hielt zudem den Sprecher des Parlaments gefangen. Zeitgleich fand auf dem Kontinent der Dreißigjährige Krieg statt, der mit mehr englischer Beteiligung hätte stattfinden müssen, meinten zumindest viele englische Protestanten, denn ihre Sache stand dort schlecht. Karl I. war mit der Verbesserung der englischen Infrastruktur beschäftigt, ließ Moore entwässern, Straßen bauen und entwickelte die Textilindustrie. Der Versuch, die Schotten auch kirchenpolitisch englischen Verhältnissen anzupassen, 1637, mißlang. Karls Geldnot wurde größer; also rief er das Parlament wieder ein. 1639.

    60 Jahre Kampf zwischen Königtum und Parlament:


    • 1628: Petition of Right → König Karl I. erkennt Grundrechte des Parlamentes an.
    • 1637: Der Versuch, die anglikanische Kirchenverfassung mit Gewalt in Schottland einzuführen, verwickelt den König in einen Krieg mit den Schotten. Die Schotten gewinnen.
    • 1641: Der Premierminister Karls I. wird vom Parlament zum Hochverräter erklärt und hingerichtet. König und Parlament überwerfen sich im Streit um die Kontrolle über das Heer.
    • 1642-48: Bürgerkrieg zwischen Königstreuen und Parlamentsanhängern: Das Parlamentsheer gewinnt die entscheidenden Schlachten. Aus den Auseinandersetzungen zwischen Parlament und Heer geht das Militär unter Oliver Cromwells Führung als Sieger hervor.
    • 1649: Prozeß und Hinrichtung Karls I., England wird Republik, Oliver Cromwell regiert das Land als Lord Protector [3].
    • 1651: Mit Navigation Act eröffnet England den Kampf um die Vormacht im Welthandel.
    • seit 1660: „Restauration“ der Stuart-Monarchie unter großer Zustimmung der Bevölkerung. Karl II. wird König.
    • 1685-88: glorious revolution (Glorreiche Revolution) Krone und Parlament einigen sich auf eine Teilung der Macht. Die Stuarts müssen wegen ihrer Rekatholisierung den englischen Thron aufgeben. Die Oranier besetzen ihn. Kompromiß, der zur parlamentarischen Monarchie führt.


    Das Ende, die glorious revolution, war ein Kompromiß zwischen der vorrevolutionären Verfassung des Königreiches und den konstitutionellen Reformen von 1641. Die Königsgerichte blieben abgeschafft, Gesetzgebung und Steuererhebung an die Zustimmung des Parlaments gebunden, dem auch der Anspruch auf regelmäßige Einberufungen (mindestens einmal in drei Jahren) und Freiheit der Verhandlungen verbrieft wurde. Mitspracherecht des Parlaments in Religionsfragen. Der König hatte den Oberbefehl über das Heer, doch es gab kein stehendes Heer. Das Oberhaus (house of Lords) wurde wiederhergestellt, mit Einschluß der Bischöfe. Auf dem Lande wurde das local government wiederbelebt, was den Zentralismus schwächte; es oblag dem grundbesitzenden Adel, der dafür sorgte, daß nur seinesgleichen ins Unterhaus gelangte. Eigentlich war alles wie zuvor, England war eine Oligarchie, die sich selbst als parlamentarische Monarchie verstand. Die Verfassung garantierte den Besitzenden den ungehinderten wirtschaftlichen Aufstieg, dem meist Adelsbrief und politisches Mitwirkungsrecht folgten.

    Der König verfolgte nur diejenigen, die am Mord Karls I. beteiligt waren, alle anderen gingen straffrei aus. Der Staat war fortan heilig, eine Oligarchie aus Lords und Königtum. Das reiche Bürgertum partizipierte und konnte Lord werden. Insofern arbeiteten die Besitzenden Hand in Hand. Aber es gab keinen, der dem widersprach, denn jeder hatte die Möglichkeit, besitzend zu werden. Das Meer stand jedem Engländer, sofern er denn klug und unternehmend genug war, seine Chancen zu nutzen, offen. Die Dummen blieben außen vor, wie eh und je.


    Aufgaben:


    1. Bewerte die einzelnen Schritte hin zur parlamentarischen Monarchie! Benenne den wichtigsten und begründe deine Entscheidung! (II)
    2. Welche Vorteile bei der Herrschaftsausübung bietet ein unverheirateter weiblicher Herrscher im patriarchalischen Frühkapitalismus? (II)
    3. Diskutiere, ob England in dieser Zeit demokratisch war! (III)



    [1] Diese "Krämer" nannte man auch gentry. Sie stützten sich auf landwirtschaftliches oder städtisches Eigentum und Einkommen und die Kontrolle der lokalen Verwaltung, diesbezüglich sie auch ins Unterhaus entsandt wurden.


    [2] die englische Ausprägung des strenggläubigen Protestanten, der sich in seiner religiösen Strenge eher am Alten denn Neuen Testament orientiert und in einer innerweltlichen Askese lebt, die es ihm verbietet, die Produkte seines schier endlosen Schaffens auch zu genießen, sondern statt dessen gebietet, es als Investivkapital anzulegen → Kapitalakkumulation = Kapitalismus.

    [3] Cromwell war kein Demokrat. Er lehnte die politische Gleichheit aller ab, wie sie die mit ihm verbündeten Independenten forderten. Während seiner Herrschaft gelang es ihm nicht, die zerstrittenen Gruppen zu versöhnen, weil er kein politisches Konzept besaß, sondern Britannien strikt nach puritanischen Grundsätzen reformieren wollte, was die Probleme nicht lösen konnte.

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