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Ergebnis 1 bis 8 von 8

Thema: small talk

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    small talk

    Small talk

    Das Gegenüber
    Sie sabbern
    Sie monologisieren
    Sie bestätigen sich
    Sie geben sich recht
    Sie verbröseln Worte
    Sinnlos,
    sinnleer,
    scheinbar
    rechthaberisch
    selbstglaubend humorvoll,
    Sie verschleudern
    Ihre Gedankenlosigkeit
    Ihre Laute sind
    Zu laut

    Der Lärm bleibt
    Das Geschwall blüht sich auf
    Erst später,
    wenn sich die Aufmerksamkeit weglenkt
    und
    wenn sie es in ihrer Selbstverlassenheit
    dann doch plötzlich merken,
    wirken sie irritiert.

    Das Schweigen
    Es ist nicht hochmütig,
    es steht im Raum,
    wie ein Fremdkörper.
    Ihre Frage nach der Befindlichkeit
    Nach der Schweigsamkeit
    Bleiben unerwidert

    Nein
    Nicht Arroganz ist der Grund
    Der Schweigsamkeit
    Irgendwann werden sie es merken
    Ein Toter sitzt ihnen gegenüber.

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: small talk

    Hallo hagen!
    Schöpferische Pause gehabt?
    Nun ja, Du stellst einen Text hier hinein, der offensichtlich in gedichtlicher Form daherkommt und mich vor die Frage der Interpunktion zunächst stellt. Also nicht, dass ich mir jetzt schon wie Robert vorkomme, aber mal ehrlich, bist Du nicht a bisserl inkonsequent, zumindest im Setzen von Punkten. Wenn es denn Methode hat, will ich mich überzeugen lassen, gerne.
    Inhaltlich finde ich es ein wenig steifend-akademisch mit aphoristisch gemeinter Schlusspointe. So ein Zeichensetzen das wirkt am Ende manchmal nur, wenn man vorher sehr viel verdichtet hat, wenn Bilder, wenn Metaphern sich gesetzt haben. Hier vermisse ich es, hier sagt mir das Endzeichen wenig, der Tote sozusagen. Überhaupt vermisse ich ein Ich, eine Achse, einen Bezugspunkt, von dem aus das Sprechen, das Gebl?h beobachtet und bewertet, verstanden und kritisiert wird. Ich fühle, dass das irgendwie der Leser leisten soll, aber fühle mich (noch) nicht imstande dazu. Auch der Titel gibt mir noch keinen Hinweis. hagen, Du machst es mir schwer diesmal...
    herzlichst uis

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
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    AW: small talk

    Hallo uis,
    danke für Deine Worte. Schöpferische Pause, weniger - eher halten mich fremdgesteuerte Aktivitäten von dem Schöngeistigen ab.
    Zur Frage der Interpunktion: Die Zeichensetzung orientiert sich an den Gedanken. Punkte sind Brüche, Kommas stehen für Pausen, keine Zeichen, wo eigentlich nach den Zeichensetzregeln welche hin gehören würden, sollen den Sprechfluß nicht unterbrechen. Das "Ich" ist bewußt ausgespart. Zuerst lag es mit Possessivpronomen vor, dann entfernte ich alle. Die Beobachterrolle reizte mich mehr, sie abstahiert vom persönlichen Erleben.
    Wahrscheinlich habe ich es Dir damit auch nicht leichter gemacht!
    Grüße hagen

    [Diese Nachricht wurde von hagen am 04. Oktober 2001 editiert.]

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: small talk

    joi, Hagen, Metakommunikation -

    düsteres Bild einer einsamen Gesellschaft, die Todsünden lassen grüßen, nichtexistente Götter nehmen dies weinend zu imaginären Kenntnis. Ich beuge mich solidarisch vornüber und kotze mit, jetze müssmer noch ein finden, der die Spülung betätigt - NEIN! Bitte keinen Arzt!

    Ich denke auch an so manchen noch unvollendeten Handlungsstrang im FdgW, und an all die freie Zeit, die man und auch mein Ich vor diesem neuen fernschriftlichen Medium zubringt, subjektiv pessimistisch zurzeit zumut - äh: um mit JR zu sprechen, allen graust es, wenn ich gähne, Kinder putzt euch eure Zähne.

    Hagen, lieber Mythos, das Wetter ist Spitze und am Lager lodert ein Feuer nicht nur für Sinthi, Roma oder Rio Reisers und das Leben ist so jung wie nie mehr, es wird Ceit sich hincucugesellen und den Cynismus zu vergessen - uis, gute Arbeit, ich schau kritisch und oft rein, herzlichst!

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: small talk

    das "ich" (im sinne der perspektive) ist dieser tote, der so tot mir gar nicht vorkommen mag. vielmehr schwer verärgert darüber, dass er derart angeschwafelt wird, dass ihm nichts als das schweigen bleibt, was ihn dann offensichtlich so aufgeregt hat, dass er sich zur beschimpfungstirade der talkenden verstiegen hat. allerdings erst hinterher.
    der anklagende ton. naja. selbstmitleidig?

    a.

  6. #6
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: small talk

    Ich grüße dich, mein Hagen,

    meine erste Frage, nachdem ich den Text gelesen hatte, war, mit welchen Menschen du dich denn in letzter Zeit unterhalten hast. Du scheinst gerade einige deprimierende Kommunikationserfahrungen zu machen.
    Der Text erinnert mich übrigens sehr an deinen "Anklopftext", vor allem der identische Schlussgag mit dem Toten. Ist das eine Variation oder eine Fortschreibung?

    Falls das Ganze als Gedicht verstanden werden will (ein paar Stabreime sind ja enthalten), will ich dazu schweigen.
    Sollte es sich aber um Kurzprosa, eine Art Anekdote handeln, so fehlt mir die knackige Gemüsebeilage. Es berührt mich nicht so wie der "Anklopfer" und andere Texte von dir. Es ist mir zu mundgerecht. Ich lese das Ganze, es flutscht glatt und schnell, nirgens verschlucke ich mich. Anschließend zucke mit den Achseln. Das Alles mag zornig und wahr empfunden sein, bringt mir aber nichts Neues. Und Texte, die mir keine neue Erfahrung schenken, mag ich nicht.
    Ich verweise hier auch auf Roberts Kritik an Pauls "Zeitgeist"-text, der mir auf irgend eine Weise verwandt scheint und deshalb passt seine Kritik hier ebenfalls. (Meine ich...)

    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
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    AW: small talk

    Es stellt sich doch hier die Frage in welcher Weise "tot" gemeint ist. Ist es eine Beschreibung eines realen Zustandes oder ist es eine Metapher? Umfaßt die Kritik, zumal jeglicher Ich-Bezug fehlt, nicht auch den vermeintlich Toten? Sollte der Tote als Schweigender nicht die Kraft aufbringen, sich zu wehren, sind nicht gar die Schwafelnden dem Toten vorzuziehen?

    [Diese Nachricht wurde von hagen am 11. Oktober 2001 editiert.]

  8. #8
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: small talk

    Wenn "tot" ein realer Zustand sein soll, dann ist er ein Nicht. Oder der Tod resp. tot sein wird als Übergangsstufe angesehen, als ein Noch-nicht, weniger aber als ein Nicht-mehr, nicht mehr im Sinne von exitus, ausgegangen, also aus dem Sinnlichen. Der tote Körper verwest, will heißen geht in ein anders über, ist also dann in anderem. Wie kann dann etwas tot sein? Oder bedeutet "tot sein" eben die Potenz zu etwas Neuem?

    Der Tod ist immer metaphorisch aufzufassen, anders läßt er sich nicht denken. Wenn der Tod süpräche, wäre er dann? Ein Widerspruch, gar eine contradictio in adiecto? Poeten arbeiten damit. Sachliche Menschen können dem nicht folgen. Bei hagen soll er, der Tod, sich sogar wehren können. Ein poetischer Gedanke ².

    Ich empfinde es dagegen sehrlichst wie hagen, daß Schweigen im Raum stehen kann. Ist Schweigen Teil des Gesprächs oder der Tod desselben? Mitnichten, weil doch wahre Freunde sich daran erkennen, daß sie miteinander schweigen können - und einander doch vieles mitteilen. Also gibt es so etwas wie den Tod (im poetischen Sinne) gar nicht? Sic!

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