+ Antworten
Ergebnis 1 bis 7 von 7

Thema: Nächster Versuch, der Bezeichnung "Möppel" zu entgehen

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
    Registriert seit
    4.May 2000
    Ort
    Dortmund
    Beiträge
    95
    Renommee-Modifikator
    0

    Nächster Versuch, der Bezeichnung "Möppel" zu entgehen

    Du gehst also nachts durch dieses verschlafene Nest, denkst an dieses Mädchen aus LA, dessen Namen Du schon längst vergessen hast, denkst an die Leute von damals, an Rickys Bar, an Whisky und Gin Tonic, an Tom, der den Hobo Blues auf seiner Maultrommel geblasen hatte, als wären ihm die apokalyptischen Reiter auf den Fersen und an das Gefühl, trotz allem ein Fremder in dieser Stadt zu sein.
    Irgendwo zwischen dem Atlantischen und dem Pazifischen Ozean liegen Deine Träume begraben, irgendwo dort schlagen die kläglichen Überreste Deines Herzens, und dieses Mädchen aus LA, dessen Namen Du schon längst vergessen hast, ist auch nur ein weiterer gefallener Engel in dieser großen Illusion Amerika.
    Damals hattet ihr euch jeden Abend in Rickys Bar getroffen, wart irgendwie immer wieder dort gelandet - Du, und all die anderen Ausgebrannten, Gescheiterten, Typen mit vollgestopften Köpfen und leergeräumten Taschen, mit billigen New-York-City-Flittchen, die vor prügelnden Ehemännern auf der Flucht waren, im Schlepptau und dem halbherzigen Glauben an die große amerikanische Hure und den niemals versiegenden Quell ihrer verlogenen Titten. Die ewige Lüge; der ewige Selbstbetrug. Du verkaufst Deine ohnehin nur geliehene Seele für Dinge wie Laufmaschen in ordinären Nylonstrümpfen, schmutzige Kneipen, billige Motels, falsche Blondinen mit ebensolchen Wimpern, Lippenstiftreste an Whiskygläsern und mit rauchiger Stimme ins Ohr gehauchte Lügen, während Du billige Drinks kippst und in einem Anfall vorgetäuschten Selbstzweifels über Dein verschüttetes Leben sinnierst.
    Irgendwo zwischen Denver und Albuquerque hatte es begonnen, auf irgend einem dieser gottverlassenen Highways in dieser verschissenen Wüste warst Du ihnen zum ersten Mal begegnet; diesem Mädchen, dessen Namen Du schon längst vergessen hast und Ricky, der hinter die schweinchenrosafarbenen Fassaden der großen Hure geschaut -, ein Heiliger, der es gelernt hatte, mit der Lüge zu leben, nachdem ihm der American Dream einen Tritt in den Arsch verpaßt und ihn wie einen verschimmelten Hot Dog in die Gosse geworfen hatte. Für Dich war er ein Gefallener und Wiederauferstandener auf dieser endlosen, staubigen Straße Leben gewesen und auf einem Baum ein Kuckuck... Simsalabimbambasaladusaladim... auf einem Baum ein Kuckuck saß...

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
    Registriert seit
    30.October 1998
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    4.522
    Blog-Einträge
    35
    Renommee-Modifikator
    26

    AW: Nächster Versuch, der Bezeichnung "Möppel" zu entgehen

    Das ist schon besser.
    Jetzt brauchen wir nur noch eine Geschichte und einen Aufmacher, einen Helden wider Willen und einen Straßenfeger, dann rollen wir auf Kerouacs Wegen durch die Schotterstraßen. Wär' aber gern dabei, sagen wir für zehn Tage, zwischen dem 17. und 26. November hab ich Zeit.

    Also, Mark, wie ernst ist es Dir mit der Beschreibung und literarischen Thematisierung dieses Lebensumfeldes?

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    5.October 2000
    Ort
    Bad Füssing
    Beiträge
    937
    Renommee-Modifikator
    20

    AW: Nächster Versuch, der Bezeichnung "Möppel" zu entgehen

    Klingt nach Tom Robbins, die Geschichte von dem Mädchen mit dem übergroßen Daumen.
    Bekannt oder transozeanische Fernbefruchtung?

    " Sissy - Schicksalsjahre einer Tramperin", genau, das war der Titel.

  4. #4
    Kurzvormabschussiger
    Registriert seit
    4.May 2000
    Ort
    Dortmund
    Beiträge
    95
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: Nächster Versuch, der Bezeichnung "Möppel" zu entgehen

    Fernbefruchtungen will ich nicht ausschließen; dann aber eher durch Chandler oder... - ja, Kerouac.
    Wie ernst es mir damit ist? Hm, schwer zu sagen. Zunächst mal macht es mir nur Spaß, diesen Stil (sinnfrei) zu parodieren.
    Wenn Du (wie angegeben) Zeit hast, Robert, sollten wir uns vielleicht nochmal zusammenraufen und ein Treffen anberaumen. Immerhin haben wir zwei ja noch was vor.

    Gruß, Mark

  5. #5
    Resurrector Avatar von aerolith
    Registriert seit
    30.October 1998
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    4.522
    Blog-Einträge
    35
    Renommee-Modifikator
    26

    AW: Nächster Versuch, der Bezeichnung "Möppel" zu entgehen

    Zwei Paar Schuhe. Also, willst Du in diesem Stil nicht wenigstens mal eine Erzählung oder Novelle (kann mir gar nicht vorstellen, daß sich eine Novelle im Stile Kerouacs schreiben ließe) erarbeiten. Du müßtest Capote querlesen, den könnte man als Formgeber nutzen, dann pfropfst Du Deinen plot drüber und schreibst glasklare Charaktere, die eine genaue Entwicklung nehmen müssen, hin zu einem Ziel. Das könntest Du anvisieren, erreichen und müßtest dann das "amerikanische" Ende dahingehend kolportieren, daß Du Deinen (lebendigen und toten) Helden am Ende eben nicht in die Sonne reiten läßt, sondern eben (deutsch/europäisch) in der Gesellschaft beläßt.

    Das wäre für mich mal eine interessante Lektüre. Du hättest Deinen Spaß am Schreiben, ich meinen am Lesen. Aber wäre das dann noch eine Parodie?

  6. #6
    Kurzvormabschussiger
    Registriert seit
    4.May 2000
    Ort
    Dortmund
    Beiträge
    95
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: Nächster Versuch, der Bezeichnung "Möppel" zu entgehen

    Darüber hab ich auch schon nachgedacht, und Spaß machen würd's mir allemal (so mir denn die passende Idee kömmet).
    Ich werde es im Hinterkopf behalten, aber dauern wird es schon noch ein wenig.

    Gruß, Mark

  7. #7
    Resurrector Avatar von aerolith
    Registriert seit
    30.October 1998
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    4.522
    Blog-Einträge
    35
    Renommee-Modifikator
    26

    AW: Nächster Versuch, der Bezeichnung "Möppel" zu entgehen

    Das Warten dauert an. Immer noch keine passende Idee? Wahrscheinlich fand Mark zwischenzeitlich andere spaßige Beschäftigungen. Das geht den Menschen wie den Leuten und soll kein Vorwurf sein.

    Kürzlich hörte ich ein Feature über Robert Zimmermann. Er beschreibt Amerika als das Land der Fremden, der Kuckuckseier, die in einem fremden Nest geboren worden, aufwuchsen und nun im Land herumirren - wie Männer, die aus dem Mond gefallen sind. Sie geben sich neue Namen, legen ihr Herkommen ab wie etwas Schlechtes, ja, schließlich sind sie aus ihrer Heimat geflohen, weil sie dort keinen Platz fanden: Verlierer, Tagediebe, Spinner, Glücksritter. Die Welt kann nicht gebessert werden, sie ist ein Jammertal. Das ist Amerika. Aber man kann Schutz finden in einer See von Plagen.


+ Antworten

Ähnliche Themen

  1. Christoph Hein: "Meine Figuren haben Rechte!"
    Von aerolith im Forum Buch- und Autorenforum
    Antworten: 7
    Letzter Beitrag: 21.08.18, 23:40
  2. Carlos Castaneda "Tensegrity" Die magischen Bewegungen der Zauberer
    Von Michael im Forum Buch- und Autorenforum
    Antworten: 9
    Letzter Beitrag: 26.07.18, 19:52
  3. Antworten: 42
    Letzter Beitrag: 26.03.18, 18:15
  4. nächster VERsuch
    Von andrea im Forum Lyrsa
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 25.08.01, 13:52
  5. 1. Versuch: "Bedingte Spanne"
    Von andrea im Forum Lyrik
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 13.08.01, 20:45

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Ja
  • Themen beantworten: Ja
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •