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Thema: Am Morgen, Landrose

  1. #1
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    Am Morgen, Landrose

    Am Morgen, Landrose
    __________________


    Am Morgen, Landrose im Dornenkleid,
    neige dich der Macht, Rose so nackt,
    die Zukunft dein Anker.

    Rot schreit schon der junge Wind,
    erhebt seine rauschende Krone
    zum Peitschen der Wellen Schaum.

    Vertrieben für ein Wunder,
    gesunken in Schweigen und Lust
    auf den Untergang. Am Abend, Landrose.

  2. #2
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    AW: Am Morgen, Landrose

    Liebe Marina,
    nach mehrmaligem Lesen weiß ich, wonach ich fragen muss.
    Zunächst hat mich etwas Distanziertes berührt. Ich fragte mich, welche Perspektive das lyrische Ich einnimmt. Mit anderen Worten: Wo steht die Sprecherin, der Sprecher? Das Beobachtete wird kryptisch mitgeteilt, zu verschlüsselt. Du gibst zu wenig preis hier. Woran es liegt? Die Kraft der Verben fehlt, hast sie in der letzten Strophe zu Partizipien verstümmelt, lässt es nur beben, aber nicht leben.
    Genauer: Die erste Strophe hat ein Verb, neigen, die zweite hat drei, schreien und erheben sowie peitschen als Substantiv. Und in der dritten Strophe fehlt die aktive Anbindung der in partizipialer Form vorhandenen Verben. Wer hat vertrieben? Wer oder was ist gesunken? Von Rose keine Spur mehr. Vorstellbar ist, dass Du etwas verkürzt hast von einer ursprünglich vorhandenen Idee. So einheitlich die Gestalt des Gedichts daherkommen mag, so uneinheitlich, so zerrissen präsentierst Du innerlich die letzte Strophe. Sollte hierin eine Absicht aber verborgen sein, dann erscheint es nicht kohärent genug. Es fehlt etwas. Es fehlt noch ein Gefühl. Und so stelle ich am Ende meiner Betrachtungen fest, dass eine Distanziertheit geblieben ist, wo eine intime Nähe ausgedrückt werden sollte. Aber ich denk noch weiter drüber nach.
    herzlichst uis

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Am Morgen, Landrose

    Lieber uisgeovid

    -wo eine intime Nähe ausgedrückt werden sollte.-

    Ja, wenn du so willst. Die "intime Nähe" zwischen dem Morgen- und dem Abendland. Als erstes werde ich den Titel ändern.

    Das ist ein Rohschliff, wirklich sehr jung, und der erste "Betroffenheitstext" zum +Ereignis+ 3 Wochen danach. Ja, sehr distanziert, so seh ich das auch.

    Danke und Gruß M

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Am Morgen, Landrose

    gefällt sich mehr, als es Fremde einläßt, trotzdem hast Du keinen hermetischen Text geschrieben: er ist so mittenmang, nicht Fisch, nicht Fleisch

    zu viel Narzißmus

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Am Morgen, Landrose

    BITTE, Robi, definiere kurz +hermetischer Text+. Oder gib mir einen link.
    Mich interesiert, ob du damit meinst, was ich jetzt denke. Danke!

    Regentraufengruß zur Einheit M

  6. #6
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    AW: Am Morgen, Landrose

    Gern, Marina. Ist eines meiner Lieblingsthemen:
    erstellt von mir selber in "Herbstzeitlos", S. 33: Reibung am Fremden, Wortgefechte, Lernen: Sie sind zu durchgehende Tore zur festen Freundschaft. Ein Gespräch wird erst möglich, wenn diese Reibungspunkte ausgerieben sind, erst nach dem Streit birgt es selbst im neuen Streit das vertrauensvolle Du, ohne das eine Freundschaft nicht existieren kann. Der Mensch braucht den Streit zur Eigenartikulation, um Ehrlichkeit sichtbar zu machen.
    In diesem Sinn haben Texte die Tore aufzusperren, um Gastfremde einzulassen, wie Menschen überhaupt die Tore aufzusperren haben, um Gastfremde einzulassen. Dichter aber besonders. Jemand, der nun hermetisch schreibt, hat verschiedene Gradationen des Fremdelns zu durchschreiten, am Ende wird er ganz bei sich bleiben und depraviert damit sein eigenes Daseyn. Aber dar?ber will ich jetzt nicht wirklich etwas sagen.

  7. #7
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    AW: Am Morgen, Landrose

    Robert meint hier auch Entfremdung vom Ich - klinische Dichtung, ein Paradoxon. Liest sich außerdem schlecht. Also nicht sich selbst belügen mit einem Text, zu dem man nicht stehen kann, wenn man zu sehr daneben steht. So sieht es von des Dichters Seite aus. Dem Leser erschließt sich dann nur ein aus Allgemeinplätzen bestehendes Bläh. Auch er findet, ebenso wie die Dichterpersönlichkeit keinen Zugang zu derselben.
    Du wolltest ja eine Antwort, Marina ...

  8. #8
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Am Morgen, Landrose

    ..und bekam beide.

  9. #9
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    AW: Am Morgen, Landrose

    hm, da ist wieder ein fisch im fluß, muss ich wieder die angel werfen... -
    so sehr das dichterlein die mauern einreissen sollte mit leib und seele, so sehr muß er letzere auch hüten als seinen schatz und quell - sonst landet er mal schnell auf dem strassenstrich... ich will euch diesbezüglich also durchaus rechtgeben (nicht, dass wieder in camusscher manier missverständnisse aufkommen sollten... - doch, dass ist leicht gesagt - die kunst gar es zu tun... -
    zum geverse kann ich nicht viel sagen, bin auf dem stuhl sitzen geblieben, werds nochmal lesen - zwetajewa hab ich gesucht, ein wenig lasker-schüler gefunden - letztendlich so viel verstanden wie von mayröcker...

    später...

    so, tageswerk erledigt.
    also ansprechbar.
    zwetajewa hat sichs übrigens mit ihren freunden hier oben recht hübsch eingerichtet und gemütlich gemacht... . -
    albert camus: "das missverständnis".
    wollte damit sagen, dass ich den kritischen vorgängern nicht unbedingt widersprechen will, aber das war mir zu leicht dahingesagt - es ist schwierig den weg zwischen distanz und prostitution zu gehen, lyrik ist immer ein wenig seelenstriptease, isn`t it? -
    nicht jedermans/-fraus sache - höchstens man/frau hat bereits den zustand des nothing left to loose bzw. ach leckt mich alle doch mal erreicht - dann fällt vieles leichter und leichter und leichter und lächelt...

  10. #10
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    AW: Am Morgen, Landrose

    Wäre dieser Aspekt nicht einer genaueren Behandlung in einem eigenen Ordner wert, Paul?
    Die Poesie - ein Freudenmädchen?

    Gruß M

  11. #11
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    AW: Am Morgen, Landrose

    "bullets over broadway" vom stadtneurotiker woody allen fällt mir ein - das dichterlein, dessen oeuvre in hollywood dergestalt beschnitten und somit massentauglich gemacht wird, bis jener eines nachts schweissgebadet aufwacht, zum fenster geht und laut hinaus brüllt: ich bin eine hure! - ich liebe diese szene, weniger woody allen selbst... -
    das mit dem ordner klingt gut, ich geh itzt in die sauna und lass mir was einfallen... - mal schauen was die ordnungshüter sagen

  12. #12
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Am Morgen, Landrose

    "bullets over broadway"...fällt mir ein
    Erdnussbutterbomben auf Afghanistan. Fallen ein.

  13. #13
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    AW: Am Morgen, Landrose

    ein spezieller casus das -
    über-fall des ab-falls, den sie zivilisation nennen... - ver-fall allemal!
    peace-paul

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