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Thema: Buchbesprechnung Autobiografisches von R. Höss

  1. #1
    kls
    Laufkundschaft

    Buchbesprechnung Autobiografisches von R. Höss

    Nachdem ich im Stern eine Reportage über Höss' Tochter gelesen hatte, besorgte meine äh … Bekannte die autobiographischen Aufzeichnungen von dem selbigen. Ich übersprang das Vorwort – ich wollte meine eigenen Schlüsse ziehen.

    Es handelt sich um ein unerträgliches Dokument von Bigotterie! Höss ereifert sich über die Herzlosigkeit der Häftlinge, welche als Teil des Sonderkommandos die dreckigsten Aufgaben hatten. Sie hätten sogar beim Leichen schleppen geraucht. Er beschwert sich über die, den ruhigen Ablauf störende Brutalität der Wachmannschaften, über Mundraub unter den Insassen, über Behördenträgheit, über schlechtes Personal, über Lagerhomosexualität, über strukturelle Vernichtungskapazitäten und dass er froh über den Einsatz von Zyklon B gewesen war, weil Vergasung nicht so eine Schweinerei sei wie Totschlagen oder Erschießen.

    Er selber MUSSTE seine Pflicht erfüllen, alle Vorgänge mit ansehen und litt doch, ach so sehr darunter, was er aber nicht zeigen durfte. Er musste durch ein Guckloch der Vergasung zusehen. Der Gestank beim Verbrennen der Leichen, das Goldzähne herausbrechen hätten ihn so dolle erschüttert, dass er zur Beruhigung lange Ausritte machte.

    Die Verrohung der Lagerinsassen wäre ihm unverständlich gewesen und der Beweis ihrer Minderwertigkeit. Aber er als Kommandant wäre derjenige gewesen, auf den alle achten, der Vorbild sein sollte, der nicht nur Befehle erteilt sondern bereit ist, überall dabei zu sein und kalt und herzlos erscheinen MUSSTE, denn Befehl ist Befehl. Schlimm sei die Verzweiflung der Mütter gewesen. Anschließend ging er nach Hause zu seiner Familie und soll lt. Aussagen seiner Tochter ein guter Vater und Ehemann gewesen sein.

    Er lässt sich lange über seine organisatorischen Talente aus. Eichmann hätte kaum verstanden, welche Schwierigkeiten ein Lagerkommandant von Auschwitz doch meistern müsse.

    Ich empfehle dieses Buch allen Neonazis (Stichwort: Auschwitzlüge), vermute aber, dass die gar nicht verstehen können – genau so wenig Höss selbst – was für ein himmelschreiendes Verbrechen dort begangen wurde.

    Ich habe auf Seite 133 mit dem Lesen dieser Lektüre aufgehört.

  2. #2
    kls
    Laufkundschaft

    Buchbesprechnung?

    Das ist doch keine echte Besprechung von mir, selbst wenn ich diesen Begriff benutzt habe. Das ist ein persönlicher Eindruck beim 'Buch diagonal lesen'. Was mich wundert, sind meine eigenen Gefühle. Ich sah ein Foto von Höss unter dem Galgen und wie der Henker die Schlinge anbringt während Höss sich ausweichend zurückbeugt. Ich dachte: Das muss doch nicht sein, solch ein Foto ist doch Scheiße und hat keinerlei Informationsgehalt. Dann las ich seine Aufzeichnungen und dachte mit reichlich Genugtuung: Richtig so! Solche Ärsche gehören platt gemacht. Dann fiel mir auf, dass ich mich mit solchen Emotionen dem ethischen Niveau von diesen Arschlöchern annähere. Und dann fiel mir zusätzlich ein, dass da draußen jede Menge Leute rumlaufen, die faschistoides Gedankengut hegen.

    Scheiße. Was für Abgründe in uns. Und Menschen wie ich versuchen (VERSUCHEN!!!) in zerbrechlichen Booten des Anstandes auf einem Meer von Schwachsinn zu segeln. Und die Wellen der Unvernunft schwappen über die Reling, bekleckern uns, bis wir genau so werden wie unsere Gegner und die Moral schnappt noch einmal nach Luft - dann geht sie unter.

    Oder anders: Wär ich etwa anders, unter anderen Bedingungen? Kein humanistisches Weichei?

    Antwort: Ja. Ich erinnere mich an eine Phase meiner Jugend, da suchte ich förmlich nach einem geschlossenen Weltbild mit klar identifizierbaren Feinden. Wenn ich damals unter den Einfluss irgendwelcher Demagogen geraten wäre, hätte ich u.U. auch vor falschen Göttern Kniebeugen gemacht.

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