+ Antworten
Ergebnis 1 bis 13 von 13

Thema: Light years

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
    Registriert seit
    31.October 2001
    Beiträge
    23
    Renommee-Modifikator
    0

    Light years

    Keiner von uns hätte jemals geglaubt, dass Momente Besitz ergreifen, Momente die uns still und heimlich wegräumen, verschnüren und ausliefern in einen Makrokosmos voller Maske. Mein Dasein gleicht einer Hetzjagd durch ein Labyrinth, dessen Mauern sich massig und unbezwingbar vor mir aufschichten und ich bin mir bewusst, dass ich diesen wirren Pfad selbst gewählt habe, denn den Schlüssel, der jedes Schloss eines Fragments öffnet und mir so den Sprung nach draußen ermöglichen könnte, halte ich in der Hand, doch ich bin nicht in der Lage loszulassen, es fehlt ein Anstoß, eine verschwindende Bewegung, eine Sonne die mein Phlegma enteist.


    Jeder bei uns wusste, wo was geht und du hättest meinen Opa fragen können, wer für den Flow zuständig ist, den Flow, der H‘er auf die Strassen spuckt und dir deine Nächte mit einem Affen im Nacken wachhält. Er würde mit hochrotem Kopf und einer pulsierenden Vene auf der Stirn ein „dieses Asylantenpack“ über die Lippen pressen und du würdest, genau wie ich, vor ihm sitzen, deine Augen trotz Sonnenbrille geschlossen halten und dich fragen, ob du deinen Entschluss, auf die Toilette zu gehen, jetzt oder erst zwei Minuten später verkündest.
    Ich schiebe das Stück Fleisch, welches ich von dem schmalerem Ende des Batzens abschnitt, zum rechten Tellerrand, der eine Absplitterung von Porzellan aufweist, und somit den goldenen, schwachschimmernden, tellerumschließenden Kreis unterbricht. Ein törichter Sommerwind bewegt die Blätter des Baumes, der links von mir in der Erde wurzelt, er produziert ein Rascheln, welches mir ungefragt kleine, grieskorngroße Hügel auf die Haut spuckt, mein Opa sagt „elendes Pack“ und ich muss unbedingt was ziehen. Ich entgegne „Geh mal kurz für Königstiger“, flüchte und bekomme nur nach am Rande die schlimmen Zeiten nach dem Kriege mit, und auf dem Weg zur Toilette stolpere ich über den Besen einer ausländischen Reinigungskraft, die mit gesenktem Blick die schwarzen Fließen wischt, der glänzende Boden reflektiert ihr Antlitz, sie sieht abwesend und sehr exotisch aus. Ich schaue ihr in die Augen, (die Sonnenbrille habe ich beim Eintreten in das Lokal auf die Stirn geschoben) und frage, „Möchtest du einen Teil von mir, um zu spüren, wie diese eine Sehnsucht in mir brodelt?“ Die Sonne scheint an diesem Morgen und mein anstehender Weg zur Toilette trübt mir nicht den Tag, es ist der Verlust unsere Zeit, die, ohne meine zitternden Hände zu berücksichtigen, weiterläuft, und mir jede Sekunde, die verstreicht, schmerzhaft als Kerbe in die Haut brennt. Sie antwortet mir in einer Sprache die mir fremd ist, osteuropäisch, da bin ich mir ziemlich sicher, und der Klang der Worte erinnert mich an scharfe Pepperonischoten und roten Sand auf brauner Haut. Sie stützt ihren Kopf auf den Besen, legt die Hände als Kissen unter das spitze Kinn und prüft mich lange, mit einem Blick der mir nicht unangenehm ist,und dafür schenke ich ihr ein rares Lächeln. Einen kaum wahrzunehmenden Augenblick gibt es nur uns, ich spüre das Pulsen unserer Herzen, welches von den Wänden des Restaurants gebrochen und als Trommelfeuer zurückgeworfen wird, jemand zischt „Magenta“ und sie erschüttert, als sie den weißen Gentleman bemerkt, der sich uns ungehört genähert hat, und offenbar, so scheint es mir, der Macker in diesem Laden ist.
    Dumpfheit.
    Ein Blick von ihm genügt, und sie verblüht, wird hinuntergestoßen von dem Berg aus Kuchen, der elitär, Gott weiß wo, thront und allmählich anfängt zu stinken, noch Jahre später wird mich diese Szene vergewaltigen, mich herauszerren in eine Welt, in der weißhäutige Kolosse dunkles Fleisch verzerren und sich kreischend um die Abfälle schlagen. Das Lokal ist unecht, Plastikpflanzen, komische Bilder an den Wänden, und ich sehe meinen Großvater, der draußen, unter den Kastanienbäumen, stumm vor seinem Glas Bier hockt und ich weiß, dass er jetzt in Oberschlesien eine holprige Landstraße hinunterradelt, vorbei an goldenen, satten Feldern, seine Lippen sind trocken, die Beine schmerzen, doch hinter der nächsten Biegung, wartet das Mädchen auf ihn, welches ihm gestern beim Tanz im Nachbarort so gut gefiel, und sie werden im Schatten der Bäume Apfelmost trinken, und sich in eine gemeinsame Zukunft träumen. Lang ist es her, und ich wende mich ab, der Anblick dieses Witwers, dessen Blut auch ihn meinen Adern fließt, deprimiert mich und ich spähe zur Toilette. Muss was ziehen. Mach dich auf den Weg. Endlich.

    Monti und ich haben uns entschlossen, baden zu fahren. Wir müssen noch den Weg bis zur Tramstation zurücklegen, Zeit, ein paar Worte zu wechseln, nicht viele, und kurz vor der Haltestelle liegt eine alte Frau auf der Straße, ein Auto hat sie ziemlich weggedrückt, zermatschte Äpfel und zerrissene Orangen liegen verstreut, sie stöhnt und ich spüre ihre Augen. Die Schaulustigen, sie werfen sich Blicke zu, tuscheln und deuten ab und zu mit dem Zeigefinger auf den sich windenden Körper, auf der Strasse, vor dem Auto, inmitten dieses grotesken Obstsalates, und Monti meint „Shit happens“. Wir legen einen Zahn zu, da die Tram sich von weitem mit einem klagenden Schrillen ankündigt und ich blicke mich noch mehrmals um und habe ein komisches Gefühl dabei im Bauch.
    „Wenn der Apparat, das System, die Gesellschaft....“
    „Komm zum Punkt!“ sage ich und schaue aus dem Fenster, meine Zunge liegt wie ein toter Klumpen Fleisch im Mund, und das rhythmische Bewegen des Waggons, der unermüdlich über die Schienen rollt, macht mich noch träger als ich es schon bin, und ich habe eigentlich kein Bock mehr, mir Montis Gesellschaftsstudien reinzuziehen. Doch er ist ein Freund, und mein Instinkt sagt mir, das es notwendig ist, auch solche Situation zu ertragen, es gibt eben für alles einen Preis in dieser stumpfen Zeit, denke ich, und kalte Schweißtropfen hängen sich an meinen Brauen fest. „Na ja, du weißt schon, was ich meine“ höre ich Monti sagen und er schaut traurig zu Boden. „Nein, eigentlich weiß ich nicht so richtig, was du mir sagen willst“ bemerke ich und entzünde ein weiteres Streichholz aus der Packung, die ich stets in meiner rechten Hosentasche trage und auf der in schwarzen Buchstaben „Autos zum Leben“ steht. Ich lasse es brennen, bis sich der Schmerz von der Fingerkuppe ins Hirn ausbreitet und nicht mehr auszuhalten ist, dann blase ich es aus, werfe es auf hinunter und betrachte einige Minuten das verkohlte Stück Holz, welches vor mir, zwischen Monti und mir, auf dem Boden liegt und denke zurück, an Stunden, in denen das Licht anderen Schatten warf, und werde irgendwie melancholisch. Erst als mich Monti mit dem Fuß anstößt, merke ich, dass wir die Endstation erreicht haben und wir steigen aus. Bis zum Wasser laufen wir noch eine gute halbe Stunde, und dabei amüsieren wir uns über eine schwangere Frau, die am Straßenrand steht, Monti törnt der Gedanke, den dicken Bauch beim Ficken in den Händen zu halten, irgendwie an, doch ich bin der Meinung, dass ein Techtelmechtel mit einer Trächtigen ziemlich mutiert aussieht und wir wechseln unbemerkt das Thema. Wir sind dann kaum mehr aufzuhalten bei unseren Ermittlungen, wie man cool und ohne Stress zu Kohle kommen könnte, und die Blüte unseres Diskurses ist diese Idee mit dem H‘er, den wir am Strand abstellen und ihm ein Gramm versprechen, wenn er eine halbe Stunde lang vor der ganzen Belegschaft 30 kg Hanteln stemmt. Wir würden das Ganze dann abfilmen, zum Fernsehen schicken, auf etwas Kohle hoffen, welche uns die nächsten zwei Gramm Koks, so unsere Vorstellungen, finanzieren könnte.
    Die Sonne hat ihren Zenit überschritten und beginnt zu sinken. Ich mag es, wenn der Tag sich ergibt und seinen Untergang akzeptiert, die Gespräche werden leiser, die Vögel ändern ihren Cantus und die Dunkelheit kann kaum erwarten, aus zu brechen und beginnt, sich zu empören, um endlich Lichtflut zu okkupieren. Ich ziehe eine alte Schachtel mit Kippen aus meinem Rucksack, reiche eine von ihnen Monti, der sie, ohne mich an zu schauen, aus meiner Hand nimmt und geübt in seinem rechten Mundwinkel verstaut. Der Tabak ist trocken und ein Teil rieselt bei dem Versuch, ihm Feuer zu geben heraus, und ich muss an Winston denken, den bei Orwell das selbe Schicksal ereilte, und ich benenne spontan diese Gattung von Zigaretten als 1984 style. Wir erreichen unseren vertrauten Platz, der an dem bewaldeten Ufer des Sees liegt und von einer biotopisch interessanten Gräsermauer umschlossen wird. Er gewährt einer Eidechsenfamilie Unterschlupf und wenn die Sonne günstig steht und man eine Weile regungslos, und ohne einen Laut zu tun, daliegt, steckt die Mutter ihren Kopf aus dem kleinen Loch, welches, so denke ich, der Eingang zu einer riesigen unterirdischen Welt ist, und sonnt sich im letztem Licht des Tages. Monti und ich schauen ihr dann lange zu, und manchmal kommt es uns vor, als lächele sie uns an. Wir bekommen dann vor Staunen unsere Münder nicht mehr geschlossen und kapitulieren, in Anbetracht dieser Kommunikationsebene. Ich ziehe meine Strandecke aus dem Rucksack, die, wenn man sie ausbreitet, circa 2,05 m breit und 2,00 m lang ist und aus einem Synthetikstoff hergestellt wurde, der meiner Ansicht nach einen überdurchschnittlich hohen Anteil von Polyester aufweist, Montis ist aus reiner Bauwolle und er ist ziemlich stolz auf den Slogan „Wir sind der Unterschied“, der eingestickt auf dem rotem Stoff prangt. Wir ziehen uns aus, brauchen keine Badehosen, laufen schweigend zum See, dessen Oberfläche sich kräuselt, vom Wind, der herüber bläst, und stürzen uns in die Fluten. Ich schwimme hinaus, drehe mich auf den Rücken und lasse mich tragen, von dieser falschen Schwerelosigkeit, der Himmel hat sein schwaches Blau aufgetan und die Wolken gestalten Fabelwesen. Monti ist zurück ans Land geschwommen und schöpft Wasser aus dem Boot, welches wir vor ein paar Tagen, so ‘nem alten Sonderling vom anderem Ufer geklaut haben. Es ist schon ziemlich alt, das Holz ist feucht und modert, doch schwimmen tut es allemal, es hat zum Verwesen alle Zeit der Welt, und ich finde das ziemlich hartnäckig. Allmählich spüre ich, wie sich der Trip in mir breit macht und ich gebe Monti recht, dass er eine Weile braucht, um mich zu schicken, dann dafür aber um so heftiger krallt, mich in eine Brandung steuert und als Spielball durch die Zeit schickt. Ich ersaufe in Lysergsäurediethylamid und merke es nicht, das ist schon relativ grotesk. Ich bin froh, als ich bemerke, dass Monti näher kommt, um mich ins Boot zu ziehen. Er hat den Boden der 2,0 l Coca-Cola Flasche schon abgeschnitten und bastelt aus einem Stück Silberpapier, ein passendes Köpfchen für den Hals, dann beugt er sich über den Rand des Bootes, drückt die Flasche nach unten, bis sie fast gänzlich vom Wasser umschlossen wird, füllt etwas Grasmische in das Köpfchen, zündet, zieht diese Outdoorbong gemächlich nach oben, durch den Unterdruck füllt sich der Hohlraum mit gelbem Rauch, er löst das Sieb, presst die Lippen an die Öffnung der Flasche und fährt mit ihr zurück in ihre ursprüngliche Position. Monti trifft es danach ziemlich dick, er hängt über dem Wasser, Speichel hängt aus seinem Mund und er kämpft um Luft. Ich liege, wo ich liege und das gesamte Universum scheppert mir durchs Hirn. „Ich verschwimme in einem Dunst, der nicht jedem kalten Schweiß auf die Stirn wirft. Er ist das Präparat, eine Ausgasung derer, die uns säugen und aufhalten. Infiziert durch sie werden wir getrieben, „ein Leben lang“, ich unterbreche mich und schaue zu Monti, er hat sich beruhigt und liegt mir gegenüber, die Augen geschlossen, sein Brustkorb hebt sich kaum merklich und sein Mund murmelt Unverständliches. Ich schaue hinunter zum Grund und meine Hände krallen sich fester in das rissige Holz des Kahns, der mich ans andere Ufer ausliefern wird. Ich habe Lichter gesehen, Städte, die unterhalb des Sturmes, vom Meeresboden, ihren Schein an die nasse Oberfläche der Erde warfen und entfernt sah ich Feuer, welche die letzten Reste unserer Ära gierig verspeisten. Ich rolle mich frierend auf den Netzen zusammen, die der Fährmann zu einem unruhigen Berg formte, und stürze mich entgültig in einen traumlosen Schlaf. Wir sind verhext worden, doch haben wir nicht gecheckt, was geht, als du sagtest, „Unterbrich nie den Flow“, ein fataler Fehler, dass ich jetzt darauf kommen muss.

    ------------------
    homo sum,
    humani nihil a me alienum puto

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    5.October 2000
    Ort
    Bad Füssing
    Beiträge
    937
    Renommee-Modifikator
    20

    AW: Light years

    Es ist sehr spät für einen Kommentar, dennoch: Dir ist nichts Menschliches fremd, Du denkst auch schon, daß Du denkst. Schön. Glaube mir, genau das tun andere Menschliche auch.
    Trotzdem immer wieder gut, von dem Bemühen zu lesen.

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    27.July 2000
    Ort
    Freiburg im Breisgau
    Beiträge
    462
    Renommee-Modifikator
    20

    AW: Light years

    ..mit Fleiß & Gerne gelesen (wieso erinnert das an Vesper?, egal). Lektoren werden stöhnen, es sei viel aufzuräumen. Aber die Perle ist da, polieren ist ja nur Fleißarbeit.

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    19.April 2000
    Ort
    Salzburg
    Beiträge
    117
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: Light years

    ...würde gern ein ganzes Buch "verschlingen".

    "Mein Dasein gleicht....und ich bin mir bewusst...."
    oh ja, kenn ich nur zu gut, hast dieses Dilemma vortrefflich in Bildern nahegebracht.

    Zupfen wird er am Text, der Robert, wie lester schon meinte, aber auch da hat er Recht, die Perle ist's...
    Wert, ein "Büchlein" daraus entstehen zu lassen!

    Liebe Grüße a.

  5. #5
    Kurzvormabschussiger
    Registriert seit
    24.August 2001
    Beiträge
    93
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: Light years

    he,

    deine Beobachtung ist hell und grell. Deine Wahrnehmung von Kulturunterschieden ist genauso frisch, und deine Sprache bedient sich junger Müttel -

    - paß auf, du Sack: Nimm gefälligst nicht zuviel Extasy oder ähnlich gefällige Mittel,

    schreib m e h r ! lächelnd, h.

  6. #6
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    10.July 2000
    Ort
    Duisburg
    Beiträge
    670
    Renommee-Modifikator
    20

    AW: Light years

    Lieber caspAr,

    Nur grundsätzliches caspAr:
    Du streichelst und schlägst Deine Leser gleichermaßen. Du bist ein lyrischer Schreiber und dennoch vulgär, Du kannst Momente des Innnehaltens zaubern, eine Eidechsenhöhle, da erinnerst Du mich an große amerikanische Erzähler. Du musst an Deinen Naturvergleichen noch ein wenig feilen. Sie begleiten erläuternd eine Stimmung des autobiographischen Ich, das darf nicht zu lang werden stets, da können Chiffren auch gut helfen, aber sitzen tun sie, die Bilder. übertreiben tust Du auch gepflegt bezüglich des Ekels. Ekel auf alles, was irgendwie als Gesellschaft väterliche Fittiche verbreitet. Klar das ist halt das Ausgekotzte, das ein autobiographischer Ich-Erzähler mit sich herumträgt. Allerdings steckt hinter Deinem Schreiben auch eine formale Absicht, diesen Müll in feste Form zu schlagen, und das ist gut so. Textarbeit muss trotzdem geleistet werden, sonst wird es nicht mehr erträglich. Was nach Streichung einer erklecklichen Wortzahl noch übrig bliebe, könnte sich trotzdem noch sehen lassen.
    herzlichst uis

  7. #7
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Light years

    Ich las so ein bißchen vor mich hin, ich suchte einen Haken, an dem meine verwirrten Gedanken Halt finden könnten. JA, so heißt es, daß ich ihn nicht fand. Der Text geht so durch mich hindurch. Ist also nicht der Rede wert.

    Muß ich zu allem was sagen? Wer ihn mag, möge sich an ihm abarbeiten. Das Schauspiel würd' ich dann doch gerne sehen.

  8. #8
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    13.May 2000
    Ort
    Köln
    Beiträge
    671
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: Light years

    Hallo Robert

    Du schreibst:
    Der Text geht so durch mich hindurch. Ist also nicht der Rede wert.

    Obwohl ich Caspars Texte gut finde sehe ich sie auch sehr distanziert. Er sprricht die "Krankheiten" seiner Generation an, in deren Sprache mit deren Inhalten. Mich hat damals Selby angesprochen z.B., aber das ist völlig richtig, ich glaube er spricht in der Sprache der heutigen Zeit und transportiert damit die Inhalte der Nichtangepassten. Ich muss ihn weder verstehen noch gerne lesen, er ist trotzdem gut - wobei verstehen tue ich ihn schon, aber ich lese nicht mehr gerne über die Qualen des gegen den Strom schwimmens. Ich habe es selber gemacht, ich kenne es und ich weiß wie wichtig es ist einen Autor zu haben der dies ausdrücken kann.

  9. #9
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Light years

    Davon hab ich nicht gesprochen. Ich wollte die Inhaltsebene später besprechen. Wenn caspar es zuläßt und will.
    Manchmal les ich so still für mich hin, da warte ich auf irgend etwas, weiß selbst nicht was. Aber dann, nach einer kleinen Weile, da muß mein Herz schneller schlagen, sonst leg ich das Gelesene beiseite und träume schlecht davon. Und bei diesem text wartete ich vergebens auf ein Schnellerschlagen, einen Rhythmuswechsel, einen Haken, an den sich die so unterbewußt dahinstromernden Gedanken hängen könnten, um ihrerseits mit dem text Spaß zu machen. Den fand ich nicht. Vielleicht bin ich auch zu alt für vanitas-Literatur.

  10. #10
    Kurzvormabschussiger
    Registriert seit
    31.October 2001
    Beiträge
    23
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: Light years

    shalom!
    ein wenig bestürzt hat mich, dass du liebe kyra, vermutest stendec würde versuchen gegen den strom zu schwimmen. glaube, er hegt in keinster weise gedanken daran dies zu tun, denn es fehlt an kraft und motivation. sten ist sich glasklar bewusst, dass er, wie alle anderen auch, in einem trüben wasser vor sich hintreibt, doch kommt er damit nicht so richtig klar. interessieren würde mich, wie du uisgeovid, den text bearbeiten würdest, (streichung von wörtern etc.) und gebe die hoffnung nicht auf, das auch robert eine kleine unebenheit in meinen texten findet, die ihn zum verweilen animiert. nächster versuch. fragile transmission.


    ------------------
    homo sum,
    humani nihil a me alienum puto

  11. #11
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    13.May 2000
    Ort
    Köln
    Beiträge
    671
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: Light years

    Hallo Caspar,

    Du schreibst:
    sten ist sich glasklar bewusst, dass er, wie alle anderen auch, in einem trüben wasser vor sich hintreibt, doch kommt er damit nicht so richtig klar

    Du hast damit völlig Recht, es ist nur so, dass es mir damals (und auch heute noch etwas) als gegen den Strom schwimmen vorkam. Dieses Unbehagen, dieses nicht wirklich mit der Realität klarkommen fand ich anstrengend, so dass ich es für "gegen den Strom schwimmen" hielt.

    Kyra

  12. #12
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    12.August 2001
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    301
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: Light years

    hallo caspar,

    das find ich echt gut, du bringst sone bedrückende, süß melancholische stimmung rüber. da werd ich mal spannungsgeladen zu deinem nächsten text springen.

    ciao
    tt

  13. #13
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    10.July 2000
    Ort
    Duisburg
    Beiträge
    670
    Renommee-Modifikator
    20

    AW: Light years

    Habe den Text noch einmal gelesen und bin wieder sehr eindrucksvoll mit Monti am Badesee hängen geblieben. Da bist Du gut, da stimmt der Rhythmus. Vorher fehlt mir ein wenig etwas, wenn ich's nur wüsste. Aber ich habe auch eine grundsätzliche Idee bekommen. Ich weiß auch nicht, warum ich immerzu an bestimmte Stellen bei Hemingway denken musste. Versuch einmal, lieber caspAr, nicht aus der Ich-Perspektive zu schreiben. Ich glaube, das wäre ehrlicher bezüglich einer zu erreichenden Literarizität, Deinem jetzigen Erzähler wäre als Protagonisten dann etwas mehr Luft zum Atmen gegeben, Denkeinschübe im inneren Monolog ließen wieder Tempo zu, Natur würde aus einer solchen Perspektive noch mehr reflektieren, grad bei den flashbacks.
    Sind nur so Gedanken.
    herzlichst uis

+ Antworten

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Ja
  • Themen beantworten: Ja
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •