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Thema: bitte schlagt mich!

  1. #1
    maso
    Laufkundschaft

    bitte schlagt mich!

    Wer glaubt, wird selig
    Gipfeltreffen

    Im Westen zwischen Nacht und Tag zerriebene Morgenröte perlte nieder auf rauschende Rüschenröcke tanzten Dolce Vita über dem geschmeidigen zellstoffspiraligen Korsett züngelten cremefarbene Stechapfelblütenblätter Blitzleuchtgezitter zerschlugen kryptische Schüttelfrostgitter zwischen wilden Benediktendisteln erquickender Lachwurzduft wirbelte Päpstin Friederike II. um ihre Mitte in Wirrnis komprimierter Mondfrauengeflechte zerhackte ein Specht seinen Schnabel zu Splitter luftiger Sonnenlichtlöcher hinter den Keuschbaumbergen Donnerdrummeln - Horch!
    Friederike schloss die Augen und atmete ein und tief aus, dann hob sie das Kind aus dem Webetuch, das zu einer Kreuztrage um Schultern und Bauch geknotet war.
    Schau Gott, wie süß es ist!
    Sie hielt Gott das Kind entgegen, es ganz und gar zu betrachten. Das Köpfchen hing schief. Es schlief.
    Sieh!, der Flaum ist schon gewachsen. Ich muss ihm bald eine Haarspange kaufen. Und da, die Fontanelle. Sieh!, wie sie pocht.
    Friederike wiegte das Baby in ihren Armen und summte ein selbstgereimtes Lied:
    Deine süße Fratze
    trägt Glatze
    Den Daumen
    angesaugt am Gaumen
    schnarchst du friedlich vor dich hin
    einen Tropfen Sabber am Kinn
    Du träumst von Busen
    zum Schmusen
    Füllst meinem Arm
    zur Last
    weil du noch kein anderes
    Hobby hast
    Wuchtige Wüterichstauden waberten reizende Brechnussnebel kondensierten auf Friederikes Gummistiefel versank im Petersiliensumpf.
    Friederike hustete.
    Okay, okay, ich hör ja schon auf.
    Das Baby öffnete die Augen und blinzelte. Es rekelte sich und versuchte, sich umzudrehen. Friederike drückte es fest an ihren Körper und ließ das Tuch fallen, dass es die Kitzelkrauthalme zu ihren Füßen bedeckte und nahm Platz. Sie öffnete die Knöpfe ihrer Bluse und legte das Baby an die Brust. Sofort begann es, zu saugen. Friederike hörte zu wie es schluckte. So saß sie da, regungslos, gedankenlos, als meditiere sie. Schließlich kehrte sie zurück auf das Tuch.
    Gott, ich wollte Dir endlich Norma Jeane vorstellen. Der Weltfrieden lässt mir kaum Zeit, Dich hier in Deinem Garten zu besuchen und bei den geschäftlichen Terminen mag ich Dich nicht auch noch mit meinen eigenen Problemen belästigen.
    Durch Sommersprossenlabyrinthe irrte ein glänzender Skarabäus vor und zurück kitzelte Friederikes Hand fingerte in der Jackentasche und holte eine Tafel Schokolade Vollmilchknusperkuss ans Licht.
    Immer, wenn ich stille, überfüllt mich dieser Heißhunger auf Süßes. Alle Mütter aus unserer Krabbelgruppe verlieren einfach schwuppdiwupp ihre Pfunde. Ich nehme zu. Ist das nicht ungerecht, Gott? Schau, wie ich aus den Nähten platze!
    Friederike seufzte.
    Aber deswegen bin ich nicht hier und wanderte weiter über Haut und Haare trug eine Schuppe davon über Horn und Warzenhöfe hinfort über Ohrläppchen und Lider blinzelten wieder.
    Friederike räusperte sich.
    Also, wie soll ich anfangen, oder weißt du es schon?
    Narbige Schimmelmumpitzsporenporen auf hutzeligen Jahresringen quergefaltete Bockshornknollennasen unter harzigen Liquidum erstarrte Augentrostränder dunkelduster die warzigen Kreuzkümmelgespinste im Zwielichtschauer meinte Friederike, eine eiskalte Hand auf ihrem Nacken zu spüren.
    Trotzdem, ich möchte dir gerne meine Hälfte der Wahrheit beichten.
    Friederike zog die Schultern hoch, dass die Halswirbel knackten.
    Das Baby dockte sich ab und strahlte Friederike an, dass fast die Wangen in den Grübchen versanken. Fleischige Finger griffen in die Dauerwellenlocken seiner Mutter und zerrten kräftig daran. Friederike beugte sich vor, nahm die kleine Hand in ihre große und löste die Spannung.
    Du kleines, dickes Baby! Du, du, du!
    Friederike tippte mit dem Zeigefinger auf die Nasenspitze des Kindes und lachte. Das Baby riss den zahnlosen Mund auf und steckte seine Faust hinein. Heisere Laute glucksten den Hals hinauf.
    Wir haben uns letztes Jahr im Urlaub kennen gelernt, als ich meine Familie besuchte. Daheim fühle ich mich so unbeschwert, immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel, wie die Hamburger zu sagen pflegen. Ich habe einen kurzen Abstecher in das Viertel unten an den Landungsbrücken gemacht, wo ich meine erste eigene Wohnung hatte. Damals. Endlich mal wieder wahrhaftig traurig sein. Oh Gott, ich bin schon über 35! Du weißt, wie gerne ich weine.
    Friederike zerdrückte die Mistkäferkreatur in der Salinenspur.
    Und als ich dann so richtig unmöglich aussah mit verquollenen Augen und verschmierter Wimperntusche und so, da musste ich natürlich ihm begegnen. Wem sonst! In meinem portugiesischen Stammcafe habe ich mich mit einem Galao zu trösten versucht und da stand er wie vom Himmel gefallen neben mir, reichte mir ein gelbes Stofftaschentuch, verwandelte den Aschenbecher aus Keramik in einen fettigen Croissant und sagte: Gestatten, Jesu Christi!
    Camouflierte Vipern dulcamarakrustenglaciert lispelten Belladonnadilierien in Friederikes Ohrentuben hämmerte der Riva-Rocci immer noch.
    Galant verbeugt hat er sich. Und meine Hand geküsst. Braungebrannt. Gut gelaunt! Ist Dir schon mal aufgefallen, was für perfekte Zähne Dein Sohn hat? Und das im Kontrast zu seiner dunklen Haut. Ein Herzensdieb! Wenn er Dir erzählt hat, ich hätte ihn abgeschleppt auf meine Suite ins Hotel Vierjahreszeiten, dann kann ich nur sagen, ja, das ist die Wahrheit und nichts als die Wahrheit!
    Friederike klemmte das Baby unter ihrem Arm ein und richtete sich auf. Ihr schwindelte.
    Uff, bin ich eingerostet. Fühle mich wie in einer alten Ritterrüstung gefangen. Alles knarrt und scheppert. Aber, was wirklich am aller ätzendsten ist, mein Beckenboden ist total ausgeleiert. Schon beim harmlosesten Nieser geht es in die Hose. Unappetitlich. Ich schweife ab. Entschuldige! Oh, sieh!, da ist ein Pilz. Ein Phallus impudicus? Oder eher einer von der Stinkmorchelfamilie?
    Heidenböllergetöse zerschellte das Causticum Hahnemannigewölbe am Horizont. Friederike zuckte zusammen. Sie drückte das Baby an ihre Brust und hielt ihm das freie Ohr zu. Mit zitternden Knien schritt sie entlang der
    Pfingstrosenhecken, während sie dem Kind den Rücken klopfte.
    Das müssen wir unbedingt als nächstes regeln, Gott. Diese Tieffliegerjets gehören abgeschafft! Wo war ich stehen geblieben?
    Friederike runzelte die Stirn und versuchte, sich zu konzentrieren.
    Norma Jeane brauchte dringend einen Schneeanzug für den Winter.
    Ach ja. Das Vierjahreszeiten. Es ist nun mal mein Lieblingshotel. Dieser Blick von oben über die Binnenalster hinüber zum Ballin Damm. Deine Herrlichkeit! Rom dagegen, ist an einem Tag erbaut.
    Etwas piepste in Friederikes Rücken und es war kein Vogel.
    Moment bitte, Gott.
    Friederike zog ihr Handy aus der Jeanstasche am Hintern. Sie drückte auf die kleine blaue Taste und lauschte und schüttelte energisch den Kopf.
    Nein!, bloß keine Gläschen mit gekochten Karotten. Die stehen im Verdacht allergisierend zu wirken. Bitte nur Kürbis oder Kartoffel-Zucchini. Und vergiss nicht, die Stoffwindeln waschen zu lassen. Ja? Danke! Ciao!
    Friederike unterbrach die Verbindung und stopfte das Handy zurück.
    Ich komme einfach zu nichts mehr, seit Norma Jeane da ist. Bis Mittag noch im Bademantel. Ich kann wirklich froh sein, dass meine Kardinälinnen so auf Zack sind.
    Friederike schob ein Stück Schokolade in den Mund und ließ es auf der Zunge schmelzen.
    Oh Gott, so ähnlich war es mit Jesus auch. Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Alle meine Sinne standen auf Alarmstufe Fingerweg. Er sah gut aus. Er roch gut. Er fühlte sich gut an. Er schmeckte gut. Er war gut. Muss ich noch ins Detail gehen? Und dann passierte dieses Missgeschick mit dem Kondom. Und das mir, der Päpstin! Jesus meinte, das Haltbarkeitsdatum vom Latex wäre abgelaufen gewesen. Woher weiß Dein Sohn denn so was, Gott?
    Na ja, wie dem auch sei, gute drei Wochen später habe ich mir einen Schwangerschaftstest bringen lassen und siehe da, der unbefleckte Balken wurde rot. Ich hatte empfangen. Oh Gott! Der errechnete Geburtstermin war Ostersonntag. Ausgerechnet! Was Weihnachten für den Weihnachtsmann, ist Ostersonntag für die Päpstin. Du weißt am besten, was das für ein Theater ist. Norma Jeane hatte es nicht eilig. Du hast da zufällig nichts mit zu tun gehabt Gott, oder? Falls ja, ich meine, das war das falsche Signal. Wo wir doch so mit der Überbevölkerung zu kämpfen haben. Die Päpstin liest an Ostern hochschwanger das Urbi et Orbi! Ein Festfressen für die Presse. Zum Glück ist alles noch mal gut gegangen und Norma Jeane war in einer halben Stunde nach nur drei Presswehen geboren. Denkst du, Jesus hätte auch nur einmal meine Hand gehalten? Von wegen! Der saß wie festgewachsen im Plüschsessel neben der Minibar, schüttete sich einen Rotwein nach dem anderen hinein und blätterte die ganze Zeit in so einer blöden PC Zeitung. Dein Sohn. Glückwunsch! Ich habe mir die Augen ausgeweint. Irgendwie war ab da der Wurm drin. Jesus konnte mit Norma Jeane absolut nichts anfangen. Nur den Namen hat er ausgesucht. Das war‘s. Mal eine Windel wechseln oder nachts mal aufstehen, weil die kleine Krabbe eine Runde durch den Vatikan getragen werden wollte, war nicht drin! Oder einfach mal aufhören zu nörgeln, dass ich immer noch keine Lust hätte. Gott, mein Wochenfluss war noch nicht mal versiegt! Joseph und Maria haben da einen schönen Macho herangezogen. So kennt man Deinen Sohn gar nicht. Ich werde anweisen, das Evangelium überprüfen zu lassen. Schließlich steht geschrieben, du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten. Letzte Woche ist Jesus nicht zum Frühstück erschienen. Ich habe nach ihm rufen lassen, aber sein Bett war unberührt. Bis heute ist er verschwunden. Ich nehme an, er ist wieder auferstanden.
    Ätherische Calendulaessenzen tropften aus dem Strahlenkranz der Sonne und malten safrangelbe Ringelblumenkringel im Himmel blau.
    Dachte ich mir! Wunderliche Heilige. Bei der kleinsten Krise auf und davon. Wochenlang sind wir die ganzen gescheiterten Projekte Schritt für Schritt durchgegangen. Dein Sohn! Er hat immer noch Charisma und ist nach wie vor ein begnadeter Visionär und Rhetoriker. Gemeinsam hätten wir es vollbringen können! Bleibt halt alles wieder an der Päpstin hängen. Ihr da oben, immer schön aus der Affäre ziehen. Ich bin so was von sauer! Am liebsten würde ich alles hinschmeißen. Ha! Ha! Kleiner Scherz. Nein!, ich will nicht müde werden und weiter Gutes tun, und alle meine Kräfte bündeln für Norma Jeane. Sie ist die Zukunft. Trotzdem, eine Bitte habe ich an Dich, Gott. Lass Deinen Sohn die Erde bebauen, so wie einst Eva und Adam. Hör mich an! Schicke ihn in die Wüste. Die Sahara oder meinetwegen in den Sinai. Ich will Jesus jedenfalls auf gar keinen Fall wieder sehen müssen. Der ist für mich gestorben.
    Platsch!, etwas war auf Friederikes Kopf abgeworfen worden. Vorsichtig führte sie die Fingerspitzen an den Scheitel. Glibberig. Vogelscheiße?
    Gottlob, Friede sei mit dir!
    Päpstin Friederike II. schmiegte ihr Kind in die Armbeuge und faltete die Hände in stiller Andacht leise wispernd der brodelnd faule Balsam fraß Haarglimmnester funkelnd sakraler Schein vom Winde fauchend angefeuert spuckte gleißendes Flammenlanzenlicht brach die Muttermalfelder hier und da Wurzelstümpfe kahle Schädelmark unbewohnt das regengraue Gesicht eingebrannt in rauchender Luft flog ein schnabelloser Specht auf dem Rücken ein Webetuchbündel geknotet nach Osten der untergehenden Sonne entgegen in die Ewigkeit.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: bitte schlagt mich!

    Wir sollen Dir also eine Freude machen? Dann fang Du mit einem guten Text an. Mach mir eine Freude, dann ich Dir, dann schlag ich auch schon mal in die Weichteile, wenn's denn unbedingt erfreut.

    Der erste Satz ist so gebaut, daß ich gar nicht weiterlesen möchte. Verstoß gegen Paragraph I: Eine Exposition muß klar und verständlich sein, sonst gibt es Chaos, oder der Leser legt das Buch nach drei Seiten zur Seite.

    Wird's denn noch besser?

    Jetzt muß ich nach Bayern. Oh Gott. Gott in Bayern..

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: bitte schlagt mich!

    Natürlich, wo sonst? Und ich muß ihn empfangen, nicht Gott, nur Robert.

    Maso, ich bin entzückt! Wollte nur mal kurz überfliegen, dann aber doch freudenfeste gelesen. Dein Text ist mein Gewinn des Tages, heute Abend kommen eine paar langweilige Autoren :wasgeht?: zu mir, ich werde ihnen berichten.

    Wer zum Kukuck ist Hahnemanni, popelige Verwandschaft, die ich nicht kenne?

  4. #4
    Mutter des Hauses
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    AW: bitte schlagt mich!

    Robert, da siehstes mal wieder: ich habe den Text mit wachsendem Entzücken gelesen!! Der ist so lustig und kitzelt im Bauch - beinah hätt ich am Daumen gelutscht!!

  5. #5
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: bitte schlagt mich!

    [..] ich denke, Du solltest das mit dem Daumenlutschen nicht übertreiben.
    Wollen wir uns zum Inhalt äußern?
    Ich möchte nicht. Ich schau erst mal zu und lehn mich zurück: Was macht ihr Lieben denn damit?

  6. #6
    maso
    Laufkundschaft

    AW: bitte schlagt mich!

    hallo ihr

    es freut mich sehr, dass es leser gibt, die den text tatsächlich gerne gelesen haben. danke euch..., seelenmassage. kommt grad gut.

    die meisten meiner kritiker heißen (leider) robert (immer noch der alte).

    ja, bitte, redet über den inhalt! bin gespannt..

    sag auch noch was zu dem machwerk , wenn gewünscht.

    also, würde mich freuen&bis bald!
    maso

    ps
    causticum hahnemanni = frisch gebrannter kalk
    im text stellvertretend f?r die schallmauer

  7. #7
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: bitte schlagt mich!

    Liebe oder lieber maso,
    hier meine Stellungnahme, was ich sehe, lese und fühle zwischen den Zeilen:
    Da schreibt eine Mutter, da schreibt eine noch liebende Frau. Der Text ist eine große Metapher der Mutterschaft, zwischen den Zeilen handelnd von liebender Leidenschaft für einen Mann. Wenn wir alle Gott oder ein Stück zumindest davon in uns tragen, dann sehen wir in dem andern auch Jesus, wenn er uns begegnet., mit IHM dann schlafen - kein Problem - Kind zeugen auch nicht. Päpstin ist hier nicht als Affront gegen irgendeine Kirche zu sehen - Päpstin: ein Sinnbild für jede Frau, die Liebe schenken kann und Ansporn für die katholische Kirche selbst, was der Text manchmal gut durch die Naturbeschreibungen und diesbezügliche Exkurse ausdrückt. Dann wird Friederike II, die alte Fritzin auch mal wieder vulgärer, populistischer, das ist auch ein interessanter Zug an ihr. Natürlich hat ihr Jesus auch Macken. Männer erkennt Ihr Euch? Vor dem PC sitzen, Rotwein schlürfen. Was macht Eure Heilige dann? Diese Leidenschaft teilt sie nicht unbedingt, sie leidet eher darunter. Ich könnte jetzt so noch weiter interpretieren, Fazit: ein gelungener Text im Ansatz, aber bitte: sorgfältige Schleifarbeit folgen lassen. Natürlich kein Romanansatz, aber kurzgeschichtliche Episoden aus dem Leben einer Mutter kann ich mir vorstellen, auch dass andere Mütter vielleicht Söhne von Söhnen des Leuchtenträgers abbekommen haben...
    herzlichst uis

  8. #8
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: bitte schlagt mich!

    "Schattene Gedanken einer bitteren Blume schöpfen in den Tränen einer Nacht des Traumes Schlaflosigkeit. Schlaflose Blumen träumen im Schatten der tränenden Nacht voller Erschöpfung Gedanken der Bitternis. Blumiger Schlafbitter träumschattet tränengedanken nachtlose Erschöpflosigkeit. Traumblumige tränenverschlafene gedankenschöpfende schattenlose Bitternis. Tränenbittere schattenschöpfende traumgedankenlose Schlafblumenschöpfungsnacht.“ (A.A.)

    Tja.

    Mein liebes Maso,
    vielleicht beginne ich doch besser damit, mich vorzustellen:
    Ich, Nikolaus Klammer, gelte als der Traditionalist dieses Forums. Mir hängt der Modergestank des Konservativen in Kleidung und Worten. Wenn dir meine Meinungen also nicht behagen, sei nicht beleidigt: Sie kommen von einem Ewiggestrigen.
    Und es fiel mir in der Tat schwer, mich vorurteilsfrei auf deinen Text einzulassen, den zu lesen mir Hannemann ans Herz legte und dessen Beginn bereits hektisch nach großem Atem ringend Assoziationen und Gedankensplitter scheinbar wahllos hintereinanderreiht.
    Also druckte ich die drei Seiten aus und las sie laut, was ich sonst nur bei Lyrik mache. Nun, gesprochen funktionieren diese "brain-storming"-Einschübe besser. Sie wirken aber noch immer viel zu angeberisch und wuchtig auf mich. Sie sind ein massives Hindernis für mich, mich auf die einfache und auf anrührende Weise allzumenschliche Geschichte, die dazwischen erzählt wird, einzulassen.
    Was bezweckst du mit diesen lyrischen Eruptionen? Wenn sie, wie ich denke, die Antworten GOttes darstellen, dann hoffe ich, dass ich nie mit dem HErrn ein längeres Gespräch führen muss.
    Ist es denn nötig, eine Geschichte so hermetisch zu verschließen? Was gewinnt sie? Schau:
    "Wuchtige Wüterichstauden waberten...", diese Art von Stabreimen kann ich nicht lesen, ohne Sodbrennen zu bekommen.
    "Schüttelfrostgitter", "Schimmelmumpitzsporenporen", "dulcamarakrustenglaciert lispelten Belladonnadi(e?)lierien", die Liste ist beliebig fortsetzbar. Das erinnert an die pompöse, bedeutungsschwere Lyrik der fünfziger Jahre, die ich für überwunden hielt (Lies mal Paul oder Lester, die können so etwas viel besser).
    Solche Wortorgasmen machen dir beim Schreiben sicherlich Spaß und stützen dein Ego. Die Freude des Lesers daran ist jedoch ungleich geringer. In einem Prosatext, denke ich, haben sie soviel zu suchen wie eine Seuche im Paradies.
    Entscheide dich, willst du mir eine Geschichte erzählen oder mit deiner Sprachgewalt beeindrucken? Das eine schließt das andere aus, denke ich.
    Den Text empfand ich als eine verlorene Chance.

    Grüße, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  9. #9
    schreibt hier hin und wieder
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    19

    AW: bitte schlagt mich!

    nun, ungefähr bei der hälfte des textes hielt ich inne, stellte mir die frage "lohnt sich die mühe", schüttelte den kopf und schrieb diese antwort.

    nun warte ich auf einen einfacheren text, maso.

    bis denne
    tt

  10. #10
    maso
    Laufkundschaft

    AW: bitte schlagt mich!

    bin in eile!

    uis, klammer und tt. freu mich so, dass ihr eure meinung geschrieben habt. ich gehe nachher darauf ein. mir liegt der text so am herzen, weil ich hart daran gearbeitet habe und weil ich so viel spass dabei hatte. deswegen, bin ich sehr daran interessiert, ihn zu verbessern, wenn möglich!

    unten eine kritik, von einem meiner roberts. nur, damit ihr seht, ich bin the one and originally maso! und versuche wirklich alles zu berücksichtigen, was ich nachvollziehen kann.

    bis nachher

    hier robert, äh, m&a:

    die radikal selektierte Brutalität der ausgesucht vernebelten Direktheit in spiritueller Hingabeninspiration veranlasste meinen in Wolken schwer schwörenden Intellekt desmodromisch zu aktivieren. Gehirnschmalz siedend sah ich wortgewalt, die Synapsen der Kommunikation galaktiell kollabieren. Das Gewicht der von sterblich eingeschränkten Gedankenwelten konnte den nicht zu erfassenden Begrifflichkeiten bewußt keine Gleichnisse zur Verständigungserleichterung bereitstellen, was zur absoluten Zerklüftung der über Generationen evolutierenden Erfassungsfähigkeit im übertragenen Sinne verblüffend feststellen lies, das Wort ist eine Waffel.


    M. ist über Deinen ersten Satz nicht gekommen, hat ihn zu sehr inspiriert.
    Inhalt: was soll der Geck sein? Wie ist der Plot? Frau als Päpstin? Vater Jesus? Schauplatz Garten Eden? kommt einfach nicht rüber.

    Sprache: auf der einen Seite überläßt Du es dem geneigten Leser Deinen experimentellen Wortwußt zu intonieren, was selbst beim 3. Anlauf nicht unbedingt klappt, auf der anderen Seite Banalitäten wie die mutter-kind-szenen.

    Fazit: Du verschenkst zuviel an guten Ideen. z.B. mit dickem Bauch Urbi et Orbi. das läßt Du bräsig nacherzählen, wieso stellst Du das nicht direkt dar? könnte ein toller Anfang sein! Dabei denk ich an den Stil Deiner U-Bahn-story duch HH. unmittelbar. da steht sie schwitzend auf den Balkon, hat Angst durchzukrachen, das halbgöttliche Gewicht in ihr, vielleicht sieht sie in der 1. Reihe Jesus sehen, die bizarre Situation ist ihr voll bewußt, sie, die erste Päpstin, die sich das Ziel der Geburtenkontrolle gesetzt hat, usw....da könntest Du viel reinbringen und vorallem der Leser bekommt was ordentliches zum spekulieren in die Hand und nicht nur nebulöses über Flora und Fauna.

    wollte auch (zitat von maso):
    stilistisch rüberbringen, dass es künstlich ist, dass mann und frau erstmal
    atemlos und verwirrt sein würden, wären sie ins paradies geraten, ... naja.

    hmm, lese grad nochmal deine mail, mir zu akademisch dein Ziel: und wer soll verwirrt sein? der Leser? oder die Päpstin? der Leser ist es allemal; das es sich um eine künstliche welt handelt, merkt man auch, -also Ziel erfüllt- aber was bringt das alles, wenn die Neugier auf das wieso warum nicht wirklich geweckt wird . und die Antworten auf die nicht gestellten Fragen präsentierst Du auf dem Tablett.

    Tja, sorry, so seh ich das.

    uff! sagt maso, und war erstmal stinksauer
    *crashboing*

    leider was wahres dran ...
    und gar nichts gutes dabei???

  11. #11
    maso
    Laufkundschaft

    AW: bitte schlagt mich!

    moin!

    uis,
    bin fast etwas beschämt, was du alles aus dem text gelesen hast.
    methaper der mutterschaft, das hast du schön ausgedrückt. ja, teile des textes kamen frisch aus meinem herzen. jesus war mir schon als kind sympathisch, gott dagegen fürchtete ich und fand ihn ungerecht und böse. immer noch.
    beim schreiben hab ich irgendwann die herrschaft verloren und stand am schluss da, musste meinen eigenen text interpretieren. selten, dass mir so etwas passiert ist.

    schlafblumenschöpfungsnacht. schön!
    hallo klammer, danke fürs vorstellen. war lange nicht mehr hier ... der ton scheint insgesamt freundlicher geworden zu sein.
    wie ich schon weiter oben geschrieben habe, die paradiesbeschreibung sollte auch stilistisch rüberkommen. ungewöhnlich, verwirrend. so stelle ich mir es vor, der erste eindruck vom paradies. mir war bewußt, dass eine ziemlich große gefahr besteht, dass der leser nicht über den 1. satz hinweg kommt. erste sätze sind ja oft ganz entscheident, lass ich mich auf den text ein, oder nicht.
    wahllos? nein, während die eigentliche geschichte ziemlich locker von der hand ging, gibt es von den paradieseindrücken 25 versionen. laut lesen. ja, das war eine gute idee!
    ja, antworten gottes und zwar, des katholischen gottes. es gibt nur einen, aber weiß das die kirche auch?
    Belladonnadi(e?)lierien *schamrotanlauf*
    seuche im paradies - ja, klammer, du bist gut. so etwas schwebte mir vor. sie beichtet, vertraut ihrem gott und er täuscht sie, missbraucht das vertrauen.
    verlorene chance, siehe oben, haben m&a auch schon gesagt.

    könnte es sein, dass gott im specht sass und schon vonm anfang an sauer war, seinen schnabel zerschlägt? dass er den skarabäus losgeschickt hat, um zu schauen, ob es wirklich seine enkeltochter ist, norma jeane, die spätere monroe, für viele ein paradiesvogel, der ihren alltag ein klein wenig verzaubert hat, die sich umbrachte. gott sieht seinen fehler ein, gibt ihr und seinen schäfchen eine 2. chance ...
    so habe ich es mir zusammengereimt. na ja, und jesus ist halt als ein herzensdieb.
    ...
    was soll ich mit dem text machen? gibts noch was zu retten?

    viele grüße
    maso

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