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Thema: Erwachen (Szene)

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Erwachen (Szene)

    Erwachen

    Obwohl er schon aufgewacht war, hörte sein Traum nicht auf.
    Wasser ist der größte Feind des Architekten, mit geschlossenen Augen lächelte er über diesen Satz. Bei ihm sickerten die Träume in das Fundament seiner Realität, ließen das Innere feucht und modrig werden, langsam doch unaufhaltbar zersetzten sie seine äußere Ordnung. So viele Variationen des gleichen Bildes. Er war ein Esel, der von einer unüberwindlichen Kraft vorwärts geschleift wurde, obwohl er sich mit allen vier Hufen in den Staub eines Feldweges stemmte, sein ganzes Gewicht dagegen warf. Sein Kampf war immer aussichtslos, sein Gegner schien seine Anstrengung nicht einmal zu bemerken, so gleichmäßig wurde er weiter gezogen. Nie konnte er in diesem Traum sehen, wer ihn antrieb.
    Nicht bereit die Lider zu öffnen, fühlte er die Spannung in seinem Körper. Warum durfte er nicht einfach stehen bleiben?
    Er merkte, wie er immer heftiger den Kopf schüttelte, noch immer nicht bereit aufzugeben. Sein einziger Gedanke war „nein“, nicht weiter gezogen werden, nicht aufwachen, nicht denken und nicht leben. Warum war der einzige Ausweg der Tod, wollte er doch nicht mehr, als sich von der Zeit befreien. Weder sie anhalten noch verlangsamen wollte er, sie sollte an ihm vorbeiziehen, ihn nur unbehelligt lassen in seinem Stillstand.
    Ein Luftzug vom Fenster strich über seine nackte Schulter, eine spöttische Berührung, so deutlich als wäre der Zeiger einer Uhr über ihn geglitten. Er hört das Geräusch der Toilettenspülung aus dem Bad, von allen Seiten drang die Zeit jetzt in ihn ein, wirbelte ihn herum, wie ein vertrocknetes Herbstblatt. Seine gemurmelten Worte,
    „ich will nicht? ich will nicht?“ waren bereits die Kapitulation.
    Als nächstes wurde die Tür zu seinem Zimmer leise geöffnet, ein aufreizend leises Trippeln näherte sich dem Bett, verharrte einen Augenblick, um dann plötzlich in Gestalt seiner dreijährigen Tochter auf seinem Bauch zu landen. Diese fleischgewordene Zeiterscheinung ließ ihre etwas klebrigen Finger über sein Gesicht wandern, betastete vorsichtig seinen Mund, arbeitete sich zu seinen Augen empor, um hier so kräftig an seinen Wimpern zu ziehen, dass sein Lid sich mit einem schmatzenden Geräusch von seinem Augapfel löste. Sanft zog er die Hand weg und öffnete ergeben die Augen und lieferte sich dem Tag aus.

    Nicht ganz ernst gemeinter Beitrag für Langschläfer mit ernsthafter Frage:
    kann ich einen Text ernst beginnen lassen um ihn dann so ins menscheln zu bringen? Oder ist der Leser dann gefrustet?


    [Diese Nachricht wurde von Kyra am 06. November 2001 editiert.]

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Erwachen (Szene)

    Liebe Kyra,
    Du kannst vielleicht Fragen stellen.
    Der Text ist bis auf ein paar klitzekleine Ausnahmen gut!
    Mir gefällt Dein Innehalten neuerdings, vorbei die Hetze von einem Ereignis zum nächsten, Du schreibst nicht mehr atemlos. Und weißt Du, was dann passiert? Du bist eben gezwungen, genauer hinzusehen und folglich genauer zu beschreiben. Dies gelingt Dir schon ganz gut, aber auf so engem Raum dieses Textes erscheinen mir ein bis zwei bildhafte Darstellungen eher ein Zuviel des Guten. Na klar darfst Du zum Schluss das Leben in Form der Tochter hereinbringen, musst Du sogar, hast ja vorher vom Tod gesprochen und musst Du auch, weil man den Protagonisten nur träumend in seinen Bildern nicht aushalten würde. Lass ihn sich noch beim Rasieren schneiden oder sowas, mach ihn noch schön real nach so viel Traum und dann kannst wieder bebildern, behalt mal so eine Mischung bei. Und wirklich: genauer hinschauen, das kannst jetzt besser.
    herzlichst uis

  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Erwachen (Szene)

    Ja, das Fragen trägt den Text. Aber hat sie nicht zu vage gefragt? Und wenn sie fragt, dann muß es knallen! Knallt es? Es zischt. Vielleicht beschreibt sie zu viel! - Ist nicht Fisch, Fleisch schon gar nicht.

    Weiter.

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