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Thema: Geste

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Geste

    So
    oft ich
    zur Geste aushole
    Wie Luft
    während eines Spazierganges
    so sachte

    gleitet sie mir aus der Hand.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Geste

    Das ist schwerer Tobak, Schweers. Wenn Du mit den Setzungen der Worte so spielst, dann mußt Du einem System folgen. 1-2-3-2-3-2-6 ist aber kein System, nur beinahe. In Korrespondenz zum Inhalt findet sich Aufgespaltenes. Das Spalten selbst verdient sich seinen Namen in der Bestandheit des Ganzen. Ganz ist es nicht. Wo ist der Schluß, eine Verbundenheit zum SO? Das SO ist die Angel, darum dreht sich's.

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Geste

    Ich verstehe nicht, wie Du auf diese Zahlen kommst.

  4. #4
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Geste

    ich auch nicht

  5. #5
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Geste

    Die "Zahlen" haben nichts mit Magie zu tun, sondern geben die Anzahl der Wörter in der jeweiligen Zeile an. Du beginnst in der ersten Zeile mit einem Wort, deshalb die 1. Die zweite Zeile hat zwei Wörter, deshalb die 2 usw.
    Folglich könnte es sinnvoll sein: 123321 oder 123123 oder wie auch immer. Bei Dir aber ergibt das alles vorläufig keinen Sinn. Du solltest aber hierin einen Sinn suchen auch, denn wenn man so gravierend anfängt und das kleine Wort "so" in der ersten Zeile für sich stehen lässt, dann misst man ihm schon eine große Bedeutung zu. Es ist also der Angelpunkt, stellt sich ja hinterher im Gedicht noch weiter heraus.
    Zum Verständnis des Textes noch etwas: Das Bild "wie Luft während..." ist ein wenig schief, hier müsstest Du genauer sein, genauer sagen, was mit der Luft geschieht. Wird sie eingeatmet, steht sie einfach da, oder was auch immer?
    Die letzte Zeile scheint sehr treffend, wenn man an ein Wortspiel und seine Konkretisation denkt, also liefe im Gedicht alles auf eine 6 am Ende zu. Das musst Du besser vorbereiten.
    Ich hoffe, Dir mit diesen Angaben ein wenig weitergeholfen zu haben.
    herzlichst uis

  6. #6
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Geste

    ...bin ich damit einig? Nein. Muß ich auch nicht. Die Anzahl der Wörter: einerlei. Hier ist der Lese-Rhythmus, der Schreibe-,der Gedanken-Rhythmus, der den Umbruch bringt. Und er ist richtig. Nicht Zahlenmystik. Oder? Genau!
    Jetzt bin ich mit mir einig. Hat was, vielleicht ein wenig kurz. Fast Haiku (na ja, da müsste dann ja doch wieder zählen).

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Geste

    Die Kritik kann ich leider nicht annehmen. Laut gelesen hat das Gedicht den richtigen Rhythmus. Ein System ist nicht erst dann vorhanden, wenn die Wortzahl in den Zeilen zueinander in einem mathematischen Verhältnis steht oder dergleichen. Wenn, dann die Silbenzahl, aber auch das kann (nicht immer und automatisch) vernachlässigt werden.

    Die Luft gleitet aus der Hand, denn während eines Spazierganges bewegt man sich in ihr. Man spürt es bloß kaum. Deshalb dient dies als Bild für sachtes Entgleiten. Das Bild halte ich daher nicht für schief.

    Dennoch vielen Dank für die Anmerkungen. Solche, die man nicht teilt, schärfen den Blick ebenso wie zustimmende.

  8. #8
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Geste

    Rhythmusprobleme sind nicht vorhanden. Man kann's holperfrei lesen. Das schöne Wort Personenbeförderungsordnung läßt sich auch holperfrei lesen. Ist es ein Gedicht? Ich schreib's jetzt so:

    per
    son
    enbe
    för
    der
    ungs
    ord
    nung

    Du wirst zugeben müssen, daß man es holperfrei lesen kann, aber ist es ein Gedicht? Hardliner meinen, ja, weil doch die Form Aufschluß über semantische Korrelate geben könnte. Aber hast Du die dem Leser offenbart? Am Ende wird dann alles zum Gedicht, da sich in jedes Wiort ein Rhythmus legen läßt, in jedem Wort tatsächlich einer ist, denn Menschen neigen nun einmal dazu, die Welt so zu malen, wie sie sie gern haben wollen. Sind wir nicht alle ein bißchen Pippi? Doch ein Gedicht nach meiner Vorstellung muß mehr aufweisen als einen in es hineingelegten Leserhythmus.


  9. #9
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Geste

    Ich denke ja.

    Der erste Teil endet im Nirgendwo, so wie die Geste, die er beschreibt. Eine abgebrochene Bewegung. Das so oft verlangt eigentlich nach einer Fortsetzung, aber nur eigentlich, nicht grammatikalisch. Es klingt nach je-desto, zieht aber nicht zwangsl?ufig einen bestimmten Nebensatz nach sich. Oder täusche ich mich? Ich lasse mich gern belehren. -Insofern steht die Form im Zusammenhang mit dem Inhalt.

    Der Rest ist danach aufgeteilt, wie er gelesen werden sollte, nach Atempausen und Bedeutungen. Ob das als Begründung für die Aufteilung reicht, entzieht sich meinen literaturtheoretischen Kenntnissen und Ambitionen.

    Etwas ist interessant: Ich habe mir diese Gedanken während des Schreibens nicht gemacht. Trotzdem gibt der Text diese Gedanken her. Fraglich ist, ob solche kurzen Texte eher Quelle oder Folie solcher klugen oder nichtklugen Interpretationen darstellen. Jedenfalls ist die Versuchung, eine endlose Eigeninterpretation eigener Texte mit wissenschaftlicher Attitüde abzuliefern, sehr groß. Sie steht im Gegensatz zum rein emotionalen Schreiben. Aber sie wird befördert durch Reaktionen mit quasi-journalistischem Anspruch.

  10. #10
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Geste

    Du stößt offene Türen ein, Schweers. Emotionelles - Du mußt mir verzeihen, daß ich Dein emotionales Schreiben nicht hinnehmen kann - Schreiben ist aber nicht eben so dahingeschrieben. Da sind wir beim springenden Punkt: Indem wir etwas aufschreiben, holen wir es aus dem Tiefsten, das wir haben, aus unserer Seele. Darum gibt es so viele Interpretationsmuster. Nenn ein Kochrezept unkünstlerisch, nenn eine Bedienungsanleitung für die Benutzung einer Gartenschere inkommensurabel oder verständnisvoll, schon hast Du Spielebenen des Geistes, Bälle für das Spiel der Phantasie. Eben drum ist das mit der Form so wichtig, denn durch die Form gibst Du dem Leser eine Richtung, in die er seine Phantasie entwickeln kann/könnte.
    Jetzt binden wir diesen Gedanken an Deinen Text zurück und stellen fest: SO und sooft sind zweierlei, Du trennst es und bringst mich hier schon völlig durcheinander, denn eigentlich meinst Du sooft, nicht aber so oft. Das WIE ist Vergleichspartikel, als Konjunktion aber benutzt, denn das offene SO benötigt ein Korrelat, eben das WIE. Du läßt das offen. Da entsteht eine semantische Schieflage, die Du aber nicht erläuterst, wo auch? (Abgesehen davon sind Erläuterungen in einem Gedicht oft nicht unterzubringen, es denn, man heißt Majakowski.)

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