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Thema: soma

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    soma

    soma
    I.

    die gotischen narren haben eyn neues spiel entdeckt. sie essen feuer und brüllen es in den nachthimmel, als ich
    unter arkaden entlangschleiche.
    ich trage eyne laterne, denn ich will den weg zum schloss finden, ohne von den bütteln bemerkt zu werden.
    eyn wind geht vorsichtig über den markt und macht die metallenen schilder über den thüren leise knarren. eyne
    blasse frau mit nackten weissen armen steht am brunnen und dreht an eynem grossen rad. sie zieht eynen grossen
    schwarzen vogel aus dem schacht hervor und geht, ihn gewissenhaft auf dem rücken tragend, davon.
    vom oberen hauptmarkt dringen die schläge der zimmermänner. sie bauen eyn hölzernes gerüst und stellen es
    hinter dem rathhaus auf, als sollte die stadt geschmückt werden und befestigt mit eynem anker aus licht.
    es ist da eyne schaubude, dorten preist sich eyn mann als unsterblich. er steigt in eynen grossen korb, dann tritt
    eyn glatzköpfiger hüne hinzu - ich erkenne in ihm cassander - und sticht mit eynen langen messer durch korb und
    mann.
    eyn rucken greifft mich an, als der hohe gotische turn eyne stunde bey nacht schlägt.

    II.
    eyne fontaine aus silbergewordenem feuer durchwirkt den himmel bey nacht.
    es ist nicht mehr als eyn schwefelholz genügend, um eyne einfache laterne der welt zum glänzen und erhellen zu
    bringen.
    eyn hässlicher kleiner mann geht besonnen vom brunnen nach dem rathskeller. er läufft mit durchaus vernünftiger
    miene gegen die schwere hölzerne thür, tritt sinnend zurück, geht wieder vor bis an die thür, wo der schwere
    schädel verzweifelnd krachend das holz schlägt und die hämmer der zimmermänner zu übertönen willens ist. über
    der thür macht der wind eynen metallenen weinkrug im abend knarren.
    auf dem markt liegt schweigend die schwarze feder eynes fremden thieres. sie weist nach dem hölzernen gerüste.
    eyn grosser mann mit blankem schädel zieht schwitzend eyn rotes bündel aus eynem durchlöcherten korbe.
    etwas macht mich aufmerken, als eyn licht am fenster des glockenturmes eilt.

    III.
    eyn prasseln von flammen nährt meyne ohren, als ich gehe und meyne laterne hochhalte. hinter mir in den gassen
    summen die büttel.
    mitten auf dem markt steht eyn alter brunnen, der wie eyn schmutziger mund trotzig nach oben blickt. schwüre
    miasmen entrücken den steinernen lippen und steigen in die feuererleuchtete nacht.
    es ist noch licht im rathskeller. dort sitzen domrath und truchsess und vogdt und lachen zusammen von
    gewesenem.
    cassander hat angst. er tut eyne fährliche arbeit. klettern muss er in das grosse gerüst hinein, um dort oben eynen
    grossen vogel anzubringen. die gotischen narren wollen seyn gefieder am obersten balken festgemacht wissen.
    dazu schüttert eyne grosse glocke die lufft.

    IV.
    schweigend gehe ich an der eisernen pforte zum klostergarten vorbey. von dort hört man das lachen der gaukler
    und konkubinen, die im dunkel unter apfelbäumen im gras sitzen und denkwürdiges zu erzählen vermeinen.
    drunten im markt steigt bedächtig eyn dunkles aus dem brunnen und geht, verwundert den länglichen kopf
    bewegend, den markt hinauf.
    der trunkene vogdt tritt aus dem rathskeller in die nachtlufft. in seynen augen glänzt das feuer der gotischen
    narren.
    cassander hat sich durch einfallsreichthum ausgezeichnet. er hat eyn rundes pendel an dem dunklen gerüste
    befestigt. das pendel schwingt nun mit leisem surren und schiebt eyn fahles spiegelbild der mondessichel über den
    alten marktplatz.
    jemand kommt aus dem glockenturm. als ich unten am turn vorüberkomme, höre ich noch die thür klappen. die
    schritte des gehenden verlieren sich in eyner engen gasse.

    V.
    traurig erklingt das spiel eynes bonang aus dem erkerfenster eynes verfallenden eckhauses im westen der stadt.
    gegen diesem haus über treten zween männer aus eynem thor und gehen mit eyner kiste geschäftig nach dem
    markte.
    vom rathhausturm schiesst eyne feuersäule verloren in den himmel. der scheyn fällt bis auf meyn gesicht.
    eyner der händler hat nicht aufgepasst, denn eyne silberne kugel rollt von den schaubuden her den oberen markt
    hinunter, bis sie schliesslich an den brunnenrand stösst und dort verharrt.
    hinter den klostermauern führt eyne enge gasse an zeughaus und gewandhaus vorüber bis vor zum schlossplatz.
    hinter den mauern höre ich noch schellen klingen.
    die büttel treten aus eyner seitengasse und blicken sich stumm nach allen seiten um. sie suchen nach dem, der
    sich da im glockenturm zu schaffen machte. ich trete schnell hinter eyne brunnenfigur und warte. die figur stellt
    eynen adonis vor.

    VI.
    hinter dem grossen gerüst hört man die gaukler und narren den todt des vogdtes begleichen und beklagen. doch
    schnell trägt man ihn in eyner grossen kiste nach dem alten kloster hin.
    im späten wasser der brunnenschale kann ich meyn gesicht erkennen. es trägt die schweren züge eynes pierrot,
    von eynem phantastischen mondstrahl erhellt.
    cassander wischt sich den blanken schädel. er muss eyne grosse kugel über den hauptmarkt nach weit oben
    rollen. dort warten GOttes grosse gaukler mit getöse.
    es geht eyn dunkles mit eyner laute auf leisen sohlen in eyn eckhaus. das bonang ist verstummt.
    die büttel, sagt man sich im schlossgarten unter lachen und jauchzen, seien schon zu alexanders zeiten mit
    vergifften pestnadeln durch die städte gezogen und hätten unbemerkt den todt gebracht.
    im glockenturn ist eyne wehe stimme.

    VII.
    als nun eyne laute sanfft erklingt, erwägt pierrot das besteigen des glockenturnes. von dort aus kann er mittels
    eyner querbrücke über den markt in den turn des rathhauses gelangen.
    da ist von draussen plötzlich eyn klopfen an den nachts verschlossenen thoren der stadt. es ist gleich viel
    aufhebens, manch bunter lichtscheyn fällt aus verstimmten schlafkammern in die mohrenen gassen.
    cassander verfolgt mit interesse den lauf des pendels. es schlägt ihm für eynen augenblick seyn angesicht
    entgegen.
    im scheyn des feuers in der nacht ist der truchsess sich uneins. er blickt in eynen himmel voller feuer, ohne sterne.
    ich bin als eyn pierrot im glockenturn. in der dunklen treppe bin ich mir noch ruhig, doch als ich auf halbem wege
    eyn mondenes fenster erreiche, erschrecke ich vor meyner schönen weissen hand.

    VIII.
    die glocke schüttert munter die nacht. ihr ton ist wie von der zeit verkehrt.
    die lichter der häuser sind in sich wieder verschlossen. ruhe ist eingekehrt, denn niemand verlangt einlass in diese
    stadt zur nacht. die laute verstummt.
    es geht eyn schatten hinter den hohen fenstern des klosters. später weiss ich, es ist eyn mann mit glöckchen an
    seyner kappe, der dorten tanzen muss in seynem wahn.
    das fremde hat seynen weg nun bis zu den schaubuden am markt gefunden. von den gauklern ist nichts zu hören.
    ich taste nach eyner thür im dunkel, als ich verwegen geküsst werde. man hat pierrot im dunkel des turnes
    aufgelauert.
    nahezu stille. nur aus dem klostergarten dringt noch eyn androgyner seufzer.

    IX.
    ich bin im gang über der stadt. man kann hier die nacht sehen und das licht in ihr. es bewegt sich alles um mich
    her wie das sonnenlicht unter wasser. es ist mir als eyn Göttliches aquatisches evangelium.
    bedächtig schreite ich weiter in den tunnel über der stadt. meyne schritte sind mir dumpfer rhythmus wie eyn
    weiterer athem. und wirklich, etwas wasser dringt durch die gläserne wölbung und netzt mir brust und stirn.
    oh wie neben mir die fluten brausen! eyne sanffte woge umspült den rathhausturn. das hat wohl auch der glocke
    klang so dumpf gemacht.
    es sind nur noch geringe schritte bis zur nächsten thür. ich denke an das dunkel.
    es hat mich etwas an beiden ohren gefasst und heimlich geküsst. es ist mir von aussen etwas in die seele gefallen.
    verstört berühren des pierrot weisse glieder das feuchte, kalte glas. dann stützt er sich fast sinnlos gegen die thür.

    X.
    mit grausem schreien stürzt eyner der narren durch die obergassen. seyn blutiges gesicht stürzt die worte oh
    GOtt hat uns verlassen! aus.
    lachend und einander unablässig küssend eilen die konkubinen vom schlosshof. sie huschen wie eyn obachtener
    wind bis an eyn thor am oberen markt und drängen begierig in ihre gemächer.
    wie eyne glocke feyn schlägt des truchsess spitzer schuh an eyn butzenfenster über der bäckerstube. leicht wiegt
    es sich an und wieder ab. das hat der wind gemacht.
    die kemenate des turmes über der stadt ist still und stickig. als der pierrot eyn fenster eröffnet, dringt eyn
    entsetzliches flattern und zischen von unten aus den gassen.

    XI.
    es ist eyn feuerscheyn in den augen des truchsess, eyn leuchtender bogen aus licht.
    pierrot hat eyn feuer gefunden und leuchtet damit die kemenate. da stehen mechanische geröte und gebundene
    handschriften.
    betreten kommen die gaukler aus dem kloster zurücke. sie haben den vogdt dorthin gebracht.
    mit rotem hat dort jemand etwas an das mauerwerk geschrieben. oh, eyn wort der verzweiflung!
    es kommt noch eyns der mädchen vom schlosse heruntergelauffen. verstört tastet sich die irrgeleitete bis zum
    brunnen. dort verharrt sie reglos.
    die büttel summen.

    XII.
    auf die stirn hat es mich geküsst und auf den mund. auf die augen hat es mich geküsst und ist durchs dunkel
    gegangen wie in eynen schleier. was soll mir dies bedeuten?
    cassander und die lautenspielerin müssen auf geheiss der gaukler den truchsess von der hauswand abnehmen. und
    niemand weiss, wer ihm das gethan.
    pierrot hat eyn altes buch gefunden. so sitzt er nun auf dem boden der illuminierten kammer und blättert und
    blättert.
    die arme verstörte hastet durch die engen gassen. der blutig schreiende narr hat sie zum todte erschreckt. sie hat
    eyne der schwarzen federn gefunden. jetzt lenkt sie in ihrer noth den zitternden fuss nach dem glocken turn. sie
    geht in den turn.

    XIII.
    der truchsess spricht bedächtig zum vogdt. er sagt ihm etwas ins gesicht.
    ich halte an mich die nacht und das dunkel. pierrot liest interessiert. er passt auf. er liest die zeit fort.
    die verirrte tritt beinahe verzagend in diesen aquatischen tubus.
    die narren stehen auf dem markte und halten ihre hände. sie haben etwas gehört von unterhalb des brunnens. es
    war wie betrübtes fallen eyner nadel auf glattgetreten stein. da ist gleichzeitig eyn summen in der athemlufft.
    das klingen des klosterthores liegt mir weich im ohr. es erinnert eyne lange zeit.

    XIV.
    GOttlose versteigerte zeit liegt über von engen erkern überdachten gassen.
    der grosse, der grösste gotische narr hat eyne spur gefunden. halben leibes beugt er sich in den brunnen und
    taucht die ansterbenden finger ins wasser, zieht sie heraus wie glas aus rotem licht und erstarrt. er will schon
    lachen, da trägt man heimlich ihm eyne schweigende schalmei zu.
    der truchsess war am dachfirst über der backstube befestigt. der hals hing sich durch eyne schlinge todt und die
    geschnabelten schuhe machten eyn klopfen am unteren fenster, das bedächtig durch die finstere gasse in die
    oberstadt zieht.
    pierrot hat das geheimnis der stadt im buch entdeckt. es liegt im lichte des mondes und in den fluten, die weit
    über den dächern und kuppeln hinziehen.

    XV.
    oh, ich gehe auf in verstörtem fragen und sinnen. da hört pierrot eyn athmen auf der treppe zum turmzimmer.
    GOttes grosse gaukler setzen die nacht unter helles feuer. sie sind nun wieder unbeschwert und bieten
    unverhohlen die silberne kugel in ihren schaubuden feil.
    die kalten füsse der verstörten irrgehenden betreten die marmornen stufen im turm. oh, was schlägt das kleine
    herz vor angst. hier ist es dunkel, aber ihre bleiche brust schimmert feyn durch die finsternis. als sie von unten
    tritte vernimmt, benetzt sie schon bereitwillig die lippen.
    am schlossthor hängt der leblose leib des ersten narren. seyn schädel, vom halse fast abgetrennt von eynen
    scharffen messer, baumelt im nachtwind an eyn paar sehnen. dann stürzt er dumpf zu boden.
    die konkubinen in ihren gemächern ruhen noch nicht. sie liegen mit feuchter stirn und sinnen über das, was sie da
    thun.
    der schatten eynes vorbeygehenden huscht über die adonisfigurette am kleinen brunnen.

    XVI.
    sie entsinnt sich des armen gotischen narrens. oh, was schrie er GOtt zu erbarmen und eilte wie sinnlos durch die
    nacht.
    dann, aus dem klostergarten kommend, war sie in die breite blutlache getreten.
    ohne fackel nichts ahnend liess sie das rote über die bespritzten schenkel rinnen. sanfft ihre knie umschmeichelnd
    rann es wieder hinab, und auf dem weg zurück dorthin, in die grosse leblose lache, erregen die perlen so manches
    kleine härchen an den bebenden waden. es schlang sich um die feynen knöchel und färbte die bleiche haut in
    amüsanter weise um. all das blieb der noch unverstörten verborgen.
    sie genoss die rinnenden tröpfchen, die in ihrer wärme wie küsse und liebkosungen feyn die zitternden zehen
    umhüllten in geschmeidigter angst.
    oh, wie selten erfahrenes für nur trug! die schimmernden sohlen machen keine spuren mehr hier im turm.

    XVII.
    eyne dicke thür eröffnet feynen dumpfen rauch in der kammer des buches. pierrot, bistu hinter dem schrank
    versteckt, wartestu angstvoll mit vorgeschlagenen händen und hörst auf das tappen?
    erschrocken bleibt das verstörte mädchen stehen. da folgen ihr doch blutrote sohlen auf dem marmorstein?
    GOttes grosse gaukler machen sich unter frohlocken und jubilieren auf nach den kemenaten. sie suchen nach
    abwechslung für die lange dunkle nacht.
    mit weit aufgerissenen lippen stürzt der domrath durch die gassen. er weiss von etwas fährlichem.
    verwaschene augen lauffen der konkubine über die blassen wangen, der ehmals verküsste mund murmelt nur
    vorsintflutliches gewäsch. dabey tastet die hand noch so hilflos dahin.
    cassander hört ihren athem. cassander hört athmen und merkt auf.

    XVIII.
    verdutzt halte ich inne, als jemand behutsam eyn totem quer über den oberen markt trägt. eyne fährliche arbeit
    bey dunkler nacht.
    pierrot zieht besonnen eyne an den seiten etwas abgegriffene wahrheyt aus eynem der dicken bücher hervor und
    seufzt. dort steht auch beschrieben, wie die konkubinen dem rausch ihrer sinnlichkeyt erliegen, wie die gotischen
    narren noch alle an ihr leben lassen müssen. und wohin fällt das meer aus dem himmel.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: soma

    drei formelle Dinge:

    1. Der Gebrauch von unbestimmten Numeralien ist nicht zu übertreiben - empfehle Dir Streichung von 75 EYNs und Abarten;
    2. Dativ-Schwäche?
    3. Schreibst Du frühneuhochdeutsch, dann durchgängig!

    groß, bey, abendt, weinkrugk oder wainkrug, radt...

    inhaltlich:
    Die Personen werden schlecht eingeführt, der Spannungsaufbau ist schleppend, was vielleicht mit dem Obachthaben auf schreibtechnische Absonderlichkeit zusammenhängen mag. Was sollen Denkstöße wie
    eyn wind geht vorsichtig über den markt und macht die metallenen schilder über den thüren leise knarren.
    Wie soll ich mir das vorstellen? Sind da Schilder an Ständen? Sind Türschilder an Häusern gemeint, die doch dann nicht auf dem Markt stehen können, warum werden die Türen nicht gehört, die doch sehr viel eher knarren müßten als die Schilder, die hängen, aber wo, oder sind sie festgemacht? Also, ich steige jetzt nicht näher in diesen Text ein, der mir zu viele ZU VIELE logische Fehler besitzt, zudem ausgesprochen prätenziös daherkömmt.

    Grundsätzlich, also grunntsetzlich, mag ich sprachspielerische Archaismen sehrlichst.

  3. #3
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    AW: soma

    Liebe seetyca,

    Das griechische "i" so zu auffällig zu verwenden, ist schon etwas verschroben, sodass schnell der gesamte Text dafür gehalten werden kann. Macht mich formal stutzig. Soll er das?

    herzlichst uis

  4. #4
    Kurzvormabschussiger
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    AW: soma

    ich weiss nicht, ob ich hierauf antworten soll. willtu in den text nun einsteigen und reactio von mir erfahren, oder willtu nicht?
    punkt eyns: ich sehe die begründung für die streichung diverser numeralia nicht.
    punkt zwey: die dativschwäche hätte ich gern an eynem beyspiel illustriert um mit eyner etwaigen erklärung dafür dort ansetzen zu können.
    punkt drey: das hier ist doch definitiv kein frühneuhochdeutsch! ich habe in der that etliche erscheynungen frühneuhochdeutscher und auch mittelhochdeutscher sprache einfliessen lassen. einige schreibungen waren auch für die zeit des fin de siecle typisch. anderes hingegen ist nie irgendwo so geschrieben worden und unterliegt meynem eigenen ästhetischen empfinden.
    das problem, welches du mit der einführung der personen hast, mag am nichtlinearen aufbau des textes liegen.
    der angeführte denkanstoss sowie vieles andere im text referriert einfach die merkmale eyner mittelalterlichen stadt; eyn metallener weinkrug über der thür eynes wirtshauses, eyne schere am haus des schneiders... die thüren selbsten knarren nicht, weil sie nicht auf oder zu gethan werden, denn es ist nacht und die menschen ruhen. prätenziosität empfinde ich nicht unbedingt als makel an eynem text, kann das argument jedoch verstehen. aber die fehlende logik möchte ich gern genauer nachgewiesen haben und bitte dich daher, mir noch einmal zu antworten, wenntu das magst.

    oh, uisgeovid, aber das griechische i habe ich anders in erinnerung. missverstehe ich dich? meyne schreibvarianten gegenüber dem hochdeutschen gehen über das y allerdings weit hinaus. jedoch ist es wohl auffällig. und jemanden beym lesen stutzenmachen ist vielleicht nicht so schlecht.

  5. #5
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    AW: soma

    Gestatte mir, seetyca, diese kleine prätenziöse Spielerei. Das "Ypsilon" wird im französischen Alphabet beim Buchstabieren eben als "griechisches i" bezeichnet.
    Ansonsten scheinst Du ja von einer eigenen Sprachverwendung sehr überzeugt zu sein, was an sich kein Makel zunächst ist. Du wirst Dir da schon Dein eigenes System geschaffen haben, davon gehe ich aus, und zwar gründlich und einigermaßen fundiert. Zu Bedenken möchte ich allerdings geben, dass es im Bereich der deutschsprachigen Literatur bereits einen Meister dieses Faches gibt, der unlängst für sein Lebenswerk und die Schöpfung des "Starckdeutsch" geehrt worden ist: Oskar Pastior. Kennst Du etwas von ihm?
    herzlichst uis

  6. #6
    Kurzvormabschussiger
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    AW: soma

    deyn prätenziöses ludus praetentiosus sey dir gewährt. den hinweis auf besagten dichter, der mir gänzlich unbekannt, wird dankbar von mir aufgenommen und verfolgt.

  7. #7
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: soma

    Es tut mir leid, seetyca,

    ich bin über die ersten vier Abs?tze nicht hinausgekommen. Ich habe ernsthaft versucht, mich auf deinen manierierten und übermäßig gekünstelten Stil einzulassen, aber er stand wie eine Mauer zwischen mir und der Geschichte, die du mir erzählen wolltest.
    Was bezweckst du? Warum machst du es mir so schwer? Was steht dir im Vordergrund, die Geschichte oder ein Stil? Ich glaube, eine Geschichte wird nicht besser, wenn du sie umständlich und verschlüsselt erzählst.

    Grüße, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  8. #8
    Kurzvormabschussiger
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    AW: soma

    es war meyn bestreben, eynen einklang von text und äusserer erscheynungsform zu erreichen. der stil ist kein selbstzweck, und wenn ich es mir gar recht überlege, so wirkt es ja schon. es ist deyn gutes recht, den text abzulehnen. aber warumb nach dem ersten stolpern liegenbleiben?
    findestu, dass der text umständlich erzählt ist, beziehungsweise der von dir gelesene theil? ich glaube, dass die geschichte wohl transparenter, nicht aber schöner würde, enthüllte man sie aus ihrem metaphorischen wortkleide. allerdings macht es mich etwas unmuthig, dir den spass verdorben zu haben.

  9. #9
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: soma

    Mein liebes seetyca,

    ich wollte dich keinesfalls entmutigen. Nichts liegt mir ferner. Meine Meinungen sind alles andere als maßgeblich, vor allem in diesem Forum. Ich wollte dir nur mein Empfinden als Leser mitteilen. Ich kann mit diesem Stil, den du ja auch, seltsam genug, im Gespräch pflegst, nichts anfangen. Er ist zwar leidlich originell, aber "seyn" und "dass" passen mir nicht zusammen, das ist mir zu kraus und insgesamt in der Mischung zu anachronistisch.
    Aber: Mach nur weiter. Meine Meinung ist nur eine.
    Wie heißt es doch so schön: "Eyn jeglicher röchet gern den eygen Windt."

    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  10. #10
    Kurzvormabschussiger
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    AW: soma

    Ey geyl, eyn prasseln von flammen nährt meyne ohren, doch fryrt mir der arsch...

    Wonder ful, aber herumkriegen laß ich mich nicht.

  11. #11
    Kurzvormabschussiger
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    AW: soma

    hey hey, ich will hier doch nur meyne texte gelesen haben. ganz so weinerlich bin ich schon nicht und habe mir überdies schon einiges anhören müssen zu meynen texten. andererseits mag ich auch keine pakte schliessen, denn ich gucke lieber vorn heraus als hinten hinein.

  12. #12
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: soma

    Lesetipp:

    "Des berühmbten Schäffers Dafnis Fress-, Sauff- und Venuslieder"

    von Arno Holz (!)

    Hier hat man ein perfektes Beispiel, wie man mit der Sprache vergangener Zeiten spielen kann.

    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  13. #13
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: soma

    Wenn Du hier Deine Texte gelesen haben willst, seetyca, dann nimm auch Stellung zu den Texten der anderen Mitglieder, sonst wird's zu einseitig und widerspricht ein wenig unsern Regeln.

  14. #14
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: soma

    erstellt von seetyca: die gotischen narren haben eyn neues spiel entdeckt.
    aspiriertes T bei gothisch zwingend. das i bei SPIEL würd' ich in ein Y umschreiben wollen. der anfang von der wortwahl und vom aufbau, auch der idee her gut.
    sie essen feuer und brüllen es in den nachthimmel, als ich unter arkaden entlangschleiche.
    verdreht; erst die ALS-Konstruktion, weil's doch hier eher zeitbezüglich ist, nicht kausal
    ich trage eyne laterne, denn ich will den weg zum schloss finden, ohne von den bütteln bemerkt zu werden.
    Eine dieser vermaledeiten (postmodernen) zu-Konstruktionen, die in jener Zeit kaum bis gar nicht verwendet wurden. Empfehle Dir strikte Observanz in diesem Falle.
    eyn wind geht vorsichtig ?ber den markt und macht die metallenen schilder über den thüren leise knarren. eyne blasse frau mit nackten weissen armen steht am brunnen und dreht an eynem grossen rad.
    die idee ist wieder gut, auch das bild ist brauchbar, aber die sprachliche Umsetzung ist in zweierlei hinsicht makelhaft:
    [list][*]du vermengst neue Orthografie mit - (gross statt groß; rad statt radt; weiß statt weiss oder weysz oder weyß; blasse statt blaße und
    • die lineare beschreibungstechnik, dieses deskriptive Hangeln zeugen nicht von Fabulierkunst. AN, AM, EYN und EYNE, da solltest du streichen bzw. umformulieren, was auf Kosten der Konstruktion geht. Hier stellt sich auch die Frage nach dem Nacheinander, nach dem Motiv dieser Bilder, die allmählich mehr bedeuten müßten, nicht nur Brokat abgeben sollten.

    sie zieht eynen grossen schwarzen vogel aus dem schacht hervor und geht, ihn gewissenhaft auf dem rücken tragend, davon.
    vom oberen hauptmarkt dringen die schläge der zimmermänner. sie bauen eyn hölzernes gerüst und stellen es hinter dem rathhaus auf, als sollte die stadt geschmückt werden und befestigt mit eynem anker aus licht.
    es ist da eyne schaubude, dorten preist sich eyn mann als unsterblich. er steigt in eynen grossen korb, dann tritt eyn glatzköpfiger hüne hinzu - ich erkenne in ihm cassander - und sticht mit eynen langen messer durch korb und
    mann.
    eyn rucken greifft mich an, als der hohe gotische turn eyne stunde bey nacht schlägt.
    Nun ja, im unteren Teil nichts Neues. Die alten Fehler. Poetisch ist das hier, kein Zweifel, aber unausgereift und narzißtisch, was im grunde bei poetischen Texten nicht unselten, hier aber ärgerlich, weil doch gerade die absonderlichkeit der Rechtschreibung eine besonders gelungene Fabulierung benötigt, um das Gespreize auszugleichen. Die Beschreibungen sind unverdichtet, im Einzelfall schön.

  15. #15
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: soma

    erstellt von seetyca: die gotischen narren haben eyn neues spiel entdeckt.
    aspiriertes T bei gothisch zwingend. das i bei SPIEL würd' ich in ein Y umschreiben wollen. der anfang von der wortwahl und vom aufbau, auch der idee her gut.
    sie essen feuer und brüllen es in den nachthimmel, als ich unter arkaden entlangschleiche.
    verdreht; erst die ALS-Konstruktion, weil's doch hier eher zeitbezüglich ist, nicht kausal
    ich trage eyne laterne, denn ich will den weg zum schloss finden, ohne von den bütteln bemerkt zu werden.
    Eine dieser vermaledeiten (postmodernen) zu-Konstruktionen, die in jener Zeit kaum bis gar nicht verwendet wurden. Empfehle Dir strikte Observanz in diesem Falle.
    eyn wind geht vorsichtig ?ber den markt und macht die metallenen schilder über den thüren leise knarren. eyne blasse frau mit nackten weissen armen steht am brunnen und dreht an eynem grossen rad.
    die idee ist wieder gut, auch das bild ist brauchbar, aber die sprachliche Umsetzung ist in zweierlei hinsicht makelhaft:
    • du vermengst neue Orthografie mit - (gross statt groß; rad statt radt; weiß statt weiss oder weysz oder weyß; blasse statt blaße und


    • die lineare beschreibungstechnik, dieses deskriptive Hangeln zeugen nicht von Fabulierkunst. AN, AM, EYN und EYNE, da solltest du streichen bzw. umformulieren, was auf Kosten der Konstruktion geht. Hier stellt sich auch die Frage nach dem Nacheinander, nach dem Motiv dieser Bilder, die allmählich mehr bedeuten müßten, nicht nur Brokat abgeben sollten.

    sie zieht eynen grossen schwarzen vogel aus dem schacht hervor und geht, ihn gewissenhaft auf dem rücken tragend, davon.
    vom oberen hauptmarkt dringen die schläge der zimmermänner. sie bauen eyn hölzernes gerüst und stellen es hinter dem rathhaus auf, als sollte die stadt geschmückt werden und befestigt mit eynem anker aus licht.
    es ist da eyne schaubude, dorten preist sich eyn mann als unsterblich. er steigt in eynen grossen korb, dann tritt eyn glatzköpfiger hüne hinzu - ich erkenne in ihm cassander - und sticht mit eynen langen messer durch korb und
    mann.
    eyn rucken greifft mich an, als der hohe gotische turn eyne stunde bey nacht schlägt.
    Nun ja, im unteren Teil nichts Neues. Die alten Fehler. Poetisch ist das hier, kein Zweifel, aber unausgereift und narzißtisch, was im grunde bei poetischen Texten nicht unselten, hier aber ärgerlich, weil doch gerade die absonderlichkeit der Rechtschreibung eine besonders gelungene Fabulierung benötigt, um das Gespreize auszugleichen. Die Beschreibungen sind unverdichtet, im Einzelfall schön.

  16. #16
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    AW: soma

    @uisgeovid: ist das eyne drohung? ich bin erst seit drey tagen hier und mit soma recht beschäfftigt im moment, äussere mich zu gegebenem zeitpunkt aber auch zu anderen texten. den zeitpunkt dafür bestimme jedoch ich. wenn dich das anficht, dann schmeiss mich aus dem forum raus.

    @klammer: dank auch für diesen tip!

    @robert: dank sey dir für die ausführlichen und begründeten anmerkungen.
    I. ich habe auch schon die schreibweise spyl statt spiel erwogen und hinweggethan, weil mir die phonetische nähe zum ü in diesem speziellen wort zu unpassend erschien.
    II. ich finde nicht, dass die als-konstruktion kausal wirkt, am weil gemessen, räume jedoch eyne gewisse primäre intransparenz eyn. doch wie klingt die alternative! während - päh! das gefällt mir nicht recht.
    III. du hast recht, infinitive mit zu waren selten im frühneuhochdeutschen, das wiederzugeben jedoch nicht meyne absicht war. ich wiederhole explicit, dass meyne schreibweise durchaus synthetisch ist.
    IV. das ß suche ich als unschön weitgehend zu vermeiden. um die masse von dem masze zu trennen greiffe ich auf die graphische vorgeschichte zurück.
    meyne beschreibungsweise sollte nicht linear seyn, greifft aber auf recht grosse, sich wiederholende sequencen zurück. fabulierkunst masze ich mir gar nicht an, ich setze beym schildern mehr auf eindrücke, die etwa der betrachter eynes abstrakten bildes hat. an verschiedenen stellen fallen ihm details auf, die er dann im gesamteindruck zusammenr?ckt.
    aber ich werde varianten prüfen.
    V. deyn bisheriges interessa an meynem text war für mich erquickend, auch wenn dir das vielleicht anders erschien. aber im letzten satz fühlt sich der vormals hochmüthig geheissene seetyca nun selbst von etwas weiter oben her abgewatscht. ich komme nicht umhin, eyn gerüttelt masz an narzissmus zu zu geben, aber ich muss doch meyne konstruktionen aus dem lichte eynes fehlers heraus zu rücken versuchen, nicht wahr?

  17. #17
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: soma

    erstellt von s.: von eynen
    scharffen messer
    1. das zum Thema Dativ-Schwäche, wobei ich Partizipialkonstruktionen nicht leiden mag und sie umgangen wissen möchte, insbesondere in vormodernen Texten

    2.
    ß ist unabdingbar, keine Diskussion möglich

    3. Narzisse ist von Narziß zu unterscheiden, Narzißmus von Narzissmus (was immer das sein soll)

  18. #18
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: soma

    Meine Lieben!
    Dann will ich auch einmal den Bildungsbürger heraushängen lassen.

    Narkissos, lat. Narcissus, dt. Narziß, in der griech. Sage schöner Jüngling, Sohn des Flußgottes Kephissos; verschmähte die Liebe der Nymphe Echo und wurde deshalb damit bestraft, daß er sich in sein im Wasser geschautes Spiegelbild verliebte. Er wurde schließlich, von unstillbarer Liebe verzehrt, in die nach ihm genannte Blume (Narzisse) verwandelt.

    Es ist also zumindest nicht verkehrt, Narziß mit Doppel-s zu schreiben.
    Allerdings teile ich Roberts Unbehagen, eingeführte Eigennamen der neuen Rechtschreibung zu unterwerfen.

    Gruß, Klammer


    [Diese Nachricht wurde von Klammer am 11. November 2001 editiert.]

    [Diese Nachricht wurde von Klammer am 12. November 2001 editiert.]
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  19. #19
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    AW: soma

    der zittauer gymnasialrektor christian schrieb im jahre 1683 das trauerspiel vom neapolitanischen haupt=rebellen masaniello, in dem eyne regieanweisung besagt:

    "und er schneidet ihm mit eynen messer den kopff ab"

    offenbar differieren die vorstellungen von der festigkeyt syntaktischer und semantischer konstruktionen in der frühneuhochdeutschen sprache eyn wenig.

  20. #20
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    AW: soma

    Starckdeutsch, uisgeovid, hat mit Pastior nun gar nichts zu tun. Matthias Koeppel hats erfunden. Glaubs.

  21. #21
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    AW: soma

    ich kenne des eynen wie des anderen menschen nicht. aber ich muthmasze, man will mich dieser starckdeutschen erfindung zuschlagen. gehe ich richtig? es hat sich erschöpfft? wohlan denn.

    später..

    das gespräch leverkühns mit dem schwarzen spiegelt weitgehend das frühneuhochdeutsche. typisch mann, alles oder nichts.
    es ist verwunderlich aber erfreulich, dich nach anfänglichen unmuthsäusserungen doch in diesem thread wiederzufinden. ich verfuhr bey der auswahl zu aspirierender laute übrigens in ähnlicher weise.

  22. #22
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: soma

    zweiter Versuch...
    [QUOTE]erstellt von seetyca: die gotischen narren haben eyn neues spiel entdeckt. sie essen feuer und brüllen es[quote] ES? Worauf bezieht sich das? Das Feuer?
    in den nachthimmel, als
    Nur dann? Die Exposition verrät hier gewisse Mängel.
    ich unter arkaden entlangschleiche. ich trage eyne laterne,
    das ist ein kleines Feuer, was rückbezüglich wirkt?
    denn
    entbehrt hier jeder Einschließlichkeit und läßt die Frage offen, ob es nur hier gelten kann
    ich will den weg zum schloss finden, ohne von den bütteln bemerkt zu werden.
    Diese Konstruktion ist ausgesprochen modernem Denken verhaftet. DEr erweiterte Infinitiv dient nur, ist v.a. kausalem Denken geschuldet, was erst Anfangs des 18. Jahrhunderts Mode wurde, sich aber in der Schriftsprache kaum durchgesetzt haben dürfte.
    eyn wind geht vorsichtig über den markt und macht die metallenen schilder über den thüren leise knarren.
    vier bestimmt-unbestimmte Anzeigen sind wenigstens zwei zuviel.
    eyne blasse frau mit nackten weissen armen steht am brunnen und dreht an eynem grossen rad. sie zieht eynen grossen schwarzen vogel aus dem schacht hervor und geht, ihn gewissenhaft auf dem rücken tragend, davon.
    vom oberen hauptmarkt dringen die schläge der zimmermänner. sie bauen eyn hölzernes gerüst und stellen es hinter dem rathhaus auf, als sollte die stadt geschmückt werden und befestigt mit eynem anker aus licht.
    es ist da eyne schaubude, dorten preist sich eyn mann als unsterblich. er steigt in eynen grossen korb, dann tritt eyn glatzköpfiger hüne hinzu - ich erkenne in ihm cassander - und sticht mit eynen langen messer durch korb und mann.
    Hier hast Du sogar fünf EYN in Variationen untergebracht.
    eyn rucken greifft mich an, als der hohe gotische turn eyne stunde bey nacht schlägt.
    Nu is aber gut mit den EYNs.

  23. #23
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    AW: soma

    es nimmt mich durchaus wunder, dass es solch genaue regeln für die anzahl von eyns in texten gibt. scheynbar entbehrt soma jedwedes anderen schwachpunktes. was etwa ist mit dem gezeichneten stadtbild, der diskrepanz zwischen wahrnehmung und vision, dem surreal traumlastigen?
    das ES bezieht sich auf das feuer, denn es wird geschluckt und in den nachthimmel gebrüllt. aber ich habe noch nicht verstanden, welche expositionsschwächen sich daraus für den text ergeben?
    die laterne ist im weitesten sinne rückbezüglich, denn sie stellt das eigene licht des protagonisten dar, der sich vor den narren versteckt. es war abgrenzend gedacht.
    mit dem infinitiv verhält es sich in der that, wie du beschrieben. allerdings hat er sich durchgesetzt. und ich befinde ihn durchaus nicht als im widerspruch zu meynem werk stehend. falls er das doch ist: warumb?

  24. #24
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: soma

    Gute Frage, die letzte. Warum soll man in seinem rückwirkenden Text nicht vorgreifen und eine Entwicklung quasi antizipieren, der man sich durch den Rückgriff von vornherein entschlossen aehm verschlossen hatte?
    Ich frag jetzt ganz blöd: Warumb frühneuhochdeutsch schreiben, wenn man spätmodernistisch denkt?

  25. #25
    Kurzvormabschussiger
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    AW: soma

    achtung! an alle! dieser text [soma] ist nicht in frühneuhochdeutsch verfasst. er trägt nur elemente dessen in sich. er trägt auch nichtfrühneuhochdeutsche elemente in sich. ist also synthetisch. frage: erlaubt mir das nun modernistisches denken?

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