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Thema: wache nacht

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    wache nacht

    bzw. entfremdete nachtwache (beinahe klinische dichtung)

    in herbstnächten im irrenhaus
    pfeifen vergessene fenster im wind
    schlichte, energische greisinnen blieben lieber im bett
    und pinkelten selig hinein.
    - sie könnten stiller sein, die nächte

    der kalte boden scheint zu schwanken
    unter dem barfüssigen, traurigen alten trinker
    er sucht vernehmlich einen weg zum morgen oder jetzt einen schnaps
    nimmt vorlieb mit einer zigarette und der lüge, die er sein lebtag erzählt
    - unangenehm, dieser boden.

    noch andere werden erwachen
    an der angst, dem fremden, dem kalten, dem hier
    an der verwirrten und dem säufer
    doch nie mehr von ihren organischen, biochemischen oder iatrogenen geistern
    jenseits der mitternacht

    Sei still! Hör zu! Sie sind nicht gar so fremd.
    Mal dir ein Bild und bastle eine Blume wenn du weinst. Sing. Sei still, da wollen Leute schlafen.

    Im Herbst werde ich Feuer im Ofen machen, wenn ich zuhause bin.
    Dann ziehe ich Bilanz und lächelnd den Hut.

    Empathie. Respekt. Ironie. Es ist gut.

  2. #2
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    AW: wache nacht

    Gut, dass ich das grad noch gesehn hab, hootch! Das ist durchweg gut und gelungen, hat Atmosphäre, atmet Authentizität, grundsätzlich, denn irgendwie spürt man, dass da jemand weiß, wovon er spricht. Zeile 17 aber ist eindeutig zu lang. Solltest Du aufteilen können. Die Ansprache an den Leser hier wirkt durch das Vorhergehende und danach kommt sogar noch recht bescheiden und deshalb groß ein Ich zum Vorschein. Ich mag diese Zeilen, obwohl sie frösteln machen.
    Ich glaube auch, dass man Vieles noch sagen könnte drüber...
    herzlichst uis

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: wache nacht

    Ich finde, treffender kann Hootch Bad Füssing nicht mehr beschreiben.

  4. #4
    Kurzvormabschussiger
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    AW: wache nacht

    Sir Hanne, wenn Sie hootch in Zukunft klein kochen, wie sich das im American Way Of Life gehört, geh ich jetzt ins Bett. Oder einfach so.

    Robert, ich ahne, vermute und lerne: Du bist ein konsequenter Feind des Scheins und des Glaubens, aber wie darf man denn ein Gefühl ausdrücken, dessen man sich nicht sicher ist? Wäre der Konjunktiv erlaubt, oder hat die Schrift die (meiner begründet umklammerten Meinung nach oberflächliche) Wirkung des Unumstößlichen zu wahren? Versteh ich nicht, erklär!

    Hanne-Honey, tut mir leid. Bad Füssing als Traum meiner schlaflosen Nächte? Dann lieber ein Schwäbischer Alb-Traum, vor dem ich einst ins Exil entfloh. Und nun erschrecke ich manchmal, wenn ich erwache.

    [Diese Nachricht wurde von hootch am 15. Oktober 2001 editiert.]

  5. #5
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: wache nacht

    Wie??? Das soll eine Beschreibung von Bad Füssing sein? Na, dann muss ich mir das mit dem Kommen wohl noch überlegen, was? Ich glaub ja eher nicht, dass hootch BF beschrieben hat, ich glaub halt, Ihr habt den Text nicht richtig verstanden...

  6. #6
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: wache nacht

    In der ersten Strophen sollten die Präpositionen nicht überhand nehmen. Wir haben in und im und im und im; meinetwegen streuen wir hier die Greisinnen hinein. Das gibt kein schlechtes Bild, aber Du bringst einen Topos zur Sprache, den Du ausmalen mußt mit eigenen Farben. Das Pinkeln ist schon gut, noch etwas detaillierter, bitte.
    Das SCHEINT, ach ja, schrieb ich schon.

    Warum mir dann die Puste ausgeht, wage ich jetzt nicht zu ergründen.

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
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    AW: wache nacht

    Entschuldigt, diesen Uralt-Beitrag wieder an die Spitze des Eisbergs katapulzutieren ist nicht der primäre Grund dieses Kommentars... Uis: Ich melde mich ab, weil die beschriebene Melancholie rein gar nicht weichen will. Robert: Ich bleibe üm Kreis, beobachte neidisch den kreativen Fluß - bitte streich mich im Dezember aus der Registrierkasse - und sollte mir eines Tages wieder etwas einfallen, werdet ihr die ersten sein, die es ausbaden müssen
    Gruß an die Muse, die alte Schlampe, schlechthin.

    Die Präpositionen ließen sich ja locker umgehen, und Zeile 17 "biochemischen" sollte besser heißen: "biographischen". Klänge das nicht grausliger?

    Sich endgültig im unerforschlichen Neckarnebel verabschiedend, h.

    (soviel zum Thema: Theatralische Abgänge. - Shakespeare windet sich im Grabe.)

    [Diese Nachricht wurde von hootch am 22. November 2001 editiert.]

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