„Amerika ist in Deutschland erobert worden.“ (Pitt d.Ä., englischer Premierminister)

Große Kriege haben meist eine längere Vorgeschichte. Der Siebenjährige Krieg, der auch oft erster Weltkrieg genannt wird, weil er sowohl in Asien als auch in Europa und Amerika ausgetragen wurde, hat eine vierzig Jahre zurückreichende Vorgeschichte, die belegt, daß schlechte Friedensschlüsse und betrügerische Partner der beste Garant für einen baldigen Krieg sind.
Der Frieden von Utrecht (1713) sicherte England zu, mit einem Schiff per annum in Lateinamerika Handel treiben zu dürfen. Die Engländer schickten dieses eine Schiff, ließen es auf Reede liegen und versorgten dieses eine Schiff von der See aus immer wieder neu. Die Spanier, die Lateinamerika bis auf Brasilien als ihr Kolonialgebiet betrachteten, fühlten sich zurecht betrogen. Sie nahmen mit den Franzosen Verbindung auf, denen die wachsende Macht Englands unbillig kam. Man schloß einen Geheimvertrag, der Frankreich wirtschaftliche Vorteile versprach und Spanien Hilfe, wenn es mit England in einen Krieg geraten sollte. Nach 1733 stellten die Spanier englische Schiffe auf hoher See, die sie des Schleichhandels verdächtigten. Die englischen Kaufleute erhoben ein Wehgeschrei: Verletzung der Menschenrechte und dergleichen. Der englische Premierminister Walpole sah sich gezwungen, Spanien den Krieg zu erklären. 1739. Wahrscheinlich wäre dieser Krieg begrenzt geblieben, doch manchmal häufen sich Zufälle und verändern die Kräfteverhältnisse.
Friedrich kam 28jährig nach dem Tode seines Vaters Friedrich Wilhelm I. als Friedrich II. zur preußischen Königskrone. Im gleichen Jahr starb der Kaiser und dank der pragmatischen Sanktion übernahm seine älteste Tochter, Maria Theresia, die Regentschaft über das Reich, war aber keine Kaiserin. Dazu mußte sie erst über ihren Mann gemacht werden, bedeutet, durch die Churfürsten gewählt werden. 1740 gab es also ein Interregnum, eine Zwischenzeit, in der die politischen Machtverhältnisse neu definiert werden, in dieser Zeit bedeutete das, durch Krieg definiert werden. Friedrich II. erkannte den Vorteil auf seiner Seite und griff das reiche protestantische Erbland der Habsburger, Schlesien, an. Nach außen hin wurde angegeben, es bestünde preußisches Erbanrecht auf Liegnitz (das westliche Niederschlesien), Brieg (bei Breslau), Wohlau (bei Breslau) und Jägerndorf (Sudetengebiete). Das war zwar eine Überraschung für den Rest Europas, aber schon 1734 hatte der Gesandte Österreichs an den Wiener Hof gemeldet, daß die Thronbesteigung Friedrichs „bedeutungsvoll“ sein werde, zu verschieden waren Vater und Sohn, zu mächtig war die Armee Preußens.
Maria Theresia hatte vollauf damit zu tun, Ansprüche Bayerns, Spaniens, Sardiniens und Sachsens zu befriedigen. Auch war Frankreich in Lauerstellung, ob sich durch den Thronwechsel etwas ergeben würde. Der englisch-spanische Konflikt war ausgebrochen. Er konnte sich leicht zu einem englisch-französischen ausweiten, was dazu führen würde, daß England Hilfe bei Österreich zum Preis der Anerkennung Maria Theresias suchen würde. Vage blieb daneben die Einstellung der Russen, die nur darauf lauerten, in die mitteleuropäischen Verhältnisse einzugreifen. Die Türken belebte eine Stärkeperiode: sie hatten Belgrad zurückgewonnen. Europa war ein Pulverfaß!
Friedrich II. wägte ab und schlug zu. Er fiel ohne Kriegserklärung in Schlesien ein, ohne mit jemand anderem ein Bündnis geschlossen zu haben. Preußen mit seinen gut zwei Millionen Einwohnern forderte Österreich mit dessen zwanzig Millionen Untertanen heraus! An seinen Freund Jordan schrieb Friedrich: „Mein Alter, das Feuer der Leidenschaften, die Begierde nach Ruhm [1], die Neugier selbst, um Dir nichts zu verschweigen, endlich ein geheimer Instinkt [...] haben mich verführt.“
Es gelang Friedrich II., den österreichischen General Neipperg zu schlagen. Nach der Schlacht von Mollwitz (1741) ging Friedrich II. nicht weiter vorwärts, sondern wollte das Errungene diplomatisch sichern. So verhandelte er mit seinen Feinden einzeln: Frankreich, England und Österreich. Das verschaffte ihm die Möglichkeit, diese gegeneinander auszuspielen. Am leichtesten war es mit Österreich, das Friedrich II. 1741 diplomatisch isolierte.
Auch die anderen Kriegsparteien waren diplomatisch beschäftigt. Frankreich buhlte um Bayern, um es gegen Österreich einzusetzen. Der bayrische Churfürst nahm die französische Hilfe gern in Anspruch, um Maria Theresia die designierte Kaiserkrone zu entreißen und selbst Kaiser zu werden. 22000 Franzosen marschierten plötzlich mit bayrischen Kräften an der Donau entlang, griffen nach Böhmen, um es Bayern zu gewinnen, während Sachsen ruhiggestellt wurde, indem ihm Mähren versprochen ward. Die Engländer bestach man mit französischem Geld. Sie hielten still.
Maria Theresia, zu diesem Zeitpunkt nur Erzherzogin von Österreich, sah sich eingekreist. Sie wendete sich an ihre Untertanen und erreichte Anerkennung. Friedrich II. erkannte seinerseits, daß ein künftiger bayrischer Kaiser und ein noch stärkeres Sachsen für das Reich von größtem Schaden wären, denn es hätte Frankreich unweigerlich zum Herrn des Reiches gemacht. Er bot Maria Theresia Hilfe zur Vertreibung der Reichsfeinde an. Wundersame Wendung. Dafür verlangte er die Anerkennung seiner schlesischen Eroberungen. England sollte vermitteln. Der Coup gelang. Das Reich konnte mit Reichskräften die feindlichen bayrischen und französischen Truppen verjagen. Der Frieden von Breslau (1742) bestätigte Friedrichs Gewinne in Schlesien. [2] Danach wurden die Franzosen aus dem Reich vertrieben, von Reichstruppen und Engländern gemeinsam, was Händel in seinem Dettinger Te Deum musikalisch feierte. Doch damit nicht genug. Maria Theresia ließ zum Angriff auf verlorenes Reichsterritorium blasen: das Elsaß und Lothringen sollten zurückgeholt werden. Dazu trieb sie kein Patriotismus, eher Hausmachtdenken (Habsburg besaß viel Land in Lothringen) und die kommende Kaiserwahl, für die sie eine positive Stimmung im Reich brauchte, was zu dieser Zeit am leichtesten mit ein paar Siegen im Gepäck gegen den Erbfeind gesichert werden konnte. Friedrich II. sah eine Chance auf Erweiterung eigener Macht und fiel in Nordböhmen ein. Das rief die österreichischen Truppen zurück. Pech fürs Reich und Pech für Friedrich II.. Gegen die Reichstruppen kam er nicht an und mußte Böhmen wieder verlassen. Aber er ließ die Grenzpässe bewachen und bereitete seine Armee auf die Verteidigung des Erworbenen vor. Am 4. Juni 1745 kam es bei Hohenfriedberg zur Schlacht, in der die angreifenden Preußen das sächsisch-österreichische Heer vollends besiegten. (Hohenfriedberger Marsch) Wieder vermied es Friedrich II., den geschlagenen Gegner lange zu verfolgen, zu pointieren. Er zog sich, die Pässe besetzend, nach Schlesien zurück, wo er seine Truppen ordnete und versorgte. Friedrich II. wußte, daß seine Truppenstärke derer seiner Gegner nicht gewachsen war; er mußte haushalten. Und der Gegner kam, schlug zurück. Die Preußen wurden zurückgedrängt. Sachsen und Österreicher arbeiteten zusammen, um den Emporkömmling auf das einstige Ursprungsmaß an politischer Bedeutung zurückzudrängen. Aber Friedrich II. wußte sich zu behaupten, indem er die feindlichen Heere einzeln stellte und schlug. Er sicherte seinem Heer die Nachschublinien und deckte Verbindungswege. Besonders berühmt wurde in diesen Schlachten der „Alte Dessauer“, der in der Kesselsdorfer Schlacht Preußen vor der Vernichtung durch ein sächsisch-österreichisches Heer bewahrte.
Maria Theresia gab nach und ließ Friedrich II. dessen schlesische Eroberungen, allerdings mußte Friedrich versprechen, ihren Gemahl mit zum Kaiser zu wählen. Das konnte Friedrich II. leichten Herzens tun, denn genau das wollte er von Anfang an. So kam es am 18. Oktober 1748 zum Frieden zu Aachen. England hatte sich gegen Spanien und Frankreich behauptet. Gesiegt hatte keiner, aber verloren war auch nicht viel. Der Frieden besaß aufschiebenden Charakter; eine erneute Auseinandersetzung käme, sobald beide Seiten wieder zu Kräften gekommen waren. In Nordamerika hörten die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Engländern und Franzosen nicht auf. Frankreich baute seine Flotte aus und arbeitete an einer Verbindungslinie zwischen der kanadischen Verwaltungseinheit Quebec und dem südlichen Neu Orleans, das Louisiana-Territoritum. England blieb das neuenglische Küstengebiet, wo es sich ausbreitete. Ähnliches galt bei Gebieten in Asien (Indien, China) und Afrika, wo englische und französische Interessen ständig kollidierten. Damit ist der Hauptgegensatz außerhalb des Reiches in diesem Zeitalter bestimmt: England gegen Frankreich. Der Hauptgegensatz innerhalb des Reiches aber war der zwischen Preußen und Österreich. Es stand nun die Frage, wer welchen Koalitionspartner bekäme, auch, welche Position Rußland einnehmen würde. Einfach gesagt: Wer im Reich die Oberhand behalten würde, der würde das auch in der Welt.

Begründungen der Herrscher für die Teilungen Polens

Preußen: Friedrich II. → die Aufteilung Polens dient der Erhaltung des Gleichgewichts zwischen den nordischen Mächten
Österreich: Maria Theresia → Preußen darf nicht noch stärker werden
Rußland: Katharina II. → wenn man in Polen die Ordnung und Sicherheit herstellt, ist die Sicherheit in den eigenen Grenzen gewährleistet

Überblick über die politische Lage 1750: Rußland stand gegen Österreich, zu groß waren die Gegensätze auf dem Balkan und in Polen. Preußen stand gegen Rußland, denn auch hier ging der Streit um polnische Gebiete, um Einfluß im Baltikum. Frankreich seinerseits hatte seine Streitereien wegen der spanischen Thronfolge mit Österreich beigelegt, Bayern war aus dem Mächtekonzert vorerst ausgeschieden. Preußen war erstarkt und stand gegen die französischen Hegemoniebestrebungen im Reich und die Ruhmsucht der französischen Könige. Frankreich schlug sich also auf die österreichische Seite, solange Preußen damit kleingehalten werden würde. Rußland wählte ebenfalls Österreich, denn es frohlockte wegen eines zu erwartenden Sieges gegen Preußen mit Gebieten im Baltikum und Ostpreußen, was Österreich nicht tangierte. Rußland stand also mit Frankreich und Österreich gegen Preußen. England konnte dem nicht tatenlos zusehen. Wollte es weiterhin seine erfolgreiche Politik der balance of power durchführen, so mußte es Preußen stärken und darauf hoffen, daß das preußische Heer sich als stark genug erweisen würde, den europäischen Festlandmächten zu trotzen, bis Englands Geld den Ausschlag gab und im anschließenden Frieden die Bedingungen diktieren konnte.

Fortsetzung hier


[1] 1739 hatte Friedrich im Antimachiavell das Spannungsverhältnis zwischen Dienst und Ruhmsucht eines absolutistischen Herrschers bestimmt: der Fürst als Werkzeug des Glücks seiner Völker vs. eben diese zu beglückenden Völker als Werkzeuge seines Ruhms.

[2] Österreich war nicht das Reich. Man muß hier unterscheiden. Der Kampf um Schlesien wurde zwischen zwei Fürsten des Reiches ausgetragen, zwischen dem König von Preußen und der Erzherzogin von Österreich. Die Erzherzogin von Österreich durfte in dem Kampf um Schlesien keine Reichstruppen einsetzen, sondern bloß die Truppen ihrer Hausmacht. Im Kampf gegen Frankreich und Bayern wurde die Reichsexekutive fällig, was Truppen aus dem ganzen Reich aktivierte, auch aus Österreich, Preußen und Bayern.