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Thema: Die Geschichte

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Die Geschichte

    Wenn ich jetzt diesen Whisky trinke, werde ich das Gefühl haben, einen zuviel getrunken zu haben, denkt Sander. Und das Gefühl, einen zuviel getrunken zu haben, ist ein Scheißgefühl, weil es ein Scheißgefühl ist, zu Boden zu gehen und mit dem Kopf auf dem Teppichboden zu liegen, ihn zu riechen, seine Kunstfasern an der Wange zu spüren, schon fast wieder klar, schon fast wieder nüchtern und trotzdem bewegungslos. Aber wenn ich ihn nicht trinke, diesen Whisky, werde ich das Gefühl haben, einen zuwenig getrunken zu haben, und auch das ist ein Scheißgefühl, weil man glaubt, etwas zu verpassen.
    Ich werde einen kleinen Whisky trinken, einen halben sozusagen, ein klitzekleines Whiskychen, und dann werde ich diese Geschichte schreiben, und danach wird Ruhe sein.

    "Mach dich doch nicht kaputt!" sagt Paula immer, und seine Antwort ist: "Weißt du denn nicht, daß alle bedeutenden Schriftsteller gescheiterte Existenzen waren!" Er sagt es, und nie muß er den Beweis dafür antreten, es nicht weiter erläutern, und wenn er es müßte, würde er lakonisch ein paar Namen wie Faulkner oder Hemingway oder Joseph Roth in den Raum werfen. Aber das ist gar nicht nötig. Ein Ritual eben. "Ich will keinen bedeutenden Schriftsteller, ich will dich!" sagt sie dann meistens, aber diese Entwaffnung ist keine Niederlage; er sieht sich süffisant lächeln, und das bedeutet: Aber du hast mich doch - und ich bin nun mal ein bedeutender Schriftsteller!

    Es ist immer dieselbe Geschichte, es ist überhaupt die einzige Geschichte, und wenn er sie einmal auf die richtige Weise geschrieben hat, wird er keinen Whisky mehr trinken müssen, jedenfalls nicht soviel Whisky, vielleicht gelegentlich mal einen, wenn es ihm gut geht. Die Geschichte war schon immer da, er kann sie nicht neu erfinden, nur neu entdecken, aber die Worte umkreisen sie nur, umschleichen sie, bekommen sie nicht zu fassen. Vielleicht wird er neue Worte kreieren, um sie auf die richtige Weise schreiben zu können, aber um die neuen Worte zu erklären, wird er wieder die alten verwenden müssen, und alles wird von vorn anfangen. Ein Teufelskreis. Ein beschissener Teufelskreis.

    Heute kommen Ilona und Sebastian zu Besuch.
    "Du weißt ja, daß sie kommen!" sagt Paula mit dieser dreimal weichgespülten und heißgemangelten Drohung in der Stimme.
    "Oder?"
    Ja, er weiß es.
    Sie kommen um sieben, und Sebastian hat die Baubeschreibung dabei und einen prall gefüllten Aktenordner. Er hatte es bereits angedroht. "Ein Teechen und ein Likörchen, und für uns Männer ein Bierchen, was?" Sander lächelt schief und Sebastian knallt seinen Aktenordner auf den Tisch.
    "Wenn mir das vor drei Jahren jemand gesagt hätte, hätte ich ihn für bekloppt gehalten!" sprudelt es aus Ilona. "Ausgerechnet wir beide. Ausgerechnet wir!"
    Sebastian blättert in der Baubeschreibung und nickt vor sich hin.
    "Sybille hat geguckt, als ob ich den Verstand verloren hätte!" sprudelt es weiter. Wie abwegig, denkt Sander.
    "Bei dreihundertfünfzigtausend Mark für vierhundert Quadratmeter Grundstück und hundertdreißig Quadratmeter Wohnfläche fallen einem irgendwann keine Gegenargumente mehr ein", meint Sebastian. Die Baubeschreibung vereinnahmt seine Blicke weiterhin zu 95 Prozent. Die restlichen 5 Prozent gehören Paulas Titten. "Ausgebauter Dachboden und Keller... keins von diesen Hollandhäusern, die eh nur bessere Wohnwagen sind..."
    "Hab ich auch gesagt! Zu dem Preis!... Und dann der Garten..."
    "Ein Haus braucht einfach einen Keller, sonst ist es kein Haus, sondern... ja, ein besserer Wohnwagen eben!"
    "Und der Garten", sagt Ilona. "Eigentlich wollte ich immer schon einen Garten. Irgendwie war mir das gar nicht so richtig bewußt, glaub ich..."
    "4,8% Zinsen!" sagt Sebastian, "4,8! - Wir wären ja total bescheuert, wenn wir da noch Miete zahlen würden..."
    "Sybille meinte, wir würden nie aus unserer Altbauwohnung ausziehen. Drei Meter hohe Wände und so. Aber der Garten, hab ich zu ihr gesagt..."
    Sander möchte fragen, ob sie noch immer in den Swinger-Club gehen, von dem er offiziell natürlich nichts weiß. Er fragt es nicht.
    Paula will auch ein Haus, ja, jetzt ist sie sich ganz sicher, jetzt, mit ihrem Kopf auf Sanders Schulter und dem Flöten in der Stimme. Sie will auch einen Garten. Und einen ausgebauten Dachboden. Und einen Keller. Wie toll es doch wäre, einen großen Keller zu haben! Und was man da alles reinstellen kann! "Och komm..." flötet sie, und: "wo doch die Zinsen grad so günstig sind!" und: "jetzt oder nie, hm?" - Und Sander könnte sich sein Arbeitszimmer unterm Dach einrichten. Das wäre dann sein Refugium, sein Reich. Da könnte er dann in Ruhe schreiben und...
    "... mich totsaufen?"
    Nein, das findet niemand komisch, und Sander hat keinen Kopf mehr auf der Schulter liegen. Sander ist wieder der Spielverderber. Mehr als das: Sander ist ein Arschloch!

    Die Geschichte ist überall. Sie ist hier, hier in diesem Zimmer, sie offenbart sich durch Ilonas und Sebastians Worte. Aber sie läßt sich nicht mit Mikrofon und Kassettenrecorder einfangen, das duldet sie nicht, da spielt sie nicht mit. Sie ist eitel. Sie kennt ihre Rechte. Sie ist das, was übrigbleibt, wenn man alle Lügen aus dem Leben subtrahiert, sie benutzt Ilona und Sebastian für ihre Zwecke, spricht durch sie in Rätseln, codiert, niemals direkt, und sie erwartet von Sander, daß er ihr ein Sonntagskleid anzieht. Sie möchte schön sein, wenn sie erzählt wird, schön und schrecklich.

    Paula weint, weil Sander sich wieder betrunken und dummes Zeug erzählt hat. Paula will ein Haus. Aber das fehlende Haus ist nur ein weiteres Indiz für ihr Unglück, das viel tiefer sitzt. Sander versteht das nicht. Sander schreibt immer nur und trinkt Whisky. Ihm reicht das. Aber ihr reicht es nicht! Sie will noch was vom Leben - ein Haus, einen Garten und einen großen Keller. Meine Güte, ist das denn wirklich zuviel verlangt? Sie hat doch immer zu ihm gehalten, war immer auf seiner Seite, hat seine Geschichten gelesen und gesagt, wie gut er sei! Kann er ihr denn nicht auch mal entgegenkommen? Wenigstens ein bißchen? Wenigstens einen Zentimeter? Ist es denn wirklich so spießig, wenn man ein Haus haben will? Einen Garten? Ein bißchen Glück im Leben? Oder erwartet sie wirklich zuviel? Ist sie wirklich so ungerecht?
    Nein, natürlich nicht. Und sie hat ja recht, er weiß ja selbst, wie egozentrisch er ist und wie schwierig das manchmal für sie sein muß. Er weiß schon, was er an ihr hat. Und die Idee mit dem Arbeitszimmer unterm Dach gefällt ihm tatsächlich. Sie sollten sich das mal ausrechnen lassen mit dem Haus. Und daß er sich schon wieder danebenbenommen hat, tut ihm aufrichtig leid. Er wird sich da in Zukunft zusammenreißen. Klar ist das ein Versprechen. Er findet's ja selbst blöd, was er sich da wieder geleistet hat. Und mit dem Alkohol wird er sich künftig zurückhalten, und auch das ist natürlich ein Versprechen.

    Alles würde aufhören, wenn er die Geschichte zu fassen bekäme. Er könnte die Welt mit ganz anderen Augen sehen, sich mehr auf Paula konzentrieren und auf schöne Dinge. Auf die Zukunft. Auf das Leben. Der Whisky ist ja gar nicht das Problem, nur ein Symptom, und das Dumme ist einfach, daß er von der Geschichte weiß und die anderen nicht. Deshalb verstehen sie auch nicht, warum er nächtelang vor dem Computer sitzen und schreiben und löschen und wieder schreiben und Whisky trinken muß. Wie sollten sie's auch verstehen? Woher sollten sie wissen, daß er manchmal Gott selbst auf der Spur ist, ihn fast schon riechen kann und zum Spurt ansetzt, um ihn einzuholen oder sogar abzuhängen, damit er sich endlich umdrehen und ihm ins Gesicht schreien kann: Hab ich dich!

    Es ist anders als sonst. Paula hört nicht mehr auf zu weinen. Sie weiß mittlerweile, daß Sander sich nicht zusammenreißen und zurückhalten wird, und Sander weiß es auch. Wenn er es ihr bloß erklären könnte! Aber das kann er nicht, und wenn er es könnte, könnte er auch die Geschichte schreiben, und alles würde sich so oder so in Wohlgefallen auflösen. Sander ist betrunken, betrunkener als sonst. Er wird nicht ausfallend oder zynisch, versucht zu reden, einsichtig zu sein, aber er lallt, und was er sagen will, verwandelt sich in einen ranzigen Brei, sobald es seinen Mund verläßt.
    "Manchmal denke ich, wir sollten uns trennen", sagt Paula am nächsten Tag, und sie sagt es gar nicht vorwurfsvoll oder feindselig, nur vernünftig und traurig. Paula kann sehr vernünftig sein, erschreckend vernünftig. Sander kann sich kaum noch vorstellen, daß sie dieselbe ist, die den Kopf auf seiner Schulter liegen und dieses Flöten in der Stimme hatte, und nun ist er es, der nicht mehr aufhört zu weinen. Er beginnt zu betteln und dann zu feilschen, verspricht ihr das Blaue vom Himmel herunter und hofft, weil Paula unbestechlich vernünftig bleibt, am Ende wenigstens auf ein bißchen Trost. Er erwirkt eine Vertagung, einen Aufschub des Ultimatums, man gewährt ihm eine letzte Frist, bevor die endgültige Entscheidung fällt, und mehr kann er nicht verlangen. Man läßt ihn da stehen und zieht sich zurück. Man wird sich das noch mal gründlich durch den Kopf gehen lassen - er solle wissen, daß man ihn nach wie vor liebe, daß aber auch Liebe den Erschöpfungstod sterben könne, wenn man so gar keine Gegenliebe spüre, denn Liebe sei ein Geben und Nehmen. So sehe man das jedenfalls.

    Sie kommen alle in der Geschichte vor. Jeder hat seinen Platz darin. Paula natürlich, aber auch Ilona und Sebastian und die anderen Freunde und Bekannten. Aber sie sind dort ein kleinwenig anders, und das gilt auch für Sander, der in seiner Essenz natürlich Sander bleibt, gewissermaßen der bestmögliche Sander. Alle Rädchen greifen da letztendlich auf die richtige Weise ineinander. Manchmal hat er Zweifel an der Aufrichtigkeit der Geschichte, wenn er darüber nachdenkt, daß dort alle ein kleinwenig anders sind, aber die Zweifel blitzen nur ganz kurz auf, obwohl er sich danach tagelang schlecht fühlt.

    Paula ist unterkühlt. Paula gibt ihm zu verstehen, daß es ihr ernst ist mit ihren grundsätzlichen Infragestellungen der Beziehung. Er soll sich bloß nicht einreden, sie nach Belieben um den kleinen Finger wickeln zu können. Sie weiß, daß er das kann. Und sie weiß auch, daß er weiß, daß er das kann. Aber er soll sie doch bitteschön nicht für dumm halten und glauben, daß das bis in alle Ewigkeit funktioniert. Denn vollkommen blöd ist sie schließlich auch nicht. Darüber soll er sich gefälligst im Klaren sein.
    Sander ist zerknirscht, und das geschieht ihm ganz recht. Aber er ist auch ratlos. Nun ja, er hat alles zugegeben und eingeräumt, was soll er denn noch tun? Aber nein, so leicht geht das nicht. Nicht schon wieder. Alles zugeben und einräumen ist einfach, allzu einfach, mit so was kann sich jede Seele freikaufen, ohne sich zu verbiegen. Es muß schon ein bißchen mehr kommen von ihm, langfristig, er muß schon unter Beweis stellen, daß seine Reuesprüche nicht nur Sprüche sind. Ganz so einfach darf er es sich diesmal nicht machen.
    Doch Sander wittert die Morgensonne hinter dem Horizont, als er Paula das Frühstück ans Bett bringt mit diesem betretenen Gesicht, das so betreten ist, daß es sich beinahe selbst karikiert, und auch das weiß er natürlich, und auch, daß sie deshalb gleich lachen wird. Dann lachen sie beide, Arm in Arm, und dann weinen sie zusammen, weil's ja diesmal wirklich auf der Kippe stand und jetzt doch wieder gut gegangen ist. Sander ist sehr lieb zu Paula, jetzt weiß er erst, wie sehr er sie braucht. Was soll er denn machen ohne sie? Er weiß ja, was für ein blödes Arschloch er manchmal ist, er kennt sich ja selbst am besten. Er weiß doch, was da in ihm abgeht, und er kann sich im Nachhinein lebhaft vorstellen, was da in den anderen abgehen muß. Aber er kommt da irgendwie nicht raus, obwohl er selbst am meisten darunter leidet. Er kriegt's nicht hin. Irgendwie steckt das einfach in ihm, dieses Suchen, dieses Niesoganzzufriedensein, vor allem mit sich selbst. Aber auch mit dem ganzen Leben. Mit der Welt. Alles ist so furchtbar kompliziert. Und sie, Paula, sie ist doch sein Halt. Ohne sie würde er doch restlos untergehen. Weiß sie das denn gar nicht?
    Doch, das weiß sie. Und sie liebt ihn auch, und sie weiß auch (mit einem mild vorwurfsvollen und desillusionierten Schmunzeln), daß er weiß, daß sie ihn liebt. Und eigentlich will sie ihn ja auch so, wie er ist. Jedenfalls kann sie sich nicht vorstellen, mit irgend einem angepaßten Pantoffelhelden zusammenzuleben. Aber er muß auch verstehen, wie schrecklich das manchmal für sie ist. Alles! Sie liebt seinen Humor, ja, und sie kennt niemanden, der so charmant sein kann wie er. Nur manchmal... aber das weiß er ja selbst.

    Sander hat seinen Schreibtisch aufgeräumt, allen überflüssigen Krempel entfernt, den Messingaschenbecher geleert und geputzt, die Glasplatte abgewischt und auf Hochglanz gebracht. Ein Neubeginn. Ein Schreibtisch vor der Defloration. Sander fühlt sich wie als Kind nach der Beichte, gereinigt und befreit. Einfach gut. Und richtig. Paula sitzt im Wohnzimmer, sieht fern, trinkt ein Glas Tee, sieht glücklich aus. Alles ist, wie es sein soll. "Ich gehe jetzt Gott jagen", sagt er und gibt ihr einen Kuß. Dann noch einen. Paula lacht, und als er sich gerade umdrehen will, schnappt sie ihn sich noch einmal und überhäuft ihn mit Küssen. Dann läßt sie ihn gehen.

    Er setzt sich hin und schaltet den Computer an. Was für ein Gefühl das jetzt ist! Sogar die Tastatur hat er poliert. Sander füllt sein Glas mit Whisky. Die Geschichte wird ihm nicht mehr entwischen.

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Die Geschichte

    Ich dachte, er kauft ihr das Haus. Das wäre noch ne Geschichte, auf die ich mich freuen könnte.
    Oder erst einen Teppich? Ein guter Teppich, gewebt aus Wolle.
    Wahrheiten schneiten, ein schöner Wintersamstag.

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Die Geschichte

    Lieber Mark,

    es fällt mir schwer, deinen Text zu kritisieren. An der Sprache gibt es wenig zu bemäkeln, wenn auch eine gewisse Gleichförmigkeit im Satzbau auffällt. Aber du beherrscht dein Handwerkszeug und gehst genügend lässig und selbstbewusst mit ihm um. In erstaunlich vielen Formulierungen habe ich mich selbst wiedergefunden. Würden wir zusammen einen Roman schreiben, immer abwechselnd ein Kapitel, wäre es für einen Außenstehenden wahrscheinlich unmöglich, die Teile dem Urheber zuzuordnen. Vielleicht würde ich nicht mehr so viele "dass" benützen, weil mir ständig Robert mit ihnen im Nacken sitzt.

    Das war eine Geschichte von einem Schriftsteller, der Probleme mit der Bürgerlichkeit hat, für einen Schriftsteller, der Probleme mit der Bürgerlichkeit hat. Alle anderen stehen außen vor und wundern sich über die selbstgeschaffenen Sorgen. Ich hatte eigentlich gedacht, wir hätten den durch und durch bourgeoisen Künstler, der hungern und leiden muss, um Großes zu vollbringen, spätestens seit dem unsäglichen Steppenwolf als grotesken Anachronismus hinter uns gelassen. Bei dir feiert er fröhlich Urst?nd. Die ach so tiefe Kluft zwischen Bürgerlichkeit und Kunst, notdürftig überbrückt mit Schnaps, Zynismus und Liebe (oder eher Bequemlichkeit, denn Künstler lieben ja nichts außer sich selbst), so oft wurde sie beschrieben: Hier ist sie wieder.
    Einmal zu oft. Denn es ist nur eine alte Lüge, die du neu erzählst und die es schon besser ausfabuliert gibt. Dein Text ist zu bewegungslos, zu selbstgerecht und monoton, um wirkliches Interesse an den Figuren zu erzeugen. Selbst Sander hinterlässt nur ein Achselzucken.

    Für mich kann ich zu diesem Thema sagen:
    Ich habe mich längst mit meiner Bürgerlichkeit und meinem Brotberuf versöhnt, damit, dass ich Frau und Kinder habe und Verantwortung tragen muss. Im Gegenteil: Nur diese Behaglichkeit schenkt mir die Kraft und die Ruhe, zu schreiben. Wenn ich hungrig bin, dann jage ich nach Essen, Sex, Abwechslung usw., aber ich bringe keine vernünftige Zeile zusammen.
    Ich halte es da mit Thomas Mann: "Ein Autor sollte sich nicht nur kleiden wie ein Bankier, er soll auch wie einer leben."

    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Die Geschichte

    Es gibt hier keine Geschichte, nur eine Aneinanderreihung von Stereotypen. Die fließen dem Schreibenden allerdings so leicht aus der Feder, daß es mitunter sogar recht witzig klingt. Allerdings vermag er damit nicht die bohrende Leere im Zentrum dieses Geschreibs tünchen. Ich habe die ganze Zeit das Gefühl, daß dem lyrischen Ich das Schreiben keine Not, keine Bewältigung, kein innerer Zwang, keine wirkliche Freude ist, sondern eine eben so geltende Form der Langeweile. Das läßt mich traurig zurück, denn es ist auch ein Leiden, eben nichts wirklich empfinden zu können, nicht zu wissen, ob ein Glas halbvoll oder -leer ist, daß eine Frau aus mehr als Geschwätz und Titten besteht, ein Haus mehr ist als eine Arbeitsstube unter dem Dach und ein Keller, daß besuchsfreudige Freunde nicht nur einen langweiligen Nachmittag vertreiben können, daß selbst der Kunststoffgeruch eines Teppichs Freude vermitteln kann. Wer das alles nicht mehr erleben kann, dem wird gar nichts mehr helfen, es sei denn eine Umkehr, ein wenig mehr Achtung vielleicht, Demut vor dem Leben, das ihm gegeben.

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