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Thema: Der amerikanische Unabhängigkeitskrieg

  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Revolutionen sind kein Mehrheitswille - nirgendwo

    Es waren aristokratische reiche Südstaatler (Jefferson, Franklin, Washington), die die meisten der führenden Köpfe im amerikanischen Aufstand gegen die Engländer stellten, und vergleichsweise (in Hinblick auf die Bevölkerungszahlen) wenige bürgerliche und unbedeutendere Protagonisten aus dem Norden. (Hamilton, Adams)

    Daß der Aufstand gegen Britannien nicht von der Mehrheit der Amerikaner getragen wurde, liegt in der Natur der Sache: keine Revolution in der Weltgeschichte war Mehrheitswille. Menschen wollen zumeist ihre Ruhe haben. Immer und überall.

    Es gibt also KEINE demokratisch legitimierte Revolution, sie ist immer Minderheitswille.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post Der amerikanische Unabhängigkeitskrieg

    1775 erhoben sich die Kolonien gegen das britische Mutterland. Dieses Ereignis fand beinahe unter Ausschluß eines europäischen Interesses statt. Frankreich unterstützte, mehr aus Gewohnheit, die Gegner Britanniens, die Briten nahmen die Aufständler nicht sehr ernst und schickten im Reich eingekaufte Soldaten [1], die die Freischärler niedermachen sollten. Die meisten der Kolonisten waren nach Amerika gekommen, weil sie in ihren Heimatländern an der Verwirklichung ihrer Träume gehindert worden waren. Allerdings war in diesem Krieg nur eine Minderheit der Amerikaner für eine Abnabelung vom britischen Mutterland, die Mehrheit war strictly british gesonnen. Aber die Minderheit besaß die besseren Agitatoren und die Briten verfuhren mit dümmlichen Steuerumlagen nicht gerade klug, insofern sie die bestenfalls drei Millionen Amerikaner unter ihrer Herrschaft behalten wollten. steuben.jpg
    Besagte Minderheit hatte es satt, am Aufbau einer eigenen Industrie gehindert zu werden, wollte die Zeche der Briten von deren letzten Krieg gegen Frankreich nicht bezahlen, wollte Freiheit in der Bewegung nach Westen, aber auch in Hinsicht auf die Staatsstruktur. So recht wußten sie nicht, was sie wollten, aber eines wollten sie nicht mehr, eine Fernbestimmung durch London. Die führenden Köpfe (Sklavenhalter oder ausgerissene Weltverbesserer aus Europa) formulierten diesen ins Unbändige zielenden Unabhängigkeitswillen als amerikanische Idee: auf eine zentrale Verwaltung (wie die Briten sie pflegten) verzichten und jeweils vor Ort entscheiden, andererseits aber eine straffe zentrale Führung installieren (einen starken Präsidenten; anders als die Briten, die in der Regel schwächere oder sogar schwachsinnige Monarchen an der Spitze des Staates besaßen, denen das Visionäre abging) [2] – für die (männlichen) europäischen Einwanderer, nicht aber für negride Afrikaner (rassistischer Grund), Juden (religiöser Grund), Asiaten (rassistischer Grund) und Indianer (imperialistischer Grund)!
    Die britische Regierung vernahm die Forderungen und stand diesen nicht schroff ablehnend gegenüber. Aber man betonte auch das Herrschaftsverhältnis.
    Vergessen wir nicht, daß wir uns im Zeitalter der Aufklärung befinden. Es waren vorrangig die Verlierer und Unterdrückten im europäischen Raum, die den Weg nach Amerika suchten. Dort wollten sie keineswegs wieder Verlierer sein, doch sie fanden Verhältnisse vor, die denen in England glichen, zumal die Briten Amerika von London aus regierten, also keinen Einblick in Verhältnisse vor Ort hatten. Über die Bank von England hielten sie zudem die finanzielle Kontrolle über jeden Dollar (Taler), der in Amerika verborgt resp. auf Banken gelagert wurde. Die Amerikaner gerieten so nicht nur in eine politische, sondern v.a. in eine finanzielle Abhängigkeit von Britannien, die von Jahr zu Jahr drückender werden mußte. Sie taten das, was naheliegend war: Sie wählten Vertreter für eine Versammlung, den Kongreß, der ihre Belange gegenüber den Briten artikulieren und durchsetzen sollte. Die Briten behandelten in gewohnt hochnäsiger Art die Kolonisten in Amerika. Das bedeutete, sie forderten Steuern von den Amerikanern, wovon nichts nach Amerika zurückfloß, und Vorverkaufsrechte für britische Waren. Tee-Zoll. Daran entzündete sich der offene Widerstand.

    Diese Verfassung [1787] ist ein konkretes geschihtliches Ereignis, sogar ein Schöpfungsakt und im wahrsten Sinn des Worts die „Konstitution“ eines Volkes. Ein souveränes Volk wird darin geschaffen, doch es wird im gleichen Atem in verfaßten politischen Willen verwandelt; nicht das Volk als vielköpfiges Wesen oder als volonte generale, sondern die Verfassung, in der es sich konstituiert, ist der Souverän. Damit ist zugleich die erste jener beiden Gefahren höchst positiv gebannt. Das „Volk der Vereinigten Staaten“, das das Subjekt und die Legitimitätsgrundlage der Verfassung bildet, ist eins über die dreizehn Staaten hinweg, eins durch sie hindurch, und von Anfang an, nämlich in der Nordwestordonnanz 1797 ist vorgesehen, daß es eins bleibt, auch wenn die Zahl der Staaten sich vermehrt, der besessene Raum sich vervielfacht. (Freyer II, S. 976.)

    Die Kolonisten wählten ein Gebietsparlament (Kongreß). In diesem Kongreß erhielt ein reicher Pflanzer aus Virginia die meisten Stimmen und führte fortan den Protest gegen die Briten. George Washington hatte sein Geld mit Sklavenhandel und Sklavenwirtschaft verdient und schaute sich nun um, wer ihm bei der Organisation seines Heeres helfen könne. Die Wahl fiel auf den Magdeburger von Steuben, der seine Aufgabe sogleich in Angriff nahm und aus einem undisziplinierten Haufen eine schlagkräftige Truppe formte. Außerdem eilte ein bekannter amerikanischer Forscher namens Franklin nach Frankreich, um dort Geld und Unterstützung für Amerika zu finden.
    Und so eilten Offiziere aus halb Europa nach Amerika, um dort ihr Glück zu machen, manche auf englischer Seite, andere auf amerikanischer. Berühmt wurde der Franzose Lafayette, der auf amerikanischer Seite große Siege erfocht. Friedrich II. unterstützte ebenfalls die Amerikaner, was verwundern mag. Dänen, Schweden und Russen hielten sich neutral und nützten so Amerika mehr als England, denn so verhinderten diese Staaten die Ausdehnung des englischen Seerechts, was zuvörderst den Amerikanern zugute kam, die nun in neutralen Häfen Handel treiben konnten. Als sich Frankreich auch offiziell entschloß, England den Krieg zu erklären, gab das den Ausschlag. Bei Yorktown erfochten die amerikanischen Truppen einen entscheidenden Sieg, den Britannien nur durch das Aufstellen eines neuen Heeres hätte umkehren können. Dazu war man aber in London nicht bereit und willigte 1783 in die amerikanische Unabhängigkeit ein.


    Aufgabe: Nenne die wichtigsten Gründe der amerikanischen Selbständigkeitsbemühungen! (I)


    [1] Diese Methode Britanniens, eine Art von Sklavenhandel, wurde von Schiller in "Kabale und Liebe" thematisiert: die berühmte Kammerdiener-Szene. Allerdings war die Einschreibung der Soldaten freiwillig: ihnen winkte in Amerika freier Besitz nach erfolgtem Dienst im britischen Expedition-Corps, zudem wurde ihre Familie in Deutschland "entschädigt". Drittens erhielt der Landesherr für seine Bemühungen bei der Akquirierung seiner Landeskinder für die Landesfremden eine Abfindung.

    [2] Sehr ausführlich beschrieben bei Tocqueville: Demokratie in Amerika. Regensburg 1955. S. 100 ff.


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