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Thema: Die Philosophiestudentin

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause Avatar von anderedimension
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    Die Philosophiestudentin

    Gedankenspiele fördern sie zu Tage:
    Gefühle, die im Schleierhaften enden.
    Aus Stolpersteinen baut sie eine Frage,
    versucht das Blatt ein letztes Mal zu wenden.

    Und nackt schält er sich aus dem Dunst der Pfeife,
    fast könnte sie sein Werben liebgewinnen.
    Aus allen Poren schwitzt der Saft der Reife,
    doch wohnen ihr noch tausend Zweifel innen.

    Der Spiegel zeigt die ersten tiefen Risse,
    das stumpfe Haar beflankt die blassen Wangen.
    Kein Bühnenbild, ein Schneesturm als Kulisse,
    der Held ist nach dem zweiten Akt gegangen.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Die Philosophiestudentin

    Ein ganzer Roman in drei Strophen wird da erzählt. Nur zwei Anmerkungen zu diesem Text:

    In der ersten Strophe steht "zu Tage". Dies ist wörtlich zu verstehen, etwas tritt zu Tage, also aus dem Dunkel der Nacht, dem Zwischenbereich der Dämmerung, aus dem Tiefsten der Erde, der Bergmann zum Beispiel.
    Ich glaube jedoch, Du meinst "zutage", also die adverbiale Ungenauigkeit, die auch übertragene Bedeutung besitzt.
    In der letzten Strophe tritt ein "Held" auf, der nach dem zweiten Akt geht. - Nun ja. Die Dramentheorie bezeichnet den zweiten Akt, die Klimax, oft als kleine Katastrophe. Insofern kann es durchaus sein, daß eine Nebenfigur abgeht, im Sinne von exire, exit, exitus. Abgehen als Euphemismus für sterben. Auch kann es durchaus sein,d aß in einem eigentlich vom lyrischen Ich geplanten Fünfakter der Held bereits nach der Exposition kalte Füße bekommt und das Weite sucht.

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause Avatar von anderedimension
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    AW: Die Philosophiestudentin

    Du bist der Germanist von uns beiden - wäre ja blöd von mir...wenn ich dir da nicht vertrauen würde. Ich dachte es wäre heutzutage egal ob zutage oder zu Tage. Auch wenn ich dir glaube, wage ich den Dudisten zu widersprechen...denn: Egal ob wortwörtlich oder metaphorisch...es kommt aus der "Tiefe"...bzw aus dem "Verborgenen" oder der "Dunkelheit" ans Licht/an den Tag - immer verbunden mit einem Verb (gebracht/befördert/gehoben..usw)...weshalb ich keine Notwendigkeit sehe das Verb zu unterstützen...bzw. zu doppeln. Aber ich erkenne einen Sinn in der Gegenüberstellung der Substantive (<<aus der>> Dunkelheit/<<an den>> (zu) Tag(e). Soll aber keine billige Ausrede sein...sondern nur eine Erklärung wie ich zu dieser Schreibweise (auch wenn sie falsch ist) komme.

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Die Philosophiestudentin

    ist nicht falsch, was Du schreibst, sondern nur eine Frage dessen, was Du ausdrücken wolltest; beide Lesarten sind möglich, und es würde dem Leser nicht schaden, in Deinem "zu Tage" beides zu denken
    ein "zutage" erschiene mir in seiner Unsauberkeit klarer; ein "zu Tage" zwar scheinbar genauer, aber angesichts dessen, daß ein Gedanke ja nicht tatsächlich zu Tage kömmt resp. tritt, doch nur metaphorisch greifbar, denn d.i. doch die Natur eines Gedankens, eben metaphorisch verstanden worden zu sein, also nur zutage treten zu können; zu Tage tritt doch nur etwas Lebendiges, nicht aber so ein abstractum est wie ein Gedanke, dessen Leben im Augenblick des Aussprechens das Lebendige verloren hat, um dann erst wieder lebendig zu werden, wenn er aufgenommen ward
    plädiere also für "zutage"; es ist aber Dein Gedicht

    Und ja, Du hast ganz recht, der gegenwärtig obwaltende Soloecismus soll den Deutschen weismachen, es gäbe keinen semantischen Unterschied zwischen zutage und zu Tage. Es gibt ihn aber.

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