sie torkelte ins scheinwerferlicht, eine puppe ohne glieder, und er stieg voll in die eisen, riß das lenkrad herum, schaffte es irgendwie, den wagen zum stehen zu kriegen, als sie auch schon die tür aufriß und sich auf den beifahrersitz fallen ließ, wenigstens das, was noch von ihr übrig war. und das war verdammt wenig.
er stellte keine fragen, während er wieder anfuhr, konnte auch so sehen, was geschehen war. ein gerupfteres huhn als dieses hatte es niemals gegeben.
die sind mir voll an die wäsche gegangen, sagte sie, aber wirklich.
er griff über ihre zerschrammten knie hinweg und öffnete das handschuhfach, wo er immer eine flasche für den notfall aufbewahrte.
nimm erstmal nen schluck, sagte er, und hielt ihr die flasche hin.
habens mir blöden kuh so richtig besorgt. haben mich durchgefickt und dann einfach
hier, trink, sagte er, drehte den verschluß von der flasche und ließ das aroma in die luft verströmen.
was? was sagst du?
sie starrte wie abwesend auf das ding in seiner hand. dann klärte sich langsam ihr blick.
ja, danke, sagte sie. danke.
auf dem rücksitz muß irgendwo ne wolldecke liegen.
bin wohl kein schöner anblick, wie?
na ja, sagte er, nicht besonders.
er griff selbst nach hinten, tastete nach der decke, gab sie ihr.
nachdem sie sich eingewickelt hatte, saß sie, die beine angezogen, schweigend neben ihm, nahm ab und an einen schluck aus der flasche. draußen wurde es bereits hell, und er konnte sehen, daß ihr gesicht ziemlich übel zugerichtet war. sie hatte einige böse kratzer abgekriegt und blutergüsse an der schläfe und den wangenknochen. aber weder schienen der kiefer noch das nasenbein gebrochen, und er dachte, daß sie, alles in allem, noch glimpflich davongekommen sei.
als hätte sie seinen blick gespürt, erwachte sie aus ihrer versunkenheit.
ich heiße selma, sagte sie, und schaute ihn von der seite an.
o, sagte er, ein schöner name. ich bin jake.
wohin fahren wir, jake?
zu mir, sagte er. es ist nicht mehr weit.

das gesicht an das rückenpolster geschmiegt, sah sie ihn ruhig an, prüfend, so kam es ihm vor, aber nicht eigentlich mißtrauisch, eher so, dachte er, als suche sie auf seinem gesicht nach den resten ihres eigenen lebens, nach einer verirrten spiegelung vielleicht, die aus der vergangenheit bis in diesen ort hinüberreichte und die im zwielicht des morgens eine neue bedeutung für sie gewann.
dann lächelte sie.
später sollte er noch oft an dieses lächeln denken, das wie eine schrift über ihr gesicht lief, ein flimmerndes band ihm unbekannter zeichen, die er zwar sehen konnte, deren sinn er aber nicht begriff. oder vielleicht wollte er auch nicht begreifen, denn in diesem augenblick streckte sie ihre schmale hand nach ihm aus, nickte, als er nicht gleich verstand, zum lenkrad hinüber, wo er immer noch den schraubverschluss festhielt.
ich mag nicht mehr trinken, jake.
ja, natürlich, sagte er, und gab ihr den deckel, registrierte erstaunt den rot ausgestanzten ring in seiner handfläche, von dem ein überraschender schmerz auszugehen schien.
sie drehte die flasche zu und legte sie ins handschuhfach zurück.
als einige minuten später die sonne über den horizont stieg, war sie eingeschlafen.