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Thema: Haus

  1. #1
    schreibt hier hin und wieder
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    Haus

    So über allem Ausdruck ist kein Spiel für sie,
    ihr Ziel, so fährt sie fort,
    das ist, dass auf den Rest sie sicher geht.
    Denn Sommer war, vorbei
    was frei und sanft und Flügelschlag,
    Herz hoch, so war man angelegt
    und Tag für Tag war große Fahrt.

    Es kommt nichts an, an ihr, für sie ist hier nur Kür.
    Wie sie sich biegt,
    so biegen sich die Blicke mit,
    und was sie hebt, auch mich,
    wird leicht,
    das kommt aus ihrer Dunkelheit, die sie an sich
    für andere trägt,
    und wenn sie bleibt, sie bleibt nie lang,
    sieht sie zum Abschied noch
    dir nach in deinen Schlaf.

    So ist Erinnerung und Nichtvergessen verteilt um sie wie ihre Haut,
    ihr hochbemaltes Haus mit ihren Tantenfenstern,
    in denen Nachts nur Mondlicht bleibt,
    hat sie zum allerletzten Mal vermessen,
    jetzt ist es feil und fällt dem zu, der inneh?lt.

    Sie läßt es zu, wenn auch nur einmal, und ihr auch elend ist dabei,
    verborgen sieht sie mich betreten, die Gänge gehn, mich an der Türe drehn,
    und bleib ich stehn, wird sie zu Boden blicken - dann ist's vorbei,
    sie dreht sich fort und schließt ihr Haus noch im Vorübergehn.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Haus

    Dieser Text vermittelt die Aura eines Polyhistors. Das Feld ist weit, der Geschmack verteilt, die Schwingungen zum Teil unterbrochen. Das Haus steht schief, aber es hat schöne Ecken.
    Eine große Schwierigkeit entsteht durch den Gebrauch von DASZ und MAN. Ein mittenmang gestelltes SIE verwirrt zusätzlich. Und das sind Perspektiven aus Strophe 1.
    Näheres vielleicht später.

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Haus

    ..die aura eines polyhistor, das schmerzt, schmerzt nicht. Der Rest ist gut.

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Haus

    Hallo lester! Freue mich, Dich wieder an Bord begrüßen zu dürfen. Wozu sind die kleinen Mißverständnisse gut? - Vielleicht treiben sie Unterbewußtes nach oben, damit wir's genauer betrachten und lachen können. Sei herzlich willkommen!

    In Strophe zwei sind ein paar Präpositionen überflüssig, kategorisch überflüssig. Sag mir doch mal, ob Du da eine bestimmte Beziehung kultivierst!? Grüße ins humanistische Heimatland.

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Haus

    ...die Strophe zwei, mei Gutester, war der Geburtshelfer und bis auf die letzte Zeile wird nichts mehr verändert (statt 'in deinen' wird es heissen müssen 'bis auf den'), da war jedes Wort dreimal in der Esse.. was, das geb ich gerne zu, nicht viel besagt. Viel wird gekocht, nicht nur bei Hannemann, aber im Michelin erscheint nur eine magere Ausbeute.
    Das war immer von Interesse: die Auserwählten und Berufenen, ich meine, das habe ich nie verstanden. Dass man so dumm ist.

  6. #6
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Haus

    Lester, der Text ist nur eine Stilblüte. Er bleibt unausgegoren. Das aber nehme ich Dir bei diesem Thema übel. Beinahe so was wie KJÖKKENMÖDDINGER..

  7. #7
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Haus

    ...das Gedicht ist eine Stilblüte? Interessant.

  8. #8
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Haus

    Halt inne, aber bleib nicht steh'n.
    Acht auf die Türen, fest verschlossen und auf die, die einen Spalt nur offen steh'n.
    Wo gibt das Mondlicht Staub frei auf der Klinke und flattert nächtens zugig wohl ein Fensterschal?
    Und kannst an deinen Traum du morgens dich nicht mehr erinnern, so ist es gut. In eine alte Reisekiste tief in ihrem Keller hat sie ihn eingesperrt...

    a.

  9. #9
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Haus

    ...wohin soll ich es wenden? Untere Schublade, Textarbeit oder was? Dass es weihnachtet...

  10. #10
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Haus

    genauer, mein Lieber, denn ein Unbeleckter bist Du nicht:
    erstellt von leicester: So über allem Ausdruck ist kein Spiel für sie,
    ihr Ziel, so fährt sie fort,
    das ist, dass auf den Rest sie sicher geht.
    da haben wir drei SIE und ein Bezugs-Sie, ein IHR. Alles in einem Abschnitt, nennen wir ihn SATZ. Du gibst der vierfachen Erscheinung eines nur Anzunehmenden keinen Namen, keine Gestaltung, keinen Charakter. Du sagst über sie etwas aus. Interferenzen rein zufällig. Aber es kugelt und igelt nicht, es bleibt eine Linie, die keinen Anfang hat, es sei denn, Du willst mir ein x-beliebiges SIE als Anfang von etwas weismachen?! Zu Gute will ich Dir halten, daß Du ÜBER ALLEM AUSDRUCK schriebest. Das könnte ein Anhaltspunkt, ein inhaltlicher, für ein Sinngedicht werden; schlimmer zu nennen wäre es, wenn Du hier Sprachwissenschaft auf Samtpfoten anbieren würdest. Ein weiterer Sinnträger ist SPIEL. Gewaltig zu nennen, abstrakt und diffus gleichermaßen. Hier aber sinn-entleert, weil nicht weiter betrachtet. Das SIE frißt alles auf, das Spiel bleibt aus. Schlecht. Zu allem Überfluß bringst Du auch noch einen DASZ-Konstruktion unter. Sehr schlecht. Weiter.
    Denn Sommer war, vorbei
    was frei und sanft und Flügelschlag,
    Herz hoch, so war man angelegt
    und Tag für Tag war große Fahrt.
    Wenn Du Dich für Interpunktion im Text entscheidest, dann nicht mal, mal nicht. Du beginnst mit einem DENN. Denn ist die Konjunktion schlechthin, unübertroffen, eine ersten Ranges. Kein Nebensatz kann folgen. Steht sie am Anfang, so will nicht widersprochen sein. Streht sie im ersten Textabschnitt, im zweiten Teil, so nimmt der Autor alles weg, was Phantasie entzünden könnte. Die Exposition des Textes ist abgeschlossen, ein DENN klärt nichts, weil alles. Sie schließt ab ODER aber: Sie ist markiert, sie übertreibt, überzieht, verstößt ins Paradoxe, Surreale. Hier jedenfalls nicht. Du malst ein Stilleben, nur andaechtig lausche ich, nicht ergriffen. Die Stimmung behagt, die Form ist geraten, aber nachdenken darf ich nicht, dann wird mir übel.

    leicester, eine ganz schlechte Leistung.

  11. #11
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    AW: Haus

    "Che far' senza Euridice,
    Dove andr' senza il mio ben!"

    C-Dur, ja: C-Dur, nach a-moll. Denkt man das? Eine Arie ohne Pathos: sie ist über allem Ausdruck. Da hört das Spiel auf.

    "Ich habe Sie wohl erzürnt, mein Lieber (in sanftem Bass gesprochen) mit meiner beiläufigen Erwähnung. Vergessen Sie aber nicht, daß ich sie im Zusammenhang tat mit Ihrer Erläuterung, und dass ich es gut und sinnvollvoll heiße, daß auch Sie mit daherwallen im Geisterzug".
    Nun gut, lassen wir das Ding. Aber, vielleicht: die dritte Strophe, da klopft doch Prosa mit dem Finger an, knöchern, mal sehn. Und die zweite?, wer kann was haben gegen Musik, gegen großes TamTam...

    Doch, habe mich gefreut über deine Anmerkungen. Wir sehen weiter, und wir sehen anderes. Lass es gut sein mit diesem und in den Brunnen sehen.

    L.

    Unter demselben Blau, über dem nämlichen Grün
    Wandeln die nahen und wandeln vereint
    die fernen Geschlechter,
    und die Sonne Homers, siehe! Sie lächelt auch uns.

  12. #12
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Haus

    Schön, und nicht nur der Konjunktiv der Sonne Homers.

  13. #13
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Haus

    ..nicht meine Feder: der aus Jena wars.

  14. #14
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Haus

    Das Blau ist es, welches uns führt. Den Reigen zu zäumen, sei unser Bier.

    leicester, so wollen wir uns fassen und einen Gedanken aus dem Wagen ziehen, einen Gedanken unermeßlicher Tiefe, einen Gedanken, der - ans Licht gekommen - nicht zerfällt in analytischem Brevier, sondern sich aussendet unter die Menschen, sich verbreitert und anspornt.

  15. #15
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Haus

    Lyrsa zu schreiben ist schwieriger, als manch einer denkt. Es ist dies eine Textsorte, die sich erst im Laufe der Entwicklung zwischen Lyrik und Prosa etablierte. Slam, Rap und Sprechgesang u.ä. sind etwas anderes, aber im Grunde auch der Versuch, einer uralten Form des Lyrisierens, nämlich dem guten alten Stabreim, wieder Gehör zu verschaffen. Man verkenne nie die Macht der Alliteration, wird jeder Werbefachmann bestätigen.

    Aber wo liegt Leicesters Schreiben? Es ist jedenfalls Lyrsa, ein Hang zum Prosaischen ist unverkennbar, aber eher Rilke, Wilde und Hofmannsthal als Zeitgemäßes. Das Zeitgemäße als Qualitätsbegriff will hier Tadel sein.

    Frage an heutige Wolkensteiner: Wie läßt sich Leicesters Schreiben beschreiben? Die "Aura des Polyhistors" schlug bei ihm fahl an. Dem Selbstbild wurde nicht genüge getan.

  16. #16
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Haus

    mir geht das thema hier nicht ganz auf. was will der autor damit sagen?
    also bleibts für mich oberflächlich, oder kann ich der tiefe des textes nicht folgen?
    hier wird eine person beschrieben, ohne daß sie beschrieben wird.
    nunja, ihre wirkung ist klar beschrieben und daß sie wohl verschlossen sei, ob ihrer vergangenheit oder so.
    es plötschert so dahin. und versiegt im nichtssagen.

    warum ist sie denn wie sie ist?
    die stimmung gefällt mir außerdem nicht.
    und da die person oberflächlich bleibt und keine tiefe bekommt, ist sie mir sogar unsympathisch.

    ich spüre leider keine aura nicht. nöp

    sein schreiben kann ich aus diesem einen text nicht kritisieren. nur den text selbst.

    jute nacht

  17. #17
    Tochter aus gutem Hause Avatar von anderedimension
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    AW: Haus

    So hat eben jeder seinen eigenen Geschmack.

    Für mich ist das ein sensationell guter Text. Keine Prosa, keine Lyrsa...sondern Lyrik vom Feinsten!

    Ich habe fließende Bilder vor Augen, die Szenen greifen ineinander und werden von einer spielerischen Leichtigkeit getragen.

    Vergleiche mit anderen Autoren sind nicht notwendig - wozu sollte das dienen? Rilke war Rilke, Lester ist Lester. Keiner derer, die wir so gerne zum Vergleich heranziehen...setzte sich einst selbst freiwilig solchen Vergleichen aus. Dieser Text ist großartig, der morgige könnte schon wieder beschissen sein - und so steht jeder Text für sich.

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