+ Antworten
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 25 von 34

Thema: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
    Registriert seit
    27.April 2001
    Ort
    Diedorf
    Beiträge
    550
    Renommee-Modifikator
    19

    ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    ER SIE ES
    DREIECKSGESCHICHTEN

    1. Geschichte:

    "Das Sinnbild der Perfektion ist der Kreis; er allein ist Vollkommenheit in unvollkommener Welt. Jeder Punkt, aus dem sein Bogen sich bildet, ist Anfang und Ende in sich selbst, ein Ehrfurcht gebietendes Symbol des Ewigen. [ ... ] Spricht nicht Buddha vom Kreis der Wiedergeburt, dem Rad des Lebens, [... ] ist nicht gerade der Ring das Zeichen, unter dem sich die Menschen ewig währende Liebe versprechen? Und ist nicht die Vereinigung der Geschlechter im sexuellen Akt ein Ineinanderverschmelzen zu einem Kreis, der die Erfüllung bringt?"

    Karl Savingy, "Zeichen in der Zeit"; S. 19 ff.


    Donnerstag Abend

    "Du glaubst tatsächlich, es gibt keine Liebe auf den ersten Blick? Du lebst in einer traurigen Welt", erwiderte Tina scharf.
    Sebastian lehnte sich gelangweilt im Stuhl zurück. Unbeabsichtigt hatte er seine Freundin durch einen abfälligen Kommentar über den eben gemeinsam gesehenen Film auf eines ihrer Lieblingsthemen gebracht. Er seufzte vernehmlich; sah aber keinen Weg, einer Auseinandersetzung zu entgehen. Tina lebte in einer bunten Welt der Wunder, während er sich als einen desillusionierten, gelangweilten, jungen Mann sah, der ein fades Leben in einer durchschnittlichen, uninteressanten Stadt lebte. Erneut wurde ihm bewusst, wie auffällig Frauen in völlig anderen Kategorien denken als Männer. Tinas Augen vermittelten ihr ein Bild der Welt, das mit dem seinen nicht einmal verwandt war.
    Das ist sicher der Grund, aus dem es außer gerade bei den Mystikerinnen keine weiblichen Philosophen gibt, dachte er, behielt seine Meinung aber für sich. Er entschied, Tina durch eine lächelnd hervorgebrachte, provokante Entgegnung aus dem Konzept zu bringen.
    " Liebe ist überhaupt eine Lüge. Ich denke das oft," sagte er.
    Tina schnappte entsetzt nach Luft, was ihm Gelegenheit gab, sich in dem Cafe, in dem sie am einem dieser neumodischen, dreieckigen Tische saßen, umzusehen. Das Lokal existierte noch nicht lange und die beiden waren zum ersten Mal hier. Sie hatten es sich wegen dessen Nähe zum Kino, in dem sie vorher gewesen waren, ausgesucht. Der Abend war noch nicht fortgeschritten und viele der Tische frei. Das Cafe gefiel Sebastian nicht, es war hell und kalt, die Bilder an der Wand aufdringlich und geschmacklos nackt, fast pornographisch. Er mochte Lokale, die unübersichtlich, dunkel und kitschig waren.
    "Warum sagst du das?" unterbrach Tina seine Gedanken. "Daran glaubst du doch wohl nicht im Ernst. Was bindet uns, wenn es nicht Liebe ist?" fragte sie aufgebracht.
    Sebastian wusste eine Antwort, aber er hütete sich, sie zu nennen. Tina war Romantikerin. Er wusste, würde er offen von seinen Begierden sprechen, würde der Abend mit ihr ein vorzeitiges Ende finden. Im Umgang mit seiner Freundin versteckte er sich oft hinter Masken, denn sie glaubte an den Adel des Menschen. Es hätte sie verstört, wenn sie geahnt hätte, was manchmal in ihm vorging. Er war erleichtert, dass in diesem Augenblick der Kellner die Getränke brachte und er durch die Störung die Möglichkeit hatte, über ihre Frage hinwegzugehen und sich eine bedachtere Antwort zurechtzulegen.
    "Die Liebe auf den ersten Blick ist ein herrliches Konstrukt, von dem die meisten Bücher und Filme leben, aber es ist eine Traumwelt. Du musst zugeben, sie wird uns in unserem Alltag zumindest nicht einfach gemacht," führte er aus und hatte das Gefühl, alles schon einmal gesagt zu haben; eine Empfindung, die ihn in letzter Zeit verfolgte.
    "Für deine Art der Liebe braucht es Menschen in der perfekten Stimmung; sie dürfen nicht durch, was weiß ich, durch finanzielle Sorgen, Müdigkeit oder einen überfressenen Magen abgelenkt sein. Wenn Liebe auf den ersten Blick nicht nur ein Mythos ist, so ist es doch ein sensationeller Glücksfall, wenn sich für einander bestimmte Menschen zufällig begegnen und dann auch noch bereit sind, sich augenblicklich in einander zu verlieben. Ich glaube, Liebe, wenn sie mehr als die Laune eines Moments sein soll, ist im Gegenteil harte Arbeit."
    Tina nickte, war aber nicht geschlagen.
    "Ich habe nicht behauptet, Liebe auf den ersten Blick sei häufig. Ich sagte nur, es gibt sie," beharrte sie.
    Sebastian zuckte mit den Schultern. Im Grunde hatte er kein Bedürfnis, ihr ihren Glauben auszureden. Ihm war auch nicht ganz klar, warum er trotzdem Gegenargumente sammelte, was er beweisen wollte. Er entschied sich, das Pferd von der anderen Seite aufzuzäumen.
    "Betrachte den Film, den wir gesehen haben, in seinem Ganzen. Er ist typisch. Die Personen haben eine Vergangenheit, die bedeutungslos ist und keine Zukunft, die über die Überwindung der durch Missverständnisse bedingten Hindernisse, die zwischen ihnen und der Erfüllung ihrer Beziehungen stehen, hinausreicht. Alles ist vom Drehbuch arrangiert: Das sind keine echten Menschen und ihre Welt ist künstlich. Die Handlung läuft ab wie ein chemischer Versuch: Es werden die Elemente in einer günstigen Umgebung, dem Katalysator, zusammengeführt, sie müssen zwangsläufig reagieren, das heißt, sie verlieben sich. C‘ va. Wahlverwandschaften, die anderthalb Stunden Unterhaltung schaffen. Eine schöne Lüge... Im übrigen bin ich der Meinung, das meiste, was uns als Liebe vorgegaukelt wird, ist nur eine Laune der körperlichen Begierde. Die große Liebe auf den ersten Blick findet am Montag ihr Ende."
    "Mein Cato," Tina lächelte süffisant und mitleidig, dabei versteckte sie, wie sehr sie sich angegriffen fühlte und beleidigt war. Sebastian kannte diesen Gesichtsausdruck gut. Er erschien immer dann, wenn sie keine Argumente mehr hatte, aber unbeirrt der Auffassung war, sie habe recht oder die Geschichte würde ihr einmal Recht geben. Er hasste es, wenn er einen Beweis führte und sie anschließend seine Gedanken als etwas Lästiges beiseite schob. Bei einer Auseinandersetzung auf emotionaler Ebene zog er stets den kürzeren. Tinas Innenleben war reicher als das seine.
    "Was wahr ist, muss nicht unbedingt auch wirklich sein," sagte sie dunkel. Wahrscheinlich wusste sie selbst nicht, was sie damit meinte.
    Sebastian gab sich geschlagen. Tina flüchtete sich in solche Gemeinplätze, wenn ihr nichts mehr einfiel, sie jedoch entschlossen war, keinen Fußbreit Boden von ihrer Meinung abzuweichen. Es wäre dumm gewesen, zu versuchen, mit ihr weiter zu diskutieren. Von nun an würde sie ihr beleidigtes Lächeln beibehalten und immer trotziger werden, je mehr er reden würde. Es war Zeit, das Thema zu wechseln, doch er wusste nicht recht, wie.
    Während er überlegte, fiel ihm auf, dass Tinas Gesichtsausdruck sich veränderte. Ihr Lächeln wurde freundlich und anziehend. Sie sah interessiert an ihm vorbei in den Raum. Sebastian wand den Kopf. Links hinter ihm, an einem Nebentisch, saß ein attraktives Frann, das die Aufmerksamkeit seiner Freundin auf sich gezogen hatte. Es bemerkte, dass es von beiden beobachtet wurde und versteckte sich eilig hinter einem Glas Weißwein, an dem es nippte, über dessen Rand hinweg es allerdings mit großen Augen herüber sah. Sebastian wartete, bis es sein Glas mit einer anmutigen Geste zurückstellte und das Lächeln von Tina vorsichtig erwiderte, bevor es seinen Blick einer Illustrierten zuwandte. Es blätterte sehr abgelenkt in dem Blatt.
    Sebastian begann, es einzuschätzen und obwohl es hübsch und gut gekleidet war, kam er zu einem wenig schmeichelhaften Ergebnis. Trotzdem rückte er seinen Stuhl etwas herum, um das Frann zu studieren, denn er war nicht ganz zufrieden. Er wartete darauf, dass der Blick des Frannes kurz von der Zeitschrift nach oben rutschen würde, um ihn für einen scheuen Augenaufschlag zu mustern. Diesen Kontakt wollte er, dafür hatte er ein breites, überlegenes Grinsen bereit gelegt. Doch das Frann sah nicht auf. Das ärgerte Sebastian, auch weil er deshalb sein Urteil über es etwas zurechtrücken musste.
    Tina berührte ihn am Arm und lenkte ihn ab. Als er unwillig zu ihr sah, war er sicher: Jetzt begutachtete ihn das Frann. Wegen der verpassten Gelegenheit fragte er seine Freundin unwirsch, was sie wolle. Tina zuckte etwas zurück.
    "Entschuldige. Was willst du noch von ihm?" fragte sie. "Es ist doch nicht an uns interessiert."
    "Wenn du dich da nicht täuscht. Es gibt immer eine Chance," erwiderte er und konnte es sich nicht verkneifen, hinzuzufügen:
    "Auch wenn es keine Liebe auf den ersten Blick ist."
    Tina warf ihm einen Blick zu, der nur als symbolische Ohrfeige zu deuten war. Er übersah ihren Zorn.
    "Es ist nur ein bisschen schüchtern, würde ich sagen," fuhr er fort.
    "Es ist schön, findest du nicht?" sagte Tina so leise, als würde sie etwas Unanständiges sagen.
    "Ja, hübsch, aber doch ein wenig dumm. Ich könnte wetten, es schreibt Gedichte," erwiderte er überlegen und laut, damit er sicher sein konnte, auch am Nebentisch gehört zu werden.
    Sebastian hatte keine Ahnung, was für ein Teufel ihn ritt, warum er seine Freundin und das Frann vor den Kopf stoßen wollte. Tina hatte ihn vorhin nicht ernst genommen. Vielleicht lag es daran, denn das war etwas, was er nicht ertragen konnte. Er hielt sich für einen intelligenten Mann, dessen Meinung Gewicht hat und er wollte mit einer gewissen Ehrfurcht behandelt werden. Fast war er enttäuscht, denn Tina wurde nicht sofort wütend, sondern lachte.
    "Das ist ganz typisch Mann! Kaum fühlst du dich unbeobachtet und gibst nicht auf deine Worte acht, rutschen dir die ältesten Vorurteile heraus. Du lebst noch in der Höhle, wo ist dein Fell? Das Frann kriegt die Kinder, die Frau erzieht sie, sie sind die Dummen. Die tapferen Männer jedoch ziehen als freie Jäger durch die Welt, deren Geschicke sie zu lenken glauben... Gott wird schon gewusst haben, warum er die Erhaltung der Art nicht in die Hände der Männer gelegt hat, ihr seid doch nur zum Kriegführen gut!" redete sie sich langsam in Rage.
    "Verbrustere dich nicht mit den Frannen, das steht dir nicht gut zu Gesicht. Denn schließlich haben die Frauen ihre Emanzipation auf dem Rücken der Frannen ausgekämpft. Muss ich dich erinnern: Es waren Frauen und nicht Männer, die um die Jahrhundertwende gegen das Stimmrecht der Frannen waren. Unterbrich mich bitte nicht!" wehrte Sebastian Tina ab, die einhaken wollte.
    "Ich weiß, was du sagen willst: Es ist über hundert Jahre her und du kannst nichts dafür. Da hast du recht. Mir wirfst du allerdings vor, ich hätte Vorurteile gegen Frannen, wenn ich von einem behaupte, es sei ein wenig dumm," sagte er und sah mit sich zufrieden zurück zu dem Frann hinter ihm, das, obgleich es ihm schwerfiel, so tat, als würde es nicht zuhören.
    "Wenn ich etwas an dir hasse, dann, wenn du mir erzählst, was ich sagen will und mich nicht zu Wort kommen lässt. Du diskutierst im Grunde mit dir selbst und nimmst mich, weil ich eine Frau bin, nicht als vollgültigen Gesprächspartner." sagte Tina zornig und hatte damit einen wunden Punkt erwischt. Sie hatte recht. Aber das würde er ihr niemals eingestehen. Immerhin senkte er schuldbewusst die Augen.
    "Und ich bleibe dabei: Deine Einschätzung ist nicht durch Menschenkenntnis, sondern durch ein Vorurteil zustande gekommen," fuhr sie fort. "Ich schätze das Frann auf keinen Fall als dumm, sondern höchstens als unerfahren, jung und, was du mit Dummheit verwechselt hast, hochmütig ein."
    "Es kann sein, du hast recht und ich habe Vorurteile. Das Verteufelte an ihnen ist, sie sind immer auch ein wenig wahr. Du musst zugeben, Frannen sind durch die Tatsache im Nachteil, dass sie die Kinder austragen und darauf zu erzogen werden," erläuterte Sebastian.
    "Ja. Vom Mann kommt das Sperma, von der Frau das Ovum. Wir haben eindeutig den einfacheren Job. Und die in unserer Gesellschaft gültigen Geschlechterrollen schieben dem Frann den schwarzen Peter zu. Es ist die Gebär- und Säugemaschine, während der Mann sich seiner Karriere und die Frau den Schönen Künsten widmen kann..."
    "Und so kommen wir zur Moral: Die Frauen sind die wahren Nutznießer der Versorgungsgemeinschaft Ehe," unterbrach Sebastian seine Freundin. Erneut verfiel er seinem alten Fehler, Tina nicht ausreden zu lassen. Seine Beschämung von vorhin hatte er längst verdrängt.
    "Rede doch keinen Unsinn!" widersprach Tina heftig. "Außerdem lasse ich Dein Argument nicht gelten. Heute gibt es einfache Verhütungsmethoden, es steht jedem Frann frei, ob und wann es schwanger werden will. Das Kind steht nicht mehr zwischen ihm und seiner Selbstentfaltung. Das Frann kann inzwischen jeden Beruf, sofern es ihm körperlich oder geistig gewachsen ist, ergreifen und niemand ist mehr gegen ein Frann, das in der Arbeit seinen Mann oder seine Frau steht. Es ist praktisch gleichberechtigt und hat inzwischen auch auf der politischen Bühne eine Lobby. Das Staatsoberhaupt von Pakistan war bis vor kurzem ein Frann," dozierte sie und sah ebenfalls zum Nebentisch. Auch ihr war jetzt bewusst, sie und Sebastian führten ihr Gespräch nur für das Frann dort, ihm wollten sie beweisen, wie intelligent sie sich zu unterhalten verstanden. Beide starrten gleichzeitig zu dem konzentriert in seiner Zeitschrift lesenden Objekt ihrer Begierden. Eine abwartende Pause entstand. Endlich sah es auf, aber nur zur Seite, es winkte den Kellner heran, zahlte eilig und ging, ohne die beiden eines Blickes zu würdigen. Das Weinglas, das der Kellner mit leichtem Kopfschütteln abräumte, war noch fast voll.
    Sebastian und Tina beobachteten stumm den Abgang, dann lachten sie gleichzeitig. Sebastian sagte:
    "Es hat uns keine Chance gegeben."
    "Du hattest recht, es ist wirklich dumm," erwiderte Tina.


    ------------------
    hks
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
    Registriert seit
    27.April 2001
    Ort
    Diedorf
    Beiträge
    550
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    Nein, ich war in der letzten Zeit nicht faul. Ich wollte nur einmal ein wenig Pause machen.
    Dies ist die erste Geschichte von insgesamt vieren, mir spuken aber noch zwei, drei weitere im Kopf herum.
    Wollt ihr noch mehr hören?

    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    13.May 2000
    Ort
    Köln
    Beiträge
    671
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    JA!
    Aber mit ein wenig Pause dazwischen, sonst rutschen sie durch, bevor mal etwas dazu gemeint hat

  4. #4
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    Savigny? Die erste Entdeckung des Buddhismus, noch vor Schopenhauer. Gemeint ist die romantische Umfassung des Alleinen.

    Ich stell das meinem Lesen vornan, bevor ich zuschau, was Du draus machst.

  5. #5
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
    Registriert seit
    27.April 2001
    Ort
    Diedorf
    Beiträge
    550
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    Lieber Robert, liebe Kyra,

    das waren ja schnelle Antworten.

    @robertus: Es tut mir leid, schraube deine Erwartungshaltung nicht zu hoch: Karl Savingy habe ich erfunden, auch der ihm zugeschriebene Text ist von mir. Falls es den tatsächlich geben sollte, wäre es ein Beweis für die Existenz memokinetischer Felder. Der Savigny, den du wahscheinlich meinst und nach dem ein Platz in Berlin benannt ist, der Rechtstheoretiker, hieß Friedrich Carl von.
    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  6. #6
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    Ich hatte mich auch darüber gewundert, daß ausgerechnet der knochentrockne Savigny mit indischer Fata anbändelte. (Daran kannst Du meine Leichtgläubigkeit erkennen. Ich trau' den meisten mehr zu, als sie's eigentlich vermögen.)

    Deine Geschichte ist hübsch, hat einen guten Aufbau (anfangs zumindest) und glaubhafte Charaktere. Du setzt sie auch in einen Kontext, in dem sich's gut klausulieren läßt. In der Sprache - bravo! - kömmst Du voran. Bienchen.

    P.S. Verlang jetzt keine Details. Die würd' ich Dir nur widerwillig geben, würde aber.

  7. #7
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    6.June 2000
    Ort
    Stuttgart
    Beiträge
    531
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    Donna Haraway ist in der Gender-Diskussion eine wichtige Autorin. Feminismus im Streit mit den Technowissenschaften. Das Buch, das ich meine, heißt "Die Neuerfindung der Natur"
    Mit erscheint dein Text unter diesem Gesichtspunkt betrachtet sehr interessant.

  8. #8
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
    Registriert seit
    27.April 2001
    Ort
    Diedorf
    Beiträge
    550
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    äh...??? Gender-Diskussion? Hier versagt mein Brockhaus. Feminismus und "Technowissenschaft", was immer das sein mag, gibt es da einen Konflikt? Neuerfindung der Natur? Wird die Natur "neu" erfunden oder erfindet die Natur neu? Mein Text aus diesem Gesichtspunkt? Bahnhof.

    Kannst du das auch so erklären, dass ein doofer Mann wie ich etwas damit anzufangen weiß?

    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  9. #9
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    5.October 2000
    Ort
    Bad Füssing
    Beiträge
    953
    Renommee-Modifikator
    21

    AW: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    Es gibt sie, die Franns. In Kuala Lumpur wäre ich beinahe einer überirdisch schönen Frann zum willigen Opfer gefallen. Ich male mir noch heute aus, was in der Stunde der Wahrheit...
    Du kömmst in der Sprache voran, schreibt Robert. Und das trotz des dass, das so häufig, dass das dass geradezu...
    Schöne Geschichte. Worum ging es?

  10. #10
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
    Registriert seit
    27.April 2001
    Ort
    Diedorf
    Beiträge
    550
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    Lieber Robert, lieber Hannemann,

    ich freue mich, daß euch diese Geschichte (seltsamerweise) gefällt.
    Robert, du brauchst sie nicht verbessern, denn du bist ja mit Tradition ausreichend beschäftigt und sie ist nur der erste Teil von mindestens fünf Geschichten.
    Und weil es fünf Geschichten sind, mein lieber Hannemann, habe ich natürlich in der ersten noch nicht mein ganzes Pulver verschossen. Die Fragezeichen über deinem Kopf nach dem Lesen waren durchaus beabsichtigt. Zu den "dass": Es sind in diesem Text ein paar drin, aber manchmal, da wird mir auch Robert zustimmen, muss das "dass" eben sein, weil es die einzige Konjunktion ist, die in den Satz passt.
    z.B.:
    "Während er überlegte, fiel ihm auf, dass Tinas Gesichtsausdruck sich veränderte."
    Wie soll ich das unter Verzicht auf das "dass" holperfrei umformulieren?
    "Tinas Gesichtsausdruck veränderte sich. Während er überlegte, fiel ihm das auf." - schlecht, außerdem ist die Reihenfolge falsch.
    "Er überlegte. Dabei fiel ihm Tinas Gesichtsausdruck auf, der sich veränderte." - zu umständlich.
    Sonst noch Möglichkeiten? Da bleibe ich lieber beim "dass", das mir hier am elegantesten erscheint.

    Ja, Frannen gibt es. Verbrustere dich nicht mit ihnen.

    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  11. #11
    kls
    Status: ungeklärt

    AW: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    Ich habe das Wort Frann an dieser Stelle zum ersten Mal in meinem Leben gehörtgelesen. Das Wort gefaellt mir.

    Allgemein: Der Mensch redet anders, als von und Dichtern notiert. Ich habe allerdings bislang auch keine andere Möglichkeit gefunden das gesprochenen Wort schriftlich zu fixieren, denn in einem faulen Kompromiss zwischen Schreib- und Sprechdeutsch. Mach Dir mal die Mühe ein X-beliebiges Gespraech auf Tonband aufzunehmen. Niemand redet so, wie wir es hinschreiben.

    Die Charaktere sind überzeichnet, aber gut dargestellt. Wo bleiben allerdings die Selbstzweifel, welche uns staendig plagen?

  12. #12
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
    Registriert seit
    27.April 2001
    Ort
    Diedorf
    Beiträge
    550
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    Lieber kls,

    das habe ich in meiner Brunnengeschichte gemacht. Mir wurde vorgeworfen, niemand würde so sprechen.
    Also muss ein Kompromiss gefunden werden. Aber du hast natürlich recht, so spricht keiner. Das ist auch nicht beabsichtigt. Die Figuren stehen für Lebensansichten und Ideen.
    Auf das Wort Frann, das ich mir am Besten registrieren lasse, bin ich stolz. Auch auf Bruster und ähnliche, die in den anderen Geschichten auftauchen.

    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  13. #13
    kls
    Status: ungeklärt

    AW: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    Klammer: Also muss ein Kompromiss gefunden werden.

    Ja, es ist schon ein Kreuz. Selbst die Bauern in Anatolien sind offensichtlich in der Lage einen komplizierten Zusammenhang transparent und ohne "Aeh, äh, hmm, Du verstehst, etc." von sich zu geben.

    Es beisst sich mit meinem Anspruch "Die Wahrheit beim Namen zu nennen." Aber es geht wohl wirklich nicht anders. Selbst Buk hat an dieser Stelle schöngefaerbt.

    Es sind ja keine echten Menschen, es sind Vorstellungen und man muss manchmal lügen, um der Wahrheit willen. Aber aergern tut es mich schon, dass meinen Dialogen etwas Unwirkliches anhaftet.

    Lass Dir "Frann" als Gebrauchsmuster schützen und ich würde der Erste sein, der einen Geschichte mit 2.000 x "Frann" schreibt.


  14. #14
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
    Registriert seit
    27.April 2001
    Ort
    Diedorf
    Beiträge
    550
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    Lieber kls,

    mir fällt auch kein Autor ein, dem es gelingt, die Alltagssprache gelungen in sein Werk einzubinden, nicht einmal die Bühnenautoren.
    Gesprochene Sprache ist ein grauenvolles Kauderwelsch, das aufgeschrieben absolut unverständlich ist. (bei Dialekten ist es noch schlimmer).
    Ich erinnere mich, einmal einen Mitschnitt aus einer Uni-Vorlesung, also von einem Menschen, der sich zu formulieren weiß, gelesen zu haben. Es war ohne die begleitende Gestik und Mimik unverstehbar.
    Zudem entfernt sich die gesprochene Sprache immer weiter von der eigentlich statischen und künstlichen Schriftsprache, die tatsächlich niemand spricht und wahrscheinlich nie jemand gesprochen hat. Sie ist aber so ähnlich wie die chinesische Schriftsprache ein Mittler zwischen den Sprachbarrieren, die durch die Dialekte aufgebaut werden.
    Ich kann z. B. niemandem zuhören, der s?chselt, das schmerzt in meinen Ohren. Ihm mag es umgekehrt mit meinem schwäbisch-bayerisch ähnlich ergehen. Reden könnten wir kaum miteinander, aber schreiben können wir uns.

    Die Dialoge in meinem Text, da gebe ich dir aber recht, sind etwas steif. Ihnen fehlt ein wenig Leichtigkeit.
    Aber das trifft wohl auch auf mich zu.

    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  15. #15
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    16.May 2000
    Ort
    Hamburg
    Beiträge
    174
    Renommee-Modifikator
    20

    AW: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    hallo klammer

    mir gefällt das frann auch. ganz klar ist mir allerdings nicht, was frann und menschen verbindet.
    franns kriegen kinder für die menschen, damit die nach lust, laune und vorliebe 'gleichberechtigt' ehe und gesellschaftl. leben genießen können???
    frauen erziehen die kids?
    das frann hingegen muss sich wegen dieser 'arterhaltungsaufgabe' erst noch emanzipieren?
    und wie und warum wird das frann ein mensch?
    *wirrwirrwirr* eulalie denkt laut.

    zitat von dir:
    (...) so spricht keiner. Das ist auch nicht beabsichtigt. Die Figuren stehen für Lebensansichten und Ideen.

    dann sollten sie schweigen. die dialoge sind grottenschlecht. sie hauen mich aus dem text, ich lese zunehmend unaufmerksam und lustlos. sollte dir nicht egal sein, klammer. nein, sollte es nicht.

    abgesehen davon - die -liebe-auf-den-ersten- blick-ansichten&ideen und katalysator (chem. reaktion in - nä, so springt der funke nicht rüber.

    ach ja, und anders als bei tradition, hier bin ich mir sicher, was die adjektive betrifft. ich bevorzuge:
    sagte er, sagte sie und Punkt.
    das -wie- sollte sich aus dem dialog oder dem tun der personen dem leser erschließen.
    klingt es wenigstens unbeholfen:
    sagte sie aufgebracht.
    sagte er dunkel.
    ...

    kat fehlt.

    ist meiner meinung nach fachlich falsch:

    Es werden die Elemente in einer günstigen Umgebung, dem Katalysator, zusammengeführt, sie müssen zwangsläufig reagieren, das heißt, sie verlieben sich.

    ein kat. beschleunigt die reaktion. wenn a&b nicht für einander bestimmt sind, kann der kat auch nicht helfen

  16. #16
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
    Registriert seit
    27.April 2001
    Ort
    Diedorf
    Beiträge
    550
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    Also gut, ich gebe mich geschlagen.
    Da es offensichtlich soo schwer ist:

    Dies ist eine was-wäre-wenn-Geschichte.
    Was wäre, wenn es nicht nur zwei, sondern drei Geschlechter auf unserer Welt gäbe:

    Frau, Mann, Frann
    Sie, er, es
    Schwester, Bruder, Bruster

    Um es kurz zu machen: Es wäre alles viel, viel schwerer und alle Autos hätten vorne drei Sitze. Und ein Geschlecht hätte den schwarzen Peter.
    So einfach ist das.

    Meine Dialoge halte natürlich nicht für schlecht. Sie haben aus den Charakteren heraus Zwangsläufigkeit.
    Zu den Adjektiven: Die Sprache hat sie nunmal erfunden, um Dinge näher zu erläutern, warum sollte ich auf sie verzichten? Ich versage mir dadurch nur die Gelegenheit, Stimmung zu erzeugen.
    Übrigens: "sagte sie." ist schlecht. Bevor ich das benutze, lasse ich es lieber weg, denn dass etwas gesagt wird, ist selbstverständlich durch die Gänsefüßchen dargelegt und muss nicht noch durch ein "sagte" bekräftigt werden. "sagte sie nachdenklich." drückt die Art der Aussage aus, die Stimmung, in der gesprochen wird. Nur dann macht ein "sagte" Sinn.

    Das mit dem Katalysator ist eine Anspielung auf Goethes Wahlverwandschaften, in dem die Verbindungen a-b und c-d durch die Umgebung reagieren, aufbrechen und wir zu a-d und b-c gelangen. Das hat aber mit der Realität eben nichts zu tun. Das geht nur in einem Buch, denn in Wirklichkeit gibt es solche Menschen wie bei Goethe nicht oder nicht mehr.
    Im übrigen widerspricht mein Text deiner Erläuterung (danke!) nicht, denn die beiden Elemente Mann und Frau reagieren auch ohne Katalysator, aber die perfekte Umgebung beschleunigt den Effekt.

    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  17. #17
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    16.May 2000
    Ort
    Hamburg
    Beiträge
    174
    Renommee-Modifikator
    20

    AW: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    hallo klammer

    ich lese zwischen den zeilen und du sagst mir: nerv mich nicht!

    sorry *rechthaberischbin*

    du schreibst:
    Meine Dialoge halte nat?rlich nicht f?r schlecht.

    dein gutes recht. wahr ist es deswegen nicht, klammer.

    adjektive können stimmung erzeugen, können aber auch das gegenteil bewirken.
    ich mag es als leserin z. b. nicht, wenn mir vorschriften gemacht werden. adjektive sind der einfache weg oder ein mangel an sprachlichen möglichkeiten.

    sorry klammer, das ist ja nun quatsch, sagte eulalie. selbstverständlich ist sagte er/sie/es, ... notwendig, um eventuelle verwirrung beim leser zu vermeiden.
    'nachdenklich' - handlung/gestik/... beschreiben, dann klappts auch mit der stimmung.

    a*b + a*c = a(b+c)
    demnach scheint goethe ein begnadeter mathematiker gewesen zu sein?

    du und ich bei kerzenschein goethe lesend würden uns verlieben? hab ich dich richtig verstanden?

    lg
    e.

  18. #18
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    19.April 2000
    Ort
    Waldsachsen
    Beiträge
    239
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    Lieber Klammer,

    ich habe Deine Geschichte mit Interesse gelesen, muß aber gestehen, daß sie mir etwas steif/leblos erscheint.
    Es scheint mir eine jener Geschichten zu sein, die von A bis Z vorbedacht zu Papier gebracht worden sind.
    Die Protagonisten leben nicht, sie sind Marionetten des Autors, die uns seine Botschaften/Ideen kundtun. Die Dialoge sind hölzern und besitzen den Charme eines 12-bändigen Lexikons.
    Die Idee mit dem Frann ist ganz nett, aber so etwas funktioniert nur, wenn das Wesen als Subjekt in die Geschichte eingebracht wird. Hier beschränkt sich seine Rolle darauf, vorhanden zu sein, damit man über
    es sprechen kann.
    Nein, tut mir leid, I'm not pleased.

    Gruß
    K.

  19. #19
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
    Registriert seit
    27.April 2001
    Ort
    Diedorf
    Beiträge
    550
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    Liebe Eulalie,

    wenn du gerne im Kaffeesatz meiner Antworten liest, habe ich nichts dagegen. Wenn du mir allerdings unterstellst, mir sei deiner Kritik lästig, muss ich doch an deinen hellseherischen Fähigkeiten zweifeln. Ich habe diese Geschichte nicht hier "veröffentlicht", weil ich gelobt werden will. Im Gegenteil, ich bin erfreut, dass es mir zum ersten Mal seit Längerem gelungen ist, hier einen Text zu setzen, der die Meinungen spaltet.
    Aus deiner Sicht hast du mit den langen Dialogen natürlich recht und ich nehme auch Ernst, wenn sie dir die Geschichte vergällen, denn schließlich will ich ja gelesen werden. Dies ist auch noch keine endgültige Version, sondern ein Entwurf.
    Die "Wahrheit" ist deine subjektive Meinung allerdings nicht. Auf sie hast du kein Anrecht. Das erinnert mich an die Zeugin Jehovas, die mir gestern die Wahrheit über GOtt näherbringen wollte.
    Nein, Goethe war kein Mathematiker. Um ihn auch einmal mit einer in diesem Zusammenhang interessanten Aussage zu zitieren:
    "Ich ehre die Mathematik als die erhabenste und nützlichste Wissenschaft, solange man sie da anwendet, wo sie am Platze ist; allein ich kann nicht loben, daß man sie bei Dingen mißbrauchen will, die gar nicht in ihrem Bereich liegen und wo die edle Wissenschaft sogleich als Unsinn erscheint. Und als ob alles nur dann existierte, wenn es sich mathematisch beweisen läßt. Es wäre doch töricht, wenn jemand nicht an die Liebe seines Mädchens glauben wollte, weil sie ihm solche nicht mathematisch beweisen kann!"
    Bei den Wahlverwandschaften arbeitet Goethe aber nach einem Plan. Seine beiden Paare bricht er allein durch die ideale Gartenlandschaft, in der der Roman spielt auf und schafft neue Paarungen, eben "Wahlverwandschaften." Das wirft ein interessantes Licht auf seine Vorstellung von Liebe und muss zudem, um trotz aller Modernität den Konventionen seiner Zeit zu dienen, tragisch enden.
    Ich stimme ihm insofern zu, als ich tatsächlich glaube, dass wir uns eher ineinander verlieben würden, wenn wir bei Kerzenschein dinieren, als wenn wir uns morgens auf dem Weg zur Arbeit in einem engen, stinkenden Bus begegnen. Allerdings scheitern solche "chemischen" Experimente oft genug: Es könnte sein, dass wir uns nach unserem Abendessen hassen. Allso wollen wir es besser lassen und uns mit einem "Es könnte sein." begnügen.

    Lieber K.,

    die Geschichte gefällt dir also nicht. Damit muss ich leben. Gib dem Text trotzdem noch eine Chance, denn er ist ja der vielleicht verunglückte Einstieg in eine Reihe von Geschichten, in denen die Männer, Frauen und Frannen nicht nur reden, sondern auch handeln. (Ich werde allerdings Kyras Ratschlag beherzigen und noch etwas warten, bis ich diese Geschichte fortsetze.)
    Selbstverständlich ist der Text durchkomponiert. Als ich den ersten Satz schrieb, wusste ich schon den letzten. Das mache ich immer so und ich weiß nicht, was daran schlecht sein soll. Dieser Einstieg dient dazu, zwei der Hauptcharaktere vorzustellen und sie als das zu zeigen, was Mann und Frau Anfang Zwanzig in der Regel nun einmal sind: Ein arroganter, selbstgerechter Haufen.
    Kennst du das nicht? Du sitzt mit einem engen Freund in einem Cafe, hast vielleicht vorher einen Film gesehen und versuchst nun Gott und die Welt zu erklären, mit deiner Sprachfälle den anderen zu überzeugen und zu beeindrucken. Ist das psychologisch unglaubwürdig, gekünstelt und überkonstruiert? Dann bin ich wohl eine Ausnahme, denn ich habe oft solche Begegnungen. Heute Abend treffe ich mich z. B. mit "Hagen" im Abraxas. Wir werden Schach spielen und genau solch ein Gespräch führen. Soll ich es dir aufnehmen?

    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  20. #20
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    13.May 2000
    Ort
    Köln
    Beiträge
    671
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    Hallo Klammer

    hier einige Anmerkungen von mir:

    Das ist sicher der Grund, aus dem es außer gerade bei den Mystikerinnen keine weiblichen Philosophen gibt, dachte er, behielt seine Meinung aber für sich.

    Das ist erschreckend richtig. Natürlich hat er die Bouvouir und andere kluge Frauen gegeben, aber es sind nicht viele. Manchmal denke ich, Frauen denken nicht gerne in die Tiefe, sondern eher flächendeckend. Ich habe damit keine Probleme, da ich mich ja als schwuler Mann sehe. Frauen sind wunderbar, aber etwas entscheidendes geht ihnen ab. Darum werde ich im nächsten Leben ein Mann!

    Er mochte Lokale, die unübersichtlich, dunkel und kitschig waren.


    netter Gegensatz zu seiner Gedankenwelt.

    Im Umgang mit seiner Freundin versteckte er sich oft hinter Masken, denn sie glaubte an den Adel des Menschen.

    dieser Satz ist zu plakativ (nicht der Inhalt)

    Er entschied sich, das Pferd von der anderen Seite aufzuzäumen.


    schiefes Bild, von der anderen Seite wird das Pferd nur falsch aufgezäumt.

    Die Personen haben eine Vergangenheit, die bedeutungslos ist und keine Zukunft, die über die Überwindung der durch Missverständnisse bedingten Hindernisse, die zwischen ihnen und der Erfüllung ihrer Beziehungen stehen, hinausreicht.

    das würde ich 2 Sätze draus machen.

    Es werden die Elemente in einer günstigen Umgebung, dem Katalysator, zusammengeführt, sie müssen zwangsläufig reagieren, das heißt, sie verlieben sich.

    so einfach ist nicht mal Hollywood, die Bedingungen können auch sehr ungünstig sein. Dann passiert eben das unwahrscheinliche. Aber die Personen werden miteinander verklebt.


    Bei einer Auseinandersetzung auf emotionaler Ebene zog er stets den kürzeren. Tinas Innenleben war reicher als das seine.


    aber auch nur weil er es so interpretiert. Sprachlosigkeit sehen Männer gerne als Gefühlstiefe.

    Links hinter ihm, an einem Nebentisch, saß ein attraktives Frann, das die Aufmerksamkeit seiner Freundin auf sich gezogen hatte.

    Hier ist das Wort "Freundin" so komisch.

    Das ärgerte Sebastian, auch weil er deshalb sein Urteil über es etwas zurechtrücken musste.


    über "es" ist nicht gut.

    Er hielt sich für einen intelligenten Mann, dessen Meinung Gewicht hat und er wollte mit einer gewissen Ehrfurcht behandelt werden.

    ich würde statt Ehrfurcht Respekt sagen.

    Es ist die Gebär- und Säugemaschine, während der Mann sich seiner Karriere und die Frau den Schönen Künsten widmen kann..."


    habe ich was falsch verstanden, ich dachte die Frauen ziehen dann die Kinder groß? das macht doch die Hauptarbeit.

    Mich stören die Dialoge nicht. Wie will man sonst komplexe Inhalte in dialogform darstellen?
    An Liebe auf den ersten Blick glaube ich auch nicht. Aber an Begehren auf den ersten Blick. Diesen Aspekt könnte man noch eifügen.

    Die Idee mit den 3 Geschlechtern ist schön. Das hat sich ein alter Freund von mir immer gewünscht, er wollte dann aber direkt 6 oder sieben.

    Kyra

  21. #21
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
    Registriert seit
    27.April 2001
    Ort
    Diedorf
    Beiträge
    550
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    Das hätte ich beinahe übersehen:

    1. Danke, Kyra, für deine Anmerkungen. Sie sind sehr hilfreich und du hast meist recht.

    Dass es keine weiblichen Philosophen gibt, ist nicht meine Aauffassung, sondern die von Sebastian. Von dieser chauvinistischen Meinung distanziere ich mich hiermit in aller Deutlichkeit! Erst im 20. Jahrhundert hatten Frauen überhaupt die Gelegenheit, ernsthaft geisteswissenschaftlich tätig zu sein, in den Jahrhunderten davor waren sie das unterdrückte Geschlecht, dem der Zugang zur Universität verschlossen war.
    Es gibt heute viele und auch bedeutende Geisteswissenschaftlerinnen. Allerdings ist heute die Zeit der großen, umfassenden Philosophie-Entwürfe vorbei, weil ein Mensch in seinem Denken nicht mehr alle Erkenntnisse vereinen kann, wie das noch im 18. oder 19. Jahrhundert möglich war. Deshalb beschränkt sich die Philosophie heute auf die wissenschaftliche Methodenlehre und vielleicht noch auf die Moral. Die großen Figuren gibt es nicht mehr. (Die Beauvoir war übrigens keine bedeutende Philosophin, sie käute nur wieder, was ihr Sartre vorausdachte. Als Autor oder als Soziologin ("Das Alter") taugt sie allerdings, als Autor mehr als Sartre.)
    Dass Frauen allerdings anders denken als Männer glaube ich in der Tat.

    2. Liebe Eulalie,
    ich bin mindestens so stur wie du. Die Dialoge bleiben so und die "Wahlverwandschaften" sind ein Buch über Menschen, die so nicht existieren.
    Und da ich schon lange keine Zwanzig mehr bin, kann ich sehr wohl über dieses Alter der sozialen Pubertät urteilen. Feste Meinungen werden oft mit Vorurteilen verwechselt.

    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  22. #22
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
    Registriert seit
    27.April 2001
    Ort
    Diedorf
    Beiträge
    550
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    2. Geschichte

    "Wie allgemein bekannt, wurde die Anglikanische Kirche von Heinrich VIII. gegründet, der auf diese Weise nach der päpstlichen Verweigerung die einzige Möglichkeit ergriff, sich von Katharina von Aragonien scheiden zu lassen und Anna Boleyn mit dem Segen einer Kirche, nämlich der eigenen, zu ehelichen. Gleichzeitig festigte er mit diesem Schritt seine Macht, da er durch den Suprematseid einen Grund schuf, den langweiligen, prinzipienreitenden Stoiker Lordkanzler Moore aus dem Weg zu räumen. Anna Boleyn, die bald dasselbe Schicksal wie Thomas Morus ereilen sollte, blieb nicht die letzte Frau des Königs.
    Wenig bekannt ist hingegen, das Heinrich VIII. in seinem Bestreben, einen männlichen Thronfolger zu zeugen, nicht nur sechs Frauen ehelichte, sondern mindestens auch sieben Frannen, die, rechtlos, wie sie in jenen düsteren Zeiten waren, nicht in den Annalen Erwähnung fanden. Dennoch gilt es als erwiesen, dass das blutjunge Frann Hetha Muller das Austrag der späteren Königin Elisabeth I. war. Muller ist das Verfasser der berühmten ersten literarischen Selbstdarstellung eines Frann, De Profundis[...] Wir begegnen ihm in Shakespeares Drama Die lustigen Frannen von Windsor in der Person des Anna Page wieder. Auch deshalb hat sich sicher zu Unrecht das Gerücht erhalten, einige der heute Shakespeare zugewiesenen Dramen stammten in Wirklichkeit aus der Feder von Hetha Muller."
    Elias Bellow,"Familie im Wandel,Ein Sittenbild", S.432 f.


    Montag Morgen

    Der Radiowecker setzte sich mit einem metallischen Geräusch in Gang. Eine quäkende Stimme sang:

    "You, you, and me,
    we three are one,
    from here to eternity."

    Sie versuchte geraume Zeit, die Schläferin zu wecken, die sich, verzweifelt die Decke über den Kopf gezogen, gegen diese Zumutung wehrte. Was Rod Stewart nicht gelang, schaffte die anschließende Rundfunkwerbung: Halb schlafwandelnd tappte Tina ins Bad.
    Ihr Vater war vor zehn Jahren durch einen Autounfall ums Leben gekommen und sie bewohnte das geräumige Elternhaus nur mit der Mutter und ihrem Frater. Seit längerer Zeit spielte sie mit dem Gedanken, wie ihr älteres Bruster Heika von Zuhause fortzuziehen, sich vielleicht mit Sebastian gemeinsam eine Stadtwohnung zu suchen. Sie verdiente dazu genug Geld und fand, sie bald schon über das Alter hinaus, in dem eine Tochter flügge wird. Die Vorstellung, noch weitere Jahre mit den beiden übriggebliebenen Elternteilen zu leben, erschreckte sie wegen den täglichen Spannungen und Streitigkeiten.
    Die Mutter, als Schwester im nahen Kreiskrankenhaus tätig, fühlte sich stets überarbeitet und, durch die Wechseljahre bedingt, unverstanden. Gewohnheitsmäßig schlechtgelaunt, ließ sie ihre Wut an ihrem Frann aus, das die Spannungen wiederum an Tina ableitete. Beinahe unerträglich wurde die Situation zwischen den Eltern durch die häufig wechselnden Männerbekanntschaften der Mutter, die durchweg vom Frater abgelehnt wurden, das sich zu alt für Abenteuer fühlte und sich zu sexuellen Begegnungen gezwungen sah, die es ablehnte. Die beiden empfanden keine Zuneigung mehr füreinander, klammerten sich trotzdem an ihre Ehe, weil sie sich ein Leben ohne den anderen nicht vorstellen konnten.
    Trotzdem konnte sich Tina nicht entscheiden, das Elternhaus zu verlassen. Das lag in der Hauptsache an ihrer Bequemlichkeit. Es war einfach und billig, in dem geräumigen Reihenhaus wohnen zu bleiben, hier wurde ihre Wäsche gewaschen und tägliche Mahlzeiten angerichtet. Zudem bekam sie die streitsüchtige Mutter nur selten zu Gesicht und das Frater betrachtete sie, war sie ehrlich mit sich, als eine Art von besserem Personal, das für sie sorgte. Dafür nahm sie auch gelegentliche Streitereien in Kauf.
    Heute war ihr Fraterjedoch gut gelaunt, als sie gemeinsam frühstückten. Seine Frau hatte Frühschicht und das Haus längst verlassen. Wenn auch Tina zur Arbeit gegangen war, stand ihm ein ruhiger Vormittag bevor. Obwohl das Frater erst Mitte vierzig war, wirkte es wesentlich älter, aufgeschwemmt und abgearbeitet. Während die Mutter im Wesentlichen sie selbst und der tote Vater immer jung bleiben würde, konnte sich Tina beim besten Willen nicht vorstellen, dass unter dieser verhärmten Larve das schöne Frann verborgen lag, das sie aus alten Fotos kannte. Es bedrückte sie, wie sehr sich ein Mensch innerhalb von zwanzig Jahren verändern konnte. Lag es an den zwei Kindern, die es ausgetragen hatte, an dem Verlust des geliebten Mannes, an der täglichen, stumpfsinnigen Hausarbeit oder daran, wie unzufrieden es mit dem war, was es aus seinem Leben gemacht hatte? Tina wusste keine Antwort. Es war ihr auch nicht angenehm, über solche Dinge nachzudenken.
    Sie war froh, als sie in ihr Auto steigen und sich durch die Fahrt zur Arbeit auf andere Gedanken bringen konnte. In der Vorstadt nahm Tina wie jeden Morgen ihre Kollegin Petra auf, mit der sie oberflächlich befreundet war. Sie nahm auf dem inneren der beiden Beifahrersitze Platz.
    "Bist du aufgeregt?" fragte sie nach der Begrüßung und klopfte Tina kameradschaftlich auf die Schulter. "Es wird schon klappen."
    Einen Moment wunderte sich Tina, dann fiel ihr siedendheiß ein, was sie schon den ganzen Morgen erfolgreich verdrängt hatte. Für heute stand die Entscheidung ihrer Vorgesetzten an, wem die Leitung des neuzuschaffenden Ressorts PC-Service und Koordination übertragen würde. Sie wusste von neben ihr drei weiteren aussichtsreichen innerbetrieblichen Kandidaten und, wie sie erfahren hatte, lagen auch zwei Bewerbungen von außerhalb vor. Tina rechnete sich gute Chancen aus, denn ihre fachliche Eignung stand ohne Zweifel. Sie hatte in den letzten Jahren die Mitarbeiterschulungen übernommen und war ein geachteter und erfahrener Ansprechpartner. Sorge machte ihr allein ihr Alter. Eine konservative Firma wie die ihre zögerte, einer jungen Kraft eine Ressortleitung zu übertragen. Aber es gab Gegenbeispiele. Hajo Gärtner von der Fertigungssteuerung war jünger als sie.
    Deshalb war sie nervös, hatte am Abend Schlaftabletten genommen und litt durch das leichtsinnig gegessene Frühstück unter Magenbeschwerden. Sie war fahrig und abgespannt, fuhr aggressiv und schnell; sie bemerkte es erst, als sie die Kollegin darauf aufmerksam machte.
    Tina fühlte sich ertappt. Trotzdem lächelte sie überlegen, zumindest hoffte sie, es sähe so aus. Sie wollte sich keine Blöße geben, da Petra keine intime Freundin war und sie ihrer Verschwiegenheit nicht traute. Tina sah die Firma, in der sie arbeitete, als eine Art Schlachtfeld und die Belegschaft als ein Heer von offenen und versteckten Gegnern an. Aus diesem Grund legte sie jedes Wort und jede Regung auf die Waage. Es ärgerte sie, dass ihre Bewerbung für den Ressortleiterposten durch eine, wie sie vermutete, gezielte Indiskretion ihres Vorgesetzten in der Firma durchgesickert war und sie immer wieder freundschaftlich oder gönnerhaft darauf angesprochen wurde.

    Das Zimmer, das sie mit einem Kollegen, der stets spät kam, teilte, roch muffig und eigen. Sie vergaß übers Wochenende immer den unangenehmen Geruch und brauchte jeden Montag einige Zeit, um sich an ihn zu gewöhnen. Es lag Arbeit auf dem Schreibtisch, aber sie nutzte diese erste Ruhe, setzte sich, schaltete den Computer an und sah ihm beim booten zu. Jetzt spürte sie vornehmlich in den Beinen und im Rücken ihre Anspannung als ein fast schmerzendes Stechen. Das flaue Gefühl in Bauch verstärkte sich. Vielleicht bekam sie ihre Tage.
    Eines der Sekretäre kam mit einem einen Tic zu freundlichen Gruß herein, stellte Tina eine dampfende Tasse Kaffee auf den Tisch und machte ein paar der üblichen Montag-Morgen-Bemerkungen. Tina antwortete entgegen ihrer Gewohnheit abgelenkt und unlustig. Sie stieß das Frann damit vor den Kopf und bedauerte es kurz, weil ihr das Sekretär gefiel und sie gern mit ihm flirtete. Doch zu unverbindlicher Koversation war sie heute nicht fähig.
    Als sie wieder allein war, schob sie angewidert den Kaffee beiseite. Mit ein paar Mausklicken stieg sie in die Datenbank-Software ein, in der sie im Moment eine Anwendung entwickelte und blätterte die Programmlisten auf. Damit wollte sie sich, den Anschein geben, sie würde arbeiten. Sie sah auf den Bildschirm, ohne ihn bewusst wahrzunehmen, dachte an nichts und ließ die Zeit verstreichen. Sie wartete. Nach einer Weile trank sie doch den erkalteten Kaffee. Sie bereute es sofort, denn sie bekam fast augenblicklich Unterleibsschmerzen, die ihr allerdings Grund gaben, die Toilette aufzusuchen und dort in kühler Abgeschiedenheit einige Zeit zu verbringen.
    Als sie in das Zimmer zurückkehrte, saß ihr Kollege am anderen Schreibtisch und grüßte sie abgelenkt über sein Terminal hinweg. Die beiden hatten nichts miteinander zu schaffen und arbeiteten in unterschiedlichen Bereichen, nur die Raumnot in der aus den Nähten platzenden EDV hatte sie zusammengeführt.
    Tina setzte sich wieder vor den PC, hinter dem sie sich gut verbergen konnte. Sie ging lustlos mit dem Cursor in dem in der letzten Woche erstellten Programmrumpf spazieren, befand dann nebenzu ein paar der Layoutbefehle für verbesserungswürdig. Keinen Augenblick ließ sie das Telephon aus den Augen, das allerdings wie zum Trotz stumm blieb.
    Als es plötzlich doch läutete, war sie so erschrocken, dass sie unfähig war, den Hörer aufzunehmen. Ihr Kollege hob ab, lauschte, gab knappe, dann zornige Antworten. Das Gespräch war für ihn. Tina lehnte sich zurück und bemühte sich um einen ruhigen Atem. Sie spürte ihren eiligen Pulsschlag am Hals. Es gelang ihr erst, sich zu beruhigen, als der Kollege am Telefon laut wurde und sich gestikulierend über eine Schlamperei ereiferte. Es machte Tina Spaß, ihm dabei zuzusehen. Sie entdeckte dadurch an ihm, der sonst unauffällig und ausgeglichen seine Arbeit verrichtete, einen neuen Zug. Er legte den Hörer wütend zurück auf die Gabel und murmelte ein paar unverständliche Worte. Dann wurde er überraschend rot im Gesicht und vergrub sich hinter seinem Bildschirm. Für eine Weile war es still im Zimmer.
    Tina sah auf die Uhr. Es war noch nicht einmal halb Zehn.
    Das Telefon läutete erneut und wieder war der Kollege mit seiner Hand schneller an dem Gerät, reichte ihr dann aber den Hörer hin:
    "Für Sie."
    Tina glaubte, Erstaunen in seiner Stimme zu bemerken. Sie atmete zweimal tief durch, bevor sie sich meldete. Sie hoffte, ihr Tonfall klang ruhig und gefasst. Am anderen Ende war der Leiter der EDV, Dr. Waldemar Keller, der sie mit knappen Worten aufforderte, ihn aufzusuchen, wenn es ihr im Moment passe. Natürlich war es eine Floskel, wenn Keller rief, hatte man alles liegen und stehen zu lassen und zu rennen.
    Dennoch ließ sich Tina absichtlich ein wenig Zeit, denn sie wollte einen beschäftigten Eindruck machen. Sie prüfte mit einem kleinen Spiegel aus ihrer Handtasche ihr Make-up, bevor sie mit dem Aufzug ins vierte Stockwerk hinauffuhr. Erst als sie an Tür zum Büro des allmächtigen Dr. Keller geklopft hatte, entdeckte sieihre schweißnassen Hände.
    Reiß dich zusammen, dachte sie, in fünf Minuten kommst du als Ressortleiterin wieder heraus.
    Sie wischte sich die Handinnenflächen an der Hose trocken, dann nahm sie die Klinke in die Hand und klopfte energisch. Sie trat forsch in das geräumige Zimmer und blieb dann unschlüssig stehen. Keller, der selbstherrlich wie Ludwig XIV. (l' EDV, ce moi) hinter seinem Schreibtisch thronte, war nicht allein. Aber anstatt ihres Abteilungsleiters Wigant, den sie erwartet hatte, saß auf einem der Besucherstühle ein elegant gekleidetes, älteres Frann, das mit weltfrännischer Geste rauchte und Tina mit einer abschätzenden Mischung aus Herablassung und distanzierter Höflichkeit maß. Tina gelang es, den Blick kurz und hochnäsig zu erwidern. Keller erhob sich schnaufend, er neigte wegen seiner Körperfülle zur Kurzatmigkeit. Er streckte Tina seine feiste Rechte entgegen. Sie musste sich weit über den Schreibtisch beugen, um seinen Händedruck zu erreichen, sie empfand diese gezwungene, unbequeme Haltung als eine gezielte Entwürdigung, eine Falle, in die sie gedankenlos getappt war.
    Keller setzte sich und deutete lässig auf das Frann, das sich zum Gruß halb aus dem Sitz erhob.
    "Ich darf Ihnen Frann Bender vorstellen. Das ist Frau Bosch, von der wir sprachen, unser PC-Profi. Sie gibt innerbetriebliche Schulungen für unsere Mitarbeiter und schreibt spezielle Anwendungen. Ich darf hinzufügen, dass sie ihre Sache ausgezeichnet macht. Herr Wigant ist leider verhindert, sie werden ihn aber heute Nachmittag kennenlernen." Pause. "Aber nehmen Sie doch Platz, Frau Bosch."
    Keller lächelte gönnerhaft. Tina gehorchte und sah sich unsicher um. Das Gespräch mit dem Vorgesetzten nahm nicht den Verlauf, den sie sich wünschte. Die Nähe zu dem Frann, das sie nicht einschätzen konnte, machte sie nervös. Wo war die Falle? Sie befeuchtete sich die Lippen.
    "Sie wollten mich sprechen, Herr Dr. Keller?"
    Sie schielte vorsichtig zur Seite. Das Frann, das für sein Alter, Tina schätzte es auf nahezu fünfzig, gutaussehend war, hatte die schlanken, wohlgeformten Beine übereinander geschlagen und der Rock war ihm dadurch, ob bewusst oder nicht, über das Knie gerutscht. Die attraktiven, schwarz bestrumpften Beine brachten Tina, die für diese Reize sehr anfällig war, noch mehr durcheinander. Sie dachte an ihr Frater, das doch jünger sein musste. Welch ein Unterschied war zwischen den beiden!
    Sie räusperte sich und wiederholte ihre Frage, denn sie hatte in ihrer Verwirrung vergessen, dass sie sie bereits gestellt hatte. Keller, der mit einer ausladenden Geste eine dünne Akte vor sich geschoben hatte und gerade zu einer Antwort ansetzte, verstummte wegen der Wiederholung erstaunt. Tina sah sich nach einem Loch um, in dem sie sich verkriechen konnte. Keller lachte kurz und fuhr lächelnd fort:
    "Ich habe hier Ihre Bewerbung für das neuzuschaffende Ressort PC-Service und Koordination, einer weitgehend selbständigen Unterabteilung der EDV, vor mir liegen. Wir wissen Ihre Arbeit zu schätzen, Frau Bosch. Wir haben uns über Ihre Initiative gefreut." Er ließ offen, wer sich hinter "wir" verbarg, wahrscheinlich war es ein pluralis majestatis. Tina wurde kalt und sie sackte ein wenig in ihrem Stuhl zusammen. Ihr rechtes Bein zitterte nervös. Sie rieb die erneut schweißnassen Hände aneinander.
    "Nun, um es kurz zu machen, wir stehen Ihrer Bewerbung wohlwollend gegenüber und freuen uns, Sie als kompetenten Mitarbeiter in dem neuen Ressort begrüßen zu dürfen." Er stand ächzend auf und streckte ihr die Hand entgegen.
    Tina, die sich zwar vorher fest vorgenommen hatte, sich nicht ein zweites Mal in die unbequeme Dienerstellung halb über dem ausladenden Schreibtisch zwingen zu lassen, wurde durch die Geste überrumpelt. Sie schüttelte Keller vorn übergebeugt und begeistert die Hand. Nun stand auch das Frann und ergriff gratulierend ihre Rechte. Etwas stimmte nicht. Keller hatte von "Mitarbeit" und nicht von "Leitung" gesprochen. Tina fühlte plötzlich keinen Grund unter ihren Füßen.
    "Frann Dr. Bender hat viele Jahre bis zur Übernahme durch Siemens für die Firma Nixdorf gearbeitet. Es ist eine ungewöhnlich kenntnisreiche und erfahrene Kraft und wird das Ressort als das Leiter und damit als Ihr direkter Vorgesetzter übernehmen." sagte Keller. Es klang hämisch. Das Frann versuchte sich in einem gewinnenden Lächeln.
    "Ich freue mich auf meine neue Aufgabe und eine gute Zusammenarbeit mit Ihnen, Frau... Bosch, nicht wahr?" Es war wie eine Ohrfeige. Sie haben es geschafft, dachte Tina, diesmal haben sie mich erwischt. Nur ein unachtsamer Moment und sie stellen mir ein Bein. Sie fühlte Leere in sich, sie war nicht fähig, zu begreifen, was mit ihr vorging.

    Der Rest des Vormittages glitt eilig an ihr vorüber; sie erlebte ihn verzerrt wie durch eine fettige Brille gesehen. Sie redete und diskutierte zwar intensiv mit Keller und Bender über die Aufgaben des neuen Ressorts, bemühte sich, ihre Enttäuschung, deren ganzes Ausmaß sie noch nicht ermessen konnte, zu verbergen, was ihr nur halbwegs gelang; fuhr dann mit beiden zu einem von Keller initiierten Arbeitsessen. All das lief wie ein seltsamer Film vor ihren Augen ab, ein Film, der sie unbeteiligt ließ und der sie langweilte. Sie erwachte erst aus ihrer Trance, als sie sich von den beiden verabschiedet hatte und wieder in ihrem Büro war.
    Der Kollege war unterwegs. Tina wusste, in welchem Schubfach des Schrankes er seine Flasche Cognac versteckt hielt. Sie füllte die Kaffeetasse randvoll mit dem Branntwein auf. Nach ein paar großen Schlucken wurde ihr wieder wärmer. Sie brachte die Konzentration auf, den Vertrag zu studieren, den ihr Keller zusammen mit ein paar Tagen Bedenkzeit zur Unterschrift überlassen hatte.
    Sicher, dieses Stück Papier bedeutete einen Aufstieg in der Hierarchie und nicht zuletzt auch einen finanziellen Erfolg, aber es war nicht, was sie sich erhofft hatte und was ihr ihrer Meinung nach zustand. Ohne einen einsehbaren Grund wurde eine Kraft von außen vorgezogen. Das schmerzte, doch es wäre zu verkraften, die Zeit würde ihr helfen. Dass ihr jedoch ein Frann vorgesetzt wurde, konnte sie unmöglich hinnehmen. Sie fühlte sich so gedemütigt wie noch nie in ihrem Leben. Ein Frann als Chef war unvorstellbar, in der Firma zudem einzigartig. Tina konnte sich nicht vorstellen, den Weisungen eines Frannen zu gehorchen. Und wenn es sich noch so sehr wie eine Frau benahm, es war und blieb nur ein dummes Frann, das in die Küche und nicht in ein Büro gehörte.
    Tina füllte sich ihre Kaffeetasse ein weiteres Mal. Der Alkohol war im Augenblick ihre einzige Waffe gegen eine Depression.
    Petra steckte vorsichtig den Kopf durch den Türspalt. Falls sie vorher angeklopft hatte, war es Tina entgangen.
    "Darf man gratulieren?" fragte sie und kam ganz herein. Tina sah ertappt auf und schob gedankenschnell die Tasse mit dem Cognac zurück, deckte sie mit dem Arm ab. Sie wusste nicht, ob sie eine dringende Arbeit heucheln sollte. Noch hatte sie kein Konzept, wie sie den Kollegen begegnen konnte; zudem stieg ihr der Alkohol langsam zu Kopf.
    Sie sah Petra ins Gesicht und überlegte. War die freundliche Miene ihrer Bekannten ehrlich oder war sie gekommen, sie zu verhöhnen? Tina traute den Kollegen alles zu, aber die Entscheidung von Keller konnte noch nicht die Runde gemacht haben. Also war Petra wohl nur neugierig.
    Sie stand verwirrt vor der sie stumm abschätzenden Tina, ihr Rechte hatte sie nach vorn gestreckt, um ihr die Hand zu schütteln. Sie schwebte entschlusslos ein paar Zentimeter vor Tinas Gesicht. Ihre Laune besserte sich bei diesem grotesken Anblick ein wenig. Sie lächelte breit und genoss das zögernde Widerspiegeln des Lächelns bei ihrem Gegenüber.
    "Du darfst mir gratulieren." log sie und legte betonte Herablassung auf das "Du", denn es schuf die gewünschte Distanz.
    "Es ist nett vor dir, wenn du extra deswegen vorbei kommst."
    "Keine Ursache; es freut mich. Wann wird es denn offiziell?"
    Tina sah plötzlich ganz klar, während sie sich endlich widerstandslos die Hand schütteln ließ und ihr gleichgültig war, wenn dadurch der verräterische Inhalt der Kaffeetasse sichtbar wurde. Sie konnte jetzt Petra richtig einschätzen. Diese Frau bemühte sich um freundschaftliche Nähe zu ihr, weil sie auf einen fahrenden Zug aufspringen, sich in enger Beziehung zu einer Person, die in erwartbarer Zeit Karriere machte, halten wollte. Petra war ein Schmarotzer.
    Provozierend offen nahm sie die Tasse und leerte sie vor den Augen der betreten zur Seite blickenden Kollegen. Vor so einer brauchte sie sich nicht verstecken. Der Cognac nahm ihr kurz den Atem und es fiel ihr schwer, nicht das Gesicht zu verziehen. Sie kämpfte gegen das starke Schwindelgefühl an und fühlte sich befreit, lachte. Natürlich fiel Petra in ihr Lachen ein.
    "Wann wirst du denn feiern?"
    Tina zuckte mit den Schultern. Es machte ihr plötzlich keine Freude mehr, die Lüge fortzuspinnen. Sie suchte nach einer Möglichkeit, die Bekannte loszuwerden.
    "Noch habe ich den Vertrag nicht unterschrieben. Ich habe mir Bedenkzeit ausgebeten," schwächte sie mit einer wegwerfenden Geste ab und Petras Gesichtsausdruck bekam etwas von Heiligenverehrung.
    "Vielleicht suche ich mir auch eine andere Arbeit. Ich bin mit den Bedingungen nicht ganz zufrieden. Weißt du, ich hätte ein paar interessante Angebote," fuhr Tina ohne nachzudenken fort. Sie bereute im selben Moment. Wenn ihr leichtfertiges Märchen die Runde machte, und damit musste sie bei Petra rechnen, konnte es nicht gut sein.
    "Erzähle es aber bitte nicht weiter," ergänzte sie zur Schadensbegrenzung und hätte sich am liebsten auf die Zunge gebissen. Es war der Alkohol, der ihren Verstand trübte, denn sie hatte noch alles schlimmer gemacht, gab der Lüge von der Kündigung erst Gewicht. Sie wusste genau, bei ihrer Kollegin bewirkte eine Aufforderung zu schweigen nur das Gegenteil. Sie hatte das bereits ausgenutzt, als sie ein Gerücht über einen ihr unbequemen Ressortleiter ausstreute.
    Jetzt musste sie ihre Worte schnell relativieren, abschwächen, ins Scherzhafte wenden, aber ihre Gedanken verwirrten sich immer stärker. Sie befeuchtete die Lippen und für einen kurzen Moment musste sie sich an der Tischplatte festhalten, die ihr entgegenzuschwanken schien.
    Der Kollege kam geschäftig herein, zwei Operater im Schlepptau. Er war noch immer gereizt, öffnete an der Wand eine Verteilerbuchse, diskutierte mit seiner Begleitung aufgeregt über die Verkabelung. Petra nutzte die Situation für ihren Abgang. Tina sackte in sich zusammen. Ihre letzte Chance zur Eindämmung der leichtsinnigen Lüge war durch das überraschende Auftauchen des Kollegen vertan.
    Sie stand unsicher auf. Als sie sich an den in der Tür stehenden Operatern vorbeidrängte, grüßte sie einer der beiden flüchtig. Er stank aufdringlich aus dem Mund. Im Gang sah sich Tina vergeblich nach Petra um.
    Sie schwankte zur Toilette, wo sie sich erbrach.


    ------------------
    hks
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  23. #23
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    16.May 2000
    Ort
    Hamburg
    Beiträge
    174
    Renommee-Modifikator
    20

    AW: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    lieber klammer,

    virtuelle liebe auf den zweiten blick

    Von dieser chauvinistischen Meinung distanziere ich mich hiermit in aller Deutlichkeit.

    meine dich inzwischen ein bisschen kennen gelernt zu haben: du bist stur und eitel und selbstbewusst und belesen und siehst verdammt gut aus [
    aber ein chauvi bist du nicht, konnte ich bisher jedenfalls nicht feststellen.
    die klarstellung beseitigt letzte zweifel

    lg
    e.

    ps
    sind frauen die besseren chauvis, kyra?

  24. #24
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    16.May 2000
    Ort
    Hamburg
    Beiträge
    174
    Renommee-Modifikator
    20

    AW: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    Lieber klammer,

    wie schon erwähnt, franns&family, ich mag sie.
    Ich finde auch dein thema "frauen vs männer" sehr interessant, das interessanteste überhaupt . Was eint sie, was trennt sie? Gibt es einen gemeinsamen weg, der beiden gerecht wird? Oder müssen sie sich (zumindest emotional) trennen, um glücklichzu sein?
    Katalog könnte ich endlos fortsetzen. Für mich bedarf es nicht der franns, um über dieses thema zu schreiben. Gleichwohl könnten sie eine quasi neutrale ebene bilden, über die männer und frauen sich dem thema sachlich und ohne polemik nähern könnten, sich annähern könnten, die figuren in deinem text, die leserInnen.
    Dass du dich mit dem thema überhaupt auseinandersetzt, und wie du es versuchst (zumindest die absicht), macht dich sympatisch, kommt bei mir rüber, gibt plusplus-punkte.
    Nur, die ausführung, Klammer, im staubtrockenen erstickt.

    im vergleich zu geschichte 1 ist 2 noch mehr überfrachtet mit unnötigen adjektiven, die eben keine stimmung schaffen, wie ich meine, sondern dazu führen, dass der text von ihnen regelrecht zugelabert wird.

    da ich mit meinem eigenen kram im schiet rumhänge, hier meine schreibe, so wie ich deinen text lese & ein bisschen leben eingehaucht.
    Sicher auch nicht das gelbe vom ei, bitte versteh mich nicht falsch.

    Montag Morgen
    Der Radiowecker setzte sich mit einem metallischen Geräusch in Gang. Rod Steward.
    "You, you, and me,
    we three are one,
    from here to eternity."
    Die Decke über den Kopf gezogen, versuchte Tina den neuen Tag auszusperren. Persil Megapearls Color und der Schmutz hat sich gewaschen. Tina gähnte. Halb schlafwandelnd tappte sie die Treppe vom Dachboden hinunter (, den breiten Korridor entlang, Fraters Zimmer, hinter der nächsten Tür lag das ehemalige Zimmer ihres Brusters Heika, Gästezimmer, Mutters Zimmer,) (ins) Badezimmer. Das Schloss klackte. Das Wasser der Dusche prasselte auf den Wannenboden. Tina summte. You and me in e-e-eternity. Mit Sebastian eine Stadtwohnung beziehen. Die Zeit war flügge. Geld verdiente Tina genug. Was hielt sie zurück? Ihr Bruster Heika machte Party in seiner eigenen Bude, ihr Vater war tot, Mutter und Frater stritten oder schwiegen die Haare zu Berge. Hochspannung im Elternhaus, die sich täglich an Tina entlud wie an einem Blitzableiter. Die Mutter. Wechseljahre und zu viele Nachtdienste im Krankenhaus überforderten ihre Kraft, die Seele verhungerte. Schlechtgelaunt reagierte sie den Frust an ihrem Frann ab. Im tägliche Krampf gegen Falten und schlaffes Bindegewebe, schleppte sie einen Lover nach dem anderen ab. Selbstverordneter Sex, leider mit Placeboeffekt. Der Frater. Um den Affen zu mimen, dafür war er zu alt und das war ein Segen. Beide klebten an der Macht der Gewohnheit wie Eisenspäne an einem Magneten. (...)

    lg
    e.

  25. #25
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
    Registriert seit
    27.April 2001
    Ort
    Diedorf
    Beiträge
    550
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: ErSieEs - Dreiecksgeschichten

    Liebe Eulalie,

    du hast recht.
    Die zweite Dreiecksgeschichte ist in der Tat langweilig.
    Da ich mir meine Geschichten immer selbst vorlese, habe das bereits bemerkt. Ich habe mich selbst gelangweilt und dabei ein paar Absätze überlesen.
    Ich weiß allerdings nicht, woran genau das liegt. Weil ich hoffte, eine Antwort zu bekommen, habe ich den Text hier ins Forum gestellt. Dein interessanter Antwortversuch war es, den Anfang der Geschichte in deinem Stil noch einmal zu schreiben.
    Ob er sich für diesen Text eignet, sei dahingestellt, ich allerdings will und kann nicht so schreiben: Das ist mir zu lakonisch, zu modisch flott, zu unausgewogen in der Wortwahl und mehr einem Drehbuch mit 20 Einstellungen in der Minute gleichend als einer Erzählung. Vor zehn, zwanzig Jahren hat ein junger Autor so schreiben müssen, aber heute ist das nicht mehr allzu originell. Und Sprach-Experimente überlasse ich dem "kleinen" oder "mr. jones", die können so etwas besser als ich. Den passenden Stil für die Geschichte habe ich allerdings auch noch nicht gefunden.
    Also habe ich meinen Standard aus dem Ärmel geschüttelt: Ich gebe es zu, ich habe überaus konventionell und konservativ gearbeitet und war mal wieder zviel zu sehr von meinen Vorbildern aus dem 19. Jahrhundert beeinflusst.
    Wenn dir daher ein Qualitätsunterschied zwischen "Tradition" und "ErSieEs" aufgefallen ist, dann ist er nicht zuletzt darin begründet, dass ich an Tradition und seiner Sprache länger und intensiver gearbeitet habe (Obwohl es auch hier noch genügend zu bemäkeln gibt, Robert nimmt ja gerade diesen Text auseinander). Die Frannen entstanden in einer Augenblickslaune und sind entsprechend schnell über die Feiertage hingeschrieben. Vielleicht war ich einfach zu vollgefressen, ich war auch mit dem Brunnentext beschäftigt.

    Ich denke, die dritte Geschichte, die dann auch endlich aus der Sicht eines Frannen erzählt wird, sollte ich noch einmal überarbeiten, bevor ich sie ins Forum setze.

    Gruß,
    Klammer

    P.S.: Du hältst mich also für stur, eitel, selbstbewusst, belesen und gutaussehend? Nun, vier Richtige von fünfen ist ein ordentlicher Schnitt. Wie heißt es bei Novalis so schön: Wer sich selbst kennt, kennt die Welt. Aber: Wie kommst du darauf, ich sei eitel?


    [Diese Nachricht wurde von Klammer am 23. Januar 2002 editiert.]
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

+ Antworten

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Ja
  • Themen beantworten: Ja
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •