Heimholungen

Das Verhältnis der beiden größten deutschen Staaten, des Reiches und Deutsch-Österreichs, wurde nach dem Ersten Weltkrieg nicht von ihnen selbst bestimmt, sondern von den Siegermächten. Art. 88 des Diktats von St. Germain bestimmte das Verhältnis Deutsch-Österreichs zum Reich. Anschlußverbot.
Die Rückkehr der außerhalb des Reiches lebenden deutschen Siedlungsgebiete in den Reichsverbund war keine parteipolitische Forderung, sondern eine des Volkes und entsprach einer auf Frieden orientierten Mitteleuropa-Politik. Das betraf in erster Hinsicht die deutschen Gebiete Österreich-Ungarns, die sich 1918 als Deutsch-Österreich konstituiert hatten. Die Entente-Mächte verboten die politische Forderung der Deutsch-Österreicher nach einem „Anschluß“ und nötigten es 1922 zu einer offiziellen Erklärung (erst dann würde es eine Anleihe bekommen, um seine Finanzen zu ordnen)[1]. Das waren politische Schlußfolgerungen der Westmächte nach den mehr oder weniger privat organisierten Akten demokratischer Willensbekundung, den Abstimmungen in einzelnen Landesteilen Deutsch-Österreichs:
Landesteil[2] für den Anschluß gegen den Anschluß Ergebnis
24. April 1921 - Tirol 145302 1805 98,8 pro
27. April 1921 - Salzburg 98546 877 99,1 pro

Die Siegermächte, die vor dem Ende des Krieges das Selbstbestimmungsrecht der Völker propagiert hatten, verweigerten es den Deutschen, auch wenn amerikanische Politiker wie Hoover oder Lansing Frankreich drohten (man wollte Österreich den Kredit sperren, mit dem es Frankreich bezahlen würde), es möge doch den Deutschen das Selbstbestimmungsrecht auch konzedieren, so setzten sie diese Drohung nicht um, sondern ließen die Dinge in Europa die Europäer, was bedeutet, die Franzosen regeln. Amerikanischer Isolationismus: Imputabilität.
Die Deutsch-Österreicher mußten fortan auf wirtschaftliche, politische, finanzielle oder auch militärische Zusammenarbeit mit dem Reich verzichten, sich gegen dieses entwickeln. Es funktionierte nicht besser als im Reich. Das neue politische System behagte den meisten Deutsch-Österreichern nicht, horrende Reparationsforderungen saugten das Land, seine Wirtschafts- und Finanzkraft, aus. Der Wunsch nach Anschluß wurde nicht kleiner, die Ohnmacht von Jahr zu Jahr größer. Die Weltwirtschaftskrise katalysierte die Verhältnisse weiter. Zahlreiche Skandale schwächten die Finanzkraft der Republik. 1931 konnten die Reparationszahlungen an Frankreich nicht mehr aufgebracht werden. Staatsbankrott?
Nach dem vergeblichen Versuch Brünings/Curtius‘ 1931, den Anschluß über eine Zollunion zu bewirken, verschlechterten sich die Beziehungen zwischen dem Reich und Österreich mit der Kanzlerschaft Hitlers zusehends, denn der klerikal-faschistoide Kanzler Dollfuß lehnte sich Italien an, das in der Selbständigkeit Deutsch-Österreichs eine Garantie für seine territorialen Erwerbungen 1918/19 (v.a. Südtirol) zu erkennen glaubte. Diese Entwicklung radikaliserte die innenpolitische Situation Deutsch-Österreichs. Dollfuß agitierte gegen die nationalsozialistische und sozialdemokratische Opposition und unterband jede Wahl. Hitler reagierte und belegte deutsche Staatsbürger mit einer Ausreisegebühr nach Deutsch-Österreich von 1000 RM (etwa 10800 €), womit er dem österreichischen Tourismus schadete. Der Tiefpunkt der Beziehungen wurde im September 1933 erreicht, als den Jubiläumsfeiern zur Befreiung Wiens von den Türken eine reichsdeutsche Delegation fernblieb und damit die Regierung Dollfuß, aber auch viele Deutsche im Reich und in Österreich brüskierte, eben Parteipolitik über das allgemeine Interesse zu stellen schien.
Nachdem Dollfuß 1934 während eines nationalsozialistischen Putschversuches zu Tode gekommen war, ließ Mussolini zur Verhinderung reichsdeutscher Einmischung in österreichische Angelegenheiten Divisionen an den Alpen aufmarschieren; Frankreich zeigte sich kriegswillig. Es war wie 1866, aber im Unterschied zu diesem Jahr war das deutsche Außerösterreich keineswegs kriegsbereit. Die Regierung Hitler mußte etwas unternehmen, um die Kriegsgefahr zu bannen und gleichzeitig das politische Ziel des freiwilligen Anschlusses der Deutsch-Österreicher nicht aus den Augen zu verlieren. Papen bot seine Dienste an, da er in Österreich einen guten Ruf besaß und formulierte die Bedingungen für seinen Amtsantritt als Gesandter des Reiches in Wien folgendermaßen:


  1. Absetzung des von der NSDAP für Österreich eingesetzten Landesleiters, Theo Habicht, und zugleich Sicherstellung, daß Habicht auch fürderhin keinen Einfluß auf österreichische Belange nehmen könne;
  2. Unterbindung sämtlichen Einflusses der reichsdeutschen NSDAP auf österreichische Angelegenheiten;
  3. der Anschluß muß auf freiwilliger Basis, evolutiv, erfolgen;
  4. Abberufung für den Fall des Erfolges, daher von Anfang die Sprachregelung „Gesandter in besonderer Mission“ für Papens Funktion in Wien;
  5. Abschriften der Berichte des Botschafters an das AA; im übrigen müsse der „Gesandte in besonderer Mission“ nur Hitler unterstellt sein, sonst niemandem.


Nach einigem Widerstand insbesondere gegenüber der ersten und zweiten Forderung Papens willigte Hitler ein und entsandte Papen nach Wien, als „Gesandten in besonderer Mission“. Hitler schwenkte demnach hinsichtlich der politischen Marschroute gegenüber seiner Heimat um: statt Konfrontation nunmehr der Versuch, auf evolutionär-asymptotischer Annäherung die staatliche Vereingung der deutschen Staaten zuwege bringen! Ein Lerneffekt.
In Österreich kam nach Dollfuß‘ Tod dessen Parteifreund und Justizminister Schuschnigg zur Kanzlerschaft. Er ließ weitere Anhaltelager (KZ) errichten, wo er Nationalsozialisten und andere politische Gegner (Kommunisten, Sozialdemokraten) internieren und zusammen mit soziopathischen Häftlingen (Kriminellen) unentgeltlich zwangsarbeiten ließ.[3] Zudem wurde die NSDAP verboten.
Hier setzte Papen an und versuchte, den österreichischen Kanzler von der kontraproduktiven Wirkung eines NSDAP-Verbots zu überzeugen. Schuschnigg ließ sich nicht darauf ein. Papen setzte einen anderen Hebel an, eine Verklammerung der Innen- und Außenpolitik. Er überzeugte Hitler davon, sich öffentlich dahingehend zu äußern, Österreich nicht annektieren zu wollen, machte aber zugleich deutlich, daß für die Deutschen (auch denen in Österreich) das Selbstbestimmungsrecht der Völker zustünde. Hitler kam also zugleich Papens Wunsch nach klaren Worten bezüglich der Ablehnung einer Annektion Österreichs nach, wie er zugleich den Westmächten deren (demokratischen) Verfehlungen durch das Versailler Diktat verdeutlichte. (Reichstagsrede vom 21. Mai 1935) Hitler politisierte in drei Richtungen:

  1. Er konnte Britannien beruhigen, dessen Ängste vor einem Anschluß ausgesetzt werden konnten und
  2. das britisch-deutsche Flottenabkommen vom 18. Juni 1935 löste Britannien aus der britisch-französisch-italienischen Allianz und zerbrach damit die Bestimmungen des Versailler Diktats, das eine deutsche Flotte verboten hatte und
  3. Österreich konnte nun seine Differenzen mit dem Reich öffentlich beilegen, was den österreichischen Kanzler Schusschnigg veranlaßte, Österreich öffentlich als einen deutschen Staat zu bezeichnen, also den Konföderationsgedanken anzuregen.


Das nennt man Politik: mit einer Hand scheinbar das geben, was der andere will; mit der anderen dann das machen, was man eigentlich will. Hitlers Politik zielte auf den Anschluß; Schuschniggs Politik zielte auf Koexistenz, die in dem Reichsgedanken kulminieren sollte und Britannien wollte wirtschaftliche Partnerschaft mit dem erstarkenden Reich und zugleich die Ostorientierung der Deutschen.
Andererseits führte die Wiedereinführung der Wehrpflicht in Europa zu einem erhöhten Sicherheitsbedürfnis. Der Ausgleich Frankreichs mit Rußlands brachte zwar Polen in die deutsche Nähe und führte nun in den östlichen Grenzgebieten des Reiches zu nachlassendem polnischem Bandenwesen, war aber in Hinsicht auf die Rückkehr der Ostmark (terra orientalis) zum Reich eher schädlich, denn auch deren friedliche Annäherung wurde im westlichen Ausland beargwöhnt. Katalysierend bei dieser Evolution wirkte das abessinische Abenteuer Italiens, das dessen Kräfte band und sein Interesse für die deutschen Angelegenheiten vernebensächlichte, was bedeutet: Die Heimkehr Südtirols rückte wieder in den Fokus der Einheitsbestrebungen. Alles in allem hatte sich die Chance für die Wiedereingliederung der alten Ostmark in den Reichskörper zwischen 1934 und 35 erhöht. Aber am Ziel war man noch lange nicht.
In Österreich gab es neben dem breiten Volkswillen nach einem Anschluß, den die reichsdeutschen Nationalsozialisten in Gesprächen mit der britischen Regierung auf etwa 80% der Bevölkerung bezifferten, etliche politische Strömungen, die ihre Interessen vertraten. Ein Kennzeichen der Postmoderne. Die wichtigsten nichtnationalsozialistischen Partikularitäten waren:

  • die Gruppe um den Fürsten Starhemberg (trat 1936 aus der Regierung zurück), im weiteren Erzherzog Otto von Habsburg, die auf die Konstituierung einer Donau-Monarchie oder auch einen europäischen Block der autoritären Regime - Italien, Ungarn, Polen, Österreich, das Reich - hinarbeiteten;
  • Sozialdemokraten und Kommunisten drängten im eher bäuerlich geprägten Österreich (Ausnahme Wien, wo sie eine Volksfrontregierung konstituieren wollten) auf eine großdeutsche Lösung hin, waren im übrigen aber den Nazis spinnefeind;
  • die Heimwehr-Verbände, die eine klerikal-faschistische Idee vertraten, Südtirol zurückhaben wollten und zwischen italienischen Faschisten und Nationalsozialisten eine politische Heimat suchten, aber beiden feindlich gesonnen waren und
  • liberale Gruppierungen, die den Nazis den Zugriff auf Österreich verwehren wollten.


Diese Interessengruppen wirkten direkt und indirekt auf die offizielle Politik der Republik Österreich ein und befanden sich jeweils in einem Zwiespalt: einerseits wollte jede von ihnen - mehr oder weniger - ein Aufgehen Österreichs in einem neuen Reich, doch andererseits waren sich diese Gruppen einig in ihrer Ablehnung des Nationalsozialismus. Sie waren einander aber auch jeweils einig in der Ablehnung anderer politischer Gruppierungen: die Adligen bekämpften die Liberalen, die wieder die Kommunisten, die die Klerikalen und die standen gegen die Adligen.
Der Einfluß nichtdeutscher Interessengruppierungen dürfte gering geblieben sein, sofern es sich nicht um offiziöse Forderungen handelte: Österreich war dieser Tage ein armes Land mit geringer politischer und finanzieller Kraft. Der Vertrag von St. Germain hatte es in das vorindustrielle Zeitalter zurückgedrängt. Sieht man von Wien ab, gab es keine nennenswerte Industrie. Die Finanzen waren zerrüttet, das Militär schwach. Der österreichische Staat trieb ohne eigene Idee im Strom der Zeiten. Die Menschen setzten auf die baldige Rückführung in den reichsdeutschen Staatskörper, was ihnen Aufschwung, ein politisches Ziel, schlichtweg Lebensmut versprach. - Eine Zahl soll deutlich machen, wie es um das Selbstbewußtsein der Wiener um 1935 stand:
Lebendgeburten in Wien: 10000; Sterbefälle: 24000.[4] Sterben muß man in Wien. (Haill)
Nachdem Hitler das Rheinland militärisch mit dem Reich verbunden hatte, verstärkte sich der Wunsch bei den einstigen Entente-Mächten, sich mit dem Reich zu arrangieren. Hitler hatte die militärische Einbindung des westlichen Rheinlands (im politisch-korrekten Sprachgebrauch auch „Besetzung des Rheinlandes“) mit dem Selbstbestimmungsrecht der Deutschen begründet. Niemand wehrte es ihm. Frankreich schwieg, denn es hatte wegen des kurz zuvor abgeschlossenen Bündnisvertrages mit Sowjet-Rußland eine Bestimmung des Locarno-Vertrages, wonach sich kein außenpolitischer Vertrag Frankreichs gegen das Reich richten dürfe, gebrochen. Der französisch-sowjetische Bündnisvertrag verstieß gegen eine Bestimmung des Locarno-Vertrages, der es den Vertragspartnern vorschrieb, „loyal und wirksam mitzuarbeiten, um der Satzung [des 1925 referentiellen Völkerbundes] Achtung zu verschaffen und jeder Angriffshandlung entgegenzutreten, in einem Maße, das mit seiner militärischen Lage verträglich ist und das seiner geographischen Lage Rechnung trägt.“[5] In dem Augenblick, da Rußland und Frankreich wie vor 1914 ein Bündnis eingingen, nahmen sie das Reich in die Zange, eine kriegvorbereitende (diplomatische) Angriffshandlung, die zudem Polen bedrohte.
Es stand für die Westmächte zu befürchten, daß Hitler mit dem gleichen Argument Österreich annektieren würde. Dagegen stand nur das Wort des Reichskanzlers für eine evolutive Lösung der Deutschen Frage, seinerzeit die Vereinigung der deutschen Teile außerhalb des Reiches mit dem Reich. Italien signalisierte Einverständnis. Sein Abessinien-Abenteuer hatte es Frankreich und Britannien entfremdet. Es suchte einen Ausgleich mit dem Reich, zudem wollte es am deutschen Aufschwung teilhaben, was sattere Dividenden versprach als eine politische und wirtschaftliche Nähe zu den seit etlichen Jahren kriselnden Franzosen.
Schuschnigg entwickelte mit Papen einen Vertrag (am 11. Juli 1936 in Wien unterzeichnet), in dem einerseits Hitler die österreichische Souveränität anerkannte, andererseits aber Österreich erklärte, ein deutscher Staat zu sein und seine Außenpolitik künftig im „Sinne dieser Erklärung“ zu führen. Das Reich verzichtete auf die Erhebung einer 1000 RM-Gebühr bei Grenzübertritt seiner Staatsbürger und unternahm Anstrengungen, das österreichische Wirtschaftsgebiet mit dem des Reiches zu verbinden. Das NSDAP-Verbot wurde in Deutsch-Österreich zwar nicht aufgehoben[6], aber zwei dem Nationalsozialismus nahestehende Politiker kamen in die Regierung: Guido Schmidt arbeitete fortan als Staatssekretär im österreichischen Außenministerium und Glaise von Horstenau erhielt den Kummerkasten der Regierung, Minister ohne Geschäftsbereich, eine ganz ähnliche Postion wie die Papens im Hitler-Kabinett von 1933. Ende 1936 wurde Glaise Innenminister und blieb nach wie vor einer Mitgliedschaft in der NSDAP fern, galt jedoch als ihr nahestehend. Die Folge dieser widersprüchlichen Politk lautete: Aufschwung.
Das war der Schritt hin zum Anschluß auf Raten. Den Westmächten blieb nichts anderes übrig als die Gratulation, auch in Frankreich regte sich kein Widerspruch. Die Deutsche Frage war zu einer innenpolitischen geworden.
Im Reich verstärkte sich die nationale Erregung. Diese entlud sich in progressiver und zerstörerischer Weise. Die im August 1936 in Bärlin stattfindenden Olympischen Spiele waren für die Nazis eine gute Gelegenheit, der Welt das neue Deutschland zu zeigen. Von Emigranten geforderte Boykottmaßnahmen liefen ins Leere. In Bärlin gab es einen neuen Teilnehmerrekord. Sie wollten das neue Deutschland sehen. Die für das Reich startende Jüdin Helene Mayer errang Silber im Fechten. Die Franzosen betraten das Olympia-Stadion bei der Eröffnungsszeremonie mit dem deutschen Gruß, wie man seinerzeit den römischen nannte. Jubel. Jubel und zehntausendfachen deutschen Gruß auch für den negriden amerikanischen Star der Spiele, Jesse Owens, der vier Goldmedaillen gewann. Die reichsdeutschen Fußballer schieden in der Vorrunde gegen Norwegen aus. Eine nationale Katastrophe. Österreich sprang ein. Während des Spiels gegen Peru trat ein peruanischer Spieler auf einen österreichischen ein, woraufhin bärliner Zuschauer das Spielfeld stürmten und die peruanische Mannschaft maßregelten. Wiederholungsspiel. Peru trat nicht an und wurde disqualifiziert. In Peru kam es zu Ausschreitungen vor den reichsdeutschen und österreichischen Botschaften. Die Welt nahm die Deutschen als ein Volk wahr.
Hitler gab der nunmehr in Österreich zwar immer noch verbotenen, aber wieder arbeitsfähigen NSDAP die Order, sich streng an die Gesetzeslage zu halten. Er forderte Disziplin von den Übereifrigen, die zuschlagen wollten.
Schuschnigg arbeitete derweil an der Profilierung einer österreichischen Staatsidee, fand damit aber wenig Gegenliebe bei seinen politischen Partnern. Parallel ging er auf die Wünsche seiner Umgebung ein, der evolutionäre Prozeß des Anschlusses, und konstituierte im Februar 1937 ein siebenköpfiges Komitee mitsamt oppositionellen Vertretern, um dieses in legislative Körperschaften einzubauen. Der Nationalsozialist Jury wurde zum Leiter dieses Komitees ernannt.
Was bedeutet das? Legislative ist die verantwortliche Körperschaft, die Gesetze einbringt, formuliert und zur Abstimmung bringt. Das Parlament, das Abgeordnetenhaus, das Unterhaus. Im klerikal-faschistischen Österreich dieser Tage gab es kein gewähltes Abgeordnetenhaus, also ersetzte diese Körperschaft nunmehr die Arbeit, die eine Juristenkommission erledigen müßte, um die Gesetzbücher zweier Staaten abzugleichen, die beabsichtigten, einen gemeinsamen Staat zu bilden.
Die „Illegalen“ in Österreich, die Nazis, hielten sich nur mangelhaft an den Befehl Hitlers, sich im Kontext der evolutiven Zusammenführung des Reiches und Österreichs, ruhig zu verhalten. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit prügelten sie sich mit der Heimwehr (mit dem einstigen Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold zu vergleichen), legten sich mit Kommunisten, Sozialdemokraten oder Adligen an. Der entschiedenste Verfechter eines gewaltsamen Anschlusses hieß Tavs und unterhielt in Wien einen Zirkel, in dem Maßnahmen zur sofortigen Anbindung Österreichs in den Reichsverband geplant wurden, u.a. schlug er der Reichsleitung den sofortigen Einmarsch der Wehrmacht vor. Plan B sah die Ermordung Papens vor, was als Anlaß genommen werden sollte, um wiederum in Österreich einzumarschieren.
Die österreichische Polizei stellte Ende Januar 1938 diverse Projektunterlagen sicher. Tavs wurde des Hochverrats angeklagt. Hitler reagierte und entband den politisch für diese Pläne verantwortlichen Gauleiter der NSDAP Leopold seines Amtes. Die Wogen glätteten sich. Papen, obgleich von Hitler im Kontext diverser personeller Neuausrichtungen bereits demissioniert, vermittelte ein Gespräch zwischen Hitler und Schuschnigg zur Ermittlung des status quo im evolutionär geplanten Prozeß der Wiedereingliederung der Ostmark in den Reichsverbund. Aus Italien, Frankreich und Britannien kam kein Widerspruch. Sie hatten akzeptiert, daß die Deutsche Frage eine innere Angelegenheit sei.
Schuschnigg berief sein Kabinett zusammen und punktatierte einen Katalog, Forderungen, die er Hitler beim gemeinsamen Gespräch Mitte Februar in Berchtesgaden unterbreiten wollte. Das politische Ziel des Gespräches lautete: „Vollendung der Politik des 11. Juli“, also die Herstellung der Einheit Deutschlands.[7] Die letzte Formulierung nahm der Staatssekretär Zernatto vor, der mit dem Minister für innere Befriedung (!) Seyß juristische Unebenheiten abschleifen sollte. Seyß beging eine Illoyalität und setzte seinen reichsdeutschen Kollegen Keppler vor dem Treffen in Kenntnis über die Punktationen Schusschniggs, was Hitler dazu nutzen konnte, sich im Vorfeld Gegenforderungen zu überlegen, die Schuschnigg überrumpeln mußten.[8] Evolution. Der Prozeß der Hinführung mehrerer Staaten in ein Reich, das Reichsmodell Bismarcks.
Das mit der Rückkehr der Ostmark in den Reichsverbund bis heute verbundene Problem ist eines der Legitimation politischen Handelns. Setzt man demokratische Muster zugrunde, so besaß die österreichische Regierung keine Handhabe, diese zu verhindern. Die letzte Wahl hatte 1930 in Österreich stattgefunden und keiner der damals Gewählten war im Amt oder hatte politischen Einfluß. Die übergroße Mehrheit der Österreicher wünschte die staatliche Vereinigung mit den anderen Deutschen. Das hatten Volksabstimmungen in der Zeit der größten Not - nicht nur in Österreich, sondern auch im Reich - eindrucksvoll bewiesen. Sollte es jetzt anders geworden sein, jetzt, da im Reich Vollbeschäftigung und Aufschwung herrschten und die Deutschen von aller Welt hochgeachtet wurden? Allerdings gab es auch etliche, wie die Sozialdemokraten, die zwar die Einheit Deutschlands wünschten, nicht aber unter Hitler leben wollten. Doch war Schuschnigg zu ihnen besser? Welches demokratische Mandat besaß er? Keines. Sein Mandat hieß St. Germain (das österreichische Versailles). Sein Mandateur hieß Habsburg, mit dem er politisch verbunden wurde. Ein Reaktionär. Sein Mandateur hieß Mussolini, der sich nach seinem abessinischen Abenteuer von Schuschnigg abgewandt hatte. Sein Mandateur war der Völkerbund, der sich als Interessenvertreter des französischen und britischen Imperialismus gezeigt hatte und Österreich fallenließ, als Hitler bessere Geschäfte in Aussicht stellte, indem er das nationalsozialistische Autarkie-Paradigma zugunsten einer weltwirtschaftlichen Einbindung des Reiches 1937 aufgehoben hatte. (siehe Hoßbach-Protokoll)
Welche Argumente für die staatliche Existenz der Republik Österreich besaß Schuschnigg? Das, daß ein Staat immer eine gewohnheitsrechtlich fixierbare Existenzberechtigung besitzt, wenn er eben existiert. Das, daß territoriale Veränderungen von Staaten meist mit kriegerischen Handlungen, Bürgerkriegsmomenten und Rechtsunsicherheit zusammenhängen. Das, daß damit eine aggressive Bewegung Machtzuwachs erhielt, die nicht nur potentiell, sondern schon im historischen Augenblick die europäische Nachkriegsordnung veränderte. Das, daß territoriale Veränderungen niemals Einzelvorgänge bleiben.
Daneben gab es die persönliche Abneigung Hitlers gegenüber Jesuiten und Juristen. Schuschnigg war beides. Zudem kannte Hitler den Menschenschlag des zwischen den Nationen stehenden Internationalen Šušnik aus seinen Wiener Zeiten und, wen wundert’s, lehnte ihn ab.
Der kosmopolite Adlige Schuschnigg seinerseits dürfte den aus einfachen Verhältnissen stammenden Hitler ein wenig von oben herab behandelt haben. Er vertrat die neue Staatsidee „Österreich“, wie sie der Westen inauguriert hatte, und glaubte, er könnte deswegen Forderungen stellen, die Hitler nicht ablehnen durfte, würde er den Frieden erhalten und das Juli-Abkommen berücksichtigen wollen, wie der Reichskanzler öffentlich immer wieder versichert hatte. Zugleich war Schuschnigg die Erstarkung des Reiches bewußt, die Sympathetie, die das auf seine rückständige Heimat haben mußte. Wenn er etwas erreichen konnte, dann Personalentscheidungen, Pfründen für seine Klientel. Personalentscheidungen in der Regierung waren in Österreich Sache des Bundespräsidenten. Wenn Schuschnigg diesbezüglich Verhandlungen führte, bedeutete das die Unterordnung unter Hitler, die Anerkenntnis, daß Hitler darüber zu entscheiden habe.
Es gab ein Gesprächsergebnis, das sog. Keppler-Protokoll: Der wichtigste Punkt war für Hitler das Zugeständnis Schuschniggs, fortan den Nationalsozialismus in Österreich nicht mehr zu verfolgen und Nationalsozialisten nicht länger als Illegale zu behandeln, sondern ihnen die gleichen Rechte einzuräumen wie anderen österreichischen Staatsbürgern. Außerdem sollten das Militär zusammenarbeiten und die Wirtschaft miteinander verzahnt werden. Aber diese beiden Punkte müssen in ihrer Bedeutung dem ersten nachgeordnet werden, denn falls der Nationalsozialismus in Österreich weiterhin verboten geblieben wäre, hätte es auch keine wirtschaftliche resp. militärische Zusammenarbeit geben können.
Die Regierung Schuschnigg stand am Scheideweg. Sie mußte sich entscheiden, ob sie die in Berchtesgaden kommunizierten Änderungen für ihre Innenpolitik umsetzen oder zurücktreten wollte. Wenn, wie es die Nachkriegsgeschichtsschreibung kolportiert, Hitler Schuschnigg zu dem im Protokoll genannten Bestimmungen für das weitere evolutive Vorgehen mit dem Ziel der Rückgliederung der Republik Österreich in den deutschen Reichsverbund gezwungen hätte, hätte der Bundeskanzler zurücktreten und die Weltöffentlichkeit diesbezüglich informieren müssen. Er tat es nicht. Aber er reagierte am 24. Feber 1938 in einer Rede vor dem Bundesparlament, in dem keine anderen Partei als die Regierungspartei zugelassen war, und betonte hierin die Souveränität Österreichs, was einem Fixpunkt des Juli-Abkommens entsprach. Die Betonung einer eigenen österreichischen Sendung besaß in Österreich eine große Anhängerschar, aber Schuschnigg traute sich nicht, ihr ein demokratisches Mandat ausstellen zu lassen. Er verweigerte sich zu lange dieser möglichen Mandatierung, die ihm auch gegen Hitler starke Argumente gegeben hätte, und ließ statt dessen in einer einmütigen Parlamentssitzung im von parlamentarischen Gegnern seiner Politik befreiten Bundesparlament seine Anhänger „Heil Schuschnigg!“ rufen. Klientelismus. Die Schuschniggs Rede frenetisch feiernden Anhänger mußten befürchten, daß in Folge der Rückgliederung Deutsch-Österreichs in den Reichsverbund nicht nur ihre Bewegung, sondern auch sie selbst aus den wichtigen Positionen in Staat und Gesellschaft expediert werden würden. Ein Totengesang.
Am 9. März 1938 verkündete Schuschnigg für den 12. März 1938 (!) eine Volksbefragung zur Selbständigkeit Österreichs. Wahnwitz! Eine Schikane. Nach der österreichischen Verfassung durfte der Bundeskanzler kein Plebiszit verkündigen, sondern zuvor einen Parlamentsbeschluß einholen, den der Bundespräsident sanktionieren mußte. Zudem gab es organisatorische Probleme, denn seit 1930 hatte es in Österreich keine Wahlen gegeben, also waren die Wählerlisten in Unordnung, zudem war unklar, wie sämtliche Wähler informiert werden sollten… Der Aufruf zum Plebiszit vom 9. März 1938 war ein Verfassungsbruch des Bundeskanzlers.
Schuschnigg reichte am 11. März 1938 seine Demission ein. Innenminister Seyß (trat nach der Legalisierung der NSDAP in Deutsch-Österreich, 12. Feber 1938, der NSDAP bei) agierte und bildete ein nationalsozialistisches Kabinett. Die nationalsozialistischen Kräfte in Österreich besetzten unter ihrem neuen Gauleiter Klausner Behörden. Keine Gegenwehr von Schuschnigg-Anhängern. Kein Aufstand bei den kommunistischen, sozialdemokratischen, christ-sozialen, monarchischen oder liberalen Volksteilen. Statt dessen Demonstrationen von Hunderttausenden für die Rückkehr ins Reich. Hitler hatte bereits Truppen sammeln lassen, möglichst viele, um einem Bürgerkrieg vorzubeugen und ließ am 12. März 1938 nach Wien marschieren, wo er begeistert empfangen wurde[9]. Blumen für die Soldaten. Heil-Rufe. Kein Schuß fiel. Nicht in der Ostmark, nicht an den deutschen Grenzen zu Polen (die Hitler zu diesem Schritt beglückwünschten), nicht im Westen. Dort hatte man längst begriffen, daß es sich um eine innere Angelegenheit der Deutschen handelte und protestierte nur formell, da es sich schließlich um eine territoriale Veränderung ohne Völkerbund-Mandat handelte.[10] Die Rückgliederung Deutsch-Österreichs in den Reichsverbund folgte, zuerst mit der Bezeichnung „Ostmark“. Nach der Angliederung der Sudeten wurden neue Gaugrenzen bestimmt, die sich den Vorstellungen der ersten (sozialdemokratischen) österreichischen Regierung nach Kriegsende anlehnten, damals aber von den Westmächten verboten worden waren. Südtirol (etwa 300000 Deutsche) blieb als Preis für Italiens Wohlwollen als geschlossener deutscher Siedlungsraum außerhalb des Reiches. Der Blick indes richtete sich auf die Sudeten, wo vier Millionen Deutsche unter tschechoslowakischer Herrschaft standen und als Bürger zweiter Klasse laut das Reich um Heimholung anriefen. Genau das war das Problem: Während der Westen internationale Lösungen anstrebte, wobei er den Anspruch der sudetendeutschen Bevölkerung respektierte, die Teil des Reiches werden wollten, betrachtete die reichsdeutsche Regierung die Angelegenheit als innerdeutsche resp. bilaterale, die durch Verhandlungen mit Polen und der Tschechoslowakei geregelt werden sollten.[11] Das auf Befriedung angelegte Lavieren des Westens, Appeasement-Politik[12] (auch Permissivität), war Folge ihrer Unentschiedenheit zwischen dem Anerkennen einer grundlegenden Position der Reichspolitik seit 1919, daß es das Recht auf Revision des Versailler Vertrages besäße, und dem Bündnisdenken, das Frankreich und darüber Britannien mit Polen und der Tschechoslowakei kennzeichnete und das eben auch die in diesen Staaten lebenden Deutschen miteinbegriff, die als nationale Minderheiten definiert worden waren, nicht aber als potentielle Bewohner des Reiches.
Die Widersprüchlichkeit der reichsdeutschen Auffassung, daß Veränderungen der mitteleuropäischen Grenzen eine innerdeutsche Angelegenheit seien, wurde insbesondere augenscheinlich durch zwei dem Anschluß folgenden Verordnungen vom 26. April 1938, wonach das Reich die österreichischen politischen Schulden nicht anerkannte (I) und eine Verordnung über die Erfassung jüdischen Vermögens (II), die sich weitgehend gegen das in Österreich angehäufte Vermögen österreichischer Juden richtete, deren Geschäfte mitsamt Schuldverschreibungen etc. zahlreiche Niederlassungen weltweit betrafen und somit das Problem internationalisierte. Die Nazis allerdings betrachteten das im Reich liegende jüdische Vermögen als Diebstahl am Volk und zogen es ein. Fixationen des internationalen Rechts interessierten sie hierbei nicht.

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Die Jüdin Helene Mayer gewinnt 1936 für das Reich Silber im Fechten und entbietet während der Feierszeremonie für die siegreiche (deutsch-jüdische) Ungarin Elek den deutschen Gruß. Links die aus Bärlin stammende Deutsche Müller, die für Österreich startete - ohne deutschen Gruß, aber mit geschlossenen Augen beim Abspielen der ungarischen Hymne, wobei hier die alte österreich-ungarische Kaiserhymne gespielt wurde, deren Melodie der des Deutschland-Liedes entspricht. Diese Hymne wurde für Minderheiten Ungarns bei offiziellen Anlässen intoniert. - Vereinzelte Sicherheitsbeamte in einer übergangslosen Ehrentribüne zu den übrigen Zusehern.



Aufgaben:

  1. Nenne das Strukturprinzip nationalsozialistischer Politik! (I)
  2. Liste die wichtigsten zehn Ereignisse für das Reich seit 1933 auf! (II)
  3. Diskutiere die Heimholungs-Politik Hitlers! Inwiefern war sie inkonsequent? Inwiefern war sie moralisch? Inwiefern war sie keine Friedenspolitik und damit unmoralisch? (III)



[1] Genfer Protokoll vom 4. Oktober 1922.

[2] Die österreichische Regierung hatte weitere Volksabstimmungen in anderen Landesteilen vorbereitet, untersagte diese dann jedoch nach französischem Druck.

[3] Als in Folge des Juli-Vertrages vom 11. Juli 1936 Schuschnigg eine Amnestie erließ, sollte die für 17045 nationalsozialistische Häftlinge in den österreichischen KZs gelten. Sozialdemokratische und kommunistische Inhaftierte fielen nicht unter das Amnestie-Gesetz.

[4] Zum Vergleich: im dato etwa halb so großen München kamen 1937 14100 Kinder zur Welt, 11000 Menschen starben.

[5] Der vollständige Text zum zitierten Text, darüber hinaus zu sämtlichen Locarno-Verträgen findet sich hier.

[6] Die selten genug von der NSDAP-Zentrale gesteuerten, sondern stets auch gegen den Willen Hitlers geleiteten NSDAP-Aktivitäten in Österreich nannte man fortan im offiziösen Österreich die von „Illegalen“, kurz „die Illegalen“. Der NSDAP in Österreich stand zwischen 1934 und 38 Leopold vor: ungestüm auf die Machtübernahme drängend. Hitler hatte (oft) nichts gegen Insubordination, denn er begriff sie als Selbstbehauptungswillen seiner Unterstellten. Ein Führer müsse sich gegen Renitenz durchzusetzen wissen. So sah er Leopolds ungestümes Vorgehen an der Spitze einer illegalen Bewegung (NSDAP in Österreich) durchaus nicht als ein im Kontext des Erfolges der Gesamtbewegung zu bewertendes und zu bestrafendes Delikt an. Andererseits wurde Hitler von seinem Umfeld oft genug darauf hingewiesen, welche repressiven Folgen Leopolds Vorgehen in bezug auf den politischen Erfolg der „Bewegung“ haben mußte. Daß er an Leopold bis Januar 1938 festhielt, belegt Hitlers dialektisches Politikverständnis.

[7] Hitler sprach in seiner Rede vom 5. November 1937 von 85 Millionen Deutschen, die in einem Reich leben sollten. In Hitlers Herrschaftsbereich lebten dato etwa 67 Millionen Deutsche, in Österreich 7, in der Schweiz 5, in Polen 5, in der Tschechoslowakei 4, in Frankreich 2. Die Schweizerdeutschen hatte Hitler aufgrund ihrer historischen Entwicklung ausgeklammert. (Rede vom 21. März 1935) Es wird deutlich, daß der Anschluß nur Etappe auf dem Ziel sein konnte, alle Deutschen in einem Reich zu vereinen.

[8] Schuschnigg erklärte im Gespräch von Berchtesgarden (Februar 1938), „daß auch er [wie Hitler] die enge Vereinigung Deutschlands und Österreichs als einzig mögliche Lösung ansehe“. (Akten, S. 221.)

[9] Formal gesehen, internationalem Recht folgend, hätte er dazu einer Aufforderung des österreichischen Bundeskanzlers oder Bundespräsidenten bedurft. Allerdings begriffen weder die meisten Österreicher noch Hitler die Angelegenheit als eine internationale, sondern als eine nationale.

[10] Frankreich hatte Schuschnigg nach dessen Verkündigung einer Volksbefragung zur Selbständigkeit Österreichs am 9. März 1938 durch seinen Generalsekretär des Außenministers, Herrn Leger, wissen lassen: „Frankreich werde den Säbel nur ziehen können, wenn der Fall der Vergewaltigung [durch das Reich] klarliege, wenn das österreichische Volk gegen sie [die einrückenden Reichsdeutschen] reagiere, und wenn man in Paris nicht glauben müsse, daß in Österreich nur die Regierung und ein paar Diplomaten österreichisch denken.“ (Papen, S. 482.)

[11] Besonders deutlich wird das in einem Schreiben des reichsdeutschen Gesandten Aschmann vom 25. November 1937. (Akten, S. 64.)

[12] Zum Jahreswechsel 1934/35 änderte sich Britanniens Politik gegenüber dem Reich. Lord Allen, inoffiziell im Auftrag der britischen Regierung im Januar 1935 in Berlin zu Gast, wurde unwidersprochen vom Staatssekretär in der Reichskanzlei, Lammers, folgendermaßen verstanden: „Er [Lord Allen] habe den Auftrag vom englischen Ministerpräsidenten MacDonald erhalten, eine Botschaft des guten Willens zu überbringen. [..] Das Bedauern über die in den letzten zwanzig Jahren begangenen politischen Fehler nehme [in England] zu und damit der Wunsch, sich über die noch bestehenden Mißverständnisse zu einigen.“ (Akten IV, S. 853.)