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Thema: Meeresstimmung

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Meeresstimmung

    Das Meer schien zu rauchen, da der Dunst sich gleich einer Glocke vor die Sonne gestellt hatte. Es war, als ob ein Reaktor seine Strahlen über die Weite des Atlantiks ausgebreitet hätte. Die Sonne war als zarter Hauch durchzogen von diesigen Fäden am Himmel zu sehen. Die Füße trugen sie soweit, bis sie nur noch die schwarze Lavawand sah, auf welche die Urgewalt ihre weißen Brecher sandte. Dahinter kahle Baukräne, die ihre Rücken in den Himmel bohrten, umgeben von einem Panorama von ausgebeinten Betonpfeilern. Sie kehrte um. Ihre Füße krallten sich in den nassen von Fußspuren unberührten Sand. Mit jedem Schritt erhob sich ein Schmatzen, wenn sie den Fuß aus der soeben noch erkorenen Höhle hob. Dann stand sie vor dem Wrack. Die Planken wiesen von Moder durchzogen Löcher auf. Das Meeressalz zeigte seine Spuren. Es hatte sich direkt in die Substanz des alten ausgedienten Schiffs hineingefressen. Sogar an den querliegenden Eisenstäben machte das Meer nicht Halt. Die perforierte Maserung ließ das Metall nur mehr als verrosteten Werkstoff erscheinen. Er sprach die Worte laut gegen die einfallenden Wellen kämpfend: „In tausend Jahren werden sich Korallenriffs an dem Wrack angesammelt haben.“ Sie drehte sich um. Erstaunt nahm sie wahr, daß er noch da war. Eigentlich war er immer da, aber heute bei diesem Spaziergang hätte sie ihn fast vergessen können. Sie hatte sich sogar vorgestellt, wie sie alleine in der Abflughalle saß. Zwanzig Jahre später, wenn sie alleine, ohne ihn wäre, nurmehr ein alterndes Fräulein, das mit einer klammernden Bewegung das Handgepäck an sich reißt. Sie hatte, als sie dem Wrack gegenüber stand, an ihre Mutter gedacht. Er war in ihre Gedankenwelt eingefallen. Sie murmelte gegen die Wellen: „Was sind tausend Jahre gegen den Tod einer Mutter?“ Er nahm sie in den Arm. Es war ihr egal, ob er ihre Erwiderung gehört hatte. Zumindest sah es so aus, als ob er sie vernommen hätte. Seine Mutter war schon lange tot. Was hätte er also entgegnen können? Außerdem geschah es oft, daß sie etwas sagte, ohne eine Antwort von ihm zu bekommen. Es war also kein Wunder, daß er sie sprachlos in die Arme genommen hatte. Seine Umarmung war fast väterlich. Ein Sog ergriff sie und sie sank in die rund zwanzig Jahre ältere Gestalt herab. Aber der Gedanke an die Mutter ließ sie nicht los. Was hätte ihre Mutter wohl dazu gesagt, wenn sie hier mit einem so viel älteren Mann stände? Ein Schiffswrack beobachtend, das die Erinnerungen an die Vergangenheit heraufbeschwor. Im Geiste hörte sie ihre Mutter sagen: „Was willst du mit ihm? Im Alter wirst du allein sein. Das ist keine Basis für eine reelle Beziehung.“ Sie schüttelte den Gedanken ab. Gleichzeitig machte sie sich los von seiner Umarmung. Er ließ sie leicht überrascht los. Was hatte sie? Aber dann dachte er, daß sie frei sei. Frei wie ein Vogel und sah, wie sich ihr Gesicht von den Wellen abgewandt in die kleine Schar Strandläufer grub, die versuchten hier und da einen Wurm oder Krebs zu erhaschen. Sie liefen weiter. Sie voraus, während er ihr mit zögernden Schritten folgte. Er betrachtete sie, wie sie in ihrer Jugend leicht über den Sand tänzelte. Er schaute ihren Fußspuren nach. Ihre ergaben nur sanfte Abdrücke in dem schwarz-weiß marmoriertem Sand, während in seinen schweren behäbigen Spuren sich das Meerwasser sammelte. Er begann schwer zu schnaufen. Er dachte, er würde sie ziehen lassen. Was für eine Zukunft würde er ihr in seinem Alter noch bieten können? Es müßte jetzt gleich sein, solange sie noch so voller Glück durch den Sand lief. Mit einer abrupten Bewegung drehte er sich um und lief zum Hotel zurück, ohne daß er nocheinmal einen Blick auf die Gestalt verloren hätte, die sich mit dem diesigen Himmel vermischte.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Meeresstimmung

    BIETEN muß fallen!

    keine Reflexionen, biete statt dessen Reflektionen, dann ist's eine Stimmung; die Verdichtung sollte später erfolgen

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Meeresstimmung

    Meinst du damit, daß ich nicht über die Mutter und die Beziehung zu dem älteren Mann reflektieren soll und anstattdessen nur darstellen soll, was sie vor Augen hat?

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    Post AW: Meeresstimmung

    Och, jetzt macht mir die ganze Kritisiererei keinen so rechten Spaß mehr.
    Mein Gemecker ist wirklich nicht persönlich gemeint.

    Aber sei's drum:
    Das Meer schien zu rauchen, da der Dunst sich gleich einer Glocke vor die Sonne gestellt hatte. Es war, als ob ein Reaktor seine Strahlen über die Weite des Atlantiks ausgebreitet hätte.

    Reaktoren senden keine Strahlen aus - im Normalfall.
    Die Sonne war als zarter Hauch durchzogen von diesigen Fäden am Himmel zu sehen.

    Paar Kommas wären nett
    Die Füße trugen sie soweit, bis sie nur noch die schwarze Lavawand sah

    m. E. besser "da?"
    , auf welche die Urgewalt ihre weißen Brecher sandte.

    "welche" = Unwort
    Dahinter kahle Baukräne, die ihre Rücken in den Himmel bohrten, umgeben von einem Panorama von ausgebeinten Betonpfeilern. Sie kehrte um. Ihre Füße krallten sich in den nassen von Fußspuren unberührten Sand.

    Das tun sie beim normalen Laufen nicht - sich krallen.
    Mit jedem Schritt erhob sich ein Schmatzen, wenn sie den Fuß aus der soeben noch erkorenen Höhle hob.

    Und es erhob sich ein gewaltiges Schmatzen ...
    Dann stand sie vor dem Wrack. Die Planken wiesen von Moder durchzogen Löcher auf.

    Löcher können von nichts durchzogen sein, sonst sind's keine.
    Das Meeressalz zeigte seine Spuren.

    Welche? Sich selber?
    Es hatte sich direkt in die Substanz des alten ausgedienten Schiffs hineingefressen. Sogar an den querliegenden Eisenstäben machte das Meer nicht Halt.

    Das Meer, das Salz oder wer? Und warum sollte es haltmachen?

    Gruß
    K.

  5. #5
    rodbertus
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    Post AW: Meeresstimmung

    Also, Kassandra, nach intensiver Rücksprache mit willieh, die wissen müßte, was ein Loch ist, möchte ich hier von Mann zu Mann mitteilen, daß sich Moder in Löchern festsetzen kann. Moder zieht nicht, Moder sitzt.

    Liebe Patina, bitte kläre die Grundfesten dieses Textes!

  6. #6
    Tochter aus gutem Hause
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    Post AW: Meeresstimmung

    Mir gefällt das Thema. Bin ein alter Mann mit einer jungen Hauptfrau. Habe mich schon oft gefragt, wann es an der Zeit, sie, die im Sand Schwebende, an einen jüngeren Hüpfer zu überreichen.
    Was kann ich ihr noch bieten? Erfahrung, Sicherheit, die alles verstehende Zärtlichkeit des Alters, meine Liebe ohne Gegenliebe zu verlangen?
    Nö, das Gen macht`s, meine nie versagende, täglich mehr sprudelnde Potenz!

    ...zugegeben, mit ein bißchen Hilfe von ihr...

  7. #7
    Tochter aus gutem Hause
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    Post AW: Meeresstimmung

    Liebste Kassandra,
    vielen Dank für deine Anmerkungen. Scharfsehende Kritiker sind mir immer willkommen.

    Lieber Robert,
    wie soll ich mich erklären? Kannst du das etwas genauer formulieren?

    Liebes Hannemännchen,
    dann sind wir ja irgendwo seelenverwandt, gelle? Grüße an deine Schöne. Sie ist doch schön und jung? Na dann herzlichen Glückwunsch. Ich bin auch schön und jung.

    Einen guten Abend wünscht Euch Eure Bowle

  8. #8
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Meeresstimmung

    die vom zahn der zeit zerfressenen strukturen und das ende der krebse und w?rmer stellen sich beil?ufig und wie absichtslos in beziehung zu alter und tod, dem thema der nachfolgenden reflexionen. ein hauch hemingway weht durch die ersten zeilen, doch verfliegt er mit der allzu expliziten darstellung des themas. beim lesen dachte ich mir, ob es nicht besser w?re, mehr auszusparen und zwischen den zeilen stehen zu lassen.

    etwas unglücklich erscheint mir der perspektivwechsel. nachdem lange zeit alles aus dem blickwinkel der frau gesehen wurde, kippst du zum schluss die perspektive, und nur, um den mann die gedanken der mutter wiederholen zu lassen. ich würde hier eine andere lösung wählen; zum beispiel könnte sie - und mit ihr der leser - von ihm (wenn's denn wirklich sein muss) später einen brief bekommen, heimlich einen tagebucheintrag lesen oder auf sonst irgendeine weise von seinen überlegungen erfahren - fast alles ist besser als dieser perspektivische bruch.

    einige bilder deines textes sind sehr schön, doch wird der reaktor, der offenbar einem GAU zusteuert, in jeder hinsicht zum störfall.

  9. #9
    Griselda
    Laufkundschaft

    Lightbulb AW: Meeresstimmung

    Platzhalter

    textarbeit demnächst

  10. #10
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    Lightbulb AW: Meeresstimmung

    Griselda, bist du das schwarze Pferd?

  11. #11
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    Lightbulb AW: Meeresstimmung

    come and dance with me, Griselda


    Das Meer schien zu rauchen, da der Dunst sich gleich einer Glocke vor die Sonne gestellt hatte.
    gleich drei Fehler auf einen Streich, ja, das nimmt doch gleich die Lust am Weiterlesen

    • SCHIEN ZU ist immer mad
    • DA in einem ersten Satz zeugt zumindest von mangelnhaftem Spannungsaufbau und
    • HATTE am Ende ist Zeugnis einer Hilfssatzkonstruktion, die zusammen mit SCHIEN und DA geradezu verheerend auf mich wirkt.


    Es war, als ob ein Reaktor seine Strahlen über die Weite des Atlantiks ausgebreitet hätte.
    pladautz, schön wieder; immerhin hast Du den Konjunktiv gebildet; ES WAR ist immer gut, im ersten Satz in einer ganz bestimmten textsorte, sonst tunlichst zu vermeiden
    Die Sonne war als zarter Hauch durchzogen von diesigen Fäden am Himmel zu sehen.
    Preisfrage: Welche Konstruktion wiederholt sich jetzt schon wieder?
    Die Füße trugen sie soweit, bis sie nur noch die schwarze Lavawand sah, auf welche die Urgewalt ihre weißen Brecher sandte. Dahinter kahle Baukräne, die ihre Rücken in den Himmel bohrten, umgeben von einem Panorama von ausgebeinten Betonpfeilern.
    Ich versuche mir das Bild vorzustellen: BAUKRANRÜCKEN bohren sich in den Himmel?! Das haut nicht hin.
    Sie kehrte um. Ihre Füße krallten sich in den nassen, von Fußspuren unberührten Sand. Mit jedem Schritt erhob sich ein Schmatzen, wenn sie den Fuß aus der soeben noch erkorenen Höhle hob.
    WENN-Konstruktion überflüssig
    Dann stand sie vor dem Wrack. Die Planken wiesen von Moder durchzogene Löcher auf.
    DURCHZOGENE ist nicht sehr glücklich; vielleicht löst Du das nomen adverbial auf?!
    Das Meeressalz zeigte seine Spuren.
    Kaum. Vielleicht meinst Du die Folgen von der Einwirkung des Salzes im Meerwasser?
    Es hatte sich direkt in die Substanz des alten ausgedienten Schiffs hineingefressen. Sogar an den querliegenden Eisenstäben machte das Meer nicht Halt. Die perforierte Maserung ließ das Metall nur mehr als verrosteten Werkstoff erscheinen. Er sprach die Worte laut gegen die einfallenden Wellen kämpfend: "In tausend Jahren werden sich Korallenriffs an dem Wrack angesammelt haben." Sie drehte sich um. Erstaunt nahm sie wahr, da? er noch da war.
    Das ist ein Haufen Arbeit. Den Schluß hab ich jetzt gar nicht mehr gemacht. Fang am besten noch einmal an und mach Dir einen Plan, was Du wann sagen willst.

  12. #12
    Tochter aus gutem Hause
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    Lightbulb AW: Meeresstimmung

    Wenn es sich nicht lohnt, den Text zu überarbeiten, dann mußt das sagen. Ich mache solange keinen Strich an dem Text. *Grummel*...hab heut einen verdammt schlechten Tag gehabt... (nicht wegen dem Text)

  13. #13
    rodbertus
    Laufkundschaft

    Lightbulb AW: Meeresstimmung

    Ganz ehrlich? Klopf ihn in die Tonne!

  14. #14
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: Meeresstimmung

    Ordnerpflege


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