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Thema: Zugfahrt

  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Zugfahrt

    Zugfahrt

    Ich fahre mit dem Zug durch eine fremde Gegend. Mir gegenüber sitzt ein junges Mädchen, vielleicht zwanzig Jahre alt.
    Ich frage mich, warum sie so still dasäße und beuge mich zu ihr hinüber. Flüstere ihr ins Ohr: Warum sind Sie so traurig, mein Fräulein? Haben Sie jemanden allein zurückgelassen?
    Ja, einen sehr guten Freund, sagt sie und spielt mit einem ihrer Ringe. Dabei schaut sie nach unten.
    Ich tippe sacht ihre Hand an und ziehe sie ein wenig zur Seite. Frage: Darf ich den Ring sehen?
    Nein! sagt sie barsch und stößt meine Hand weg.
    Er ist ein Geschenk Ihres Freundes? vermute ich.
    Ja, er hat ihn mir gegeben.
    Er ist so schön wie seine Besitzerin, sage ich.
    Ich spüre, wie sie weiter von mir wegrückt. - Schweigen.
    Der Weg ist endlos. Das Schweigen ohrenbetäubend. Ablenkung. Wir schauen aus dem Fenster und hören auf die Klänge: Anfahr- und Abbremsgeräusche, das Rattern beim Weichenüberqueren, Bahndammrattern. Es ist eine waldige und bergige Gegend, durch die wir fahren. Plötzlich hebt sie ihre Augen und schaut mich an. Ich drehe meinen Kopf ihr zu und schaue in eigenartig braune Augen.
    Sie fragt mich etwas, das ich nicht verstehe.
    Was sagten Sie, mein Fräulein? frage ich.
    Wird es schon dunkel? wiederholt sie ihre Frage.
    Nein, beeile ich mich mit der Antwort, der Wald ist nur dichter geworden.
    Dann fahren wir über einen Viadukt.
    Nach einer ganzen Weile, wir fahren immer noch durch waldiges und bergiges Land, sagt sie wieder: Ich glaube, es wird wieder dunkler.
    Nein, sage ich, hier ist Bayern. Hier scheint immer die Sonne. Nachher, wenn wir erst im Vogtland sind, wird es eintrüben. Versprochen. Dort ist auch der größte Viadukt Europas.
    Sie machen sich lustig über mich, sagt sie.
    Dann fahren wir über einen ellenlangen Viadukt. Die Tiefe ist erstaunlich. Horrible.
    Sie machen mir Angst, sagt sie und rückt ein Stück näher zu mir heran. Ihre Knie berühren meine.
    Drei, sagten Sie? fragt sie. Dann kommt noch einer?
    Ja, sage ich und freue mich.

  2. #2
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Zugfahrt

    hallo robert,

    fantasie ist okay. das kommt hoffentlich im gesamtzusammenhang dann auch rüber.
    könnt mich ja aufregen ...

    lg
    e.

  3. #3
    Rike
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    AW: Zugfahrt

    Schön! Spiele ich vielleicht auch an meinem Ring, ohne das ich es mitbekomme?

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Zugfahrt

    Ohoho, hallo, meine liebe Rike. Ich freue mich über Deine Frage. Was ist schon eine Frage? Ob Du spielst, fragst Du? Ich glaube, ja. Da bist Du Mensch. Mit Ringen spielst Du nicht, glaube ich. Aber weil Du es eben nicht machst - das Unterlassen des Spielens -, fällt das aus dem Rahmen. Ringe sind Dir heilig. Warum? Vielleicht denkst Du wie ich und Ringe sind für Dich wie eine Befreiung vom Schmerz, denn vorher ist das Herzfühlen nur Schmerz. Ein Herz hält beharrlich wiederkehrende Trennungen nicht aus. Keiner kann mir erzählen, daß er das aushält. Aber jedem geschieht genau das, wenn er das mit dem Ring nicht lebt, wenn er um das Herz des anderen einen Ring zieht, der gleichsam begrenzt und dadurch erst Freiheit möglich macht. Und darum werden die meisten Menschen früher oder später zynisch (Hölderlin nannte es: EIN VERHÄRTETES GEMÜT haben), weil sie ihr Herz ausklammern, eine Lebenshilfe suchen ohne Liebe, ohne Trennungsschmerz und Herzensnot. Herz haben bedeutet Schmerzen erleiden, weil es sucht, ständig sucht, selbst im Augenblick der größten Liebe ist es nur ein augenblickliches Gefundenhaben, ein Haben, das zum Sein wird und vergeht, aus sein wird war. Du weißt ja,"MORGEN WIRD HEUTE GESTERN SEIN, oder". Der Ring aber, der Ring dieses Mädchens, er war Gestern. Sie wußte es in dem Augenblick, als ER ihn IHR schenkte. Und dann die Angst vor den Abgründen. Du weißt, daß ich dann lächle. Ich weiß selbst nicht, wie tief ich fallen muß, mich selbst verleugnen muß, um an den Abgründen zu schweben, entlang zu schweben. (Ja, es bleibt dabei, ich schwebe.) Also ist jede Beziehung Ausdruck der empfundenen Zeit und des richtigen timings. Der nächste Viadukt kömmt bestimmt, dann schau ich Dir in die Augen, Kleines. Und Du solltest rot werden.

    Eule, wenn Du es bist, ich kann mit Deiner Bemerkung nicht so sehr viel anfangen. Was meinst Du mit Gesamtzusammenhang? Phantasie ist okay, sagst Du?! Und wenn es nun geschah? Bin ich dann der Böse?

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Zugfahrt

    allerdings, robert. mehr als der böse.

    ich hab deine einführenden worte so verstanden, dass es sich hier um einen teil einer längeren geschichte handelt. der -ich- sitzt mit ihr im abteil und die szene spielt sich in seinem kopf ab. das wäre okay.

    nehme ich den text also, wie er dort steht.
    (gehe davon aus, -ich- ist ein mann. und, er ist älter als sie. allein durch den altersunterschied entsteht ein ungleichgewicht der "machtverhältnisse" zwischen den beiden (zumal sie ja auch noch blind zu sein scheint). außerdem ist so ein enges zugabteil auch nicht gerade der angenehmste ort, jedem, der einsteigt, körperlich nah sein zu müssen.

    ich finde, er ist unverschämt. nüchtern betrachtet, eine sehr, sehr unangenehme begegnung für sie, grenzfall zur sexuellen belästigung.

    jeder mensch hat eine intimsphäre, die auch nach außen wirkt wie eine unsichtbare schutzhülle. diesen raum dürfen nur auserwählte personen betreten, ohne dass die nähe des anderen für die/den betroffenen "unangenehm" wird. er nimmt sich was raus, was ihm nicht zusteht, er achtet seine gegenüber nicht, er macht was er will, er ist mindestens gedankenlos.

    "
    Flüstere ihr ins Ohr: Warum sind Sie so traurig, mein Fräulein? Haben Sie jemanden allein zurückgelassen?

    Ich tippe sacht ihre Hand an und ziehe sie ein wenig zur Seite.

    Er ist ein Geschenk Ihres Freundes?

    Er ist so schön wie seine Besitzerin
    "

    *GRUSEL*

    ich weiß schon, warum ich immer nur im großraumwagen fahre. solche typen gibts wie sand am meer. ich kann sie nicht leiden, ich rieche sie 10 km gegen den wind.

    für mich wäre das ein echter horrortrip und ich würde bestimmt nicht darauf aus sein, die unterhaltung -wie sie es tut- von mir aus fortsetzen.

    "Sie machen mir Angst, sagt sie und rückt ein Stück näher zu mir heran. Ihre Knie berühren meine."
    - nach dem anfang, völlig unglaubwürdig.

    was ist an der szene -schön-???
    die aussicht auf bayerische wälder vielleicht?

    ich jedenfalls kenne keine frau, der obige begebenheit gefallen würde.

    alls klar?
    lg
    e.

  6. #6
    rodbertus
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    AW: Zugfahrt

    Eule, Du bist ja total verklemmt. Das hätte ich aber nicht gedacht. Nun geh aber in den Wald! Aber schnell, bevor die Wirkung der Pillen aufhört!

  7. #7
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    AW: Zugfahrt

    Eule, Du bist ja total verklemmt.
    Ich glaube das ist nicht fair, das so zu sagen. Ich kenne eine ganze Menge Frauen die sich wirklich nicht wehren können. Die es in KURSEN lernen, nein zu sagen. Für die ist die Situation ein wirklicher Horror.
    An meinen Ringen darfst Du drehen, entweder finde ich das aufregend, oder es gibt was... wie sagst Du, auf die Moppen?!
    Und da es genug solcher Frauen gibt, wollen sie dies nicht als romantische Situation geschildert wissen.

    Es gibt Themen, da wird nur noch auf den Inhalt geachtet, das weißt Du doch...eigentlich mein Gebiet

  8. #8
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Zugfahrt

    Niemand hat eine größere sexuelle Macht als eine schöne Frau. Und sie weiß das. In jedem Alter. Ihr Nein ist absolut. Hier aber gibt es kein Nein. Zudem sollen Frauen existieren, die sagen eben auch mal ja. Und bereuen es nicht. Vielleicht gefielen ihr seine Augen, seine Hände, seine Art: Wer will das schon wissen? Wir werden es nie erfahren, aber vielleicht sagt sie es uns selbst?!

  9. #9
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Zugfahrt

    hier geht es nicht um verklemmt oder um sich nicht wehren können, mögen, ...
    hier geht es um respekt vor der unbekannten persönlichkeit.

    "Niemand hat eine größere sexuelle Macht als eine schöne Frau. Und sie weiß das. In jedem Alter."

    ja, die erde ist eine scheibe.

  10. #10
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Zugfahrt

    Das sage ich schon lange. Willkommen im Klub, Eule. Nur was hat die Scheibe Erde mit der Signalsprache der Liebe zu tun? Ist beides eine Lüge für Dich? Not me. Ich glaube an beides. Das sind Voraussetzungen fürs Leben. Wenn ich Dir zugestehen würde, daß zwei und zwei vier seien, würde ich wahrscheinlich zu leben aufhören. Das Mädchen sieht dies wahrscheinlich nicht so, denn in ihrem Alter sieht man nicht, aber sie weiß es trotzdem, sie weiß, daß zwei und zwei nicht vier sein können, denn DIE ERWACHSENEN sagen es, alle sagen es, alle, die sie lenken und gestalten, beeinflussen wollen. Und im anderen Manne, der (zufällig vielleicht, aber im Text wurde über sein Alter nichts gesagt, vielleicht gleichaltrig oder sogar jünger ist) sie besitzen will, seinem Jagdinstinkt frönt, findet sie einen Halt. Richtig. Entscheidend aber ist auch, daß sie kommt, nachdem die Situation eigentlich schon entschieden scheint. Sie zog sich zurück, er ließ es gewähren, respektierte es! Das hast Du offensichtlich übersehen. (Nun ja, wenn es aus dem Horizont fällt, weil die Erde nicht als Scheibige gesehen wird, dann passiert das schon mal, daß die Perspektive wichtiger als die Blendung des Sehenmüssens wird.) Vergewaltigung und Gewaltsamkeit sind was anderes. Dummschwätz, Eule, wenn Du darauf abzielst.

  11. #11
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Zugfahrt

    ab: 'sie fragt mich etwas, das ich nicht verstehe' wird es wirklich gut. der viadukt tönt scheussssslich, meiner meinung nach.

    sicherlich ist er gewollt evokativ. die reaktionen für mich nicht weiter erstaunlich also. das mag ich an dem text auch.
    der anfang ist aber allzu altertümelnd. ich glaub das nicht. nein. und langwierig langweilig. ja. und eigenartig braun ist eigenartig schlecht geschrieben. weil es auch nur evokativ ist, sein will, dem leser aber nichts auftun tut. so. alles in allem lohnte eine überarbeitung an dem textlein, oder eine fortführung, weil er was hergibt. und weil er in einer leisen zärtlichkeit geschrieben wurde, wenigstens stellenweise.

    gut nacht auch
    stöver

  12. #12
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Zugfahrt

    Der Text trifft die erotische Phantasie des Vereins für christliche Mädchen und nervt die Kritiker, denen selbst das noch zu wüst.
    Andere Täler, andere Viadukte, bitte.

  13. #13
    Klaudja
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    AW: Zugfahrt

    Recht klassisch, deine Phantasie im Zugabteil, Robert. Was mir nicht gefällt ist die Verwendung von Angst als erotischen Aufhänger. Hier scheinen mir Täter und Retter zu nah beieinander zu liegen. Sollte es wirklich so einfach sein?

    Gruß
    Klaudja

  14. #14
    hauchdünn
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    AW: Zugfahrt

    es ist kein lob. es ist eine empfindung.
    gegründet auf vielerlei.
    vielleicht.

    aber ich muss mich fernhalten.
    von ringen und herzen.
    sie sind nicht für mich gemacht.

    glaube ich.

    unregistriertes.
    können männer eigentlich lieben.
    ich glaube nicht.

  15. #15
    Rike
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    AW: Zugfahrt

    Ja vielleicht sag ich es lieber selbst, lieber Robert.
    Wenn mich jemand im Zug auf diese Art ansprechen würde, würde ich es bestimmt mit der Angst zu tun bekommen. Ja das würde ich.
    Aber irgendwas muss er ja haben wenn ich ihn auch anspreche oder ist es nur zur Ablenkung um mich zu beruhigen? Aus Angst das er mich belästigen könnte! Nein ich glaube nicht, denn wenn ich mich belästigt fühle geh ich einfach!
    Fast jeder nimmt Deinen Text anders auf und hat eine andere Meinung darüber... Mir gefällt er aber trotzdem!
    Vielleicht bin ich jünger als Du aber ich verstehe. Ich verstehe sehr viel vom Leben.

  16. #16
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Zugfahrt

    Vergewaltigung und Gewaltsamkeit sind was anderes. Dummschwätz, Eule, wenn Du darauf abzielst.

    die grenzen sind fließend, mein lieber robert.
    das sollten männer endlich mal kapieren.

    wäre dein protagonist vorsichtiger und weniger aufdringlich gewesen am anfang, hätte er auf ein zeichen von ihr gewartet, und ich hätte keinen pieps gemacht.

    :
    Ich fahre mit dem Zug durch eine fremde Gegend. Mir gegenüber sitzt ein junges Mädchen, vielleicht zwanzig Jahre alt.
    Ich frage mich, warum sie so still dasäße?
    ich räuspere mich. sie hebt den kopf, schaut mich an, als würde meine anwesenheit sie belästigen. ich fühle mich alt. ich räuspere mich erneut. ich schweige. ich schaue zum fenster hinaus. warum dürfen bayrische mädels ohne begleitung zugfahren? sie macht mich verlegen. ich würde gern ein gespräch mit ihr führen. wie soll ich beginnen? ich will sie beeindrucken, mit meiner wortgewandheit, meinem charme, meinen breiten schultern
    geht es ihnen gut?, höre ich sie fragen.
    nein, sage ich.
    sie lacht. ein fröhliches lachen.
    entschuldigung, aber auf so eine frage sagt man nicht nein, schon gar nicht, wenn die sonne scheint.
    ich beuge mich zu ihr hinüber.
    Warum waren Sie dann gerade so betrübt, wie mir schien?
    Ich habe einen guten freund zurückgelassen, sagt sie und spielt mit einem ihrer Ringe. Dabei schaut sie nach unten.
    Ich tippe sacht ihre Hand an. Frage: Darf ich den Ring sehen?
    Nein! sagt sie barsch und stößt meine Hand weg.
    Er ist ein Geschenk Ihres Freundes? vermute ich.
    Ja, er hat ihn mir gegeben.
    Ich spüre, wie sie weiter von mir wegrückt. Schweigen.
    (...)


    hi rike,

    wenn du dich belästigt fühlst, gehst du.
    ja, so läuft es meistens.
    sie war zuerst da. soll er sich schleichen oder stillsitzen und -schweigen.

    lg
    e.

  17. #17
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Zugfahrt

    Das ist das Schöne an der Literatur: ein Text - viele Meinungen. Es freut mich. Allerdings ist der Text nur eine Notiz. Tu ich so, als ob er‘s nicht wäre, sondern mehr.

    stöver, GEWOLLT EVOKATIV sagst Du. Und wenn‘s nun so stattfand? Weißt Du denn nicht, daß gerade die altertümelnde Sprache manches Herz öffnet, und sei es Neugier? Und sie? Sie wartet, sie ist verlassen und sehnt sich, das ist/war ein gefundenes Fressen für den Jäger. Die Händelagen im Schoß, als bedeckten sie ein Geheimnis. Die Sonne schien durchs Fenster und zerfraß Sehnsucht; erst im Halbdunkel des Waldes brachen die Leiber. Weißt Du, wovon ich spreche? (Sollt ich es so aufschreiben?)
    Für das Braun ihrer Augen hab ich noch keine genaue Benennung. Vielleicht sollte ich tiefer schauen, aber Du mußt wissen, daß ich farbenblind bin, EIGENARTIG ist da schon weit hinausgelehnt. Ich glaube aber, ich muß hier nicht die Farbe beschreiben, sondern das matte Leuchten. Diese Ferne.
    Für die LEISE ZÄRTLICHKEIT bedank ich mich.

    Hannemann, bitte genauer. Was nervt den Kritiker? Christlich möchte ich den Verein nicht nennen, vielleicht anders, aber das Wort ist mir augenblicks entfallen.
    Andere Viadukte gab es nicht, nach dem dritten war alles vorbei, wir fuhren hinab in die sächsische Tiefebene. Das wurde aber auch Zeit!

    Klawdia, KLASSISCH nennst Du meine Phantasie? Das mußt Du mir erklären.
    ANGST ist ein starkes Aphrodiasicum. Wolltest Du das bestreiten? Der rettende Prinz war nicht in Sicht. Vielleicht rettete sie ihn? Über ihn erfährt der Leser beinahe nichts, ist Dir das entgangen? Vielleicht ist er einen Kopf kleiner, zehn Jahre alt oder blaß? Wer weiß! Wahrscheinlich nicht. Aber ausschließen kannst Du es nicht. Sie rückt zudem näher, nicht er! Er wartet. Das ist eigentlich gegen das klassische Bild der wartenden Prinzessin gestrickt, denn sie hält die Zügel des Handelns. Ja, sicherlich tut er sein Möglichstes, sie neugierig zu halten, aber wodurch hält er sie? ANGST, sagst Du. Vielleicht schiebt sie die Angst nur vor?

    hauchdünn, Du bist witzig. FERNHALTEN. Männer lieben mit allem, ganzheitlich, sonst ist es Lust. Lust ist unerschöpflich, aber sie ist nicht entscheidend. Hier schon gar nicht. Entscheidend ist der Wille der beiden, aufeinander zuzugehen. Das ist Liebe, eine Macht, die beide in Spannung hält, sie suchen nach einem Ausweg und finden ihn im Halbdunkel über den Abgründen vogtländischer Täler. (Wisse, daß VÖGTE auch nur Stellvertreter der Macht sind!) Sie führen hier einen Stellvertreterkrieg - Angst und Halbdunkel, Ringe und Herzen sind Mittel, Motivationen fürs weitere; ABER das Weitere darf nicht verhandelt werden -, die Liebe ist Krieg. Ich liebe, darum weiß ich, daß Männer lieben können.

    Rike, ANGST sagst Du? Was würde Dir Angst machen? Daß er fragt, ohne sich vorzustellen? Daß er nach Deinem Ring schaut, Dich berührt? Was würde Dir Angst machen? Diese unvornehme Impertinenz, die sich an das distanzierte Radebrechen übers Wetter nicht halten will, sondern gleich bis ins Tiefste vorzustoßen gedenkt, aber sich sofort zurückzieht - in Ehrfurcht - vor dem anderen, als dieser zu verstehen gibt: HALT! Was sollte Dir da Angst machen können? Reden wir nicht alle davon, daß die Menschen nicht mehr miteinander reden, sondern nur noch um Kommunkationsaustaschsphären bemüht sind... Und jetzt bricht einer mal aus und redet mit seinem Mitmenschen, schon wird ihm ANGSTmache und VERGEWALTIGUNG oder LIEBLOSIGKEIT unterstellt, blabla. Weißdergeier.
    Daß Du aufstehst, ehrt Dich nicht. Zerschlag ein Ei über seinem Schädel!
    Mich würd interessieren, was Du verstanden hast, Rike.

  18. #18
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Zugfahrt

    gefällt mir ausnehmend, robert. sehr präzise dargestellt, diese begegnung, ohne ein wort zuviel, ohne eines zuwenig. vor- und schlussbemerkung gehören unbedingt dazu. ists nur eine notiz? durchaus nicht. aber wie du willst...

    eulalie, dein einwand hingegen scheint mir verständlich, aber unberechtigt, zumal das mädchen näher heranrückt aus eigenem willen. dem reisenden, dem ich-erzähler, gibt es somit eine chance. unrealistisch? die wirklichkeit eines textes halt.

    klar, der ich-erzähler ist nicht sehr schüchtern, und wir erfahren über diesen kerl wenig, am schluss wenigstens, dass er sich freut. wird er sie etwa vergewaltigen? wer denkt denn sowas!

    Mr. Jones

  19. #19
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Zugfahrt

    hallo mr. jones,

    lassen wir doch die kirche im dorf:
    robert fing an, großartig aufzutischen (verklemmt, vergewaltigung), nachdem ich von "grenzfall sex. belästigung" schrieb.

    DIE signalsprache der liebe?

    danke jungs für den buhmann. ich wiege ihn ein bisschen in meinen armen. es wird ihm gut tun

    lg
    e.

  20. #20
    buhmann
    Laufkundschaft

    AW: Zugfahrt

    die eul ich heut verhau
    bald gibt es EULE BLAU

  21. #21
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Zugfahrt

    Original erstellt von eulalie:
    hallo mr. jones,

    lassen wir doch die kirche im dorf:
    robert fing an, großartig aufzutischen (verklemmt, vergewaltigung), nachdem ich von "grenzfall sex. belästigung" schrieb.

    lg
    e.
    von mir kriegste den buhmann nicht. ich sags nochmal: verständlich, deine interpretation. aber meines erachtens halt unberechtigt, und dies im text verankert, roberts erklärungen in seinen kommentaren ungeachtet.

    tja. dann denkt robert also an vergewaltigung? ich nicht, jedenfalls.

    wie dem auch sei, nochmals: der text gefällt mir sehr. klein und fein.

    dear greetings
    Mr. Jones

  22. #22
    Mutter des Hauses
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  23. #23
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Zugfahrt

    Er wird sie nicht vergewaltigen. Er wird sie lieben. Und das ist schön. Das Ringsymbol ist klasse. Könnte ich in meinen eigenen Text aufnehmen. Leider hatte ich noch nie einen richtigen Ehering - meiner war nur so ein großer Klotz, den man nur bei seltenen Gelegenheiten tragen konnte - und kann noch nicht so ganz nachvollziehen, was sich dahinter so verbirgt.

  24. #24
    brown eyed girl
    Laufkundschaft

    AW: Zugfahrt

    warum erzählst du alles über uns, robert?

  25. #25
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Zugfahrt

    ein schlechter satz, mein mädchen, ein ganz schlechter satz.

    stöver

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