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Thema: Kategorie: Schlechte Gedichte

  1. #101
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Kategorie: Schlechte Gedichte

    Ich liebte ein Mädchen aus Trier,
    das musste ich führen beim Gehn.
    Erblindet, im Alter von vier,
    verstand es bald anders zu sehn:

    Eines Tages, beim Picknick am Strand,
    beschrieb mir das Mädchen das Meer,
    und die Worte, die es dafür fand,
    sie zauberten Bilder mir her,

    die noch heute, im siebzehnten Jahr,
    nachdem es den Schmerzen entschlief,
    berühren - und ergraut auch mein Haar,
    lebt die Liebe mir ewig und tief.

  2. #102
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Wir fragworten, Sie anten!

    Liebe in Zeiten von Corona

    Sie stand zwei Meter hinter mir, mit ihrem Atemschutz,
    und klaute mir mein Klopapier. Ich haute auf den Putz!
    Auf einmal stand sie nah bei mir, mit ihren vollen Lippen.
    Ich schenkte ihr mein Klopapier. Die Stimmung sollte kippen.

  3. #103
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    AW: Kategorie: Schlechte Gedichte

    Das Virus hat auch viel Giutes
    wer verstehen will, tut es
    das oder der Virus ist nicht weiblich
    das freut die Genderanten weidlich
    es sorgt für weniger Stau
    beim Bäcker und auf dem Bau
    es leert die Kassen und Konten
    ganz ohne Raub und Gewalt
    und macht vor keinem Halt
    es ist völlig demokratisch
    trifft jeden, ob bürgerlich, ob aristokratisch
    und es leistet eins, dafür Lob und Dank
    es zeigt, wer Grips hat und Verstand
    und wer bloß Gips in der Birn und Sand

  4. #104
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    AW: Kategorie: Schlechte Gedichte

    Jetzt hat das CV auch die Körper-Hirnschranke bei mir durchbrochen. Das Resultat spricht für sich:

    Gemeinsam einsam durch die Krise
    nur eine leere Bank ist gut
    der Abstand ist der beste Stand
    wie ruhig liegt das Land


    Die Vögel halten nichts von distancing
    die Gassi-Hunde werden separiert
    2 Meter mindestens – man weiß ja nie
    was dieser fremde Köter mit sich führt


    Ganz selten gibt’s die noch
    die ungeniert sich nähern
    dir auf die Pelle rucken
    und Viren auf die Nase spucken


    Und auch die Politik macht eins auf wendig
    hat sie Gesichtsverhüllung grade noch verboten
    so müssen wir uns doch ab jetzt vermummen
    und in Gesellschaft oft verstummen


    Doch gibt’s auch gute Seiten dieser Krise
    Viel Platz auf jeder Liegewiese
    genügend freier Raum in Bussen und in Zügen
    und Pause auch fürs Fliegen


    Nur keine Panik liebe Leute
    wir kriegen das schon hin
    bald wird die Wirtschaft wieder brummen
    statt Bienen werden die Turbinen summen

  5. #105
    Kurzvormabschussiger
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    Seerosenstadt

    seerosenstadt

    ein hundertzweigevorhang fällt
    und hinter ihm ein letzter kuss.
    auf ihren schultern liegen sanft
    knospenköpfe bis an den fluss.

    der vorhang trübt den blick zur stadt,
    kein dächermeer aus roten ziegeln
    erscheint am ufer an der bank,
    nur plattenbauten, die sich spiegeln.

    ein wasserläufer bricht die stille,
    mit jedem schritt schieben kleine wellen
    ruderboote an die ufer.
    türkis-sauer knistern die libellen.

    einsam treibt, gelöst von zöpfen,
    blütenlos das rosenblatt.
    erinnerungen schwimmen fort,
    fort von eisenhüttenstadt.

  6. #106
    schreibt hier hin und wieder
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    Lachen nicht Siechen

    Rote Faust, Hammer und Sichel
    Klassenbewußtsein, Kampfbereitschaft
    Falsche Friedensschwüre, Generationenlüge
    Überall lauern Bonzen
    Hasten opportun nach dem Mammon
    Im Namen von Humanismus und heiligen Werten
    Ausreden die sich bewährten
    Das Lächeln eines Kindes stimmt mich wehmütig
    Keine Menschenrechte und ihre Verteidiger
    Selbsternannte Heilige Heuchler Kriegstreiber
    Haben etwas mit diesem Lächeln gemein
    Vielleicht ein sühnender Sünder
    Wo ist der Geschichtenerzähler der seinen Stoff bezahlt
    -in Brand stecken um zu löschen-
    Dumme Lügen
    Wer drüber lacht nimmt's Leben ernst
    Leben ist Lachen nicht Siechen

  7. #107
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Lachen nicht Siechen

    Interpunktion!

    lachen, nicht siechen!
    lachen nicht, siechen!
    Das Lachen nicht, das Siechen?

    Als Anklage zu abstrakt und klischeebeladen, obgleich wir alle wissen, daß Klischees ihre Wirkung dadurch besitzen, daß sie (meist) stimmen. Aber in einem poetischen Text ist so was tötlich, es sei denn, man will Stereotype bedienen und einen Echoraum erzeugen. Der Sprung vom Friedensschwur zum Kinderlächeln ist einfach zu groß. Entweder bleibst Du bei dem einen Thema oder bei dem anderen. Humanismus gefällt mir immer, wenn er denn ein poetisches Bild erzeugt, was hier nicht der Fall ist.

    Nö, saul, dieser Text ist was für die Tonne.

  8. #108
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Lachen nicht Siechen

    das mit der tonne ist wohl wahr. ich hab noch mehr für die tonne. vielleicht sollte ich einen tonnenordner anlegen.
    gruß, saul

  9. #109
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Lachen nicht Siechen

    Die Tonne steht hier > http://forum.vonwolkenstein.de/threa...echte-Gedichte


    ich würde betont beginnen...sprich umstellen


    Hammer und Sichel, rote Faust,
    Kampfbereitschaft, Klassenbewusstsein,
    Generationenlüge,................

    "falsche Friedensschwüre"..hm...weder lyrisch noch kryptisch - lyrisch wird schwer...drum kryptisch

    Lippenbekenntnisse vielleicht?

    manche Adjektive scheinen mir nicht wirklich zu passen...statt hasten vielleicht lechzen - und auf opportun kann man verzichten...das versteht sich von selbst. Heilige Heuchler ist mir auch zu dick aufgetragen...in Heuchler steckt das irgendwie alles schon mit drin...zumal Du mit den heiligen Werten kein heilig mehr frei hast. Und warum bewährten und nicht bewähren? Wobei ich "bezahlen" schreiben würde.

    Vielleicht ein sühnender Sünder
    Wo ist der Geschichtenerzähler der seinen Stoff bezahlt
    da würde ich das Plural wählen...denn das Lächeln eines Kindes ist hier nicht das Lächeln eines bestimmten Kindes...sondern das Lächeln aller Kinder

    Wer drüber lacht nimmt's Leben ernst
    Leben ist Lachen nicht Siechen

    der Slang kommt aus dem Nichts...spricht nichts dagegen darüber und nimmt es zu schreiben

    Leben ist Lachen nicht Siechen
    da kann man nun "spielen"

    Leben ist lachen,
    Leben ist siechen

  10. #110
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Kategorie: Schlechte Gedichte

    Ich liebte ein Mädchen aus Düren,
    das sprach mit den Blumen und Pflanzen.
    Der Anfang, ein stilles Berühren,
    von suchenden Blicken, beim Tanzen.

    Es wohnte gleich hinter den Wiesen,
    wo froschgrüne Grashüpfer springen.
    Die Bäume, sie standen wie Riesen,
    die neblige Sümpfe umschlingen.

    Im Mai, nach fast herbstlichen Wochen,
    da hörte die Mutter ich weinen,
    in Tränen, im Herzen gebrochen,
    tief trauernd auf zittrigen Beinen.

    Die Tochter war leise gegangen,
    zu schwach, um sich weiter zu wehren.
    Ein Himmel, von Sternen behangen,
    der will seinen Reichtum vermehren.

    Ich liebte ein Mädchen aus Düren
    und lasse die Blumen jetzt sprechen.
    Der Abschied, ein letztes Berühren,
    die Rosen ein stilles Versprechen
    Geändert von anderedimension (09.01.21 um 14:14 Uhr)

  11. #111
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    AW: Kategorie: Schlechte Gedichte

    Also, so schlecht find ich das gar nicht. Handwerklich ordentlich gearbeitet, bieder gereimt, ein mächtiger Touch Rührseligkeit, romantische Ironie für den etwas anspruchsvolleren Leser mitverpackt. Es gibt schlechtere Gedichte, die höher gehandelt werden. In der Romantik könnte sich dieser Vers durchaus mit manchem Machwerk aus der Feder eines bekannten Dichterlings messen.

    Aus heutiger Sicht, ausgestattet mit Sentimentalitätsallergie und Kitschunverträglichkeit, ist es natürlich nicht mehr state of the art.

  12. #112
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Kategorie: Schlechte Gedichte

    Das ist sozusagen ein Rosamunde Pilcher - Gedicht. Die Romane dieser Dame würde man wohl auch als schlecht bezeichnen. Auf der anderen Seite ist das aus kommerzieller Sicht extrem erfolgreich...weshalb ich ihre Schinken nie in den Dreck ziehen würde. Die meisten, und wohl wirklich die meisten Autoren würden, in Anbetracht der Erfolgsaussichten, sofort tauschen. Allerdings...nichts ist schwieriger als das erfolgreich Einfache zu schaffen. Und so betrachtet ist das, das Pilcher macht..bzw. machte, große Kunst. Hatte schon in der Vergangenheit von meiner (inzwischen verstorbenen) Cousine erzählt, die als Musikprofessorin viele Instrumente beherrschte, die großartig singen konnte und mit weltweit erfolgreichen Musikern Kontakt hatte. Aber sie komponierte und spielte Stücke, die keine Sau hören mochte - technisch perfekt...aber für die Katz. Ob Musiker, Schriftsteller, Maler...die erfolgreichsten waren/sind die...die ein Gespür für den Zeitgeist hatten/haben. Wenn man dazu auch noch sein Handwerk beherrscht...umso besser. Das waren/sind dann die Leute, die man nie mehr vergisst. Nun habe ich viel drum herum geredet...in der Kurzform: ein Gedicht...wie das obige...macht mir so schnell keiner nach. Die eine Hälfte, weil sie es nicht kann, die andere...weil sie es nicht will. Letztendlich entscheidet der Konsument, was gut ist...und was nicht. Der Porsche ist das technisch beste Auto der Welt...und das um Längen. Hätte dieses einst aus der Not geborene Fahrzeug aber nicht auf Anhieb die Menschen mit seiner Optik begeistert...wäre dieses Projekt womöglich sofort gestorben. So aber hatte die Technik die Gelegenheit sich im Schatten des Erfolges zu entwickeln. Bei Autoren ist das oft auch so. Viele heut weltbekannte Autoren schrieben über Jahre Groschenromane...oder dümpelten so vor sich her. Mit dem ersten Erfolg entwickelten sie sich dann weiter...sodass aus erfolgreichen dann auch gute Autoren wurden.

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