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Thema: Labskaus

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Post Labskaus

    Der Worte und der Gefühle Wert

    Sechs Gegebenheiten gewähren den Trotteln Freude: Die Worte der Dichter, ein reiner Gesang, gehackter Hering, die falsche Rede Geliebter, ein angenehmer Handel, ein überraschender Wandel.

    In einer - den Göttern sei gedankt! - sehr fernen, am Ufer der kalten Nebelsee gelegenen Stadt, deren Bewohner Krawatten tragen und Heringe hacken nach sonderlicher Weise, lebte einst ein alter, gutmütiger Trottel. Es wird berichtet, dieser Trottel schlief nur neben seiner heißgeliebten Gemahlin, ein feenhaftes Geschöpf. Weil aber Wollust und lasterhafte Untreue allen Frauen im Blute liegen, vergnügte sich das gierige Weib mit einem jüngeren Mann, der in den dunklen Kontoren ihres Gatten Heringsnetze knüpfte. Des Trottels Angetraute umgarnte den Knüpfer so lange, bis er gefangen in den Netzen ihrer Triebe zappelte.
    Lange lebten sie die Fleischeslust im Geheimen, hinter Segeln zum Trocknen gespannt, auf dicken Tauen noch naß und salzig von der See, selbst in den großen, leeren Heringsfässern, und es war der Geruch nach Meer, Fischen und Sünde, der endlich das Paar dem gutmütigen Dummkopf verriet. Heiß lohte das Feuer der Eifersucht in seinem Herzen, doch gerade noch zur rechten Zeit bedachte er sich, schnelles Handeln würde alles andere bedeuten als seine gewohnte trottelige Art, und daß er wider die Vorsicht verstieß, wollte er in der ersten Aufregung Weib und Knüpfer, so sehr sie seine Feinde waren, beseitigen. Er tat, als ob er den Betrug nicht bemerkte, faßte jedoch den festen Vorsatz, die beiden Ehebrecher zu bestrafen, ohne daß seine Tat ruchbar würde.
    Er suchte Rat und ging gemessenen Schrittes auf ein vertrauliches Gespräch zu seinem Verwalter, obwohl eine innere Stimme nie gekannter Klugheit ihn dringend beschwor: „Verbirg diese Absicht vor dem Vasallen und handle allein nach deinem Gefühl!“
    Des Trottels Administrator riet, das Paar ins schwarze Reich des Nichtseins zu schicken, behauptete, es sei wohl das Beste, den Ungetreuen Gift unter den gewohnten gehackten Hering zu mischen; natürlich so vorsichtig und klug, daß außer dem Trottel und ihm keine Seele etwas davon höre. Nur so könne der finstere Plan ausgeführt werden, damit sich der Vorhang der Schmach nicht öffne und der Faden des guten Rufes keinesfalls zerreiße.
    Nach diesem Rat begab sich der Verwalter nach Hause, wo er auf sein eigenes tief bekümmertes Weib traf. Sogleich fragte er sie nach ihres Grames Ursache und mußte schmerzlich erfahren, daß des Trottels Gemahlin ihr die Ehre als Hausfrau genommen, indem jene sich bei dem Fischhändler vorgedrängt, und sie selbst darum nur schlechteren Hering zu kaufen vermochte. Erbost kostete der Administrator von dem gehackten Hering und sprach voll Zorn zu seiner Frau: „Der Fraß ist wahrhaft widerlich, aber mach dir nur keine Gedanken darüber, denn in zwei bis drei Tagen wird der Frevlerin Lebenslicht verlöschen, Geruch und Blüte ihres Daseins nicht mehr sein.“
    Sein Eheweib forschte, was das bedeute, und der Verwalter entdeckte ihr das strenge Geheimnis, schürfte ihr jedoch ein, es sorgfältig in ihrer Brust zu bewahren. Weil aber Schwatzhaftigkeit und schadenfreudige Bosheit im Blute jeder Frau liegen, besonders auch in dem der Weiber jener - dem Himmel sei Dank!- sehr fernen Stadt am Rande der Nebelsee, lief sie aus dem Haus und eilte gleich auf den Fischmarkt, Lust in den Augen, eine Freundin zu treffen. Unterwegs auf glitschigem Pflaster sang sie aus vollem Herzen das uralte Heringshacklied:

    „Hering, Hering, fein gehackt,
    schaust du aus wie frisch gekackt!“

    Unterwegs gesellte sich eine Dienerin der schändlichen Ehebrecherin dem Verwalterweib zu und begehrte zu wissen, warum sie, die doch den schlechteren Fisch gekauft, bei so guter Laune wäre. Darauf entgegnete des Administrators Frau: „Weil sich in meinem wie auch in deinem Leben bald etwas ändern wird! Weil die Herrin des Hauses, der du gleichfalls bitterlich dienst, mir die Ehre nahm, ohne daß mich geringste Schuld trifft, so steht ihre Strafe kurz bevor!“
    In scheinbarer Freude fragte die Dienerin: „Woher willst du das wissen? Und wann wird unsere Tyrannei endlich beendet sein?“
    Aus übervollem Herzen kam die Antwort: „Wenn du ein Geheimnis zu wahren weißt, so will ich dir alles erzählen!“ Und als die listige Magd das Versprechen mit vielen Eiden beschwor, berichtete das geschwätzige Weib alles, was sie in ihrer Brust so streng verwahrte.
    Indes kehrte die Dienerin rasch zu ihrer Herrin zurück und erstattete Anzeige über das unerhört Gehörte. Diese ließ ihren Geliebten in den Privatgemächern erscheinen, beide stärkten sich mit doppelter Portion gehackten Hering, trieben die Unzucht und nebenbei flüsterte die Buhle dem unehrenhaften Beischläfer ins Ohr, daß ihr Geheimnis entdeckt. Da begab sich der üble Heringsnetzknüpfer zu seinem Herrn und stieß dessen Lebensschiff in den Strudel der Vernichtung.
    Der Trottel hatte eben seinen Vorsatz offenbart, und deshalb war es mit ihm zu Ende. Nicht aber mit dem gehackten Hering.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Labskaus

    - ein bißchen krauß erzählt
    - die Sprache ist rund, nur die längere Rede einer doch einfachen Frau verwirrt
    - ich habe die Geschichte, glaube ich, nicht verstanden - bitte um zwei Sätze Zusammenfassung

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    Cool AW: Labskaus

    Nur ein Satz:

    Labskaus schmeckt gar schauerlich!

  4. #4
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    Angry AW: Labskaus

    Lieber Hannemann,

    "Ach die Weiber, welch Natterngezücht nähren wir. Der Todsünden sieben vereint in einer Frau: Herr, was hat Adam verbrochen? Kein Verbrechen rechtfertigt dies Strafgericht."

    Ich weiß, es wird dich nicht stören, aber Eulalie wird`s nicht gefallen.
    Ich jedoch hab`s gern gelesen. Jeoch es war mir zu kurz, denn es las sich wie die unvollständige Inhaltsangabe eines noch unbekannten Shakespeareschen Dramas, das Bruchstück einer Dekamerone-Erzählung, eine fehlerhaft überlieferte Canterbury Tale.
    Es fehlte viel. Vor allem am Schluß drängt sich dem Leser die Vermutung auf, dich habe die Lust am Fabulieren verlassen. Das Ende wird einfach abgehackt, um zu selbigen zu gelangen.Das kannst du nicht machen: Die Geschichte ist einfach noch nicht zur Katharsis gelangt! Des Trottels Lebenschiff wird also versenkt? Geht das nicht ein wenig ausgeschmückter? Und sei es nur, um ein Gegengewicht zum Anfang und seiner ausufernden Beschreibung der Beischlafsorte zu setzen? Das Leben geht so weiter? Was geschieht mit der Frau und ihrem Liebhaber? Was ist mit dem Verwalter? Seiner Frau? Der Dienerin? In allen steckt noch Potential. Du schenkst es einfach her.
    Lieber Autor, so behandelt man seine Leser nicht!

    Gruß, Klammer

    P.S.: Ich lese gerade ein Buch mit dem Titel "Geile Farben". Das ist nicht schlecht.
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    Red face AW: Labskaus

    ..wunderbar erzählt. Zusammenfassung braucht es nicht (sind doch nicht bei Readers Digest).
    schön: 'bis er gefangen in den Netzen "ihrer" Triebe zappelte'.

    Mehr solche
    Laster

    Ach ja: Labskaus sieht zwar höllisch aus, aber schlecht schmeckt es im Geringesten nicht. Wenn die Schiffe der Heimat sich näherten, fegte der Smutje noch einmal die Küche durch und braute aus dem Zusammengefegten das Labskaus und dann strebte das Matrosenvolk Richtung St. Pauli...

  6. #6
    rodbertus
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    Red face AW: Labskaus

    Zusammenfassungen sind bei einem literarischen Text ein Anzeichen für Unfähigkeit. In doppelter Hinsicht. Der Leser fühlt sich als dumm hingestellt, der Autor selbst stellt sich als unfähig dar. Ja, les(t)er, schlecht, wenn's einer bedarf.
    Ich kam hier aber nicht durch. Und anderen gefällt Labskaus. Also mir immer noch nicht. Aber ich bin ja auch kein Koch und deshalb muß mir das nicht schmecken.

  7. #7
    Tochter aus gutem Hause
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    Red face AW: Labskaus

    Halleluja, zefixnoamoi, ich kann wieder mit dem Rechner rechnen!

    Also der Labskaus...nun ja, ein Gleichnis, hingeschmiert zwischen Entwurf der Aschermittwoch-Fischkarte und dem Amusement über eine blinde Eule aus dem hohen Norden. Klammer sagt es deutlich, der Abklatsch eines sehr vernünftigen Leberkäs müßte noch mehr kesseln.
    Nach meinem Urlaub mit Frau Hanne am Silberstrand von Koh Samui...bald!

  8. #8
    Tochter aus gutem Hause
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    Red face AW: Labskaus

    Labskaus stößt mir noch etwas auf. Etwas eigenartige Sprache, aber doch irgendwie gut. Eine wahre Erholung nach dem Splatter.

    Übrigens als Urlaubslektüre für Thailand empfehle ich Michel Houellebecq's Plattform. Auf das dich der Splatter wieder einholt. Har har... der Autor hat in Stuttgart auf der Lesung geweint. Ein Sensibelchen also. Wo ist die Splatterpsychologie?

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