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Thema: Etwas über Vorzimmerdamen

  1. #1
    schreibt hier hin und wieder
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    Etwas über Vorzimmerdamen

    Zoe-Gissou war süchtig. Schon als kleines Baby konnte ihre Mutter dem bettelnden Blick der Tochter nicht widerstehen, warf also ihre Prinzipien ein ums andere Mal über Bord und gab nach.
    Die Schokoladenorgien der Kindheit hatten den Grundstein gelegt für runde einundneunzig Kilogramm, die Zoe-Gissou rot und digital jeden Morgen auf dem Display elektronisch gewogen begrüßten, Tendenz steigend. Die Sucht nach Schokolade war immer stärker gewesen als der Wunsch, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
    Zoe-Gissou brauchte Schokolade wie die Luft zum Atmen. Schokolade in Rührkuchen, Schokolade als Mousse, Schokoladencreme gefroren, Schokolade auf Brot oder, ganz unspektakulär, Schokolade in Tafeln. Immer öfter aß Zoe-Gissou bereits zum Frühstück Schokolade. Wenn sie erst spät Feierabend hatte, weil die Übersetzungsaufträge ihres Chefs, nach langer Krankheit wieder genesen, bis hinaus auf den Flur anstanden, fehlte ihr nicht selten die Lust zum Kochen. Dann bestand auch das Abendbrot zumeist nur aus Schokolade. Es gab Wochenenden, da hatte Zoe-Gissou nichts anderes zu sich genommen als Schokolade.
    Zoe-Gissou rauchte nicht, sie trank keinen Alkohol, nahm keine Pillen. Ihre Droge war Schokolade. Längst hätte sie sich um eine Entziehungskur bemüht, wenn der Konsum von Schokolade mit Gefängnis bestraft würde. Aber so. Niemand interessierte sich für den Inhalt ihres Einkaufswagens, den sie ganz langsam an den Regalen der Süßigkeitenabteilung entlang schob und scheinbar gedankenlos mit Riegeln und Schachteln aus dieser füllte. Keiner hatte ihr je angeboten, sie könne an einem Therapieprogramm für Langzeitsüchtige teilnehmen. Unter der fürsorglichen Betreuung von Experten würde der kalte Entzug maximal zwei Wochen dauern. Ein halbes Jahr müsste sie noch für die Überwindung der psychischen Abhängigkeit einplanen, danach wäre sie sauber. Selbstverständlich litt ihre Gesundheit unter dem Zwang, Schokolade maßlos zu sich nehmen zu müssen. Die Liste der ärztlichen Verordnungen war lang, die verschriebenen Medikamente teuer. Nebenwirkungen und Folgeerkrankungen hatten Zoe-Gissous Wohlbefinden längst im Würgegriff. Die existentielle Frage lautete, wann - Wann würde der Körper ihrem Geist den Wohnsitz verweigern - Zoe-Gissou war keine Selbstmörderin. Aber, sie war auch nicht mehr Herrin im eigenen Haus. Immer neue Kreationen der Schokoladendealer fraßen sich hinter ihren Gehirnwindungen fest, lauerten darauf, ihren letzten Willen zu rauben. Schokolade verschwand aus Läden und Kiosken in ihren Leinenbeuteln, ihrem Rucksack und wenig später in ihrem Magen. Weder das Mobbing der Kollegen, noch die eindringlichen Worte ihres Chefs, der an seiner kolossalen Vorzimmerdame hing wie deren Eau de Toilette an ihrer Aura, die Appelle ihrer Mutter schon gar nicht, brachten Zoe-Gissou zur Vernunft. Im Gegenteil. Die Schlinge zog sich immer enger zu unter dem mächtigen Doppelkinn. Der Frust wurde größer und größer, genau wie die Mengen an Schokolade, die Zoe-Gissou verspeiste.

    Wer weiß, wie lange Zoe-Gissou noch dafür hätte Sorgen können, dass die Memos aus Malaga ihrem Chef nicht zunehmend spanischer vorkamen. Eines Tages tauchte er unvermittelt in der Schlange vor ihr im Supermarkt auf und meinte, er wisse sehr gut, wie tief Menschen sinken können, und dann hatte er augenzwinkernd die Schokoladentafeln, Kugeln, Riegel und Schachteln vom Laufband genommen und der verduzten Kassiererin mit den Worten, bitte auf der Giftmülldeponie entsorgen, überreicht. Das wirkte wie ein Aufruf zur Revolte. Der Widerstand im Untergrund von Zoe-Gissous speckigen Fettschichten begann sich zu organisieren. Mentale Kräfte rüsteten auf zur Selbstverteidigung gegen die Herrschaft der Schokolade. Zoe-Gissou setzte sich zum ersten Mal in ihrem Leben ein Ziel. Das Trennungsjahr würde schmerzhaft werden, darüber machte sie sich keine Illusionen. Aber am Ende wird Schokolade entmachtet sein.

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Etwas über Vorzimmerdamen

    Etwas über Vorzimmerdamen
    Zoe-Gissou
    (Was für ein Name! Irgendetwas zwischen Katzenfutter und Comicfigur. Aber das ist ja sicher beabichtigt.)
    war süchtig. Schon als kleines Baby konnte ihre Mutter
    (Die Mutter als kleines Baby? )
    dem bettelnden Blick der Tochter nicht widerstehen, warf also
    (also passt hier nicht)
    ihre Prinzipien ein ums andere Mal über Bord und gab nach.
    (Ich nehme an, sie fütterte sie mit Schokolade, a womans best friend. Wird hier aber nicht ganz klar.)
    Die Schokoladenorgien der Kindheit hatten den Grundstein gelegt für runde einundneunzig Kilogramm, die Zoe-Gissou rot und digital jeden Morgen auf dem Display elektronisch gewogen begrüßten, Tendenz steigend. (Entsetzlich überkonstruiert. Das ist ein Satz für meine Sammlung. Man lechzt als Leser förmlich nach dem Verb, das sich gut versteckt. Denke daran, dass der Leser nicht mehr als 8 Wörter in seinem Kurzzeitgedächtnis unterbringt, dann muss ein Komma oder ein Bindewort folgen. Längere Satzteile kann er sich nicht merken und verliert den Sinn der Aussage.)
    Die Sucht nach Schokolade war immer stärker gewesen als der Wunsch, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. (...war gewesen? Oje. Robert hasst diese Sätze, vor allem wenn man das zu vermeiden kann: „...als der Wunsch nach einem selbstbestimmen Leben.“ )
    Zoe-Gissou brauchte Schokolade wie die Luft zum Atmen. Schokolade in Rührkuchen, Schokolade als Mousse, Schokoladencreme gefroren, Schokolade auf Brot oder, ganz unspektakulär, Schokolade in Tafeln.
    (Diesmal war es kein Satz.)
    Immer öfter aß Zoe-Gissou bereits zum Frühstück Schokolade. Wenn sie erst spät Feierabend hatte, weil die Übersetzungsaufträge ihres Chefs, nach langer Krankheit wieder genesen,
    (Wieder so ein Satzungetüm. Diesmal sind, unfreiwillig komisch, die Übersetzungsaufträge genesen)
    bis hinaus auf den Flur anstanden, fehlte ihr nicht selten die Lust zum Kochen. Dann bestand auch das Abendbrot zumeist nur aus Schokolade. Es gab Wochenenden, da hatte Zoe-Gissou nichts anderes zu sich genommen als Schokolade. (hatte genommen? Achte auf deine Zeiten. „Es gab Wochenenden, in denen nahm...“ usf.)
    Zoe-Gissou rauchte nicht, sie (überflüssig) trank keinen Alkohol, nahm keine Pillen. Ihre Droge war Schokolade. Längst hätte sie sich um eine Entziehungskur bemüht, wenn der Konsum von Schokolade mit Gefängnis bestraft würde. (Nur die Angst vor Strafe zwingt Menschen zum Drogenentzug? Das ist psychologisch nicht ganz nachvollziehbar. Ist diese Zoe die erste Frau, die nicht eitel ist und abnehmen will?)

    Bis hierher, der Rest morgen.

    Gruß, Klammer
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  3. #3
    rodbertus
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    Post AW: Etwas über Vorzimmerdamen

    8 wörter, klammer? sylben nicht mitgerechnet?
    aber die idee ist faszinierend, nach acht wörtern einen bindestrich setzen zu müssen.



    Der Bäcker streift das Marmeladenbrötchen aus der Sotten - es gibt viel zu tun, sagte er beiläufig zu - seinem Lehrling; also, laß dich nicht dabei überraschen -, wenn du lange Finger machst, ich möchte morgen - gerne hier noch acht Brötchen vorfinden.

    Nee, bin nicht überzeugt.

  4. #4
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    Post AW: Etwas über Vorzimmerdamen

    Lieber rodbertus,

    du hast nicht aufmerksam gelesen: "Denke daran, dass der Leser nicht mehr als 8 Wörter in seinem Kurzzeitgedächtnis unterbringt, dann muss ein Komma oder ein Bindewort folgen." Das Komma oder das Bindewort erzeugen eine Pause wie dein Gedankenstrich. Dieser Satzteil wird verarbeitet, dann folgt der nächste.
    Versuche doch einmal, 20 beliebige Wörter eine Minute lang zu memorieren und dann wiederzugeben. Dir fallen ziemlich genau acht dieser Wörter sofort wieder ein. Dann kommt eine Pause, es schaltet sich ein anderer Teil des Gedächtnisses ein, das dir dann noch etwa 5 bis 8 zuflüstert. Der Rest der Wörter fällt dir erst nach Stunden wieder ein.
    Dein Beispiel funktioniert also so:

    "Der Bäcker streift das Marmeladenbrötchen aus der Sotten - (Pause) es gibt viel zu tun, (Pause) sagte er beiläufig zu seinem Lehrling; (Pause) also, laß dich nicht dabei überraschen -, (Pause) wenn du lange Finger machst, (Pause) ich möchte morgen gerne hier noch acht Brötchen vorfinden."
    Ganz am Schluss stört das "gerne hier noch", das den Satz zu lang macht. Der Lehrling wird die Mahnung nicht verstehen und die Brötchen essen.

    Gruß, Klammer

    P.S.: Was ist eigentlich "Sotten", und wie streift man ein Marmeladenbrötchen?
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  5. #5
    Tochter aus gutem Hause
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    Post AW: Etwas über Vorzimmerdamen

    sieden, sotten, gesotten;

  6. #6
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    Post AW: Etwas über Vorzimmerdamen

    sieden, sotten, gesotten;
    ...habe ich schon mal erwähnt, dass "Socken" mein Lieblingswort ist? Knapp gefolgt von Nowottny.

    Entschuldige den Ausflug, Eulalie. Aber ich kümmere mich noch um deinen Text. Versprochen. Kyra ist morgen ebenfalls an der Reihe (Dunkle Drohung).

    So. Jetzt muss ich auf eine Vernissage, die ich nur wegen der gereichten Appetitlichkeiten besuche. (neo-bayerischer Surrealismus, igitt.)

    Gruß, Klammer
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  7. #7
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Etwas über Vorzimmerdamen

    Sotte - Satte - Sumpfvogel: wo ist da der Unterschied? bäh! Du Milchbrötchen! Bayr. Neosurrealismus? Also, das Wort gibt's doch gar nicht! Darüber kann man nur eine Glosse schreiben. Klammer, ich warte.

    Nowotny ist übrigens auch eines meiner Lieblingswörter. Ich spielte jahrelang mit einem Fußball, der so hieß. Nicht der Ball, der Mann aus der Unterstadt.

  8. #8
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    AW: Etwas über Vorzimmerdamen

    Gesottene Sumpfvögel und zwar satt. Klingt nicht schlecht.
    Im Moment denke ich darüber nach, womit man eine Eulalie füllt. Behandelt man sie wie einen Uhu, wäre wohl fein gehacktes Mäuschen angebracht. Sieht man aber eher eine Blume in ihr, kömmt nur edler Cognac in Frage.
    Lilie in Branntwein schwimmend, uraltes französisches Mittel gegen fortgeschrittene Impotenz...und zwar ohne Schokolade.

  9. #9
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Etwas über Vorzimmerdamen

    das war baby mika

    der text ist schon ziemlich alt. sagt man doch immer, abstand gewinnen, dann öffnen sich einem die augen.

    schiete. schlechter einstieg. da springen die leser von hinnen.

    komisch, bei anderen sehe ich sofort, wenn die "beziehungen" nicht stimmen. was sagt der psychologe dazu?

    zoe-gissou. der name ist spitze

    der wunsch nach einem selbstbest. leben - ja! sehr schön. schon geändert.

    das mit den wochenenden - zu sich nahm - auch gebongt.

    Die Schokoladenorgien der Kindheit hatten den Grundstein gelegt für runde einundneunzig Kilogramm, die Zoe-Gissou rot und digital jeden Morgen auf dem Display elektronisch gewogen begrüßten, Tendenz steigend. - den find ich gut

    (Nur die Angst vor Strafe zwingt Menschen zum Drogenentzug? Das ist psychologisch nicht ganz nachvollziehbar. Ist diese Zoe die erste Frau, die nicht eitel ist und abnehmen will?)

    keine verallgemeinerungen, klammer, zoe ist ein schoko-junkie. eitel zieht da nicht.



    hannemann, du auch hier
    freue mich immer, wenn mann mit mir spricht.

    du meinst sicher fortgeschrittene inkontinenz

    lg
    e.

  10. #10
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Etwas über Vorzimmerdamen

    Nö, Impotenz, schon Ludwig unter der Sonne...

    ...obwohl, der schiss auch in die Gänge.

    Schokolade stopft!

  11. #11
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    Post AW: Etwas über Vorzimmerdamen

    Weiter geht es, wie versprochen:

    Aber so. (Aber so? Wenn das ein achselzuckender Gedanke von Zoe ist, dann sollte das auch deutlich gemacht werden.)

    Niemand interessierte sich für den Inhalt ihres Einkaufswagens, den sie ganz langsam an den Regalen der Süßigkeitenabteilung entlang schob und scheinbar gedankenlos mit Riegeln und Schachteln aus dieser füllte.(Gänsehaut! Schachteln aus dieser? Dieses "dieser" soll sich wohl auf die Süßigkeitenabteilung beziehen, vielleicht auch auf die Regale. Auf jeden Fall ist es ein schlechter Satz.)
    Keiner hatte ihr je angeboten, sie könne an einem Therapieprogramm für Langzeitsüchtige teilnehmen. (Gibt es das für Schokoladesüchtige überhaupt?) Unter der fürsorglichen Betreuung von Experten würde der kalte Entzug maximal zwei Wochen dauern. (In der Schokolade ist ein LSD-ähnlicher Stoff, der Glücksgefühle auslöst. Dieser Stoff erzeugt also keine körperliche Abhängigkeit mit Entzugserscheinungen wie Zigaretten, Alkohol oder Heroin, sondern es gilt "nur", eine geistige zu überwinden. Kalter Entzug fällt also aus. Dabei stellt sich die Frage, ob solch eine gesellschaftlich tolerierte Abhängigkeit, die jedermann mehr oder weniger ausgeprägt in sich trägt, von Zoe überhaupt als störend empfunden wird. Ich denke,bei ihr gibt es nur ihren dicken Bauch und vielleicht noch um ihre Gesundheit oder ihre uneingestandene Liebe zu ihrem Chef, die als Motivation dienen, die Schokolade abzusetzen. Die auswirkungen der seelischen Abhängigkeit durch solch einer Volksdroge erachtet sie sicher nicht als bedrohlich.)
    Ein halbes Jahr müsste sie noch für die Überwindung der psychischen Abhängigkeit einplanen, danach wäre sie sauber. (Tatsächlich? Wäscht sie sich so selten? Hier solltest du das Wort "clean" benutzen oder "sauber" in Anführungszeichen setzen.)
    Selbstverständlich litt ihre Gesundheit unter dem Zwang, Schokolade maßlos zu sich nehmen zu müssen. (Lies dir diesen Satz einmal laut vor: "..maßlos zu sich nehmen zu müssen." - herrlich! Aber doch mindestens ein "zu" zu viel. Oder eines zu wenig.)
    Die Liste der ärztlichen Verordnungen war lang, die verschriebenen Medikamente teuer. (Der Nebensatz mit den Medikamenten im Plural verlangt ein "waren".)
    Nebenwirkungen (Von Medikamenten gegen Schokolade? Oder gegen Bulimie? Psychopharmaka? SlimFast?) und Folgeerkrankungen (geht es auch etwas genauer?) hatten Zoe-Gissous Wohlbefinden längst im Würgegriff. (Das würde ich gerne sehen.)
    Die existentielle Frage lautete, wann - (Umformulieren, oder: ...lautete: "Wann?" Und wer stellt diese Frage, Zoe doch offensichtlich nicht.)
    Wann würde der Körper ihrem Geist den Wohnsitz verweigern - (Hä? Soll das heißen: "Wann gibt sie den Löffel ab?")
    Zoe-Gissou war keine Selbstmörderin. Aber, (ein Komma zu viel, ist auch selten.) sie war auch (entscheide dich: "aber" oder "auch", aber nicht beides.) nicht mehr Herrin im eigenen Haus.
    Immer neue Kreationen der Schokoladendealer (Schokoladedealer, die Leute sind nicht aus Schokolade, sondern sie dealen mit ihr.) fraßen sich hinter ihren Gehirnwindungen fest (wie kann sich eine Kreation "hinter" etwas fressen? "in" wäre besser. Das ist aber allgemein ungeschickt formuliert.), lauerten darauf, ihren letzten Willen zu rauben (Du machst gibst den Kreationen hier antropromorphe Züge. Schokolade hat aber keinen eigenen Willen und steht damit jenseits von Gut und Böse. Wenn du böse Schokoweihnachtsmänner willst, die ihr auflauern, dann lass sie doch davon träumen.)
    Schokolade verschwand aus (den) Läden und Kiosken in ihren Leinenbeuteln, ihrem Rucksack und wenig später in ihrem Magen. Weder das Mobbing der Kollegen (beschreiben!!), noch die eindringlichen Worte ihres Chefs (was für Worte?), der an seiner kolossalen Vorzimmerdame hing wie deren (benutze nie "deren"! Mach daraus zwei Sätze. Mindestens.) Eau de Toilette an ihrer Aura, die Appelle (Welche? Ich dachte, sie hat längst resigniert.) ihrer Mutter schon gar nicht, brachten Zoe-Gissou zur Vernunft. Im Gegenteil. Die Schlinge zog sich immer enger zu unter dem mächtigen Doppelkinn. Der Frust wurde größer und größer, genau wie die Mengen an Schokolade, die Zoe-Gissou verspeiste. (gleicher Fehler wie oben: die "Mengen" fordern einen Plural, das Hilfszeitwort steht aber in der Einzahl. Schreibe"Menge")

    Wer weiß, wie lange Zoe-Gissou noch dafür hätte Sorgen (Hast du das absichtlich großgeschrieben?) können, dass die Memos aus Malaga ihrem Chef nicht zunehmend spanischer vorkamen. Eines Tages tauchte er unvermittelt in der Schlange vor ihr im Supermarkt auf und meinte, er wisse sehr gut, wie tief Menschen sinken können, und dann hatte (Zeitenwechsel innerhalb eines Satzes!) er augenzwinkernd die Schokoladentafeln, Kugeln, Riegel und Schachteln vom Laufband genommen und der verduzten Kassiererin mit den Worten, bitte auf der Giftmülldeponie entsorgen, überreicht. (Der Satz ist so daneben, dass ich nicht weiß, wie ich ihn aufschlüsseln soll. Mach mindestens drei daraus und benutze die wörtliche Rede. Außerdem ist dies die erste Handlung in dieser Geschichte. Der Leser dürstet längst danach, dass deine Figuren etwas tun und du nicht nur über sie reflektierst. Und dann handelst du diese entscheidende Szene, den Moment, der alles ändert, so schnell und lieblos ab. Von der Holzhammerpsychologie, die nicht einmal schlüssig ist, einmal ganz abgesehen: Warum gelingt es dem Chef plötzlich, diesen Gesinnungswandel einzuleiten? Noch im Absatz vorher prallten seine mahnenden Worte an Zoe ab.)
    Das wirkte wie ein Aufruf zur Revolte. Der Widerstand im Untergrund von Zoe-Gissous speckigen Fettschichten begann sich zu organisieren. Mentale Kräfte rüsteten auf zur Selbstverteidigung gegen die Herrschaft der Schokolade. Zoe-Gissou setzte sich zum ersten Mal in ihrem Leben ein Ziel. Das Trennungsjahr würde schmerzhaft werden, darüber machte sie sich keine Illusionen. Aber am Ende wird (die? Oder ist diese erneute Personifizierung hier beabsichtigt?) Schokolade entmachtet sein.


    Abschließend noch ein paar Worte zum Inhalt: Aus der Geschichte hättest du mehr machen können, ja, müssen. Außer Zoe bleiben alle Figuren im Nebel. Nimm Zoes Mutter. Du führst sie am Anfang ein, um sie dann später noch einmal in einem Nebensatz abzuhandeln. Die mobbenden Kollegen, die an ihr herumpfuschenden Ärzte, der Chef, der doch am Ende den "Katalysator" spielt: Du gibst ihnen keine Chance zu leben, sie bleiben Schatten. Du reflektierst nur. Niemand handelt, erzählt, existiert, auch Zoe nicht. Lass sich sich überfressen und dann den Finger in den Mund stecken. Lass sie mit ihren Kollegen reden, sich im Schlussverkauf in zu enge Kleidung quälen, dem Chef verliebte Blicke zuwerfen, vergeblich versuchen, bei der Mutter auf ein gereichtes Stück Torte zu verzichten. Erzähle vom Arztbesuch, von den guten Vorsätzen, morgen mit dem Joggen zu beginnen und heute abend nur eine halbe Tafel zu essen. Zeige mir ihr Scheitern, ihre Kurzatmigkeit, ihre einsamen Tränen und ihr Glücksempfinden, wenn die Schokolade auf ihrer Zunge schmilzt, während sie sich "Ally McBeal" ansieht und über diese Magersüchtige lästert. Gib Zoe und ihrem Umfeld Leben. Wenn du Menschen erschaffst, übernimmst du auch Verantwortung.

    Gruß, Klammer

    P.S.: Lieber rodbertus, diese Provinz-Vernissage war so entsetzlich, dass mir die Worte fehlen. Nicht einmal die Häppchen schmeckten.
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  12. #12
    schreibt hier hin und wieder
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    Post AW: Etwas über Vorzimmerdamen

    herzlichen dank klammer insbesondere für den kleinkram (zeitenänderung/sing.-pl. fehler).

    habe den text überarbeitet. s. u.

    noch eine erklärung: der text ist aus einer sammlung (immer wieder mittwochs ist auch einer daraus). zoes chef z. b. wird in einer anderen geschichte vorgestellt. zur mutter und den kollegen - fiel mir noch nichts ein. aber demnächst.

    ich liebe retourkutschen

    lg
    e.

    Etwas über Vorzimmerdamen

    Zoe-Gissou war süchtig. Schon damals, als sie ein Baby war, konnte ihre Mutter dem bettelnden Blick der Tochter nicht widerstehen, warf ihre Erziehungsgrundsätze ein ums andere Mal über Bord, und gab nach.
    Die Schokoladenorgien der Kindheit hatten den Grundstein gelegt für runde einundneunzig Kilogramm, die Zoe-Gissou rot und digital jeden Morgen auf dem Display elektronisch gewogen begrüßten, Tendenz steigend. Die Sucht nach Schokolade war stärker, als der Wunsch auf ein selbstbestimmtes Leben.
    Zoe-Gissou brauchte Schokolade wie die Luft zum Atmen. Schokolade in Rührkuchen, Schokolade als Mousse, Schokoladencreme gefroren, Schokolade auf Brot oder, ganz unspektakulär, Schokolade als Tafeln. Immer öfter aß Zoe-Gissou bereits zum Frühstück Schokolade. Wenn sie erst spät Feierabend hatte, weil die Übersetzungsaufträge ihres Chefs, nach langer Krankheit wieder genesen, bis hinaus auf den Flur anstanden, fehlte ihr nicht selten die Lust zum Kochen. Dann bestand auch das Abendbrot zumeist nur aus Schokolade. Es gab Wochenenden, da nahm Zoe-Gissou nichts anderes zu sich als Schokolade.
    Zoe-Gissou rauchte nicht, sie trank keinen Alkohol, nahm keine Pillen. Ihre Droge war Schokolade. Längst hätte sie sich um eine Entziehungskur bemüht, wenn der Konsum von Schokolade mit Gefängnis bestraft würde. Aber so? Niemand interessierte sich für den Inhalt ihres Einkaufswagens, den sie ganz langsam an den Regalen der Süßigkeitenabteilung entlang schob und scheinbar gedankenlos mit Riegeln und Schachteln füllte. Keiner hatte ihr je angeboten, sie könne an einem Therapieprogramm für Langzeitsüchtige teilnehmen. Unter der fürsorglichen Betreuung von Experten würde der kalte Entzug maximal zwei Wochen dauern. Ein halbes Jahr müsste sie noch für die Überwindung der psychischen Abhängigkeit einplanen, danach wäre sie sauber. Selbstverständlich litt ihre Gesundheit unter dem Zwang, Schokolade maßlos essen zu müssen. Die Listen der ärztlichen Verordnungen waren lang, die verschriebenen Medikamente teuer. Nebenwirkungen und Folgeerkrankungen hatten Zoe-Gissous Wohlbefinden längst im Würgegriff. Sie kotzte Schokolade. Die existentielle Frage lautete: wann? Wann würde der Körper ihrem Geist den Wohnsitz verweigern? Zoe-Gissou war keine Selbstmörderin, aber sie war auch nicht mehr Herrin im eigenen Haus. Immer neue Kreationen der Schokoladendealer fraßen sich hinter ihren Gehirnwindungen fest, lauerten darauf, ihren letzten Willen zu rauben. Schokolade verschwand aus Läden und Kiosken in ihren Leinenbeuteln, ihrem Rucksack und wenig später in ihrem Magen. Weder das Mobbing der Kollegen, noch die eindringlichen Worte ihres Chefs, der an seiner kolossalen Vorzimmerdame hing wie deren Eau de Toilette an Zoes Aura, die Appelle ihrer Mutter schon gar nicht, brachten Zoe-Gissou zur Vernunft. Im Gegenteil. Die Schlinge zog sich immer enger zu unter dem mächtigen Doppelkinn. Der Frust wurde größer und größer, genau wie die Menge an Schokolade, die Zoe-Gissou verspeiste.

    Wer weiß, wie lange Zoe-Gissou noch dafür hätte sorgen können, dass die Memos aus Malaga ihrem Chef nicht zunehmend spanischer vorkamen. Eines Tages tauchte er unvermittelt in der Schlange vor ihr im Supermarkt auf und meinte, er wisse sehr gut, wie tief Menschen sinken können, und dann nahm er augenzwinkernd die Schokoladentafeln, Kugeln, Riegel und Schachteln vom Laufband und überreichte sie der verduzten Kassiererin mit den Worten: bitte auf der Giftmülldeponie entsorgen. Das wirkte wie ein Aufruf zur Revolte. Der Widerstand im Untergrund von Zoe-Gissous speckigen Fettschichten, begann sich zu organisieren. Mentale Kräfte rüsteten auf zur Selbstverteidigung gegen die Herrschaft der Schokolade. Zoe-Gissou setzte sich zum ersten Mal in ihrem Leben ein Ziel. Das Trennungsjahr würde schmerzhaft werden, darüber machte sie sich keine Illusionen. Aber am Ende wird Schokolade entmachtet sein.

  13. #13
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
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    Post AW: Etwas über Vorzimmerdamen

    moin eule, ich bin zoe

  14. #14
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    Post AW: Etwas über Vorzimmerdamen

    jetzt weiss ich, wer zoe ist!

    DU nicht! oder? doch wohl nur dein prosaisches ich, schätze ich mal,

    gruss eule.

  15. #15
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: Etwas über Vorzimmerdamen

    zwei Eulen in einem Ordner, Kyra legt die Stammformen fest, Klammer lektoriert... Ein ganz normaler Ordner aus dem Jahre 2002.

    Am Ende steht ein eher unterdurchschnittlicher Text. Spaß hatten hier aber alle. Denke ich. Doch ist Spaß der Sinn eines literarischen Forums?

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