+ Antworten
Ergebnis 1 bis 5 von 5

Thema: Perm

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
    Registriert seit
    25.April 2017
    Beiträge
    11

    Perm

    im speisewagen
    einer langen reise
    serviert einsam die zeit.
    lider sinken
    wie flocken in eine kalte, tiefe nacht.
    ein kellner bietet brot mit schinken,
    in der küche wird gelacht.

    am fenster schöpfen tropfen
    hoffnung. aus einem delta
    nimmt ein fluss seinen lauf.
    am ufer treiben morgenrote
    polster einen kranich auf.

    wolken weichen
    einer langen reise.
    wie schwäne aus stahl branden
    kräne am beckenrand des hafens,
    breiten ihre flügel
    aus der großstadt strömt lärm.
    im roten mantel empfängt sie ihn
    am ende des kontinents.
    perm.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
    Registriert seit
    30.October 1998
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    3.321
    Blog-Einträge
    35

    AW: Perm

    punktierte Lürick

    Deine Aufgabe als Dichter besteht darin, die einzelnen Impressionen zu einem Ganzen zu verdichten, nicht sie nacheinander aufzureihen wie Perlen auf eine Schnur. Die Struktur dieses Textes ist in jeder Strophe die gleiche, im ersten Abschnitt tritt ein lyrisches Ich/Es auf, etwas entfernt von einem tatsächlichen, das im zweiten Abschnitt in einem Es verloren wird. Nur mit Mühe lassen sich in den drei Strophen Zusammenhänge erahnen, die aber dadurch wirr und beliebig wirken, eben das Gegenteil von Dichtung.
    Die einzelnen Bilder aber sind zumm Teil schön und unverbraucht. Am besten gefiel mir der Bezug zur russischen Stadt Perm, wenn ich das recht interpretiere, der Empfang im roten Mantel.

  3. #3
    d.p.
    Laufkundschaft

    AW: Perm

    Schön, ja wirklich! Bilder einer weit zurück liegenden Reise im Nachtzug waren plötzlich wieder präsent.
    Hab´s gerne gelesen, Danke!

    d.p.

  4. #4
    Kurzvormabschussiger
    Registriert seit
    25.April 2017
    Beiträge
    11

    AW: Perm

    danke für deine kritik.
    wirr ist ein guter punkt. die scheinbare leichtigkeit eigene (und für sich klare) gedanken/zusammenhänge für andere transportabel ohne dabei zu offen und simpel zu gestalten, ist schon eine herausforderung.

    muss 'Ich' denn in jeder strophe erkennbar sein, selbst wenn beobachtungen beschrieben werden, sollte es miteinbezogen sein (vielleicht die wirkung des beobachteten)?

  5. #5
    Resurrector Avatar von aerolith
    Registriert seit
    30.October 1998
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    3.321
    Blog-Einträge
    35

    AW: Perm

    Das kömmt darauf an. Das lyrische Ich muß nicht immer erkennbar sein. Es liebt das Sichverbergen. Klarerweise. Nun ist es aber in Deinem Text so, daß sich nicht entscheiden läßt, ob Du hier Erlebnisdichtung oder Gedankenlyrik treibst. Weder - noch? Ist die in der ersten Strophe zum Träger der Handlung gewordene Zeit zugleich nicht auch eine Vereinigung mit dem lyrischen Ich? Nein, sie ist zwar Subjekt, aber doch nur betrachtetes Subjekt von einem außerhalb der Ereignisse stehenden lyrischen Ich. Es ist dann auch nicht klar, ob die sinkenden Lider zum lyrischen Ich gehören oder nur von jenem betrachtet werden.

    Aber all das ist überhaupt nicht schlümm, im Gegenteil, es läßt Interpretationsmöglichkeiten zu, die in sich schlüssig wirken.

    Aber nach dieser gelungenen Exposition verdichtest Du sie nicht in den folgenden strophen, sondern bleibst im Aufzählungsmodus. Das ist schade. Ich würde mir wünschen, daß Du die in der ersten Strophe formulierten Gedanken in II und III verdichten würdest.

+ Antworten

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Ja
  • Themen beantworten: Ja
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •