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Thema: Schriftstellers Paradiesvogel

  1. #1
    schreibt hier hin und wieder
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    Post Schriftstellers Paradiesvogel

    Ich atme.
    Ich atme ein.
    Ich atme aus.

    Ich atme ein oder aus oder ein. Und denke daran, denke immer daran. Denn ich bin da gewesen, ich habe es gesehen. Ein Paradies, vielleicht das beste von allen. Und seither ist ein Lächeln in meinem Gesicht, es lässt sich nicht mehr ausradieren. Du schreibst mit Tinte. Schreibst, woran ich denke immerzu. Ich bin da gewesen, ich habe es gesehen. Und bin wieder gegangen dann. Gerade als ich alles vergessen konnte, woran ich mich erinnert habe. Und also erfindest du mich wie ich dich erfinde wie du mich erfindest, und eben so schreibe ich die traurige Geschichte einer Liebe, von der nur Asche übrigbleiben wird.

    Bitte, sag jetzt nichts, weck mich nicht auf, denn ich träume, träume mich zurück dahin, wo ich gewesen bin. Und drehe mich dabei und drehe mich und drehe mich, bis sich die ganze Welt dreht um mich, drehe ich mich und drehe mich hinauf und hinein in ein blaues Meisterwerk, das du gekritzelt haben wirst. Und darin bin ich okay, du willst es so, und schaue ich an die Zimmerdecke, reitest du auf deinem Minotaurus durch die halb wirren, halb irren Gedankengänge in meinem Kopf und eine Ballerina tanzt um meinen verlorenen Verstand und eine Stimme flüstert: Keine Sorge, all die falschen Entscheidungen führen zu guter Letzt zu etwas Richtigem und Aufrichtigem. Du lebst, sagt sie. Sagt sie mir. Sagt sie mir leise. Sagt sie mir ins Ohr. Während ich in die Tiefe gehe und wieder auftauche in einem anderen Traum, einem Traum, wo ich weiss: Ich träume, also bin ich nicht.

    Ein Stück dieses Traums ist in jedem Stück, das ich schreibe, gerade dann, wenn ich nicht daran denke. Auch jetzt, wenn ich an dich denke und von mir erzähle im Satz, den ich nicht schreibe, im Satz, den ich schreibe mit zitternder Hand: Sag, hast du jemals in die Ferne geblickt? Ich, ich sehe eine Million Kilometer weit zuweilen, komme aber keinen Schritt aus mir heraus dann. Dabei erinnere ich mich an einen, der zurückgeblickt hat auf ein verpfuschtes Leben und schliesslich Schriftsteller geworden ist, mit der einen Hand aufs Herz und der anderen nach dem Füller greifend. Einzig, um sich in letzter Sekunde noch eine Existenz zu schaffen. Du schreibst deine Geschichte wie

    in einem Traum
    in einem Traum
    in einem Traum

    von lavendelfarbener Unmöglichkeit. Schreibe ich. Als wäre es meine Geschichte.

    Mit zitternder Hand hänge ich die Sätze aneinander. Das ist alles. Vielleicht entwickle ich einen roten Faden dabei. Aber kaum, damit dich dieser aus deinem Labyrinth führt, sondern vielmehr, um dich mit ihm einzuwickeln wie eine Raupe, die dabei ist, sich zu verpuppen. Und jetzt? Meine Fühler sind ausgestreckt, aber ich wünschte, ich wäre blind jetzt. Sag, hast du jemals in die Ferne geblickt? Habe geträumt, du habest diesen Satz geschrieben. Und ich den anderen, den Satz im Satz, der sagen will: Ich gehe fort, hörst du, in Schuhen, die keine Abdrücke hinterlassen im Schnee, ich gehe fort und es wird sein, als wäre überhaupt niemand da gewesen.

    Du schreibst eine Geschichte, das ist alles. Darin bin ich der Held, ein Schriftsteller, der eine Geschichte schreibt, in der du der Held bist, ein Schriftsteller, der eine Geschichte schreibt, in der ich der Held bin, und alles, was du falsch gemacht hast, will ich auslassen darin. Aber sag, wo glaubst du, dass du endest, wenn du so weitermachst, gottverdammtes Genie? Und wenn der Vorhang fällt, dann brauche ich keinen Applaus, denn am Ende will jeder dasselbe wie jeder andere auch. Adam zählt sieben Krähen und auf nichts weiter, Herr Sommer sagt, er wolle endlich seinen Frieden. Aber da bleibt immer noch ein Letztes zu tun, und der Letzte, der soll doch bitte das Licht löschen und die Türe schliessen hinter mir.

    Ich atme. Ich atme ein. Ich atme aus. Und denke daran, denke immer daran. Ein Paradies, vielleicht das beste von allen. Und seither ist ein Lächeln in meinem Gesicht, es lässt sich nicht mehr ausradieren. Du schreibst deine Sätze mit Tinte. Ich bin da gewesen, ich habe es gesehen. Lange her, längst vorbei. Und erst als ich den Füller aus der Hand lege, zittert diese nicht mehr.

    Ich?

    Ich atme aus.
    Ich atme ein.
    Ich atme.

  2. #2
    rodbertus
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    Exclamation AW: Schriftstellers Paradiesvogel

    Athemrhythmus sollte im Verhältnis 1 zu 4 zu 2 vorgenommen werden. Einathmen - Luft anhalten - ausathmen. Formbezug herstellen!

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    Exclamation AW: Schriftstellers Paradiesvogel

    haste vorschläge, konkrete, textbezogene?

    Mr. Jones

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    Exclamation AW: Schriftstellers Paradiesvogel

    wie lang soll ich die luft denn noch anhalten?

  5. #5
    Tupfenmonster
    Laufkundschaft

    Exclamation AW: Schriftstellers Paradiesvogel

    Paradiesvogel, zitternder, bleib!

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
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    Exclamation AW: Schriftstellers Paradiesvogel

    wohin sollt ich auch entfliegen...

    dankschön.

    Mr. Jones

  7. #7
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Schriftstellers Paradiesvogel

    Das ist sehr disparat. Herr Sommer würde mich interessieren. Und die Krähe. Aber dieses Ich bewegt sich um sich, sonst um nichts. Und, mal ehrlich!, wie soll das einen Weg nehmen, wenn das Eigene propädeutend ist? Also, Orientierung ändern, nicht das Ich ins Zentrum rücken, sondern Herrn Sommer - und die Krähe.

    Wie sieht eine Krähe das eigenbewegte Ich? Ich glaube, sie pickt Augen! Und dann, mein Lieber, siehst Du wirklich schlecht (aus).

    Kurzum, mein Hinweis lautet: Ändere die Perspektive dieses textes. Aus dem ich heraus schreibst Du nur als Drehrumbum, bleibst selbstreferentiell. Und da Dein Thema schon der Selbstbezug ist, brauchst Du hier einen außen liegenden Ansatz.

  8. #8
    resurrector
    Laufkundschaft

    Thumbs up AW: Schriftstellers Paradiesvogel

    Erst wild mit den Flügeln schlagen und dann nicht mal piep machen. Typischer Selbstreferenzler!

  9. #9

    AW: Schriftstellers Paradiesvogel

    Nee, das beschreibt wunderbar die westliche Herangehensweise an die Innenschau.

    Des Schriftstellers Paradiesvogel wartet in den Lücken zwischen den Gedanken des Einatmens und Ausatmens.

    In der kurzen Spanne zwischen Einatmung und Ausatmung entsteht eine Lücke. Wer hinschaut, sieht diese Lücke auch zwischen den Gedanken. Dort ist der Paradiesvogel zuhause.

    Aus dem Ich heraus ist kein gemeinsamer Traum möglich. Die Einsicht hingegen, in einem Traum zu sein, lässt die Frage sinnhaft erscheinen, ob wir der Träumer oder der Träum sind. Logisch wäre, dass der Geist die Geschichten schreibt, die wir im Traum dann auch als Träumer erleben.

    Die Stimme der Stille spricht in den Lücken zwischen den Gedanken zu uns. Sie drängt sich nicht auf und solange die EINDRÜCKE selbst beim Atmen gedanklich kommentiert und beurteilt werden, kann der Geist die Abstraktionen von dort selten dauerhaft als unverfälschten Eindruck im Geist behalten und ebenso selten in geeignete Worte fassen.

    Das grundlose und abgrundlose Lächeln, das kaum in Worte zu fassen ist, wird zuweilen später wieder ausradiert, wenn wir in Denkgewohnheiten zurückfallen, die Kommentieren und Bewerten wollen, was den bisherigen Verstand übersteigt. Es gibt keinen Grund, über den Grund zu diesem Lächeln nachzudenken. Im Gegenteil, im Nachdenken darüber beginnen wir, "anzuhaften" und den Moment zu halten.

    Ziel ist es, der Atem zu sein. Nicht, darüber nachzudenken. Sonst hätte das Wort Inspiration eine recht eindimensionale Bedeutung.

    Ziel des Traumes ist es, sich als der Träumer zu erkennen, nicht als Opfer der Traumes und seiner Traumgestalten. Als Träumer / Wahrnehmender kann ich jederzeit in die Lücken zwischen meinen Gedanken gehen und den Paradiesvogel dort treffen, wo er zuhause ist.

    Zwischen den Gedanken, den Träumen und den Wahrnehmungen (und auch unseren Existenzformen) entstehen Lücken.. Ein "Dazwischen" existiert und bietet Möglichkeiten, Berührungspunkte wahrzunehmen und auszuloten.

    Wenn die Raupe ihre Fühler nicht ausstreckt, wird sie das Aufgeben des Raupensaseins weiterhin als Opfer ansehen. Der Schmerz der Raupe von Heute ist die Freude des Schmetterlings von Morgen.

    Der Wald ist lange kahlgefressen, das Dasein als Raupe wird ein natürliches Ende finden. Wir sind nun fett genug, Das Letzte, was der Raupe noch zu tun bleibt, ist, festzustellen, dass nicht mehr zu Tun bleibt. Sie muss einzig loslassen, was ihre Vergangenheit war. Es muss nichts getan werden, außer das Alte loszulassen.

    Ich könnte mir vorstellen, wir schreiben an einer Geschichte, in der jeder ein Held ist und niemand geopfert werden muss. Das wäre dann, was alle wollen könnten, so es nicht sofort als unmöglich bewertet würde.

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