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Thema: Del Marco

  1. #1
    Klaudja
    Status: ungeklärt

    Post Del Marco

    Del Marco

    "Wie heißt du?" fragte sie und sah durch das Fenster des Lokals nach draußen, an dem die Regentropfen herunterliefen - nebeneinander, ineinander, auseinander. Er sagte etwas mit dieser weichen, melancholischen Stimme. Sie verstand es nicht wirklich, denn aus den Lautsprechern plärrte die Nummer eins der Hitparade.
    Sie fuhr mit einem Finger den Rand des Bierglases entlang. Langsam, bedächtig, die Kreise und die Gedanken immer enger ziehend, in einer Spirale in die Mitte der Untiefe. Mit einem Mal erschien es ihr seltsam, ja fast absurd, dass sie ihn nun nach seinem Namen fragte. Ebenso seltsam und absurd wie die Geschichte, die er ihr ungefragt erzählt und nun beendet hatte. Sie spürte etwas auf sich ruhen. Es war nicht nur sein Blick, nein. Röntgenblick - Hypnose, kam ihr in den Sinn. Aber das passte nicht zu ihm und seiner Geschichte. Es dauerte einige Zeit, bis sie den Blick aus ihrem Glas befreien konnte und zu ihm aufsah. Die Moral der Geschichte stand weder im Glas noch in seinen Augen zu lesen, also wandte sie sich wieder den gleichmütigen Tropfen am Fenster zu.
    Als sie seine zaghaften Fingerspitzen auf ihrem Handgelenk spürte, erschrak sie und zog die Hand heftig zurück. "Lass es!" sagte sie bestimmt.
    Ohne, dass sie etwas dagegen tun konnte, erschien plötzlich dieses Mädchen vor ihr. Zart, blond, feenhaft, noch keine dreiundzwanzig. Das Mädchen trat auf ihn zu. Er stand auf, nur mehr Augen für sie. Für ein Geschöpf, unschuldig, jung, verführbar. Das Mädchen stand sehr dicht vor ihm, blickte ihn aus großen Augen an.
    Taktik? fragte sie sich, während sie mit dem unbehaglichen Gefühl haderte, dass er sie zum Zusehen brachte, um seine Geschichte nun zu erleben. Sie zog die Schultern hoch, sie wollte nicht Zeugin jener unbeschreiblichen Intimität werden, deren Tragweite er bestritten hatte.
    Das Mädchen stand noch immer reglos vor ihm, doch er hatte ihren Kopf in seine Hände gebettet, seine Blicke tasteten zärtlich über das junge, unbeschriebene Gesicht, in dem bisher weder das Leben noch das Alter ihre Spuren gezogen hatten. Seine Blicke küssten die flatternden Lider, die rundliche Nasenspitze. Langsam begann das Gesicht des Mädchens aufzuglühen, eine sanfte Röte zog sich über die Wangen bis zum Haaransatz. Seine Finger spielten mit ihrem feinen Blond, er führte einzelne Locken an seine Wange, an seine Lippen.
    Beunruhigt spürte sie, wie das Blut in ihren eigenen Wangen zu toben begann. Konnte es denn sein, dass sie seine Berührungen mehr empfand, als das Mädchen? Ihr Blut, pulsierend und tobend, bahnte sich unaufhaltsam seinen Weg in das Zentrum ihres Verlangens, einen Umweg über ihre Phantasie nehmend. Gebannt starrte sie auf das Mädchen und auf ihn.
    Das Mädchen nahm nun seine Hand in ihre beiden, führte sie zaghaft an ihre Wange, ihren Hals. Die Körper berührten einander nicht, würden es auch nie tun. Das hatte er ihr versichert. Der Blick des Mädchens war verschleiert. Eine dunkle, entsagende Sehnsucht drang durch diesen Blick in jede Faser seines Körpers. Die höchste Lust im körperlichen Nichtbesitzen zu finden, die Qualen im Fegefeuer des Verlangens, warum suchte er dieses Leiden?
    Sie spürte seine Qualen beinahe körperlich und fragte sich, ob das Leben, das Alter seine Furchen wie Stigmata in ihrer Seele gezogen hatte. Das Mädchen schien nichts dergleichen zu empfinden, es ließ ihn gewähren, neugierig, lebenshungrig, bereit zu neuen Erfahrungen, es vertraute ihm.
    Die beiden drehten sich langsam in ihre Richtung, sodass sie den Rücken des Mädchens vor Augen hatte. Es fesselte und beunruhigte sie zugleich, dass er nun nur mehr Augen für sie hatte, nicht für das Mädchen. Sein Blick, in dem sie alles lesen konnte, was der Entsagung spöttisch ins Gesicht lachte, sprach zu ihr. In einer Sprache, die das Mädchen nicht verstand, nicht verstehen konnte. Sie schlug die Augen nieder. Zum ersten Mal verschämt, seit damals, als sie selbst das unbeschriebene Blatt gewesen war und vertraut hatte.
    Doch dann, - war es die Lust, die er in ihr angestachelt hatte, war es die Rebellion gegen seine Spielregeln? - hob sie ruckartig den Kopf.
    "Nimm deine Maske ab!" sagte sie, während sie gewillt war, seinem Blick standzuhalten. Langsam, ohne den Blick, diesen eindringlichen, eindringenden, von ihrem abzuwenden, nahm er die schwarze Larve von den Augen und legte sie in ihre Hand.
    "Ich bin aber keine dreiundzwanzig mehr!" sagte sie und nahm seine Finger. Zum ersten Mal an diesem Abend lächelte er.

  2. #2
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    AW: Del Marco

    hallo klaudja,

    gefällt mir gar nicht.
    warum?
    die sprache kommt mir stellenweise gequält daher wie eine verkrampfte suche nach originalität?
    klischee hoch 3
    kitsch.

    machs noch einmal, klaudja

    lg
    e.

  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Talking AW: Del Marco

    Das ist eine gute Geschichte mit Verve. Das Thema ist bekannt, imgleichen der Spannungsablauf. Die Charaktere haben ein umrißnes Betätigungsfeld, das sie ausnützen. Das ist alles stimmig, aber nichts Neues. Ich fühle mich auf seltsame Weise an Hofmannsthal oder Schnitzler erinnert, was aber nichts Schlechtes sein muß, v.a. ersteren liebe ich.
    Konkreteres nur auf vielfachen Wunsch einer einzelnen Persönlichkeit.

  4. #4
    Klaudja
    Status: ungeklärt

    AW: Del Marco

    Eulalie, wo ist der Kitsch, wo das genau das Klischee? Mir scheint, als könntest du dieserlei Texterei nichts abgewinnen - nun sei's drum.

    Robert, werde gerne konkreter.

    Gespannt
    Klaudja

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Del Marco

    z. b.

    Ohne, dass sie etwas dagegen tun konnte, erschien plötzlich dieses Mädchen vor ihr. Zart, blond, feenhaft, noch keine dreiundzwanzig. Das Mädchen trat auf ihn zu. Er stand auf, nur mehr Augen für sie. Für ein Geschöpf, unschuldig, jung, verführbar. Das Mädchen stand sehr dicht vor ihm, blickte ihn aus großen Augen an.
    seuselträufeltrief.

    ich meine, du bist ein mann klaudja.
    vielleicht bist du robert?

  6. #6
    Klaudja
    Status: ungeklärt

    AW: Del Marco

    Und ich meine, du bist eine noch sehr junge Frau, eulalie. Schieb deine political correctness doch mal ein wenig zur Seite und begib dich mitten rein ins Fühlen - mit einem Kopfsprung.

    Gruss
    Klaudja

  7. #7
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    AW: Del Marco

    hallo klaudja,

    und ich glaube wiederum, eulalie kommt bloß von einem anderen stern

    inhaltlich sage ich gar nichts gegen den text. mir gefällt nur die verpackung nicht.
    warum immer diese unschuldigen, zerbrechlichen feen und elfen mit flatternden lidern, feinem blond, tobendes blut in den wangen (übrigens im text folgt gleich nochmal tobend, hast du sicher übersehen), verschleierter blick, ... kurz vor der ohnmacht. wo bitte ist das riechsalz?!

    das sind alles olle kamellen, 1000 x in dieser art beschrieben, besser und schlechter. juliaroman-tisch!
    ich würde es viel spannender finden, wenn du für diese begegnung ungewöhnliche worte finden würdest, die wiederum meine vorstellungskraft beflügelten, mir sprachbilder schenktest, an deinen ich mich gerne erfreuen würde: tobendes blut all over me
    sesam öffne dich!

    lg
    e.

  8. #8
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Del Marco

    die ersten beiden Abschnitte staccato

    "Wie heißt du?" fragte sie und sah durch das Fenster des Lokals nach draußen, an dem die Regentropfen herunterliefen - nebeneinander, ineinander, auseinander. Er sagte etwas mit dieser weichen, melancholischen Stimme.
    Butterweich. Regentropfen am Lokal? DIESER, die noch nicht genannt/beschrieben. Mitten hinein. Sie schaut aus dem Fenster, währenddessen sie jmd. anspricht?
    Sie verstand es nicht wirklich, denn aus den Lautsprechern plärrte die Nummer eins der Hitparade.
    überflüssige Details; es ist Zeit, SIE näher zu beschreiben, ein bißchen wenigstens
    Sie fuhr mit einem Finger den Rand des Bierglases entlang.
    Hier kann SIE nur Methode haben. Hat es?
    Langsam, bedächtig, die Kreise und die Gedanken immer enger ziehend, in einer Spirale in die Mitte der Untiefe.
    Das ist kein Satz, aber ich nehm ihn als Aufforderung an ihn. Dann ihn bitte irgendwo verorten. Na ja, genau das tat Schnitzler auch immer. Die Personen waren eignetlich Prototypen in einem harschgrauen Mischmasch ihrer verregneten Träume. Die Stimmung ist vielleicht getroffen, daß sie und er blaß und typisch bleiben, nicht zu bunten eidii werden.
    Mit einem Mal erschien es ihr seltsam, ja fast absurd, daß sie ihn nun nach seinem Namen fragte.
    Das ist jetzt schlecht. Mußt Du nicht mitteilen. Anderes und Ungenaueres wäre besser.
    Ebenso seltsam und absurd wie die Geschichte, die er ihr ungefragt erzählt und nun beendet hatte.
    Das ist kein Satz.
    Sie spürte etwas auf sich ruhen. Es war nicht nur sein Blick, nein. Röntgenblick - Hypnose, kam ihr in den Sinn. Aber das paßte nicht zu ihm und seiner Geschichte. Es dauerte einige Zeit, bis sie den Blick aus ihrem Glas befreien konnte und zu ihm aufsah. Die Moral der Geschichte stand weder im Glas noch in seinen Augen zu lesen, also wandte sie sich wieder den gleichmütigen Tropfen am Fenster zu.
    Disparat. Hier verläßt Du die anfangs angepeilte Stimmung, wirst versuchsweise modern und präzise. Das stört mich hier. Bleib doch ungenau und subjektbezogen. Das Subjekt aber wird nicht zu nennen sein, nur durch Handlungen und Gesten vorstellbar.

  9. #9
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Del Marco

    hallo klaudja,

    wollte nur kurz sagen, dass ich deine beiden texte sehr schön finde. ich würde dran arbeiten.

    bye
    tt

  10. #10
    Klaudja
    Status: ungeklärt

    AW: Del Marco

    [..] Falls also noch Reccourcen vorhanden, würde mich das unerhört freuen.

    Für die Ermunterung ebenfalls, merci, Traumtänzer.


    Gruss
    Klaudja

  11. #11
    resurrector
    Status: ungeklärt

    AW: Del Marco

    Na ja, Klaudja, das Prinzip dieses Forums hattest Du nicht begriffen. Es läßt sich etwa so beschreiben:

    1. Autor stellt Text ein;
    2. Autor äußert sich in anderen Ordnern zu den Texten seiner Kollegen;
    3. Admin/Moderator äußert sich zu dem Ordnereingangstext (Ötzi);
    4. Autor antwortet und stellt überarbeitete Version (nicht die Endversion) ins Forum.

    Leider blieb Kludja Laufkundschaft. Ich hätte sie gern noch behalten - vor allem ihr erster Text im Forum gefällt mir.

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