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Thema: Philosophie leben - ein Versuch

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Hagen
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    Philosophie leben - ein Versuch

    Hallo,

    Philosophie ist nicht nur ein Hobby von mir, ich versuche sie auch zu leben. Irgendwann begann ich, auch zu schreiben. Keine Prosa oder Literatur. Ich versuche Gefühle oder auch meine innere Wahrheit in Worte zu fassen. Für den Hausgebrauch eigentlich ganz nett. Anfängerin eben.
    Jetzt interessiert mich, was Worterfahrenere denn so von meinen Texten halten. Ich stelle hier einfach mal einen Text ein und würde mich sehr freuen, wenn Ihr mir Eure Meinung, Kritik, Anregung oder... mitteilen würdet.
    Vielen Dank; Philo

    Hier mein Text:

    Das Lebensspiel....

    Zu einer Zeit in dem alle Werte dieser Welt fast ausschließlich aus zwei Dingen bestehen, nämlich Macht und Besitz, erblicke ich das Licht der Welt. Es scheint eine schöne Welt zu sein, die ich jetzt betreten darf. Sie ist bunt und vielseitig in ihrer Art und sie glimmert und glitzert im hellen Schein. Es gibt einen großen Jahrmarkt mit vielen Spielern und Gauklern und sie alle spielen immer wieder das gleiche Spiel. Es heißt "die Einflussnahme".

    Die Menschen strömen in Massen herbei und bewundern das bunte Treiben. Es erweckt Sehnsucht, man möchte mitspielen. Nur herbei, nur herein hier! Das Spiel kann jeder spielen. Je mehr mitspielen um so besser für alle und um so besser für uns!

    Hinter verkaufsbetonter Freundlichhaltung grinsen hämisch die Gesichter der Gaukler. Immer nur herein mit Euch! Es ist nicht schwer. Ihr müsst nur euren Beitrag leisten und ihr könnt alles erwarten, was euch hier vorgespielt und vorgegaukelt wird.
    Was ist denn der Beitrag kommen die Fragen aus dem Publikum? Was müssen wir leisten?

    Das ist doch ganz einfach....
    wenn ihr etwas leistet, dürft ihr alles erwarten was ihr hier auf dem großen Jahrmarkt seht. Schaut nur, schaut hin. Immer wieder, schaut hin. Das ist wichtig, es vergrößert Eure Sehnsucht nach allem was ihr hier seht. Schaut hin! Und hört zu, was wir euch zu verkünden haben.
    Denn nur die, mit der größten Sehnsucht, werden die besten Spieler sein in diesem Spiel! Es ist nicht schwer! Lasst Euch gefangen nehmen von diesem Spiel. Wenn ihr leistet, dürft ihr erwarten. Aber vorher bitte..... LEISTEN! LEISTEN! LEISTEN!
    Ihr gebt etwas und bekommt etwas zurück. Hier ist die heile, große bunte Welt, hier und nur hier im Spiel des Lebens!
    Und wenn wir nicht leisten möchten, wispert es leise aus dem Publikum? Dann seid ihr ausgeschlossen aus diesem Spiel, dann wird sich eure Sehnsucht nicht erfüllen.
    Und schaut, schaut doch hin.......
    Hier gibt es so viel. Es ist für jeden etwas dabei! Hier spielt das Leben, hier und nur hier. Hier gibt es Erfüllung, Befriedigung und Liebe. Hier ist alles vorhanden. Kommt herein, lasst Euch begeistern vom Spiel des Lebens! Beruflicher Erfolg, Anerkennung, angenehme Erscheinung, ein schönes zu Hause, tolle Urlaubsreisen, Autos alles was ihr zu eurem Glück braucht. Hier fehlt es an nichts. Ihr müßt Euch nur an die Spielregeln halten, dürft nicht ausscheren. Sonst steht ihr ganz alleine in dieser Welt, sonst seid ihr die Außenseiter. Denn dann will mit euch keiner mehr spielen!!! Wer leistet, darf erwarten, wer leistet, bekommt auch, wer leistet gehört dazu!

    Ja, das ist fein ausgedacht! Besser als in früheren Zeiten. Keine Sklaven, keine Antreiber und keine Peitschen. In diesem Spiel geht es nur um Leistung und Erwartung, so schaukelt es sich von selbst zu recht. Nur immer schön die Erwartungen in Form von Sehnsucht schüren, und schon spielt sich das Spiel von ganz alleine! Dieser Kreislauf wird nicht so schnell durchblickt.

    Und wenn doch....

    Man kann nicht so schnell ausbrechen, denn wenn alle dieses Spiel spielen, ist man schnell einsam und allein!

    Und das wollt ihr doch nicht.... , oder????

  2. #2
    kls
    Status: ungeklärt

    AW: Philosophie leben - ein Versuch

    Philozicke: Ich versuche Gefühle oder auch meine innere Wahrheit in Worte zu fassen.

    Machen viele Dichter so.

    Im Ernst: Ich weiss genau, was Du da zu beschreiben versuchst. Ich kann den Trotz wieder erkennen, denn auch ich war schwer empört über diese Verarschung. Und ich bin es immer noch. Die Richtung, in welche die Herde rennt ist falsch. Nach aussen, aber da liegt nichts Wertvolles. Doch es ist auch sehr gefährlich, wenn man sich all zu weit von der Wirklichkeit der Anderen entfernt. Es macht einsam und kann auch schwer das seelische Gleichgewicht stören. Und glücklicher macht es auch nicht. Der Dünkel ist nicht weit entfernt und unter Umständen wird man auch ans nächste Kreuz genagelt.



    Zur Form sage ich nichts. Dafür haben wir hier richtige Experten.

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
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    Question AW: Philosophie leben - ein Versuch

    Hi Kls

    Danke, und ich pass schon auf, dass ich nicht gegen die Herde anlaufe und am Schluß noch gar von ihr zertrampelt werde. Aber ich kann's nun mal nicht lassen, zu zeigen das ich noch was merke.

    Eine Frage an Dich? Was bedeuten unter unseren Nicknamen die netten Wörter z.B. "Kurzvormabschussiger" oder "Tochter aus gutem Hause"? Würdest Du mir das erklären?

    Liebe Grüße;

    Philo

    [Diese Nachricht wurde von Philozicke am 02. März 2002 editiert.]

  4. #4
    kls
    Status: ungeklärt

    Lightbulb AW: Philosophie leben - ein Versuch

    Klar, mache ich doch glatt. Es handelt sich um Ehren- bzw. Nichtehrentitel. Weisst schon: Viele fühlen sich berufen, doch nur wenige sind auserwählt. Titelgrundlage sind die Anzahl der Beiträge NACH der Registrierung. Spielverderber sind die Lektoren und glaube mir - nur abgrundtief schlechte Menschen lektorieren hier die, mit Herzblut geschriebenen Werke von uns dichtenden Lichtgestalten.

    Neulinge stehen doch immer kurz vor dem Abschuss. Ich selber bin zwar schon fast ein Jahr dabei, habe mich aber erst kürzlich registrieren lassen, was ich auch prompt bereute. Töchter aus gutem Hause zeichnen sich durch ein dickes Fell aus, denn das benötigt man, um sich hier nicht seine Restwürde von den Spielverderbern zertrampeln zu lassen.



    Also, mehr Geschichten hierhin pappen und dann auf den ersten Verriss warten. Wenn Du den überlebst, dann hast Du schon mal Standfestigkeit bewiesen, denn "Freundlichkeit" gehört nicht zu dem Sprachschatz der Spielverderber hier.

    Herzlich willkommen...kls...

  5. #5
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Philosophie leben - ein Versuch

    Also, wie bist Du denn zu diesem Namen gekommen? Darf ich Dich zärtlich Zicke nennen?

    Der von Dir eingestellte Text ist nicht sorgfältig zu lesen. Er ist schlecht. Arbeit daran lohnt nicht. Ich spüre einen guten Willen - immerhin! -, aber der rechtfertigt keineswegs das Abfassen eines schlechten Textes. Gib Dir mehr Mühe udn achte auf Textkohärenz, verbinde also etwaig disparat auftretende Einfälle durch eine zentrale Aussage, insofern Du mich hier schon mit popularphilosophischem Gutmenschengefasele langweilen möchtest.

    Also weiter. Andere Texte.

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Philosophie leben - ein Versuch

    Nun - schlecht finde ich den Text nun nicht unbedingt. Er dreht sich nur im Kreis. Die 5-8 Abschnitte beschreiben immer wieder dasselbe - man wird ungeduldig beim Lesen (es muß doch irgendwie weitergehen ...). Streiche 75% und Du verlierst nichts. Und - wie geht es weiter?

    Sprachlich auch nicht gerade exorbitant.

    -------------

    Die Attribute unter den Nicks geben einen Anhaltspunkt, wie lange man bereits hier im Forum dabei ist - gemessen an der Anzahl der Beiträge. Als Neuling bist Du eben "Kurzvormabschüssiger" - bist Du nicht fleissig dabei, wirst Du vermutlich irgendwann auch abgeschossen. Ab ca. 140 Beiträgen wirst Du "Tochter aus gutem Hause". Die genauen Grenzen kann aber nur Robert erklären ...

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Philosophie leben - ein Versuch

    Original erstellt von Robert:
    Also, wie bist Du denn zu diesem Namen gekommen? Darf ich Dich zärtlich Zicke nennen?
    Die Wahrheit liebe ich und suche sie.. und doch in mir kann ich das Weib nicht unterdrücken = Philozicke!

    Hallo Robert,

    nenn mich ruhig Zicke, ist auch ein Teil meines Seins. Danke für die kurze und auf den Punkt gebrachte Kritik meines Textes. Das macht Mut. Ich werde es jetzt mit etwas Kürzerem versuchen, einem Gedicht!

    Die Regeln las ich sorgfältig und habe eine Frage zu Deinem Bewertungssystem. Einmal im Monat sollen mit Punkten die Texte bewertet werden. Kannst Du mir genauere Angaben zu diesem Punktesystem machen?

    An Griffon:

    ja, Du hast recht... in der Kürze liegt die Würze.
    Werde es mir hinter die Ohren, oder besser ins Hirn schreiben!

    An Kls:

    Danke, für Deine Erstinformation zu diesem Forum. Und ein dickes Fell? Schaun wir mal ob das meine dick genug sein wird.

    Liebe Grüße;

    Philo oder Zicke oder wie auch immer

    [Diese Nachricht wurde von Philozicke am 02. März 2002 editiert.]

  8. #8
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Philosophie leben - ein Versuch

    hallo zicke (die meisten die sich so nennen sind in wirklichkeit keine),

    bis "Es heißt "die Einflussnahme", ist der text gut. dann kommt nichts bedeutendes mehr. wie schon gesagt wurde: verdichtung.

    tt

  9. #9
    Kurzvormabschussiger
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    Post Philosophie leben - ein (zweiter) Versuch

    Jetzt in gekürzter Ausführung, mein zweiter Versuch:

    Das Lebensspiel....

    Zu einer Zeit in dem alle Werte dieser Welt fast ausschließlich aus zwei Dingen bestehen, nämlich Macht und Besitz, erblicke ich das Licht der Welt. Es scheint eine schöne Welt zu sein, die ich jetzt betreten darf. Sie ist bunt und vielseitig in ihrer Art und sie glimmert und glitzert im hellen Schein. Wie ein großer Jahrmarkt mit vielen Spielern und Gauklern und sie alle spielen immer wieder das gleiche Spiel. Es heißt "die Einflussnahme".

    Die Herde sammelt sich, um das bunte Treiben zu betrachten. Es erweckt Sehnsucht, man möchte mitspielen. Hinter verkaufsbetonter Freundlichhaltung grinsen hämisch die Gesichter der Gaukler. Kommt herbei, dieses Spiel macht jeder mit. Je mehr mitspielen um so besser für alle und um so besser für uns! Es ist nicht schwer. Ihr müsst nur euren Beitrag leisten und ihr könnt alles erwarten, was euch hier vorgespielt und vorgegaukelt wird. Lasst Euch gefangen nehmen von diesem Spiel. Es ist eine heile, bunte Welt, ja hier, nur hier im Spiel des Lebens!
    Und wenn ich dieses Spiel nicht mag, frage ich leise?

    Erfüllung, Liebe, Erfolg, Anerkennung und Macht, materielle Sicherheit, mehr braucht man nicht zum Glück. Hier fehlt es an nichts. Willst Du wirklich darauf verzichten?
    Aber Du musst Dich an die Spielregeln halten, darfst nicht ausscheren!

    Das ist fein ausgedacht. Besser als in früheren Zeiten. Keine Sklaven, keine Antreiber und keine Peitschen. In diesem Spiel geht es nur um Leistung und Erwartung, so schaukelt es sich von selbst zu recht. Dieser Kreislauf wird nicht so schnell durchblickt.

    Und wenn doch....

    Man kann nicht so schnell ausbrechen, denn wenn alle dieses Spiel spielen, ist man schnell einsam und allein!

    Und das willst Du doch nicht..., oder????

  10. #10
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Philosophie leben - ein (zweiter) Versuch

    Zu einer Zeit in dem alle Werte dieser Welt fast ausschließlich aus zwei Dingen bestehen, nämlich Macht und Besitz, erblicke ich das Licht der Welt.
    Das ist keine gute Prämisse. Werte bestehen nicht aus Macht!? Wenn Du einen Wert definierst, dann ist er, er besteht nicht. Wenn Du ein Substanzielles meinst, dann nähere Dich, aber setz' es nicht. Der Präsens verwirrt zudem. Als ob Du heute aus dem Ei schlüpftest! Meinetwegen setz' auch hier eine Zeitalterdefinition. Die Nebensatzkonstruktion für einen ersten Satz ist zudem kontraproduktiv, um beim Leser Versenkung und Interesse zu wecken.
    Es scheint eine schöne Welt zu sein, die ich jetzt betreten darf.
    SCHEINT! Die Sonne scheint. Es erscheint mir... Sehr prätentiös. ES ist auch nicht gut. Eine direkte Empfindung wär' sehr viel schöner. Du bleibst beim Präsens: mal sehen, wie lange. - Ich stelle fest, daß Du bei mir nach zwei Sätzen schon Unbehagen auslöst, was nicht unbedingt ein schlechter Anfang ist, für wen auch immer.
    Sie ist bunt und vielseitig in ihrer Art, und sie glimmert und glitzert im hellen Schein.
    IN HELLEM SCHEIN ist besser. GLIMMEN und heller Schein vertragen sich nicht. VIELSEITIG assoziiert eine Form, worauf Du keinen Verweis setzt.
    Wie ein großer Jahrmarkt mit vielen Spielern und Gauklern und sie alle spielen immer wieder das gleiche Spiel. Es heißt "Die Einflußnahme".
    Kein Satz. Das Bild ist mißlungen. EINFLUSZNAHME und Jahrmarkt? Da muß ein Drittes her, was vielleicht beides verbindet.

  11. #11
    Kurzvormabschussiger
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    Mit Deiner Kritik kann ich etwas anfangen. Ich war beruflich die Woche unterwegs und werde mich am Wochenende damit auseinandersetzten.

    Ciao, Philo

  12. #12
    Kurzvormabschussiger
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    Post Philosophie leben - ein (dritter) Versuch

    noch ein Versuch...

    Das Lebensspiel

    Zu einer Zeit in der alle Werte dieser Welt sich fast ausschließlich auf zwei Begriffe reduzieren, nämlich Macht und Besitz, erblickte ich das Licht der Welt.
    Eine schöne heile Welt, hell, bunt und glitzernd, voller Spannung und Spiel, so stellt sie sich mir dar. Vergleichbar mit der Vielseitigkeit eines großen Jahrmarktes und seinen vielen, sich spielerisch anpreisenden Händlern und Gauklern...

    Die Masse sammelt sich, um das bunte Treiben zu betrachten. Es erweckt Sehnsucht, man möchte dabei sein, um nichts zu verpassen. Hinter verkaufsbetonter Freundlichhaltung grinsen hämisch die Gesichter der Händler und Gaukler. Kommt herbei, hier macht jeder mit. Je mehr mitspielen um so besser für alle und um so besser für uns! Es ist nicht schwer. Ihr müßt nur euren Beitrag leisten und ihr könnt alles erwarten, was euch hier vorgespielt und angepriesen wird. Laßt Euch gefangen nehmen von diesem Spiel. Hier ist die heile, bunte Welt, ja hier, nur hier im Spiel des Lebens!
    Und wenn ich dieses Spiel nicht mag, frage ich leise?

    Erfüllung, Liebe, Erfolg, Anerkennung und Macht, materielle Sicherheit, mehr braucht man nicht zum Glück. Hier fehlt es an nichts!
    Willst Du wirklich darauf verzichten?
    Du mußt Dich an die Spielregeln halten, darfst nicht ausscheren!
    Das ist fein ausgedacht. Besser als in früheren Zeiten. Keine Sklaven, keine Antreiber und keine Peitschen. In diesem Spiel geht es nur um Leistung und Erwartung, so schaukelt es sich von selbst zu recht. Dieser Kreislauf wird nicht so schnell durchblickt.

    Und wenn doch....

    Man kann nicht so schnell ausbrechen, denn wenn alle dieses Spiel spielen, ist man schnell einsam und allein!

    Und das willst Du doch nicht..., oder????

  13. #13
    Gast
    Status: ungeklärt

    AW: Philosophie leben - ein (dritter) Versuch

    Hm tja...
    Was müssen wir denn "leisten"?
    Das klingt als sei es unreflektiert aus "Leistungsgesellschaft" entnommen. Was wiederum dirket zur "Gesellschaft" überleitet.
    Texte über die Gesellschaft sind zwar fein, aber auf Dauer auch ein wenig öd.

    Ich jedenfalls fand den Text schon nach dem ersten Absatz nicht mehr sonderlich fesselnd.
    Kein Feuer.

    Aber naja

    Noch 2 Dinge:
    erstens: was soll man schon von einem Kritiker halten, der nicht mal recht schreiben kann ("dirket" sollte eigentlich "direkt" lauten).
    zweitens: dies Forum ist reichlich unübersichtlich.

  14. #14
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Philosophie leben - ein (dritter) Versuch

    Ich versuchte mich mit der Umsetzung Deiner Ratschläge. Dabei sagte mir bereits mein Gefühl, dass der ganze Text eigentlich ganz neu geschrieben werden müsse.
    Ich finde ihn jetzt schlechter, als den Ursprungstext, weil mir das, was ich damit ausdrücken will verloren geht.
    Also... noch schlechter als vorher...

    Eine weitere Textarbeit an diesem Text lohnt wohl nicht.

    Aber was ich gerne von Dir wissen möchte ist, ob ich Dich und Deine Ratschläge überhaupt verstanden habe und auch ein wenig umsetzen konnte, auch wenn es den Text wahrlich nicht besser gemacht hat.

    Wäre nett

    Philo



    [Diese Nachricht wurde von Philozicke am 13. März 2002 editiert.]

  15. #15
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    AW: Philosophie leben - ein (dritter) Versuch

    Vergiß den Text. So kannst du das Thema nicht umschreiben. Du mußt das Ganze in etwas andere einbetten. Weiß Gott, was ich in was. Aber in etwas ganz anderes. Schreib eine Geschichte. Aber so wirkt das nur wie ein fahl gewordener alzheim-getesteter Philosph.

  16. #16
    Kurzvormabschussiger
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    Post Philosophie leben

    Für mich bedeutet Philosophie nicht nur das Lesen großer Denker und die Diskussionen darüber. Ich möchte sie auch versuchen zu leben .


    Hier stelle ich Gedanken von mir ein, die mir beim Frühlingserwachen vor zwei Jahren durch den Kopf gingen. Ein Versuch meine Gedanken in lesbarer Form zu bringen...


    Tja, dann trau ich mich einfach mal:


    Es duftet nach Frühling...
    Hagen, im März 2000

    Zitat:
    „Wer nicht auf das Kleine sieht,
    scheitert am Großen.
    Weil der Weise unbefangen
    das Ende im Anfang sieht,
    das Große im Kleinen,
    wird auch
    das Verfänglichste und Schwerste
    ihm leicht.“ (Lao Tse)

    VORWORT

    Frühling....


    Das Erwachen der Natur aus dem Winterschlaf,
    bereit neu zu beginnen, den ewigen Kreislauf
    von Werden und Vergehen fortzusetzen...

    Für uns mit allen Sinnen wahrnehmbar!
    Das Zwitschern und Singen der Vögel in der Morgendämmerung...
    Die ersten wärmenden Sonnenstrahlen auf der Haut...
    Die Schneeglöckchen und Krokusse,
    die zarten Knospen an Sträuchern und Bäumen...
    Und wahrnehmbar durch Nase und Zunge....
    Ja, es schmeckt und duftet nach Frühling!

    Frühlingsempfinden...


    Ich fühle, ich spüre es,
    das dicke Blut der dunklen Jahreszeit wird geschmeidiger, und beginnt meinen Körper schneller zu durchfließen, breitet sich wohlig über die ganze Fläche aus, gelangt bis in die kleinsten Winkel. Meine steifen Nerven erwachen, räkeln sich um sich im ganzen Körper auszudehnen. Die Starre löst sich, alles wird freier, durchlässiger, offener. Das Dunkle fällt ab vom mir um den Hellem Platz zu machen.
    Ich atme es regelrecht, und nicht nur durch meine Nase und meine Lunge, sondern mit jeder einzelnen meiner Poren. Mich durchdringt dieses Gefühl, dieser Geschmack, dieser Duft.


    Ein Aufleben...


    Aber wieso? Ich lebe doch die ganze Zeit! Was ändert sich?
    Ich bin ein Teil dieser Natur! Sie kann gut ohne mich, aber ich nicht ohne sie! Ich bin auf sie angewiesen. Ohne Luft, ohne Wasser, ohne Licht und ohne Nahrung würde ich nicht existieren. Ich wäre nicht! Das Gesetz der Jahreszeiten trifft auch mich. Mich, diesen einen kleinen winzigen Anteil von allem Leben. Und deshalb ist es so sehr spürbar, dieses Erwachen der Natur im Frühling! Das Helle nach langer Zeit der Dunkelheit, des Kahlen, des Trüben, des farblosen Grau in Grau des Winters. Mit ihren prachtvollen, leuchtenden Herbstfarben, mit der Ernte des aus ihr Wachsendem verabschiedet sich die Natur in den Winterschlaf. In den kleinen Tod Winter, der aber durch sein Erscheinen bereits die Wiedergeburt des Frühlings ankündigt. Vergehen und Werden....
    ein nie endender, ewiger Kreislauf.

    Jahreszeiten....

    Zitat:
    „Biegsam und zart sind Gräser und Bäume,
    wenn sie wachsen,
    fest und hart, wenn sie sterben.
    Daher gehören das Feste und Harte zum Tod,
    Weichheit und Zartheit zum Leben.“ (Lao Tse)

    Klar, kennt jeder!
    Frühling, die Zeit der Erwachens der Natur, das Sprießen neuer Triebe. Blütenpracht und laue Lüfte. Bienen und Pollen, Befruchtung und Bestäubung. Von Mutter Natur so eingerichtet, damit der Baum, der Strauch, die Blume das entwickeln oder hervorbringen kann, worauf die eigene, ganz spezielle Daseinsberechtigung beruht.
    Sommer, die Zeit des Wachstums und der Entwicklung. Der Frühling hat es in Gang gesetzt, jetzt muss es reifen, um das aus sich heraus zu entwickeln, das hervorzubringen, wozu es geschaffen wurde.
    Herbst, jetzt ist die Reife erreicht, die Entwicklung abgeschlossen! Jetzt kann geerntet werden, was durch die Zeit des Entstehens und der Reife hervorgebracht wurde. Es ist vollbracht! Und jetzt?
    Winter, es ist alles getan, was getan werden musste. Ende, aus, vorbei, es bleibt nichts mehr über. Also, Ruhezeit, Ausruhen, Kraft sammeln für das nächste Werden.
    Nur...
    was ist denn mit uns Menschen als Teil der Natur? Wir tragen keine Früchte oder Blüten aus uns hervor. Und als Nahrungsquelle für fleischfressende Tiere erschaffen zu sein, ist bestimmt die falsche Theorie und heute auch kaum noch anwendbar. Auch sind die Tiere nicht wählerisch und begnügen sich meistens mit den kranken oder schwächlichen Teilen ihrer Nahrungsquellen. Ist einfacher! Aber was ist nun mit den Jahreszeiten, mit der Daseinsberechtigung für uns Menschen?


    Jahreszeiten...


    Schauen wir einfach noch mal zurück....


    Frühling; erwachen, das Sprießen neuer Triebe! Kann das für uns nicht auch aufwachen bedeuten und hinschauen, was denn in uns vorhanden ist? Etwas vorfinden, was als Keim bereits da ist? Und bestäuben, befruchten, Pollenflug könnte doch auch bedeuten, diesen Keim einzupflanzen und ihn aufgehen zulassen?


    Sommer; reifen, entwickeln, wachsen! Könnte doch bedeuten, dass das in uns Vorhandene, nach dem wir es entdeckt und eingepflanzt haben, nun die Zeit zum reifen geben, bis es seine Entwicklungsstufen durchlaufen hat?


    Herbst; Erntezeit, es ist vollbracht! Auf uns bezogen könnte es sein, dass wir das in uns Vorhandene, nach der Zeit der Entwicklung und Reife nun auch aus uns herauslassen? Von innen nach außen treten lassen?


    Winter; Ausruhen, Kraft sammeln! Das könnte doch auch für uns bedeuten, sich auszuruhen, neue Kräfte zu sammeln und nachzusehen, ob da nicht noch mehr in uns steckt, noch mehr Keime vorhanden sind, noch mehr, was wir aus uns heraus arbeiten und nach außen bringen sollten? Für einen neuen Kreislauf des Werdens und Vergehens?


    Denn wenn wir in unserem persönlichen Winter verweilen, sind wir dann nicht bereits wirklich starr, oder sogar innerlich tot? Leben wir dann noch für unser Dasein oder nur für die äußeren Räder der Gesellschaft? Leben wir dann wirklich noch oder funktionieren wir einfach nur?

    Gesellschaft...


    Leider, so empfinde ich es, steckt unsere heutige Gesellschaft in ihrem ganz persönlichen Winter, weil das Höchste im Äußeren gesucht wird.
    Das Leben im Haben und nicht im Sein.
    Die materiellen Werte, nicht die persönlichen!
    Was kann ich noch haben, was will ich mir leisten, damit ich als das gelte, was mir die Konsumgesellschaft vor lebt. Leben, in immer schneller werdenden Zeitabläufen, immer mehr, immer höher! Was hat dieser oder jener, was ich nicht habe. Worauf muss ich hinarbeiten, damit auch mir dieses oder jenes leisten kann. Und warum will ich es mir leisten, warum muss ich es unbedingt haben, wo ist die Notwendigkeit? Warum???
    Damit ich gesellschaftsfähig bleibe, damit ich als was gelte. Aber als was???
    Konsum, Konsum – den letzten beißen die Hunde! Wirklich?


    Ist da noch Zeit den inneren Keim zu entdecken? Wo bleibt die Achtung vor dem Leben? Vor allem Leben in diesem Universum. Nicht nur vor unserem kleinen Nichtigen? Wo das aufeinander zugehen, da miteinander sein? Wo der Respekt und die Akzeptanz vor der Individualität allen Lebens?
    Ist es untergegangen im kalten, starren, dunklem Winter des Konsums? Beherrscht von Neid, Berechnung, Herzlosigkeit, Rücksichtslosigkeit, Kälte und Härte? Wo ist das Verstehen, das Gönnen, die Herzlichkeit und Rücksichtnahme. Wo die Wärme und die Weichheit?
    Wollen wir das? Wollen wir das wahrhaftig? Oder laufen wir nur wie eine Herde dummer Schafe hinter unserem Hirten, der Konsumindustrie, her? Stöpsel in den Ohren, Scheuklappen vor den Augen, stumm und starr, verhärtet oder ängstlich, harrend der Dinge die da kommen? Und warum laufen wir im Alltagstrott, lassen uns drehen durch die Räder des Industriekapitals? Weil wir unser Stück abhaben wollen, vom Kuchen des Wohlstandes und von der Macht? Nennt man das Glück? Nennt man das Zufriedenheit? Nennt man das mit sich und den anderen im Einklang sein?
    Erwachen, wie die Natur im Frühling....

    Zeit des Erwachens....

    Zitat:
    „Wie Du auch bist,
    so diene Dir selber als Quell der Erfahrung!
    Wirf das Missvergnügen über Dein Wesen ab,
    verzeihe Dir Dein eigenes Ich:
    denn in jedem Falle hast Du
    an Dir einer Leiter mit hundert Sprossen,
    auf welcher Du zur Erkenntnis steigen kannst.“(Friedrich Nietzsche)

    Wach werden! Aber wie? Geht das überhaupt? Ich als Einzelner im großen Getriebe der Gesellschaft? Ich, meine kleine Wenigkeit kann etwas tun, damit unsere Gesellschaft aus dem Winterschlaf erwacht und es Frühling werden kann?
    Die Antwort ist „JA“!!!
    Der erste Schritt ist die Achtsamkeit! Die Achtsamkeit zu sich selbst!
    Lassen wir die ewig schwatzende Gesellschaft doch schwatzen. Verschließen einfach unsere Ohren vor diesem Geschwätz und horchen in uns hinein. Ganz aufmerksam... was für ein leises, zartes Summen? Da ist ja was, tatsächlich. Irgend etwas ist da, tief in uns drinnen. Die Suche nach einer Stecknadel im Heuhaufen kann dieser Arbeit gleichkommen, die uns jetzt bevorsteht. Aber es lohnt sich. Denn da drinnen sind wir, unser innerster Kern, unser inneres Wesen. Tief vergraben unter dem Müll unserer Erfahrungen, unserer Konditionierungen unserer Erziehung! Sollten wir denn überhaupt? Unsicherheit und Ängste vor dem was dort schlummert? Oh, oh... was könnte auf mich zukommen? Was liegt dort vergraben?
    Ein Stück individuelle Menschlichkeit, ich, alles was in mir vorhanden ist!
    Viele Fehler, aber sind sie denn schlimm. Müssen wir uns schämen? Nein, denn ein Fehler ist erst dann ein Fehler, wenn er erkannt, aber nicht geändert wird. Schaue wir uns unsere Fehler an. Jeder hat welche. Wir sind in größter Gesellschaft mit unseren Fehlern. Manche sind so klein und nichtig, dass wir über sie lächeln sollten, manche möchten wir uns gar nicht anschauen, weil wir sie für uns nicht wahrhaben wollen. Aber genau diese sind es, die wir uns genau anschauen sollten, denn wenn wir sie erkennen, verpuffen sie im Nichts und können keinen Schaden mehr anrichten.
    Aber was ist da noch in uns? Kreativität? Nein...


    Doch!!!
    Die Suche nach unseren Stärken, unseren Lieben, was wollten wir schon immer, und haben es erst gar nicht versucht, weil wir es uns innerlich nicht zutrauen, dass dort kleine Dichter, Denker, Sänger, Maler oder, oder, oder in uns versteckt sind. Nur wenn wir es nicht versuchen, werden wir auch nie erfahren, was in uns steckt. Holen wir diese Anteile einfach aus uns heraus. Es gibt so eine Vielfalt in uns, wir brauchen uns nicht über andere zu definieren. Das was unser inneres Wesen für uns bereit hält, kann niemand wegnehmen. Es geht nie verloren, und kein anderer kann es benutzen.
    Achtsam nach innen schauen, so nimmt es Form an und wird sich im Äußerem verwirklichen.

    Zitat:
    „Im Gebirge der Wahrheit kletterst Du nie umsonst:
    entweder Du kommst schon heute weiter hinauf
    oder Du übst Deine Kräfte,
    um morgen höher steigen zu können.“
    (Friedrich Nietzsche)

    Zwischenmenschlich, menschliches...

    Gedicht:
    „Das Leben führt den ernsten Mann
    auf bunt verschlungenem Pfade.
    Oft wird gehemmt des Laufes Kraft,
    dann wieder geht es gerade.

    Hier mag sich ein beredter Sinn
    in Worten frei ergießen,
    dort muss das Wissen schwere Last
    in Schweigen sich verschließen.

    Doch wo zwei Menschen einig sind
    in ihrem innerem Herzen,
    da brechen sie die Stärke selbst
    von Eisen und von Erzen,

    und wo zwei Menschen sich
    im innerem Herzen ganz verstehen,
    sind ihre Worte süß und stark
    wie Duft von Orchideen.“
    (Kung Tse)

    Wow, ein schönes Gedicht!
    Aber wirklich nur ein Gedicht? Oder vielleicht eine Lebensweisheit? Oder bereits ein Stück Leben selbst?
    Ich persönlich entscheide mich für die letzte Variante! Ich kleines romantisch Verträumtes?
    Nein; ich sehe es ganz realistisch! Als den Weg zu mehr Miteinander und zu mehr Menschlichkeit offen und voller Vertrauen. Als Weg zu einem neuen Anfang, einem neuen Frühling.
    Nicht nur für Zwei, sondern für Alle! Für Alle die sich berühren lassen von dem Geist dieser Worte. Für Alle die lernen zu sein, für alle die die Liebe zu sich selber entdecken, die bereit sind zu lernen, sich selbst zu lieben! Mit allen vorhandenen Anteilen, bereit die kleinen Fehler zu belächeln und sich die Großen anzuschauen, achtsam und offen, bereit nach den Keimen zu suchen, diese einzupflanzen, das innere Wesen zu befreien und es nach außen treten zu lassen. Dort wird es strahlen und mit diesen Strahlen andere berühren, die erwachen von dieser Wärme und diesen weichem Fluss, erwachen, weil sie es plötzlich empfinden können.
    Wenn wir die Liebe zu uns selbst entdecken, dann gibt es keinen Neid mehr, keinen Hass, keine Unzufriedenheit und keine Angst. Wir leben mit uns selbst im Einklang und können es deshalb auch mit den anderen. Nur wenn wir lernen uns selbst zu lieben, können wir auch alle anderen lieben. Die wahrhaftige Liebe, die Liebe ohne Erwartungen, ohne Bedingungen! Die alles umfassende Liebe. Die Liebe von Herz zu Herz, von Seele zu Seele, von Geist zu Geist. Sich berühren lassen, tief, direkt und fließend ohne Umweg über den alles zerpflückenden, alles zerdenkenden Verstand.


    Ja, wir können etwas tun, jeder Einzelne für sich! Denn durch unser Wesen stoßen wir andere an, berühren sie, lassen sie aus ihrem persönlichen Winterschlaf erwachen. Wir tragen dazu alles in uns, alles dafür ist vorhanden. Wir müssen es nur entdecken, einpflanzen, wachsen lassen! Es werden immer mehr werden, von Jahr zu Jahr, von Monat zu Monat, von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde, von Minute zu Minute und Sekunde zu Sekunde.


    Und was genau tun?
    einfach bereit sein...
    für das Leben im Sein,
    alles andere folgt daraus!


    Der Weg ist hart, steinig und oft schmerzhaft denn...


    Zitat:
    „Jeder, der irgendwann einmal
    einen neuen Himmel gebaut hat,
    fand die Macht dazu
    erst in der eigenen Hölle.“
    (Friedrich Nietzsche)

    Es duftet nach Frühling!

  17. #17
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Philosophie leben - ein Versuch

    Nach meiner Überzeugung ist der Mensch nun einmal Egoist. Klingt blöd - ist aber so. Jeder ist sich selbst der Nächste. Steht schon in der Bibel - wenigstens eine Bibelstelle, der ich zustimmen kann.
    Ich schreibe hier bewußt Egoist - und nicht Egomane. Und ich halte das durchaus nicht für etwas schlechtes. Wer ist schon tatsächlich barmherziger Samariter? Wer opfert sein Leben für andere? Die wenigen, die es laut unseren Geschichtsbüchern getan haben - kennen wir ihre wahren Motive?
    Nein - überlege einfach: welcher Mensch ist für Dich persönlich der wichtigste auf der Welt? Dein Freund? Deine Mutter? Mmmhh? Quatsch: Du selbst bist es! Wie kannst Du anderen gutes tun, wenn Du nicht zuerst an Dein Überleben denkst? Wie kannst Du andere lieben, wenn Du Dich nicht selbst liebst? Das klingt alles vielleicht sehr narzistisch - aber wenn man es ganz nüchtern betrachtet und nicht gleich wieder ins Extreme zieht, dann bekommt es vielleicht Hand und Fuß.


    Die Entwicklung zur Konsum-, zur Ellbogengesellschaft ist ein ganz logischer Schritt. Der Egoismus des Einzelnen wird einfach kultiviert und dabei "optimiert". Er treibt die Menschen voran - und damit auch die Menschheit. Wohin uns die Gleichschaltung des Einzelnen zum Masse-Wesen führt, kennen wir ja. Da braucht man gar nicht erst mit dem Finger nach Osten zu zeigen.


    Ich bin bekennender Egoist. Ich kämpfe um mein Überleben, versuche so zu leben, daß es mir gut geht und wenn ich in den Spiegel schaue, dann bin ich ganz zufrieden mit mir - auch wenn nicht alles perfekt ist. Und dieses bißchen Egoismus macht mich stark, verleiht mir die Fähigkeit zu lieben und für andere ein wichtiger Ansprechpartner zu sein. Was wäre ich ohne Egoismus? Ein Weichei, das anderen nach dem Munde redet.


    So - Provokation beendet - ich geh' schon mal in Deckung

  18. #18
    rodbertus
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    AW: Philosophie leben - ein Versuch

    Überleben? Wozu? Um zu genießen? Um zu verdauen? Für Sex?

    Nö, Griffon. Du liegst falsch. Das Leben ist ein Gut, nicht einmal das Höchste. Wie willst Du lieben können, wenn Dir ein riesiges Ego im Wege steht? Wie willst Du bei völliger Selbstverleugnung oder Selbsthaß lieben können? Wie ein Philosoph zu leben bedeutet nicht, sich an eine Lehre zu halten, sondern nur eines: sich beugen können und dies als Selbstwert begreifen.

  19. #19
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Philosophie leben - ein Versuch

    Griffon........
    ich hoffe sie ist gut, Deine Deckung

    Hast Du vielleicht meinen Text ein wenig schlampig gelesen???
    Denn genau das sage ich doch....

    SEI DU SELBST! Erwache zu Deinem Selbst, suche es in Dir!

    Was heißt denn das Wort EGO übersetzt..... ICH!
    Und egoistisch = selbstsüchtig, ich bezogen


    ...Griffon: Die Entwicklung zur Konsum-, zur Ellbogengesellschaft ist ein ganz logischer Schritt. Der Egoismus des Einzelnen wird einfach kultiviert und dabei optimiert. Er treibt die Menschen voran und damit auch die Menschheit. Wohin die Gleichschaltung des Einzelnen zum Masse-Wesen führt, kennen wir ja....

    Aber eben geben genau diese Entwicklung zur Konsum, Leistungs- und Erwartungsgesellschaft, will das doch verhindern. Sie will die Einzeln doch weg vom Ich und hin zur Masse ziehen. Sie suggeriert uns doch täglich durch die Medien, wie wir zu sein haben um erfolgreich zu sein, wie wir aussehen müssen um schön zu sein. Was wir haben müssen, um etwas zu darzustellen! Und was hat unser ICH davon?
    Es gibt viele ängstliche Menschen, die sich Minderwertig vorkommen, nur weil sie eine gewissen Norm nicht erfüllen, die sich arm vorkommen, nur weil sie nicht mit ihrem Nachbar mithalten können. Wieviel Beziehungen scheitern jeden Tag, weil die Enttäuschung zu groß wird, weil der Partner der Erwartung nicht standhält und sich erlaubt, ein Stück er selbst zu bleiben in diesem Getriebe. Wie viele trauen sich nicht, sie selbst zu sein, weil sie Angst haben aus der Norm zufallen, Außenseiter zu werden??? Von diesen Menschen gibt es wahre Massen. Sie begegnen mir überall! In der Firma, im Freundeskreis, unter Nachbarn und viele, viele, viele füllen täglich die Praxen von hunderten von Psychologen und Therapeuten, weil sie einfach mit sich und der Welt nicht mehr klar kommen.

    Das sehe ich nix mit Ego, da sehe ich jede Menge Ängste, Lebensängste! Ich empfinde das nicht als Kultivierung und Optimierung des Egos, sondern schlicht und einfach als Massensuggestion der Ängste!

    Suche in Dir und sei Du selbst! Das wollte ich ausdrücken. Gegen einen gesunden Egoismus habe ich überhaupt nichts einzuwenden, wenn er ehrlich ist.

  20. #20
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Philosophie leben - ein Versuch

    Hi Philozicke,

    P: ich hoffe sie ist gut, Deine Deckung

    Nun - bei dieser Antwort brauche ich sie nicht

    P: Hast Du vielleicht meinen Text ein wenig schlampig gelesen???

    Das will ich nicht kategorisch ausschließen ...

    P: Aber eben geben genau diese Entwicklung zur Konsum, Leistungs- und Erwartungsgesellschaft, will das doch verhindern. Sie will die Einzeln doch weg vom Ich und hin zur Masse ziehen. Sie suggeriert uns doch täglich durch die Medien, wie wir zu sein haben um Erfolgreich zu sein, wie wir aussehen müssen um schön zu sein. Was wir haben müssen, um etwas zu darzustellen! Und was hat unser ICH davon?

    Das sehe ich - ehrlich gesagt - genau anders herum. Sicher suggeriert die Werbung ein Idealbild. Aber ist es nicht eher so, daß wir uns alle anstrengen müssen einen gewissen Individualismus ans Tageslicht zu bringen, um uns von der Masse abzuheben? Auf unseren Schreibtischen landen täglich hunderte von Bewerbungsschreiben - 80% sehen sich ganz ähnlich, weil die Urheber sich an irgendwelche Vorgaben schlauer Bücher halten. Aber es sind die anderen 20%, die individuell gestalteten, die ins Auge fallen und damit den Weg in die engere Wahl finden.
    Schau Dir die Jugend heutzutage an - natürlich huldigt auch sie einem gewissen Uniformismus - aber jeder einzelne versucht aufzufallen, ins Auge zu stechen, durch Piercings, Tattoos, verrückte Frisuren, Kleidung. Wer nicht auffällt, bleibt auf der Strecke. Wer nicht laut wird, bleibt ungehört.
    Wer kommt ins Fernsehen? Die Familie mit drei Kindern, die Sonntags den Spaziergang im Park pflegt sicher nicht. Nein - es sind die schrillen Typen, die Extremisten, die - ja - Egoisten.

    P: Es gibt viele ängstliche Menschen, die sich Minderwertig vorkommen, nur weil sie eine gewissen Norm nicht erfüllen, die sich arm vorkommen, nur weil sie nicht mit ihrem Nachbar mithalten können.

    Sicher - aber sind sie nicht selbst schuld? Wer verhindert denn, daß auch sie "Erfolg" im Leben haben - wenn nicht sie selbst? Und weiter: bemerkst Du, daß ich Erfolg in Anführungszeichen geschrieben habe? Warum sind diese Menschen nicht mit ihrem Leben zufrieden? Warum sind sie nicht zufrieden, so wie sie sind? Auch das wäre ja eine gewisse Form des Individualismus. Aber nein - fangen an sich am Nachbarn zu messen. Wozu? Was kümmert mich der Ferrari meines Nachbarn? Ich kann mir keinen leisten - aber mein BMW reicht mir auch. Deshalb muß ich mich nacht minderwertig fühlen. Für mich ist auch der BMW ein Erfolg. Ich bin zufrieden damit.

    P: Wieviel Beziehungen scheitern jeden Tag, weil die Enttäuschung zu groß wird, weil der Partner der Erwartung nicht standhält und sich erlaubt, ein Stück er selbst zu bleiben in diesem Getriebe.

    Meine langjährige Beziehung ist letztendlich auch daran gescheitert. Aber anders. Ich habe mich 15 Jahre lang an meine Partnerin angepaßt und mein eigenes Ego ihren Bedürfnissen untergeordnet. Dann konnte ich das nicht mehr. Es hat mich 5 Jahre gekostet mein eigenes Ego wieder auszugraben. Dann kam ich zu dem Schluß, daß eine Beziehung mit einer Frau, die mit meinem Ego nicht zurecht kommt, keine Zukunft hat. Soll sie sich ihren Traummann backen - ich bin es (offenbar) nicht. Heute lasse ich mich nicht mehr formen. Ich sage, was ich denke und tue, was ich für richtig halte. Das ist meine ganz persönliche Form des Egoismus. Meine jetzige Partnerin liebt mich, wie ich bin. Und das beruht auf Gegenseitigkeit. Ich möchte keine Partnerin, die sich verbiegt und möchte mich auch niemals mehr verbiegen müssen. Dabei vergesse ich natürlich nicht, daß eine Partnerschaft natürlich auch eine gewisse Kompromißbereitschaft erfordert. Aber alles hat seine Grenzen.

    P: Wie viele trauen sich nicht, sie selbst zu sein, weil sie Angst haben aus der Norm
    zufallen, Außenseiter zu werden??? Von diesen Menschen gibt es wahre Massen. Sie begegnen
    mir überall! In der Firma, im Freundeskreis, unter Nachbarn und viele, viele, viele füllen täglich
    die Praxen von hunderten von Psychologen und Therapeuten, weil sie einfach mit sich und der
    Welt nicht mehr klar kommen.

    Sorry - aber diese Menschen tun mir überhaupt nicht leid. Was sind das für Kreaturen, die meinen immer so wie jemand anders sein zu müssen? DAS sind wirklich Massen-Menschen. Nein - soolen sie doch tatsächlich sie selbst sein und glücklich damit. Niemand hindert sie daran - außer ihre eigene Unzulänglichkeit.

    P: Das sehe ich nix mit Ego, da sehe ich jede Menge Ängste, Lebensängste! Ich empfinde das nicht
    als Kultivierung und Optimierung des Egos, sondern schlicht und einfach als Massensuggestion
    der Ängste!

    Erster Satz: richtig! Ich sehe da auch kein Ego - nur Selbstmitleid.
    Zweiter Satz: falsch. Es ist die Selbst-Suggestion, die sie unglücklich macht. Warum machen sie sich nicht frei von äußeren Zwängen? Niemand zwingt sie auf die Medien zu hören. Daß die Werbung verkaufen will, ist doch logisch - und legitim. Wer darauf reinfällt, ist selbst schuld. Das kann man nicht der Werbung anlasten. Nein - wer meint irgendwelchen Normen nicht gerecht werden zu können, nicht mit seiner kleinen Welt zufrieden ist und dann die Schuld für seine armselige(?) Existenz bei anderen sucht, lügt sich in die Tasche. So wie der Student, der zum dritten Mal durch die Prüfung gerasselt ist, die Schuld für sein eigenes Versagen bei den Eltern oder früheren Lehrern sucht. Jeder hat die Macht und die Freiheit im Rahmen seines Umfeldes seinen eigenen Weg zu gehen.

    P: Suche in Dir und sei Du selbst! Das wollte ich ausdrücken. Gegen einen gesunden Egoismus habe ich überhaupt nichts einzuwenden, wenn er ehrlich ist.

    Genau - suche in Dir selbst und sei Du selbst. Aber wenn Du fremden Idealen hinterherheischst und dabei scheiterst, dann schiebe nicht die Schuld auf die böse böse Gesellschaft!

    So weit sind wir gar nicht auseinander - nur bei der Ursachenforschung stehen wir auf verschiedenen Seiten, scheint mir ...

  21. #21
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Philosophie leben - ein Versuch

    erstellt von PZ: Für mich bedeutet Philosophie nicht nur das Lesen großer Denker und die Diskusionen darüber. Ich möchte sie auch versuchen zu leben
    Das ist ganz schön plakativ. Die Palette der Philosophen reicht von Müller bis Schmidt. Du müßtest Deine Wahrnehmungen schon einschränken. Was reizt Dich an einem Philosophen? Ist es Bodenständigkeit oder Weltflucht, steht Angepaßtheit (Man muß seine Pflicht dort erfüllen, wo Gott hinstellte!) oder nominalistische Gleichmütigkeit (Ich denke, also sag ich's.) im Vordergrund.

  22. #22
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Philosophie leben - ein Versuch

    @Robert

    In Langenscheidts Lexikon wird der Begriff Philosophie wie folgt definiert:

    "Wissenschaft der Erkenntnislehre, wiss. Weltanschauung, Denkrichtung, Lebenseinstellung, Weltanschauung, Art und Weise des Angehens oder des Lösens eines Problems; Einstellung"

    Was mich an den Philosophen reizt? Alles! Ich lese mich durch die philosophische Weltgeschichte. Angefangen bei den Veden, über die alten Griechen bis hin in die Neuzeit. Wahrheitssuche und die daraus folgenden Erkenntnisse. Ich lege mich nicht fest. Mir liegt Platon und ich liebe Nietzsche (weil er mit dem Herzen schreibt) und Montagnie (wegen seiner Toleranz). Müßte ich aus irgend einem Grunde eine Religion wählen, wäre es der Hinduismus. Aber das war nur ein kleiner Auszug!

    Was ich unter Philosophie leben verstehe ist, nach der Erkenntnis auch zu handeln. Eine wichtige Erkenntnis drücke ich mit den Worten Charlie Chaplins aus: "Die Wahrheit ist nie so "oder" so. Meistens ist sie so "und" so. Und meine abgeleitete Handlung... Differenzierte Sichtweise und die sich daraus ergebende Toleranz.

    Zitat Robert:

    "Das ist ganz schön plakativ. Die Palette der Philosophen reicht von Müller bis Schmidt. Du müßtest Deine Wahrnehmungen schon einschränken."

    Und eben genau das will und werde ich nicht... Meine Wahrnehmungen einschränken! Was nicht heißen soll, daß ich nicht bereit bin mich auf einen bestimmtes Thema einzulassen. Themen ergeben sich oder werden angestoßen.

    @Griffon und Robert

    Zur Zeit verfüge ich leider über so gut wie keine Zeit! Befinde mich mitten in einer Großrenovierungsaktion. Deshalb auch nur wenige Beiträge von mir. Ich lebe halt im Chaos, aber aus Chaos entsteht Ordnung.
    Deshalb Griffon, komme ich auf Deinen letzten Beitrag in diesem Ordner noch zurück, sobald es mir wieder möglich ist.

  23. #23
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Philosophie leben - ein Versuch

    PZ, so geht das doch nicht. Ich will Dir ja keinen Zahn ziehen - hüte Dich vor Menschen, die mit der Zange an Dich herantreten und das nämliche behaupten -, aber Du solltest doch ein bißchen eingrenzen. Verwechselst Du vielleicht Ethik (als Teilbereich der Philosophie) mit Philosophie (was ja Erkenntnistheorie und Logik gleichermaßen einschließt)? Und wenn Du ein der Philosophie gemäßes Leben als schön empfindest, ist dann der Drang zur Erkenntnis gemeint, der sich über Dinge wie WAHR und UNWAHR gleichermaßen hinwegsetzt wie über Schönes und Häßliches?

  24. #24
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Philosophie leben - ein Versuch

    Nun Robert...


    die Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters und was ich von der Wahrheit halte, schrieb ich ja bereits einen Beitrag vorher!


    Zitat Robert: "Und wenn Du ein der Philosophie gemäßes Leben als schön empfindest..."


    Nein, ich empfinde es nicht immer schön, das Leben gemäß der Philosophie! Es ist oft schmerzhaft und auch erschrenkend! Aber, es ist dennoch der einzige Weg sich selbst zu finden. Denn nur in Schmerz und Leid fängt man an sich zu hinterfragen.
    Philosophie leben ist Echtheit und innere Wahrheit, meine halt. Die kann für jemanden anderes ganz anders aussehen. Und das bedeutet, mich selbst zu finden, immer ein Stückchen mehr. Nach aussen hin die Toleranz zu besitzen, es auch jedem anderem zuzugestehen. Philosophie leben bedeutet, mich eben nicht auf irgendwas festzulegen oder einzuschießen, sondern offen zu bleiben für neue Erkenntnisse, neugierig die Welt zu betrachten und mich dabei nie selbst zu verleugnen.


    Geschafft habe ich das bis jetzt noch nicht, und ob ich es je schaffen werden? Keine Ahnung! Aber ich bin auf dem Weg.


    Zitat Robert: "Verwechselst Du vielleicht Ethik (als Teilbereich der Philosophie) mit Philosophie (was ja Erkenntnistheorie und Logik gleichermaßen einschließt)?"


    Robert, ohne Erkenntnis geht es nicht und die Logik braucht man, um es umzusetzen. Aber was nützt den großen Philosophen ihre ganze Schreibe, was nutzt die Diskusion über diesen geschriebenen Wörter und wie sie vielleicht gemeint gewesen sein können, was nutzen das alles, wenn wir es nicht in Handlung umsetzen?

  25. #25
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    AW: Philosophie leben - ein Versuch

    Du verkennst die Wirksamkeit des Unbewußten. Einmal aus dem bittren Topf der Wahrheiten geschleckt und das Leben ändert sich, ob man's will oder nicht.
    Ich will Dir ein Beispiel nennen über die Wirksamkeit von Wahrheiten und Beobachtungen mitteilen, PZ! Es gibt da diese Fahrradkörbchen, die zumeist hinter dem Fahrradsitz befestigt sind. Mein Vater erzählte mir einmal von einer seiner Patientinnen, die glaubte, dort säße Brecht neben Lenin und Marx und trieben sie zu Höchstleistungen an. Nun, das war zu DDR-Zeiten. Die Wirksamkeit dieses Tatbestandes ist nicht mehr so akut, allerdings möchte ich glauben, sagen zu können, daß ich bei jedem Fahrradkörbchen, vor dem sich eine Frau abstrampelt, daran denken muß, daß sie nun Marx und Lenin und Brecht durch die Weltgeschichte schippert.


    Machen wir den Test bei Dir. Stell Dich vor ein nämliches Fahrrad und stell Dir das vor. Und dann beobachte Dich, ob Du fortan so empfindest, nicht immer, aber recht oft, daß Frauen in mittlerem Alter dazu neigen, Persönlichkeiten mit sich herumzufahren.


    Und dieses Beispiel beweist nur die Authentizität von psychologischen Vorgängen; jetzt stell Dir vor, was in Deinem Nichtwahrnehmbaren los ist, wenn Du Dich einmal zu den Blumen hinabbeugtest, um aus ihrem Kelch zu naschen, wenn Du also Erkenntnis getrunken?


    Deine Frage, ob einer Theorie auch Praxis folgt, ist hinfällig. Immer. Vielleicht anders, als man denkt, auch will, aber Handeln verliert an Unschuldigkeit durch Kenntnis.

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