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Thema: Esther

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Post Esther

    Vorweg. Esther ist vor 10 Jahren gestorben, vier Tage vor ihrem siebzehnten Geburtstag. Ich kannte sie drei Jahre. Als sie starb, habe ich mir vorgenommen, irgendetwas zu ihrer Erinnerung zu machen. Vielleicht sollte ich eher einen Baum pflanzen, aber ich will es mit einem Text versuchen, dessen allererster Anfang hier ist. Damit meine ich nicht die Länge, sondern die dichte des Textes. Ich bin dankbar für alle Kommentare, die mir eine mögliche Richtung weisen können. Vielleicht wird auch nichts draus, aber ich will einen Versuch machen.

    Esther
    Ich gehe nicht in die Halle, um sie noch einmal zu sehen.

    Ich weiß nicht, ob das hier eine Geschichte wird. Es gibt zwei Hauptpersonen: Esther und? - es ist etwas, das ich nicht benennen kann.
    Woody Allen sagte einmal, wenn es einen Gott gäbe, müsste er ein Sadist sein.
    Als meine Mutter starb, war ich froh.
    Als meine Urgroßmutter starb, habe ich es akzeptiert. Sie lebt durch mich? - nein ich lebe durch sie weiter.

    Esther versucht auf einen Baum zu klettern. Ihre blaue Mütze fällt herunter. Sie kommt ein ganzes Stück weit hoch. Wir gehen weiter zu diesem Lokal, wo es den berühmten Blümchensalat gibt. Esther folgt uns. Wir warten auf sie.

    Manchmal, wenn wir zusammen sind, bin ich Nils Holgerson und sie ist die Wildgans, auf deren Rücken ich sitze.


    Esther darf den jungen Vogel nicht aufziehen, weil er krank sein könnte. So krank wie sie. Er kommt ins Tierheim.

    Esther scheint von Innen zu leuchten. Das sagt man so. Früher - damals - haben sie Lampen aus Menschenhaut gemacht. Es ist schlecht für Menschen zu leuchten.

    Sie ist ein Kind, nein ein junges Mädchen. Ihr Körper reift nicht, ihre tanzenden Gedanken lassen ihn weit hinter sich.

    Wie unvergleichlich zart und hilflos sieht ein junges Gesicht aus, wenn keine Haare ihm Robustheit geben.

    Sie kann nicht aufrecht über den schwankenden Steg auf das Schiff gehen. Ohne zu erröten, kriecht sie auf allen Vieren an Deck.

    Esther liegt auf dem Deck des Frachtkahns. Sie kneift die Augen zusammen und winkt ihrer Mutter, die oben auf der Brücke steht. Als wir in den Brückenschatten kommen, entspannt sich ihr Gesicht.

    Sie strahlt, als sie endlich einen Arzt finden, der einwilligt die hoffnungslose Operation zu machen. Er hat erkannt - sie will kämpfen - und lieber in einer Schlacht sterben, als sich widerstandslos besetzten zu lassen.


    Ihr Bruder mit Punkfrisur und einem geliehenen schwarzen Anzug geht dem Zug voraus. Er trägt die Urne mit einem ernsten Gesicht. Später sagt er, er würde den Tod akzeptieren.


    Ich gehe nicht in die Halle, um sie noch einmal zu sehen.



    [Diese Nachricht wurde von Kyra am 01. März 2002 editiert.]

  2. #2
    schreibt hier hin und wieder
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    Question AW: Esther

    Frage: Wars das? oder gehts noch weiter?

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Esther

    tt, ich weiß einfach nicht, ob es weitergeht. Ich hoffe. So lange bis ich es gut finde.

  4. #4
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    AW: Esther

    GROSSARTIG!
    in jeglichem sinne.

    22.22Uhr - meine lieblingszeit für antworten... -
    es bewegt!
    das ist alles!
    ein kern!
    ganz nackt!
    mutig!
    und gut!
    der text!
    und Dir:
    das ist doch gut,
    du fragst schon nicht mehr,
    beschreibst -
    du weißt also und
    teilst "nur" mit.
    das ist schön und
    dafür danke ich Dir.
    fsjo! (russ. in lateinisch...)

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Esther

    ok, kyra, viel kann man dann ja noch nicht sagen. es kündigt sich hier etwas unendlich trauriges an (keine kritik). das was du in diesem abschnitt geschrieben hast, ist stark.

    tt

  6. #6
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Esther

    nun, staccato

    sammeln wir ein bißchen weiter; Form wird sich finden; mach erst mal den Plot klar

  7. #7
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Esther

    einen Plot....aber den wird es nicht geben, nicht geben können. Es weden Einzelteile bleiben. Wenn ich nur wüsste wie ich das Esther und... zu Beginn erklären soll. Der einfache Begriff wäre Lebensfreude, Lebenswillen, lebendig sein wollen. Also sie hat nicht gegen den Tod sondern für das Leben gekämpft. Dafür muß ich Bilder finden. Ihre Bilder. Es geht ums Leben, nicht ums Sterben. das ist das wichtige.

    Kyra

  8. #8
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Esther

    Noch sind es nur Fragmente, die - zugegebenerma?en - neugierig machen. Es fehlen die Verbindungen, die Zwischenräume und die "Moral" von der Geschicht. Worum geht es (Dir) eigentlich?


    erstellt von Kyra:
    Als meine Mutter starb, war ich froh.
    Dieser Satz erschreckte mich - zunächst. Deshalb will ich lieber fragen: Warum?

  9. #9
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Esther

    Noch sind es nur Fragmente, die - zugegebenermaßen - neugierig machen. Es fehlen die Verbindungen, die Zwischenräume und die "Moral" von der Geschicht. Worum geht es (Dir) eigentlich?
    das ist das Problem, es ist Schicksal - völlig ohne Moral. Es ist passiert. Es geht mir um Trauer und Wut und den Willen zu leben..

    Zitat:
    --------------------------------------------------------------------------------
    Original erstellt von Kyra:

    Als meine Mutter starb, war ich froh.

    --------------------------------------------------------------------------------

    Dieser Satz erschreckte mich - zun?chst. Deshalb will ich lieber fragen: Warum?
    Das kannst Du alles in meinen alten Geschichten lesen, sie war Alkoholikerin und Tablettenabhängig. "Nagelschere" und "Notdurft" und "Apotheker" geben darüber Aufklärung. Aber das gehört nicht in diese Geschichte, ausser das es eben meine Sicht auf die Dinge geprägt hat.

  10. #10
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Esther

    liebe kyra, der textmantel ist gut.
    aber du mußt ihn füllen oder abschneiden.

    a) rahmenhandlung für eine Novelle o.ä.!

    b) verdichten, mach daraus ein gedicht indem du streichst, streichst, streichst.
    jetzt ist eon rohblock, mach daraus die skulptur!

  11. #11
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Esther

    Das ist kein "rohblock", Gauli! Das ist bestenfalls ein Gematsche. Disparate Einfälle, eine Kleckerburg. Substanz wodurch? Durch Betroffenheitsduselei? Nein, Knall auf Fall hier, bitte! Welche Richtung soll das nehmen?

    Kyra, Du mußt einen plot erstellen, sonst vergiß es; gerade solche Themen, die uns an unsere eigene Endlichkeit erinnern (sollen), müssen in Erzähltem verpackt sein. Sonst wird es unerträglich.

  12. #12
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Esther

    Hallo Robert,

    betroffenheitsdedusel wollte ich vermeiden. Das mit dem Plott stimmt wohl. Vielleicht bekomme ich den Dreh, sonst muß ich es liegen lassen, bis ich besser bin.

    Kyra

  13. #13
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Esther

    Hallo Kyra,
    das wirkt so, als ob jemand eine Geschichte schreiben will und zuerst einmal auf dem Papier ein paar Gedanken einkreist. Aber fertig ist der Text noch lange nicht. Das ist allenfalls ein Notizzettel. Da mußt du noch gewaltig dran arbeiten.
    Herzliche Grüße von Patina

  14. #14
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Esther

    Hallo Bo,

    das wirkt so, als ob jemand eine Geschichte schreiben will und zuerst einmal auf dem Papier ein paar Gedanken einkreist.
    Aber es ist genau umgekehrt ich habe substrahiert, ich denke ganze Geschichten und habe in diesen Sätzen nur das Wesentliche geschrieben - es hat mich Zeit gekostet - eigentlich schwätze ich ja viel lieber . Dies ist immer die Essenz einer Szene/Geschichte. Aber das ist vielleicht auch nicht die Lösung. Ich probiere jetzt eine Geschichte.

    Grüße

    Kyra

    Paul, lass Dich mit feuchten Augen ansehen und Dich mit sabbrigen Küssen bedecken.Du hast mich verstanden! Du hast es so verstanden, wie ich es gemeint habe.
    Du hast Seele, weiß Gott, was die anderen haben...,
    aber wir leben nun mal hier.....


    [Diese Nachricht wurde von Kyra am 03. M?rz 2002 editiert.]

  15. #15
    Sandra Hoppe
    Status: ungeklärt

    Thumbs up AW: Esther

    Das ist ech klasse!

    Da verreißt Ihr Sachen, die echt cool sind, aber so ein schwachsinniger Mist wird anfangs hochgelobt, bis Oberguru Robertus ein Machtwort spricht, und schon sind wieder alle dagegen.

    Unglaublich eigentlich - bestätigt es doch meinen Verdacht, dass dieses Forum auch nicht anders ist, als all die anderen, von denen Ihr euch doch so leidenschaftlich abheben wolltet.

    Keine Angst, ich habe hier noch niemals etwas eingestellt (ein IP-Vergleich wird dies sicher bestätigen können) noch habe ich es jemals vor.

    Aber gut getan hat es trotzdem, das Möchtegern-elitäre Forum von Wolkenstein bei so einem Patzer zu ertappen.

    Schön, dass ihr auch nur mit Wasser kocht!

    In diesem Sinne,

    Sandra Hoppe

  16. #16
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Esther

    hi Hoppy

    hol doch mal die coolen texte hoch, die hier verrissen wurden. Nur um mal einschätzen zu können, was Du unter cool verstehst.

    Kyra

    es war eigentlich auch nur Paul, dem mein schwachsinnige Mist gefallen hat. Die anderen haben ihn eher mißtrauisch beäugt, wie Hühner eine Blindschleiche, mit seitwäts geneigten Köpfen.



    [Diese Nachricht wurde von Kyra am 08. M?rz 2002 editiert.]

  17. #17
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Esther

    Oh, nein, liebe Kyra,

    auch mir hat dein "schwachsinniger Mist" gefallen. Diese Art, sich aphoristisch einer Person zu nähern, mag zwar Roberts Literaturvorstellung widersprechen, ist aber durchaus ausbaufähig und interessant. Für nachvollziehbare "Trauerarbeit" (um einmal dieses Unwort zu benutzen) ist das gebotene allerdings zu verdichtet.

    Gruß, Klammer

    PS.: Ich bin wieder da.
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  18. #18
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Esther

    erstellt von Kyra:
    Wie unvergleichlich zart und ...
    Es ist Deine Beobachtungsgabe, das Sehen eines Zeichners, die Dir große Sätze schenkt.
    Irgendwann knallst Du durch, ich wünsche es Dir.

  19. #19
    resurrector
    Status: ungeklärt

    AW: Esther

    Ich glaube, mit diesem Text hatte Kyra ihre Schreibe gefunden, wußte fortan, wie sie erfolgreich schreiben könne. Wer es schafft, eigenes Erleben mit der Not anderer zu verbinden und diese einem aufnahmebereiten Publikum neu verpackt zu kredenzen, wird immer erfolgreich sein. Als Schriftsteller.

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