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Thema: Theologische Dispute

  1. #101
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Theologische Dispute

    Nun, Till, die meisten Kriege sind nicht aus "religiösen" Gründen geführt worden, sondern aus nichtreligiösen. Gier, Neid, Rechtsansprüche, vernünftige Vorsichtsmaßnahmen (Präventivkriege), Machtfragen... die Liste ist endlos. Religiöse Reflexe werden nur benutzt, weil sie das verbrecherische Handeln des Establishments sanktionieren sollen udn oft genug waren und sind Kirchenobere am politischen und wirtschaftlichen Nutzen, den ein Krieg abwerfen soll, direkt und indirekt beteiligt.

    Die Frage lautet auch nicht, ob einer Gott braucht, um anständig zu sein, sie lautet vielmehr, wenn man Gott und Anständigkeit in einen Sinnzusammenhang stellen möchte, ob Anständigkeit, was immer das auch sein mag, ohne Gottesbezug nicht zu einer Frage rationalen Handelns verkommt, also einer Frage der Nützlichkeit. Und damit wird sozusagen das eine Paradigma nur durch ein anderes ausgetauscht, wobei ich mich fragen muß, ob der Gedanke einer göttlichen Gerechtigkeit nicht sehr viel schöner und beruhigender ist als der einer von Gnaden des menschlichen Verstandes geborener.

    Das aber ist nicht mein heutiger Fragepunkt. Ich las vor kurzem ein Interview mit dem kanadischen Modesoziologen Peterson. Er äußerte sich über den Kreuzestod Christi und bezeichnete ihn als einen heroischen Akt und keine Selbstaufgabe. Christus lehrte mit seinem Opfer, daß man für das, was man wolle, ein Opfer bringen müsse, sich aber nicht selber zum Opfer stilisieren dürfe, um das Gute zu erreichen. Christus, d.i. die Einheit von Wort und Tat. Ein Vorbild. Wer sich selber hasse (oder sein Volk), der solle sich nicht selber geißeln, sondern tätig sein, dankbar für die Leistungen seiner Vorfahren und hoffnungsvoll für die seiner Nachfahren und sich selber anstrengen in seinem Tagewerk. Das würde den Haß in der Welt ausbalancieren.

    Nun, ein Freund des selbstkasteienden Christentums, wie es in den heutigen Kirchen gepredigt wird, scheint Peterson nicht zu sein.

  2. #102
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    AW: Theologische Dispute

    Die Frage...aus welchen Gründen Kriege geführt werden...halte ich für überflüssig. Viel entscheidender ist doch die Frage...aus welcher Motivation heraus Kriege nicht geführt werden. Versucht man diese Frage zu beantworten...landet man schnell beim Verstand - von Gott bleibt da so gut wie nichts mehr übrig. Oder anders ausgedrückt: hätte es bis zum heutigen Tage weder irgend einen Glauben noch Gläubige gegeben..wären wir...was unsere "Werte" angeht...mindestens auf dem gleichen Stand wie heute - vermutlich aber schon viel weiter...denn die werden von einer Gesellschaft "ausgehandelt". Wenn eine Religion Einfluss auf die Gesellschaft nimmt...dann immer nur im negativen Sinne.

  3. #103
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    AW: Theologische Dispute

    Ich greife mal zu der oft bemühten Metapher von den Kindern, die von der Zivilisation abgeschnitten auf einer Insel aufwachsen. Mal angenommen es sind hundert Kinder, die keinen Glauben kennen. Eines dieser Kinder wird von den anderen, aus welchen Gründen auch immer, drangsaliert, angefeindet, gemobbt - irgendwann auch geschlagen und gefoltert. Auch fern des Glaubens...würden einige der Kinder ein schlechtes Gewissen bekommen und versuchen auf die anderen positiv einzuwirken. Und hätten sie damit keinen Erfolg, würden sie vielleicht sogar für das gequälte Kind kämpfen und dabei das eigene Wohl aufs Spiel setzen.

    Soll sagen: all das, was sich die Kirchen der Welt so gerne auf die Fahne schreiben...die Gnade, das Mitleid, die Vergebung, die Mitmenschlichkeit usw...all das hat mit dem Glauben...hat mit der Religion nichts zu tun...existiert auch unabhängig und fernab davon. Aber genau diese Attribute führen wir gerne ins Feld...wenn wir Pro-Argumente für den Glauben sammeln. Es gibt kein einziges Argument, das für den Glauben spricht.

  4. #104
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    AW: Theologische Dispute

    Dem Glauben an Gott, Götter, an Sinn und Zweck der Welt und des Daseins, an das Gute und Böse als universale Prinzipien etc. liegt ein etwas naives und kindliches Welt- und Selbstverständnis zu Grunde. Ähnlich dem Kinde, das die Mutter und den Vater als 'Götter' betrachtet, die ihm sagen, was gut und schlecht, richtig und falsch, erlaubt und verboten ist - wenigstens in traditioneller Erziehung - , so ähnlich verhält sich der durchschnittliche Gläubige. Er hat einen Vater oder sonst eine/n Vorgesetzten im Himmel oder einer übersinnlichen Sphäre, der/die ihm die Regeln vorgibt und den Sinn seiner mickrigen Existenz. Zum Unterschied von den leiblichen Eltern, die echt und real sind, fasse ich als das 'Religiöse', das was Sinn und Halt geben soll, als Projektion auf. Es sind die Ängste, Wünsche und Sehnsüchte, die wir dort abgeben und verorten können, weil wir fürchten, damit alleine nicht fertig zu werden.

    Dabei haben wir etwas mitbekommen, das all das, was Religion, Metaphysik und der ganze Spiritualismus, nämlich die Fragen nach Sinn und Zweck, Gut und Böse etc. nicht beantworten können, zumindest in einen für jeden selbst gültigen Zusammenhag stellen und ohne übersinnliches Brimborium einordnen kann. Unser Verstand, unsere Urteilskraft, unser Denkeisen im Kopf.

    Es braucht keine Götter und Gebote, der sog. 'Hausverstand' reicht völlig aus, um unser Leben so zu leben, dass wir im Einklang mit dem Nächsten und der Natur möglichst wenig Schaden anrichten während unserer Daseinsspanne. Offensichtlich reicht das den meisten Menschen nicht. Sie verlangen nach mehr und belügen sich und andere. Woher diese Sucht kommt? Keine Ahnung. Vielleicht flößt eine Welt ohne Götter und Gebote so vielen Menschen Angst ein.

  5. #105
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    AW: Notizen August 2019

    Die katholische Amtshirten und ihre Schäfchen feiern heute das Fest Mariä Himmelfahrt.

    Die Person Marias wurde von den Christen, besonders den Katholen zu einer Karikatur verzerrt und zu einer tragischen Witzfigur verklärt. Allein die irrsinnige Vorstellung einer unbefleckten Empfängnis durch den Heiligen Geist (wer soll das sein?), ist pathologisch und blanker Wahnsinn und kann nur verschwitzten, verklemmten, perversen Männergehirnen entspringen.

    Ich sehe Maria anders. Ich halte sie für eine mutige, unkonventionelle, furchtlose Frau, die vorehelichen Geschlechtsverkehr pflegte und ihren Sohn zu einem aufmüpfigen, revolutionär gesinnten Egomanen erzog. Jedenfalls ist da nichts zu spüren von verdruckstem, verschämtem Dienertum, sie war keine Magd des Herrn, wie die katholischen Spinner sie zu nennen pflegen. Sie war eine selbstbewusste, selbstbestimmte und unbeugsame fast moderne Frau. Emanzipation im besten Sinne.

    Ein Porträt dieser Frau zu zeichnen, fernab dieser katholischen Verhunzung, sie aus den Händen dieser Vergewaltiger zu reissen und ein Gegenbild zu zeichnen, das tät mich reizen. Habe vor vielen Jahren einen Anfang gemacht, der Text ist leider verloren gegangen. Wenn ich nicht so faul wäre, mich vor Recherche drückte und inzwischen literarisch nicht so infähig wäre, wie ich mich gegenwärtig fühle, dann würd ich mich drüber machen.

  6. #106
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    AW: Notizen August 2019

    Frauen spielten im Urchristenstum eine bedeutende, eine tragende Rolle. Ohne sie würde es das heutige Christentum gar nicht geben, denn es wurde von Frau zu Frau in den eigenen vier Wänden verbreitet - sozusagen im Untergrund. Das waren die ersten Tupperpartys der Menschheitsgeschichte.

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