Das war der Anfang vom Ende des Christentums, als aus dem persönlichen Gott eine spekulativ-moralische Institution wurde. Im 10. Jahrhundert schuf Gott in der Vorstellung der wichtigsten Dichter und Denker (Ezzo) den Menschen nach seinem Ebenbilde und blies ihm seinen Geist ein; im 12. (mit dem Erscheinen der SUMMA) ist die Menschenschöpfung schon NUR ein spekulativer Vorgang, eine Denkvoraussetzung, aber keine Gewißheit des Herzens. Wenn, dann ist das auch gut, aber es ist nicht mehr zwingend nothwendige Voraussetzung fürs Menschenselbstbewußtsein.


Dieser ganz und gar modernine Zug des Denkens der Menschen im Mittelalter ist von der Forschung bislang übersehen worden.


Folgt MAN diesem Gedanken,so gewinnen die Verfolgungen durch die Kirche in bezug auf Häretiker ein ganz anderes Gewicht, ganz andere Aspekte.