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Thema: Zombie Curse

  1. #1
    Marc Gore
    Laufkundschaft

    Post Zombie Curse

    Getrieben von wilder Panik, rannte das Mädchen durch den nächtlichen Wald, die Verfolger dicht auf ihren Fersen. Tausende von Gedanken rasten durch ihren Kopf: Wie konnte sie bloß von zu hause ausreißen, das sichere Elternhaus in der beschaulichen Wohngegend verlassen? Wie konnte sie bloß so dumm sein, sich mit den beiden zwielichten Vagabunden zusammen an ein Lagerfeuer zu setzen? Wie wilde Tiere waren die Kerle über sie hergefallen. Mit knapper Not konnte sie sich losreißen und fliehen. Aber jetzt waren sie hinter ihr her. Die attraktive Maid, 14 Jahre jung, rannte um ihr Leben. Zweige klatschten in ihr Gesicht und rissen blutige Striemen in ihre Haut. Ihr Herz raste, und sie hatte das Gefühl, es würde ihr den Brustkorb sprengen. Sie hörte das Keuchen ihrer gnadenlosen Verfolger hinter sich. Nach einiger Zeit lichtete sich der Wald, und ein riesiger Zaun ragte vor ihr in die Höhe. Am Zaun prangte ein Schild mit der Aufschrift „Privatgrundstück“. Sie wußte, darauf würde sie jetzt keine Rücksicht nehmen können, denn die zwei Männer waren dicht hinter ihr. Jetzt wurden ihr ihre katzenhaften Kletterkünste zum Vorteil. Geschickt kletterte sie am Zaun hoch und sprang mit federnden Schritten auf die andere Seite. Kurzerhand versteckte sie sich hinter dem erstbesten Busch. Keine Sekunde zu früh, denn schon erreichten auch ihre beiden Jäger den Zaun.

    „Die Wildkatze muß hier rübergeklettert sein“, schnaufte der Größere der Beiden. „Los, ihr nach!“

    Leider konnten auch die Lustmorche verteufelt gut klettern und erklommen mit Leichtigkeit die etwa 3 m hohe Hürde. Suchend blickten sie sich um.

    „Wo ist die Hure geblieben?“ fragten sie sich gegenseitig. Das Mädchen verbarg sich zusammengekauert in seinem Versteck und atmete so wenig wie möglich. Endlich entfernten sich die Schritte der beiden Typen. Nach wenigen Augenblicken kroch sie vorsichtig aus ihrem Versteck. Sie tastete sich von Baum zu Baum und bemühte sich, keine Geräusche von sich zu geben. Da passierte es: die zwei Unholde bauten sich vor ihr auf und fielen erneut über sie her.

    „Es hat sich gelohnt, hier Stellung zu beziehen“, rief der Größere und Fettere der beiden.

    „Jetzt können wir da weitermachen, wo wir eben aufgehört haben...“, frohlockte sein Kumpan.

    „Ich zuerst!“ rief der Größere.

    Während sein Kumpel das Opfer festhielt, zerrte der Dicke dem Mädchen die Kleider vom Leib- erst das T- Shirt, dann den Büstenhalter, schließlich auch den Mini- Rock und den Schlüpfer.

    „Bitte- laßt mich gehen“, bat die Nackte, „Ich will einfach nur in Ruhe gelassen werden!“

    Die Kerle lachten höhnisch auf. Es stand fest, daß es sie erregte, wenn ihr Opfer vor Gnade winselte. Schon streckte der Fette seine Hand aus und knetete die gerade ausgewachsenen, wohlig festen Brüste der Wehrlosen. Es dauerte nicht lange, da öffnete er den Reißverschluß seiner schmutzigen Hose. „Jetzt kommt was Schönes, du Groschenhure!“ flüsterte er, Speichel rann über seine Lippen.

    Die Beiden wollten ihr Opfer nicht nur verhöhnen, sie wollten ihm vor allem die Würde nehmen, da führte kein Weg dran vorbei. Das Mädchen wurde zu Boden geschleudert, und sofort war der penetrant nach Schweiß und Lüsternheit stinkende Übeltäter über ihr. Sie strampelte, schlug um sich, versuchte zu beißen- es half nichts. Die Pranken des Unholdes drückten ihre Schenkel auseinander, auf daß er Platz finden sollte, in sie einzudringen. Ihr Widerstand erlahmte gerade, da rief plötzlich der andere Gauner: „He, Bob, guck Dir den mal an!“

    „Zum Henker, was störst Du mich?“ brauste der Dicke auf und erhob sich.

    Wenige Meter vor ihnen stand eine Gestalt. Der Dicke zückte sein Taschenmesser und näherte sich dem Fremden.

    „Pech für Dich, daß Du gerade jetzt hier auftauchen mußtest.“ sagte er.

    Als er auf einer Höhe mit der reglosen Gestalt stand, zuckte er erschrocken zusammen.

    „Au Mann, was ist das denn für`n Freak?“ stammelte er. Das Wesen, das vor ihm stand, sah aus, wie aus der Geisterbahn. Eine grünlich schimmernde Haut, überseht mit Spinnenenweben und Pusteln. Ein Leichentuch war um den knochigen Körper geschlungen. Die Augen waren glanzlos und hatten keine Pupillen- eben leblos. Überhaupt war die Gesichtshaut nahezu vollständig abgefault. Lippen hatte die Schreckensgestalt keine mehr. Man blickte direkt auf die vergammelten, teilweise ziemlich lädierten Zähne. Zudem ging von dem halbskellettierten Wesen ein schier unbeschreiblicher Verwesungsgeruch aus, so daß dem Dicken die Galle hochstieg.

    „Das ist kein Mensch!“ keuchte er fassungslos.

    Jetzt wurden auch der andere Landstreicher und das Mädchen auf den Unheimlichen aufmerksam.

    „Das geht nicht mit rechten Dingen zu... Laß uns abhauen!“ rief der Kleine.

    Der Dicke wollte auf dem Absatz kehrt machen, aber da passierte es: Er hatte in seiner Aufregung ganz vergessen, daß er seine Hose nicht zugemacht hatte und nicht darauf geachtet, daß er mit freiliegenen Genitalien vor dem fremdartigen Geschöpf stand. Blitzschnell griff das bisher reglose Ungetüm zu, umfaßte das halbwegs steife Organ seines Gegenübers und riß es aus dem Hosenschlitz. Wie aus einer Fontäne sprudelte das Blut aus der geöffneten Hose und noch ehe der an seiner intimsten Stelle verstümmelte Mann schreien konnte, schnellten die langen, zweigartigen Finger der rechten Hand des Monsters vor, durchstießen die Augäpfel des Gemarterten und bohrten sich schmatzend ihren Weg durch die Augenhöhlen. Die linke Faust des Ungeheuers schlug von unten her gegen das Kinn des zuckenden Mannes und mit einem lauten Krachen brach der Unterkiefer.

    „Verdammt, was ist da los?“ schrie der kleinere Vagabund auf.

    Das Mädchen, das bis eben noch am Boden lag, schnellte ruckartig in die Höhe. Sie war zwar schockiert von der dramatischen Szene, die sich ihr bot, gleichzeitig aber erfüllt von euphorischer Genugtuung darüber, daß ihr Peiniger den wohlverdienten Tod gefunden hatte.

    „Du schmieriger Wichser!!“ brüllte der Kleine.

    Er zog sein Klappmesser aus der Hosentasche und rannte blindwütig auf das Monster zu. Der Schädel des Dicken hing an der rechten Hand des Ungeheuers wie der Braten am Spieß. Als das Wesen den kleinen Mann auf sich zustürmen sah, zog es seine Finger mit einem kurzen Ruck aus den Augen seines ersten Opfers und schleuderte den leblosen Körper wie ein Stück Abfall zur Seite. Von oben her wollte der Angreifer sein Messer frontal in die Kehle des leichenähnlichen Wesen rammen, doch das Ungetüm war schneller! Mit seiner rechten Hand packte es das Handgelenk des Vagabunden und preßte die Gelenkknochen mit übermenschlichen Kräften so stark zusammen, daß der Mann zuerst seine Waffe fallenließ und dann in höchsten Tönen wimmerte, als sein Handgelenk unter dem starken Druck knackend zerbröselte. Der Unheimliche nahm den Kopf des Unterlegenen zwischen seine fauligen, aber steinharten Pranken und drückte solange gegen die Schädelwände, bis der Kopf platzte wie eine Melone und Knochensplitter, Gehirn und massig Blut zu Boden rieselten. Plötzlich erschienen zwei weitere Monstren. Sie sahen genauso schlimm aus wie das erste Monster. Das Mädchen ging auf die Gestalten zu. Sie war dem Monster so dankbar, daß es die Männer zur Strecke gebracht hatte, daß sie kein Gespür dafür hatte, in welcher Gefahr sie sich befand. Ein folgenschwerer Fehler!

    „Wie soll ich je wieder gut machen, was Du für mich tatest?“ fragte sie.

    Dankbar streckte sie die Hand nach dem Monster aus, das beide Ganoven so gründlich vernichtet hatte. Das Ungetüm reagierte natürlich anders, als sie es sich gedacht hatte. Es streckte auch seine Hand aus, aber es packte ihre Kehle und zog sie blitzschnell an sich.

    „Was tust Du mir an?“ kreischte die Unglückliche erschrocken.

    Abermals wurde sie zu Boden geworfen. Jetzt wurden auch die zwei neuen Monstren aktiv. Sie beugten sich über die am Boden Liegende und fingen an, sie von ihrer unteren Körperhälfte an aufzufressen! Verfaulte, mit dickem Belag bedeckte Zähne bohrten sich in ihr Fleisch, Blut spritzte, Knochen brachen, Haut fetzte. Bei vollem Bewußtsein bekam sie mit, wie die Ungeheuer ihren Unterleib aufbrachen und sich an ihrem dampfenden Gedärm labten. Das Blut schoß aus ihrem zerstückelten Körper! Ihre Beine waren längst vollständig abgerissen und wie aus einer Pumpe floß das Blut aus den klaffenden Wunden und ergoß sich auf dem Boden. Noch immer wollte bei dem Mädchen keine erlösende Bewußtlosigkeit einsetzen und sie schrie und fuchtelte mit ihren Armen, die bisher noch von den blutrünstigen Bestien verschont geblieben waren. Das Zappeln des Opfers in seinem Todeskampf irritierte eines der Monster, so daß es nach einem kiloschweren Stein griff und ihn auf das Gesicht des Mädchens schlug- einmal, zweimal, dann barsten die Schädelknochen mit einem knirschenden Geräusch. Als das Monster sah, daß sich das blutende Häufchen Mensch nicht mehr bewegte und auch kein Wimmern mehr zu vernehmen war, entledigte es sich seiner Schlagwaffe und nagte gemeinsam mit seinen Artgenossen das Opfer bis auf die Knochen ab. Gehirnflüssigkeit trat aus den Nasenlöchern des reglosen Mädchens und vermischte sich mit der Blutlache, in welcher der zerschmetterte Kopf eingetaucht war, zu einer milchig- trüben Sauce.





    Die Stimmung an Bord des luxuriösen Privatjets war fröhlich und ausgelassen. Der Millionärssohn Jim Mason hatte von seinem gerade verstorbenen Vater ein beachtliches Vermögen geerbt und genoß den Reichtum in vollen Zügen. Schon seit einigen Jahren besaß er einen rechtsgültigen Pilotenschein und konnte von seinem „Lappen“, wie er den Schein stets zu nennen pflegte, Gebrauch machen. Endlich hatte er sich seinen Traum erfüllen können: Diesen millionenteuren, hochmodernen und vor allem hochluxuriösen Superjet. Sein Vater hätte dies in seinem krankhaften Geiz niemals zugelassen. Sein leichtlebiger Sohn freute sich jedoch wahnsinnig, daß er das satte Vermögen nun zur Verfügung hatte. Für den Jungfernflug seiner Maschine hatte er keine Kosten und Mühen gescheut. Alle ihm nahestehenden Verwandten waren mit an Bord, einschließlich seines Cousins Ben Flemming, ebenfalls ausgebildeter Flieger, der als Co-Pilot fungierte.

    „War schon die beste Idee Deines Lebens, dieses Prachtexemplar anzuschaffen?“ grinste Flemming durch seinen dichten Vollbart seinem reichen Cousin zu.

    „Meine Ideen waren schon immer gut, wertester Vetter.“ entgegnete Jim Mason.

    „Naja, Jim, darüber müssen wir uns irgendwann einmal ausführlicher unterhalten.“

    „Wie meinst Du das?“

    „Die Idee, den heutigen Tag für diesen Flug auszusuchen, war bestimmt nicht so gut. Für heute haben sie nämlich ungünstiges Flugwetter vorausgesagt. Sturm, Regen inklusive Gewitter, verstehst Du?“

    „Ach was, Ben, hast Du ein Wölkchen am Himmel gesehen, als wir den Vogel gestartet haben? Genieß lieber den Ausblick auf die endlose schottische Berg- und Waldlandschaft unter uns!“

    „Nun gut, wenn Du meinst... Aber sieh mal, es fängt tatsächlich an pissen!“

    „Ach, nur ein kleiner Schauer, der unsere Fenster von außen reinigt. Genieße den Flug, unsere Passagiere machen es schließlich auch.“

    Immer noch ein bißchen skeptisch, blickte Flemming aus dem Fenster. Voller Un-behagen registrierte er, daß das Unwetter immer stärker wurde. Der Himmel wurde von einem Augenblick zum nächsten rabenschwarz. Die Sonne war sowieso schon lange untergegangen, denn es war spät am Abend. Schon zuckten die ersten Blitze und es goß wie aus Kübeln.

    „Na, mein Lieber, was sagst Du nun? Hatten die Wetterfrösche nun recht oder nicht? Was sagst Du zu diesem Unwetter?“ wandte sich Flemming seinem Cousin Jim Mason zu, der ebenfalls sichtlich überrascht auf seinem Sessel kauerte.

    „Mann, Ben, Du hattest recht! Wie konnte sich das Wetter bloß so schnell verändern? Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu...“

    „Mir egal, Mann! Sag mir lieber, was wir jetzt machen sollen! Unsere Familien hinter uns werden sich jetzt bestimmt auch nicht gerade wohl fühlen!“

    Da öffnete sich die Tür, die die Pilotenkanzel vom Passagierabteil trennte, und Laura, Jim`s Frau, erschien. Sie sah überaus erregt aus. Nervös raufte sie sich ihre dunkelbraunen, schulterlangen Haare.

    „Hört mal, da draußen sieht es schlimm aus. Die anderen werden langsam unruhig.“ sagte sie zu ihren Mann, dem man die innere Unruhe nun auch ganz deutlich anmerkte.

    „Tu mir einen Gefallen und sag ihnen, daß wir hier alles im Griff haben. Das mir hier keine Panik ausbricht...“ murmelte Jim Mason und versuchte, sich so gut wie möglich zusammenzureißen. Seine Gattin drehte sich langsam um und schritt den Passagieren entgegen.

    „Wenn wir in irgendwelche Schwierigkeiten geraten, bist Du schuld!“ brauste Ben Flemming auf.

    „Naja, es ist ja nicht gesagt, daß etwas passiert.“ versuchte Jim Mason seinen Cousin zu beruhigen.

    In dem Moment passierte es: Ein Blitz zuckte und schlug in die Turbine der linken Tragfläche ein. Sofort schossen die Flammen daraus hervor.

    Im Passagierraum brach Panik aus, was die schreckensbleichen Piloten nur allzu deutlich wahrnahmen.

    „Zur Hölle nochmal, du Sonntagsflieger, was machen wir jetzt?“ brüllte Ben Flemming.

    „Es- es tut mir leid...“ stammelte Jim Mason. „Ich glaube, wir müssen eine Notlandung vornehmen.“

    „Eine Notlandung- na dann viel Spaß!“ raunzte Flemming. „Wie willst Du denn hier landen, hä?“

    Mason ging nicht weiter auf die Bemerkungen seines Verwandten ein, sondern betätigte umgehend das Sprechgerät, über welches er mit den schreienden Fluggästen kommunizieren konnte.

    „Hört mir mal alle sehr genau zu!“ ertönte Jim Masons Stimme aus dem Lautsprecher, der am Ende des Passagierraumes über der Tür zur Kanzel hing. Die verstörten Passagiere horchten auf. „Wir haben ein ganz kleines Problem mit unserer linken Tragfläche. Das ist aber nicht so schlimm, wie es aussieht! Setzt Euch ganz ruhig auf Eure Plätze und schnallt euch an! Ich werde eine Landung vornehmen. Unter uns ist gerade eine glatte Fläche! Schnallt euch an und legt eure Köpfe in den Schoß. Macht es genauso, wie wir es vor dem Start für einen Notfall besprochen haben!“

    Punkt- Aus. Die Schreckensnachricht stand, Verwirrung machte sich breit. Die Fluggäste waren im hohen Maße beunruhigt, aber sie leisteten den Aufforderungen Jim Masons relativ reibungslos Folge. Sie schnallten sich an, legten ihre Köpfe auf die Knie und warteten auf das, was noch folgen würde. In der Kanzel war die Stimmung zum Zerreißen gespannt. Alles lag nun in den Händen von Jim Mason und Ben Flemming.

    „Alles klar, Ben?“ fragte Mason.

    „Wie man`s nimmt...“ knurrte Flemming.

    „Dann landen wir jetzt. Hoffen wir, daß alles gutgeht.“

    „Das hoffe ich auch für dich, Jimmy!“

    Die Maschine hatte bereits durch den Turbinenschaden rapide an Höhe verloren und raste schon in wenigen hundert Metern über den Boden hinweg. Mason und Flemming setzten zur Notlandung an. Glücklicherweise war die Landschaft unter ihnen tatsächlich ausgesprochen eben und das Unwetter flaute allmählich ab. Nach einigen Minuten, die für alle Beteiligten zur quälenden Ewigkeit wurden, setzte die angeschlagene Maschine am Boden auf und rollte mehrere hundert Meter, bevor sie in ein dichtes Gestrüpp aus Sträuchern und Bäumen geriet und drohte zu brechen. Aber sie hielt sich ziemlich gut, abgesehen davon, daß die Hindernisse die Wände des Flugzeugs stark in Mitleidenschaft zogen und die Scheiben klirrten. Jim Masons Stimme ertönte erneut aus dem Lautsprecher: „Keine Panik, Leute! Macht sofort die Tür auf und verlaßt so schnell wie möglich die Maschine! Dann passiert Euch nichts!“

    Das ließen sich die Insassen nicht zweimal sagen. Die Tür wurde aufgerissen und sie ergriffen sofort die Flucht. Währenddessen waren Jim und Ben damit beschäftigt, die Flammen, die sich im Inneren des Flugzeuges ausbreiteten, mit Feuerlöschern zu beseitigen. Als auch der letzte Fluggast in Sicherheit war, stürmten sie auch den Ausgang und als sie im Freien waren, rannten sie so schnell sie konnten zu ihren Angehörigen, die eine sichere Entfernung zu dem unglückseligen Fluggerät gefunden hatten. Glücklicherweise explodierte der Riesenvogel jedoch nicht, so daß keine weitere Gefahr durch fliegende Trümmerteile entstand.

    „Da haben wir ja nochmal Schwein gehabt?“ keuchte Mason.

    „Zum Glück ist das Feuer aus dem Triebwerk nicht auf das Flugzeug übergegangen. Durch die Notlandung haben wir wirklich das Schlimmste verhindert.“ antwortete Flemming.

    Beide Piloten überblickten die Passagiere.

    „Ist jemand verletzt?“ fragte Jim Mason.

    „Nein- nur ein paar blaue Flecken und Prellungen...“ murmelten die Stimmen durcheinander.

    Mason atmete auf: „Dann ist uns ja wenigstens eines erspart geblieben...“

    Jeff Mason, der Bruder von Jim Mason, trat drohend auf die beiden Piloten zu. „Ist Euch eigentlich klar, in was für eine Situation Ihr uns gebracht habt? Wie sollen wir jetzt wieder nach Hause kommen?“

    „Tut mir wahnsinnig leid“, stammelte Jim. „Das alles ist allein meine Schuld. Ich hätte auf die Wettervorhersagen hören sollen. Was ich getan habe, ist unverzeihlich!“

    Das Gewitter hatte übrigens längst aufgehört. Der Blitz, der das Flugzeug getroffen hatte, war schon so ziemlich der Letzte. Nun tröpfelte es nur noch.

    Ben Flemming ergriff nun die Initiative.

    „Hört mir alle mal genau zu!“ rief er in die Menge hinein, „Wir haben alle verdammtes Glück gehabt! Niemand ist durch unsere Bruchlandung ernsthaft beschädigt worden! Wir werden die Nacht hier im Wald verbringen und uns morgen früh auf den Weg zur nächsten Landstraße machen!“

    Und so geschah es. Die Menschen rückten eng zusammen und schliefen aufgrund der eben durchlebten Strapazen rasch ein. Die Stunden verstrichen.





    Gegen 6 h morgens räkelte sich schon der Erste aus dem Schlaf: Brian Flemming, der Bruder von Ben Flemming, erhob sich und überblickte die Szenerie. Alles war ruhig und friedlich. Seine Verlobte Jane, im 7. Monat schwanger, lag schlummernd neben ihm.

    Er flüsterte ihr ins Ohr: „Hey, Darling, wach auf...“

    Auch sie begann jetzt, sich zu strecken und schlug die Augen auf.

    „Dann war das letzte Nacht also doch kein Traum...“ flüsterte sie noch etwas schlaftrunken.

    Brian schaute zu Boden. „Nein, leider nicht. aber wir alle hatten einen verdammt guten Schutzengel. Das Flugzeug ist nicht explodiert, niemandem ist was Ernstes passiert. auch unserem Nachwuchs nicht.“ Er deutete auf den Bauch seiner Verlobten.

    Jane strich mit beiden Händen über ihren rundlichen Bauch und atmete auf: „Was für ein Glück. Aber ich habe Angst, daß ich durch die Aufregungen eine Frühgeburt erleide. Was ist, wenn jetzt plötzlich die Wehen einsetzen, wenn...“

    Brian zog sie zu sich heran. „Daran dürfen wir nichtmal denken. Beruhig dich erstmal. Ich schlage vor, wir machen erstmal einen kleinen Rundgang. Wenn wir zurückkommen, sind die Anderen sicher auch wach. Dann werden wir weitersehen.“

    Noch etwas mißmutig, ließ Jane sich von ihrem Verlobten überreden. Sie entfernten sich von den Anderen und gingen in den Wald hinein.

    „Laß uns mal eine kleine Pause machen“, bat Jane nach einiger Zeit.

    „Natürlich“, antwortete Brian.

    Beide ließen sich nieder. Die Sonne erhellte inzwischen das Gebiet vollständig. Es vergingen noch ein Paar Minuten, dann hörten die Beiden hinter sich Zweige knacken. Im Gebüsch raschelte es.

    „Das wird wohl einer von uns sein“, sagte Brian und rief: „Hallo, hier sind wir!“

    Keine Antwort.

    „He, was ist mit Euch?“ rief Brian nochmals.

    Ein keuchendes Schmatzen war die Antwort.

    „Brian, das gefällt mir nicht...“ entgegnete Jane un-ruhig.

    Aus dem Dickicht schälten sich zwei unbekannte Männer und torkelten mit ausgestreckten Armen wie Betrunkene auf Brian und Jane zu.

    Jane schrie entsetzt auf: „Was sind das für Typen? Die sehen ja aus wie- wie Leichen!!“

    In der Tat. Die zwei Gestalten sahen furchtbar aus. Ihre Kleidung bestand aus braunen Leichentüchern. Ihre pergamentartige Haut perlte von ihren Körpern ab wie eine schimmelige Tapete von einer Wand. Ihre Schädel waren fast vollständig verwest. Lippen hatten sie längst nicht mehr, ihre dreckigen Zähne lagen also frei. Ihre Augenhöhlen waren leer, Maden kamen daraus hervor und krochen über die nur teilweise mit haut überzogenen Gesichter. Über Haare verfügten die Scheusale ebenfalls nicht mehr, ihre freiliegenden Schädeldeckenknochen leuchteten in der Morgensonne.

    „Das ist mir alles nicht geheuer...“ stammelte Brian, „Los, laß uns abhauen! Zurück zu den Anderen!“

    Gemeinsam liefen sie zurück zu ihren Verwandten, die allmählich aufgewacht waren und sich nach allen Seiten umblickten.

    Brian und Jane kamen angestürmt so schnell sie konnten und Brian rief schon von Weitem: „Wir müssen verschwinden! Schnell! Wir werden von wandelnden Leichen verfolgt!“

    Die Menge blickte ihnen zu-erst ungläubig entgegen, aber dann sahen sie alle die Horde unheimlicher Gestalten auf sie zutorkeln.

    Jim Mason war entsetzt: „Das gibt`s doch nicht. Das ist völlig unmöglich.“

    „Du siehst doch selbst diese Monster“, erwiderte Ben Flemming, „Wir müssen zusehen, daß wir hier wegkommen!“

    Alle waren plötzlich hellwach und liefen, so schnell sie ihre Füße tragen konnten. Die Ungeheuer waren ihnen dicht auf den Fersen. Hundert Meter vor ihnen stand ein Schloß.

    „Schnell, da müssen wir hin!“ rief Jim Mason.

    Das leuchtete jedem ein. In wilder Hast erreichten sie das kolossale Bauwerk und hämmerten ans Tor.

    „Wer immer da drin ist, bitte helft uns!“ riefen sie alle fast im Chor.

    Das schwere Eisentor öffnete sich.

    „Schnell, kommt rein.“ sagte der Schloßbewohner knapp.

    Die Menschen beeilten sich, reinzukommen und nachdem alle im Schloß waren, warf der Besitzer das Tor wieder zu und verriegelte es.

    Der Schloßherr war mindestens 2,20 Meter groß. Er trug ein mittelalterlich anmutendes Königsgewand, allerdings ohne Krone. Er hatte weiße Haare und einen dichten, buschigen Vollbart. Kurzum: Allein von der Optik her paßte er perfekt in dieses düstere alte Schloß, an dem die Zeit spurlos vorbeigegangen zu sein schien. Man fühlte sich unweigerlich ins Mittelalter zurückversetzt.

    Der Mann sprach mit einer tiefen, monotonen Stimme: „Da habt ihr aber Glück, daß ich Euch gehört habe. Haben diese Zombies schon jemanden von Euch getötet?“

    Jim Mason antwortete: „Nein, zum Glück nicht! Wir sind hier ganz in der Nähe mit meinem Privatjet notgelandet. Wir hatten einen Turbinenschaden. Erinnern Sie sich an dieses schreckliche Gewitter letzte Nacht? Ein Blitz hat das Flugzeug getroffen, so daß wir gezwungen waren, eine Notlandung zu unternehmen. Und wir hatten Glück im Unglück: Wir alle haben diese Aktion unbeschadet überstanden.“

    Er deutete auf Jane: „Sogar diese hochschwangere junge Verlobte meines Cousins. Wir hatten alle einen verdammt guten Schutzengel. Das Flugzeug ist nicht mal explodiert, stellen Sie sich das mal vor.“

    „Du meine Güte?“ antwortete der Schloßherr, „da habt Ihr ja ein Paar schlimme Strapazen durchgemacht. Ich zeige Euch gleich ein Paar Gästezimmer, in denen Ihr Euch ausruhen könnt. Mein Vorschlag wäre, daß wir heute abend in meinem Speisesaal dinieren. Ein Telefon habe ich leider nicht im Haus, aber morgen, wenn Ihr alle ausgeschlafen und gestärkt seid, fahre ich persönlich ins Dorf und hole Hilfe.“

    „Geschlafen haben wir zwar schon, aber ein Waldboden ist nicht gerade sehr gemütlich.“ sagte Jim.

    Auch alle anderen waren einverstanden, sich auszuruhen, abends zu essen und am nächsten Tag diese unheimliche Gegend zu verlassen. Alle hatten nur noch ein gemütliches Bett im Kopf, als sie die Treppe hochgingen. Nur Brian Flemming brannte noch eine Frage auf dem Herzen.

    Er wandte sich an den Gastgeber: „Wie lange wandeln diese Untoten eigentlich schon da draußen?“

    „Schon so lange, daß ich es eigentlich gar nicht mehr bemerke.“ lautete die Antwort.

    „Und da leben Sie hier seelenruhig weiter?“

    „Junger Freund, mit der Zeit gewöhnt man sich an alles...“

    „Das verstehe ich nicht... Was machen Sie denn, wenn die Zombies das Schloß stürmen? Das ist doch furchtbar gefährlich hier zu leben, oder..“

    „Darüber mache ich mir keine Gedanken. Wenn das Schloß stirbt, sterbe ich mit ihm!“

    Brian erwiderte nichts mehr auf die konfuse Antwort. Er war nur froh, daß sie den Monstern da draußen entkommen waren. Das war das Einzige, was zählte. Für jeden gab es passende Zimmer. Es wurde rasch wieder still im Schloß.

    Brian fragte den Schloßbewohner nur noch: „Haben Sie hier keine Bediensteten?“

    „Nein. Ich ziehe es vor, für mich allein zum leben.“

    Als Flemming dann mit seiner Verlobten alleine im Zimmer war, legten sich beide, ohne sich umzuziehen, auf das riesige Bett und schliefen rasch ein.

    Brian Flemming erwachte aus einem langen, traumlosen Schlaf. Er schlug die Augen auf, schaute erst minutenlang an die Zimmerdecke, wandte dann seinen Kopf nach links und bemerkte, daß Jane noch immer tief und fest schlief. Nach dem vor einigen Stunden erlebten Alptraum kein Wunder. Es sah aber nicht so aus, als hätte sie schlechte Träume, also verzichtete er darauf, sie zu wecken. Er stand auf, schritt auf die Zimmertür zu, öffnete sie und trat hinaus auf den Korridor. Es war schon spät. Draußen dämmerte es bereits. Brian hörte von unten her klapperndes Geschirr. Er schritt die breite Treppe herunter und folgte den Geräuschen. Er betrat einen riesigen Speisesaal, sogleich auch Festsaal. In der Mitte der mit zahlreichen Gemälden geschmückten Halle befand sich eine große Festtafel, an der mühelos mindestens 20 Personen sitzen konnten. Der Schloßbesitzer war gerade dabei, die Tafel zu decken. Als er Brian erblickte schaute er auf.

    „Na? Endlich wach? Sie können Ihre Verwandten gleich hierherholen. Das Essen ist angerichtet.“

    Brian erwiderte: „Ja, dann will ich sie gleich mal benachrichtigen.“

    Er machte auf dem Absatz kehrt und ging rasch die Treppe wieder rauf, um die Anderen zu wecken. Nach kurzer Zeit fanden sie sich alle im Speise-/Festsaal ein. Alle waren hungrig und setzten sich an den langen und breiten Tisch. Der Schloßherr nahm an der Spitze der Tafel Platz.

    „Ich habe mich übrigens noch gar nicht vorgestellt.“ ergriff er das Wort. „Mein Name ist etwas ungewöhnlich. Er lautet Raptorr.“

    Punkt. Schweigen.

    Jim Mason war der Erste, der sich fing. „In der Tat ein merkwürdiger Name.“ entgegnete er.

    „Ich weiß auch nicht, warum ich so genannt wurde?“ fuhr Raptorr fort. „Aber wir sollten jetzt nicht soviel darüber nachdenken. Ich kann Euch allen nur guten Appetit wünschen. Eßt Euch ordentlich satt. Wohlgenährte Gäste sind mir die Liebsten!“

    Er sagte das nicht ohne Unterton, aber davon nahm keiner der Anwesenden Notiz. Alle waren froh, daß sie endlich was zwischen die Zähne bekamen. Nach der Notlandung hatten sie immerhin nur das nackte Leben retten können, kein Gepäck und natürlich nichts von der Verpflegung an Bord des Jets. Heißhungrig füllten sie ihre Teller und ließen nichts mehr vom Essen übrig. Nachdem auch der Letzte satt war, ergriff Raptorr wieder das Wort.

    „Okay, meine Lieben, ich räume jetzt schnell die Tafel ab. Die Tafel wird abgebaut, damit wir genug Platz für eine kleine Zeremonie haben.“

    Während er das Wort „Zeremonie“ ganz deutlich betont aussprach, leuchteten seine Augen plötzlich lauernd.

    Jeder der Gäste bot seine Hilfe an, also waren Besteck und Geschirr schnell weggeschafft. Stattdessen standen sehr bald goldene Becher auf dem Tisch. Wein, Sekt und Champagner wurden serviert. Jeder hatte sich jetzt sein Lieblingsgetränk eingegossen.

    Raptorr erhob sich von seinem Stuhl und bat mit einem Handzeichen um Ruhe, damit er seine Ansprache beginnen konnte: „Ich werde Euch in ein kleines Geheimnis einweihen! Ich werde Euch beweisen, daß ich zaubern kann!“

    Seine Augen funkelten auf einmal diabolisch. „Ich bin ein Diener Satans! Ich halte mich überwiegend in der Hölle auf, aber wie die meisten Dämonen habe ich auch einen Stützpunkt in der Menschenwelt, und zwar dieses Schloß. Ich verfüge über ein eigenes Territorium in der Hölle und habe eine Menge Menschen als Sklaven in mein Reich geholt. Aus aller Herren Länder! Sklaven, von denen ich gleich ein Paar hier erscheinen lasse, damit sie uns etwas vorführen!“

    Die Anwesenden waren entsetzt. Diesmal fand Ben Flemming als erstes seine Worte wieder. „Mein Herr, das ist ein ziemlich schlechter Scherz! Wir haben wirklich zu viele grauenvolle Dinge erlebt. Wir können solche Späße jetzt absolut nicht ertragen!“

    Raptorrs Augen liefen von einem Augenblick zum Nächsten blutrot an. „Das ist die Wahrheit, mein Freund, und ich werde es Euch allen gleich beweisen! Ich habe arrangiert, daß Ihr jetzt in Diesem Schloß seid! Ihr glaubt mir nicht? Es war so: Als Ihr mit Eurem Fluggerät innerhalb meiner Reichweite wart, habe ich persönlich Euch den Blitz geschickt! Ihr wart gezwungen, hier notzulanden und ich habe dafür gesorgt, daß Euch das gelingt, ohne daß die Maschine explodiert oder ernste Personenschäden entstehen! Die Zombies da draußen bewachen lediglich meinen Besitz! Ich habe ihnen telepathisch den Befehl gegeben, Euch in meine Arme zu treiben! Nahezu der ganze Wald ist mein Privatbesitz, müßt Ihr wissen! Er ist von einem gut 3 m hohen Zaun umrahmt! Meine Wächter, die Zombies, sind Leichen, die ich mir vom Friedhof des Dorfes ganz in der Nähe geholt und mit meinen magischen Kräften wiedererweckt habe! Ich habe eine gläserne Kugel in diesem Gebäude, die es mir zeigt, wenn sich jemand innerhalb meiner magischen Reichweite befindet!“

    Die Menschen im Saal konnten es noch immer nicht fassen.

    Jim Mason überwand sich zu der nächsten Frage: „Was- was wird nun mit uns geschehen?“

    Raptorr grinste sadistisch. „Du hast Angst, wie? Ihr alle habt Angst! Ich habe Euch versprochen, daß wir uns ein bißchen vergnügen werden! Und ich halte mein Wort...“

    „Laß uns gehen! Wir schlagen uns allein zum Dorf durch.“ bat Jane eindringlich.

    „Nein!“ lautete Raptorrs Antwort. „Ihr seid meine Gefangenen!“

    Gefangenen- Das Wort hallte mit grausiger Intensität in den Köpfen der Menschen wieder.

    Ben Flemming wollte es wissen: „Warum das? Wir haben Dir nichts getan! Was hast Du gegen uns?“

    Raptorrs Antwort kam ebenso schlicht wie bestimmt: „Ihr seid Menschen! Menschen sind wertlos und dumm! Sie existieren nur, um versklavt zu werden oder- oder zu Tode gequält! Ihr seid hier zu meinem Amüsement!!“

    Raptorr stieß ein unmenschliches, teuflisches Gelächter aus, das den Menschen im Saal das Blut in den Adern gefror. Sie alle hatten den Beweis, daß es sich bei Raptorr um kein normales menschliches Wesen handelte. Menschen verfügten nicht über solche blutroten Augen- und erst recht nicht über eine solche Stimme, mit der dieses diabolische Lachen durch ihre Ohren hallte. Jetzt stand nur die Frage im Raum, ob es sich bei Raptorr um einen Diabolisten handelte, der mit finsteren Mächten in Verbindung stand, oder direkt um einen Dämon. Daß Letzteres der Fall war, bewies sich in den nächsten Sekunden: Raptorrs Haut lief gräulich an. Seine Ohren wurden spitz. Sein Gesicht wurde dreiecksförmig. Seine Hände wurden zu klobigen Pranken mit messerscharfen, zentimeterlangen Fingerspitzen.

    Seine Stimme schien jetzt aus einer anderen Welt zu erschallen: „Ich werde jetzt einige mir untergebene Dämonen rufen. Und ein Paar Sklaven. Die Sklaven sind Menschen aus allen Winkeln dieser Welt, die ich mir geholt habe- sozusagen als Souvenirs. Ich habe sie alle irgendwann überwältigt und mit in mein Reich genommen! Ihr sollt nun sehen, wie in der Hölle die Feste gefeiert werden. Rauschende Feste! Genießt es! Es wird das Letzte sein, was Ihr in Eurem wertlosen Leben zu sehen bekommt.“

    Und schon manifestierten sich überall im Saal jene un-glücklichen Menschen, die wohl schon seit Ewigkeiten in der Hölle schmorten und den dortigen Machthabenden, inklusive Satan persönlich, für die perfidesten Spielchen herhalten mußten. Schockiert starrten die Mason- und Flemming- Familien auf das Bild, das sich ihnen bot: Den Gefangenen der Hölle, jedes Geschlecht und jede Altersgruppe war vertreten, stand die Todesangst in den Gesichtern geschrieben. Sie wußten, viele von ihnen- vielleicht alle?- würden diesen Abend nicht überleben. Sie wußten, daß Raptorr, dieser scheußliche Dämon, alle Menschen als Spielzeuge betrachtete, die man nach Belieben zertreten konnte wie Würmer. Ist sein Vorrat an Spielzeug erschöpft, macht er neue Streifzüge durch die Menschenwelt, um sich Nachschub zu besorgen. All diese hilflosen Kreaturen hatten in früheren Zeiten ihr Leben auf der Erde verbracht. Raptorr hatte ihnen in dunklen Seitengassen, einsamen Waldgegenden und anderen unbeobachteten Punkten aufgelauert, sie überwältigt und geradewegs in die Hölle befördert. Auch auf der Erde hatte der Satansscherge seine vollkommen von der Außenwelt abgeschiedenen und von wandelnden Leichen bewachten Domizile, dieses alte und dunkle Schloß war nur eines davon. Ein böser Zufall wollte es so, daß Jim Mason mit seinem Flugzeug ausgerechnet diese Gegend überflog, in der Raptorr zur Zeit verweilte. Nun waren er und seine Angehörigen in der Hand des Grausamen, der mit ihnen eine wahrhaft höllische Zeremonie zelebrieren und sie anschließend höchstwahrscheinlich entweder als neue Sklaven mit in sein Reich nehmen oder sie gleich an Ort und Stelle niedermetzeln wollte. Zusätzlich zu den gepeinigten Menschen materialisierten sich noch allerhand Schreckensgestalten, die nur darauf warteten, daß Raptorr das Startzeichen für die anstehende Orgie gab. Jim Mason und seine Familie waren gefangen. Im Schloß würde sich gleich ein Alptraum abspielen, aber an eine Flucht war nicht zu denken, denn draußen warteten immer noch eine Vielzahl Zombies darauf, ihre Zähne in warmes, weiches Menschenfleisch zu graben. Eine teuflische Falle! Die Nerven der Gefangenen waren zum Zerreißen gespannt. Vier kleine Dämonenknechte trugen einen goldenen Thron in den Saal, auf dem der hünenhafte Raptorr genüßlich Platz nahm. Er überblickte die Gruppe nackter Männer, Frauen und Kinder, die er aus der Hölle direkt ins Schloß geholt hatte, um sich mit ihnen zu amüsieren. Mason und seine Familie hatten sich in eine Nische der Halle verkrochen und starrten angespannt in die Mitte. Was würde Raptorr nun mit seinen Sklaven anstellen? Der Dämon blickte seine Sklaven ein paar Sekunden an und schien nachzudenken. Dann winkte er eines der Mädchen aus der Mitte der Sklaven zu sich. Es war eine Vietnamesin, ungefähr 20 Jahre alt.

    „Du!“ sagte er knapp, „Du wirst die erste Attraktion heute Abend sein! Mit Dir wird das heutige Fest eröffnet! Du wirst auf den Tisch steigen und tanzen! Genauso, wie meine Knechte es Euch allen in der Hölle beigebracht haben!“

    Das Mädchen war entsetzt. Es wußte, wie allergisch Satan und alle anderen Höllenbewohner stets reagierten, wenn eine der Sklavinnen ihre Tänze unkorrekt aufführte. Heute Abend war sie an der Reihe, nackt den Tanz zum Auftakt des Festes zu tanzen. Sie war dabei ganz und gar von der Laune Raptorrs abhängig. Entweder wurde sie nach Beendigung des Tanzes getötet oder zurück in die Sklaverei geschickt. Mit schreckensgeweiteten Augen kletterte auf den Tisch, auf dem noch immer die Gläser und Flaschen standen. Die Vietnamesin wußte, was sie zu tun hatte. Sie fing mit einem akrobatischen Tanz an. Der nackte, schlanke Körper der Asiatin räkelte sich gleich einer Schlange auf dem Tisch. Das Feuer, das im Kamin prasselte, warf ihren tanzenden Schatten an die Wände. Die junge Frau führte gezwungenermaßen einen erotischen Tanz aus, der darin gipfelte, daß sie eine der halbvollen Sektflaschen nahm und den Inhalt über ihre Brüste und Beine rieseln ließ. Jede intime Stelle ihres Körpers rieb sie mit dem Sekt ein und stöhnte dabei aus Leibeskräften. Danach streichelte sie mit beiden Händen ihre Genitalien und die anwesenden Monster und Dämonen begleiteten sie mit ihrem höhnischen und erregten Gelächter. Schließlich erhob Raptorr sich von seinem Thron. Seine Augen glänzten vor Lüsternheit. Jetzt fing auch er an, sich zu entkleiden. Sein Gewand fiel zu Boden, alle anderen Kleidungsstücke folgten. Splitternackt stieg der athletische Dämon auf den Tisch und schritt auf die Vietnamesin zu. Sie legte sich bereitwillig auf den Rücken. Gierig warf sich der Dämon über sie, rammte sein steifes Organ in ihren Unterleib und fing an, seine Lust an der ihm Ausgelieferten zu befriedigen. Sein Gestöhne klang infernalisch laut, als sich der Körper der Asiatin unter dem Seinen wandte. Er kam rapide zum Höhepunkt und nach seiner Ejakulation richtete er sich auf, zog sein Geschlechtsteil aus dem Unterleib der Frau, streckte seine rechte Pranke nach ihr aus und bekam ihre Haare zu fassen. Mit einer zerrenden Bewegung riß er dem Mädchen den Kopf vom Hals. Aus dem zuckenden Rumpf sprudelte ein breiter Blutstrom und ergoß sich über dem Tisch. Die Vietnamesin hatte ausgelitten.

    Raptorr schleuderte den abgetrennten Schädel, aus dem ebenfalls das Blut spritzte, in die Menge und rief lauthals: „Das Fest ist eröffnet!!“

    Die Höllenkreaturen setzten sich in Bewegung. Die Masons und Flemmings blieben vorerst noch verschont. Sie sollten erstmal sehen, was die zahlreichen Schreckensgestalten unter „Feiern“ verstanden. Die Monster und Dämonen bliesen zum Angriff auf die zu diesen Zweck aus der Hölle mitgebrachten Menschen, die hilflos ihrem unausweichlichem Schicksal entgegensahen. Raptorr nahm wieder auf seinem Thron Platz, um das Schauspiel zu genießen. Ein Schauspiel, das für Jim Mason, Ben Flemming und deren Angehörige zum furchtbaren Alptraum wurde. In einer Ecke des Saals beschäftigten sich drei splitternackte, ziegenköpfige Männer mit einer ebenso nackten Frau. Einer der Höllensklaven befriedigte sich von hinten an dem schreienden Mädchen, während die anderen Beiden mit langen, spitzen Dolchen auf das zuckende und wimmernde Opfer einstachen und sich am fließenden Blut labten. Ein paar Meter weiter wurden zwei ebenfalls nackte Frauen von 10 kleinen, höchstens einem Meter großen Dämonen mit infantilen Antlitzen umringt. Die Kinderdämonen zerrten die Frauen zu Boden, übergossen sie mit Tierblut aus riesigen Kelchen und tanzten auf ihren Körpern. Dann schlugen sie ihre nadelspitzen Reißzähne in das Fleisch der jammernden Frauen und rissen es in Fetzen heraus. Dreiköpfige Höllenhunde jagten geifernd durch den Raum und zerstückelten einige unglückliche Menschen. Eine kleine Gruppe nackter Männer, Frauen und Kinder hatte sich eng umschlungen in einer Nische des Saals verkrochen. Entsetzen und Todesangst standen in ihren Augen. Nicht zu Unrecht, denn schon stürzten sich insektenähnliche Monster euphorisch kreischend auf die Hilflosen, steckten mit langen Fackeln ihre Körper in Brand und trieben die qualvoll klagenden Menschen wie lebende Flammen vor sich her, bis diese nicht mehr konnten, zusammenbrachen und verbrannten. Ein mittelalterlicher Henker stolzierte quer durch den Raum. In seiner rechten Hand hielt er eine Axt mit blutverschmierter Klinge, unter seinem linken Arm trug er einen Kopf, den er gerade abgeschlagen hatte. Ein beharrtes, affenartiges Ungeheuer mit einer Körpergröße von mindestens drei Metern stampfte mit donnernden Schritten auf eine Frau zu, die ihr Kind auf dem Arm trug. Das Monster riß ihr das Kind aus der Hand. „Mama...“ schrie das Kind noch, dann wurde der kleine Körper in Stücke gerissen, als wäre er aus Styropor. Bei diesem Anblick erlitt die Mutter einen Herzschlag. Das war auch ganz gut so für sie, denn so erlebte sie nicht mehr, wie auch ihr Körper von den Pranken des Affenmonsters geschunden wurde. Die Höllenorgie war wirklich eine Szenerie des puren Grauens. Blutverschmierte Kinder- und Tierleichen wirbelten durch den Saal, zerfetzte Leichenteile und Torsos stapelten sich, Tonnen von Gedärmen bedeckten den Boden mit einer glitschigen Schleimschicht. Die Luft war erfüllt von den Geräuschen krachender Knochen, sprudelnden Blutes und schmerzerfüllt gellenden Todesschreien. Das Gebrüll der Dämonen und Monster tat sein übriges, daß der Lärmpegel die Saalwände erzittern ließ. Aber über all dem infernalischen Krach ertönte Raptorrs schallendes Gelächter, welches das Blut in den Adern gefrieren ließ.

    „Ich bin die Geißel der Menschheit! Im Namen Satans herrsche ich über Leben und Tod!“ grollte der Dämonenfürst.

    Endlich erhob er sich von seinem Thron. Mit einer Handbewegung deutete er an, daß die Metzelorgie unterbrochen werden sollte. Die Monster und Dämonen im Saal verharrten in ihren Bewegungen. Einige von ihnen knabberten zwar noch an Leichenteilen, aber sie hörten zu, was ihr Gebieter zu sagen hatte:

    „Wie ich sehe, seid Ihr in Topform! Das gefällt mir! Diesmal habe ich sogar noch ein Paar Gäste bei mir, denen ich die Bekanntschaft mit Euch versprochen habe!“

    Er deutete auf die Masons und Flemmings.

    „Diese Menschen hier gehören ebenfalls Euch! Macht mit ihnen, was Ihr mit allen Menschenwürmern macht! Tötet, zerstückelt, verbrennt sie und genießt ihre Frauen!“

    Augenblicklich setzten sich die Scheusale wieder in Bewegung, fielen wie Furien über Jim Mason, Ben Flemming und ihre Familien her. Auch die letzten noch lebenden aus der Hölle geholten Sklaven hauchten in den Pranken und Zähnen der Bestien ihr Leben aus.

    Jim Mason schrie in voller Panik: „Schnell, nichts wie weg hier!“

    Aber es war zu spät. Die Meisten seiner und Ben Flemmings Familienmitglieder wurden von den Berserkern dahingemeuchelt. Jim, Ben, Brian und die schwangere Jane waren die Einzigen, denen es gelang, aus dem Festsaal zu fliehen. Im Laufen hörten sie hinter sich noch die gequälten Todesschreie ihrer Verwandten. Verzweifelt nahmen sie zur Kenntnis, daß sie ihnen nicht helfen konnten. Ihre Flucht blieb natürlich nicht unentdeckt.

    „Vier von diesen Parasiten sind geflohen!“ schallte Raptorrs Stimme durch alle Ritzen des Schlosses. „Laßt uns Kriegen spielen! Fangt sie ein und labt Euch an ihrem Blut!!“

    Jim, Ben, Brian und Jane waren den Verzweiflungstränen nahe. Wohin sollten sie fliehen? Draußen wimmelte es von Zombies, drinnen machten sich ebenfalls allerhand Horrorwesen auf die Suche nach ihnen.

    Brian meldete sich zu Wort: „Da, eine Tür! Die führt bestimmt in den Keller. Diese alten Schlösser verfügen meistens über labyrinthartige Kellergewölbe. Da können wir uns dann bis Sonnenaufgang verstecken. Diese Höllenwesen haben bei Tageslicht bestimmt nicht soviel Macht.“

    „Wie kommst Du darauf?“ fragte Ben.

    „Weil Raptorr bis Sonnenuntergang gewartet hat, bis er seine Legionen hergeholt hat. Wir müssen diese eine Nacht irgendwie überstehen und uns einen Fluchtplan überlegen.“

    Das leuchtete ein. Das war die einzige Chance, die ihnen blieb. Und sie hatten keine Zeit mehr, länger zu überlegen, denn schon hörten sie das Fauchen der Ungeheuer, die sich ihnen näherten. Sie hatten Glück im Unglück. Die Tür war nicht verschlossen und sie hasteten hinein. Hinter der Tür war tatsächlich eine Treppe, die nach unten führte. An der Wand hing eine Fackel. Sie war das Indiz dafür, daß sich Raptorr oft im Kellergewölbe aufhielt. Schnell nahm sich Jim die Fackel aus der Halterung, zündete sie mittels seines Feuerzeugs an und lief voran. Die Anderen folgten ihm. Die Höllenkreaturen waren natürlich nicht weit. Sie hatten sich in allen Winkeln des Schlosses verteilt und lauerten auf ihre Opfer. Eine Gruppe von ihnen folgte Ben, Jim, Brian und Jane in den Keller. Die Vier hörten das blutgierige Schmatzen hinter sich, und sie rannten, so schnell sie ihre Füße tragen konnten, sie fielen förmlich die Treppe runter. 80 Stufen zählte die enge Wendeltreppe, die ins Ungewisse führte. Endlich unten angekommen, sahen sie links, rechts und vor sich je eine Tür. In Bruchteilen von Sekunden mußten sie sich entscheiden, durch welche Tür sie gehen sollten, und sie entschieden sich für die vor ihnen Liegende. Schnell öffneten sie diese, traten ein und ließen sie wieder ins Schloß fallen. Wie durch ein Wunder hing neben der Tür der dazugehörige Schlüssel. Brian griff geistesgegenwärtig nach dem Schlüssel, rammte ihn ins Türschloß und drehte um. Schon warfen sich die Furien von außen gegen die Tür, um sie aus den Angeln zu brechen.

    „Was für ein Glück.“ atmete Brian auf.

    „Diese Tür hier ist ziemlich stabil. Es wird eine Weile dauern, bis die Monster sie aufgebrochen haben.“ erwiderte Jim. „Ich habe eine Idee, wie wir sie etwas länger aufhalten können.“

    Die Anderen blickten ihn fragend an. Jim begann damit, einige Teile von der Fackel abzuspalten. Direkt vor der Tür, gegen die sich die tobenden Ungeheuer warfen, formte er aus dem Holz der Fackel einen Drudenfuß.

    „Gute Idee!“ rief Ben.

    Als Brian und Jane immer noch fragend in die Runde blickten, erklärte Ben: „Das Pentagramm wird diese Bastarde noch einige Zeit aufhalten, genug, daß wir endgültig fliehen können.“

    Jim schaffte es im letzten Moment, den Drudenfuß fertigzustellen. Die Tür brach krachend aus den Angeln und die Alptraumgestalten erschienen höhnisch grinsend im Türrahmen. Mit dem Rest der Fackel steckte Jim das Pentagramm in Brand. Schaurig kreischend wichen die Geschöpfe vor den Flammen zurück. Einerseits gerieten sie beim Anblick ihrer zum Greifen nahen Opfer in Verzückung, andererseits verursachte ihnen die magische Kraft des brennenden Drudenfußes Übelkeit und Schmerzen und trieb sie zurück. Sie konnten diese Barriere nicht überwinden. Ein Umstand, der in ihr Gezetere Emotionen aus Angst und Wut mischte. Jim und seine Schicksalsgenossen erkannten die Gunst der Stunde und flohen.

    Als sie weit genug weg waren, keuchte Jim: „Das war ja verdammt knapp. Wir müssen endlich ein gutes Versteck finden.“

    Brian hatte Bedenken: „Das ist ja wirklich ein ganz schönes Labyrinth hier unten. Hoffentlich kommen wir jemals lebend hier raus. Das wäre ja was: Den Bestien entkommen, aber im Kellergewölbe verloren und verendet..“

    „Ach, hör` lieber auf...“ antwortete Jim, „An sowas dürfen wir gar nicht erst denken. Laßt uns jetzt lieber ein Versteck suchen. In ein Paar Stunden geht die Sonne auf. Dann schleichen wir uns vom Acker. Im nächsten Dorf alarmieren wir die Behörden. Die werden dann dieses Schloß reinigen.“

    „Falls wir es überhaupt schaffen!!“ keifte Jane plötzlich aus Leibeskräften. Die Männer blickten sie erschrocken an. Sie fuhr fort: „Ihr glaubt doch wohl selber nicht, daß wir es schaffen, lebend aus diesem furchtbaren Schloß zu entkommen! Diese Monster werden sich auf uns stürzen und uns zu Tode quälen, genauso, wie sie es mit ihren Sklaven und unseren Familien gemacht haben! Die haben uns doch nur laufen lassen, um uns ein bißchen zu jagen! Dieses Ungeheuer, dieser Raptorr, kennt doch jeden Winkel in diesem verfluchten Gebäude! Krepieren werden wir, wir alle zusammen!!“

    Die Frau kreischte hysterisch schrill. Brian machte vom einzigen Mittel gegen einen solchen Anfall Gebrauch: Mit der rechten Hand gab er ihr eine Ohrfeige auf die linke Wange. Sie wurde tatsächlich ruhig.

    Brian redete beruhigend auf sie ein: „Wir dürfen jetzt nicht die Nerven verlieren. Wir müssen uns ganz ruhig verhalten. Dann haben wir eine reelle Chance...“

    Jane lachte bitter auf: „Eine reelle Chance! Ja, wirklich! Eine reelle Chance, zerstückelt und gefressen zu werden! Wir...“

    Plötzlich stockte sie. Ihr Gesicht wurde noch bleicher, als es aufgrund der erlebten Schrecken ohnehin schon war. Seufzend glitt sie zu Boden.

    „Was ist los?“ fragte Brian entsetzt. „Was hast Du, Liebes?“

    Auch Jim und Ben bildeten einen Kreis um die Frau, die mit schmerzverzerrter Stimme wimmerte: „Mein Bauch... Mein Bauch tut so weh...“

    Da fiel es den Männern wie Schuppen von den Augen: Das Kind! Der Alptraum, den das Quartett in dieser Nacht durchmachte, forderte seinen Tribut! Wenn die Schwangere an ihrer Seite jetzt ihre Wehen bekommen sollte, wäre das eine Katastrophe!

    Brian ergriff das Wort: „Du mußt jetzt stark sein! Ruh` Dich aus. Wir werden erst weitergehen, wenn Du Dich besser fühlst.“

    Jane strich sich mit beiden Händen über den Bauch und flüsterte: „Nein, bitte nicht jetzt, mein Kleiner... Das ist wirklich der ungünstigste Moment, um auf die Welt zu kommen...“

    Brian betrachtete dies mit vor Angst und Zorn zitternden Händen. „Wenn sie jetzt eine Frühgeburt erleidet, werde ich diese Dämonenbrut auslöschen. Mit bloßen Händen, wenn`s sein muß...“

    Jim legte ihm die rechte Hand auf die linke Schulter. „Es hat keinen Sinn, jetzt selber die Nerven zu verlieren, Brian. Wir warten hier, bis es ihr wieder besser geht.“

    Das leuchtete jedem von ihnen ein. Sie setzten sich und sprachen beruhigend auf Jane ein. Nach einer Viertelstunde raffte sich die Frau wieder auf.

    „Mir geht`s wieder besser.“ keuchte sie mit brüchiger Stimme, „Laßt uns versuchen, von hier wegzukommen...“

    Etwas erleichtert über den Umstand, daß Jane`s Beschwerden aufgehört hatten, erhoben sich auch die Männer. Der Kelch war noch einmal an ihnen vorübergegangen!

    „Na gut, dann wollen wir mal?“ sagte Ben, „Wir dürfen keine Sekunde länger als unbedingt nötig in diesem grauenvollen Schloß bleiben.“

    Brian trat an seine Verlobte heran. „Ich glaube, es ist besser, wenn ich Dich trage...“

    „Wenn Dich das nicht zu sehr belastet...“

    „Ach was. Komm, ich schaff` das schon.“

    Als Jane sicher auf Brians Armen lag, schlug Ben vor: „Wir können uns ja mit dem Tragen abwechseln, Brian.“

    „Gute Idee?“ sagte Jim, „Hoffentlich ist diese verdammte Fackel nicht verbraucht, bevor wir diese Höllenbrut hinter uns haben.“

    Und so schritten sie weiter durch das Kellergewölbe, allen voran Jim mit seiner Fackel, hinter ihm Ben und als Letzter im Bunde Brian mit seiner Verlobten auf den Armen. Nach einiger Zeit befand sich vor ihnen eine Treppe, die wieder nach oben führte.

    „Leute, ich glaube, wenn wir hier hochgehen, sind wir wieder oben bei den Dämonen.“ sagte Jim. „Wollen wir das wirklich riskieren?“

    „Nein!“ kam die einstimmige Antwort von den Anderen.

    „Okay?“ sagte Jim, „Dann wird uns wohl nichts Anderes übrigbleiben, als den Rest der Nacht am Fuß dieser Treppe zu verbringen.

    Das ist zwar nicht gemütlich, aber was bleibt uns anderes übrig? Hier vermuten uns die Monster sicher am Allerwenigsten.“

    Mit diesen Worten setze Jim sich. Die Anderen folgten seinem Beispiel, legten sich nieder und bildeten einen Kreis.

    Jim ergriff wieder das Wort: „Ihr wißt, daß wir nur von der Laune des Schicksals abhängig sind. Noch scheinen uns die meisten dieser Kreaturen oben zu suchen, aber das kann sich schnell ändern.“

    Er blickte in die Runde und sah, daß seine Schicksalsgenossen bejahend dreinblickten. Sie alle wußten, daß die Chancen, unentdeckt zu bleiben, äußerst gering waren.

    Jim sprach weiter: „Wißt Ihr noch, daß Raptorr von einer Glaskugel gesprochen hat, die ihm gezeigt hat, daß wir uns auf sein Territorium zu-bewegen?“ Ohne auf eine Antwort zu warten, fuhr Jim fort: „Ich wette, diese Kugel ist sein Schlüssel, sich in unserer Welt aufzuhalten.“ Jim reckte sein Kinn vor und fragte mit lauernder Stimme: „Was passiert wohl, wenn dieses Medium zu Bruch geht?“

    Diese Frage löste bei seinen Verwandten Überlegungen aus. Sie tuschelten wild durcheinander, schließlich stellte Brian eine wichtige Frage: „Und wie sollen wir das anstellen? Weißt Du, wir diese Kugel finden sollen? Die ist bestimmt irgendwo in den oberen Gemächern. Und hoch können wir nicht, denn die Monster lauern auf uns.“

    Jim kratzte sich an der Stirn, bevor er antwortete: „Ich habe mir was überlegt. Ich bin schuld daran, daß wir in diese Lage geraten sind. Also werde ich das Risiko auf mich nehmen. Ihr bleibt hier unten, wo Ihr relativ sicher seid. Ich werde nach oben gehen und mich bis zur Kugel durchschlagen. Irgendwo da oben muß sie ja sein.“

    Aufgeregt blickten ihn seine Mitstreiter an.

    „Du meinst, das Risiko kannst Du auf Dich nehmen?“ fragte Ben eindringlich. „Die lauern bestimmt da oben auf uns. Die Gestalten, die wir mit dem brennenden Pentagramm in die Flucht geschlagen haben, sind garantiert nach oben geflüchtet und haben den Anderen berichtet, wo wir sind. Ich sage Euch: Der einzige Grund, daß sie noch nicht hier sind und über uns herfallen, ist, daß sie Psychoterror mit uns treiben wollen! Erst, wenn wir uns so richtig in Sicherheit wiegen, erst, wenn wir schon glücklich sind, daß wir es geschafft haben, attackieren sie uns!“

    Jim senkte den Kopf. „Ja, das liegt durchaus im Bereich des Möglichen. Trotzdem will ich versuchen, vorher diese Kugel zu finden. Das ist immerhin besser, als hier zu sitzen und auf das Ende zu warten.“

    „Er hat recht?“ warf Jane ein, „Er soll es versuchen. Das ist unsere einzige Chance. Hier unten sind wir Freiwild für die Bestien.“

    Das sahen auch Brian und Ben ein. Jim erhob sich und bemerkte grimmig: „Diese Bastarde haben meine Frau auf dem Gewissen... Und viele weitere meiner Familienmitglieder! Ich werde sie rächen. Tod den Dämonen!“

    „Was ist mit der Fackel?“ fragte Brian vorsichtig. „Willst Du sie mitnehmen?“

    „Ja“, antwortete Jim, „Wenn`s Euch nichts ausmacht. Sie ist meine einzige Waffe. Wenn mir einer dieser Wichser da oben in Quere kommt, brenne ich ihm eins auf den Pelz.“

    Jane schritt auf ihn zu und ergriff seine Hand. „In Ordnung. Viel Glück, Jim. Sieh zu, daß Du es diesen Ungeheuern heimzahlst.“

    „Darauf kannst Du Dich verlassen“, knurrte Jim, „Ihr alle könnt das.“

    Mit diesen Worten machte Jim auf dem Absatz kehrt und machte sich daran, die Treppe emporzusteigen, begleitet von den wehmütigen Gesichtern seiner Familienmitglieder. Sie wußten, er ging einem ungewissen Schicksal entgegen. Würde er es schaffen, oder würden die Höllenmonster wie Furien über ihn herfallen und ihn in der Luft zerreißen? Jim platzte förmlich vor Tatendrang. Er wollte mit Raptorr und seiner Meute abrechnen. Der Meute, die fast seine gesamte Familie niedergemetzelt hatte. Grimmige Entschlossenheit trieb ihn an, als er die Treppe hochstieg, Schritt für Schritt, Stufe für Stufe. Die Treppe führte ohne Umwege direkt nach oben, 80 Stufen zählte Jim, dann stand er vor einer Tür. Nachdem er sich selbst noch einmal Mut zugesprochen hatte, drückte er ganz langsam die Klinke nach unten. Die Tür öffnete sich tatsächlich fast lautlos. Er befand sich plötzlich im Eingangsbereich. Schnell wandte er sich dem Tor zu. Es war verschlossen!

    „Naja“, dachte er bitter, „raus kann ich ja sowieso nicht, wegen der Zombies...“

    Ihm blieb nichts anderes übrig, als weiter ins Hauptgebäude vorzudringen. Er wagte nicht mal, zu atmen. Wo war die verdammte Glaskugel? Mußte man erst in eins der oberen Stockwerke gehen, um sie zu finden? Von oben hörte er Schritte. Auch die Ungeheuer achteten peinlich genau darauf, keine überflüssigen Geräusche von sich zu geben. Gut, dachte Jim, sie sind alle in den oberen Stockwerken. Stellte sich nur die Frage: Wieso haben die Monster, die Jim mit Hilfe des brennenden Drudenfußes in die Flucht geschlagen hatte, keine Verstärkung geholt und sind zurückgekommen? Wieso hat ihm keiner auf dem Weg aus dem Keller heraus aufgelauert? War das alles wieder nur ein Spiel, um ihn zappeln zu lassen? Zaghaft schritt Jim auf Zehenspitzen auf den Festsaal zu, in dem das Massaker stattgefunden hatte. Auch von dort waren keine Geräusche mehr zu hören. Er gab sich einen Ruck und betrat den Saal. Er hatte schon mit dem Schlimmsten gerechnet, aber was er sah, übertraf all seine Vorstellungskraft um Längen: Der riesige Raum hatte sich in ein einziges Massengrab verwandelt! Unzählige zerstückelte und verbrannte Menschen- und Tierkörper lagen gehäufelt übereinander, Tonnen von Eingeweiden, Knochen, Blut und sämtlichen anderen Körperflüssigkeiten bedeckten den Boden in einer übelriechenden Schleimschicht. Jim sah nicht nur die Leichen der unglücklichen Höllensklaven, sondern auch die seiner Familienangehörigen. Die Leichen waren größtenteils nur noch blutverschmierte, nicht idendifizierbare Klumpen, denen die Gliedmaßen vom Körper gerissen und im ganzen Saal verstreut waren. Direkt vor sich sah Jim den zerschundenen Körper seines Schwiegervaters liegen. Die untere Hälfte seines Körpers war abgerissen. Aus dem klaffenden Loch unterhalb seiner Brustwarzen ragten gesplitterte Rippenknochen und zu guter Letzt auch die komplette, nahezu unbeschädigte Wirbelsäule. Auch die beiden Arme fehlten. Der Kopf saß in einer seltsam verdrehten Haltung auf dem Fleischklumpen, der mal ein Hals gewesen war. Die Augen waren weit aufgerissen. Starr und glasig blickten sie Jim genau ins Gesicht. Fliegen umkreisten summend den Kadaver. Jim wäre fast über diese Leiche gestolpert, denn sie lag etwas abseits von den anderen Körpern im direkten Eingangsbereich des Saales.

    „Schrecklich, was mit meinem Vater passiert ist“, hörte Jim hinter sich eine ihm wohlbekannte Stimme.

    Auf dem Absatz drehte Jim sich um. Er blickte in das Gesicht seiner Frau!

    „L- Laura!“ stieß er gepreßt hervor. Er konnte es nicht fassen.

    „Ja, Liebster, ich bin‘s“, antwortete sie ihm.

    Obwohl Jim sich inmitten eines Alptraums befand, überkam ihn ein unbeschreibliches Glücksgefühl.

    „Wie- Wie ha- hast Du das alles überlebt?“ fragte er aufgeregt.

    Laura antwortete mit einer seltsamen Gelassenheit: „Sie haben mich nicht gefunden. Ich habe mich still und heimlich davongestohlen, während diese Bestien die Anderen hier drinnen fertiggemacht haben. Verdammt, was sollte ich machen? Ich konnte keinem mehr helfen...“

    Jim zog sie zu sich heran. „Schon gut, Kleine, niemand macht Dir einen Vorwurf. Aber sag mal, weißt Du, wo diese Teufel sind? Suchen die alle nur in den oberen Stockwerken?“

    Während Jim diese Frage stellte, drehte er Laura wieder den Rücken zu. Das war ein Fehler. Ein blutverschmierter Oberarmknochen krachte gegen seinen Hinterkopf. Jim ging ächzend zu Boden, die Fackel glitt ihm aus den Fingern. Er schaffte es noch nach hinten zu blicken. Er sah Laura, die hämisch grinsend dastand. Sie hatte sich einfach eins der zahlreichen Leichenteile, die überall verteilt waren, geschnappt, in diesem Fall eben jenen Oberarmknochen, und ihn Jim auf den Schädel geschlagen. Sie schlug noch einmal zu. Der Knochen traf Jim frontal im Gesicht. Der Hobbypilot sah vor seinen Augen schon die Sterne tanzen. Die Tränen flossen ihm übers Gesicht.

    „Warum?“ schaffte er nur noch zu fragen, dann wurde ihm schwarz vor Augen.



    Er wußte nicht, wie lange er weggetreten war. Waren es Sekunden, waren es Minuten? Als Jim langsam die Augen öffnete, durchzuckte ein kurzer, stechender Schmerz seinen Schädel. Er sah verschwommen die Decke über sich. Nachdem er ein paarmal geblinzelt hatte, erkannte er ganz deutlich, daß es die Decke des Festsaals war. Er wandte den Kopf nach links und zuckte erschrocken zusammen. Pfeilschnell sprang er hoch. Vor ihm waren sie alle versammelt. Monster und Dämonen. Dreiköpfige Höllenhunde funkelten ihn aus blutroten Augen mordlüstern an. Inmitten all dieser Gestalten stand Raptorr mit erhobenen Haupt und starrte den Ausgelieferten höhnisch grinsend an. Jim konnte es nicht fassen: Neben Raptorr stand Laura und blickte mit ausdruckslosem Gesicht in die Runde.

    Jim stellte die alles entscheidende Frage: „Laura, was ist los mit Dir? Machst Du etwa mit diesen Bastarden gemeinsame Sache?“

    Keine Antwort.

    „Sie untersteht meinem Willen!“ dröhnte Raptorr. „Sie reagiert nicht mehr auf Deine Worte, glaube mir!“

    „Nein! Nein, das kann nicht wahr sein!“ schrie Jim. „Was hast Du mit ihr gemacht, Du Scheusal?“

    „Meine Diener haben sie verschont?“ fuhr der Dämonenfürst fort, „sie haben Deine Familie vernichtet, aber Deine Gattin ist wohlauf. Rein physisch gesehen natürlich nur. Jetzt ist sie meine Marionette. Sie handelt, wie ich es will. Glaubst Du, wir wissen nicht, wo Ihr Überlebenden- vorerst Überlebenden- Euch aufhaltet? Im Keller natürlich! Wir haben beschlossen, hier oben zu warten. Irgendwann mußtet Ihr ja mal wieder hochkommen, wenn auch nur Einer von Euch. Wir haben Dich sofort gesehen, als Du in diesen Saal geschritten bist. Ich habe Dir Deine Frau hinterhergeschickt, um Dich zu empfangen. War das keine nette Geste von mir?“

    Ob dieser ironischen Frage, schallte ein gellendes Gelächter durch den Raum.

    „Nein, nein, ich kann`s immer noch nicht glauben!“ konterte Jim und wandte sich an Laura. „Komm her zu mir, meine Beste. Beweise mir, daß Du noch Du selbst bist. Laß` Dich von diesem Ungeheuer nicht beeinflussen.“

    „Ja, genau!“ forderte Raptorr die Frau auf, „Zeig dem Ungläubigen, was Du von ihm hältst!“ Mit diesen Worten setzte sich der Dämonenfürst auf seinen Thron, den ihm seine Diener bereitgestellt hatten.

    Langsam setzte sich Laura in Bewegung und schlurfte auf Jim zu, der erwartungsvoll die Arme ausbreitete. Als sie einen halben Meter vor Jim stand, verzerrte sich ihr Gesicht urplötzlich zu einer bleichen Fratze. Sie kreischte markerschütternd, stürzte sich auf dem entsetzten Jim und schlug ihm ihre Finger ins Gesicht. Sie wollte ihm die Augen auskratzen! Das gelang ihr zwar nicht, aber ihre Fingernägel schnitten zentimeterlange Striemen durch sein Gesicht. Jim brüllte vor Schmerz. Die Furchen bluteten und verursachten einen brennenden Schmerz in seinem Gesicht. Aber die Gefahr war noch nicht gebannt: Laura hatte sich in eine tobende Furie verwandelt. Erneut warf sie sich auf ihn. Diesmal zielte sie woanders hin. Mit der linken Hand griff sie zwischen seine Beine und drückte zu. Jim tobte vor Schmerz. Seine rechte Faust raste auf Lauras Gesicht zu und traf genau auf ihr Nasenbein. Es knackte laut und Laura ließ Jim wieder los. Beide Hände erhoben, stand sie da und schrie aus Leibeskräften. Ihre gebrochene Nase hing schief in dem eigentlich so schönen Gesicht. Verzweifelte Gedanken schossen Jim durchs Gehirn. Das ist nicht Deine Frau! Das ist nur noch eine Hölle! Deine Frau existiert nicht mehr! Töte diese Besessene, wenn Du überleben willst! Jetzt flammte in Jim wieder diese grimmige Entschlossenheit auf. Na gut, dachte er bei sich, es tut mir leid, aber es geht wohl nicht anders. In dem großen Kamin am Ende des Festraumes flackerte noch immer ein großes Feuer. Jim bewegte sich auf den Kamin zu, seine Frau, die sich immer mehr wie eine Furie gebar, folgte ihm, grelle Schreie ausstoßend. Jim hatte bereits einen genauen Plan. Aus dem Kaminfeuer ragte ein langes, spitzes Holzstück heraus. Es war gerade frisch hineingeworfen worden, daher hatten es die Flammen noch nicht vollständig verbrannt. Kurz entschlossen griff Jim zu. An der Spitze des Holzscheites loderte eine mittelgroße Flamme. Jim stellte sich mit dem Rücken zum Kamin und beobachtete Laura, die langsam und drohend heranwankte. In ihren Augen loderte der Haß. Sie war wirklich völlig in der Hand des Dämonenfürsten, der das Schauspiel amüsiert betrachtete.

    „Komm nur, mein Schnuckelchen...“ lockte Jim seine ehemalige Frau.

    Ein zorniges Schmatzen drang Jim in die Ohren. Es klang ganz und gar nicht menschlich. Als Laura einen halben Meter vor Jim stand, schrie sie erneut auf und stürzte sich auf den von ihr jetzt so verhaßten Mann. Sie war nur darauf „programmiert“, anzugreifen, ohne Rücksicht auf Verluste, also nahm sie keine Notiz von dem brennenden Holzscheit, und das war es auch, worauf Jim spekuliert hatte. Rechtzeitig riß er das Holzstück hoch. Laura landete mit dem Gesicht in der Flamme. Infernalische Schmerzensschreie ertönten aus ihrer Kehle, als sie den Kopf zurückzog. Ihr Gesicht war verbrannt, es war nur mehr eine formlose Masse mit Zähnen und einer Art Höcker, der mal eine Nase gewesen war. Augen waren nicht mehr zu erkennen. Der Kopf der Frau rauchte und ihre Haare fingen Feuer. Jim warf den Scheit schnell zurück in den Kamin, weil dieser nun vollständig in Flammen stand. Blindwütig raste das Weib mit dem brennenden Kopf auf Jim zu. Der wußte, daß er verdammt gut aufpassen mußte, daß sie nicht auch ihn in Brand steckte. Sein Vorteil war, daß Laura erblindet war. Er stand immer noch mit dem Rücken zum Kamin. Er trat einfach zur Seite. Die Frau lief ungebremst direkt auf den Kamin zu, stolperte und landete geradewegs im Feuer. Ihre Kleider gingen sofort in Flammen auf. Laura schlug wild um sich und schrie, als die Flammen ihren Körper umschlungen und ihn verbrannten. Gellende Schreie stieß sie aus. Irgendwann jedoch verstummten die Laute und man hörte nur noch das Prasseln des Feuers und das Knistern verbrennender Haut. Jim betrachtete dies mit einem wehmütigen Blick. Er redete sich immer wieder ein, daß dies eben nicht mehr seine Frau gewesen wäre. Er hörte hinter sich mehrere Händepaare klatschen und drehte sich zu den Ungeheuern um. Tatsächlich spendeten sie ihm Applaus. Raptorr tat sich dabei besonders hervor.

    „Bravissimo“, lachte er zynisch, „Du hast es Deinem Frauchen aber ordentlich besorgt! Mein Kompliment.“

    Raptorr und sein Gefolge schüttelten sich vor Lachen. Jim hingegen fühlte sich miserabel. Er wußte, jeden Moment würden sie sich auch auf ihn stürzen. Was sollte er bloß tun? Sein Blick schweifte über die lachenden Monster hinweg und er zuckte zusammen! Zu Raptorrs rechter Seite stand ein hoher Stuhl, der etwas an einen Barhocker erinnerte. Auf dem Stuhl lag ein Kissen, auf dem war etwas gebettet, was Jim in helle Aufregung versetzte. Eine Glaskugel! Die Glaskugel, nach der er gesucht hatte! Sollte sie wirklich das Medium sein, welches die Höllenwesen auf Erden hielt? Jim sprintete los. Zu verlieren hatte er ja nichts. Er rannte auf die Kugel zu und riß sie vom Stuhl, ehe Raptorr oder seine Untergebenen zu irgendeiner Reaktion fähig gewesen wären. Raptorr sprang entsetzt von seinem Thron hoch. „Nein!!“ schrie er.

    Damit wußte Jim, daß er mit seiner Vermutung richtig gelegen hatte. Raptorr wollte noch was sagen, aber Jim hatte keine Lust mehr, sich auf irgendwelche Gespräche einzulassen. Außerdem bewegten sich bereits einige Dämonen auf ihn zu, um ihm die Kugel zu entreißen. Er handelte kurz entschlossen. Er warf die Kugel zu Boden und sie zersprang in winzige kleine Glassplitter. Das war das Ende für die Horrorgestalten. Das Ganze dauerte nur wenige Sekunden. Die Höllenwesen schrien wild durcheinander. Sie alle lüsten sich in gleißendem Licht auf. Jim jauchzte vor Freude. Die Gefahr war gebannt. Jims Freude wurde aber sofort wieder gedämpft, als sein Blick wieder auf die Leichenberge fiel.

    „Ich habe Euch gerächt“, murmelte er bitter.

    Hastig verließ er den Saal und schritt auf die Tür zu, die in den Keller führte. er stolperte förmlich die Treppe herunter. Am Fuß der Treppe warteten Brian, Ben und Jane auf ihn. Sie waren wohlauf.

    „Ein Glück, daß Du kommst!“ rief Brian ihm entgegen, „Jane hatte eben wieder einen Schwächeanfall. Wie ist es gelaufen?“

    Jim erklärte kurz, was passiert war. Der Umstand, daß Laura vom Bösen besessen gewesen war und versucht hatte, ihren Mann zu töten, beunruhigte die Anwesenden erheblich.

    „Naja, nun ist es vorbei.“ sagte Jim zur Aufmunterung. „Wir haben nichts mehr zu befürchten.“

    „Dann laßt uns jetzt diesen verwunschenen Ort so schnell wie möglich verlassen. Mir reicht`s!“ bat Jane.

    Dem hatte niemand etwas entgegenzusetzen. Das Quartett stieg hastig die Treppe hinauf und versammelte sich im Eingangsbereich.

    „Laßt uns besser nicht den Festsaal betreten.“ sagte Jim. „Da drinnen sieht es schlimm aus.“

    „Gut.“ erwiderte Ben. „Dann nichts wie raus hier...“

    In dem Augenblick, o er das sagte, zerriß ein gellender Schrei die Luft. Jane hatte ihn ausgestoßen. Sie hatte aus dem riesigen Fenster, welches sich rechts neben dem Schloßtor befand, geblickt.

    „Jim, hast Du überhaupt nicht aus dem Fenster gesehen, nachdem Du die Dämonen besiegt hast?“ fragte sie aufgeregt.

    Sofort stürmten sie alle zum Fenster, warfen einen Blick auf den Schloßhof und schrien ebenfalls erschrocken auf. Die Höllenwesen waren tatsächlich restlos verschwunden, das stimmte. Aber vor dem Schloß tummelten sich noch immer die Zombies!

    Jim wurde beinahe schwarz vor Augen. „Das- das kann nicht wahr sein...“ stammelte er.

    „Was können wir jetzt bloß tun?“ fragte Jane, den Verzweiflungstränen nahe.

    „Na, was wohl? Uns unserem Schicksal ergeben, was sonst?“ antwortete Brian zynisch. „Oder hat jemand von Euch vielleicht eine bessere Idee?“

    „Ja, genau, wir geben auf.“ antworte Jim. Er war nun total fertig mit den Nerven. „Aber ich werde versuchen, so viele wie möglich von diesen Bastarden mit ins Jenseits zu nehmen!“

    „Jim, was hast Du vor?“ fragte Brian irritiert.

    „Wirst Du gleich sehen, mein Bester!“ antwortete Jim trocken. Der Wahnsinn stand ihm in den Augen, als er das schwere Schloßtor öffnete und ins Freie stürmte, begleitet von den schreckensgeweiteten Augen seiner Schicksalsgenossen.

    „Was macht er denn jetzt, dieser Wahnsinnige?“ kreischte Jane entsetzt.

    „Es ist nicht zu fassen! Er- er opfert sich regelrecht!“ rief Ben aufgeregt.

    Und tatsächlich: Jim drehte durch! Wilde Schreie ausstoßend, warf er sich auf den ersten Zombie, der ihm im Weg stand. Das Scheusal verlor das Gleichgewicht und fiel plump wie ein Kartoffelsack auf den Rücken. Sofort war Jim über ihm und legte ihm beide Hände an die vermoderte Kehle. Er wollte den Untoten erdrosseln! Eine reine Verzweiflungstat, denn wie sollte man jemanden erwürgen, der schon längst tot war? Darüber dachte Jim nicht nach, er wollte nur irgend etwas machen, egal, wie unsinnig es auch sein mochte. Er konzentrierte sich so sehr auf die unter ihm liegende Kreatur, daß er nicht merkte, wie sich von allen Seiten her mindestens 20 Zombies auf ihn zubewegten.

    „Jim!!“ schrie Jane aus Leibeskräften, „Jim!! Paß auf!! Die Zombies greifen Dich an!!!“

    Ben und Brian schlossen sich ihrem Beispiel an und riefen Jim`s Namen, Aber als Jim endlich auf die Rufe reagierte, war es bereits zu spät! Die Monster hatten ihn längst eingekreist. Jim schrie vor Entsetzen auf, als sich die Fleischfresser auf ihn stürzten. Jim hatte nicht den Hauch einer Chance. Er erbrach Blut und Speichel, als die hungrigen Untoten ihm mit gierigen Pranken Schädel und Kehle aufrissen und das Gehirn zwischen ihren langen, knochigen Fingern kneteten. Jim`s Kleidung wurde zerfetzt, bevor sich die verfaulten Zombiezähne in jegliche Stelle seines Körpers gruben und das Fleisch von den Knochen zehrten. Betroffen und hilflos beobachteten Brian, Jane und Ben Jim`s letzte Todeszuckungen, die pulsierenden Gedärme, die blutigen Innereien, die aus dem Körper mit knirschenden Geräuschen herausgebrochen wurden. Immer mehr Zombies wankten heran und bohrten ihre Klauen in das Menschenfleisch, um es zu verschlingen. Diejenigen, denen der Weg zum Opfer versperrt wurde, beugten sich über die Blutlachen, die überall am Boden verteilt waren und tranken daraus. Daß das Blut schon fast im Boden versickert war, störte die Ungeheuer nicht. Hauptsache, menschliches Blut floß in ihre Rachen, egal, wie sehr es mit Erde und Gras vermischt war. Brian, Jane und Ben wußten, sie konnten nichts mehr für Jim tun. Er war rettungslos verloren, weil er die Nerven verloren hatte und den Zombies mit seiner halsbrecherischen und völlig sinnlosen Aktion direkt in die offenen Arme gelaufen war. Aber Ben hatte plötzlich eine Idee, wie er und seine verbliebenen Leidensgenossen sich Jim`s Selbstopferung zunutze machen konnten. Er erschrak zwar vor sich selbst, daß er diesen Umstand als große Chance ansah, aber er wußte, eine andere Wahl hatte er nicht. Er wandte sich an Jane und Brian:

    „Hört mal zu. Die Zombies sind abgelenkt. Sie kümmern sich nur noch um Jim. Das könnte unsere Gelegenheit sein, uns aus dem Staub zu machen. Diese Viecher sind verdammt langsam, und der Umstand, daß sie momentan nicht über den gesamten Hof verteilt sind, sondern alle auf einen bestimmten Punkt zuströmen, ist eine große Hilfe für uns.“

    „Wie meinst Du das?“ erkundigte sich Brian vorsichtig.

    „Na, wir müssen die Beine in die Hand nehmen und an diesen Monstern vorbeirennen, während sie fressen!“ rief Ben.

    „Nun gut, wir müssen die jetzige Situation ausnutzen, wäre ja schön blöd, das nicht zu machen.“ sagte Jane.

    Ben gab das Signal. „Okay, dann los! Laufen!!“

    Das Trio startete, zuerst ein bißchen zögernd, aber als sie aus dem Schatten des Schloßtores herausgetreten waren, sprinteten sie los. Sie liefen vorbei an den Zombies, die gerade die letzten fleischlichen Überreste von dem Skelett, das einmal Jim Mason gewesen war, abnagten. Als sie mitten auf dem Hof waren, kam der nächste Schock: Eine weitere Horde Zombies näherte sich ihnen frontal.

    „O verdammt, da kommen noch mehr!“ schrie Brian fassunglos. „Ich dachte, wir hätten sie alle hinter uns!“

    Sie wollten wieder umkehren, aber von hinten kamen schon die Zombies, die Jim skelletiert hatten, auf sie zu. Es war hoffnungslos! Sie waren eingekreist von den wandelnden Toten. Doch halt! Nicht weit von ihnen entfernt stand eine riesige Halle.

    „Da müssen wir rein!“ rief Jane.

    Die Männer waren ebenfalls auf das Gebäude aufmerksam geworden.

    „Ja, genau, wir müssen uns beeilen!“ drängte Ben.

    Sie schafften es mit letzter Kraft, in die glücklicherweise nicht verschlossene Halle zu gelangen. Rasch schlugen sie die Eingangstür zu.

    „O nein?“ raunzte Brian verzweifelt, „wir haben nichts, um die Tür zu verriegeln!“

    Jetzt mußten sie sich etwas einfallen lassen. Brian drückte den Lichtschalter, der neben der Tür angebracht war. Sie schauten sich fieberhaft um. Nun bemerkten sie, daß sie sich in einer riesigen Werkzeughalle befanden, in der Dutzende landwirtschaftlicher Geräte aufgebahrt wurden. An der Wand hingen Hammer, Sägen, Äxte, allerhand Mistgabeln und alles andere an Werkzeug. Was sollten die Verzweifelten tun? Da knarrte auch schon die Tür. Ein besonders verfallener Zombie trat ein. Der Schädel der wandelnden Leiche war zwar hochgradig verwest, aber man konnte den Gesichtszügen anmerken, daß es sich bei diesem Monster einmal um eine Frau gehandelt hatte. Das war auch schon der einzige Anhaltspunkt, um das Geschlecht des Zombies zu deuten. Die Brüste waren nicht mehr vorhanden. Unter der zerrissenen Kleidung waren deutlich die Rippenknochen zu sehen. Sie hatte ihre skellettierten Arme ausgebreitet und torkelte lechzend auf die Menschen zu. Brian griff nach einer Axt, die neben ihm an der Wand hing, und schlug zu. Die Klinge des Werkzeugs trennten dem Ungeheuer Arme, Beine und Schädel vom Körper. Aber schon drängten sich weitere Leichen durch die Türöffnung und folgten dem Geruch warmen Menschenfleisches.

    Ben schrie plötzlich: „Leute, seht mal, ein Traktor!“

    Brian und Jane sahen ihn jetzt auch: Einen riesigen Traktor am anderen Ende der Halle. Dies könnte eine Rettung bedeuten!

    „Los, meine Lieben, da müssen wir hin. Schnell!“ rief Brian.

    Inzwischen hatten 12 Zombies das Gebäude betreten. Ben, Brian und Jane liefen los, die Zombies hinterher. Sie schafften es, das Gefährt zu erreichen. Sie hatten Glück! Die Fahrzeugtüren waren nicht verschlossen und der Zündschlüssel steckte! Ben klemmte sich hinter das Steuer, Brian und Jane nahmen hinter ihm Platz.

    „Da hinten kommen die Monster schon?“ keuchte Brian, „Jetzt kommt es auf jede Sekunde an.“

    „Ich fahre los“, erwiderte Ben. „Haltet Euch fest, ich muß leider durch die Wand fahren. Die Wände sind hier ja zum Glück aus recht dünnem Holz.“

    Er drehte den Zündschlüssel und der schwere Dieselmotor heulte auf. Ben drückte das Pedal voll durch und bewegte sich auf die Wand zu. Mit lautem Getöse barst das Holz, als der schwere Traktor sich seinen Weg nach draußen bahnte. Sie hatten es geschafft!

    „Jetzt müssen wir sehen, daß wir so schnell wie möglich von hier wegkommen!“ triumphierte Ben .

    Der Traktor gab gute 60 Stundenkilometer her, und mit dieser Geschwindigkeit steuerte Ben das Fahrzeug über das weite Grundstück. Die Zombies hatten das Nachsehen. Endlich! Nach wenigen Augenblicken tauchte der von Raptorr beschriebene Zaun vor ihnen auf.

    „So, Leute- Achtung, jetzt kracht es nochmal!“

    warnte Ben.

    Schon erreichte der Traktor den Zaun und fuhr ihn nieder. Der Weg war frei! Aber diesen Aufprall hatte der Motor nicht besonders gut überstanden. Er stotterte noch einmal, dann stand das Gefährt still.

    „Was ist los?“ fragte Jane.

    „Der Motor hat den Geist aufgegeben.“ antwortete Ben, „Los, abspringen! Die Zombies sind weit von uns entfernt. Wenn wir uns beeilen, können wir sie abschütteln!“

    Die Drei verließen den Traktor. Brian stützte seine schwangere Frau und folgte Ben, der schon losspurtete. Schnell schafften sie eine weite Distanz zwischen sich und den blutgierigen Untoten. Immer weiter liefen sie in den nachtdunklen Wald hinein. Schließlich ließen sie sich erschöpft zu Boden fallen.

    „Meine Güte“, ächzte Brian, „Das war vielleicht ein Langstreckenlauf.“

    „Wie spät ist es eigentlich?“ fragte Jane.

    „Die Sonne geht bald auf.“ sagte Ben.

    Brian blickte betrübt zu Boden. „Ist noch gar nicht so lange her, daß unsere Familien getötet worden sind.“

    „Tja“, erwiderte Ben, „das ist schrecklich. Aber unser Leben muß weitergehen. Laßt uns schlafen. Wenn die Sonne aufgeht, suchen wir die nächste Straße und machen uns auf den Weg ins nächste Dorf oder Stadt, oder was hier sonst in der Nähe ist.“

    Damit waren alle einverstanden. Jedem von ihnen fielen unweigerlich die Augenlider zu, und so versanken sie alle drei in einen tiefen, traumlosen Schlaf.



    Warm schien die Sonne auf ihre Gesichter, als sie ihre Augen öffneten. Vögel zwitscherten von den Bäumen. Schmetterlinge kreisten durch die Luft. über ihnen präsentierte sich ein strahlend blauer Himmel. Entspannt richtete sich das Trio auf.

    „Ich habe schon ganz vergessen, daß es noch so etwas Schönes gibt.“ seufzte Jane inbrünstig.

    „Tja, kein Wunder nach den Geschehnissen der letzten Nacht.“ antwortete Brian

    „Trotzdem - hier können wir nicht bleiben.“ meldete sich Ben zu Wort. „Wir müssen zusehen, daß wir so schnell wie möglich wieder zur nächsten Straße kommen. Wird Zeit, daß wir wieder auf die Zivilisation treffen und die Behörden alarmieren! Vergeßt nicht, daß hier irgendwo mindestens 30 Zombies rumlaufen! Die Bevölkerung muß gewarnt werden.“

    Um keine unnötige Zeit zu verlieren, machten sich Ben, Brian und Jane unverzüglich auf den Weg. Und es dauerte auch nicht lange, bis sie auf eine Landstraße trafen. Erleichtert schritten sie voran. Nach einiger Zeit meldete sich bei allen der Hunger.

    „Habt Ihr eigentlich auch so ein leeres Gefühl im Magen?“ ergriff Jane das Wort.

    „Ja.“ schnaufte Brian knapp.

    „Mir geht`s auch nicht besser“, erwiderte Ben, „Aber nehmt noch mal all Eure Kräfte zusammen! Seht Ihr den Bauernhof da vorne?“

    Ja- knappe 100 Meter vor ihnen war das Gehöft eines Bauern zu sehen. Endlich! Das gab ihnen erneut Aufschwung. Erfreut eilten sie auf den Hof zu. Hier hofften sie auf Nahrung- und natürlich ein Telefon! Aber als sie das Haus erreicht hatten, kam die große Ernüchterung.

    „Was ist los hier? Ist der Hof vielleicht verlassen?“ fragte Jane irritiert.

    „Nein“, sagte Ben, „das kann doch nicht sein- oder?“

    „Sieht aber leider ganz danach aus...“ antwortete Brian und legte nervös die Stirn in Falten.

    „Laßt uns reingehen und nachgucken.“ bat Jane. Es fiel der Schwangeren schwer, sich noch auf den Beinen zu halten.

    „Nichts dagegen?“ entgegnete Ben und öffnete die knarrende Haustür.

    Erschrocken zuckten sie zusammen! Im Haus war alles verwüstet! die Möbel waren zerschlagen und lagen wild durcheinandergeworfen umher.

    „Was- was war hier los, verdammt nochmal?“ brauste Brian auf.

    „Kannst Du Dir das nicht denken?“ gab Ben zurück.

    Die Drei schauten sich aus kreidebleichen Gesichtern an. Eine böse Vorahnung beschlich sie.

    Jane stotterte: „Ihr- ihr glaubt, die- die Zombies- sie waren hier?“

    Brian nickte. „Oder- oder sie sind noch immer hier.“

    Ben war der Verzweiflung nahe. „Das darf einfach nicht sein! Schnell! Nichts wie weg hier!“

    Er hastete blind vor Panik auf die geöffnete Haustür zu.

    „Ben! Ben, paß auf!!“ schrie Brian noch.

    Es war zu spät! In der Türöffnung baute sich ein halbverwester Zombie auf. Ben lief ihm genau in die Arme. Noch ehe er zu irgendeiner Reaktion fähig gewesen wäre, schlug ihm die Bestie ihre Zähne in die linke Schulter und fraß ihm das Fleisch von den Knochen.

    Jane kreischte hysterisch: „Wir sind verloren!!“

    Schon hauchte Ben in den Pranken des Monsters sein Leben aus.

    Brian packte Jane an der Hand. „Los, laß uns verschwinden“, sprach er auf sie ein. „Vielleicht ist dies das einzige Ungeheuer hier drinnen.“

    Sie hetzten in eine große Diele. Brian griff nach einer schweren Holztür und riß sie auf. hinter der Tür lag ein riesiger Kuhstall, und hier wartete schon der nächste Schrecken auf die Beiden: Die Tiere waren allesamt in Stücke gerissen. Zerfetzte Kadaver, von denen nur mehr formlose Fleischklumpen übrig waren. Eine Horde Zombies befand sich im Stall und fraß an den bluttriefenden Rinderhälften.

    „Das- das ist ein Alptraum!“ keuchte Brian

    „Wir müssen hier raus! Los!!“ keifte Jane.

    Verzweifelt liefen sie an den schmatzenden Zombies vorbei und gelangten durch die Stalltür in den Hinterhof. Jetzt wurde ihnen ihre ausweglose Situation bewußt! Der gesamte Bauernhof war von Zombies verseucht! Starr vor Entsetzen blieben sie stehen. Beide wurden hinterrücks gepackt und von unbarmherzigen Klauen festgehalten. Vier Zombies schleiften Brian erbarmungslos fort. Sie schleppten ihn auf einen der ihren zu, der mit einer ratternden Kettensäge auf sein nächstes Opfer wartete.

    „Nein!!!“ kreischte Brian panisch und strampelte hilflos mit Armen und Beinen. Die Monster waren unerbittlich. Immer weiter näherten sich die rotierenden Blätter der Motorsäge seinem Gesicht. Sein Sträuben nützte ihm nichts! Sein Kopf geriet in den Säge und wurde zerteilt. Sein Gehirn sprudelte aus seinem Schädel, seine Knochen krachten und sein Blut spritzte. Jane wurde von einem Zombie zu Boden gezerrt. Ein zweiter Untoter beugte sich zur schwangeren Frau herunter, die vergeblich versuchte, sich aus dem Griff des anderen Monsters zu lösen. Tränen liefen ihr übers Gesicht, als sie an ihr Kind dachte. Sie konnte nicht fassen, was sie sah: Der Zombie vor ihr, der sich übrigens noch nicht in einem ausgeprägteren Verwesungsstadium befand zerrte ihr mit einem heftigen Ruck ihren Rock vom Leib! Ihr Widerstand erlahmte, als der tote Mann ihren Schlüpfer herunterzog. Sie war wie gelähmt! Der Zombie, der ganz offensichtlich noch über einen gewissen Geschlechtstrieb verfügte, streichelte mit der rechten Hand über ihre haarige Vagina. Nun wurde er rabiater! Brutal drückte er mit seinen Fingern ihre Schamlippen auseinander und zerfetzte ihren Unterleib! Seine gierige Pranke fuhr langsam durch ihren Gebärmutterkanal und bekam den Fötus zu fassen!

    „Nein!!!“ kreischte Jane.

    Jetzt wurde auch der andere Zombie, der sie die ganze Zeit eisern festgehalten hatte, aktiv: Seine Kiefer gruben sich in ihre Halsschlagader, und ihr Blut floß in Strömen aus der tiefen Wunde! Sie gab noch eine letzte Todeszuckung von sich, dann erlöste sie der Tod von ihren Qualen. Der Zombie, der sich an ihrem Unterleib zu schaffen machte, hatte bereits die komplette Nabelschnur am Boden verteilt. Nun war er gerade dabei, das Baby aus der Körperöffnung zu reißen. Er zermalmte den kleinen Kinderkörper genüßlich zwischen seinen starken Fingern. Blutrünstig stapften die Zombies über das Gehöft. Einige von ihnen machten sich bereits auf den Weg, um weitere Opfer zu finden. Zielstrebig suchten sie die naheliegende Stadt auf. Ihrer Invasion stand nun nichts mehr im Weg.

    p/c 1997

    MARC GORE

  2. #2
    rodbertus
    Laufkundschaft

    Question AW: Zombie Curse

    Lieber Mark! [..] Wie soll ich mit Dir und Deinem Getexte verfahren? Mach mal einen konkreten Vorschlag!
    Du hast doch begriffen, daß wir hier arbeiten und uns nicht am Bauchnabel rumnippeln, gell?

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
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    Question AW: Zombie Curse

    Lieber Mark!...
    Öhem!...

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Zombie Curse

    Hi Mark

    wenn Du nicht an Deinen texten arbeitest, wird sich hier keiner mehr groß für Dich interessieren. Hier ist nicht das LC, wo Du es immerhin auf 23 empörte Antworten bringst. Hier wird es wohl bei den Dreien bleiben. Zu Recht, wie ich denke. Mit den Inhalten regst Du hier keinen mehr auf. Dieses Spaß funktioniert nur 1 x

    Kyra

  5. #5
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Zombie Curse

    Hi Mark
    *räusper*

    Mit anderen Worten:

    1.) Gibt es im Zuge der Rechtschreibreform keinen Unterschied mehr zwischen ähnlich klingenden Konsonanten (z. B., sagen wir mal, zwischen "k" und "c")???
    2.) Ich will mit diesem Käse nicht in Verbindung gebracht werden (auch nicht durch zufällige Namensähnlichkeiten).
    3.) Welchen Sinn hätte hier Textarbeit?

    Frag ja nur.

    Mark

  6. #6
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Zombie Curse

    Original erstellt von Marc Gore:
    Jetzt wurde auch der andere Zombie, der sie die ganze Zeit eisern festgehalten hatte, aktiv: Seine Kiefer gruben sich in ihre Halsschlagader, und ihr Blut floß in Strömen aus der tiefen Wunde! Sie gab noch eine letzte Todeszuckung von sich, dann erlöste sie der Tod von ihren Qualen. Der Zombie, der sich an ihrem Unterleib zu schaffen machte, hatte bereits die komplette Nabelschnur am Boden verteilt. Nun war er gerade dabei, das Baby aus der Körperöffnung zu reißen. Er zermalmte den kleinen Kinderkörper genüßlich zwischen seinen starken Fingern. Blutrünstig stapften die Zombies über das Gehöft. Einige von ihnen machten sich bereits auf den Weg, um weitere Opfer zu finden. Zielstrebig suchten sie die naheliegende Stadt auf. Ihrer Invasion stand nun nichts mehr im Weg.
    Dieser Schluß ist, neben anderen Highlights, so dermaßen scheiße, daß er schon fast wieder genial ist.
    Ich glaube, ich könnte mich in diesen Text verlieben.

    MarK

  7. #7
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Zombie Curse

    Entschuldigung, Möppel. Aber Konsonanten klingen nicht, Vokale klingen. Zwischen einem Marc und Mark existiert kein gesprochener Unterschied, ein semantischer ist existent, aber kaum bewußt. Solltest Du Dich hier getreten fühlen, dann möchte ich mich für den Fußabdruck in Deiner Larve entschuldigen, andererseits siehst Du dann nicht mehr so blaß aus.
    Ist es nicht immer wieder schön, sich gegenüber anderen als etwas Beßres anzuzeigen?

    Erkläre mir Unbedarftem, worin die "scheiße" besteht, die Du attestiert!

  8. #8
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Zombie Curse

    Aber ja doch!
    Und meine Blässe ist eine vornehme, drum lasse er sie mir nur.

    Mark

    p.s.: Eigentlich wollte ich sowieso nur mal Guten Tach sagen.

  9. #9
    Marc Gore
    Laufkundschaft

    AW: Zombie Curse

    Wie ich schon sagte, die Tips, die mir zum Schreiben gegeben werden, verwende ich für zukünftige neue Stories. Diese hier ist nunmal schon 5 Jahre alt.

  10. #10
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    AW: Zombie Curse

    Ich teile die Vorbehalte gegenüber Splatter oder Grusel nicht; ist für mich eine Textsorte wie jede andere auch, deren jeweilig vorgebrachte literarische Güte ich anhand Spannungsaufbau, sprachliche Sauberkeit und semantische Eindeutigkeit bewerte.

    Bei diesem langen Text habe ich keinen Spannungsaufbau feststellen können, der nicht vorhersehbar gewesen wäre. Aber vielleicht ist das auch die Aufgabe eines Splattertextes. Die Splattergierigen wissen und erwarten festgefügte Strukturen. Das ist ungefähr wie bei einem Spencer-Hill-Film. Wenn die beiden in eine Kneipe gehen, weiß man schon: "Gleich gibt's Haue!", und die Vorfreude läßt vieles vergessen, was sicherlich künstlerisch besser hätte gemacht werden können. Beim Splatter ist es wohl ganz ähnlich: Wenn die Zutaten dem geistigen Auge des Leser gezeigt worden sind (ein abgelegenes Schloß, eine Autopanne, eine Schöne, ein zwielichtiger Typ, Dunkelheit...), dann weiß der Leser schon, was kommen dürfte. Halten wir uns also nicht daran weiter auf.

    Wenn ich Dir für Dein künftiges Schreiben, sofern Du noch schreibst, etwas auf den Weg geben darf, dann betrifft das v.a. die verwendete Sprache: Finde Synonyme für "Körper", "Dämon", "Schloß", "Blut" u.ä. Bau zur Überraschung Diner Leser eine überraschende Wende ein, eine. Andernfalls überforderst Du Deine Zielgruppe.

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