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Thema: Der Aufstieg Amerikas

  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Kriegsbegründung 1861

    Der amerikanische Bürgerkrieg erfolgte aufgrund einer Inkommunikabilität: der kapitalistische, auf die Entwicklung des paralytischen Ichs gemünzte Paria-Kapitalismus, dem es ums NEUE ging/geht, der an Neugründungen mehr interessiert ist als an einer Bewahrung des Gegebenen, der Furcht von Liebe trennt, Besitzende von Besitzlosen, Gottesfürchtige von Gottliebenden, aber andererseits gleiche Rechte für alle fordert (was immer noch den Stärksten nützt) - dieser imperialistische Kapitalismus des Nordens (Yankees) mußte früh oder spät mit dem auf Bewahrung des Bestehenden, auf Gottesfurcht, die entwickelte Solidarität in einer gegebenen Ordnung hinwirkende Gesellschaft mit ihren klaren (nicht nur am Geld, sondern an der Stellung orientierten) Hierarchien in einen Konflikt geraten, den bloß die Waffen entscheiden konnten.

    Es ist eine große Lüge, wenn die Befreiung der Sklaven des Südens als Kriegsursache angegeben wird. Die allerwenigsten Sklaven wollten "befreit" werden, da sie in einer Solidargemeinschaft lebten, die ihnen Auskommen und Sicherheit verschafften. Andererseits besaßen sie nicht die Freiheit, sich aus dieser Gemeinschaft zu lösen, die weißen Angehörigen derselben zustand. Insofern hatte der Süden großen Nachholebedarf. Doch rechtfertigt das einen Krieg?

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Black Rider

    Das aggressive Auftreten der Indianer gegen die aus Osten einströmenden Pioniere besaß auch einen Grund in der Kosmologie der Indianer, vornehmlich der Sioux. Ihrer Auffassung nach gab es zwei Pfade (ähnlich wie die vier Pfade im Buddhismus), einen guten und einen schlechten. Der gute gerade Weg führt von Norden nach Süden und wird als der der Reinheit und der des Lebensquells bezeichnet. Die Sioux waren ab ca. 1680 von den Quellgebieten des Mississippi (Norden) in die Prärie gezogen (nach Süden), um dort Büffel zu jagen. Das ist der rote Pfad. (Rothäute) Der schlechte Pfad verläuft von Osten nach Westen, der auch als Pfad des Irrtums und der Zerstörung bezeichnet wird. Der blaue/schwarze Pfad.

    Wenn ein Indianer also einen Siedlertrack sah, der aus Osten kam, dann war das für ihn so etwas wie ein schwarzer Reiter, etwas Böses. Es war etwas Gutes für den Indianer, dieses Böse zu bekämpfen.

  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post Der Aufstieg Amerikas

    Die Angst vor anarchischen Zuständen hatte die Gründerväter Amerikas dazu gebracht, ihrem Staatsoberhaupt eine starke Exekutivgewalt zu geben. Der Präsident der Amerikaner sollte auch nicht direkt gewählt werden, wie das mit den politischen Würdenträgern der Einzelstaaten und lokalen Organe geschah, sondern von Wahlmännern. Zwischen der Union und der Autonomie der Einzelglieder, den Bundesstaaten, mußte ein Ausgleich der Kompetenzen gefunden werden. Man bestimmte zwei Repräsentativa: Senat und Kongreß. Im Senat saßen aus jedem Bundesstaat zwei Vertreter. In den Kongreß wurden Abgeordnete gemäß der Einwohnerzahl des Bundesstaates gewählt. Die Amtszeit des Präsidenten wurde, bei einmalig möglicher Wiederwahl, auf vier Jahre festgelegt. Die Amtszeit der Senatoren betrug sechs Jahre, die der Kongreßmitglieder zwei. Neben diesen Volksvertretungen hatten die Richter des Bundesgerichts ihr Amt lebenslang inne. Diese Richter wurden vom Präsidenten bestimmt, konnten aber nicht wieder abgesetzt werden, es sei denn, sie machten sich strafbar.
    Der Streit über die Kompetenzen zwischen Bund und Einzelstaat führte zur Bildung zweier Parteien: Demokraten und Republikaner. Die Demokraten betonten die Rechte des Einzelstaats, die Republikaner die des Bundes. So gab es immer wieder Tendenzen zur Schaffung einer Zentralbank, obwohl sich die Amerikaner gegen England erhoben hatten, weil die Engländer sie mit einer Zentralbank regieren wollten. Doch auch in Amerika hatten kluge Banker erkannt, daß sie über eine Zentralbank das Land unabhängig von der politischen Lage regieren könnten und 1816 durchgesetzt. 1836 wurde diese von Demokraten aufgelöst, nachdem Fälle von Korruption und Betrug aufgedeckt worden waren.
    Die zweite Grundsatzfrage bildete für die Amerikaner das Verhältnis zu Menschen nichteuropäischen Ursprungs, v.a. zu Indianern und Negern [1].
    Der Umgang mit den Indianern war von zwei Tendenzen geprägt. Die erste Tendenz zielte auf Verständigung, letztlich auf Einverleibung der präkolumbianischen Amerikaner in den Staatskörper der wachsenden Union, wobei Indianern keine Bürgerrechte gewährt werden sollten. Die zweite Tendenz zielte auf Völkermord. – Demokratien folgen oft den Wünschen der Mehrheit. Die Mehrheit der Amerikaner wollte die Indianer tot sehen. So wurden Gratifikationen (Skalpprämien) ausgesetzt. Das führte zur Hatz und kostete zwanzig Millionen Indianer das Leben. Das entvölkerte Land konnte von Siedlern in Besitz genommen und der Union zugeführt werden.
    Die Beziehung zur Sklaverei war dem Wesen nach ähnlich, der Form nach verschieden. Indianer konnten wegen ihres hohen Freiheits- und Unabhängigkeitsgefühls nicht dienstbar gemacht werden. Afrikanische Sklaven schon. Sie arbeiteten im Süden des Kontinents auf den Feldern, im Haus oder in Werkstätten. Im Norden duldeten die Amerikaner keine Sklaverei, da diese die billige Lohnarbeit in der entstehenden kapitalistischen Industrie ausgehebelt hätte und die im Norden großen Einfluß besitzenden Puritaner Sklaverei als ein Greuel empfanden. Im Süden hatten sich feudale Verhältnisse etabliert, im Norden kapitalistische.

    „1834. Ein Amerikadampfer steuert von Le Havre nach New York. Mitten unter den Desperados, einer unter Hunderten, Johann August Suter, heimisch zu Rynenberg bei Basel, 31 Jahre alt und höchst eilig, das Weltmeer zwischen sich und den europäischen Gerichten zu haben. Bankerotteur, Dieb, Wechselfälscher, hat er seine Frau und drei Kinder einfach im Stich gelassen, in Paris sich mit einem betrügerischen Ausweis etwas Geld verschafft und ist nun auf der Suche nach einer neuen Existenz. […] 1838. Suter ist allein, vergebens sucht man ihn zurückzuhalten in Van Couver, bietet ihm eine Stellung an – er weist alles zurück, die Lockung des magischen Namens sitzt ihm im Blut. Mit einem erbärmlichen Segler durchkreuzt er den Pazifik zuerst zu den Sandwichinseln [Hawaii] und landet, nach unendlichen Schwierigkeiten an den Küsten von Alaska vorbei, an einem verlassenen Platz namens San Francisco. San Francisco […], ein erbärmliches Fischerdorf, so nach der Mission der Franziskaner genannt, nicht einmal Hauptstadt jener unbekannten mexikanischen Provinz Kalifornien, die verwahrlost, ohne Zucht und Blüte in der üppigsten Zone des neuen Kontinents brachliegt. 1839. Eine Karawane karrt langsam längs der Ufer des Sacramento hinauf. Voran Suter zu Pferd, das Gewehr umgeschnallt, hinter ihm zwei, drei Europäer, dann hundertfünfzig Kanaken in kurzem Hemd, dann dreißig Büffelwagen mit Lebensmitteln, Samen und Munition, fünfzig Pferde, fünfundsiebzig Maulesel, Kühe und Schafe, dann eine kurze Nachhut – das ist die ganze Armee, die sich Neu-Helvetien [helvetius, lateinisch für Schweiz] erobern will. Vor ihnen rollt eine gigantische Feuerwoge. Sie zünden die Wälder an, bequemere Methode, als sie auszuroden. […] Der Erfolg ist gigantisch. Die Saaten tragen sofort 500%. […] 1848, im Januar. Plötzlich kommt James T. Marshall, sein Schreiner, aufgeregt zu Johann August Suter ins Haus gestürzt, er müsse ihn unbedingt sprechen. […] drängt ihn ins Zimmer, schließt die Tür ab und zieht aus der Tasche eine Handvoll Sand mit ein paar gelben Körnern darin. Gestern beim Graben sei ihm dieses sonderbare Metall aufgefallen, er glaube, es sei Gold, aber die anderen hätten ihn ausgelacht. Suter wird ernst, nimmt die Körner, macht die Scheideprobe [Einsatz von Salpetersäure zur Auflösung alles dessen, was nicht Gold ist]: es ist Gold. […] Ungeheure Gedanken bewegen ihn: soweit man sinnen kann, ist niemals das Gold so leicht faßbar, so offen in der Erde gelegen, und diese Erde ist sein, ist Suters Eigentum. Ein Jahrzehnt scheint übersprungen in einer Nacht: Er ist der reichste Mann der Welt.“ (Stefan Zweig: Sternstunden der Menschheit. Leipzig 1927. S. 35-40.)

    Der Norden wollte Geld machen, deshalb lehnte er die Sklaverei ab, die zu zahllosen sozialen Spannungen geführt hätte. Der Süden wollte leben und ließ arbeiten. Das protestantische Arbeitsethos des Nordens war dem Süden ziemlich fremd. Er nannte den Menschen aus dem Norden „Yankee“ und meinte damit eine Krämerseele, eine nur auf Profit orientierte, beschränkte Armseligkeit. Den „Yankees“ waren die Südstaatler Großbauern ohne Sinn für Fortschritt, Demokratie und Erwerbsethik. Es kam den Amerikanern nicht in den Sinn, daß sie Menschen mit zweierlei Maß bewerteten. Wie sie abschätzig auf Indianer schauten, Neger nur als Arbeitsinstrumente betrachteten, so wanderte diese Lebenseinstellung auch auf die Fremden innerhalb der eigenen Nation. Der Süden maß den Norden von oben herab, der Norden schaute gierig auf den Reichtum des Südens, seine Lebensart und seine Villen. Der Reichtum beider Landesteile rekurrierte zum Teil aus der Ausbeutung und Vertreibung der anderen, der Indianer und der Neger, der Neuankömmlinge, die im Norden zu Lohnsklaven gemacht wurden und oftmals schlechter lebten als die Sklaven auf den Plantagen des Südens. Eine zerrißne Nation. Und England verdiente am Sklavenhandel kräftig mit, denn es waren meist englische Schiffe, die die Sklaven brachten, nachdem sie diese in Afrika geraubt oder billig von den Stammeshäuptlingen erworben hatten.
    England hatte Amerika in die Unabhängigkeit entlassen und auf Hoheitsrechte im amerikanischen Hinterland verzichtet. In dieses Land (Indianerland) stießen nun die Amerikaner vor. 1840 war man bis zum Mississippi, der den nordamerikanischen Kontinent teilt, vorgedrungen. Texas und Kalifornien gehörten zu Mexiko. Um 1845 wurde deshalb gegen Mexiko ein Krieg angezettelt, der mit der Abtretung dieser Gebiete an die Vereinigten Staaten endete. Die Vorgehensweise war immer das gleiche: eine Mischung aus Verständigungspolitik, Aggressivität und Besiedlungspolitik. Ein Zwischenfall ließ dann Kriegserklärungen folgen.
    Das war die eine Stoßrichtung für den amerikanischen Imperialismus, der Weg nach Westen. Die andere Stoßrichtung zielte auf den feudalen Süden. Um 1860 schwelte immer noch das Problem mit der Sklaverei. 35 Einzelstaaten gehörten zu dieser Zeit zu den Vereinigten Staaten. Der Süden erkannte, daß sich ein politischer Ausgleich mit dem Norden nicht länger herstellen lassen würde und strebte den Austritt aus der Union und die Gründung einer eigenen Union an, einer Föderation, also eines Staatenbundes gleichberechtigter Mitglieder. Der Süden war dato eine Freihandelszone und besaß wenig staatliche Kontrolle. Im Norden setzte man Schutzzölle [2] durch, die auch den Süden betrafen, abgesehen davon gab es starke Kräfte, die die Sklaverei des Südens einführen wollten.
    Es trat ein Grundproblem der amerikanischen Verfassung zutage, die Menschen nicht gleich behandelte. Sklaven, Juden oder Indianer wurden seinerzeit nicht als Amerikaner betrachtet, sondern als untergeordnete Wesen, deren Rechte der Amerikaner bestimmte, der europäischen Ursprungs und christlich war. Dieses Prinzip hat sich bis in unsere Zeit als eines der amerikanischen Politik behauptet, wurde allerdings durch den progressiven Linksliberalen modifiziert, der nunmehr alle als Staats- und Menschenfeinde diffamiert, die seinem politischen Leitbild nicht entsprechen. Gemäß der Unabhängigkeitserklärung wurde der gesamte nordamerikanische Kontinent kolonisiert, unter einen Willen gestellt. Wer sich diesem Willen weder unterordnet noch als Menschheitsziel preist, der wird verteufelt und bekämpft. Das geschah den Indianern wie den Aristokraten des Südens, das geschah den Mexikanern und später mißliebigen Europäern, heute Asiaten und und und. Um 1860 nutzten die gleichen Kräfte die Sklaverei des Südens als Vorwand, um etwaige moralische Widerstände mit dem Argument erschlagen zu können, man wolle keine Ausbreitung des Kapitalismus, sondern die Befreiung Unterdrückter. Obwohl die Sklaven im Süden diese „Befreiung“ mehrheitlich nicht wollten, die Herrscher des Südens schon gar nicht, so wurde sie doch durchgeführt.
    Bei den Präsidentschaftswahlen 1860 bekam der republikanische Bewerber Lincoln ca. 38% der Stimmen. Dennoch wurde er zum Präsidenten gewählt, da das indirekte Wahlsystem Minderheiten wegfallen ließ und die Zahl der gewonnenen Wahlkreise den Präsidenten machte. Der Süden sah in diesem Akt den Anlaß, aus der Union auszutreten, denn Lincoln hatte zwar noch nicht direkt ein landesweites Verbot der Sklaverei angekündigt, aber im Süden nahm man zurecht an, daß er dies durchdrücken würde. Lincoln ruderte zurück und bot den Südstaaten an, durch ein Verfassungsgesetz jeden Angriff des Bundes auf die Sklaverei zu unterbinden. Zugleich bestritt er in seiner Antrittsrede am 4. März 1861 ein Recht der Einzelstaaten auf Austritt aus der Union. Das war der Krieg. Bis zum Mai 1861 traten elf Staaten des Südens aus der Union aus und gründeten unter der Präsidentschaft von Jefferson Davis eine Konföderation. Mit dem Angriff auf das in ihrem Staatsgebiet liegenden Fort Sumter, in dem Unionstruppen stationiert waren, begann der Bürgerkrieg.
    Das Kräfteverhältnis lag etwa bei 3:1 zugunsten des Nordens (die Vereinigten Staaten zählten um 1860 etwa 30 Millionen Menschen), doch konnte der Süden auf die Hilfe Englands hoffen. Statt Produkte aus dem Norden zu kaufen, bezogen die reichen Pflanzer nun ihre Waren aus England, auch ihre Armeeausrüstung. Im Gegensatz dazu war England auf amerikanische Baumwolle angewiesen und zielte darauf, die wachsende Macht der Vereinigten Staaten durch diese Separation zu hemmen. Der Süden rechnete zudem mit der Unterstützung Frankreichs, da Frankreich koloniale Interessen in Mexiko besaß. Schließlich hielt sich jeder Südstaatler für einen besseren Kämpfer und glaubte zudem, durch einen höheren Grad an Disziplin das Recht auf seine Seite zu zwingen.

    In der Baumwolle beginnt die industrielle Revolution. Der Dampf [..] vermählte sich der Baumwolle: das ist Poesie im Geiste des 19. Jahrhunderts, obwohl der geschichtliche Vorgang in England noch im 18. Jahrhundert geschieht. Die Wolle folgt auf dem Fuße. Die Schafherden [..] werden Rohstoff für Maschinen [..]. Die nächste Welle heißt Gußstahl und Steinkohle. Damit werden die Kohlenlager zu den Tragflächen der schweren Industrie; die geologische Struktur der Erde bekommt auf dem merkwürdigsten Wege eine weltgeschichtliche Bedeutung. Selbstverständlich reflektiert der Sieg der Maschine sofort auf sie selbst: in vielen alten Städten, wo von jeher Werkzeuge und Instrumente hergestellt wurden, und in fast allen neuen, die erst durch die Industrie hervorgerufen worden sind, tun sich Fabriken auf, die die Industrie mit Maschinen beliefern. Sodann erobert die Maschine den Verkehr. In der Eisenbahn und im Dampfschiff schafft sich die Industrie zugleich das reinste Symbol des technischen Fortschritts und die Bedingung des Fern- und Massentransports, also die Bedingung ihrer eigenen Existenz. Seit der Mitte des Jahrhunderts erhebt sich die Welle der Chemie; sie wirkt wie schon alle früheren Wellen, doch mit besonderer Stärke auf das Ganze zurück, stellt zum Beispiel die Kohlewirtschaft auf ganz neue Grundlagen. (Freyer II, S. 937.)

    Eines war von Anfang an klar, wenn der Süden einen langen Krieg führen müßte, würde ihn das benachteiligen. Nur der schnelle Sieg konnte die Konföderation retten. Lincoln beeilte sich also, den Konföderierten das Recht auf Austritt zu bestreiten.
    Das Recht auf Austritt aus der Union ist strittig. In der Anfangszeit der Geschichte der Vereinigten Staaten zwischen 1776 und 1823 (Monroe-Doktrin) entsprach die amerikanische Verfassung durchaus einem freiwilligen Vertrag zwischen Partnern. Das Recht auf Austritt war zwar nicht explizit formuliert, die Gründer hielten das aber für selbstverständlich. [3] Der im amerikanischen Bürgerkrieg (eigentlich ein Krieg zwischen zwei Staaten) beliebte Südstaatengeneral Lee formulierte das so: “…that Virginia in seceding from the Union was exercising the right she had reserved when she entered it.” (etwa: ...als Virginia der Union beitrat, wurde ihr das Recht auf Austritt vorbehalten.)
    Der Südstaatler mit seinen aristokratischen Lebensvorstellungen hielt sich an das Wort der Gründerväter der Union gebunden; im Norden ging man pragmatischer an die Sache: ein Austritt würde Nachteile mit sich bringen, also durfte es den nicht geben. Wichtiges Ziel der Verfassung war die Garantie freier Märkte innerhalb des expandierenden Amerika. Der Süden hatte diesen Gedanken sehr viel mehr verinnerlicht, während der Norden protektionistische Züge entwickelte. Der neue Präsident wollte die Union erhalten und nahm lieber die Unterdrückung einer Sezession, also den Freiheitsverlust, in Kauf, als daß er unzufriedene Staaten hätte ziehen lassen. Er benutzte unmoralische Mittel, die der Unterdrückung und des Krieges, um ein hehres Ziel, das in seinen Augen die amerikanische Union bildete, zu erreichen. So nahm er einen Krieg in Kauf, von dem anzunehmen war, daß der Norden ihn gewinnen würde, um nicht nur den Süden zu unterjochen, sondern dem Norden wirtschaftlich zu erschließen und fürderhin Austrittsversuche im Keim zu ersticken: der Weg war frei für den Krieg gegen die Gegner des angepeilten Weltstaats, das strategische Ziel der Yankees. Den Humanisten wurde der Krieg damit schmackhaft gemacht, daß die Freiheit der Sklaven als Kriegsziel verkündet wurde. Das war eine Lüge, ganz ähnlich heutigen Lügen des amerikanischen Imperialismus, der seine Ziele immer mit der Freiheit der anderen Völker zu verbinden weiß und diese Kriegsgebiete planvoll ins Chaos und Elend führt, die so zu jahrzehntelangen Krisengebieten werden, was den Profit des MIK [4] und anderer Kriegsgewinnler sichert. Andererseits war der Süden nicht in der Lage, die Sklaverei als das zu erkennen, was sie ist: eine Mißachtung des Menschen. Kein Land ist frei, wenn ein Teil seiner Bewohner es nicht sein darf!
    Nach Anfangserfolgen der besser aufgestellten Konföderierten, versäumten die es, schnelle Siege strategisch zu nutzen und beschränkten sich auf die Verteidigung ihrer Heimat. Schon 1862 kamen die Unions-Truppen mit gewaltiger Macht. Sie griffen die Konföderierten von allen Richtungen aus an, blockierten die Häfen und scheuten sich auch nicht vor Guerilla-Krieg, Freischärlern und dergleichen mehr.
    Das neuentwickelte Hinterladegewehr wurde kaum eingesetzt; die technischen Fortschritte (Eisenbahn, Dampfschiffahrt usw.) fanden kaum Einsatz. Es fehlte an genauer Geländeeinschätzung und strategischen Operationen. Viele Menschen starben im Laufe des zähen Kampfes. An neuen Waffen ist einzig der Einsatz bepanzerter Schiffe zu nennen. Zuerst setzte der Süden welche ein, die die hölzernen Blockadeschiffe rammten (Merrimac), dann auch der Norden (Monitor).
    Am Ende des Krieges standen 1,5 Millionen Mann unter Waffen, davon eine Million aus dem Norden. Der Süden war wirtschaftlich ruiniert. Den zahllosen Krediten aus Europa stand kein Gegenwert mehr gegenüber; das Papiergeld der Konföderierten war nichts wert. Die Südstaatler standen im Feld, die heimgebliebenen Neger bestellten die heimischen Äcker, die großteils verwüstet waren. Hunger und Krankheiten überall. (Margareth Mitchell: Vom Winde verweht)
    Lincoln [5] verkündete am 22.9.1864 die Aufhebung der Sklaverei. Doch die erwarteten Flüchtlingsströme aus dem Süden blieben aus. Die Neger wollten kein „weißes Pack“ werden, wie sie die Lohnsklaven nannten, und blieben bei ihren Herrschaften Sklaven.
    Um das einmal zu erklären, was hieran unsinnig erscheint: Der Sklave wurde von seinem Herrn als Wertgegenstand betrachtet und entsprechend gepflegt. Der Lohnsklave im Norden dagegen konnte durch seinen Brotherren jederzeit ohne Angabe von Gründen entlassen werden und verfiel somit dem Elend. Es gab genug Ersatz wegen des nie abebbenden Stromes der Einwanderer. So lebten die meisten Sklaven in einem höheren Lebensstandard und waren gesünder als die Arbeiter im Norden. Allerdings besaß so ein Sklave keine Mitspracherechte in der Politik und konnte nur solange gut leben, wie er das tat, was sein Herr ihm befahl. Doch wer einmal eine Mummy hatte, der weiß, wie viel Mitspracherecht so eine Mummy besaß.
    Der Süden kapitulierte am 9.4.1865. Damit kam der Kapitalismus auch in den Süden und Amerika ging fortan mit kräftigem Schritt daran, den Kontinent, die Welt, den Weltraum mit seiner Botschaft zu affizieren: Wohlstand für alle. Wer dagegen ist, wird vernichtet.

    Fassen wir zusammen: Der amerikanische Bürgerkrieg war politischer Natur, weil Lincoln (als Repräsentant des Yankees) die Einheit der Nation sichern wollte und die (theoretisch) verfassungsrechtlich mögliche Abspaltung einzelner Glieder der Union politisch-praktisch nicht hinnehmen konnte. Er war wirtschaftlicher Natur, weil der industrialisierte Norden ein Absatzgebiet für seine Produkte benötigte und sich nicht über seine Hintertür europäische Konkurrenz ins Land holen wollte. Er war finanzieller Natur, weil mit der politschen Abspaltung des Südens die Gefahr bestand, daß mit Charleston ein eigener Hafen nicht nur den Handel des Südens abwickeln würde, sondern eigenes Geld unabhängig von New Yorker Banken entstehen würde. Außerdem eröffnete der wahrscheinliche Sieg des Nordens seinen finanzstarken Banken den billigen Ankauf der Konkursmasse des Südens, v.a. von Land und Immobilien. Der Krieg war nicht ideologischer Natur, denn der Kampf gegen die Sklaverei war nur vorgeschoben, was Lincolns Angebot von 186…, der Süden möge bei der Union verbleiben und dürfe seine Sklaverei behalten, belegt. [6]


    Aufgaben:


    1. Beschreibe jeweils den Kampf der Nord- resp. Südstaatler als einen gerechten! (II)
    2. Nennen die Ursachen des Bürgerkriegs! (I)
    3. Befasse dich mit der Gettysburg-Rede Lincolns und weise imperiales Denken nach! Gehe auf den Selbstbestimmungsaspekt und das Recht eines Volkes ein, sich selbst die ihm gemäße Verfassung geben zu wollen! Zeige, daß Lincolns politische Grundsätze auch heute noch für die Politik der Vereinigten Staaten gelten! (III)




    [1] Im Unterschied zur Sklaverei in Rom, von der "so gut wie feststeht, daß sie es nicht tat" (Heather), basierte die Wirtschaft des Südens der Vereinigten Staaten auf der Sklaverei der Neger, die des Nordens auf der Lohnsklaverei der Einwanderer. Der Unterschied liegt in der Form, nicht im Prinzip, dessentwillen angeblich der Krieg von der Nordseite aus geführt wurde. Die Neger des Nordens lebten in Ghettos und besaßen kein Wahlrecht. Es gab keine Sozialfürsorge, keine Schulpflicht, keine Gewerkschaften, keinen, der sich um sie kümmerte. Das alles dürften Gründe genug dafür sein, daß die Sklaven lieber bei ihren Herrn im Süden blieben und nur sehr wenige Reißaus nahmen, um in das gelobte Land nördlich des 36. Breitengrads 30‘ zu gelangen.

    [2] Der industrialisierte Norden setzte per Gesetzgebung die seinerzeit von vielen aufstrebenden Nationen gepflegte Schutzzollpolitik gegenüber den billigeren europäischen Industrieprodukten durch. Diese Politik nutzte dem Süden mit seiner agrarischen Wirtschaft nichts. Das Geld aus den Schutzzöllen, das viele reiche Südstaatler für europäische Produkte dennoch ausgaben, floß ins Staatssäckel, das damit wiederum den Ausbau der Infrastruktur, meist der des Nordens, forcierte.

    [3] Neuere Darstellungen bestätigen das Recht auf Austritt einzelner Staaten: „Begonnen hatte alles im Dezember 1860, als der Buzndesstaat South Carolina aus den Vereinigten Staaten von Amerika erklärte. Das erfolgte aufgrund eines Beschlusses seines Staatsparlaments einstimmig und stand im Einklang mit der US-Verfassung von 1787, in welcher die Rechte der einzelnen Bundesstaaten definiert waren. Während der folgenden fünf Wochen vollzogen weitere Staaten des Südens diesen Schritt: Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisiana und Texas. Die gewählten Volksvertreter dieser sieben Staaten versammelten sich am 7. Februar 1861 in der provisorischen Hauptstadt Montgomery, Alabama, und erarbeiteten eine Verfassung für die Confederated States of America (CSA). Zum Präsidenten wählte man am 9. Februar 1861 den Senator von Mississippi, Jefferson Davis. Er bildete zehn Tage später sein Kabinett. Auch eine eigene Nationalflagge wurde kreiert, die Stars and Bars.“
    Zunächst akzeptierten beide Seiten diese Abspaltung. (Jan von Flocken: Als Lincolns Bajonette siegten. In: Junge Freiheit 15/2015. S. 22.)

    [4] der militärindustrielle Komplex, der jährlich Milliarden damit verdient, die amerikanische und andere Armeen auszurüsten

    [5] Der Grundgedanke dieser Erklärung sowie der Politik dieses heute hochgeschätzten Präsidenten bestand in dem Verdikt einer nationalen Einheit, die er über die Nordstaaten hinaus auf die nach Selbständigkeit strebenden Südstaaten übertrug. Lincolns Politik ist somit die zwangsläufige Folge jedweder auf nationale Einheit propagierten Freiheitsauflösung: sie ist die Quelle von Despotismus und Beschneidung individueller Freiheit. Das selbe Prinzip wird heute unter dem Deckmantel einer wie auch immer gearteten „Gefährdung der nationalen Sicherheit“ benutzt, um alles und jeden zu verteufeln, der nicht in das Raster dieser „nationalen Einheit“ paßt, nicht an dem Strang zieht, der durch die politische Ordnungsmacht vorgegeben wurde. Das Grundmuster gibt vor, erst die Einheit eines politischen Wirkverbandes herzustellen – meist durch die Ausschaltung erworbener Freiheiten des einzelnen –, um dann politische Freiheiten zu verwirklichen. Ein Versprechen – mehr nicht.

    [6] ausführlich dargestellt von John V. Denson: Sie sagten Frieden und meinten Krieg. (Verla 2013.)


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