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Thema: recht, schlecht, gerecht

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Post recht, schlecht, gerecht

    gerechtigkeit ist nur recht und billig. man darf sie verlangen. das kommt oft teuer. teuer zu stehen. verbunden mit schwerem stand. und wer nicht im stand der macht, na ja, der sollte sich hüten. denn gerechtigkeit ist so eine sache. kann ganz leicht gefährlich werden. wenn man ohnmächtig ist. gerechtigkeit ist was für mächtige. mächtigkeit und gerechtigkeit passen prächtig. prächtig, mächtig, gerechtig! gerechtigkeit wird geübt. von den mächtigen. an den ohnmächtigen. macht übt gerechtigkeit. ohnmacht erleidet gerechtigkeit. ist so. war immer so. ist wahr. wahr scheinlich gottgewollt. der ist ja sogar allmächtig. übt totale gerechtigkeit. universale gerechtigkeit. total. tote gabs da auch schon. eine ganze menge. die bibel ist voll davon. andere heilige bücher ebenfalls. also die gerechtigkeit ist überhaupt oft mit lebensgefahr verbunden. wie jetzt wieder im heiligen land. da führt eine seite den heiligen krieg und die andere seite kämpft für die gerechte sache. heilige gegen gerechte sozusagen. das ist eine ganz gefährliche mischung. gibt ganz viele tote dabei. aber bei der gerechtigkeit geht es um höhere werte. menschenleben zählen da nicht viel. und menschenrechte erst recht nicht. gerechtigkeit ist so hoch, also da können nur hochgestellte mitreden. mächtige eben. denn gerechtigkeit kommt von gott. und der hat seine auserwählten hier auf erden. auserwählte statthalter, auserwählte völker, auserwählte märtyrer. in nahost kämpfen gerade märtyrer gegen das auserwählte volk. und umgekehrt. man könnte glauben, dass gott das auserwählte volk grad bevorzugt. na ja, vor nicht allzu langer zeit, hat er es ziemlich bluten lassen. ist also ausgleichende gerechtigkeit. geübt an heiligen kriegern und märtyrern. erlittene gerechtigkeit. ist auch geiselnahme mit im spiel. warum? na ja, die toten des auserwählten volkes, die sechs millionen aus der letzten runde im kampf um die gerechte sache, die sind jetzt die geiseln. geiseln unter der obhut des eigenen volks. was, das verstehen sie nicht? ist ganz einfach. jeder der heute das auserwählte volk in seinem kampf um die gerechte sache kritisiert, kriegt die opfer des holocaust vorgehalten. wer etwa sagt, bitte, liebes auserwähltes volk, gib deinem nachbar auch ein stück vom garten. na mehr braucht der nicht. der ist somit gleich anti. antisomit. ja, das geht schnell. und angesichts der sechs millionen ist der gleich still. denn, was lässt sich angesichts derer noch erwidern? also geiselhaft für 6 millionen tote durch das eigene volk. und so tote geiseln sind überhaupt praktisch. denn die brauchen keine verpflegung mehr. die können nicht fliehen. die können auch nix mehr sagen. sich wehren vielleicht. dagegen etwa. und vor allem können die nicht mehr sterben. also, da kann gar nix passieren. eine feine sache. eine gerechte sache. und eine todsichere sache. wie die gerechtigkeit.

    (c) johannes reichhart

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: recht, schlecht, gerecht

    Die Deutschen verloren für ihre (ungerechte?) Sache auch sechs Millionen Menschen, die Russen derer gar 20 Millionen. Woran mißt Du Gerechtigkeit, Till?

    Berühren sich hier (wichtigtuerische) Faselei und Satire?

    Das Leben ist zwar das einz'ge Gut des Schlechten, es ist aber nicht das höchste Gut (des Menschen, dem einzigen Wesen, das Güter besitzt). Welches ist das höchste Gut der Atheisten? Sie selber? Ihr hypertrophiertes Ego?

    Als Glosse geht das durch, für eine moralische Standpauke ist es zu unausgeglichen. Es müffelt arg nach Standpauke.

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: recht, schlecht, gerecht

    ich würde die 6 millionen juden, zunächst aller bürgerrechte beraubt, deportiert und schliesslich (überwiegend) vergast keinesfalls gleichsetzen mit gefallenen soldaten, partisanen, getöteten zivilisten auf beiden seiten; das hatte eine andere qualität, nur noch vergleichbar mit den toten sinti/roma, euthanasieopfern und dgl. ich messe gerechtigkeit sicher nicht an der zahl der opfer! und ob die deutsche sache gerecht war: das ist ja grad der punkt! jeder definiert sich seine gerechtigkeit, wie er's braucht. der mächtige sagt, was gerecht ist! das, unter anderem, wollte mein gefasel zum ausdruck bringen,

    gruss eule.

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: recht, schlecht, gerecht

    Lieber Till! Sehr interessantes Thema. Beschäftigt mich schon lange. Was ist gerecht? Was unterscheidet Gleichberechtigung von Gleichheit? Welche politischen Folgerungen ergeben sich aus einer bestimmbaren Begriffsverschiedenheit? Wie muß Erziehung beschaffen sein, um auf solcherlei einzugehen? Wie sensibel reagiert Geschichte, ja GESCHICHTE, wenn man sie befragt? Es geht um Bilder in unserem Hirn, um Evoziertes, Verdrängtes und Eingepflanztes.

    Ich glaube, daß Erziehung dahin führen muß, dem Menschen die Möglichkeit zu geben, sich selbst Gerechtigkeit definieren zu können. Ich glaube nicht, daß auch nur ein Bruchteil von dem stimmt, was uns Öffentlichkeit aus der Geschichte weiszumachen sucht. Wobei das STIMMEN eben eine sehr vage Sache ist. STIMMEN, einen Gleichklang erzeugen zwischen einem überpersönlichen ES, einem unpersönlichen MAN und einen sehr persönlichen ICH. Das DU lassen wir jetzt außen vor, obwohl es auch da Berührungspunkte gibt, politische.

    Der Tod kömmt zu jedem. Die in den KZs und an ähnlichen üblen Orten umgekommenen Juden starben sicherlich nicht weniger grauenvoll als die verhungernden deutschen Soldaten auf den Rheinwiesen (zirka eine Million im Sommer 45) oder die halbe Million deutsche Zivilisten in den Brandbomben der Alliierten oder die nach 1945 an Erschöpfung, Krankheiten u.ä. gestorbenen deutschen Kriegsgefangenen in Rußland und andernorts, auch mehr als eine Million. Tot ist tot. Gestorben wird immer, um es pressierlich zu sagen.
    Es gibt eine Episode aus diesem häßlichen Krieg, die erfunden sein kann, vielleicht erfinde ich sie gerade, weil sie meinem Weltbild entspricht. Ernst Jünger war in Paris stationiert. Bei einem Sonntagsspaziergang begegnete ihm einer der schon vor dem deutschen Einmarsch selten gewordenen französischen Juden. Er trug den gelben Davidsstern, wie die Juden ihn nach 1939 öffentlich tragen mußten. Jünger salutierte. Jünger salutierte der feindlichen Uniform - ein Soldat dem anderen.

  5. #5
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    Lightbulb AW: recht, schlecht, gerecht

    gerechtigkeit ist eben nichts für mächtige, sondern das gegenteil davon. gerechtigkeit ist ohne liebe nicht denkbar. insofern ist sie persönlich zu fassen. eine gerechtigkeit zwischen staaten kann es nicht geben. hier regiert das recht des stärkeren oder das eines gegenseitigen nutzens, regieren jedenfalls staatspolitische reglementarien auf der basis der vernunft oder des rechts, das wiederum oberbau der macht- und besitzverhältnisse ist, die wiederum ergebnis des menschenbildes sind.
    gerechtigkeit geht auf die bewirkung eines sozialen bzw. persönlichen gleichgewichts. erkaltet die liebe, ist keine gerechtigkeit mehr möglich.
    staaten, die auf egalität aus sind, können keine gerechtigkeit schaffen, nur gleichheit. kriege sind immer ungerecht, doch manchmal notwendig, meist jedoch nur schlimm, immer eine folge voriger ereignisse, im kausalnexus verortbar.
    wer gerecht handeln will, will den nächsten erreichen, sieht sich im fokus des nächsten, bewirkt liebe, intimität. denn zuvor muß er dem nächsten nahegekommen sein, sein handeln verstehen und seine motive erkennen. dann erst wird gerechtigkeit möglich sein. und das leben als solches erzieht zur ungerechtigkeit, denn es wird zwischen dem, was einer für sich als pflichten anerkenntz und dem, was er dafür für rechte in anspruch zu nhehmen geneigt ist, eine lücke klaffen. widersprücheverschärfungen, die im grunde ein ungerechtes handeln im nachhinein als notwendigen umweg erkennen lassen. es gibt das verzeihen, das das ungerechte kontextualisiert. eine liebe zu allem ist unmöglich. insofern ist gerechtigkeit nur individuell meßbar. und das gilt auch für die beziehung zwischen völkern. man kann verzeihen und sich neu aufstellen, das vergangene als notwendiges begreifen und das künftige als aufgabe. gerechtigkeit ist hier gleichberechtigung. aber sie ist keine gleichheit. das christliche diktum einer feindesliebe steht am anfang einer gerechten zukunft. aber das backehinhalten führt nur in die irre, denn es verschiebt die basis, ist als ideal tauglich, nicht aber nolens volens als rechtfertigbarer umgang mit denjenigen, die dir nach dem leben trachten.
    um es präziser zu sagen: die (fortdauernde) demutshaltung der deutschen für den holocaust führt zu keiner gerechtigkeit, sondern einer schieflage, einer Asymmetrie, die gerechtigkeit verhindert. das ist allerdings bei "unseren partnern" auch erwünscht, denn ein demütiger partner ist einer, dem leichter bedingungen diktiert werden können.
    auf das verhältnis des ich zum geschenk der geburt, auf die beziehung des einzelwesens, sich innerhalb der natur als nehmender beschenkt zu sehen: ursache zur verpflichtung! zu geben. anderen und den nächsten. verantwortung. aber keine huldigung der natur, keine dankesreden und bewahrungsattitüde. leicht gesagt, ich weiß.

  6. #6
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    AW: recht, schlecht, gerecht

    beginnen wir mit dem unterschied von gleichberechtigung und gleichheit.
    die menschen sind ungleich. gegenüber der macht - so ein gewisser unbedeutender kultureller und zivilisatorischer fortschritt - seien sie aber als ihr gleichermaßen unterworfene auch als gleichberechtigte anzusehen.
    die genealogie der macht auszuführen, wäre hier zu umfangreich. ich setze sie mal als strukturelle gegebenheit. mit dem erscheinen dieser tritt auch das recht auf - eine krücke einer machtkranken struktur, um auch das kurz zusammenzufassen.
    da macht und recht in kombination auftreten, ihr gegenüber die rechts- und machtunterworfenen, so stellt sich die verteilungsfrage nach rechten, kann man in deinem schulbuch gut nachlesen. friede erhält sich dort, und damit die macht und das recht, die beide friedensstiftende krücken sind, wo die unterworfenen gleichen zugang zum recht haben, gleiche sachverhalte mit gleichen rechtsfolgen verläßlich werden und über die zuteilung gleicher rechte in gleichen sachverhalten eine rechtssicherheit bestehen kann.
    gleichberechtigung sagt also nur etwas über die friedenssicherung der zweckmäßigkeit und sicherheit. nichts über die gerechtigkeit. und insbesondere nichts über die gleichheit.

    das konstrukt einer gleichheit aller menschenbrüder gründet sich bei aller verschiedenheit, die nicht dadurch geleugnet wird, auf ein postulat zu leben: arbeit, nahrung, wohnung, pers?nliche entwicklung, gedankenfreiheit. weil er da ist, soll jeder mensch auf seine weise aber in gleicher weise zu dem werden können, was in ihm an verschiedenheit vom anderen ist. weil gott ihn gewollt hat, weil der mensch im zentrum steht, weil alle im gleichen globusboot sitzen - so ungefähr der verlauf der geschichtlichen begründungen des pro-biotischen.

    die gerechtigkeit, die eule skizziert, ist einerseits völlig abstraktes vehikel politischen terrains oder aber gedankenkonstrukt des selbst.
    in ihrem unmißbrauchten zustand ist sie eine empörung des unbeteiligten über den aufschrei einer seele eines anderen. das setzt allerdings voraus, daß der unbeteiligte einen sinn für außerich hat. daß er sein eigenes versagen empfinden kann, wo ungerechtigkeit geschieht, daraus einen impuls empfängt, der selbstlos ist.

    hier beginnen aber die grenzziehungen der selbstlosigkeit: nur das geliebte du, das gruppendu, das globale du, das großgeschriebene Du.
    an jeder dieser denkbaren möglichen grenzen kippt das empfinden gerecht/ungerecht in sein gegenteil. deshalb ist konsens über gerechtigkeit global so schwer zu erreichen. an der perspektivenschulung steht und fällt dieser begriff. das globale bedürfte der aliens, der außerglobalen, um einen menschengemäßen gerechtigkeitsbegriff zum konsens zu bringen.

  7. #7
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: recht, schlecht, gerecht

    gleich-be-recht-ti-gung...das steckt das recht schon im namen -und das ist von menschen gemacht....es ist kein naturgesetz. die natur kennt nur das recht des stärkeren. die gleichberechtigung widersetzt sich diesem naturgesetz. ratio vs naturare. kennt man von manchen tierarten, z.b. von vögeln, dass der nachwuchs mit den geringsten chancen aus dem nest verstossen...oder gar getötet wird. dadurch erhöht sich die chance des stärkeren zu überleben. die erhaltung der art ist der oberste befehl der natur - alle anderen befehle haben sich ihm unterzuordnen.

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