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Thema: Depression

  1. #1
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    Post Depression

    Depression

    wie wenn ein Stein
    durchs geschlossene Fenster,
    so zersplitterte ihm
    das Lächeln
    im Gesicht,
    Nacht wurd's
    in seinem Gemüt, nur
    Ratten hetzten noch
    lechzend durch
    feuchtmodrige Gänge -
    gierig sogen seine Lippen
    den Qualm in seine
    Lungen
    Flügel,
    die keinen Engel
    mehr trugen... -
    ewig flimmerte bereits
    das Testbild,
    von fern drangen Stimmen,
    die ihn nie ganz erreichten,
    das Flüstern des Windes nur -
    oh, dieser Schmerz,
    sein Herz
    in Krämpfen windend, wie
    ein Fisch am Haken,
    im Hafen,
    Endstation
    Nr. 7B -
    es war an der Zeit,
    Zeit, die Dosis zu erhöhen...

  2. #2
    Kurzvormabschussiger
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    0

    Post AW: Depression

    Hallo Paul, mmh, die Qual kommt rüber! Manches gefällt mir ausgesprochen gut! Die ersten zwei Zeilen - stark! Ratten hetzten ..., Flügel im Doppelbezug, dazu der "verlorene" Engel, die Anbindung des "ewig" dazu, Testbild. Aber manches ist mir ein bisschen banal formuliert oder zu dick und abgegriffen und (unfreiwillig? absichtliche Ironie?) komisch. Banal z. B. das "flimmernde" Testbild; dick z. B.: hetzen lechzend durch feuchtmodrig ... / gierig sogen. In Krämpfen windend wie ein Fisch am Haken, hoffentlich hört mich kein Tierschützer, finde ich in diesem Zusammenhang nur komisch.
    Ich würde ein bisschen straffen ... Darf man jetzt hier Vorschläge reinstellen? Oder frisst mich der Dichter bei lebendigem Leibe auf? Tjaaa, ich wag mal einen Versuch ... Es hat mich nämlich sehr gereizt, weil es anspricht, das Gedicht, "hineinzugreifen" ... zu verändern - und dann noch mal zu straffen. Paul, ist das jetzt ok? Oder möchtest Du nur Kommentar "von außen"?
    Tux

    Depression
    Wie wenn ein Stein
    durchs geschlossene Fenster,
    zersplittert
    das Lächeln.
    Nacht blieb. Und Ratten
    hetzten vorbei.
    Zug um Zug
    gegen den Moder
    in seinen Lungen,
    Flügel des Engels,
    wo war er?
    Ewig das Testbild
    und fernab Stimmen,
    Flüstern - nur der Wind
    ist nah.
    Oh, dieser Schmerz,
    sein Herz in Krämpfen.
    Ende? Station 7B -
    man muss die Dosis
    erhöhen...


    Depression

    Wie wenn ein Stein
    durchs geschlossene Fenster,
    zersplitterte er.
    Nacht blieb. Und Ratten
    hetzten vorbei. Moder
    in seinen Lungen,
    Flügel am Boden,
    gab es Engel?
    Ewig schon
    das Testbild,
    keine Stimme, die
    an ihn heranreicht,
    kaum der Wind.
    Dieser Schmerz!
    Ohne Ende? Station 7,
    man muss die
    Dosis erhöhen...

  3. #3
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    AW: Depression

    logisch, darf man, soll man, rein(be-)greifen... -
    freut mich!
    aber, ohen überheblich klingen zu wollen, behagt mir meine erste fassung bis jetzt besser - schätze an beiden müßte gefeilt werden, deckel drauf, gut durchgeschüttelt... -
    fakten:
    - daß das Lächeln im gesicht zersplittert, würde ich gerne lassen.
    - Nacht blieb, gefällt mir sehr gut, besser als Nacht wurd's.
    - nur Ratten behagt mir mehr als Und Ratten.
    - in den Lungen vielleicht Teer, kein Moder, Moder in den G?ngen, in den Gehirngängen... .
    - vielleicht sollte ich das ganze in den Präsens schmeißen, das machte das ganze Desaster, naher, näher... .
    - Haken, Hafen, Endstation, so bin ich eben, immer schön dick auftragen, immer aus dem Vollen... - im Hafen ist Endstation, Krankenstation, das würde ich auch gerne lassen - gut, das Herz am Haken ist vielleicht zu "barock"... - ich liebe Kitsch!
    - summa summarum:
    Danke für die Aufmerksamkeit, überzeugt hast mich noch nicht - aber ich bleibe offen und gespannt!

  4. #4
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Depression

    Hi Paul! Präsens fänd' ich klasse! Passend!, um dem Leser näher zu rücken! - Und: überzeugt?? - Ist doch jeder sein eigener Autor! Sollten Anregungen sein, aus der Sicht des Lesers/Ander-Autors ... Und am vorhandenen Text wegnehmen oder ergänzen und arbeiten ist immer zehnmal leichter, als jedes einzeln erklären ... Hat mich angeregt, manches Bild könnte ich mir gut und gern "ausleihen" wollen ... tja, Pech, ist nun schon vergeben! - Und ich kenn mich ja hier noch nicht so aus und nur zwei, drei Deiner Gedichte, wenn Barock "Deins" ist, ok, dann will ich Dir das nicht nehmen ...
    Tux

  5. #5
    Mitgestalter
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    AW: Depression

    tja, dann schau dich mal um... -
    dieser freundlich-wohlwollende ton, daran muß ich mich auch erst mal wieder dran gewöhnen...
    ruckzuck landest du im sandkasten und sollst spielen... - also sei gewarnt und wetz die messer, auf dem schlachtfeld der worte gehts zuweilen zur sache, daß es nur so spritzt... - das allerdings vereinfacht die sache ungemein.
    wohlan, genosse!

  6. #6
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    AW: Depression

    Ich denke, also bin ich noch: In Östereich gibt es ein Hintertux, ob Jener wohl mit ihm verwandt?
    Die Leute sind dort sehr freundlich, 2000 Meter über Meeresspiegel von oben herab. St. Pauli harkt auf Meereshöhe, das sollte mir weiterhin zu denken geben.

  7. #7
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Depression

    Du meine güte - dieselbe schreckliche erste Zeile nochmals ... mehrmals ... sorry, daß ich erst jetzt hierauf stoße ...

    Es kostet wirklich fast übermenschliche Anstrengung um nach dieser schrecklichen ersten Zeile dennoch weiterzulesen.

    Die zweite Variation von Tux gefällt mir bisher am besten. Bei Tux gibt es wenigstens keinen Engel - nur das Testbild ... stört noch immer ... und diese schreckliche erste Zeile ...

  8. #8
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Depression

    ein sich hetzender text ohne höhepunkt, ohne verve; nur ein stück abgerißnes papier

    weiter!

  9. #9
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    Post AW: Depression

    hm, ich fühle mich an einen alten text erinnert:

    weiter Weg

    weiter,
    ich gehe weiter,
    weiter, weiter -

    die Blume der Nacht,
    die Blüte der Vollendung,
    das immerwährende Lied -

    weiter,
    ich gehe weiter,
    weiter weiter -

    das Blut der Gefährten,
    der Schmerz der Entleibten,
    die Wollust Entrückter -

    weiter,
    ich gehe weiter,
    weiter, weiter -

    die Schreie der Geister,
    das Wimmern des Windes,
    der Wahnsinn Erleuchteter -

    weiter,
    ich gehe weiter,
    weiter, weiter -

    die Wahrheit Bekennender,
    die Ahnung Bestimmter,
    das Licht der Geblendeten -

    weiter,
    ich gehe weiter,
    weiter, weiter -

    der Schönheit Verzückung,
    des Leidens Last,
    der Sehnsucht Verlangen -

    weiter,
    ich gehe weiter,
    weiter, weiter -

    der Gluten Rausch,
    des Teufels Versuchung,
    des Lebens Wasser -

    weiter,
    ich schwimme weiter,
    weiter, weiter Weg!

  10. #10
    resurrector
    Status: ungeklärt

    AW: Depression

    Paul ist in den ersten Jahren seiner Zeit im Wolkenstein oft angefeindet worden. Er ließ sich nie entmutigen. Steherqualität, die ich schätze, woraus sich irgendwann auch produktive Achtung entwickelt und der Wunsch, diese Qulität zu nutzen. Am Ende entstanden zwei Bücher, deren eines ich demnächst wieder auflegen werde.
    Die meisten der hier Aufschlagenden wollen für ihr Ahah gelobt werden und schnappen ein, werden zuweilen sogar zickig und bösartig, wenn man ihr Werkchen kritisiert. Hinfort, sage ich, ab in den Donnerdrummel!

    Bei "Depression" handelt es sich um einen zwar sensiblen Text, der aber wenig lyrizid ist, zu nah ist das lyrische Ich hier an dem, was es doch beschreiben möchte. "Weiter Weg" dagegen besitzt eine gute Dynamik.

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