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Thema: Beispiel für die Erlebensweise eines Kindes

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Post Beispiel für die Erlebensweise eines Kindes

    soll ein Beispiel sein für Tux
    ist sicher nicht nur in Lektorenaugen 100 pro
    _______________________________

    Milch holen

    Ich schiebe meine Wangen im Gesicht herum. „Was soll ich tun Mutti?“

    Mutti in ihrer bunten Kittelschürze steht am Abwaschtisch und spült das Geschirr. Gerade dreht sie mit einem Fahrtuch den Rand einer großen Emailleschüssel vom Schaum frei und stellt sie in das andere Becken des Tisches.
    „Musch, du könntest zu Timm gehen und Milch holen.“

    Musch, das bin ich. Die Kleine da auf der Fußbank, die ihre Wangen durch das Gesicht schiebt. Ich habe nämlich Langeweile und schaue Mutti zu, wie sie abwäscht.
    „Du weißt doch, Milchmann Timm?“
    Ja, ich weiß wo Milchmann Timm wohnt und auch, wie ich dahin komme.
    Mutti baumelt das Geschirrtuch an den Paradehalter und reicht mir das Netz mit den leeren Flaschen. Sie wickelt die Münzen in ein Papier, auf das sie noch schnell etwas schreibt.
    „So, dies Päckchen gibst du Frau Timm und lässt dir zwei Liter Milch dafür geben.“
    Mutti hilft mir noch in die braune Strickjacke die zu meinem Röckchen mit den gelben Elefanten passt. Und schon marschiere ich singend los.

    Man braucht nur unsere Straße geradeaus zu gehen und da hinten bei der großen Tanne abbiegen. Da wohnt Olaf, aber der kann noch nicht auf der Straße spielen. Olaf ist gerade ein Baby. Das finde ich süß und macht mich neugierig, weil wir bald auch ein Baby haben.
    Aber zuerst muss ich noch den langen Geradeausweg gehen, den mit dem gelben Fußboden, so gelb wie die Asche im Ofen immer ist, wenn man sie im Winter ausgestreut hat.
    An einigen Stellen ist die Straße voller Löcher und ausgetreten und nun sind Pfützen darin. Ich springe über eine Pfütze hinweg. Das Netz mit den Flaschen schwingt klirrend zwischen meine springenden Beine. Das ist gerade noch einmal gut gegangen. Ich wickle das Netz kürzer, damit die Flaschen nicht auf den Boden streichen. Das schlurft immer so, als wäre da jemand hinter mir und ich muss mich dann zu oft umgucken. Es soll nämlich hier den schwarzen Mann geben. Vor dem muss ich mich in Acht nehmen sagt Mutti. Der schnackt kleine Kinder mit und tut ihnen Böses.

    Jetzt, da wo die Holunderbüsche sind, da wohnt im dichten Grün der Kohlenmann. Bei dem kaufen wir aber nie. Der Kohlenmann hat eine bunte Blumenwiese, doch Ernie, das Schaf ist heute nicht da. Schade, das ist immer so kuschelig und kommt auch an den Zaun. Bertha und Kunigunde, die Schafe unserer Nachbarn, die stehen immer woanders auf der Heide. Weil, die werden mit einem Stab und einer Kette festgehalten. Na, das ist eine andere Geschichte. Ich soll ja Milch holen gehen und keine Schafe.

    Ich könnte ja auf dem Trampelweg vorbeigehen und mal gucken, aber ich bin mit Mutti dort noch nie entlang gegangen. So gehe ich weiter geradeaus. Die Stämme von den vielen Tannen mit den grünen Hauben, die sind sowieso so düster, ne, ich mag eigentlich auch nicht.
    Bei Olaf an der Ecke recke ich meinen Kopf in die Hecke. Heute flattern Windeln an der Leine, aber sonst ist keiner da. Wieder umfasse ich mein Netz fester, weil die Flaschen doch ganz schön hin- und herwippen und Klirren, während ich mir die Gegend anschaue.

    Den Rest des Weges singe ich, sonst ist‘s mir zu langweilig, denn der König-Heinrich-Weg ist eine richtige Straße mit Asphalt und da stehen keine Häuser am Straßenrand. Und, daß hier ein König wohnt, denke ich auch nicht. Und zum Fischmann will ich heute ja nicht. Eigentlich ist es eine Fischfrau, denn ihr Mann, der geht mit seinem weißen Stock immer zum Bus zur Arbeit. Aber auch ihn kann ich heute nicht sehen. Was ist der Tag aber auch langweilig. Ich würde dem Fischmann gerne mal in die Augen sehen, denn er soll blind sein.

    Endlich, ich sehe das Straßenschild mit dem ellenlangen Namen: Langobardenweg. Ich weiß das. Dieser Weg heißt so, aber Lesen kann ich das Straßenschild noch nicht. Direkt neben dem Eckhaus, das Haus mit dem spitzen Giebel, das ist Milchmann Timm.

    Heute steht kein Auto mit Karamellbonbons auf dem Vorplatz. Die duften immer so gut nach Vanille. Fünf Stück, gepackt wie ein Turm, die kosten einen Groschen. Ich muss mich mächtig anstrengen, um die hohen Zementstufen zum Laden zu erreichen.

    Schon bei der letzten Stufe angekommen, sehe ich ganz viele Schuhe, viele Mäntel und Jacken im Laden und noch mehr Beine. Beine mit kräftigen Waden und durchsichtigen Strümpfen und einer dunklen Naht. Einige Mäntel sind ganz filzig und haben weiße Haare. Schnauf, ich bin da und dränge mich zwischen die Mäntel und Beine nach hinten durch, denn da kann ich Frau Timm sehen. Und wen ich sehe, der kann mich auch sehen.

    über mir höre ich sie reden: „Ja, Frau Schulz ist wieder obenauf, aber nun stellen Sie sich nur vor, jetzt liegt der Mann im Krankenhaus. Unfall, im Hafen.“ „Ach nee“, höre ich die erstaunte Stimme von Frau Timm heraus, „was Sie nich sagen. Wasn da passiert?“

    Ich drängle mich gleich nach hinten durch, bis zur niedrigen Wackeltür. Der Boden im Laden ist schwarz und hat lauter weiße Sprenkel. Die Sohlen der vielen Schuhe scharren schlurfend über den glatten Boden.
    Wieder höre ich die Stimme von Frau Timm: „Oh, darf‘s noch ein büschen mehr sein?“ Ich höre auch Muttis Schimpfe in mir: Ein büschen, immer ein büschen , und dann hat man sein ganzes Geld wech! Sagt Mutti immer.

    Nun sehe ich Frau Timm wie sie mit dem Holzmesser in den Butterblock auf Pergamentpapier sticht, der schon ganz zermaust aussieht. Meine Nasenflügel beben, hm Tilsiterduft zieht in meine Nase. Sehen kann ich keinen Käse, alles voller dicker Mäntel. Und der Käse liegt auf den Marmorplatten hinter der kleinen Scheibe. Und der duftet.

    Sonst gibt es hier nur ganz viele hellgelbe Fliesen, einfache dunkle Regale an den Wänden und eine Wackeltür. Da stehe ich, damit man mich sieht mittenmang der vielen Mäntel und den schwatzenden Frauen.
    Von hier kann ich gut sehen, wie die Aluminiumkannen auf dem Bock da so dick und groß stehen und wie die andere Frau von Frau Timm, die Antje eine Schöpfkelle mit einer Tölle nimmt und die Flaschen abfüllt. Nun ist die Flasche nicht mehr durchsichtig, sondern mit vanillegelber Milch gefällt. Alles ist blitzeblank. Mit einem Tuch wischt Antje die herablaufenden Tropfen nach. Dann nimmt sie die Flasche und hält sie unter so einen Hebelautomaten und drückt ihr den Aluminiumdeckel drauf. Das ist ganz modern. Letzte Woche hatten wir noch Pappdeckel auf den Flaschen und als ich das erste Mal Milch holen gegangen bin, benutzten wir eine Milchkanne aus Aluminium mit Deckel. Die war leichter als die Flaschen und wenn sie voll war, konnte man sie ganz wunderbar mit herumschwenken, wenn ich mich drehte. Die zog mich immer weiter aus dem Kreis und nicht einen Tropfen Milch habe ich verschüttet.

    Warum wollen nur so viele Milch kaufen? Ich mag eigentlich keine Milch, nur Schokoladenpudding ohne diese eklige Haut.
    Inzwischen fragt niemand mehr: Darf es noch etwas mehr sein, und niemand fragt, wie viel denn schon auf der Anschreibliste steht und ob man nicht nächste Woche, ja, am Dienstag ganz bestimmt zahlen dürfe. Das Scharren der Schuhsohlen ist auch verschwunden und es ist ganz still im Laden.

    „Na mien Deern, wat wullst du den haben?“ sickert eine Stimme zu mir durch. Nun sind keine dicken Mäntel mehr da und ich sehe Frau Timm mit ihren roten Wangen, das kringelnde Haar unter ihrer Haube und die weiße Schürze, wie sie mich mit aufmunternden Augen anschaut.
    Sind die Streifen der Bluse nun blau, ich kann darüber nicht mehr nachdenken. „Zwei Liter Milch möchte ich einholen.“ Gott sei Dank, Mutti hat mir Geld mitgegeben, welches ich eifrig Frau Timm entgegenstrecke.
    Zwischen all den Mänteln in der Schlange bin ich bis zu dem Glas, hinter dem der Käse liegt, scharrend über den Boden mitgeschoben worden und muss nun zurück zur niedrigen Klapptür. Es ist ganz hell geworden im Laden. Komisch. Auch meine Einliterflaschen werden von der Kelle mit Milch abgefüllt und mit Aluminiumdeckel verschlossen. Frau Timm stellt mir die Milchflaschen auch wieder in mein Netz, reicht mir dazu einen Kirschlolli und sagt dazu: „Clara, das Geld reicht nicht, hier steht noch was angeschrieben, bitte richte das deiner Mutter aus.“ Mir wird es sehr warm im Gesicht und ich schiebe schnell den Kirschlolli mit dem grünen Stiel in meinen Mund. „Ja, ja, ich richte es aus“, sage ich. Schnell weg hier.

    Das Warten war eh so lang, dass ich ausgiebig die Borde mit den rot-weißen Dosen gemustert hatte. Glücksklee ist das. Das weiß ich auswendig. Jeden Morgen bekomme ich meine Tasse voll heißes Wasser mit Dosenmilch, Glücksklee. Ich mag keine frische Milch und ich kann noch nicht lesen. Auf den Regalen stehen auch Kühe, aus Pappe, die sind rot-weiß kariert. Ich hätte ja viel lieber die kleine hellblaue Dose mit dem lieb und drollig guckendem Bären in mein Wasser geschüttet, aber Mutti sagte immer, die seien zu teuer und die Dose sei viel zu klein.

    Auf dem Rückweg sind die Flaschen sehr schwer und immer wieder schlunzt das Baumwollnetz am Boden. Bei der Pfütze passiert es. Es rutscht mir eine Flasche auf den Boden und zerspringt. Das Netz hat schon wieder ein Loch bekommen. Flink greife ich, um die zweite Flasche zu retten, doch leider drücke ich dabei den Aluminiumdeckel ein und schütte die ganze Milch über mich. Heul, alle Anstrengung umsonst. Alles klebt an mir. Die Milchspur rinnt von der aschegelben Straße in eine Pfütze. Das Singen ist mir vergangen. So eine Meierei.

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  2. #2
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    AW: Beispiel für die Erlebensweise eines Kindes

    Milchmädchen!

    Ich hasse Muttertag! Wann endlich kömmt Pfingsten, Fescht der Erleuchtung?

    Musch hasse ich nicht, hoffentlich hat sie sie bewahrt, und Milchmädchen, dickflüssig gelbe, kondensierte Sahnezuckercreme, war der Traum meiner Kindheit.

    Ehrlich, und diese Meinung wurde von mir genüßlich geschleckt.

  3. #3
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Beispiel für die Erlebensweise eines Kindes

    ich fürchte, du interpolierst hier. wahrnehmungen eines erwachsenen, die in die augen eines kindes gesetzt werden. dazu ein wenig bescheidene infantilität und klischeebeladene metaphern.

    aber über das sehen eines kindes würd' ich mich schon gern unterhalten, so aus pädagogischem interesse.

  4. #4
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Beispiel für die Erlebensweise eines Kindes

    Hallo Robert,
    interpolieren - musste ich erst einmal Lexika wälzen
    Meinst du damit, dass ich nachträglich Sätze dazwischen geschoben habe, die nicht der Aufmerksamkeit des Kindes entsprechen?
    1.) Kinder brabbeln sehr viel nach und erstaunlicherweise kenne ich auch Vorfälle, wo das Nachgeschwatze genau richtig eingesetzt wird. Mag sein, dass es im Text nicht deutlich genug geworden ist, dass es die übernommenen Dinge der Erwachsenen sind.
    Dann bitte ich um Vorschlag.
    Oder meinst du diesen Satz
    **Musch, das bin ich. Die Kleine da auf der Fu?bank, die ihre Wangen durch das Gesicht schiebt. ** Der ist schon ein wenig schräge, weil ich - form , das Kind sich kaum selbst reflektiert.

    **Mutti hilft mir noch in die braune Strickjacke die zu meinem Röckchen mit den gelben Elefanten passt. Und schon marschiere ich singend los. **
    Hier fällt mir auf, wie ich es anders schreiben könnte, z.B. so
    Mutter hilft ihr noch in die braune Strickjacke die zu dem Röckchen mit den gelben Elefanten passt. Und schon marschiert klein Musch singend los.

    Könnte ich denn so etwas wie einen externen Erzähler dazwischenschieben? Wie Beispiel vor?
    Seufz, mir fallen nun noch mehr solcher Stellen auf.
    Bitte um eine Idee, wie das zu lösen wäre, ohne, daß das Kind zu kurz kommt und kein ICH mehr vorkommt.
    Wenn es tatsächlich erzählen würde, z.B. jemandem, den es trifft, käme der Gedanke mit dem langen Geradeausweg in Frage. Als Kind hat man sich sicher nicht vorgebetet, wie man zu gehen hat.
    Wie kann ich in dieser Geschichte den Allwissenden einflechten, ohne die inneren Gedanken des Kindes zu stören?

    2) klischeebehaftete Metaphern
    grübel sehr laut, wo siehst Du die?
    Es ist eine Geschichte aus den 50ern, wir wurden möglicherweise klischeehaft erzogen, z.B. mit dem schwarzen Mann- Und auch Lollis waren eine Rarität.

    wieder so eine inflationäre Umschreibungsgeschichte
    habe mal nur den ersten Teil umgeschrieben, weil mir die inneren Dialoge des Kindes nicht so recht passten, nach Roberts Kritik fiel der Groschen.

    ____________

    Milch holen A1, (weil innerer Dialog des Kindes zu erwachsen ist)

    Sie schiebt ihre Wangen im Gesicht herum. „Was soll ich tun Mutti?“
    Mutter in ihrer bunten Kittelschürze steht am Abwaschtisch und spült das Geschirr. Gerade dreht sie mit einem Fahrtuch den Rand einer großen Emailleschüssel vom Schaum frei und stellt sie in das andere Becken des Tisches.
    „Musch, du könntest zu Timm gehen und Milch holen.“
    Musch, das ist die Kleine da auf der Fußbank, die ihre Wangen durch das Gesicht schiebt. Sie hat nämlich Langeweile und schaut zu, wie Mutter das Geschirr abwäscht.
    „Du weißt doch, Milchmann Timm?“
    „Ja, ich weiß wo Milchmann Timm wohnt und auch, wie ich dahin komme.“
    Mutter baumelt das Geschirrtuch an den Paradehalter und reicht ihr das Netz mit den leeren Flaschen. Sie wickelt die Münzen in ein Papier, auf das sie noch schnell etwas schreibt.
    „So, dies Päckchen gibst du Frau Timm und lässt dir zwei Liter Milch dafür geben.“
    Die Mutter hilft ihr noch in die braune Strickjacke die zum Rock mit den gelben Elefanten passt und schon marschiere die Kleine singend los.

    Man braucht nur die Straße geradeaus zu gehen und da hinten bei der großen Tanne abbiegen. Da wohnt Olaf, aber der kann noch nicht auf der Straße spielen. Olaf ist gerade ein Baby. Das findet klein Musch süß und macht sie neugierig, weil sie bald auch ein Baby haben werden.
    Zunächst muss sie den langen Geradeausweg gehen, den mit dem gelben Fußboden, so gelb wie die Asche im Ofen immer ist, wenn man sie im Winter ausgestreut hat.
    An einigen Stellen ist die Straße voller Löcher und ausgetreten und nun sind Pfützen darin. Klein Musch springt über eine Pfütze hinweg. Das Netz mit den Flaschen schwingt klirrend zwischen ihre springenden Beine. Das ist gerade noch einmal gut gegangen. Sie wickelt das Netz kürzer, damit die Flaschen nicht auf den Boden streichen. Das schlurft. Klein Musch schaut häufiger nach hinten, als wäre da jemand hinter ihr her. Klein Musch wurde wie alle Kinder in diesem Ort vor dem schwarzen Mann gemahnt. Auch darf sie nichts von Fremden annehmen und klein Musch ängstigte sich vor dem schwarzen Mann, der hinter jeder dunklen Hecke stehen konnte.. Der schnackt kleine Kinder mit und tut ihnen Böses sagte Mutter ihr.
    Jetzt, da wo die Holunderbüsche sind, da wohnt im dichten Grün der Kohlenmann. Bei dem kauften sie aber nie. Der Kohlenmann hat eine bunte Blumenwiese.Ernie, das Schaf ist heute nicht da und die Kleine ist enttäuscht, weil sie ihn heute nicht streicheln kann und marschiert weiter. Bertha und Kunigunde, die Schafe mit den schwarzen Nasen stehen immer auf der Heide und sind mit einem Stab und einer Kette angebunden. Da war die Kleine schon oft ganz nah herangetreten und hat ihre Hände in das von Heide und anderen Gräsern durchzogene Fell eingegraben.
    Gerade schwenkt sie auf den Trampelpfad ein, geht dann aber doch wieder zurück zur Straße. Sie war mit Mutter dort noch nie entlanggegangen und auch die Stämme von den vielen Tannen mit den grünen Hauben, die sind ihr sowieso so düster.
    Bei Olaf an der Ecke reckt sie ihren Kopf in die Hecke. Heute flattern Windeln an der Leine, aber sonst ist niemand zu sehen oder zu hören. Wieder umfasst sie ihr Netz fester. Die Flaschen wippen doch ganz schön hin und her, klirren, während sie sich die Gegend anschaut.



    Wäre nett wenn ich auf meine Fragen Hinweise bekäme.
    Gruß sl

  5. #5
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    AW: Beispiel für die Erlebensweise eines Kindes

    version 1 war besser, weil viel lebendiger! und dass ein kind klischeehaft denkt, das sollte ihm nicht mal robert verdenken!

    gruss eule.

  6. #6
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Beispiel für die Erlebensweise eines Kindes

    wie wahr, lieber Till!
    und hier zeigt es sich wieder einmal, wie überflüssig doch die arbeit eines lektoren ist

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Beispiel für die Erlebensweise eines Kindes

    wie wahr, lieber Till!
    und hier zeigt es sich wieder einmal, wie überflüssig doch die arbeit eines lektoren ist
    verstehe ich nicht!
    und denke ich auch nicht.

    eule, ja, die ich - form ist lebendiger
    Aber sagt mal an, bevor ich noch mehr verwurschtele ...
    WIE in Gottes Namen, wenn Erstversion nicht in Ordnung ist.

  8. #8
    reimeundsinn
    Status: ungeklärt

    AW: Beispiel für die Erlebensweise eines Kindes

    hallo, schreiblaune.
    darf ich fragen, ob der text aus eigener erfahrung entstanden ist?
    ich habe auch ganz stark das gefühl, dass sich hier ein erwachsener gedanken macht über ein kind.

    1.) z.b. so wie ich mich an meine kindheit erinnere: wenn mir langweilig war und mir hätte jemand vorgeschlagen milch kaufen zu gehen, wäre ich tötlich enttäuscht gewesen.
    man offenbart ja nicht, sein innerstes gefühl, um prompt eine unangenehme pflicht zu erfüllen. etwas anderes wäre es natürlich, mutti hätte einem mehr geld mitgegeben, damit man sich noch was aussuchen kann... das ist natürlich dann eine gute idee...usw.

    2.) wortschatz und art der beschreibung:

    "Nun sehe ich Frau Timm wie sie mit dem Holzmesser in den Butterblock auf Pergamentpapier sticht, der schon ganz zermaust aussieht. Meine Nasenflügel beben, hm Tilsiterduft zieht in meine Nase. Sehen kann ich keinen Käse, alles voller dicker Mäntel. Und der Käse liegt auf den Marmorplatten hinter der kleinen Scheibe."

    das ist 100% ein erwachsener. so viele nomen...wie langweilig (für ein kind, meine ich!)
    kinder denken anders über sprache nach, scheint mir.
    "nasenflügel...was ist den das? können nasen fliegen?....naja, aber man sagt ja auch, dass nasen laufen...nasenfüße"
    vielleicht denken kinder in dieser art. das sind nur mal rasche ideen von mir. aber ich glaube kaum, dass ein kind von sich aus sagt, dass "nasenflügel beben".

    oder. "ich schiebe die wangen in meinem gesicht herum." die formulierung finde ich sehr schön, aber es ist ein erwachsener, der ein kind süß findet. ein kind findet sich nicht süß, sondern nimmt sich sehr ernst.

    entweder, man versucht wirklich aus kinderperspektive zu schreiben: dann ist es immer experimenteller stil.
    (z.b. j. joyce "portrait")
    oder man erinnert sich als erwachsener zurück, mit erwachsenenwortschatz und satzbau aber kindlichem inhalt. dann klingt es oft humoristisch.

    ich selbst wage mich an die erlebnisweise eines kindes noch nicht heran, weil ich mich daran erinnere, dass ich als kind dachte, dass die erwachsenen die kindheit idealisieren und sich nicht richtig zurückerinnern. ich fühlte mich als kind als sehr ernstes und ernstzunehmendes wesen und fühlte durchaus sehr negative dinge, die ich heute auch noch fühle.
    heute aber, idealisiere ich selbst. und erinnere mich nicht mehr so gut.
    aber der vorsatz das zu beschreiben ist eine sehr spannende herausforderung und ich möchte mich auch einmal daranmachen.
    kennst du: portrait of the artist as a young man? das ist ein sehr gutes beispiel für wie es klappen kann.
    auch: die gerettete zunge von elias canetti.
    es gibt noch andere beispiele.
    viel glück!


    so. ich fand den text aber trotzdem gut lesbar. schönen gruß.

    ariadna

  9. #9
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Beispiel für die Erlebensweise eines Kindes

    Ich halte es für bedenklich, als Erwachsener in die Erlebniswelt eines Kindes zu schauen. Zwar GLAUBT ein jeder, sich an diese Zeit zurückerinnern zu können, aber der Schalter im Kopf, der da reflektiert, ist nun einmal da. Selbst ein aufgeschnapptes Beispiel hat so viel von Besserwissen, daß mir ganz übel wird, wenn ich da nur dran denke, wie das literarisch zu verpacken sei.

    Andererseits ist es Aufgabe des Erwachsenen, nein, eine schöne Pflicht, seine Kinder nach dem eigenen Vorbild zu erziehen. Das allerdings wird nur dann sinnvoll, wenn das Kind selbst verstanden wird, seine wie auch immer entstandenen Eigenheiten berücksichtigt werden. Dazu ist es notwendig, das Kind selbst zu entschlüsseln, seine Hieroglyphistik zu verstehen. Ich halte es hier ganz als Dichter, ich sammle alle Zeichen, Botschaften und Gem?tsregungen begierig auf, zumal sie mir Auskunft auch über mich selbst geben. Ich bin mein Kind, ich bin das Kind. An den umgekehrten Weg glaube ich nicht, daß sich also ein Erwachsener in die Erlebniswelt eines Kindes einfühlen kann. Das ist vorbei, wenngleich jeder Erwachsene selbst Kind genug ist, wie ein Kind zu handeln, aber das ist nicht das gleiche.
    Ich halte gar nichts davon, das Kind sich selbst zu überlassen und es nur behutsam an die gesellschaftlichen Regeln zu gewöhnen oder sie zu lehren, dann aber es der "Freiheit" des Zöglings zu überlassen, diese anzuerkennen oder gegebenenfalls nicht. Von einer diesbezüglichen Gleichberechtigung bzw. Mitbestimmung halte ich auch nichts, wohl aber halte ich sehr viel davon, Kindern Freiräume zu geben, in denen sie ganz so sein dürfen, wie sie das eben für richtig halten. Wir Menschen leben in vielen Welten während unseres Lebens. Tun wir doch nicht so, als ob wir immer und zugleich in jeder existieren könnten.

    Als Erwachsener dann die Erinnerung zu bemühen, halte ich dagegen für durchaus sinnvoll. Elias Canetti wurde hier schon genannt. Der hat das gut gemacht.

  10. #10
    kls
    Status: ungeklärt

    AW: Beispiel für die Erlebensweise eines Kindes

    ...und vor allen Dingen ändert sich die Welt so schnell, dass Werte verschoben werden. Wir konditionieren unsere Brut auf eine Welt, eine Kultur, von der wir nicht wissen, wie sie aussehen wird, die es noch nicht gibt, von der wir nichts wissen. Z.B.: Ein erfolgreicher Atomwissenschaftler hat nach dem Fall der Bombe weniger Überlebensvorteil, als der Bauarbeiter. Wird es BraintoBrain Internetflatrate geben? Wird der Islam dominieren oder Pinguine? Werden Kulturreste wieder in Stammesgebiete zerfallen? Oder wird die Welt in 50 Jahren ausreichend Ähnlichkeiten aufweisen zu dem, was wir "Westler" als "Kultur" begreifen. Bislang zeichneten sich "Kulturen" durch bemerkenswerte Instabilität aus.

    Die Welt, in welcher wir heute leben ist auch nicht mehr Menschengerecht!. Doch das wäre ein v?llig anderes Thema. Robert hat Recht. Manche GLAUBEN zu wissen, wie Kinder wahrnehmen, weil wir schließlich alle mal selber Kinder gewesen sind. Ich allerdings habe mehr mit mir unbekannten Erwachsenen meines ungefähren Alters gemein, denn mit dem Kind, welches ich einst gewesen bin.

    Pädagogische Ansätze sollten auch kulturübergreifende Grundaxiome haben. Kinder müssen auch lernen, dass es nicht immer nur um Spaß geht, sondern auch um Konzentration und Lernen, Disziplin und Organisation geht, um selbstständiges Denken (Na, ob man das in der Schule lernt?), denn Wissen ist der einzige Schatz, den keiner verlieren kann. (Falls doch, wirkt es sich kaum auf die Laune des Betroffenen aus)

  11. #11
    Tim12
    Status: ungeklärt

    AW: Beispiel für die Erlebensweise eines Kindes

    Zitat Zitat von rodbertus
    wie wahr, lieber Till!
    und hier zeigt es sich wieder einmal, wie überflüssig doch die arbeit eines lektoren ist
    Verunglimpfe die Lektoren nicht Du Schelm

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