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Thema: Die gläserne Stadt

  1. #1
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    Post Die gläserne Stadt

    Hier eine neue Episode aus dem Martin-Lundgren-Zyklus zum gefälligen Verriß:

    Die gläserne Stadt

    Der Junge rannte.
    Von panischer Angst getrieben hetzte er an Bergen von Geröll und bizarren Felstürmen vorbei in Richtung Tal. Er hielt auch nicht inne, als der Pfad steiler wurde und jeder Fehltritt den Sturz in die Tiefe bedeuten konnte.
    Etwas war hinter ihm her.
    Martin wußte nicht, wie es aussah, er wußte nur, daß etwas Furchtbares geschehen würde, wenn es ihn einholte. Er konnte die Nähe seines Verfolgers spüren, auch wenn es nicht wagte, sich umzusehen.
    Der Junge wurde schneller, manchmal gelang es ihm erst im letzten Augenblick, größeren Steinen oder Geröllstücken auszuweichen, die unvermutet vor ihm auftauchten.
    Die winzige rote Sonne war mittlerweile hinter dem Kamm des Felsengebirges verschwunden, und es wurde rasch dunkel.
    Immer öfter war Martin gezwungen, Hindernisse zu überspringen, weil er sie zu spät bemerkt hatte, dennoch setzte er seine halsbrecherische Flucht mit unverminderter Geschwindigkeit fort.
    Nach einer plötzlichen Richtungsänderung des abwärts führenden Pfades ändert sich der Charakter der Landschaft. Die Felswände wichen zurück und gaben den Blick auf das Tal frei, dessen Sohle allerdings so tief im Schatten lag, daß der Junge noch keine Einzelheiten erkennen konnte.
    Dennoch zögerte Martin keinen Augenblick, sondern lief mit unverminderter Geschwindigkeit den sanft abfallenden Hang hinab in Richtung des dunklen Streifens, der vielleicht Rettung versprach.
    Er konnte seinen Verfolger weder sehen noch hören, dennoch war er überzeugt davon, daß er ihm nach wie vor dicht auf den Fersen war. Die Beine des Jungen trommelten ihren Rhythmus zwischen den keuchenden Atemzügen, doch die zunehmende Dunkelheit verbarg den Talgrund weiter vor seinen Blicken.
    Martin lief weiter, seine Furcht und die vermeintliche Nähe des Zieles ließen ihn jede Vorsicht vergessen, während er mit raumgreifenden Schritten dem Tal zustrebte. Feine Dunstschwaden stiegen auf, und ließen die Landschaft vor ihm im Nebel verschwimmen.
    Den bernsteinfarbenen Streifen auf der gegenüberliegenden Seite des Tales registrierte Martin zunächst nur beiläufig, bis ihm bewußt wurde, daß die Sonne längst untergegangen war. Es mußte also eine andere Lichtquelle geben, die das merkwürdige Leuchten hervorrief.
    Der Junge lief weiter, obwohl der Nebel am Boden rasch dichter wurde und seine Beine fast bis zu den Knien einhüllte. Der Untergrund war jedoch fest und beinahe eben, so daß Martin keinen Grund sah, sein Tempo zu vermindern. Im Gegenteil, das bernsteinfarbene Licht übte eine seltsame Anziehungskraft auf ihn aus und ließ ihn seine Schritte noch einmal beschleunigen.
    Als der Boden unter ihm nachgab, wußte der Junge, daß seine Flucht zu Ende war. Im Fallen riß er die Arme nach vorn, doch der befürchtete Aufprall blieb aus.
    Statt dessen spürte Martin, wie sich die Geschwindigkeit seines Sturzes verringerte. Fast schien es, als hätte die Dichte der Luft um ihn herum so zugenommen, daß sie seinen Fall aufhielt und ihn sanft nach unten schweben ließ.
    Über seine Umgebung und die Tiefe des Abgrundes konnte der Junge allerdings nur Vermutungen anstellen. Graue Nebel hüllten ihn ein und verhinderten jegliche Orientierung. Martin breitete die Arme aus und spürte, wie der Luftwiderstand stärker wurde.
    Es ist weg! Aus irgend einem Grund war sich der Junge plötzlich sicher, daß sein Verfolger ihm auf diesem Weg nicht folgen konnte. Die Erleichterung war stärker als die Furcht vor dem, was ihn am Grund der Schlucht erwartete.
    Unmittelbar vor der Landung lichtete sich der Nebel plötzlich und gab den Blick auf die Umgebung frei.
    Ein Fluß! dachte Martin überrascht, dann spürte er schon den Boden unter seinen Ellenbogen und Knien und rollte sich zu Seite ab.
    Das Flußufer war nur ein paar Schritte vom Ort seiner Landung entfernt. Überrascht starrte der Junge auf die dunkle Wasserfläche, die vollkommen reglos schien. Der Fluß war breit - so breit, daß er das jenseitige Ufer nur als schmalen, leuchtenden Streifen erkennen konnte. Die Nebelbank ließ keinerlei Rückschlüsse über die Tiefe der Schlucht zu. Der schmale Uferstreifen endet an einer senkrechten Felswand.
    Martin war gefangen. Seine Erleichterung über die gelungene Flucht wich einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Am liebsten wäre er liegengeblieben, hätte die Augen geschlossen und darauf gewartet, an einem hellen, freundlicheren Ort zu erwachen ...
    „Hallo Martin!“
    Erschrocken fuhr der Junge auf und starrte in die Richtung, aus der die Worte gekommen waren. Der Fremde stand hinter einem kleinen Felsvorsprung, die dunkel gekleidete Gestalt hob sich kaum vom Schwarz der Wände ab. Sie war zu klein für einen Erwachsenen, kaum größer als er selbst.
    Aber die Stimme? Wo hatte er die schon einmal gehört?
    „Du mußt keine Angst haben, Martin“, versicherte der Fremde. „Ich mache uns Licht.“ Die Gestalt beugte sich nach vorn und legte etwas auf dem Boden ab. Plötzlich ein knisterndes Geräusch wie von einer elektrischen Entladung und im nächsten Augenblick loderte zu Füßen des Fremden ein grün sprühendes Feuer auf.
    Martin war aufgesprungen, bereit, beim geringsten Anzeichen von Gefahr die Flucht zu ergreifen. Doch das einzig Bedrohliche an der zierlichen Gestalt des Fremden war die Maske, die sein Gesicht verbarg. Die Maske glänzte metallisch und wies zwei schmale Schlitze für die Augen und einen größeren in Höhe des Mundes auf. Der Fremde war kaum fünf Fuß groß und alles andere als muskulös. Er trug eine Art Umhang, der seinen zerbrechlich wirkenden Körper vollständig einhüllte. Seine Stimme klang wie die eines Gleichaltrigen, aber noch war Martin nicht eingefallen, an wen sie ihn erinnerte.
    „Komm doch näher“, forderte der fremde Junge Martin auf, während er sich neben dem Feuer niederließ. „Warum bist du überhaupt weggelaufen?“
    „Du warst das?“ In die Erleichterung mischte sich Beschämung. Aber er hatte den Fremden ja nicht gesehen, nur seine Anwesenheit gespürt ... Aber wenn der Junge mit der Maske ihm wirklich die ganze Zeit über gefolgt war, wie kam er dann hierher - in die Schlucht?
    Trotz seiner Zweifel folgte Martin der Einladung des Fremden und setzte sich zu ihm ans Feuer. Vorsichtig näherte er seine Hände den Flammen, konnte aber keinerlei Wärme spüren. Das grüne Feuer war kalt.
    „Frierst du?“ erkundigte sich der Fremde halb neugierig, halb belustigt, als sähe er zum ersten Mal, wie jemand versuchte, sich an einem Feuer die Hände zu wärmen.
    Martin schüttelte den Kopf. Nein, er fror nicht, aber er nur zu gern hätte er gewußt, mit wem er es zu tun hatte und warum der Fremde sein Gesicht verbarg.
    „Die Maske ist ein Symbol“, erklärte der fremde Junge, als hätte er seinen Gedanke erraten. „Es hat eine sehr lange Tradition.“
    Mit dieser Aussage konnte Martin nicht viel anfangen, aber für den Beginn eines Gespräches war sie so gut wie jede andere.
    „Wo sind wir hier eigentlich?“ Seltsam, daß ihm die Fremdartigkeit seiner Umgebung erst jetzt bewußt wurde. „Und wie bin ich hergekommen?“
    „Gar nicht“, versetzte der Fremde mit freundlicher Bestimmtheit. „Aber vielleicht wirst du es nachholen - eines Tages ...“
    Wie meinst du das? wollte Martin fragen, aber dann kehrten die Bilder zurück ... die winzige, blasse Sonne, die roten Felsen, der Sturz in die Tiefe ... ein Traum! Ich träume das alles nur!
    Noch aber verschwamm die Landschaft nicht vor seinen Augen, und das Schwindelgefühl, das diese Erkenntnis üblicherweise begleitete, blieb aus.
    „Du hast recht, Martin“, bestätigte die fremde Junge seine Vermutung. „Morgen früh wurde das alles für dich nur noch ein verwirrender Traum sein. Aber daraus solltest du nicht schließen, daß es diesen Ort nicht gibt.“
    Er redet wie ein Erwachsener, dachte Martin, seine Stimme paßt überhaupt nicht zu dem, was er sagt. Und plötzlich fiel ihm ein, woher er sie kannte, und wurde wütend.
    „Du bist nicht Steve!“ schrie er und hatte Mühe, seine Tränen zurückzuhalten. „Steve ist tooot!“
    Es war noch kein Jahr her, daß Steve Mancuso mit seinen Eltern nach Boston gefahren war, um sich ein Spiel der Pats anzusehen. Sie hatten den Wagen vor dem Hotel stehenlassen und waren mit einem Bus zum Stadion gefahren, den jemand mit zwei Kilogramm C4 präpariert hatte. Kurz vor der Abfahrt Wrentham war es dann passiert. Von Nat Saunders, dem Sohn des Leichenbestatters, wußte Martin, daß in den Särgen Sägespäne gewesen waren, in denen man Steve und seine Eltern beerdigt hatte ...
    „Entschuldige. Ich wollte dir nicht wehtun“, die Stimme des Fremden klang jetzt tiefer, wie die eines Erwachsenen. „Würdest du deinen Freund gern wiedersehen?“
    „Wen ... Steve?!“ Überrascht starrte Martin den Maskierten an. Wie sollte das möglich sein?
    „Komm mit“, sagte der Fremde, ohne Martins Frage zu beantworten. „Ich muß dir etwas zeigen.“
    Etwas zeigen? Dazu müßten wir erst einmal von hier wegkommen, dachte Martin, behielt seine Zweifel aber für sich.
    „Steig ein“, die vermummte Gestalt deutete mit einer einladenden Geste in Richtung Fluß. Jetzt erst bemerkte Martin das kleine Segelboot, das dort angelegt hatte. Sein Rumpf glänzte schwarz wie die Oberfläche des Flusses, die Segel schimmerten grünlich, aber das konnte auch der Widerschein des Feuers sein.
    Martin hätte beschwören können, daß es vor ein paar Minuten noch nicht dagewesen war. Zögernd folgte er seinem Gastgeber, stieg aber erst zu ihm ins Boot, als er sich davon überzeugt hatte, daß das zerbrechlich aussehende Gefährt stabil genug war, sein Gewicht zu tragen. Eine Sitzgelegenheit gab es allerdings nicht, so daß Martin gezwungen war, auf den hölzernen Planken Platz zu nehmen, während das Boot ablegte.
    Der Fremde hatte eine Fackel angezündet und im Heck des Bootes befestigt. Ihr zuckendes Licht spiegelte sich auf der Oberfläche des Wassers. Obwohl Martin nur einen schwachen Luftzug spürte, füllten sich die Schmetterlingssegel mit Luft, und das Boot nahm Fahrt auf.
    „Keine Sorge, es dauert nicht lange“, versicherte der Fremde, und wie zur Bestätigung versank der schmale Streifen Land hinter ihnen im Dunkel, während die Barke Kurs auf das andere Ufer nahm.
    Das bernsteinfarbene Leuchten wurde heller, aber noch verbargen dichte Nebelschwaden das Ziel der Überfahrt.
    „Was ist das?“ erkundigte sich Martin, während sie weiter auf die seltsame Lichterscheinung zusteuerten, deren gewaltige Ausmaße erst aus der Nähe offenbar wurden. Sie war mit Sicherheit mehrere Meilen lang und so hoch, daß es sich dabei kaum um beleuchtete Gebäude handeln konnte, es sei denn, sie wären höher als jedes Haus, das Martin je gesehen hatte.
    „Die Stadt“, erwiderte die maskierte Gestalt im Heck des Schiffes. „Wir sind gleich da.“ Ihre Stimme klang irgendwie verändert, nicht mehr so selbstbewußt, als flößte das leuchtende Etwas seinem Begleiter so etwas wie Ehrfurcht ein.
    Noch einmal tauchte das Boot in eine Nebelbank ein, die Martin für Sekunden die Orientierung nahm, dann lag die Stadt vor ihnen.
    Martin besaß Videoaufnahmen des historischen Manhattan, er kannte die Innenstadt von Boston, und kurz vor der Ausrufung des Flugverbotes war er sogar einmal mit seinen Eltern in San Francisco gewesen. Doch nichts, was er in seinem zwölfjährigen Leben gesehen hatte, hätte ihn auf diesen Anblick vorbereiten können.
    Es war weder die Höhe der einzelnen Gebäude - wenn es sich bei den leuchtenden Gebilden überhaupt um Gebäude handelte - noch ihre architektonische Gestaltung, die die Faszination der Stadt ausmachten. Die terassenfürmig angelegten Kristallstrukturen vermittelten vielmehr die Illusion einer riesigen Freitreppe, die sich vom Ufer des schwarzen Flusses bis hinauf in schwindelnde Höhen erstreckte. Wo die „Treppe“ schließlich endete, wenn sie überhaupt irgendwo endete, blieb dem Betrachter durch den Dunst in der Höhe verborgen. Es gab keine Lampen oder sonstigen Lichtquellen, das bernsteinfarbene Leuchten schien eine Eigenschaft des Materials zu sein, aus dem die einzelnen „Stufen“ bestanden.
    Im Näherkommen erkannte Martin, daß die Stufen in regelmäßigen Abständen von dunklen Schneisen unterbrochen wurden - Straßen oder Wege, die im Schatten lagen. Allerdings bemerkte er weder Menschen noch Fahrzeuge, so daß die Stadt trotz ihrer Lichterfülle einen ebenso erhabenen wie verlassenen Eindruck machte.
    Obwohl zahlreiche Boote an der Kaimauer festgemacht hatten, war keine Menschenseele im Hafen oder in den aufwärts führenden Gassen zu sehen. Allem Anschein nach hielten sich die Bewohner der Stadt im Inneren der Gebäude auf oder es existierten weitere, vielleicht unterirdische Transportsysteme, mit deren Hilfe sie sich innerhalb des weiträumigen Areals fortbewegen konnten.
    Doch all diese Erwägungen verloren für Martin ihre Bedeutung, als sich die Barke dem Hafen so weit genähert hatte, daß er die Musik hören konnte. Vielleicht hatte sich der Wind plötzlich gedreht, vielleicht hatte sie auch erst in diesem Augenblick begonnen, der Eindruck war in jedem Fall überwältigend.
    Die Stadt sang.
    Anders ließ sich der Eindruck nicht beschreiben. Die Töne schienen aus allen Richtungen gleichzeitig zu kommen, und die Melodie erschien Martin auf seltsame Weise vetraut. Die Stadt sang mit tausend Stimmen, kraftvoll und einschmeichelnd zugleich, und der Junge verspürte nur einen Wunsch: mehr davon zu hören. Er vergaß den dunklen Fluß, das Boot und den Jungen mit der Maske; er vergaß seine Eltern, die Freunde und sogar seinen eigenen Namen.
    Auf dem Weg zum Ufer schob sich die Barke vorbei an Dutzenden, vielleicht sogar Hunderten leerer Boote, doch Martin bemerkte sie nicht einmal.
    Die Stadt sang für ihn. Das war keine Vermutung, sondern Gewißheit. Er war angekommen, und die Stadt war darüber genauso glücklich wie er selbst.
    Martins Augen schwammen in Tränen, in denen sich das Licht brach wie in einem Kaleidoskop. Als sich die leuchtenden Kristalle zu drehen begannen, wurde ihm ein wenig schwindelig und er schloß die Augen.
    „Du wirst zurückkommen, Marty“, sagte eine Stimme wie aus weiter Ferne.
    Die Stadt sang lauter, und die Stimme verstummte.
    Ich träume, dachte Martin, als das Schwindelgefühl übermächtig wurde. Noch einmal öffnete er die Augen. Die Türme und Zinnen der Stadt strahlten jetzt heller, als hätte jemand das unsichtbare Feuer in ihrem Inneren noch einmal angefacht. Und dann sah er,daß da doch jemand auf der Kaimauer stand und ihm zuwinkte. Es war Steve. Martin wußte es, noch bevor er die „10“ auf dem Trikot des winkenden Jungen lesen konnte. Die richtige Nr. „10“ gehörte Steves Idol, Bob Mansfield von den New England Patriots, und Steve hatte das Trikot auch an jenem Samstag getragen, an dem er zum letzen Mal zu seinen Eltern ins Auto gestiegen war ...
    Er war nicht tot.
    Im Grunde hatte Martin es immer gewußt. Vielleicht hatte er deshalb nicht weinen können, als sie damals den kleinen, weißen Sarg in die Erde gesenkt hatten. Und er hatte geglaubt, es sei nur wegen der Sägespäne. Alles war falsch gewesen an diesem Tag: Der makellos blaue Himmel, die Sargträger, die in ihren Fräcken wie unbeholfene Riesenkrähen aussahen, und das Orchester des Veteranen-Vereins, das andauernd aus dem Rhythmus kam. Steve hätte sich totgelacht, wenn er dabeigewesen wäre ...
    Nein, Steve Mancuso war nicht tot. Der Fremde hatte ihn nicht belogen. Sein Freund stand da drüben, winkte wie besessen und schien ihm etwas zuzurufen, das jedoch von den Stimmen der Stadt übertönt wurde.
    „Steve“, flüsterte Martin glücklich. „Da bist du ja.“ Er spürte seine Lider schwer werden, und dann versanken der winkende Junge, der Hafen und die gläserne Stadt in einer grauen Nebelwand. Martin Lundgren lächelte und lauschte dem Gesang der Stadt, der ihn einhüllte und erst verklang, als der Junge längst auf dem Weg zu einem anderen Ort in einer anderen Zeit war.

    Gruß
    K.

  2. #2
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Die gläserne Stadt

    Als Lektor habe ich es mir angewöhnt, überflüssige Erklärungen zu streichen. Hier müßte ich sehr viele streichen.

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Die gläserne Stadt

    Ich keine überflüssige Erklärung nicht gefunden habe ...

    K.

  4. #4
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Die gläserne Stadt

    Das wäre ja auch noch schöner, wenn Du hier Texte einstellen würdest, in denen Du von Fehlern weißt. Und weil Du eben nicht erkennst, was überflüssig ist, mein Lieber, brauchst Du dringend Hilfe. Allerdings sperrt sich Deine Hochnäsigkeit gegen eben solche, weshalb Du, schätze ich, in zwei Tagen wieder beleidigt abziehen wirst. Textarbeit aber mache ich nur, wenn ich bezahlt werde, mit Worten oder mit Geld. Schließlich bist Du doch ein Profi, gell, Kassandra?

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Die gläserne Stadt

    Hier irrt der Meister - ein wenig.
    Ich bin nicht so hochnäsig, wie ich machmal tue.
    Was mich an einer bezahlten Teilnahme abhält, ist nicht der Geiz (obschon vorhanden), sondern vielmehr die Abneigung gegen Schreibschulen aller Art.
    Die Gefahr, daß Mindertalentierte des Beitrags wegen bei der Stange gehalten werden, erscheint mir nicht vernachlässigbar klein.
    Mit Worten könnte ich schon "zahlen", das käme auf die Art der Vereinbarung an.

    Gruß
    K.

  6. #6
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    AW: Die gläserne Stadt

    Lieber Kassandra,

    Du schreibst:
    Die Gefahr, daß Mindertalentierte des Beitrags wegen bei der Stange gehalten werden, erscheint mir nicht vernachlässigbar klein.
    Eigentlich solltest Du Robert besser kennen. Selbst wenn er wollte, er würde es nicht über sich bringen einen schlechten Text nicht zu verreißen. Egal ob jemand zahlt oder nicht. Darum wird er es auch nie zu Wohlstand bringen. Robert würde immer in die Hände beißen, die ihn füttern. So ist er nun mal, unser unberechenbarer RvW
    Das einzige was Dir passieren kann ist, dass er sich sich ein wenig mehr Zeit nimmt, um Dich in Grund und Boden zu stampfen.

  7. #7
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Die gläserne Stadt

    Liebe Kyra,

    das ist vom Grundsatz her schon richtig, aber es gibt auch Mitmenschen, die lassen sich von Verrissen nicht abschrecken und produzieren mit leicht masochistischem Vergnügen weiter miserable Texte (vielleicht gehöre ich auch dazu). Und wie wird man die dann los?

    Ich denke, daß materielle Einflüssen gleich welcher Art nicht in ein Forum gehören, wo es in erster Linie um Kunst geht. Wenn es dann in Richtung Buch geht, ist das etwas anderes. Eine Druckerei will keine intellektuellen Werte, so vorhanden, sondern Zaster.

    Mag sein, daß diese Einstellung naiv ist.

    Gruß
    K.

  8. #8
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Die gläserne Stadt

    Und wie wird man die dann los?
    indem man sich verbessert. wozu sonst soll denn eine kritik (in einem forum) sonst gut sein? deine argumentation will mir nicht ganz einleuchten.

  9. #9
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    AW: Die gläserne Stadt

    Ich denke, daß materielle Einflüsse gleich welcher Art nicht in ein Forum gehören, wo es in erster Linie um Kunst geht.
    es ist ein völlig falscher Aspekt, zu denken Kunst wäre unso besser, je brotloser sie sei. Für gute Kunst wird ordentlich gezahlt. Und gute Textkritik ist eine Kunst. Aber halt es wie Du willst. Im übrigen schmeisst Robert auch zahlende Mitglieder raus. Nicht minder gnadenlos wie die anderen.

  10. #10
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    AW: Die gläserne Stadt

    kommentare: ja.
    kommentare zu obigem text: kaum - und dieser hier wohl ebenfalls nicht.

    jedenfalls: kunst. als kommentar. kunst. kommentiert die wirklichkeit. der künstler. kommentiert. das aussen. das innen. das ewig obige unten und das vergängliche umgekehrt.
    dies als kommentar. wozu?

  11. #11
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Die gläserne Stadt

    Der Junge rannte.
    Von panischer Angst getrieben hetzte er an Bergen von Geröll und bizarren Felstürmen vorbei in Richtung Tal. Er hielt auch nicht inne, als der Pfad steiler wurde und jeder Fehltritt den Sturz in die Tiefe bedeuten konnte.
    Etwas war hinter ihm her.
    Überraschung! Warum sagst Du das hier?
    Du hast zwei Möglichkeiten, einen spannenden Text zu zerstören: 1. Du erklärst alles. 2. Du nimmst das Ende vorweg. (Vertreter der hohen Kunst wissen dann allerdings gelegentlich den Anschein zu erwecken, ihren Leser in die Irre zu führen.) Du erklärst hier. Alternative: Beschreibe das Was, aber bleib vage, eben so in dem Sinne, wie der Junge eventuell seine Angst wahrnimmt.
    Martin wußte nicht, wie es aussah, er wußte nur, daß etwas Furchtbares geschehen würde, wenn es ihn einholte.
    schlecht; künstlerische Verzichtserklärung; abgesehen davon: Anfänger geben ihren Helden Namen, beschreiben können sie ihre Helden nicht; sag mir nicht seinen Namen, wenn ich nur weiß, daß es ein Junge ist, ich weiß nicht, wie groß er ist, wo er eigentlich herkommt, ob seine Nase bei Erregung schwitzt, ich weiß gar nichts, immerhin habe ich einen Namen, der aber Schall und Rauch ist; wie beinahe alles hier sehr vage ist
    Er konnte die Nähe seines Verfolgers spüren, auch wenn es nicht wagte, sich umzusehen.
    Der Junge wurde schneller, manchmal gelang es ihm erst im letzten Augenblick, größeren Steinen oder Geröllstücken auszuweichen, die unvermutet vor ihm auftauchten.
    völlig überflüssig, das ist bei einer schnellen Abwärtsbewegung nicht anders zu erwarten, es nimmt Platz weg für das, wasbesonders ist an der Situation, am Jungen, an seiner Hatz
    Die winzige rote Sonne war mittlerweile hinter dem Kamm des Felsengebirges verschwunden, und es wurde rasch dunkel.
    Sprung in der geschichte, der perspektive, weg vom Jungen, von dem ich nichts weiß, nicht einmal etwas ahnen kann, nur weiß, daß er - überraschenderweise - im gebirge Steinen ausweichen muß, wenn er eilig einen Berg hinunter (oder herunter?) rennt, nicht einmal das letzte weiß ich, weil die Perspektive unklar ist.
    Immer öfter war Martin gezwungen, Hindernisse zu überspringen, weil er sie zu spät bemerkt hatte, dennoch setzte er seine halsbrecherische Flucht mit unverminderter Geschwindigkeit fort.
    überflüssig, siehe oben, nichts Neues...
    Nach einer plötzlichen Richtungsänderung des abwärts führenden Pfades ändert sich der Charakter der Landschaft. Die Felswände wichen zurück und gaben den Blick auf das Tal frei, dessen Sohle allerdings so tief im Schatten lag, daß der Junge noch keine Einzelheiten erkennen konnte.
    Also, weißt Du!? Sind wir hier bei einer Landschaftsbeschreibung des Zillertales? Nein? Wieder keine Einzelheiten, kein Bezug zur Hatz, kein Bezug zum Jungen, keine Verdichtung, kein Ruhepunkt, kein Garnichts, nur Text, der irgendwo rumsteht. Entsorgung!
    Dennoch zögerte Martin keinen Augenblick, sondern lief mit unverminderter Geschwindigkeit den sanft abfallenden Hang hinab in Richtung des dunklen Streifens, der vielleicht Rettung versprach.
    Er konnte seinen Verfolger weder sehen noch hören, dennoch war er überzeugt davon, daß er ihm nach wie vor dicht auf den Fersen war. Die Beine des Jungen trommelten ihren Rhythmus zwischen den keuchenden Atemzügen, doch die zunehmende Dunkelheit verbarg den Talgrund weiter vor seinen Blicken.
    Vielleicht fängst Du mit diesem Abschnitt an. Baust noch ein, daß der Junge so und so aussieht, vielleicht indirekt, wenn Du seine Hatz beschreibst, er bleibt irgendwo hängen und reißt sich was auf, schaut mit der und der Nase in diesen oder jenen Dornenstrauch...

  12. #12
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Die gläserne Stadt

    Danke Robert,

    es ist sicherlich richtig, daß der Eingangsteil etwas ausführlich geraten ist (mittlerweile habe ich auch schon ein paar Sätze gestrichen).
    Probleme habe ich mit der Beschreibung des Protagonisten, da der Erzähler eigentlich nur die Stellvetreterfunktion einnimmt - für Martin selbst. Im Grunde ist es eine Martin-Ich-Erzählung, d. h. alles wird aus Martins Sicht erzählt. Da er sich nicht sehen kann, kann er sich auch nicht beschreiben.
    Außerdem ist das Ganze eine Traumsequenz, bei der die Äußerlichkeiten des Träumenden keine Rolle spielen.
    Die anderen Akteure - so vorhanden - werden ja dann auch aus Martins Perspektive geschildert.

    Aber ich werde sehen, wie die Eingangsszene noch weiter straffen kann.

    Gruß
    K.

  13. #13
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Die gläserne Stadt

    Ein Text aus der Lundgren-Reihe. Wie immer in den Texten Kasssandras wird vieles erklärt, auch retardiert, aber am Ende steht eine abgeschlossene Handlung, die vorn und hinten lose Enden besitzt, eben eine Episode. Ob Textzupfen bei einem solchen Text etwas bringt? Ein wenig schon.

    Zur Perspektiven-Problematik, die Kassandra hier anspricht:
    Lundgren scheint mir ein ähnlich durchschaubarer Ich-Stellvertreter zu sein wie Philip Marlowe von Chandler. Kein Ich-Erzähler, sondern ein Er-Erzähler, der quasi ein vorgeschobenes Ich ist. Dioe Beschreibung dieses vorgestellten Ich-Ersatzes erfolgt bei Chandler über andere. Man erfährt als Leser einiges über Marlowe: seine Größe, sein Aussehen, sogar sein Gewicht. Klar, der Mann wird auch ständig verhauen.

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