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Thema: Ein stilles Leuchten

  1. #1
    in nomine Lenae
    Laufkundschaft

    Post Ein stilles Leuchten

    Ein stilles Leuchten

    Ein stilles Leuchten
    ruht auf dem endlosen Meer
    Bewegt sich im Nebel der Zeit - zeitlos
    sanft harmonisch mit Welle und Woge
    Ohne Ziel - ohne Sinn
    Natürlicher Glanz, so majestätisch
    Ein stilles Leuchten
    Gleitet hinab - zu den Schatten meiner Seele
    Unsichtbare Köstlichkeiten ernähren - entgiften
    Ein stilles Leuchten
    umarmt warm mein flackerndes Herz
    Zärtlichkeit - die ich kaum gekannt
    Ein stilles Leuchten
    taucht in meinen Geist
    Läßt es mich sagen:
    Das Leben ist eng mit der Liebe verwandt
    Ein stilles Leuchten
    ruht auf dem Meer
    Bin eben ein Fisch
    Was will ich noch mehr?

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
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    Duisburg
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    621
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    20

    AW: Ein stilles Leuchten

    Ich möchte die Gefühle des Sprechers hier in diesem Gedicht ja gern respektieren, allerdings möchte ich etwas zur Sprachverwendung und letzlich auch zum Sinn sagen.
    Komisch, warum kommt mir das Bild vom Luftballon und der Stecknadel in den Sinn, wenn ich auf das Ende blicke?
    "Bin eben ein Fisch/Was will ich nochmehr?" Damit werden die vorher gemachten Aussagen nicht nur in Frage gestellt, sondern sie erscheinen um so beliebiger. Peng.
    Das "stille Leuchten" ist ja an sich ein schönes Bild, es darf nur nicht überstrapaziert werden, dann bekommt es eine plakativ-kitschige Penetranz, der ich mich höchst ungern öffne. Diese dauernden Wiederholungen ergeben für mich auch keinen natürlichen Rhythmus, in dem sich ein Fisch ja wohl wiegen möchte.
    Ein Beispiel für weiteres zu dickes Auftragen: Nebel... Zeit...zeitlos...sanft...Welle und Woge: einverstanden. Das erzeugt ein wohliges Gefühl, das kommt rüber. Jetzt aber denkt, der Sprecher, dass der Leser noch nicht ganz kapiert hat, worum es geht und pfropft dem Ganzen noch das Wort "harmonisch" auf. Ja doch! Ich habe es doch schon vorher verstanden, dass es um Harmonie geht. Darf ich denn garnichts selber mehr fühlen? Dieser Wink war ein Wink mit einem harmonischen Zaunpfahl aus Beton, der mich platt gemacht hat.
    In der sechsten Zeile ist entweder das Wort "natürlich" oder das Wort "majestätisch" überflüssig. Wieder soll ich bloß nicht abweichen, bloß nicht selbst etwas hinzufügen dürfen, denn meine Gedanken wären ja wohl zu unheilig.
    Warum muss der Sprecher immer alles ganz besonders genau ausformulieren wie in Zeile neun. "Ernähren-entgiften" kann ich mir jetzt genau so vorstellen, will ich aber nicht, nicht in einem Gedicht. Hier ist nichts verdichtet worden, hier ist expliziert worden.
    "Leuchten" kann eine Kerze beispielsweise, sie flackert dann manchmal. Ein Herz flackert nicht. Es flimmert (Kammerflimmern), zuckt, pumpt, oder wie wärs denn mal ganz einfach mit schlagen. Hier findet also in den Zeilen zehn und elf eine relativ stumpfe Übertragung der Begrifflichkeiten statt. Metaphorisches Sprechen funktioniert a bisserl anders.
    Wer es bis jetzt immer noch nicht begriffen hat, ja, für den kommt dann in Zeile 16 die ganz deutliche und hammerharte Erklärung. Der Sprecher schreckt nun vor dem Aussprechen dieser letzten großen Wahrheit nicht zurück und sagt dem Leser ungeschminkt die harte Wahrheit, der er ins Auge blicken muss: "Das Leben ist eng mit der Liebe verwandt" Ich will nun nicht mehr weiterlesen, habe Angst vor weiteren Plattitüden und Klischees, denen ich mich aussetzen muss, denn ich darf hier in diesem Gedicht ja nicht kreativ sein als Leser, ich könnte ja sonst etwas falsch verstehen. Gut, dass ich noch weiterlese, denn am Ende folgt ja die Stecknadel, die all das Aufgeblähte und Profane zum Platzen bringen will: Der Sprecher will ja gar nicht. Was er will? Nun, überlassen wir es ihm.
    Wenn es ein Gedicht sein soll, kann man es noch retten? Ja, ich glaube schon.
    Das stille Leuchten reicht völlig aus, wenn es einmal vorkommt. Danach sollten einge Begriffe wegfallen, die den Leser zu sehr gängeln, der explizierende Ton sollte auch vermieden werden. Klar, aus jedem Knopfloch des Sprechers strömt es heraus, wie sehr er sich wohlfühlt, umhüllt, eingetaucht, harmonisch, glücklich... Aber das muss ich doch nicht alles sagen, aussprechen...es sei denn... und nun komme ich wieder zu den letzten Zeilen, ich will etwas ganz penetrant Aphoristisches schreiben, aber dann mach ich das nicht in Gedichtform.
    Fazit: So sehr ich die Gefühle des Sprechers hier respektiere, so sehr lehne ich die dargebotene Form ab.

    [Diese Nachricht wurde von uisgeovid am 27. Mai 2001 editiert.]

  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Ein stilles Leuchten

    Lieber Uis! Vielen Dank für Deine Beschäftigung mit dem Text. Ich werde Deine Antwort an Lena weiterreichen.

    Ich empfinde dieses Gedicht als zeitgemäß. Es ist ein Träumen im Unbewußten, eine vage Sehnsucht ins postpostmoderne Ungeratene, aber substanzlos. Reste sind da, die aber nur den Bodensatz antippen, um gleich darauf zum nächsten Wiegenbild weiterzuschwappen.

    Aber mich fragt mein Ich, ob ich einen Lyrikband machen müßte mit traumatischem Rest?!

  4. #4
    Kurzvormabschussiger
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    Renommee-Modifikator
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    AW: Ein stilles Leuchten

    Mich stört der dritte Vers. Wenn Zeit im Nebel bewegt ist, dann hat sie Raum und Zeit. Bewegung ist immer an Zeit gebunden. Dann kann SIE nicht zeitlos sein. Das ist ein Widerspruch. Der Widerspruch ist unaufhebbar. Ich wartete die ganze Zeit - beim Lesen des Gedichtes - darauf, diesen Widerspruch erklärt zu bekommen. Das hat sie aber nicht gemacht.

    Ich hab's jetzt zweimal gelesen und finde es ziemlich gräßlich. Warum hast Du es hier hereingestellt?

  5. #5
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Ein stilles Leuchten

    gedankenverlorene Zeit, stilles Leuchten hat einen poetischen Raum mir entworfen, den such ich zeitlebens

    die Begabten sind so schwer zu finden; sie verirren sich leicht und verstellen dann den Rückweg

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