+ Antworten
Ergebnis 1 bis 9 von 9

Thema: zurück

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    7.May 2001
    Ort
    St. Gallen
    Beiträge
    533
    Renommee-Modifikator
    19

    Post zurück

    den bahnhof wiedergefunden und die frühen stunden eines montags, wie alle es immer gewesen sind: verregnet, grau. dennoch, einiges hat sich verändert. es gibt keinen zug mehr heute, den ich verpassen könnte, ich bin am ziel angekommen; auch wenn ich nie hier sein, sondern immer nur weg von hier wollte. und alt bin ich geworden. als bedeute das irgendetwas.

    noch einmal sehe ich, wie sie mir winkt zum abschied und mir ihren handkuss hinterher wirft, während mein zug aus dem bahnhof rollt und ihr davon. ich habe nie herausgefunden, was eigentlich passiert ist. ich weiss nur, es gibt augenblicke, die dauern ewig, und ganze lebzeiten, die an einem einzigen tag verloren gehen.


    die ganze begebenheit? nun gut:

    den bahnhof wiedergefunden und die frühen stunden eines montags, wie alle es immer gewesen sind: verregnet, grau. dennoch, einiges hat sich verändert. alt bin ich geworden, sehr alt; als bedeute das irgendetwas. und es gibt keinen zug mehr, den ich verpassen könnte. seltsam. es ist, als sei ich doch noch am ziel angekommen. dabei wollte ich nie hier sein, sondern ganz im gegenteil, immer wollte ich nur weg von hier.

    Wohl blickte er in meine Richtung, während er sprach, aber er sah mich nicht an, vielmehr ging sein Blick durch mich hindurch und verlor sich im Ungewissen.

    noch einmal sehe ich, wie sie mir winkt zum abschied und mir ihren handkuss hinterher schickt, während mein zug aus dem bahnhof rollt, ganz langsam, ganz langsam ihr davon. sie stand da, inmitten der menschen, unscheinbar zwar, doch wie ein engel im nebel, genauso. ich habe sie nicht gekannt, habe sie nie zuvor gesehen, ich weiss ja nicht einmal, ob sie wirklich mich gemeint hat mit ihrem kuss. bis heute habe ich sie nie wiedergesehen. und nie habe ich herausgefunden, was eigentlich passiert ist. ich weiss nur, es gibt augenblicke, die dauern ewig, und ganze lebzeiten, die an einem einzigen tag verloren gehen.

    Seine Worte klingen nach jetzt, während ich mir eine Zigarette anzünde im Zug, der gemächlich den Ort verlässt. Ich blicke aus dem Fenster, versuche ihn zu entdecken zwischen den Leuten auf dem Bahnsteig. Lebzeiten, die an einem einzigen Tag verloren gehen, denke ich, und in diesem Moment sehe ich sie, in ihrem weissen Kleid sieht sie tatsächlich aus wie ein Engel, sie winkt mir zu und lächelt, obschon sie ziemlich traurig wirkt.


    .
    .
    .
    .
    .
    .
    .
    .
    .
    .
    .
    .


    Bahnhof, wiedergefunden

    Den Bahnhof wiedergefunden. Und mit ihm die frühen Stunden eines Montags, wie alle es gewesen sind, immer: verregnet, grau. Dennoch, einiges hat sich verändert. Es gibt keinen Zug mehr, den ich verpassen könnte. Und alt bin ich geworden, vielleicht zu alt. Als bedeute Zeit irgendetwas. Seltsam, es ist, als sei ich doch noch an meinem Ziel angekommen. Dabei wollte ich nie hier sein, ganz im Gegenteil, so lange ich denken kann, wollte ich nur weg von hier...
    Wohl blickte er in meine Richtung, während er sprach, aber er sah mich nicht an, vielmehr ging sein Blick durch mich hindurch und verlor sich gleichsam im Ungewissen. Ein alter Mann, klein und bärtig, gebückt stand er da vor mir und redete pausenlos vor sich hin.

    Noch einmal sehe ich, wie sie mir winkt. Zum Abschied. Und mir dann ihren Handkuss hinterher schickt, während mein Zug aus dem Bahnhof rollt, diesem hier. Ganz langsam, ihr davon. Sie stand da, inmitten der Menschen. Ich habe nie begriffen, warum der Bahnhof nicht leer ist zu so früher Stunde. Oft habe ich mich gefragt, wohin sie alle unterwegs sein mögen, diese Menschen, aber nie habe ich eine Antwort darauf bekommen. Aber als ich sie sah, da war mir vom ersten Moment an klar, dass sie meinetwegen hier war. Da stand sie. Unscheinbar zwar, doch wie ein Engel im Nebel, genauso. Ich habe sie nicht gekannt, habe sie nie zuvor gesehen, weiss ja nicht einmal, ob sie wirklich mich gemeint hat mit ihrem Kuss. Bis heute habe ich sie nicht wiedergesehen. Und nie habe ich herausgefunden, was eigentlich passiert ist. Mit mir, meine ich. Ich weiss nur, es gibt Augenblicke, die dauern ewig, und ganze Lebzeiten, die an einem einzigen Tag verloren gehen...

    Seine Worte klingen nach jetzt, während ich mir eine Zigarette anzünde im Zug, der nun gemächlich den Ort verlässt. Ich blicke aus dem Fenster, versuche den Alten zu entdecken zwischen den Leuten auf dem Bahnsteig. Augenblicke, die ewig dauern, und dann sehe ich sie, in ihrem weissen Kleid sieht sie tatsächlich aus wie ein Engel, sie winkt mir zu und lächelt, obschon sie ziemlich traurig wirkt, und Lebzeiten...


    .
    .
    .
    .
    .
    .
    .

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    5.October 2000
    Ort
    Bad Füssing
    Beiträge
    932
    Renommee-Modifikator
    20

    AW: zurück

    Ich achte Dein Mühen,nur, bitte, laß den Bahnhof im Dorf.

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    7.May 2001
    Ort
    St. Gallen
    Beiträge
    533
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: zurück

    kann ich leider nicht, weil in diesem dorf, da wo ich lebe, da gibt es keinen solchen. ab und an fährt ein kleines postauto, das schon. aber nachdem die obige begebenheit offensichtlich bereits mit einem fuss im kitsch steckt, würd das postauto deren glaubwürdigkeit wohl vollends ramponieren.

    greetings to you,
    Mr. Jones

  4. #4
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    7.May 2001
    Ort
    St. Gallen
    Beiträge
    533
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: zurück

    kann ich leider nicht, weil in diesem dorf, da wo ich lebe, da gibt es keinen solchen. ab und an fährt ein kleines postauto, das schon. aber nachdem die obige begebenheit offensichtlich bereits mit einem fuss im kitsch steckt, würd das postauto deren glaubwürdigkeit wohl vollends ramponieren.


    ohne allzu aufdringlich sein zu wollen, doch der vollständigkeit halber, hänge ich folglich die entscheidende version an. der bahnhof, wiedergefunden, bleibt dabei allerdings, wo er ist. überhaupt bleibt sich alles gleich, eigentlich; die veränderungen dürften nur mich interessieren.

    Mr. Jones

  5. #5
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    7.May 2001
    Ort
    St. Gallen
    Beiträge
    533
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: zurück

    kann ich leider nicht, weil in diesem dorf, da wo ich lebe, da gibt es keinen solchen. ab und an fährt ein kleines postauto, das schon. aber nachdem die obige begebenheit offensichtlich bereits mit einem fuss im kitsch steckt, würd das postauto deren glaubwürdigkeit wohl vollends ramponieren.


    ohne allzu aufdringlich sein zu wollen, doch der vollständigkeit halber, hänge ich folglich die entscheidende version an. der bahnhof, wiedergefunden, bleibt dabei allerdings, wo er ist. überhaupt bleibt sich alles gleich, eigentlich; die veränderungen dürften nur mich interessieren.

    Mr. Jones




    BAHNHOF, WIEDERGEFUNDEN

    _________________________________

    Den Bahnhof wiedergefunden. Und mit ihm die frühen Stunden eines Montags, wie alle es gewesen sind, immer: verregnet, grau. Dennoch, einiges hat sich verändert. Es gibt keinen Zug mehr, den ich verpassen könnte. Und alt bin ich geworden, vielleicht zu alt. Als bedeute Zeit irgendetwas...
    Zwar blickte er in meine Richtung, während er sprach, ein alter Mann, klein und bärtig, gebückt stand er da vor mir und redete pausenlos vor sich her, doch sah er mich nicht an, vielmehr ging sein Blick durch mich hindurch, verlor sich gleichsam im Ungewissen.
    Noch einmal sehe ich, wie sie mir winkt. Zum Abschied. Und mir dann ihren Handkuss hinterher schickt, während mein Zug aus dem Bahnhof, diesem hier, rollt. Ganz langsam, ihr davon. Da stand sie, da, inmitten der Menschen. Ich habe nie begriffen, warum der Bahnhof nicht leer ist zu so früher Stunde. Oft habe ich mich gefragt, wohin sie alle unterwegs sein mögen, diese Menschen. Aber als ich sie sah, da war mir vom ersten Moment an klar, weshalb sie hier war. Einzig meinetwegen. Da stand sie. Unscheinbar zwar, doch wie ein Engel im Nebel, genauso. Ich habe sie nicht gekannt, habe sie nie zuvor gesehen, ich darf ja nicht einmal sicher sein, ob sie wirklich mich gemeint hat mit ihrem Kuss. Bis heute habe ich sie übrigens nicht wiedergesehen. Und nie habe ich herausgefunden, was eigentlich passiert ist. Mit mir, meine ich. Ich weiss nur, es gibt Augenblicke, die dauern ewig, und ganze Lebzeiten, die an einem einzigen Tag verloren gehen...
    Seine Worte klingen nach jetzt, während ich mir eine Zigarette anzünde im Zug, der nun gemächlich den Ort verlässt. Ich blicke aus dem Fenster, versuche den Alten zu entdecken zwischen den Leuten auf dem Bahnsteig. Stattdessen sehe ich sie, ein wunderschönes junges Ding, und in ihrem weissen Kleid sieht sie tatsächlich aus wie ein Engel, sie winkt mir zu und lächelt, obschon sie, wenn mich nicht alles täuscht, Tränen hat in ihren Augen. Ein bisschen erstaunt es mich dann schon, als ich merke, dass mich ihr Anblick überhaupt nicht erstaunt, ich den Alten nie für verrückt gehalten habe.

  6. #6
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    5.October 2000
    Ort
    Bad Füssing
    Beiträge
    932
    Renommee-Modifikator
    20

    AW: zurück

    Alles ist der Wandlung unterworfen, ein alter Mann und ein Engel im Nebel.
    Es gibt diese Momente, die unvergesslich. Meiner war vor über 30 Jahren auf dem Blumenmarkt in Menton, nur ein Versenken in des anderen Augen, und seitdem frage ich mich, was ich mit Ihr versäumt.

  7. #7
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    6.June 2000
    Ort
    Stuttgart
    Beiträge
    526
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: zurück

    Gefällt mir sehr gut dein Textchen, Mr. Jones. Hier und da wiederholst du dich jedoch? Ist das beabsichtigt?

    An Hannemann:
    Und du hast sie auch nie wiedergesehen? Wie schade.

  8. #8
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    7.May 2001
    Ort
    St. Gallen
    Beiträge
    533
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: zurück

    Merci, Mr. Hannemann, merci, Miss Patina.

    Die Wiederholungen: sind schon beabsichtigt, ja. Sofern wir von denselben sprechen. Seit meinem Herrn Lauter hab ich das ein bisschen mir angewöhnt, wiederholend zu schreiben...

    (...und, übrigens, danke dem Fräulein auch für Ihr in einem anderen Ordner...)

  9. #9
    Resurrector Avatar von aerolith
    Registriert seit
    30.October 1998
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    4.504
    Blog-Einträge
    35
    Renommee-Modifikator
    26

    AW: zurück

    Ist das Kitsch oder Poesie? Ich glaube, es ist Kitsch, aufgeblasene Sehnsucht, bei der die zum Reservoir des Poeten gehörigen Bausteine nicht fehlen. Aber der Poet versetzt uns in eine bekannte Situation doch nur, um sie uns durch seine Augen greifbarer zu machen. Hier dagegen wird gebauscht, wiederholt und nicht verdichtet. Hier gewinnt das mögliche poetische Bild keine Freiheit, sondern löst nur Schulterzucken aus. Ja, kennt man, aber hier werde ich als Leser nicht abgeholt und in eine neue Welt geführt, die mir meine triviale Lebenswirklichkeit erweitern könnte. Und darum ist es Kitsch.

+ Antworten

Ähnliche Themen

  1. winter =>> frühling (häng ich zurück?! ^^)
    Von Moon Shadow im Forum Lyrik
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 10.07.03, 20:02

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Ja
  • Themen beantworten: Ja
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •