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Thema: Das Problem des Schriftstellers

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Post Das Problem des Schriftstellers

    Mein Seelenklempner meint, ich sei unzufrieden. Er sagt, es sei nicht gescheit, tagelang am Fenster zu sitzen und, das Kinn auf die Faust gestützt und eine Zigarette nach der anderen rauchend, sich zu fragen, warum man nicht glücklich werden könne. Das bringe nichts, das schade nur. Ich pflichte ihm bei. Aber was heisst tagelang - wochenlang, jahrelang geht das schon so!

    Das Problem des Schriftstellers: Er hat eimerweise Zeit, in der er nichts tun muss als auf den Kuss der Muse beziehungsweise irgendeinen mickrigen Einfall zu warten... warten... warten... Andere mögen diesen Umstand Luxus nennen. Tatsächlich aber dreht man Däumchen und durch dabei.

    Es kommt vor, dass ich aus Langeweile ein Streichholz anreisse und damit mein Haar in Brand stecke. Dann geh ich vor den Spiegel im Badezimmer und betrachte das Nest von feuerroten Schlangen auf meinem Kopf. Oder ich nehm den Revolver aus der Schublade und drück seine kalte Öffnung an meine Schläfe, stundenlang. Oder ich schnipsle mit der Schere an meinen Pulsadern herum, auch das kommt vor, zuweilen.

    Mein Seelenklempner, eigentlich ein kluger Mann, ist überzeugt, die Ohrfeigen seien schuld. Dabei ist Vater seit fünfzehn Jahren tot. Das Ungeklärte, Unverziehene zwischen ihm und mir, von dem mein Seelenklempner so gerne und oft erzählt, liegt längst verscharrt auf dem Friedhof. Aber ich sage es meinem Seelenklempner nicht, dass er Blödsinn redet, obwohl sein Job eigentlich das Zuhören wäre. Stattdessen mache ich es wie immer, wenn ich Leute quasseln höre: Ich schliesse die Augen und sehe Kanarienvögel. Oder ich frage ihn, was ich seiner Meinung nach tun solle.

    Dabei kenn ich das Problem doch: Die Zeit ist's, die Zeit, die ich habe. Wenn ein Mann Zeit hat, ohne sie zu brauchen, wird er wahnsinnig. Wenn er wahnsinnig wird, dann wegen Kleinigkeiten. Ich nehm es jedem übel, der mir guten Tag sagt. Ich hasse Ironie. Eines Tages werd ich anfangen zu schreien und nicht mehr aufhören können damit. Man wird mich dann ins Irrenhaus stecken, kein guter Gedanke zwar, aber ebenso wenig ein schlechter, für mich wird sich nichts ändern, so oder so. Bleibe ein Schriftsteller, der nicht viel los hat, dafür aber Zeit, gähnend viel.

    Das Bedeutungslose macht Sinn, sag ich immer, und nichts ausserdem. Andernfalls brächte ich als Schriftsteller keinen Satz zustande. Ich schreibe übrigens immer über mich - worüber sonst?

    Ausserdem bin ich ein ordentlicher Mensch. Jeden Abend leg ich mir auf dem Stuhl meine Kleidung für den nächsten Tag parat: Hemd, Hose, Jacke, Unterwäsche und Krawatte. Ich rechne fest damit, am nächsten Morgen wieder aufzuwachen. Dementsprechend gewissenhaft bereite ich mich auf die Fortsetzung vor.

    Nicht heute. Stattdessen hab ich den Revolver poliert und die Trommel, in der drei Patronen waren, auf sechs aufgefüllt. Keine halben Sachen. Ich sag mir, ich kratz sowieso ab. Vorstellen kann ich's mir freilich nicht, wie ich als Skelett metertief unter der Erde vermodere und zu Staub zerfalle. Aber für den Ernstfall hab ich als Schriftsteller ja vorgesorgt: Hab Zeit gesammelt und beiseite gelegt, bin auf alle Fälle bereit für alle Ewigkeit.

    _______________
    2001 Mr. Jones

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Das Problem des Schriftstellers

    Und wer, meinst Du, räumt die Sauerei wieder auf, die Du hinterläßt? Dein Hirn, das zerfetzte Ohr und das Blut auf dem Teppich?
    Typisch Schriftsteller, seine Launen pflegen und nicht an die Putzfrau denken.

  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Das Problem des Schriftstellers

    Wirklich DAS? Kaum. Aus Deinen Zeilen spricht Leere.
    Eine Aufgabe, die nur das ist, was der Name mitsagt: gegeben wurde, ein Vorbei. Ich frage nach dem Glauben, der in der Seele wohnt, nach einem Verdikt der Vernunft, sich selbst am Schopfe zu fassen.. So ein Mensch, wie Du ihn da schilderst, der lebt doch nicht, der müßte doch selbst einmal die Frage aufwerfen, ob er denn nur existiert, nur die Faxen eines kahlen Schädels als arteigenes Unempfinden preist.. Kommt er denn einmal dazu, sich zu den Blumen hernieder zu beugen und sie zu küssen? Was ist das, ein Kuß? Zeit fließt nicht immer, manchmal dauert sie auch.

    Andere Lesart:
    Die Stadt, in der Du lebst, steht beizeiten auf und geht auch zeitig schlafen.

    Die Zeit floß im Rhythmus und ließ Spielräume; die Menschen jedoch behaupteten häufig, sie hätten keine Zeit. Derweil meinten die Einheimischen damit das Nichtvorhandensein einer wesend-gegenwärtigenden Zukunft und verwechselten das vulgäre Nacheinander herkömmlichen Zeitempfindens mit dem ihnen innewohnenden nichtvulgären Vertrautsein in dem ewigen Flie?en alles Gewesen-Gewordenen. Es ist wohl einfacher zu sagen, man hätte keine Zeit. Das ist zeitgemäß!
    Darin strudelst Du so herum, denke ich.

    Aber mit DEM SCHRIFTSTELLER hat das alles nicht viel zu tun. Na ja, ein bißchen, weil in Schriftstellern Zeit kumuliert.

  4. #4
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Das Problem des Schriftstellers

    Lieber Mr Jones,

    ich danke dir für die prompte Bedienung, auch wenn dein Text nicht ganz das war, was ich von dir wollte. Ich dachte eher an eine Geschichte als an ein Wälzen im Selbstmitleid. Wir leiden mal wieder am Leben? Nun, ja...
    Aber du hast natürlich recht: Wir schreiben immer über uns selbst. Es gibt nichts anderes, worüber zu schreiben sich lohnt.
    Aber deine Analyse des "horror vacui" ist m. E. falsch. Ich als Autor suche nicht wochenlang nach Einfällen, sondern nach Worten, diese Einfälle adäquat zu Papier zu bringen. Bei mir müssen Ideen zu Geschichten bewusst Monate, machmal Jahre reifen, bis ich den ersten Satz aufschreibe, dann geht alles wie von selbst, denn die Geschichte steht bereits geschrieben im meinem Kopf. Das ist dann wie eine Explosion.

    Was du hier abgeliefert hast, ist nur der Einfall, ein paar nicht einmal originelle Gedanken, die zwar sauber ausformuliert sind, aber dennoch nur wie Makulatur wirken. Du hast deinen Einfall nicht reifen lassen, der Person kein Leben gegeben.
    Mach mehr draus, lass dir Zeit, erwäge, erzähle mehr, berichte. Gib der Figur eine Vita, auch wenn du dann kein Wort davon im Text erwähnst. Lies vielleicht vorher mal wieder Robert Walser.
    Und bleib in der Zwischenzeit bis zu deinen Ferien bei der Poesie.

    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  5. #5
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    AW: Das Problem des Schriftstellers

    Robert Walser - ausgerechnet - pfff...

  6. #6
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Das Problem des Schriftstellers

    Ja, klar, Robert Walser, wird eh viel zu wenig gelesen. Denn da gab es noch was zwischen Gotthelf und Dürrenmatt in der Schweiz.
    Nicht immer können die Russen helfen. Obwohl, Isaak Babel vielleicht, in diesem Fall; jedenfalls einer von den Serapionsbrüdern, bevor sie Stalin mundtot oder anders tot gemacht hat.

    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  7. #7
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Das Problem des Schriftstellers

    Hannemann: Meinst wirklich, der bringt sich um? Ich trau ihm das eigentlich nicht zu, sondern höchstens nen literarischen Selbstmord. Ist schliesslich ein Schriftsteller, noch dazu einer, der nicht lebt. Was soll er also töten?

    Robert: DEN Schriftsteller gibt es nicht. Es gibt nur einen. Unter anderen. Zum Rest äussere ich mich nicht.

    Klammer: Das Leben eines solchen Menschen kann nur Makulatur sein... Im übrigen: ICH BIN NICHT DIESER SCHRIFTSTELLER. Sondern: Es ist der Luxus des Schriftstellers, Zeit zu haben. Las ich. Und nahm mir vor, mit obigem Typus von Schriftsteller dies Zitat ad absurdum zu führen. Womit Du aber recht hast: Robert Walser wird viel zu wenig gelesen.

    Ich gestatte mir noch anzufügen: Was fehlt in euren Kommentaren, aber, wie ich denke, nicht in meinem Teckstchen, ist - Ironie.

    Dankschön fürs Lesen.

    dear greetings,
    Mr. Jones

  8. #8
    Luschka
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    AW: Das Problem des Schriftstellers

    Hey Indy, durch Ironie spricht immer noch etwas anderes. Scheint also doch das Problem des Schriftstellers der Schriftsteller zu sein (ja ja, ich weiss, messerscharfe Erkenntnis...)

    Luschka

  9. #9
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Das Problem des Schriftstellers

    Lieber mr. jones,

    natürlich bist du nicht dieser Schriftsteller. Ich habe selbst immer damit zu kämpfen, dass ich mit meinen Figuren verwechselt werde. (Nach einer Eismann-Lesung wurde ich mal gefragt, wie meine Frau mit jemandem wie mir leben könne.) Mir war klar, dass das Selbstmitleid ironisch gemeint war.
    ABER: Der Text ist dennoch von DIR. Und Selbstmitleid, seien wir ehrlich, ist doch die tiefste Empfindung, die wir Autoren empfinden, du, ich, Robert, usw. und eben deine Figur.
    Ich glaube übrigens auch nicht, dass er sich erschießt. Er kokettiert mit dem Selbstmord.
    Er leidet an der Welt und er genießt es masochistisch, ohne zu erkennen, dass er selbst Teil dessen ist, was er so larmoyant ablehnt.
    Auch hier ist er wie du und ich und Robert, usw.
    Damit das allerdings deutlicher wird und du nicht mehr enttäuscht feststellem musst, dass niemand deine Ironie versteht, musst du eben deutlicher werden, ausschmücken, vom Statement zur Erzählung schreiten.

    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  10. #10
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Das Problem des Schriftstellers

    Original erstellt von Klammer:

    ...damit das allerdings deutlicher wird und du nicht mehr enttäuscht feststellem musst, dass niemand deine Ironie versteht, musst du eben deutlicher werden, ausschmücken, vom Statement zur Erzählung schreiten.

    Gru?, Klammer
    dankschön, werter klammer. hab deine stellungnahme zu meinem teckstchen gern gelesen; trotzdem widerspreche ich jetzt; nicht ohne sicherheit. zum einen bin ich überzeugt, einer mehrheit entgeht das augenzwinkern des 'problems' nicht beim lesen. andernfalls - und auch dieser möglichkeit bin ich ja durchaus nicht abgeneigt - ist da eine beachtliche leere. die zu füllen ist nicht in meinem sinn, sondern ganz im gegenteil: das gehört schon dazu, dieses nichts, darum gehts recht eigentlich. wärs ein bild, dies problem des schriftstellers, es wär ein skizzenhaftes. zwei drei bleistiftstriche, kaum konturen dürften auszumachen sein. so nämlich ist das leben dieses schriftstellers einzig darzustellen, zu 'beschreiben'. eben deshalb darf ich keinesfalls zur erzählung schreiten, denke ich.

    beim 'lauter' etwa hab ich mich einen schritt in eine andere richtung gewagt. im grunde gings aber um dasselbe, und das ist das vakuum, das verschwinden des lebens, und genau dies ist eben nicht sehr viel - man umkreist es mit worten, dies wenige bis nichtige, aber schnell ist dann etwas da, und genau das darf nicht sein. insofern habe ich mich meinem ziel mit beiden texten, glaub ich, recht angenähert. angekommen freilich bin ich noch nicht.


    dear greetings,
    and thanx,

    Mr. Jones


    ps.
    ist nicht sehr konventionell, mein thema, nur meine mittel sind es, grösstenteils. und der reiz des nichtigen lebens ist für andere nicht eben gross, die erfahrung hat mich dies längst gelehrt. trotzdem schreib ich da auch weiter drum rum, hab verständnis, man schreibt schliesslich nicht für irgendeinen leser, letztlich.

  11. #11
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Das Problem des Schriftstellers

    Hast recht... und ein guter "leerer" Text ist das. Ich habe ihn mit Vergnügen gelesen, muss ich sagen, und keinen langweiligen Satz gefunden; trotz der Langeweile. Aber ich traue ihm schon zu, dass er sich erschiesst.

  12. #12
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Das Problem des Schriftstellers

    Hallo Mr. Jones
    Am Beginn des Textes wird eine sanfte Dramatik aufgebaut, die aber dann dahin führt, dass man dem Schriftsteller nicht mehr so recht glauben kann, dass es ernst gemeint ist. Nenne es Ironie, die könnte noch ein wenig drastischer aufgebaut sein, sonst kommen noch die Erstlinge, und denken, das des Schriftstellers Turmleben eben so ist. Besser wäre wohl "DER SChriftsteller", also nur einer von vielen, eine besondere Spezies. Dein Titel verallgmeinert und ruft beim Lesen des Textes eigentlich imerzu Widerspruch hervor. Ich denke schon, dass die meisten mal ein derartiges Blackout haben, aber insgesammt müsste es doch in fast jedem Kopf vor lauter Wortschrauberei summen, wie eine Nähmaschine in Betrieb. DA ist dann der Punkt, nicht genug Zeit zu haben alles zu bewältigen, weil zuviel im Koppe summt.

    Gruß sl

  13. #13
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    AW: Das Problem des Schriftstellers

    sl: mit dem titel magst recht haben. ich denk drüber nach. herzlichen dank dir für die stellungnahme.

    a: dankschön auch dir.

    always
    dear greetings
    to all of you,
    Mr. Jones

  14. #14
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Das Problem des Schriftstellers

    was mir gefällt, sind die verbrannten schlangenhaare. medusa? blick, der alles zu stein macht? keine idee, zu viel zeit. (kannst übrigens froh sein, dass es so ist, andere müssen mit arbeit ihre zeit verschwenden.)
    aber zurück zu medusa. der trick wäre eben perseus zu sein.
    das ist in der literatur wichtig. leichtigkeit-
    ohne die sprachkörperlosigkeit, hätte die ganze literatur keinen platz in der welt.
    flügelschuhe.
    kann natürlich schief gehen, siehe dedalus und sohn. aber bei dir scheint es nicht der fall zu sein.
    mach weiter. enthaupte!
    (der vorteil an den griechen, ist, dass sie ein beispiel für alles haben.)
    gruß,
    ariadna.

  15. #15
    rodbertus
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    AW: Das Problem des Schriftstellers

    Ariadna, deren Haare waren nicht verbrannt. Die Dinge leben aus sich selbst, bedürfen keiner Erstarrung, die aber hier gelegentlich obwaltet. Das ist es, was den Text leer schleppt, wortetragende Wortungen schleppen den Sinn heraus. Zum Leser? Eher in ein Nichts, wo sie wesen. Und manche Ungenauigkeiten verhehlen den Eindruck nicht, hier schleppt einer schwer an seiner Passion. Was das Lesen schon wieder spannend macht. Doch Spannung will ich eigentlich beim Lesen nicht empfinden, wenn es ums Ärgste und Existenziellste eines Schreibenden geht, das Wort. Hier dient es, ist es aber nicht sehr viel mehr als ein Diener?

  16. #16
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Das Problem des Schriftstellers

    ob der jemals geschrieben hat?
    ob der jemals schreiben wird?
    texthülsengenesendes dienertier.
    er sollte einfach am wasser des jeden morgen ordentlich polierten zahnputzbechers ersticken. und das dingendst nächstens...

    hohles pferdeapfelkompott

  17. #17
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Das Problem des Schriftstellers

    robert-
    "Und manche Ungenauigkeiten verhehlen den Eindruck nicht, hier schleppt einer schwer an seiner Passion."
    ja. und das noch in ganz traditioneller art.
    deshalb hab ich auch das mit der leichtigkeit, die fehlt. der inhalt kann leere, schwermut etc. sein- aber die sprache, die muss lebendig sein, schnell, wie perseus eben.
    aber jones hat das ansatzweise, einen kanarienvogel jedenfalls. ich habe mich nicht gelangweilt und das ist ein gutes zeichen.
    aber die traditionelle schwere sollte weg. es klingt nicht ironisch genug. dafür fehlen brechungen.
    gruß, ariadna.

  18. #18
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    AW: Das Problem des Schriftstellers

    manchmal muß man die buchstaben mit dem meisel in den felsen rammen, manchmal schweben die worte wie federn umher, manchmal genügt es sich hinzulegen zum sterben, das entspräche einem mord am wort -
    das scheint mir der punkt. der wunde. die wunde. klafft.

  19. #19
    Wilson
    Laufkundschaft

    AW: Das Problem des Schriftstellers

    Der Text ist schwer.

    Der Text umkreist die Leere.

    Die Ironie kann geahnt werden, nicht aber herausgelesen aus des Schriftstellers Zeilen. Es erfordert deshalb die Entscheidung des Lesers, ob er den Text als ironisch gemeint verstehen will oder eben nicht. Zwei Möglichkeiten sind gegeben.

    Inhaltlich geht es aber doch um die vielbeschworene Unsterblichkeit des Künstlers, und hier finden wir unsere Brechung.

    Der Text stellt dar einen Gegensatz zwischen ewigkeitsausfüllendem Ruhm und tatsächlich nichtigem Inhalt eines Kopfes, eines Lebens, als gäbe es nix zu sagen.

    Klein, fein, und nicht abzuschütteln wie eine lästige Fliege.

    Meine Meinung ist die Meinung - Wilsons.

  20. #20
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    AW: Das Problem des Schriftstellers

    Was ist Ruhm? Wenn er in die Ewigkeit hineingreift, wird er gegenständlich, greift Ewiges auf, was einzelne sich in ihrer Phantasie zu modeln wissen. Das kann keine Leere sein, auch einen Gegensatz der Leere kann ich da nicht konstruieren. Dummköpfe versuchen's! Setz ein Wasser und denk das Gegenteil? Bei Antipoden mag's funktionieren, aber das Gegenteil von Wasser ist nicht Feuer, das Gegenteil von Ruhm nicht Leere.
    Hier sind vielmehr Eitelkeit und Leere das Paar Schuhe, auf denen der wacklige Eigensüchtige einherwackelt.

  21. #21
    resurrector
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    AW: Das Problem des Schriftstellers

    Das Problem des Schriftstellers ist zu oft die Ruhmsucht, also Eitelkeit. Gerade die Gespreiztheit als Berufskrankheit basiert auf Eitelkeit, eine charakterliche Herausforderungm, der die meisten unterliegen, unterliegen müssen, zumal die hier auch von Jones thematisierte Einsamkeit zu einem Garprozeß führt, dem Schmoren im eigenen Saft. Ironie, also hier eine strukturelle Ironie, ist in der tat dem Text kaum zuzuweisen, wenngleich die übertriebene Sorgfalt bei der Vorbereitung des kommenden (langweiligen) Tages antithetisch mit dem Revolver steht, also eine strukturelle Ironie im Text auffindbar ist. Dachte ich doch beim Lesen: Du mußt dir neue Munition besorgen! Der Text bekömmt demnach ein "Immerhin!"

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