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Thema: Schuld

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Post Schuld

    Die knöchernen Finger spielten mit selbstvergessenen Träumen. Thanatos breitete seine Schwingen aus. Wie jung er doch war! Saß ihr gegenüber und faßte sich mit einer Geste in das ergraute Haar. „Herrmännle, wie alt bist du jetzt?“
    „Aber Mutter, du weißt doch. Ich geh auf die siebzig zu.“
    Sie erhob sich und holte das Essen. Gulasch für mein Herrmännle. Er starrte derweil fremd auf die Ölbilder, die er als zwanzigjähriger gemalt hatte, auf die Geranien auf der Terrasse, die die Mutter seit zwanzig Jahren pflegte, auf die Bücherregale, die immer noch die gleichen Rücken trugen, wie zu seiner Jugendzeit. Er faltete die Hände ineinander. Ihm wurde feierlich zumute. Wann war er das letzte Mal hier bei ihr gewesen? Vor zwanzig Jahren? Er konnte sich nicht erinnern. Wieviel wert war eine Erinnerung? Was trug sie in sich? Taugte eine Erinnerung erst, wenn jemand tot war? Ein immenser Berg von Schulden türmte sich vor ihm auf. Schuld, die keine Zeit zurückbringen könnte. Die Schuld, sie zwanzig Jahre lang alleine gelassen zu haben. Sie kehrte mit dem Gulasch zurück.
    „Schön, daß du da bist Herrmännle.“ Dabei faßte sie ihn fest an der Schulter. Sie hatte ihm verziehen. Aber die Schuld drückte ihn in Grund und Boden. Sie trug ihm das Essen auf. Er nahm den ersten Bissen. Das Gulasch war zäh. Er mußte ihr das verzeihen, so wie sie ihm verziehen hatte. Schweigend aß er den ganzen Teller auf. Sie kaute immer noch an den drei Brocken Fleisch, die sich aufgelegt hatte.
    „Mutter, willst du nicht etwas mehr essen? Du fällst ja vom Fleisch.“ „Ach Herrmännle, in meinem Alter. Da will man nicht mehr so recht. Mit mir geht‘s bergab. Ich wünschte, ich könnte sterben.“
    „Mutter, sag sowas nicht. Jetzt bin ich zuerst mal da.“
    „Was macht dein Herzinfarkt. Du hast vor Jahren davon geschrieben.“ - „Keine Sorge, Mutter, ist alles intakt. Der Bypass war perfekt.“

    Nach dem Essen setzten sie sich vor den Fernseher. Er war so laut gestellt, daß er nur noch mit seinem Bier rang, das sie ihm hingestellt hatte. Oktoberfestbier. Ein Jahr her. War das schon abgelaufen? Konnte Bier überhaupt ablaufen? Er wollte ihr das verzeihen. Genauso, wie sie das Gespräch auf den Herzinfarkt gelenkt hatte. Er war beim dritten Bier angelangt. Die schöne junge Fernsehsprecherin sprach vom Krieg. Seine Mutter starrte wie gebannt auf den Apparat. Er sah die Brillengläser widergespiegelt in dem Monitor. Er sah sie schon leicht doppelt. Nicht nur die Ansagerin, sondern auch die Brillengläser.
    Er seufzte: „Mutter wer könnte es zurückbringen?“
    Die Mutter war hellwach und antwortete: „Den Krieg?“
    „Ach Mutter, was redest du von Krieg, ich meine die vergangenen Jahre.“ „Ach Herrmännle, dein Vater ist im Krieg geblieben. Ich schau fern und sehe Krieg. Das ist das einzige, was mich fesselt seit sechzig Jahren.“ Er sah ihre Brille nun in einer Multiviisionsshow. Dreifach.
    Er faßte sich ein Herz: Er sagte: „Mutter, ich gehe ins Bett.“

    Er fand das Bett wie vor vierzig Jahren vor. Nur das Bild seiner Tochter hing im Raum. Befremdet starrte er es an. Wann hatte die Mutter das Bild hier hingehängt? Er ging ihn das Bad, um sich die Zähne zu putzen. Er schrubbte sie, nein er meißelte sie. Warum, verdammt hing das Bild seiner Tochter in seinem Zimmer? Es war sein Zimmer. Sie hatte es zu dem Zimmer seiner Tochter gemacht. Die Zahnbürste fand kein Ende. Toste auf und ab. Gleich einem Vulkan verschlang die Zahnbürste die Zähne.

    Er ging zurück und starrte nochmals auf das Bild. Sie lächelte. Eine Zahnlucke zeigte sich. Der rechte Schneidezahn fehlte. Die blonden Haare waren vom Wind zu einer ungestümen Bubenfrisur verweht. Die dunkelbraunen Augen leuchteten. Es waren seine Augen. Überhaupt sah sie ihm ähnlich. Vielmehr sie war sein Ebenbild. Er erinnerte sich eines Fotos. Sie saß als einjährige auf seinem Arm. Er wollte ihr auf die dicke Backe küssen, während sie verwegen in die Kamera grinste. Er wandte sich ab. Die zwanzig Jahre hatten die Schuld nicht getilgt. Sie war nie groß geworden. Ein Unfall im Beisein seiner Mutter. Wie konnte er das seiner Mutter verzeihen?

    Er fiel in einen unruhigen Schlaf. Von der Ferne konnte er noch die lauten Fernsehgeräusche erahnen. Wann immer er hochschreckte, fragte er sich, wann die Mutter ins Bett gehen würde. Einmal wieder riß es ihn wieder aus den Träumen. Er starrte auf seine Uhr. Es war drei Uhr morgens. Der Fernseher lief immer noch. Sollte er aufstehen? Er faßte sich ein Herz und stand mit wackligen Beinen auf. Er trat ins Wohnzimmer. Die Mutter saß im Sessel mit offenem Mund. Schnarchte sie? Er trat zu ihr. Kein Laut drang von ihren Lippen. Er nahm die Fernbedienung und stellte den Fernseher ab. Er beugte sich über sie. Wollte ihren Atem spüren. Aber jener war erloschen. Er konnte es nicht glauben. Sie hatten nicht mehr darüber geredet. Schluchzend fiel er vor ihr auf die Knie: „Mutter, ich verzeihe dir.“ Endlich war es von den Lippen.

  2. #2
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Schuld

    gefällt mir nicht. nicht vom schreibtechnischen, nicht vom inhaltlichen. plakativ. nicht doppelbödig. leider. nein, das ist zu wenig. und der schluss ist wirklich schlecht. beispiele mag ich nicht aufführen. textarbeit lohnt hier nicht.
    mit permesso in die schublade.
    wenn das thema dich interessiert, bringst du das besser hin.

    amicalement b.

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Schuld

    Die Zahnbürste fand kein Ende. Toste auf und ab. Gleich einem Vulkan verschlang die Zahnbürste die Zähne.
    "Mein Gott, Mutter, aber um Himmels willen - großer Gott, was tust Du mir an -, nein, Mutter, ich geh ins Bett!"

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Schuld

    Ich find im Gegensatz zu meinen Vorrednern schon: Der Text hat Momente, und diese Momente werden wir herausarbeitend dem Leser verlängern.


    • Konstruktion schablonenhaft
    • Sprache inakzeptabel
    • psychologisiere mehr


    Laß scheinbar Tiefgründiges weg und zwitschre ein garstig Lied (erzähl nichts vom Unfall, mal das Putzen so aus, daß er Blut leckt, beschreibe die Augen der Alten...)

    Bin nicht für Versenke in Schublade, sondern für Arbeit am Wortwerk. So geht's nicht, bernouilly, daß nur die besten Ideen und Geniestreiche Berechtigung haben, gehört zu werden. Aber der Text ist (noch) schlecht, damit haste recht.

  5. #5
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Schuld

    Wahrscheinlich schwimme ich gerade im großen Sommerloch. Trotzdem versuche ich demnächst den Text nochmal zu überarbeiten.

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
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    Post AW: Schuld

    Warum üerquerte der schuldvolle Hanne die Straße?


    KINDERGÄRTNERIN:
    Um auf die andere Straßenseite zu kommen.


    PLATO:
    Für ein bedeutenderes Gut.


    ARISTOTELES:
    Es ist die Natur von Hannen, schuldvoll Straßen zu überqueren.


    KARL MARX:
    Es war historisch unvermeidlich.


    TIMOTHY LEARY:
    Weil das der einzige Ausflug war, den das Establishment dem Hanne zugestehen wollte..


    RONALD REAGAN:
    Hab ich vergessen.


    CAPTAIN JAMES T. KIRK:
    Um dahin zu gehen, wo noch kein Hanne vorher war.


    HIPPOKRATES:
    Wegen eines Überschusses an Trägheit in seiner Bauchspeicheldrüse.


    ANDERSEN CONSULTING:
    Deregulierung auf der Straßenseite des Hannes bedrohte seine dominante Markposition. Der Hanne sah sich signifikanten Herausforderungen gegenüber, die Kompetenzen zu entwickeln, die erforderlich sind, um in den neuen Wettbewerbsmärkten bestehen zu können. In einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Klienten hat Andersen Consulting dem Hanne geholfen, eine physische Distributionsstrategie und Umsetzungsprozesse zu überdenken. Unter Verwendung des Schuld-Integrationsmodells (GIM) hat Andersen dem Hanne geholfen, seine Fähigkeiten, Methodologien, Wissen, Kapital und Erfahrung einzusetzen, um die Mitarbeiter, Prozesse und Technologien des Hannes für die Unterstützung seiner Gesamtstrategie innerhalb des Programm- Managementrahmens auszurichten. Andersen Consulting zog ein diverses Cross-Spektrum von Straßen-Analysten und besten Hännern sowie Andersen Beratern mit breitgefächerten Erfahrungen in der Transparenzindustrie heran, die in 2tägigen Besprechungen ihr persönliches Wissenskapital, sowohl stillschweigend als auch deutlich, auf ein gemeinsames Niveau brachten und die Synergien herstellten, um das unbedingte Ziel zu erreichen, nämlich die Erarbeiten und Umsetzung eines unternehmensweiten Werterahmens innerhalb des mittleren Schuldprozesses. Die Besprechungen fanden in einer verschuldeten Umgebung statt, um eine wirkungsvolle Testatmosphäre zu erhalten, die auf Strategien basiert, auf die Industrie fokussiert ist und auf eine konsistente, klare und einzigartige Marktaussage hinausläuft. Andersen Consulting hat dem Hanne geholfen, sich zu verändern, um erfolgreicher zu werden.


    MARTIN LUTHER KING, JR.:
    Ich sehe eine Welt, in der alle Hannemänner frei sein werden, Straßen zu überqueren, ohne daß ihre Schulden in Frage gestellt werden.


    MOSES:
    Und Gott kam vom Himmel herunter, und Er sprach zu Hanne "Bereue und Du sollst die Straße überqueren". Und Hanne überquerte die Straße, und es gab großes Frohlocken.


    FOX MULDER:
    Sie haben Hanne mit Ihren eigenen Augen die Straße überqueren sehen. Wieviel Hannemänner müssen noch die Straße überqueren, bevor Sie es glauben?


    RICHARD M. NIXON:
    Hanne hat die Straße nicht überquert. Ich wiederhole, Hanne hat die Straße NICHT überquert.


    MACHIAVELLI:
    Das Entscheidende ist, daß Hanne die Straße überquert hat. Wer interessiert sich für den Grund? Ob schuldig oder nicht. Die Überquerung der Straße rechtfertigt jegliche möglichen Motive.


    JERRY SEINFELD:
    Warum überquert irgend jemand eine Straße? Ich meine, warum kommt niemand darauf zu fragen "Was zum Teufel hat Hanne da überhaupt gemacht?"


    FREUD:
    Die Tatsache, daß Sie sich überhaupt mit der Frage beschäftigen, daß Hanne die Straße schuldvoll überquerte, offenbart seine unterschwellige sexuelle Unsicherheit.


    BILL GATES:
    Ich habe gerade das neue Hannemanni Office 2000 herausgebracht, das nicht nur die Straße überqueren, sondern auch Schulden bezahlen, wichtige Dokumente verwalten und Ihren Kontostand ausgleichen wird.


    OLIVER STONE:
    Die Frage ist nicht "Warum überquerte Hanne die Straße", sondern "Wer überquerte die Straße zur gleichen Zeit, den wir in unserer Hast übersehen haben, während wir Hanne beobachteten".


    DARWIN:
    Hannemänner wurden über eine große Zeitspanne von der Natur in der Art ausgewählt, daß sie jetzt genetisch bereit sind, Straßen zu überqueren.


    EINSTEIN:
    Ob Hanne die Straße überquert hat oder die Straße sich unter Hanne bewegte, hängt von Ihrem Referenzrahmen ab.


    BUDDHA:
    Mit dieser Frage verleugnest Du Deine eigene Schuldnatur.


    RALPH WALDO EMERSON:
    Der Hannemann überquerte die Straße nicht ... er transzendierte sie.


    ERNEST HEMIGWAY:
    Um zu sterben. Im Regen.


    COLONEL SANDERS:
    Ich hab eines übersehen?


    CLINTON:
    Ich war zu keiner Zeit mit diesem Hanne allein..bin nicht schuld..

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